Archiv für Hamburger Morgenpost

Von Fehlern und Fehlerinnen

Zugegeben: Das mit Europa, das ist unübersichtlich. Es gibt die Europäische Union (EU), die auf die Europäischen Gemeinschaften (nicht zu verwechseln mit der Europäischen Gemeinschaft) zurückgeht, den Europarat (nicht zu verwechseln mit dem Europäischen Rat oder dem Rat der Europäischen Union), den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (nicht zu verwechseln mit dem Europäischen Gerichtshof der Europäischen Union, obwohl genau das immer wieder geschieht), das Europäische Parlament und die Europäische Kommission, die wiederum Teil der EU sind, außerdem die Europäische Rundfunkunion, die UEFA und die Band Europe. Da kann man schon mal durcheinander kommen.

Trotz dieser offensichtlichen Verwechslungsgefahren nähern sich Journalisten Themen, in denen es irgendwie um Europa geht, häufig mit großer Ahnungslosigkeit Sorglosigkeit. Statt noch mal eben schnell nachzugucken, wird da gerne mal einfach vor sich hinbehauptet. Denn letztlich wissen vor allem die Leser: Europa, das ist immer auch Bürokratie-Irrsinn und irgendwie schlecht für Deutschland.

Im Mai rief die Schweizer Politikerin Doris Stump bei einer Gleichstellungskonferenz des Europarats zum Kampf gegen sexistische Stereotype in den Medien auf, im Juni schließlich schloss sich der Europarat ihren Forderungen an und empfahl dem Ministerkomitee (und damit seinen Mitgliedsstaaten), in den eigenen Verwaltungen auf eine Verwendung „nicht-sexistischer Sprache“ zu achten. Beobachter(innen), die zur Resignation neigen, werden festgestellt haben, dass die Fortschritte auf dem Gebiet in den letzten 20 Jahren anscheinend nicht sehr groß waren.

Gestern veröffentlichte dann „Bild“ auf Seite 1 eine kleine Meldung, deren Langfassung auf Bild.de erschien. Autor Stefan Ernst ging dabei nicht nur auf die Empfehlung des Europarats ein, sondern füllte seinen Text auch mit zahlreichen Beispielen geschlechtsneutraler Sprache aus Frau Stumps Schweizer Heimat an, die allerdings in keinem direkten Zusammenhang zur Empfehlung des Europarats standen. Das alles war also nicht gerade neu und einigermaßen irreführend, aber auch nicht falsch.

„Welt Online“ verkürzte schon etwas und hob den „Leitfaden zum geschlechtergerechten Formulieren“ der Schweizer Bundeskanzlei (PDF) in neue Höhen:

Der Rat in Straßburg will Sexismus bekämpfen und rät zu geschlechtsneutraler Sprache. Es gibt bizarre Ersatzvorschläge.

Europamäßig war da aber noch alles im grünen Bereich.

Schlimmer erwischt hat es da schon den „Berliner Kurier“, der dem Thema heute gleich zwei Kommentare, geschlechtergerecht geschrieben von Mann und Frau, widmet: Martin Geiger echauffiert sich über den „EU-Irrsinns-Stadl“ und fragt angesichts der Straßburger Empfehlungen und des Schweizer Leitfadens:

Wie viel Fantasie muss in Brüsseler Amtsstuben herrschen, um im Wort „Fußgängerzone“ den puren Sexismus der übelsten, chauvinistischen Art auszumachen.

Geigers Kollegin Stefanie Monien geht gleich noch einen Schritt weiter und listet unter der Überschrift „EU will Mama und Papa abschaffen“ noch ein paar „Gaga-Empfehlungen für die EU“ („zum Schmunzeln“) auf und erklärt, dass die Schweiz „im Übrigen“ gar nicht zum Europarat gehöre — was dann richtig wäre, wenn es tatsächlich um die EU ginge und nicht um den Europarat. Konsequenterweise hat die „Hamburger Morgenpost“ Moniens Kommentar gleich die Dachzeile „EU total verrückt“ verpasst.

Mit Dank an Florian S. und Henning.

Ein Beerendienst

Es ist ja nicht so, dass die Umfrage der „Hamburger Morgenpost“ von irgendeiner Relevanz wäre, aber irgendwie kann das mit den Balken trotzdem nicht so ganz stimmen:

Haben Sie dieses Jahr schon Erdbeeren gegessen?

Mit Dank an Stefan S.

Mit Jürgen Klinsmann im Restaurant

Der Hamburger SV sucht einen neuen Trainer und die „Hamburger Morgenpost“ ist sich sicher:

Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird es einer der üblichen Verdächtigen. Jürgen Klinsmann gehört offenbar nicht dazu, es hat kein Treffen mit HSV-Boss Bernd Hoffmann gegeben.

Ein Treffen zwischen Klinsmann und Hoffmann? Wer hat denn so was erzählt?

Die „Hamburger Morgenpost“. Gestern:

Fakt ist: Am vergangenen Mittwoch, einen Tag vor dem Europa-League-Halbfinal-Hinspiel gegen Fulham, traf sich HSV-Boss Bernd Hoffmann mit Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann in einem Restaurant in Hamburg. Der 45-Jährige, am 27. April 2009 nach zehn Monaten beim FC Bayern München gefeuert, war schon mal Kandidat an der Elbe – als Sportchef, nachdem Didi Beiersdorfer zurückgetreten war. Kommt Klinsi jetzt als Trainer?

Der Artikel mit der Überschrift „Was läuft da mit Klinsmann?“ ist inzwischen aus dem Online-Archiv der „MoPo“ verschwunden.

Mit Dank an Bono.

Eine Titelgeschichte aus dem Internet

Am 21. Januar stand es in der „Stuttgarter Zeitung“, in der „Frankfurter Rundschau“ und im „Tagesspiegel“: Die FDP hat mit der Krankenversicherung DKV einen Gruppenvertrag abgeschlossen, der FDP-Mitgliedern Vorteile einräumt.

Solche Rabatte sind (auch für Journalisten) nicht ganz unüblich. Für die „Hamburger Morgenpost“ war es heute dennoch, wenn nicht die wichtigste, so zumindest die größte Story:

Titelseite der 'Hamburger Morgenpost' vom 22.1.201

Dierk Rohwedder, Autor des „MoPo“-Artikels, verweist in seiner Darstellung der Lage einmal auf den Online-Dienst sueddeutsche.de. Doch mehr noch.

Wir sehen links Auszüge aus einem Artikel, den Thorsten Denkler gestern Mittag auf sueddeutsche.de veröffentlicht hat — und rechts den kompletten Text von Rohwedders Titelgeschichte „Billig-Tarif für FDP-Mitglieder“:

sueddeutsche.de mopo.de
  Nach dem Hotelier-Skandal schlittert die FDP in die nächste Krise: Die Liberalen kungeln immer ungenierter mit den privaten Krankenkassen. Die 72000 FDP-Mitglieder bekommen von der DKV, Europas größter privater Krankenversicherung, sogar eine Luxus-Versicherung mit Rabatt und Rundum-sorglos-Paket.
„Exklusiv für FDP-Mitglieder“, so lautet das Angebot. (…) So wirbt die Deutsche Krankenversicherung DKV, Europas größter Privatversicherer, auf der FDP-eigenen Internet-Plattform netzwerk-mit-nutzwert.de. „Exklusiv für FDP-Mitglieder“, so wirbt die DKV (3,7 Mio. Mitglieder) auf der FDP-eigenen Internetseite www.netzwerk-mit-nutzwert.de.
Hochgespült hat die Geschichte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck. Das hatte der Grünen-Abgeordnete Vollker Beck am Vortag im Bundestag enthüllt.
Weitere Informationen? Nur für den, der sich als „FDP-Mitglied verifizieren“ kann. Und das bekommen alle, die sich als „FDP-Mitglied verifizieren“
Es gibt Fünf Prozent Rabatt. Vorerkrankungen sind – anders als üblich – kein Grund, den Versicherungsschutz zu verweigern. Familienmitglieder werden mitversichert und Wartezeiten gibt es auch nicht. Fünf Prozent Rabatt, Vorerkrankungen sind kein Grund, den Versicherungsschutz zu verweigern (anders als sonst üblich), die normalen Wartezeiten gibt es nicht, Familienmitglieder werden mitversichert.
Auf den Seiten der DKV selbst wird es noch deutlicher. Das Logo der Liberalen prangt unter dem der DKV. Daneben drei glückliche Anzugträger und der Claim: „Freie Demokratische Partei und DKV – starke Partner“. „Freie Demokratische Partei und DKV – starke Partner“, so wirbt die Krankenversicherung auf ihrer eigenen Homepage ungeniert mit dem Emblem der FDP.
„Die DKV bietet insgesamt etwa 1000 Firmen und Verbänden solche Gruppenverträge an“, sagt Sybille Schneider, Sprecherin der DKV. (…) Auch der Deutsche Journalistenverband bietet über Gruppenverträge Versicherungen mit der DKV an. Tatsächlich bietet die DKV zahlreiche Gruppenverträge für Unternehmen und Berufsgruppen an, auch für die Pressebranche, Journalisten inbegriffen.
Pikant aber ist, dass ausgerechnet eine Partei, die sich ohnehin massiv für die Belange der privaten Versicherungswirtschaft einsetzt, mit Europas größtem privatem Krankenversicherer kooperiert. FDP-Gesundheitsminister Philipp Rösler sieht seine wesentliche Aufgabe darin, das Gesundheitssystem von der solidarischen Umlagefinanzierung auf private Füße zu stellen. Er hat gerade mit Christian Weber einen Chef-Lobbyisten der privaten Krankenversicherungen zum Leiter seiner Grundsatzabteilung gemacht. In diesem Fall aber ist die Sache pikant, weil die FDP sich schon seit Langem für die privaten Krankenversicherungen starkmacht, bei denen vorwiegend Besserverdienende versichert sind. Der neue FDP-Gesundheitsminister Philipp Rösler arbeitet mit aller Kraft am Umbau des Gesundheitssystems – weg von der solidarischen Umlagefinanzierung hin zur einheitlichen Kopfpauschale mit privater Zusatzversorgung. Das würde das Geschäft aller „Privaten“ erheblich fördern. Unter Röslers Vorgängerin Ursula Schmidt war der Zulauf aus den gesetzlichen Krankenkassen hin zu den „Privaten“ weitgehend gestoppt worden.
Eingefädelt hatte die FDP das Geschäft schon 2003. Parteichef Guido Westerwelle hatte damals seinem alljährlichen „Dreikönigsbrief“ an die Mitglieder eine Broschüre beigelegt, in der FDP und DKV gemeinsam für das Angebot der DKV warben. Laut „sueddeutsche.de“ soll Parteichef Guido Westerwelle selbst die Kooperation mit der DKV ausgehandelt haben.
Nina Katzemich, Sprecherin von Lobbycontrol, sagte zu sueddeutsche.de: „In der Politik entsteht bei so etwas immer der Verdacht, dass sich da ein Unternehmen eine Partei gewogen machen möchte.“ Das gelte „erst recht, wenn sie in Regierungsverantwortung steht, da wird es noch etwas gefährlicher“. Nina Katzemich, Sprecherin von Lobbycontrol, findet das höchst bedenklich. Es entstünde hier der Verdacht, dass „sich da ein Unternehmen eine Partei gewogen machen möchte“. Das gelte erst recht, wenn diese Partei in der Regierungsverantwortung stehe. „Da wird es noch etwas gefährlicher.“

Fast die gleiche Version seiner „Morgenpost“-Geschichte hat Autor Rohwedder übrigens auch im „Berliner Kurier“ und
„Kölner Express“ platzieren können, dort allerdings nicht ganz so prominent:

Titelseite 'Express' vom 22.1.2010

Michaelus Lignum*

Damit sich Papst Benedikt XVI. vor seinem traditionellen Segen am 1. Weihnachtstag besser erholen kann, hat der Vatikan die Christmesse im Petersdom am Heiligen Abend auf 22 Uhr vorverlegt.

Anlass genug für die „Hamburger Morgenpost“, heute diese Frage zu stellen:

Christmesse verlegt - Wie krank ist der Papst?

Wenn man dem Foto, mit dem die „MoPo“ ihre Meldung illustriert hat, Glauben schenken darf, dann ist der Papst sehr, sehr krank — bzw. seit fast fünf Jahren tot:

Papst Johannes Paul II (1920-2005)

*) Holzmichel (lat.)

Mit Dank an Christian L.

Teresa Enkes Trauer, verraten und verkauft

So hätte die Titelseite der „Hamburger Morgenpost“ heute ausgesehen …

Die tapfere Witwe von Robert Enke: Ihr Mut bewegt uns alle. "Wir dachten, mit Liebe schaffen wir das ...", Torwart entschuldigt sich im Abschiedsbrief, Bierhoff sagt Länderspiel unter Tränen ab

… wenn das Blatt nicht eine halbseitige Art Banderole zum Ausklappen als Anzeige verkauft hätte, auf der ein Computerspiel-Händler für eine Umtauschaktion wirbt.

Deshalb lag die „Hamburger Morgenpost“ heute so am Kiosk:

Die tapfere Witwe von Robert Enke: Ihr Mut bewegt uns alle. "Wir dachten, mit Liebe schaffen wir das ..." - "Tauschen geht wohl nicht mehr, oder?"

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber und Henning B. für die Fotos!

Nachtrag: Am Tag darauf schrieb die „Morgenpost“ „in eigener Sache“:

Die Kombination von Schlagzeile und Anzeigenmotiv auf Seite eins der gestrigen Ausgabe der MOPO hat einige Leser dazu gebracht, sich zu beschweren. Verlag und Redaktion der MORGENPOST bedauern dies ausdrücklich. Wir wollten – gerade im tragischen Fall Enke – keine Gefühle verletzen. Leider war es aus technischen Gründen nicht möglich, den Erscheinungstermin der um die Zeitung gehefteten Anzeige zu verschieben.

Die Axe des Blöden

Um die Pointe gleich vorwegzunehmen: Die Quelle für die Geschichte, die seit ein paar Tagen um die Welt geht und natürlich auch von deutschen Boulevardzeitungen begeistert aufgenommen wurde, ist eine Seite namens „Faking News“. „Fake“ ist englisch und heißt soviel wie „Fälschung“. Und für alle, die zweifeln, ob den Meldungen einer Seite, die schon in ihrem Titel darauf hinweist, dass ihre Nachrichten nur erfunden sind, nicht vielleicht doch zu trauen ist, steht unten auf der Seite noch der Hinweis, dass die Artikel nur fiktiv sind und Leser die „Nachrichten“ nicht mit richtigen Nachrichten verwechseln sollten.

Es hat alles nichts geholfen. Die erfundene „Faking News“-Geschichte über den Mann, der die Hersteller von „Axe“ verklagte, weil er trotz reichlichen Gebrauchs des Deos keine Frau zu sich niederduften konnte und sich der in der Werbung beschworene „Axe-Effekt“ partout nicht einstellen wollte, ging um die Welt.

„Faking News“ berichtete, dass der 26-jährige Vaibhav Bedi mit all seinen gebrauchten, ungebrauchten und halb gebrauchten Sprays, Sticks und Rollern, After Shaves, Shampoos und Geltuben ins Gericht getapert sei und von dem Anwalt, der ihn nun vertritt, zuerst für einen Deoverkäufer gehalten wurde. „Faking News“ meldete, dass Vaibhav Bedi beteuere, alle Anweisungen auf den Packungen genau befolgt und zum Beispiel mit einem Lineal sichergestellt zu haben, dass der Abstand zwischen Spraydose und Achsel nie weniger als 15 Zentimeter betragen habe. „Faking News“ schrieb, dass ein bekannter Anwalt es für riskant halte, wenn Unilever, die Firma hinter der Marke „Axe“, Bedis Misserfolg bei Frauen vor Gericht mit seiner hoffnungslosen Unattraktivität und Dummheit zu erklären versuche, weil gerade die tollsten Frauen oft die grässlichsten Männer heirateten. Und „Faking News“ schilderte, dass Bedis versucht habe, die Putzfrau nach Auftrag aller „Axe“-Produkte mit seiner Nacktheit zu beeindrucken, woraufhin sie ihn mit dem Besen attackiert habe.

Nichts davon konnte Journalisten in aller Welt abhalten, diese Geschichte zu glauben und weiter zu verbreiten.

Am vergangenen Sonntag berichteten „Bild am Sonntag“, der „Berliner Kurier“ und die „Hamburger Morgenpost“, Vaibhav Bedi habe Unilever wegen irreführender „Axe“-Werbung auf 30 000 Euro Schadensersatz verklagt. Auch Medien wie „dnews“, „Die Krone“ und „Österreich“ glaubten den Witz. Unter dem entsprechenden Artikel der Online-Ausgabe der „Hamburger Morgenpost“, die sogar mit einem Foto des fiktiven Klägers beeindruckt, stehen schon seit Stunden Leserkommentare, die darauf hinweisen, dass es sich um ein Fake handelt — aber Leser sind bekanntlich keine Journalisten, können also nicht recherchieren und sind insofern natürlich unglaubwürdig.

„Faking News“ hat am Montag nun noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man eine Satireseite sei und die Meldung nur erfunden habe. Die Online-Ausgabe des „Express“ hat ihre Meldung — natürlich ohne Erklärung oder Berichtigung — gelöscht.

Im Artikel der „Hamburger Morgenpost“ findet sich übrigens der schöne Satz:

Anscheinend haben manche Menschen einen unerschütterlichen Glauben an Werbebotschaften.

Ja, das auch.

Mit Dank an Rouven R.!

Nachtrag, 3. November. Die „Hamburger Morgenpost“ hat den Artikel online gelöscht. Das Foto von dem fiktiven Kläger, mit dem die „Morgenpost“ die Geschichte illustrierte, stammt aus Facebook.

Der Horror-Sturz-Horror

Nach dem 5:0-Auswärtssieg des FC St. Pauli bei Alemannia Aachen am Montagabend ist ein St.-Pauli-Fan sechs Meter in die Tiefe gestürzt. Er wurde in ein künstliches Koma versetzt und ist offenbar noch nicht außer Lebensgefahr.

Weil man sich vielleicht nicht so gut vorstellen kann, wie es aussieht, wenn ein Mensch gerade sechs Meter tief aufs Betonpflaster gefallen ist, oder einfach, weil Fotos des Opfers auf dem Markt waren, veröffentlichten Bild.de und Express.de Bilder, die den Fan in einer Blutlache zeigten. Bei Bild.de war er auf dem Bauch liegend von der Seite zu sehen, auf dem Foto bei Express.de lag er auf der Seite, die Tätowierungen auf seinem der Kamera zugekehrten Rücken waren gut zu sehen.

Beide Bilder sind inzwischen aus den Artikeln verschwunden, was unmittelbar mit dem zusammenhängen dürfte, was die „Aachener Nachrichten“ gestern schrieben:

Die Alemannia stellt der Familie [des Mannes] nach Angaben von Pressesprecher Thorsten Pracht „einen renommierten Hamburger Medienanwalt“ auf Vereinskosten zur Verfügung, der zunächst auf Unterlassung der Veröffentlichung der Bilder des gestürzten Mannes klagen soll, die im Internetauftritt von zwei Boulevardzeitungen zu sehen sind.

St. Pauli betet für diesen FanDas rigorose Vorgehen gegen die Konkurrenz hielt die „Hamburger Morgenpost“ aber offensichtlich nicht davon ab, heute ein Drittel ihrer Titelseite mit dem gleichen Foto zu füllen, das Express.de verwendet hatte. Direkt darüber: Ein Foto des Mannes vor dem Unfall, darunter sein Spitzname.

Im Innenteil der „Morgenpost“ findet sich dann ein Foto des Fanblocks, in dem das Opfer als einzige von etwa 50 Personen notdürftig anonymisiert wurde — und gleich daneben eine unverpixelte Nahaufnahme, die den Fan beim Feiern zeigt.

St. Pauli-Fan ringt mit dem Tod

Im Artikel unterhalb des Fotos erklärt die „Morgenpost“:

Gestern bat der Klub darum, die Profis nicht zu den Vorfällen zu befragen. Die MOPO kam dieser Bitte selbstverständlich nach.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Nachtrag, 17:15 Uhr: Die Unterseite im Internetauftritt der „Hamburger Morgenpost“, auf der man sonst jeden Tag das aktuelle Titelbild in zweifacher Ausführung betrachten kann, sieht seit dem Nachmittag so aus:

Kein Titelbild bei der "Hamburger Morgenpost".

2. Nachtrag, 20. August: Auf ihrer Internetseite veröffentlicht die „Morgenpost“ heute mehrere erboste Leserbriefe, in denen die Veröffentlichung des Fotos vom Unfallort scharf kritisiert wird.

Darüber schreibt die Redaktion:

Liebe Leser, das Titelfoto vom verunglückten St. Pauli-Fan […] löste bei den Anhängern teilweise heftige Reaktionen aus. Es war nicht unsere Absicht, Gefühle zu verletzen. Wir wünschen […] gute Besserung und seiner Familie viel Kraft. DIE REDAKTION

Gefühle wollte man also nicht verletzen — mit den Persönlichkeitsrechten sah es da offenbar etwas anders aus.

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