Archiv für abendblatt.de

Ihr Name ist Schweiz. James Schweiz.

Vielleicht haben wir Bild.de gerade ein bisschen Unrecht getan — das Geographieversagen des Tages kommt jedenfalls (bisher) zweifelsohne von Abendblatt.de:

CESSNA IN SCHWEIZ ABGESTÜRZT: Nach dem Absturz eines Kleinflugzeugs über der Sächsischen Schweiz haben Einsatzkräfte der Polizei menschliche Überreste und Ausweispapiere gefunden.

Bei Abendblatt.de wäre die Lawine vermutlich am Niederrhein abgegangen …

Mit Dank an Daniel B. und Michael D.

Nachtrag, 16. Februar: Nachdem man bei Abendblatt.de festgestellt hat, dass die Sächsische Schweiz nicht die Schweiz ist, lautet die Überschrift jetzt „Cessna-Absturz in Sachsen“.

Alter und Aussehen egal

Seit das „Hamburger Abendblatt“ seine Qualitätsoffensive gestartet hat, sind viele Inhalte auf seiner Website kostenpflichtig.

So kann man den Text „Glatteis: 70 Hamburger nach Stürzen im Krankenhaus“ nicht ohne Weiteres lesen. Was man aber kostenlos zu sehen bekommt, ist dieses Foto:

Noch immer sind viele Straßen, Geh- und Radwege spiegelglatt. Böse Ausrutscher leisteten sich am Dienstag mehr als 70 Hamburger.

Es zeigt die Kreuzung der Friedrichstraße mit dem berühmten Prachtboulevard Unter den Linden — in Berlin.

Gut zu erkennen an dem Doppeldeckerbus rechts im Bild und der Fassade des Hotels „The Westin Grand“ am linken Bildrand.

Das Foto zeigt aber nicht nur die falsche Stadt, es ist noch nicht einmal aktuell: Wie unser Berliner Büro berichtet, liegt in der ganzen Stadt Schnee. Vermutlich stammt das Bild aus der gleichen Serie wie ein anderes Winter-Foto, das dpa kurz vor Weihnachten veröffentlichte.

Für zahlende Leser hält das Abendblatt.de, das nicht zum ersten Mal durch mangelnde Genauigkeit bei der Foto-Auswahl auffällt, übrigens eine 21-teilige Bildergalerie bereit:

Fotostrecke: Winter in Hamburg. Hamburg ist jetzt ein Winterwunderland.

Alle Fotos zeigen – soweit wir das überblicken können – Hamburg.

Mit Dank an Peter C.

Eiskalt abgeschrieben

Fiese Freibiermentalität gefährdet nach Ansicht der Axel Springer AG einfach „jedes qualitativ anspruchsvolle Angebot im Netz“. „Abendblatt“-Vizechefredakteur Matthias Iken sang seinen Lesern Mitte Dezember das Klagelied vom bösen Kostenlosjournalismus vor. „Wer Qualitätsjournalismus zum Nulltarif will, will keinen Qualitätsjournalismus“, beschimpfte er das Publikum (und gab diese Woche ein herrliches Beispiel, wie bezahlter Qualitätsjournalismus auf abendblatt.de aussehen kann).

Wie dramatisch muss man sich dann erst die Lage beim (noch) kostenlosen Bild.de vorstellen?

Bei der völlig übertriebenen Panikmache von „Bild“ vor einem angeblich drohenden Schneechaos am Wochenende darf online ein Rückblick auf die Schneekatastrophe zum Jahreswechsel 1978/1979 nicht fehlen. Wo könnte man recherchieren? In einem Geschichtsbuch? In historischen Artikeln aus dem Redaktionsarchiv? Bei Meteorologen oder Zeitzeugen?

Doch warum einen solchen Aufwand für den Artikel betreiben? Das Volk will nicht für Inhalte bezahlen, also will es auch keinen Qualitätsjournalismus. Und zum Glück kann man sich ja bei anderer Leute Freibier bedienen. Also schnell zu Wikipedia.

Artikel auf bild.de
Eintrag bei de.wikipedia.org
In meterhohen Schneeverwehungen bleiben Hunderte Fahrzeuge auf Landstraßen und Autobahnen liegen, Orte sind von der Außenwelt abgeschnitten. Auf Rügen ist ein Zug fast 48 Stunden von der Außenwelt abgeschnitten. Meterhohe Schneeverwehungen brachten den Straßen- und Eisenbahnverkehr zum Erliegen, viele Ortschaften und auch die ganze Insel Rügen, wo ein Eisenbahnzug mehr als 48 Stunden im Schnee steckte, waren von der Außenwelt abgeschnitten.
30 Zentimeter dicke Eispanzer legen sich um die Strom- und Telefonleitungen. Unter dem Gewicht brechen die Masten. Überall fallen die Strom- und Telefonnetze aus. Vielerorts fielen Strom und Telefonnetze aus, da sich bis zu 30 cm dicke Eispanzer um die Leitungen legten und die Strom- und Telefonmasten unter dem Gewicht barsten.
Bundeswehr und NVA sowie die Rote Armee in der DDR müssen mit Panzern den Gemeinden zu Hilfe kommen, deren Räumfahrzeuge die Schneemassen nicht mehr bewältigen können. Räumfahrzeuge der Gemeinden konnten die Schneemassen nicht mehr bewältigen, so dass die Bundeswehr, die NVA und die hier stationierte Rote Armee mit Panzern eingesetzt wurden, um zumindest liegen gebliebene Fahrzeuge und Züge zu erreichen.
Die Inseln an der deutschen Nordsee- und Ostseeküste sind nicht mehr erreichbar. Auf den Bauernhöfen gehen Kleinviehbestände zu Grunde. Örtliche Bäckereien fallen aus, es gibt kein frisches Brot mehr. Ebenso waren die Inseln nicht mehr erreichbar und komplett auf sich selbst gestellt. Kleinviehbestände gingen zu Grunde, der Ausfall örtlicher Bäckereien führte zu Brotmangel.
Die Telefone waren ausgefallen, Gemeinden, Hilfsorganisationen, Bundeswehr, Stromversorger und Bundespost arbeiteten auf unterschiedlichen Funkfrequenzen. Die Bundeswehr stationierte Funkpanzer als Relaisstationen im Katastrophengebiet. Eine Koordinierung der Hilfe war anfangs nicht möglich, da eine Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Hilfsorganisationen, Bundeswehr, Stromversorgern und Bundespost nie geplant worden war: es gab keine gemeinsamen Funkfrequenzen, auf denen man hätte kommunizieren können.
Funkamateure aus Schleswig-Holstein und Umgebung nahmen unmittelbar den Notfunkbetrieb auf. Funkamateure aus Schleswig-Holstein und Umgebung nahmen unmittelbar den Notfunkbetrieb auf und ermöglichten somit eine Koordination der Hilfskräfte untereinander
Auch die Fahrzeuge der Rettungsdienste konnten auf den zugeschneiten Straßen nicht mehr fahren, so dass auch hier die Bundeswehr ihre teilweise eingemotteten geländegängigen Krankenwagen kurzfristig reaktivieren und den zivilen Rettungsbetrieb nahezu komplett übernehmen musste. Auch die Fahrzeuge der Rettungsdienste konnten auf den zugeschneiten Straßen nicht mehr verkehren, so dass auch hier die Bundeswehr ihre teilweise eingemotteten geländegängigen Krankenwagen kurzfristig reaktivieren und den zivilen Rettungsbetrieb nahezu komplett übernehmen musste.

Mit Dank an Jens.

Nachtrag, 18.30 Uhr.

Auch abendblatt.de erinnert an die Schneekatastrophe zum Jahreswechsel 1978/1979 — in den Genuss der handverlesenen Premium-Information kommen allerdings nur zahlende Leser. 7,95 Euro pro Monat kostet der Übertritt vom kostenlosen Journalismus-Jammertal in den Hamburger Qualitätshimmel.

Wer hinter der Bezahlschranke ein exklusives Hintergrundstück zum Schneechaos erwartet wird jedoch enttäuscht — auch die „Abendblatt“-Redakteure haben sich einfach großräumig in der „Wikipedia“ bedient. Doch wenigstens geben die im Gegensatz zur hauseigenen Kostenlos-Konkurrenz offen zu, woher die Ware stammt, und nennen als Quelle „wikipedia“. Womöglich ist das der Qualitätsgewinn, den man als zahlender Kunde bei Springer bekommt.

Nachtrag, 21.30 Uhr.

Inzwischen hat die Redaktion von „abendblatt.de“ den Artikel über die Schneekatastrophe 1978/1979, der in wesentlichen Teilen auf einem Wikipedia-Eintrag basierte, kommentarlos aus dem kostenpflichtigen Bereich gelöscht. Die Redaktion von „Bild.de“ hat ihren Artikel währenddessen um einen Hinweis ergänzt („Ein Rückblick auf den Horror-Winter vor 30 Jahren, wie er in Wikipedia („Schneekatastrophe in Norddeutschland“) und in den Artikeln von damals nachzulesen ist“).

Was Journalismus von PR unterscheidet

Pressemitteilung Nielsen Artikel von Abendblatt.de
(…) Hamburg . Die kleinen Kurznachrichten werden immer beliebter:
Im Juni 2009 weist die Nielsen Nutzerstatistik für Twitter.com 1,8 Millionen Nettonutzer (Unique Audience) in Deutschland aus. Im Juni 2009 weist die Nielsen Nutzerstatistik für Twitter.com 1,8 Millionen Nettonutzer in Deutschland aus.
Damit hat sich die Anzahl derer, die die Website von zu Hause aus oder auf der Arbeit mindestens einmal im Monat anklicken, seit April dieses Jahres fast verdoppelt. Betrachtet man die Nutzung unter demographischen Aspekten, zeigt sich zunächst, dass Frauen mit 54,1 Prozent in der Nutzerschaft im Juni häufiger auf Twitter vertreten waren als die männlichen Twitterer. Nach ihrem Alter aufgeschlüsselt waren es die Nutzer zwischen 25 und 34 Jahren, die – gemessen an ihrem Anteil an allen aktiven Nutzern – überproportional Twitter nutzten. (…) Damit hat sich die Anzahl derer, die die Website von zu Hause aus oder auf der Arbeit mindestens einmal im Monat anklicken, seit April dieses Jahres fast verdoppelt. Betrachtet man die Nutzung unter demographischen Aspekten, zeigt sich zunächst, dass Frauen mit 54,1 Prozent in der Nutzerschaft im Juni häufiger auf Twitter vertreten waren als die männlichen Twitterer. Nach ihrem Alter aufgeschlüsselt waren es die Nutzer zwischen 25 und 34 Jahren, die – gemessen an ihrem Anteil an allen aktiven Nutzern – überproportional Twitter nutzten.
Die Nielsen Statistik schlüsselt darüber hinaus auf, auf welchem Weg die Nutzer zu Twitter gelangen. Rund 1,5 Millionen Nettonutzer geben nicht direkt die URL in ihr Browserfenster ein, sondern finden über andere Internetseiten zu Twitter. Besonders viel Traffic wird von Google generiert. Damit stellt sich die Frage, ob es sich bei den Nutzern um regelmäßige Besucher handelt, denn denkbar ist auch, dass ein Teil der Nutzerzahlen nur aus kurzfristigem Interesse an bestimmten Themen oder erhöhter medialer Aufmerksamkeit resultiert. Die Loyalitätsanalyse der Nielsen Zahlen zeigt, dass 35,7 Prozent der Nutzer des Vormonats im Juni erneut Twitter besuchten. Anders herum betrachtet, waren lediglich 27,2 Prozent der Juni-Nutzer bereits auch im Mai auf Twitter.com. Die Nielsen Statistik schlüsselt darüber hinaus auf, auf welchem Weg die Nutzer zu Twitter gelangen. Rund 1,5 Millionen Nettonutzer geben nicht direkt die URL in ihr Browserfenster ein, sondern finden über andere Internetseiten zu Twitter. Besonders viel Traffic wird von Google generiert. Damit stellt sich die Frage, ob es sich bei den Nutzern um regelmäßige Besucher handelt, denn denkbar ist auch, dass ein Teil der Nutzerzahlen nur aus kurzfristigem Interesse an bestimmten Themen oder erhöhter medialer Aufmerksamkeit resultiert. Die Loyalitätsanalyse der Nielsen Zahlen zeigt, dass 35,7 Prozent der Nutzer des Vormonats im Juni erneut Twitter besuchten. Anders herum betrachtet, waren lediglich 27,2 Prozent der Juni-Nutzer bereits auch im Mai auf Twitter.com.
Ein Großteil der Besucher im Juni scheint also Twitter neu für sich entdeckt zu haben. Ein weiteres Indiz liefert die Anzahl der Visits: Im Juni waren 71,1 Prozent der Nutzer nur einmal auf der Website. Lediglich 14,8 Prozent der Nutzer waren mindestens drei Mal auf Twitter.com unterwegs. Trotz des enormen Interesses, scheint die Nutzung von Twitter im Juni bei vielen Nutzern also eher flüchtig und wenig intensiv gewesen zu sein. Dafür spricht auch die auf der Website verbrachte Zeit: Im Vergleich zu anderen sozialen Netzwerken wie Facebook oder Wer-kennt-wen, weist Twitter eine deutlich geringere Nutzungsdauer auf. Lediglich 6,5 Prozent der Nutzer verbrachten im aktuellen Monat mehr als 30 Minuten auf Twitter. Bei Facebook beträgt der Anteil dieser Nutzer 31,8 Prozent. Auf Wer-kennt-wen verbrachten im Juni sogar 43,8 Prozent der Nutzer mehr als eine halbe Stunde. Dieses Ergebnis ist selbstverständlich auch darauf zurückzuführen, dass das Verfassen der 140-Zeichen-Tweets darauf ausgerichtet ist, schnell und in Echtzeit zu kommunizieren und damit weniger Zeit in Anspruch nimmt als die Kontaktpflege über andere soziale Netzwerke. (…) Ein Großteil der Besucher im Juni scheint also Twitter neu für sich entdeckt zu haben. Ein weiteres Indiz liefert die Anzahl der Visits: Im Juni waren 71,1 Prozent der Nutzer nur einmal auf der Website. Lediglich 14,8 Prozent der Nutzer waren mindestens drei Mal auf Twitter.com unterwegs. Trotz des enormen Interesses scheint die Nutzung von Twitter im Juni bei vielen Nutzern also eher flüchtig und wenig intensiv gewesen zu sein. Dafür spricht auch die auf der Website verbrachte Zeit: Im Vergleich zu anderen sozialen Netzwerken wie Facebook oder Wer-kennt-wen, weist Twitter eine deutlich geringere Nutzungsdauer auf. Lediglich 6,5 Prozent der Nutzer verbrachten im aktuellen Monat mehr als 30 Minuten auf Twitter. Bei Facebook beträgt der Anteil dieser Nutzer 31,8 Prozent. Auf Wer-kennt-wen verbrachten im Juni sogar 43,8 Prozent der Nutzer mehr als eine halbe Stunde. Dieses Ergebnis ist selbstverständlich auch darauf zurückzuführen, dass das Verfassen der 140-Zeichen-Tweets darauf ausgerichtet ist, schnell und in Echtzeit zu kommunizieren und damit weniger Zeit in Anspruch nimmt als die Kontaktpflege über andere soziale Netzwerke.
Das Phänomen Twitter wird online wie offline von Anhängern und Kritikern diskutiert. Dabei wird oft die Frage gestellt, ob sich Twitter dauerhaft als Plattform des Bürgerjournalismus etablieren kann oder ob eher das Alltagsgezwitscher dominieren wird. Eine Analyse der Nielsen Nutzerstatistik belegt den aktuellen Twitter-Trend und zeigt darüber hinaus, von wem Twitter genutzt wird, woher die Nutzer kommen und wie sich ihr Nutzungsverhalten gestaltet. Das Phänomen Twitter wird online wie offline von Anhängern und Kritikern diskutiert. Dabei wird oft die Frage gestellt, ob sich Twitter dauerhaft als Plattform des Bürgerjournalismus etablieren kann oder ob eher das Alltagsgezwitscher dominieren wird. Eine Analyse der Nielsen Nutzerstatistik belegt den aktuellen Twitter-Trend und zeigt darüber hinaus, von wem Twitter genutzt wird, woher die Nutzer kommen und wie sich ihr Nutzungsverhalten gestaltet.
Pressekontakt:
Silke Trost
Snr. Manager Media & Marketing Relations
Nielsen Media & Online Germany
The Nielsen Company
mw

Mehr bei blogmedien.de, die auch ein schönes Schaubild dazu haben.

Unglück im Glück

Das „Hamburger Abendblatt“ berichtete am Sonntag in seinem Internet-Auftritt über einen ungewöhnlichen Zwischenfall:

Ein 13-stöckiges Hochhaus ist in Shanghai umgekippt - doch trotz des Sturzes blieb es weitgehend unversehrt. Tote gab es keine, jedoch einen Verletzten.

Und für die medizinisch Interessierten klärt der Artikel (der – anders als die Einleitung – von dpa stammt) drei Zeilen später über die Art der Verletzungen auf:

Ein 28 Jahre alter Arbeiter wurde unter dem Gebäude begraben und tödlich verletzt, wie lokale Medien berichteten.

Mit Dank an Thomas W.

Und wo kriegt man das geile Zeug?

Es ist dann doch immer wieder beeindruckend, wie gut die automatisch generierten Google-Anzeigen inzwischen erkennen, welcher Werbekunde den Lesern des jeweiligen Artikels den größtmöglichen Nutzwert bietet.

Mit Dank an Nils!

(Nachtrag: Nein, wir haben die Google-Anzeige im Screenshot nicht vergrößert. Sie ist so groß. Es gibt sie aber auch in kleiner, dafür an prominenterer Stelle.)
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