We are the Champions X, Teil 2

„Bild“ Frankfurt setzt da noch einen drauf, druckt das Bild von Seite 1 auf Seite 9 noch mal in groß, titelt: „BILD macht’s möglich: Donnerstag ist Bestsellertag“, schreibt drunter noch mal ausführlich auf, was „der berühmte Literaturkritiker Hellmuth Karasek“ bei der „Bestseller“-Präsentation am gestrigen Morgen so alles erzählen durfte, und lässt „Prominente schwärmen: ‚Die BILD-Bibliothek ist Volksbildung‘.“ Über alldem steht: „Die Buchmesse in BILD Frankfurt“, obwohl „BILD in BILD Frankfurt“ eigentlich ja besser gepasst hätte.

„Veröffentlichungen [müssen] so gestaltet sein, dass die Werbung für den Leser als Werbung erkennbar ist“ bzw. „Die Glaubwürdigkeit der Presse als Informationsquelle gebietet besondere Sorgfalt beim Umgang mit PR-Material sowie bei der Abfassung eigener redaktioneller Hinweise durch die Redaktionen“,

steht im Pressekodex.

Ach ja, übrigens: Auch die „Süddeutsche“ wirbt heute für ihre „SZ-Bibliothek“ – mit einer separaten Anzeige und dem netten Claim:

We are the Champions X

So ist das also:

Es ist d a s Thema der Frankfurter Buchmesse: Die „Bild“-Bestseller-Bibliothek von „Bild“ und Weltbild! 25 Top-Bestseller zum Sensationspreis von 4,99 Euro!

Mag ja sein, und wer sich sehr anstrengt, der wird sicher auch auf der offiziellen Internetseite der Frankfurter Buchmesse irgendwo irgendwas dazu finden. Leichter sind Informationen darüber aber in „Bild“ selbst aufzutreiben. Heute mal wieder auf der letzten Seite in der „In & Out“-Liste oder eben auf Seite 1 unter dieser Überschrift:

Literatur-Papst Karasek präsentiert die „Bild“-Bestseller-Bibliothek

So eine Empfehlung durch einen „Literatur-Papst“ könnte man ja durchaus auch als eine Art von Qualitätssiegel begreifen. Ob zu Recht oder zu Unrecht soll hier gar nicht diskutiert werden, lediglich eine kleine Zusatzinformation, die in „Bild“ leider fehlt, wollen wir noch gerne ergänzen:

Dr. Hellmuth Karasek, 70, wird (…) ab 1. Oktober 2004 exklusiv Autor der bei Axel Springer erscheinenden Zeitungen „Die Welt“, „Berliner Morgenpost“ und „Welt am Sonntag“.

Allgemein  

Nicht berichtenswert

Am 13. August 2004 verlieh „Bild“ seinen „begehrten“ „Orden“ „Retter der deutschen Sprache“ unter anderem an Hans Werner Kilz, den Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“. Der Grund ist einem Bericht einige Tage zuvor zu entnehmen. Am 7. August, als „Bild“ bekannt gab, zur alten Rechtschreibung zurückzukehren, schrieb das Blatt:

Auch die „Süddeutsche Zeitung“ will zur alten Rechtschreibung zurückkehren.

Das war falsch, aber diesen Fehler machten auch viele andere Medien damals. Tatsächlich hatte Kilz sich etwa in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ deutlich differenzierter geäußert:

Ab wann soll die „SZ“ wieder in der altbewährten Rechtschreibung erscheinen?
Ich glaube nicht, daß wir jetzt ein Datum nennen sollten oder irgendwelche Details einer zukünftigen Rechtschreibung. Wichtig ist jetzt das Signal zur Abkehr von der neuen Rechtschreibung. …

Wie wird die „SZ“ zukünftig zum „sz“ stehen? Gibt es Neuerungen, die Sie beibehalten wollen?
Ob wir „dass“ künftig wieder „daß“ schreiben, kann ich nicht sagen.

Diese Differenzierung wurde, wie gesagt, nicht nur von „Bild“, sondern von vielen Medien ignoriert. Die berichten nun allerdings (z.B. hier, hier, hier und hier) nach einer Vorabmeldung des „Stern“ am Mittwoch, dass die „SZ“-Redaktion inzwischen ausdrücklich beschlossen hat, nicht zur alten Rechtschreibung zurückzukehren, sondern einen Kompromiss zu suchen.

Und die „Bild“-Zeitung? Berichtet nicht. Obwohl diese Nachricht ihren bisherigen Behauptungen widerspricht.

Oder sollte man sagen: Weil?

We are the champions IX

Die Musikzeitschrift „Rolling Stone“ wird zehn. Und deshalb „Gewinner des Tages“ in „Bild“. Wundert Sie das? Nur wenn Sie nicht wissen, dass der „Rolling Stone“ seit zwei Jahren im Axel Springer Verlag erscheint. Ob sich die „Bild“-Leute manchmal selbst beim Lesen ihres Blattes langweilen?

Als Service für sie und Sie hier noch einmal alle einschlägigen „Gewinner des Tages“ der vergangenen Wochen (und dabei ist Kohl nicht einmal mitgerechnet):

06.09.: Christian Kracht, „Der Freund“ (Axel Springer)
10.09.: „Welt kompakt“ (Axel Springer)
15.09.: „Auto Bild.de Automarkt“ (Axel Springer)
17.09.: „Welt“ (Axel Springer)
18.09.: Dieter Stolte (Axel Springer)
21.09.: Claus Strunz (Axel Springer)
28.09.: Hans-Olaf Henkel (Axel-Springer-Autor)
30.09.: Volker Koop (Axel Springer)
05.10.: Georg Kofler (Axel-Springer-Geschäftspartner)
08.10.: Rolling Stone (Axel Springer)

„Bild“ ohne Bild

Das „Manager-Magazin“ hat mal wieder eine Liste der „reichsten Deutschen“ veröffentlicht. Und das ist eine gute Gelegenheit (angeregt vom Weblog automat) eine Kleinigkeit nachzutragen. Denn am Dienstag druckte „Bild“ wie viele andere auch die „Manager-Magazin“-Liste nach und hatte tags drauf zudem eine Art Porträt der „reichsten Frau Deutschlands“ im Blatt, das wiederum Bild.de zum Anlass nahm, eine Bilderschau der „Zehn reichsten Deutschen“ aus dem Archiv zu kramen, die offenbar irgendwann mal anlässlich eines ähnlichen Rankings angefertigt worden war (und bei der gerade mal die Plätze 1 bis 3 identisch mit der aktuellen „Manager-Magazin“-Liste sind, aber egal). Beim reichsten Deutschen jedenfalls, dem ALDI-Süd-Chef Karl Albrecht, hat Bild.de statt eines Fotos nur ein ALDI-Logo abgebildet und wie eine Entschuldigung hinzugefügt:

„Es existieren keine Fotos.“

Was, nun ja, schlicht gelogen ist, wie man beispielsweise schon ein Jahr vorher auf dem Cover der „Wirtschaftswoche“ oder bei Forbes.com sehen konnte.

Mit Dank an Wilhelm R. für den sachdienlichen Hinweis.

Rote Karte

1. Der Holländer Marco van Hoogdalem ist seit Januar 1997 bei Schalke 04 unter Vertrag.
2. Im Mai 1997 gewann Schalke 04 sensationell im Endspiel gegen Inter Mailand den UEFA-Pokal.
3. Und Bild.de schreibt über van Hoogdalem, er sei „der letzte der legendären Eurofighter, die 1997 sensationell im Endspiel gegen Inter Mailand den UEFA-Pokal gewannen.“

Klingt einleuchtend, zumal der dazugehörigen Bericht eigentlich nicht vom UEFA-Pokal ’97 handelt, sondern vor allem vom „Krankheits-Drama um Marco van Hoogdalem“: „Heute, 7 Jahre nach der größten Stunde in seiner Fußballer-Karriere, kennt Marco van Hoogdalem nur noch einen Gegner: den Tod!“ heißt es irgendwo zwischen Wörtern wie „Todesangst“, „erschüttert“, „brutales Schicksal“, „unheilbare Krankheit“, „Lebensgefahr“, „Todes-Gefahr“ und „Sport-Bild“, wo die Geschichte eigentlich herkommt. Und, ja, auch in „Europas größter Sport-Zeitschrift“ steht geschrieben:

„Er gewann 1997 den Uefa-Cup“

Und wir sehen: den ehemals sensationellen Gewinner, den Letzten seiner Art, totkrank, wie er (laut Bild.de) „das Ende seiner Karriere … nicht akzeptieren“ kann. Schlimm!

Nur, die Sportexperten irren sich (und leider nicht bei van Hoogdalems Krankheit): Die Sache mit dem UEFA-Endspiel stimmt nicht. Da nämlich war van Hoogdalem gar nicht dabei, wie sich nicht nur auf der offiziellen Schalke-Website nachlesen lässt, sondern z.B. auch im Springer-Schwesterblatt „Berliner Morgenpost“.

Und mag sein, das alles wäre nur eine Lapalie, ein Versehen, nicht so schlimm, wenn die (falsche) Info nicht so verdammt überflüssig wäre für den Rest der Story – und gleichzeitig eine Professionalität vorgaukelt, die man von so sensationellen Nachrichtenlieferanten wie Bild.de oder „Sport-Bild“ gefälligst auch erwarten kann!

Mit Dank an Michael K. für den sachdienlichen Hinweis.

We are the Champions VIII

[Nur so der Vollständigkeit halber…]
Ähm, gestern in „Bilds“ „In & Out“-Liste: die „klasse Autobiographie ‚Ich habe mich gewarnt‘ von SAT1-Moderator Hugo Egon Balder„. Und wer hatte kürzlich einen Vorababdruck dieser klasse Autobiographie im Blatt? Richtig, die „Bild“-Zeitung, diese klasse… Halt! Das geht zu weit, selbst als Scherz.

Nachtrag, 15:36: Ach ja, in der „Blieswoods Lebensregeln“ genannten Version der „In & Out“-Liste vom vorgestern stand natürlich noch „die BILD-Bestseller-Bibliothek. Spannungs-Literatur für 4,99 Euro“ – Sie wissen schon: diese „BILD-Bestseller-Bibliothek“, die „Bild“ heute auf der Titelseite als „Sensation der Buchmesse“ feiert.

We are the Champions VII

Der Axel Springer-Verlag gibt seit 1952 die „Bild“-Zeitung heraus und seit März 2004 beispielsweise auch die 14-tägliche Programmzeitschrift „TV Digital“, für die „die Premiere Fernsehen GmbH & Co. KG als strategischer Partner gewonnen werden“ konnte und die zudem „von Premiere allen Abonnenten angeboten“ wird.

Außerdem hatte Bild.de, also die Online-Ausgabe der im Axel Springer-Verlag erscheinenden „Bild“-Zeitung, bereits im November 2003 „zusammen mit Premiere“ den sog. „Volks-Dekoder“ im Angebot und es dabei nicht belassen, nein: Seither bekommen Besitzer einer Bild.de-Kundenkarte bei Bedarf sogar ein kostenloses Premiere-Probe-Abo, das sich nach Ablauf der Probezeit „automatisch in ein kostenpflichtiges Abo“ verlängert, logo.

Wen wundert’s da noch, dass „Bild“ auf der Titelseite jubelt:

„Der Bezahl-TV-Sender Premiere kann immer mehr Abo-Kunden verbuchen!“

Und dass „Bild“ deshalb den Premiere-Chef Georg Kofler zum „Gewinner“ des Tages macht, versteht sich nahezu von selbst

„Bild“ ist vor Ort

Christina Mänz hat einen beneidenswerten Job. Für die Zeitungen des Springer-Verlages kommt sie richtig viel rum in der Welt. Als Britney Spears heimlich heiratete, berichtete sie aus Los Angeles. Als herauskam, dass Prinzessin Diana „keinen Oralsex“ wollte, schickte sie ihren Bericht aus London. Und nun fuhr sie eigens nach Oslo, um dieser schlimmen Geschichte nachzugehen und einen Aufmacher für die „Bild“-Zeitung daraus zu machen:

Interessanterweise erschien ein Artikel über das gleiche Thema bereits am vergangenen Sonntag im „Observer“, aber das ist ja nichts Schlimmes: Vermutlich ist „Bild“ durch die britischen Kollegen auf das Thema gestoßen und hat dann vor Ort selbst ein bisschen recherchiert; im „Bild“-Artikel werden zum Thema z.B. der norwegische Fischerei-Minister Svein Ludvigsen und die Tierschützerin Gill Sanders zitiert …

… die zufälligerweise auch die Gesprächspartner des „Observer“ waren und zufälligerweise in „Bild“ dasselbe sagen wie im „Observer“. Wie sich überhaupt im „Bild“-Artikel keine einzige Information findet, die nicht im „Observer“-Artikel steht.

Bleibt die Frage, was Christina Mänz in Oslo gemacht hat. Und ob sie vielleicht keine Journalistin ist, sondern eher sowas wie eine Übersetzerin. Jedenfalls ein beneidenswerter Job.

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