Unzertrennlich

In der Berliner Tauentzienstraße hat Deutschlands „modernste“ McDonald’s-Filiale eröffnet, „in Luxusausführung“ und mit „schicker Glasfassade“. „Coole Design-Atmosphäre auf drei Etagen (318 Sitzplätze).“

Manche Zeitungen würden über so einen Bericht mit hübschen Farbfotos und Zitat vom McDonald’s-Regionalmanager einfach „Anzeige“ drüberschreiben. „Bild“ schreibt stattdessen: „Wo kann man richtig lecker essen und BILD-Zeitung lesen?“

Einfach unzertrennlich, die beiden.

I knows it!

Das Internet ist eine praktische Erfindung für Menschen wie Christiane „Ich weiß es“ Hoffmann. Gestern zum Beispiel musste sie möglicherweise bei IKEA an der Kasse stehen und konnte nicht persönlich dabei sein, als sich Prinz Harry in Windsor die Kante gab. Kein Problem: Im Internet kommt Christiane H. nicht nur an Informationen aus fernen Ländern, sondern kann sie sich gleich automatisch übersetzen lassen. Und so schreibt sie:

Mit jeder Menge „Red Bull“, Wodka und anderem Gesöff feierte Rotschopf Harry völlig entfesselt den Verlust seines Polo-Teams beim „Cartier International Day“.

Möglicherweise war es nicht der Verlust, sondern die Niederlage seines Teams, die ihn zum Alkohol trieb. Aber was wissen wir schon?

Er weiß es!

Einer der Sätze, den Franz Josef Wagner in seiner heutigen „Bild“-Kolumne (an die Rechtschreib-Reformer) schreibt, lautet:

„Ich weiß, dass ich Tage habe, wo ich elendig schreibe und nichts zu sagen habe.“

Seine Kollegin Christiane Hoffmann hingegen hat sich in ihrer heutigen „Bild“-Kolumne (über Til Schweiger bei IKEA) für eine andere Formulierung entschieden. Sie schreibt:

„Dreimal 8 Kleiderbügel ‚Bumerang‘ für je 4,95 Euro, zwei Kissen ‚Alvine Bred‘ für je 2,99 Euro, eine Tagesdecke ‚Alvine Blommig‘ für 35 Euro, acht Badetücher ‚Knipplan‘ für je 5,50 Cent, drei Plastiktonnen mit Deckel namens ‚Knodd‘ für je 16,90 Euro. Macht 150,53 Euro (…).“

„Einkaufsliste“ nennt Hoffmann das. In alter Rechtschreibung nannte sich sowas, glaub‘ ich, Kassenbon.

Er weiß es!

Einer der Sätze, den Franz Josef Wagner in seiner heutigen „Bild“-Kolumne (an die Rechtschreib-Reformer) schreibt, lautet:

„Ich weiß, dass ich Tage habe, wo ich elendig schreibe und nichts zu sagen habe.“

Seine Kollegin Christiane Hoffmann hingegen hat sich in ihrer heutigen „Bild“-Kolumne (über Til Schweiger bei IKEA) für eine andere Formulierung entschieden. Sie schreibt:

„Dreimal 8 Kleiderbügel ‚Bumerang‘ für je 4,95 Euro, zwei Kissen ‚Alvine Bred‘ für je 2,99 Euro, eine Tagesdecke ‚Alvine Blommig‘ für 35 Euro, acht Badetücher ‚Knipplan‘ für je 5,50 Cent, drei Plastiktonnen mit Deckel namens ‚Knodd‘ für je 16,90 Euro. Macht 150,53 Euro (…).“

„Einkaufsliste“ nennt Hoffmann das. In alter Rechtschreibung nannte sich sowas, glaub‘ ich, Kassenbon.

Fernsehen wird durch „Bild“ erst schön

Das Schöne an einer Zeitung, die Dinge früher weiß als andere, ist ja, dass man seltener böse Überraschungen erlebt im Leben.

„Bild“ wusste schon am Donnerstag, dass Pro Sieben „Die Alm“ verlängert: Senderchef Jocic „verriet“ der Zeitung: „Weil der Erfolg so groß ist und so viele Zuschauer bei uns angerufen haben, hängen wir noch eine Woche dran.

Bis ins „Bild“-Fernsehprogramm vom Montag hatte sich das allerdings noch nicht herumgesprochen.

In einem Aufwasch

Lustig, dass FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt die Falle nicht gesehen hat, die „Bild“ aufgestellt hatte. Die Zeitung hatte berichtet, dass die zwei Gehalts-Nullrunden des Bundes-Kabinetts durch einen Automatismus im Gesetz bei der nächsten Erhöhung 2005 ausgeglichen werden könnten. Nach einer kurzen Empörungswelle verkündete sie jetzt den Sieg: „Bild stoppt Gehaltserhöung für Politiker“.

All das bezieht sich zwar auf Minister und nicht den normalen Bundestagsabgeordneten, wie „Bild“ auch im Text andeutete. Aber an entscheidender Stelle groß in den Schlagzeilen schrieb sie nicht „Minister“, sondern immer „Politiker“, was nicht nur dramatischer klang, sondern die nächste Erregungswelle vorbereitete. Als Gerhardt in einer „Sabine Christiansen“-Sendung über Managergehälter die Diäten von Abgeordneten verteidigte, schnappte die Falle zu: Mit der Schlagzeile „Dieser Politiker fühlt sich unterbezahlt“ findet er sich nun im Ministergehälter-Kontext im Blatt. Damit hat sich vermutlich jeder Gedanke an die geplante Diätenerhöhung erledigt.

Hatte Gerhardt eigentlich wirklich unterbezahlt gesagt? „Bild“ zitiert ihn mit den Worten, die Diäten seien „eher bescheiden“ und „nicht überhöht“. Das ist ja fast das Gleiche. So wie Abgeordneten-Diäten und Kabinetts-Gehälter.

Unbequeme Wahrheit

Katja Burkard ist die Freundin von Hans Mahr. In der „Bild am Sonntag“ stand deswegen kürzlich die „ganz besonders heiß diskutierte Frage“:

„Fliegt die lispelnde ‚Punkt-12‘-Moderatorin Katja Burkard?“

Zwei Tage später nun macht „Bild“ Frau Burkard zum „Gewinner“ des Tages. Schließlich sei Burkards Sendung „doppelt so erfolgreich wie das zweiterfolgreichste ‚Mittagsmagazin‘ von ARD und ZDF“. Und um die Sache (Marktanteil: „26,6 % bei Zuschauern ab 3 Jahre“ usw.) anschaulicher zu machen, schreibt „Bild“ dazu:

Fast jeder dritte Deutsche schaltet um 12 Uhr ein, wenn Katja Burkard (39) die RTL-Nachrichtensendung ‚Punkt 12‘ moderiert.“

Das klingt gut, stimmt aber nicht: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes leben in Deutschland rund 82 Millionen Menschen. Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) leben zirka 90 Prozent davon in einem sog. Fernsehhaushalt. Darüber hinaus sieht, so die GfK, mittags um 12 bloß jeder Zehnte fern – und, ja, so ziemlich jeder Dritte dieser 10 Prozent schaut sich dann Katja Burkard an. 2,02 Millionen sind das insgesamt. Kurzum: Unter Zuhilfenahme eines Taschenrechners (und unter grundloser Vernachlässigung der über sieben Millionen in Deutschland lebenden Ausländer) könnte es halbwegs folgerichtig heißen:

Fast jeder fünfunddreißigste Deutsche schaltet um 12 Uhr ein, wenn Katja Burkard (39) …“ usw. usf.

Wobei: Klingt sowas überhaupt noch nach „Gewinner“? Egal, denn ganz zum Schluss kann man der „Bild“ dann doch noch zustimmen – dann nämlich, wenn sie direkt neben die „Gewinner“-Meldung schreibt: „Man muss auch unbequeme Wahrheiten ertragen.“

Beste Bilder

Ob das, was „Bild“ da online unter dem Titel „Ken Park – die besten Filmbilder“ anzubieten hat, tatsächlich die besten Filmbilder aus „Ken Park“ sind, sei hier mal dahingestellt. Oder hier. Und überhaupt: Sagte man zum allererstbesten Filmbild der fünfteiligen Bild.de-Bilderschau bislang nicht schlicht Filmplakat?

Dirrty

„Bild“ berichtet von einem „Latschenkrieg“: Britney Spears habe einen Werbevertrag mit der Schuhmarke Skechers an Christina Aguilera verloren. Die Bosse fänden, sie sei „zu sauber, zu langweilig“. Und sie habe zu viele „Skandale und Schmuddelgeschichten“. Nun gut, dass man ihr beides gleichzeitig vorwirft, ist ein bisschen unplausibel, aber der Rest der „Bild“-Meldung wird schon stimmen. Oder?

Warum [sie rausgeworfen wurde], erklärte ein Firmen-Sprecher so: „Britneys Marktwerkt sinkt – besonders nach ihren letzten Skandalen und Schmuddelgeschichten.

Das Zitat von „Bild“ stammt aus dem britischen „Daily Mirror“ vom Donnerstag. Dort ist die Quelle allerdings kein offizieller „Sprecher“, sondern ein anonymer „Insider“, dessen Vorwurf an Britney sich auf englisch weniger hart liest: bedraggled outings kann man auch als „verwahrloste Auftritte“ übersetzen.

Aber überhaupt ist der „Mirror“ vielleicht nicht die verlässlichste Quelle. Aguilera ist schon seit über einem Jahr bei Skechers als Werbemodel unter Vertrag. Neu ist nur der Start einer internationaler Kampagne unter dem Motto „Naughty and Nice“. Wobei, was heißt „neu“? Selbst diese Nachricht ist fast drei Wochen alt.

Die Geschichte vom Latschenkrieg dagegen konnte man schon im August 2003 zum Beispiel hier nachlesen. Darin steht auch, warum sich Britney und Skechers wirklich getrennt haben: Wegen eines millionenschweren Rechtsstreits.

So, und jetzt fassen wir noch einmal zusammen, was an der „Bild“-„Nachricht“ stimmte.

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