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Kurz korrigiert (241-242)

Die „Bild“-Frage, ob Tour-de-France-Sieger Floyd Landis tatsächlich „Hoden-Doping“ betrieben hat, oder doch eher Schulter- oder Oberkörperdoping (pdf) lassen wir besser mal unbeantwortet. Wir wissen schließlich genauso wenig wie „Bild“, ob Landis überhaupt gedopt hat. Nicht korrekt ist deshalb diese „Bild“-Behauptung:

"Floyd Landis (30) gedopt! Erstmals in der Geschichte der Tour de France ist ein Sieger des Dopings überführt worden."

Landis ist nämlich noch nicht des „Dopings überführt worden“. Bislang war lediglich die A-Probe positiv. Als des Dopings überführt gilt man jedoch erst, wenn auch die B-Probe positiv ist.

Und Doping mal hin oder her, so schnell wie „Bild“ schreibt, war Landis auf der 17. Etappe der diesjährigen Tour nun auch wieder nicht:

Am Tag zuvor war der Ami böse eingebrochen, hatte in der Gesamtwertung 8:08 Minuten Rückstand. Nach der 17. Etappe plötzlich 5:42 Minuten Vorsprung.

Landis gewann zwar die 17. Etappe mit 5:42 Minuten Vorsprung. In der Gesamtwertung lag er danach jedoch noch 30 Sekunden hinter dem Führenden auf Platz drei.

Mit Dank an Philip M. und Christoph S. für die Hinweise.

Nachtrag, 29.7.2006: „Bild“ hat den „Vorsprung“-Fehler heute in ihrer Korrekturspalte berichtigt und sogar noch einen weiteren kleinen Fehler („In der Rubrik „Ich weiß es“ (27. Juli) wurde das Alter von Thomas Gottschalk in einer Bildunterschrift mit 57 Jahren angegeben. Gottschalk ist erst 56 Jahre alt.“) entdeckt. Dass darüber hinaus Radost Bokel als „Momo“ natürlich nicht, wie „Bild“ behauptete, der „Kinderstar aus der ‚Unendlichen Geschichte‘ war, ist „Bild“ offenbar auch im Nachhinein nicht aufgefallen. Und der „Vorsprung“-Fehler selbst steht nach wie vor unkorrigiert bei Bild.de

Allgemein  

Biere zu Apfelsaftschorlen

Hä? Am Montag zahlte „Bild“ zwei „BILD-Leser-Reportern“ 500 Euro für ein Foto, das einen Polizisten beim Apfelsaftschorle-Trinken zeigt.
 
Aber vielleicht sollte man die Geschichte ein wenig anders erzählen. Denn „Bild“ behauptete u.a. (zumindest in Teilen ihrer Auflage und online), auf dem Foto sei „ein Polizist beim kühlen Bierchen am Vormittag“ zu sehen. Darüber hinaus hieß/heißt es suggestiv eher vage:

[Die „Bild“-Leser] erwischten diesen relaxten Polizisten beim Trinken. Ein Bierchen oder doch nur eine Apfelschorle? Hoffentlich hatte der schon Feierabend

Allerdings stand anderntags in der „Korrekturspalte“ von „Bild“:

Das Polizeipräsidium Bielefeld legt Wert auf die Feststellung, daß der Beamte der Stadtwache auf Fußstreife in der Innenstadt war und bei seiner kleinen Pause kein Bier getrunken hat.

Deutlicher wurde die „Neue Westfälische“, die ebenfalls gestern ausführlich über das falsch beschriftete „Bild“-Foto berichtete (siehe Ausriss):

Das vermeintlich kühle Bier ist eine Apfelsaftschorle, die der Polizeikommissar vormittags am Stehtisch auf der Bahnhofstraße (…) trank. „In diesem Geschäft gibt es nicht einmal Bier“, sagt Polizeisprecher Martin Schultz.

Was abermals die Frage aufwirft, wie es dazu kommen kann, wenn „Bild“ tatsächlich (wie behauptet) die Leserfotos genauso prüft wie die Angebote professioneller Fotografen. Eine Frage, auf die wir von „Bild“ bislang noch keine Antwort bekommen haben.

Mit Dank an Jan. G, padeluun, Dirk B. und Markus P. für die Scans.

Keine Post für Streiter

Na, da freut sich aber die „Bild“-Redaktion. In der gestrigen Ausgabe hat sie gar „keinen Fehler gefunden“, weshalb sie in der Korrektur-Spalte von heute „den eigentlich unfehlbaren Kollegen von der ‚Frankfurter Allgemeinen Zeitung'“ einen Hinweis schenkt:

Jaha, auch seriöse Zeitungen machen nämlich Fehler, nicht immer nur „Bild“.

Zur Feier des Tages wollen wir natürlich auch nicht zurückstehen und schenken „Bild“ unsererseits noch einen Hinweis: Liebe „Bild“-Mitarbeiter, anders als gestern in „Bild“ zu lesen war, ist Mainz-05-Trainer Jürgen Klopp NICHT 34, sondern am 16.6.1967 geboren. Folglich, liebe „Bild“, ist er tatsächlich schon 39 Jahre alt.

Mit Dank an Falk H. und Leif S. für den sachdienlichen Hinweis.
 
Nachtrag aus der „Bild“-Korrekturspalte vom Mittwoch, dem 19.7.2006:

Die Montag-Ausgabe von BILD war doch nicht fehlerfrei, wie wir gehofft hatten.

In dem Artikel „Wir sagen ja zum Duzen“ war das Alter des Trainers des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05, Jürgen Klopp, mit 34 angegeben.

Das ist falsch: Klopp ist schon 39 Jahre alt.

Post für Streiter!

Georg Streiter, bisher nur Leiter des Politik-Ressorts, ist nun auch für die neue Korrekturspalte bei „Bild“ zuständig. Er hat eine zusätzliche, entsprechend lautende E-Mail-Adresse bekommen und seine Redaktionskollegen in einer internen E-Mail aufgefordert, ihm „künftig alles, was in BILD falsch und deshalb korrekturbedürftig ist, ausschließlich an diese Adresse zuzumailen“:

Und noch mal: Es ist dabei völlig egal, wo der Fehler steht, Hauptsache in BILD (und nicht bild.de!). Also bitte auch übers eigene Ressort hinausschauen. Falsches Alter, falscher Name, falscher Ort, falsch gerechnet, falsches Foto — alles gilt.

„Wer Privates schützen will, kann das in der Regel“

Seit fast 40 Jahren boykottiert der Schriftsteller und Nobelpreisträger Günter Grass, wie einst von der Gruppe 47 beschlossen, den Springer-Konzern. Daran hält er weiter fest. Ende Mai traf er sich allerdings erstmals mit dem Vorstandschef Mathias Döpfner zu einem Gespräch, das von dem Publizisten Manfred Bissinger moderiert wurde.

Grass: Für mich ist die „Bild“-Zeitung aus kaltem, offenbar intellektuellem Kalkül ein Instrument des Appells an die niedrigsten Instinkte. Da wird Schadenfreude mobilisiert, da wird ein Personenkult auf der einen Seite betrieben, ebenso wie ein Niedermachen von Personen, wenn sie ihr zu groß geworden sind, da geht es bis ins Privateste hinein. Da wird es regelrecht widerlich. (…)

Döpfner: Größer als die Schlagzeilen der „Bild“-Zeitung ist gelegentlich nur die Heuchelei mancher Prominenter, wenn sie sich als Opfer stilisieren. Erst wollen sie von der Plattform profitieren, und hinterher, wenn’s mal unangenehm wird, kritisieren sie, dass „Bild“ immer noch da ist. Wer Privates schützen will, kann das in der Regel auch[1]. (…) Für die „Bild“-Zeitung gilt das Prinzip: Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten. Diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen.

Grass: (…) Sie sollten vielleicht in Ihre Grundsätze noch aufnehmen: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Döpfner: Das steht doch schon im Grundgesetz.

Grass: Dann sollten Sie das Grundgesetz den „Bild“-Redakteuren näherbringen.

Bissinger: Gehörte nicht in Ihre Grundlinien hinein, dass Opfern journalistischer Berichterstattung Genugtuung verschafft werden muss? Amerikanische Blätter haben die vielgelesene Korrekturspalte.

Döpfner: Ja, wenn falsch berichtet worden ist, muss das korrigiert werden. Und zwar nicht nur durch eine Gegendarstellung, sondern auch durch einen redaktionellen Widerruf[2]. Ich finde die amerikanische Einrichtung der Korrekturspalte am festen Ort ausgesprochen sinnvoll[3]. Das begrüße ich sehr.

[1] Für Ausnahmen von dieser „Regel“ vgl. u.a. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier oder hier.

[2] Üblicherweise korrigiert die „Bild“-Zeitung ihre Fehler entweder gar nicht oder nur in Form unkommentierter Gegendarstellungen oder nur auf Druck von außen oder nur durch eine weitere Verdrehung der Wahrheit.

[3] Unter Chefredakteur Udo Röbel hatte „Bild“ eine solche Korrekturspalte. Unter seinem Nachfolger Kai Diekmann gibt es sie nicht mehr.

Der „Spiegel“ dokumentiert das Gespräch in seinem aktuellen Heft.

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