Archiv für August, 2025

Hostile-Media-Effekt, Verunglückter Versuch, Plötzlich Hassobjekt

1. Wie rechte Boulevardmedien von einem psychologischen Effekt profitieren
(rp-online.de, Mey Dudin)
Rechte Boulevardmedien nutzen emotionale Themen wie beispielsweise Abtreibung, um gezielt Empörung zu erzeugen und damit politische Kampagnen zu beeinflussen, schreibt Mey Dudin in ihrer Analyse. Diese Medien würden sich selbst oft als unterdrückte Alternativen darstellen. Sie würden von einer psychologischen Verzerrung profitieren, dem sogenannten Hostile-Media-Effekt, bei der Menschen neutrale Berichterstattung als feindlich empfinden, wenn sie nicht der eigenen Meinung entspricht.

2. Ein verunglückter Erinnerungsversuch
(taz.de, Klaus Hillenbrand)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer habe auf Instagram mit einem Bild an den Warschauer Aufstand von 1944 erinnern wollen, dabei jedoch fälschlicherweise ein Foto vom Warschauer Ghetto-Aufstand 1943 verwendet, das aus der Täterperspektive der Nazis stamme. Das Bild sei ursprünglich Teil eines Propaganda-Albums des SS-Führers Jürgen Stroop gewesen. Klaus Hillenbrand kommentiert: “Allein die Tatsache, dass es zu dieser ‘Verwechslung’ gekommen ist, dass die Bundesregierung mit Nazi-Propaganda Gedenkkultur zu betreiben versuchte, zeugt von einem tiefen Defizit im Geschichtsbewusstsein dieser Behörde und ihres Leiters.”

3. Kurz-Vertraute Regensburger managt neben “Exxpress” Reichelt-Portal “Nius”
(derstandard.de, Garald Fidler)
Vera Regensburger, eine enge Vertraute des ehemaligen österreichischen Kanzlers Sebastian Kurz, habe zusätzlich zur Geschäftsführung des österreichischen Portals “Exxpress” jetzt auch die Leitung der deutschen Betreiberfirma des Krawallportals “Nius” übernommen. Beide Medien würden zur Beteiligungsgesellschaft Vius gehören, deren Mehrheitseigentümer der deutsche Unternehmer und Multimillionär Frank Gotthardt sei.

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4. Satire braucht Freiheit
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert, dass die Justiz das Grundrecht auf Satirefreiheit stärker respektiert, insbesondere im Zusammenhang mit dem geplanten Einspruch der Berliner Staatsanwaltschaft gegen den Freispruch des Satirikers “El Hotzo”. Der DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster sagt: “Es ist paradox, einerseits herrscht über Postings von El Hotzo und Äußerungen von Jan Böhmermann im Fernsehen große Aufregung. Andererseits bleiben Schmähungen, Beleidigungen und Hasskommentare in den Social Media im Großen und Ganzen folgenlos. Das passt nicht zusammen.”

5. Plötzlich Hassobjekt – woher kommt die rechte Online-Hetze?
(ardmediathek.de, Tasnim Rödder, Video: 31:53 Minuten)
Das SWR-Investigativformat “Vollbild” zeigt, wie Menschen unerwartet zur Zielscheibe rechter Onlinehetze werden, und untersucht dabei insbesondere, welche Rolle prominente Influencer wie Tim Kellner spielen. Laut Bundeskriminalamt sei die Zahl rechter Hassbeiträge im Internet in den vergangenen Jahren stark angestiegen.

6. “Bild” zieht Beitrag über angebliche Putin-Tochter vorsorglich zurück
(turi2.de, Björn Czieslik)
Wie “turi2” meldet, habe “Bild” einen Artikel über eine mutmaßliche Tochter von Wladimir Putin zurückgezogen. Die Redaktion habe am Sonntag über angebliche Aussagen von Luiza Rozova berichtet, die möglicherweise Putins Tochter sei und sich ausführlich über ihr Leben im Exil geäußert haben soll. Nun bestehe jedoch der Verdacht, dass diese Aussagen von einem gefälschten Account stammen könnten.

Schwächen bei SLAPP-Gesetz, Trauriger Clown, Richtig Streiten

1. RSF sieht Schwächen im SLAPP-Gesetzentwurf
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) kritisiert den Gesetzentwurf gegen missbräuchliche Klagen, sogenannte SLAPPs, bei denen es vor allem darum geht, Medienschaffende oder Aktivisten einzuschüchtern: “SLAPPs entfalten schon lange, bevor es zu einem Gerichtsverfahren kommt, eine abschreckende Wirkung – durch Abmahnungen, Drohbriefe und andere Einschüchterungen”, sagt RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus: “Ein Gesetz, das den außergerichtlichen Bereich völlig ausblendet, geht an der Lebensrealität der Betroffenen vorbei. Wenn wir den öffentlichen Diskurs und unsere Demokratie ernsthaft schützen wollen, muss hier und an anderen Stellen dringend nachgebessert werden.”

2. So arbeitet Clownswelt wirklich
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 39:36 Minuten)
In seinem neuesten Video analysiert Mats Schönauer, wie der rechte YouTuber “Clownswelt” arbeitet, und kritisiert dessen Einseitigkeit, manipulative Methoden und falsche Behauptungen. “Clownswelt” handele, anders als andere rechte Influencer, nicht nur aus finanziellen Motiven, sondern aus tatsächlicher Überzeugung. Dies mache ihn für ein jüngeres Publikum besonders glaubwürdig. Abschließend zeigt Schönauer auf, wie die Arbeit von “Clownswelt” zu enormer Radikalisierung, zu Hass und zu Gewaltfantasien in dessen Community beiträgt.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

3. Richtig Streiten
(journalist.de, Sarah Neu & Mia Pankoke)
Der Beitrag von Sarah Neu und Mia Pankoke behandelt die Frage, wie verschiedene journalistische Formate kontroverse Themen aufgreifen können, ohne gesellschaftliche Spaltungen weiter zu verschärfen. Dabei werden drei Formate vorgestellt: Die “Streit”-Seite der “Zeit”, die auf kompetente Gesprächspartner und schlüssige Argumente setze. Das Format “Klar” von NDR und BR, das bewusst emotional und persönlich arbeite, jedoch stark polarisiere. Und das ZDF-YouTube-Format “13 Fragen”, das junge Menschen durch interaktive Diskussionen zu Kompromissen bringe.

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4. NGOs im Krone-Dauerfeuer: Ein Lehrstück in Kampagnenjournalismus
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi schreibt bei “Kobuk” darüber, wie die österreichische “Kronen Zeitung” mit einer Artikelserie Stimmung gegen NGOs mache. Das Boulevardblatt werfe den Organisationen vor, EU-Gelder unkontrolliert und für fragwürdige Zwecke zu erhalten. Die Berichterstattung sei jedoch einseitig, nutze selektiv Quellen und diskreditiere die Nichtregierungsorganisationen pauschal. Gutschi zeigt außerdem die enge Verbindung zwischen der “Krone” und der FPÖ auf, die sich bei der Verbreitung entsprechender Botschaften gegenseitig unterstützen würden.

5. Entpolitisierung der Kommunikationswissenschaft? Journalismusforschung in Zeiten des geopolitischen Umbruchs
(de.ejo-online.eu, Susanne Fengler)
Susanne Fengler berichtet von der IAMCR-Konferenz in Singapur, einem Forum für Kommunikationswissenschaft und Journalismusforschung. Die Veranstaltung sei stark von chinesischen Forschern und Institutionen dominiert worden, was sich auch in einer gewissen Zurückhaltung bei kritischen politischen Themen gezeigt habe. Fengler bemängelt, dass viele der präsentierten Studien sehr unpolitisch seien oder geopolitische Spannungen, wie etwa Russlands Krieg in der Ukraine, nicht kritisch genug behandeln würden.

6. News-Charts: TikTok und die neue Hashtag-Sperre
(dwdl.de, Simon Smycha)
Die monatliche TikTok-Analyse von Simon Pycha zeigt, dass Publisher zunehmend Einschränkungen wie eine mögliche Begrenzung auf maximal fünf Hashtags erleben, um die Relevanz der Inhalte zu erhöhen. Zudem sei das Technikportal Chip.de wegen manipulierter Reichweite von den Juli-Charts ausgeschlossen worden. Erfolgreiche TikTok-Videos im zurückliegenden Monat reichten inhaltlich von emotionalen Nachrichten und Sportberichten bis hin zu ungewöhnlichen Themen: Mit einem Beitrag über Schadstoffe in Mineralwasser habe ntv den ersten Platz belegt.

Der Kurz-Clan, Trojanischer Journalismus, Substacks Neonazis

1. Der Kurz-Clan und der Reichelt-Boss
(t-online.de, Jonas Mueller-Töwe & Michael Bonvalot)
Enge Vertraute des ehemaligen österreichischen Kanzlers Sebastian Kurz sollen zunehmend Einfluss auf die Geschäfte von Frank Gotthardt gewinnen, der hinter dem rechtem Krawallportal “Nius” von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt stehe. Die Kurz-Freunde seien auf zentrale Entscheiderpositionen in Gotthardts Medien- und Investmentunternehmen gesetzt worden. Dazu gehöre auch das österreichische Boulevardportal “Exxpress”.

2. Berlusconi junior
(taz.de, Francesca Polistina)
Die italienische Mediengruppe Media for Europe (MFE), geführt von Pier Silvio Berlusconi, wolle ihren Anteil am deutschen Sender ProSiebenSat.1 erhöhen. Aufgrund der politischen Nähe von MFE zu rechtspopulistischen Kräften und der familiären Verbindung zum früheren italienischen Premierminister Silvio Berlusconi gebe es in Deutschland eine große Sorge um die journalistische Unabhängigkeit des Senders. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sowie der Deutsche Journalisten-Verband hätten bereits Bedenken gegen eine mögliche Übernahme geäußert.

3. Verlag Nürnberger Presse streicht etwa 200 Stellen
(tagesspiegel.de)
Der Verlag Nürnberger Presse, Herausgeber der “Nürnberger Nachrichten” und der “Nürnberger Zeitung”, plane einen massiven Stellenabbau und wolle bis Ende 2027 etwa 200 Arbeitsplätze streichen. Dies geschehe im Rahmen einer strategischen Neuausrichtung hin zu digitalen Angeboten. Ein erheblicher Teil des Stellenabbaus hänge auch mit der geplanten Inbetriebnahme einer neuen Druckerei im Jahr 2026 zusammen.

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4. Wir müssen über Substack – und seinen Umgang mit Nazis – sprechen
(steady.page, Ingrid Brodnig)
Ingrid Brodnig kritisiert die US-amerikanische Newsletter-Plattform Substack, da diese rechtsextreme und antisemitische Inhalte dulde und sogar deren Monetarisierung erlaube. Anlass ist eine Push-Nachricht, mit der Substack kürzlich einen Neonazi-Newsletter verbreitet habe, was auf breite Kritik gestoßen sei. Brodnig betont deshalb die Bedeutung alternativer Plattformen wie Steady oder Ghost, auf denen solche Inhalte nicht erlaubt seien.

5. Wo “Entertainment-Journalismus” auf Social Media an Grenzen stößt
(dwdl.de, Simon Pycha)
Social-Media-Plattformen wie TikTok und Instagram würden Formate begünstigen, die zunehmend schneller, reißerischer und unterhaltsamer seien, wodurch Qualität und Informationsgehalt oft leiden würden. Medien würden darauf mit “trojanischem Journalismus” reagieren, also journalistisch fundierten Inhalten, die unterhaltend verpackt werden, um hohe Reichweiten zu erzielen. Studien würden jedoch deutliche Unterschiede aufzeigen: Demnach legen öffentlich-rechtliche Anbieter mehr Wert auf Qualitätskontrolle und Vielfalt, während private Anbieter stärker nutzerorientierte Beiträge und einfachere Prozesse bevorzugen.

6. Staatsanwaltschaft akzeptiert Freispruch für El Hotzo nicht
(spiegel.de)
Die Berliner Staatsanwaltschaft gehe gegen den Freispruch des Satirikers Sebastian Hotz alias “El Hotzo” vor, der wegen eines umstrittenen Kommentars zum Attentat auf Donald Trump angeklagt war. Sie habe gegen das Urteil des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten Rechtsmittel eingelegt. Hotz hatte die Tat auf der Plattform X/Twitter satirisch begrüßt, was das Amtsgericht jedoch als “straflose Satire” bewertet hatte. Die Staatsanwaltschaft fordere dagegen eine Geldstrafe. Hotz’ Posts seien “geeignet gewesen, den öffentlichen Frieden zu stören”.

KW 31/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Einschüchtern, bedrohen, klagen: Trumps Strategie gegen Medien
(tagesschau.de, David Krause, Audio: 26:46 Minuten)
In dieser Folge des “Tagesschau”-Podcasts “11KM” geht es darum, wie US-Präsident Donald Trump seit Beginn seiner zweiten Amtszeit mit Einschüchterungen, Milliarden-Klagen und finanziellen Kürzungen aktiv gegen kritische Medien in den USA vorgeht. Kerstin Klein, Korrespondentin im ARD-Studio Washington, erläutert die Strategie hinter diesen Angriffen und zeigt deren Folgen für die Pressefreiheit auf.

2. Islamismus und Medien: Wie zu Extremismus berichten?
(bonjourno.de, Olivia Samnick, Audio: 56:27 Minuten)
Bei “Bonjourno” spricht Olivia Samnick mit Philip Mohammed Al-Khazan von der Hamburger Beratungsstelle Legato und mit Margit Stein, Pädagogikprofessorin an der Universität Vechta. Thema ist die Frage, wie Medien verantwortungsvoll über Islamismus berichten können, ohne Rassismen und Generalverdacht zu reproduzieren. Al-Khazan schildert die Folgen rassistischer Berichterstattung, während Stein erläutert, welche Rolle digitale Medien bei der Radikalisierung spielen.

3. “KI killt Klicks – Was bedeutet der Erfolg der Künstlichen Intelligenz für Online-Angebote?”
(ardaudiothek.de, Christoph Borgans & Michael Meyer, Audio: 18:42 Minuten)
Künstliche Intelligenz, etwa in Form von ChatGPT, wird immer häufiger genutzt, um gezielt Informationen zu suchen und zu finden. Das hat zur Folge, dass weniger Besucherinnen und Besucher auf Webseiten von Verlagen und Sendern landen. Christoph Borgans und Michael Meyer sprechen bei “Medien – Cross und Quer” mit Sebastian Esser, dem Geschäftsführer der Plattform Steady, über die möglichen Folgen für Online-Geschäftsmodelle: Inwieweit schaden die KI-Angebote Medien? Und könnten Kooperationen, wie sie der Springer-Verlag bereits eingegangen ist, eine Lösung sein?

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4. Veränderter Blick auf Gaza und die Zukunft der Stadtrevue
(wdr.de, Anja Backhaus, Audio: 45:23 Minuten)
In der aktuellen Ausgabe des WDR5-Medienmagazins “Töne, Texte, Bilder” geht es unter anderem um Veränderungen in der deutschen Berichterstattung zum Nahostkonflikt, um eine Übernahmeschlacht bei privaten TV-Sendern wie RTL und ProSiebenSat.1, um die Frage, wie die EU mit einer neuen KI-Verordnung das Urheberrecht stärken will, und darum, wie China den Wettbewerb im Bereich der Künstlichen Intelligenz vorantreibt.

5. Wenn aus dem Podcast eine Show wird
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 45:26 Minuten)
Die beiden Medien-Podcaster Christian Jakubetz (“Satzzeichen”) und Lukas Schöne (“This is Media Now”) diskutieren über die Entwicklung des Mediums Podcast: Warum sprechen einige Experten zunehmend von “Shows” statt von Podcasts? Schöne kritisiert, dass dieser Wandel hin zu Videopodcasts eher von Plattformen wie Spotify und YouTube als von den Nutzerinnen und Nutzern selbst vorangetrieben werde.

6. Hörspielkönigin Heikedine Körting: Die Frau hinter “Die drei ???” & Co.
(youtube.com, Steffen Hallaschka, Video: 13:54 Minuten)
Bei “stern TV” wird die Hörspielproduzentin Heikedine Körting vorgestellt, die seit über 50 Jahren erfolgreiche Serien wie “Die drei ???”, “TKKG” und “Fünf Freunde” produziert. Gezeigt wird ihr Arbeitsalltag, die analoge Technik und die unzähligen Geräuscherequisiten. Bis heute habe Körting mehr als 3.000 Hörspiele produziert und 500 Millionen Tonträger verkauft. Unbedingt sehenswert für alle, die in ihrer Jugend gerne Hörspiele gehört haben und dies womöglich immer noch tun.

Leid in Gaza, Umgang mit Kampagnen, Abschiebung als Meme

1. Das Leid in Gaza ist real
(faz.net, Cihan Çelik)
Der Lungenfacharzt Cihan Çelik kritisiert in einem Gastbeitrag für die “FAZ” die aktuelle Debatte über Fotos unterernährter Kinder in Gaza als Ablenkung vom eigentlichen Problem: einer realen, durch Menschen verursachten Hungersnot. Er warnt davor, Vorerkrankungen als Vorwand zu nutzen, um das Leid abzuwerten, denn auch kranke Kinder wären bei guter Versorgung nicht so extrem abgemagert.

2. dju: Palantir-Einsatz durch Polizei nicht mit EU-Recht vereinbar
(verdi.de)
Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi hält den Einsatz der Palantir-Software durch die deutsche Polizei für unvereinbar mit dem EU-Recht und warnt vor Verstößen gegen das Redaktionsgeheimnis und den Quellenschutz. Besonders problematisch sei, dass bei massenhafter Datenauswertung auch Medienschaffende nicht ausgeschlossen werden könnten.
Weiterer Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Warum machen wir uns als Europäer abhängig von amerikanischer Überwachungstechnologie? Trump ist zurück an der Macht, die USA werden immer unberechenbarer. Warum entwickeln wir nicht endlich eigene, transparente Technologien, die europäischen Werten wie Datenschutz, Bürgerrechten und Demokratie entsprechen?” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:49 Minuten)

3. Wie Medien mit Kampagnen umgehen sollten
(deutschlandfunk.de, Sören Brinkmann, Audio: 41:38 Minuten)
Im Deutschlandfunk-Podcast “Nach Redaktionsschluss” sprechen die Journalistin Ingrid Brodnig und der “FAZ”-Redakteur Patrick Bahners über den medialen Umgang mit der gescheiterten Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf ans Bundesverfassungsgericht. Beide sind sich einig, dass es sich um eine gezielte Kampagne aus rechten Onlinekanälen gehandelt habe, die durch Falschbehauptungen und bewusste Skandalisierung eine breite politische und mediale Wirkung entfaltet habe.

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4. Abschiebung als Meme
(taz.de, Valérie Catil)
Das Weiße Haus habe erneut ein Meme gepostet, das Abschiebungen in vermeintlich humorvoller Form darstelle, diesmal mit Musik und einem Werbeslogan versehen, der an einen Urlaubsclip erinnere. Sängerin und Sprecherin hätten sich scharf von der Verwendung ihrer Stimmen für diese politische Botschaft distanziert. “taz”-Autorin Valérie Catil kritisiert, dass rechte Politik hier durch ironische Memes verharmlost und anschlussfähig gemacht werde.

5. Wie steht es um die Medienvielfalt in Deutschland, Herr Kluge?
(noz.de, Thomas Ludwig)
Für die “NOZ” hat sich Thomas Ludwig mit Manfred Kluge unterhalten, dem Mitbegründer der hauptsächlich von Führungskräften aus der Mediaagenturen-Branche angeführten “Initiative 18” für Medienvielfalt. Themen des Gesprächs sind die wachsende Gefahr durch Desinformation, die Rolle digitaler Plattformen und die Bedeutung von seriösem Journalismus für die Demokratie. Kluge spricht sich für politische Maßnahmen zur Stärkung unabhängiger Medien aus. Dies könnten eine Investitionsabgabe für Plattformen oder steuerliche Anreize für Zeitungsabos sein.

6. Deshalb wollen Influencer keine Influencer mehr sein
(netzpolitik.org, Karoline Tanck)
Die Betätigung als Influencer gelte in Deutschland als wenig angesehener Beruf, was laut einer Studie mit Schleichwerbung, Materialismus und mangelnder Transparenz zusammenhänge. Die Kommunikationsforscherin Claudia Gerhards zeige, dass viele Influencerinnen und Influencer Strategien nutzen, um mit dieser gesellschaftlichen Ablehnung umzugehen. Eine gängige Methode sei das sogenannte Reframing, also die Ablehnung des Begriffs “Influencer” und die Betonung kreativer Aspekte der eigenen Arbeit.

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