Archiv für Dezember, 2023

KW 48/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Geht’s noch?!?!
(zeit.de, Alice Bota & Michael Thumann, Audio: 41:50 Minuten)
Der Journalist und Dokumentarfilmer Hubert Seipel, bekannt für seine Bücher über und Interviews mit Wladimir Putin, soll Recherchen von ZDF und “Spiegel” zufolge 600.000 Euro aus dem Umfeld des russischen Präsidenten erhalten haben. Der NDR hat daraufhin eine Untersuchungskommission eingerichtet, der Verlag Hoffmann und Campe Seipels Bücher aus dem Verkauf genommen. Im “Ostcast” von “Zeit Online” sprechen Alice Bota und Michael Thumann über den Fall.

2. Übersehen Medien vor lauter Einzelfällen strukturellen Antisemitismus?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 28:16 Minuten)
Diese Woche gab der Musiker Gil Ofarim zu, sich einen antisemitischen Übergriff gegen ihn durch einen Hotelmitarbeiter in Leipzig nur ausgedacht zu haben (in seiner Kolumne bei radioeins hat der “6-vor-9”-Kurator eine Einordnung versucht). Im “Übermedien”-Podcast hat sich nun Holger Klein mit Laura Cazés unterhalten, die bei der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland den Bereich Kommunikation und Digitalisierung leitet. In dem Gespräch geht es um die Fragen: “Was können Journalist:innen besser machen, wenn sie über Antisemitismus berichten? Welche Stimmen werden zu wenig gehört? Und was hat sich seit dem 7. Oktober, dem terroristischen Überfall der Hamas auf Israel, für Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert?”

3. Krieg in Nahost: Medien und die Vielfaltsgesellschaft
(sueddeutsche.de, Nadia Zaboura & Nils Minkmar, Audio: 40:46 Minuten)
“Wie hat sich die Berichterstattung deutscher Medien seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober verändert? Welche Rolle spielen veränderte Gewohnheiten der Mediennutzung dabei, wie der Nahostkrieg sich in der deutschen Vielfaltsgesellschaft niederschlägt?” Darüber diskutieren Nadia Zaboura und Nils Minkmar in ihrem Podcast “quoted” mit dem Medienwissenschaftler und Politologen Kai Hafez.

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4. “Auf dem Silbertablett”
(message-online.com, Leonie Urbanczyk, Audio: 27:00 Minuten)
Nicht nur Journalistinnen und Journalisten, die im Investigativbereich oder in Ländern mit autoritären Regierungen arbeiten, sondern prinzipiell alle Medienschaffenden können mit digitalen Mitteln beobachtet, bestohlen oder auf unterschiedlichste Weise angegriffen werden. Wie können sich die in dieser Hinsicht gefährdeten Personen davor schützen? Darüber hat sich Leonie Urbanczyk mit Annkathrin Weis unterhalten, die als Journalistin und Sicherheitstrainerin in diesem Bereich tätig ist.

5. Kilian Riedhof: Der Fernsehfilm muss raus aus der Behaglichkeit
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 21:26)
Anlässlich der TeleVisionale, einem Film- und Serienfestival in Baden-Baden, hat sich Alexander Matzkeit mit dem Filmregisseur und Autor Kilian Riedhof unterhalten, der Teil der Festivaljury ist. Die zunehmende Spaltung der Gesellschaft müsse in Fernsehfilmen dargestellt werden, so Riedhof. Das Fernsehen müsse seine Komfortzone verlassen: “Wir können uns nicht mehr verkriechen in unserem bundesdeutschen Kokon, sondern müssen uns einer stark veränderten weltpolitischen Situation stellen.”

6. Wie politisch ist das Wetter?
(open.spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 29:04 Sekunden)
Im “Satzzeichen”-Podcast begrüßt Christian Jakubetz den Meteorologen und Fernsehmoderator Karsten Schwanke, der für die ARD tätig ist und dort unter anderem im “Wetter vor acht” kurz vor der “Tagesschau” und in den “Tagesthemen” zu sehen ist. Es geht unter anderem um den Wandel der Wetterpräsentation in den vergangenen Jahrzehnten und um die Frage, wie der Klimawandel eingeordnet werden kann.

“Go fuck yourself”, Wohnungslose mit Obdach, Einfache “Tagesschau”

1. »Go f*** yourself« – Musk beschimpft abtrünnige Werbekunden
(spiegel.de)
Mehrere Unternehmen hatten ihre Werbung auf X/Twitter eingestellt, nachdem Eigentümer Elon Musk in einem Beitrag antisemitische Äußerungen gemacht hatte, die zu einer Kontroverse und einer Verurteilung durch das Weiße Haus führten. Nun hat Musk die abtrünnigen Werbekunden auf einer Konferenz wüst beschimpft (“Go fuck yourself!”) und dabei explizit Disney-Chef Bob Iger erwähnt. Sollte X finanziell scheitern, müssten sich diese einstigen Werbekunden öffentlich rechtfertigen, so Musk.

2. ARD will “Tagesschau” in einfacher Sprache starten
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Wie Uwe Mantel bei “DWDL” berichtet, plant die ARD, ihre barrierefreien Angebote auszubauen, einschließlich der Einführung einer täglichen “Tagesschau”-Ausgabe in einfacher Sprache. Dieser Schritt sei Teil eines neuen Aktionsplans zur Barrierefreiheit, für den bis 2025 insgesamt 3,4 Millionen Euro investiert werden sollen. Die Zielgruppe für die “Tagesschau” in einfacher Sprache umfasse unter anderem die 6,2 Millionen Menschen in Deutschland, die als funktionale Analphabeten gelten.

3. Wohnungslose leben nicht zwingend auf der Straße
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 2:09 Minuten)
Im “Sprachcheck” des Deutschlandfunks thematisiert Annika Schneider das oft verzerrte Bild von Wohnungslosigkeit in Medien, das vor allem Obdachlose auf der Straße zeige, während die Realität für die meisten Wohnungslosen anders aussehe. In Deutschland lebe die Mehrheit von ihnen nicht auf der Straße, sondern bei Bekannten oder in Obdachlosenunterkünften, und stelle damit den größten Teil der von Wohnungsnot betroffenen Menschen dar.

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4. Mit neuem Etikett zu Fördermitteln
(taz.de, Michael Bartsch)
In Sachsen würden freie Radios wie coloRadio in Dresden steigende Reichweiten und technischen Fortschritt verzeichnen, stünden aber vor finanziellen Herausforderungen und Unsicherheiten bezüglich der Förderung durch die sächsische Landesmedienanstalt. Ein neuer Wettbewerber, Radio WSW, der früher ein kommerzielles Format hatte, beantrage nun ebenfalls Fördermittel, was zu Spannungen führe. Die Situation spiegele die aktuellen Debatten um die Definition und Förderung des nichtkommerziellen Lokalfunks in Sachsen wider, schreibt Michael Bartsch in der “taz”.

5. Der Exxpress deckt einen EU-Skandal auf, der keiner ist.
(kobuk.at, Livio Koppe)
Livio Koppe kritisiert bei “Kobuk” einen Bericht des österreichischen Portals “Exxpress”, nach dem die EU für jede Abschiebung eines Flüchtlings in die Türkei 4,7 Millionen Euro gezahlt habe. Die EU-Gelder seien jedoch nicht direkt für die Rückführungen verwendet worden, sondern laut EU-Kommission für Grundbedürfnisse der Menschen, Bildung, Gesundheitsversorgung, kommunale Infrastruktur, Berufsausbildung und Grenzmanagement. Ein Sprecher der EU-Kommission sowie der Migrationsforscher Jochen Oltmer hätten “Kobuk” bestätigt, dass es falsch sei, die EU-Zahlungen ausschließlich auf die Abschiebekosten zu beziehen.

6. Linke Zeitungen in der Krise
(verdi, Günter Herkel)
Linke Zeitungen in Deutschland wie das “Neue Deutschland” und die “junge Welt” stünden vor finanziellen Schwierigkeiten, die durch die Auflösung des traditionellen linken Milieus und die Identitätskrise der politischen Linken verstärkt würden. Doch die immer neuen Appelle an die Spenden- und Solidaritätsbereitschaft des Publikums würden in Zeiten von Inflation und schwindender Kaufkraft an Grenzen stoßen, konstatiert Günter Herkel. Ein weitere Grund für die Krise ist aus seiner Sicht die zunehmende “Parzellierung” der Öffentlichkeit und die damit einhergehende Zersplitterung der linken Bewegung: “An der Schwelle zur digitalen Gesellschaft haben sich Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit zudem radikal verändert. Social Media ermöglicht es selbst kleinsten Interessensgruppen, eigene Kommunikationskanäle zu schaffen und die eigene Peergroup zu bedienen.”

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