Archiv für Juli 2nd, 2020

Unbekannter Pionier, „Coolibri“ vor dem Aus, Google und die Verleger

1. „Sind die Bilder erst einmal im Netz, ist alles zu spät“
(zeit.de, Lisa Hegemann)
(Triggerwarnung: Kindesmissbrauch) Familienrechtler Rudolf von Bracken vertritt seit mehr als drei Jahrzehnten Betroffene von Kindesmissbrauch vor Gericht. Im Gespräch mit „Zeit Online“ erklärt er, wie Betroffene Missbrauchsabbildungen aus dem Internet bekommen (gar nicht), warum es für die Bekämpfung von dokumentiertem Kindesmissbrauch keine Vorratsdatenspeicherung braucht, und warum er sowohl auf den Staat als auch auf die Gesellschaft wütend ist: „Weil der Missbrauch unter den schlafenden Augen des Staates passiert. Weil die Gesellschaft all das weiß oder zumindest ahnt. Aber sie guckt einfach weg, und das schon immer.“

2. Paywall: „Tagesspiegel“ führt neues Bezahlangebot ein
(dwdl.de, Alexander Krei)
Unter dem Namen „Tagesspiegel Plus“ führt der „Tagesspiegel“ ein kostenpflichtiges Angebot für ausgewählte Inhalte ein. Das neue Abo koste 9,99 Euro im Monat und werde vom „Tagesspiegel“-Geschäftsführer in feinstem Marketingsprech gepriesen: „Nachdem wir die ‚Leser Experience‘ konsequent optimiert haben, runden wir gemäß unserer subscription first strategy mit ‚Tagesspiegel Plus‘ unser Digitalabo-Angebot ab“.

3. Ruhrpott-Magazin „Coolibri“ vor dem Aus
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
37 Jahre nach der ersten Ausgabe droht dem Ruhrpott-Magazin „Coolibri“ das wirtschaftliche Aus. Gedruckte Stadtmagazine hätten es bereits vor der Corona-Krise schwer am Markt gehabt. Doch nun könnten die wegbrechenden Anzeigenerlöse die unheilvolle Entwicklung beim Veranstaltungsmagazin mit Sitz in Dortmund beschleunigt haben.

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4. Google will News, und umgekehrt
(taz.de, Steffen Grimberg)
Die Zeitungsverleger liegen seit Jahren mit Google im Clinch. Der Suchmaschinenriese würde ihre Inhalte ausbeuten und das Anzeigengeschäft kaputt machen. Eine Folge des Wehklagens war das Leistungsschutzrecht, das sich für die Verlage jedoch aus verschiedenen Gründen nicht ausgezahlt hat. Nun gebe es überraschend Anzeichen für eine Kooperation zwischen den verfeindeten Parteien.

5. Auf der Suche nach mehr als Brosamen
(sueddeutsche.de, Claus Hulverscheidt)
Die renommierte „New York Times“ steigt bei Apples Journalismus-Flatrate-Angebot Apple News aus. Claus Hulverscheidt kommentiert: „Der US-Finanzsender CNBC etwa berichtete vor einiger Zeit, viele Medien erlösten über das in Deutschland nicht erhältliche Apple-News-Angebot gerade einmal wenige Zehntausend Dollar im Monat. Für ein Unternehmen wie die New York Times, das im Jahr einen Umsatz von 1,8 Milliarden Dollar erwirtschaftet, ist das kaum der Rede wert. Überlegt man zudem, dass die Zusammenarbeit mit Apple zwar die Reichweite erhöht, zugleich aber die Vermarktung der eigenen, bezahlpflichtigen App erschwert, erscheint die Entscheidung des Blattes nachvollziehbar.“

6. Ein unbekannter Pionier aus Leipzig
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 5:20 Minuten)
Kaum jemand kann etwas mit dem Namen Timotheus Ritzsch anfangen, dabei hat der Mann vor genau 370 Jahren die Tageszeitung erfunden. Der Deutschlandfunk erinnert an den Verleger und hat mit dem Medienwissenschaftler Uwe Krüger sowie mit Stephanie Jakobs vom Buch- und Schriftmuseum über die Bedeutung des Mediums Tageszeitung gesprochen.