Autoren-Archiv

Weiße malen sich Gesichter schwarz: “So sehen echte Afrikaner aus”

Eine Redaktion kann natürlich nichts dafür, wenn bei einer Karnevals-, Fastnacht- oder Faschingsveranstaltung in ihrem Verbreitungsgebiet Leute es für lustig halten, bei der Kostümwahl auf das alte, bescheuerte Blackfacing zurückzugreifen, und sich ihre Gesichter schwarz anmalen, um eine schwarze Person darzustellen. Wenn die Redaktion dann aber eine Bildergalerie mit Fotos von der Veranstaltung veröffentlicht, kann sie sehr wohl etwas dafür, wie sie die Fotos der weißen Personen mit den schwarz angemalten Gesichtern kommentiert.

Die “Leiterbachpiraten Oberalpfen” haben neulich ihre “Bunten Abende” abgehalten. Das Motto: “Piraten auf Safari”. Die Redaktion von Südkurier.de zeigt hinter der Paywall Bilder der Jecken oder Narren oder wie sich die verkleideten Leute in Oberalpfen nennen mögen. Dieses Foto zum Beispiel:

Screenshot Südkurier.de - Weiß und Schwarz
(Alle Unkenntlichmachungen durch uns.)

Oder dieses:

Screenshot Südkurier.de - Alle haben ihren Spaß

Und dann noch das hier:

Screenshot Südkurier.de - So sehen echte Afrikaner aus

So sehen laut Südkurier.de also “echte Afrikaner aus”?

Die “Initiative Schwarze Menschen in Deutschland” engagiert sich schon seit langer Zeit gegen das Blackfacing, das immer wieder auch im Karneval anzutreffen ist:

Diese Form der Darstellung Schwarzer Menschen führt eine rassistische Tradition fort, die — auch in Deutschland — zu keinem Zeitpunkt hinnehmbar war oder ist.

Die Redaktion von Südkurier.de braucht in ihrer Bildergalerie mit den Fotos der “Leiterbachpiraten Oberalpfen” aber nicht mal schwarz angemalte Gesichter, um gruselige Kommentare abzulassen. Ihr reichen simpelste Klischees:

Screenshot Südkurier.de - Der lässt sich bei uns sicher nicht integrieren

Das sagt ganz bestimmt mehr über die Redaktion aus als über die Integrationsfähigkeit von trommelspielenden Afroträgern.

Mit Dank an Raphael N. für den Hinweis!

Nachtrag, 20:06 Uhr: Die Redaktion von Südkurier.de hat auf unsere Kritik reagiert und wenige Stunden nach Veröffentlichung unseres Beitrags die vier Fotos samt Kommentare aus der Bildergalerie entfernt. Außerdem hat sie im Sinne der Transparenz diesen Absatz am Anfang der Galerie hinzugefügt:

Einzelne Kommentare zu Bildern in diesem Artikel sind als rassistisch kritisiert worden. Wir haben den Sachverhalt inzwischen überprüft und bedauern die Kommentierung. Darüber hinaus haben wir uns dazu entschieden, auch die Fotos selbst nicht mehr zu verbreiten. Sie wurden aus diesem Artikel entfernt.

Mit Dank an die Hinweisgeber!

“Bild” lässt WDR Bernd Stelter zensieren

Flachwitzeerzähler Bernd Stelter machte neulich bei einer Karnevalssitzung Bernd-Stelter-Flachwitze über den Doppelnamen der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer. Eine Frau im Publikum, die ebenfalls einen Doppelnamen tragen soll, ärgerte sich darüber, ging auf die Bühne und geigte Stelter die Meinung. Diese Kleinigkeit wurde zu einer ziemlich großen Sache, vor allem in den sozialen Netzwerken.

Am 4. März steht die Ausstrahlung dieser Karnevalssitzung im Ersten an. Von der Frau wird dabei aber nichts zu sehen sein: Der WDR hat ihren Bühnenbesuch im Schnitt rausgenommen (wie auch viele weitere Passagen der zwei jeweils sechsstündigen Sitzungen, die auf insgesamt 3:15 Stunden gekürzt werden mussten), auch weil dieser “in vielen Teilen akustisch in der Aufzeichnung nicht hörbar und teilweise unverständlich” sei.

“Spiegel Online” schrieb dazu gestern bei Twitter:

Screenshot eines Tweets von Spiegel Online - Der WDR hat entschieden: Der Doppelnamen-Witz wird in der Ausstrahlung am Rosenmontag nicht zu sehen sein.

… was nicht stimmt und was die Redaktion später korrigierte. Stelters Auftritt wird samt Witz zu Kramp-Karrenbauers Doppelnamen im Ersten zu sehen sein. Dazu soll es ein eingeblendetes Laufband mit Infos zu dem Vorfall mit der Frau geben.

“Bild” macht es in der heutigen Ausgabe noch falscher. Das Blatt behauptet, Stelter sei komplett aus der Sendung geschnitten worden, und schreibt von Zensur:

Ausriss Bild-Zeitung - WDR zensiert Bernd Stelter - Komiker Bernd Stelter (57) wird aus der Sendung Karneval in Köln (ARD, 4. März, 20:15 Uhr) geschnitten. Hintergrund: Bei der Aufzeichnung einer Karnevalssitzung hatte sich Stelter über Doppelnamen lustig gemacht. Einer Zuschauerin gefiel das gar nicht, sie konfrontierte ihn auf der Bühne. Der WDR begründete seine Entscheidung damit, dass die Aufzeichnung in vielen Teilen akustisch nicht hörbar und teilweise unverständlich gewesen sei.

Diese Leistung der “Bild”-Redaktion ist ebenfalls ein schlechter Witz.

“Bild”-Unschuldslämmer fragen: Woher kommt die Wut auf den Wolf?

Bei Bild.de berichteten sie am Montag über die steigende Zahl erschossener Wölfe:

Screenshot Bild.de - Selbstjustiz! Unbekannte töten immer mehr Wölfe - Sie schießen sogar Welpen - Todesschützen drohen fünf Jahre Haft

Im vergangenen Jahr (2018) wurden in Deutschland so viele Wölfe illegal getötet, wie noch nie seit ihrer Rückkehr in diesem Jahrtausend! Neun getötete Tiere, darunter drei Welpen, wurden laut Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf gefunden. Ein Plus von mehr als 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Und auch 2019 sei schon ein Jungwolf illegal erschossen worden. Bild.de fragt:

Screenshot Bild.de - Woher kommt die tödliche Wut?

Ja, woher kommt so etwas Emotionales wie “die tödliche Wut”? Vielleicht kommt sie nicht nur, aber auch durch emotionalisierende Berichterstattung. Zum Beispiel wenn man den Menschen Angst macht vor zähnefletschenden “Wolfshybriden”:

Screenshot Bild.de - Raubtiere wieder in Deutschland heimisch - Wie groß ist die Gefahr durch Wolfshybriden?

Oder wenn man weinende achtjährige Mädchen für seine Kampagne instrumentalisiert:

Screenshot Bild.de - Jette (8) weint um ihre Lieblinge - Der böse Wolf hat meine Schafe gefressen
(Alle Unkenntlichmachungen in diesem Beitrag durch uns.)

Oder wenn man den Menschen eintrichtert, dass sie sich nach ihrer “Sorge um den Diesel-Motor” jetzt mal vor dem Wolf fürchten sollten:

Screenshot Bild.de - Kommentar - Der Wolf ist der neue Diesel

Bis zu 1000 Wölfe streifen durch heimische Wälder. Nach der Sorge um den Diesel-Motor wächst verständlicherweise deshalb vor allem auf dem Land die Angst vor dem Wolf.

Oder wenn man das weinende achtjährige Mädchen dann noch mal instrumentalisiert:

Screenshot Bild.de - Sicherheit - Entscheide die Angst vor dem Wolf die nächsten Wahlen?

Oder wenn man ins Spiel bringt, dass ja bald auch Menschen dran sein könnten:

Screenshot Bild.de - Angst in Brandenburger Seniorenheim - Wolf reißt drei Therapie-Schafe - Pflegeheim-Chef: Kann ich sicher sein, dass der Wolf noch zwischen einem Bewohner im Rollstuhl und einem Stück Wild unterscheidet?

Oder, noch besser, weil noch emotionaler: Dass ja bald auch Kinder dran sein könnten:

Ausriss Bild Politik - Wölfe - Es muss wohl erst ein Kind sterben
(Ausriss aus “Bild Politik”)

Oder wenn man berichtet, dass es ja schon den ersten Wolfsangriff auf einen Menschen gab:

Ausriss Bild-Zeitung - Wolf beißt Arbeiter auf Friedhof

… und dann gar nicht mehr berichtet, wenn sich später herausstellt, dass es gar kein Wolf war.

Oder wenn man, wie die “Bild”-Medien, seit Jahren alles dafür tut, dass die Leserschaft nicht auf Grundlage von Fakten über die Gefahr, die von Wölfen ausgeht, informiert wird, sondern dass bei ihr nur eines hängenbleibt: Angst.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

zdf.de  

Kurz korrigiert (523)

Morgen treffen sich Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und US-Präsident Donald Trump. Sie werden dabei unter anderem über die atomare Abrüstung Nordkoreas sprechen. Und als sei das nicht alles schon aufregend genug, verlegt ZDF.de den Gipfel kurzerhand nach Thailand und erklärt Vietnams Hauptstadt Hanoi, wo das Treffen tatsächlich stattfindet, zu “Thailands Hauptstadt”:

Screenshot ZDF.de - Gipfeltreffen in Thailand - Souvenire mit Trump und Kim - Thailands Hauptstadt Hanoi bereitet sich auf das Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim vor.

Nachtrag, 15:54 Uhr: Die Redaktion von ZDF.de hat reagiert und aus “in Thailand” beziehungsweise “Thailands Hauptstadt” “in Vietnam” beziehungsweise “Vietnams Hauptstadt” gemacht. Dazu hat sie diesen Hinweis ans Ende des Artikels gesetzt:

Update 15:39 Uhr: In einer vorigen Version der Meldung wurde fälschlicherweise “Thailands Hauptstadt” geschrieben. Dies haben wir korrigiert.

Mit Dank an Jens W. für den Hinweis!

Geld machen mit den “dramatischen Bildern einer Rettung”

Zwei 14-jährige Jungen sind am Sonntag auf ein Dach einer S-Bahn-Haltestelle in Neuss geklettert und haben dabei einen Stromschlag erlitten. Der eine wurde dabei leicht verletzt und konnte aus eigener Kraft vom Dach wieder runterklettern, der andere blieb liegen.

Die “Bild”-Zeitung berichtet heute in der Düsseldorf-Ausgabe über den Vorfall (Überschrift: “SCHEISS LEICHTSINN”). Bei Bild.de erschien bereits gestern am späten Abend ein Artikel dazu:

Screenshot Bild.de - Dramatische Bilder einer Rettung in Neuss - Junge (14) erleidet 15000-Volt-Stromschlag - dazu ein Foto, auf dem Sanitäter und Feuerwehrleute zu sehen sind, die um den auf einer Trage liegenden Jungen stehen
(Unkenntlichmachung durch uns.)

Der Beitrag befinden sich, man sieht es an dem “Bild plus”-Logo, hinter der Bezahlschranke — lesen kann ihn nur, wer ein Abo hat. Wer keins hat, sieht lediglich diese zwei Absätze:

Das Foto zeigt einen Jungen, der flach auf dem Dach des Bahnsteigs einer S-Bahn-Haltestelle in Neuss liegt. Der 14-Jährige hat gerade einen Stromschlag erlitten. Doch die herbeigeeilten Helfer können nicht sofort an ihn heran …

Der Junge und sein Kumpel hatten sich am Sonntagnachmittag in akute Lebensgefahr gebracht. Sehen Sie mit BILDplus die dramatischen Bilder der Rettung.

Na, wollen Sie mal sehen, wie ein 14-Jähriger gerade so noch überlebt und gerettet wird? Da haben wir was für Sie! Bei Bild.de wissen sie, wie man an die Portemonnaies von geifernden Gaffern kommt. Denen bietet die Redaktion dann drei Fotos, die mit diesen Bildunterschriften versehen sind:

Nach dem Stromschlag bleibt der Junge  (14) flach auf dem Dach des Bahnsteigs liegen

Endlich können die Retter zu dem Jungen, er ist sogar ansprechbar

Das schwer verletzte Opfer wird vom Dach geholt

Beide Jungen wurden ins Krankenhaus gebracht, sie sollen sich nicht in Lebensgefahr befinden.

Mit Dank an Janine B. und @unalternativ für die Hinweise!

No No Never

Vergangenen Freitag wurde im Ersten “Unser Lied für Israel” gesucht und gefunden: Das Frauen-Duo S!sters wird Deutschland mit dem Song “Sister” beim Eurovision Song Contest im Mai in Tel Aviv vertreten.

Bei Bild.de sind sie skeptisch:

Screenshot Bild.de - Sisters singen im ESC-Finale für Deutschland - Hat dieser Song eine Chance in Israel?

Auf der Suche nach Argumenten für einen potentiellen Erfolg hat die Redaktion verschiedene Indizien zusammengetragen. Darunter:

ESC-Experte Irving Wolther (promovierte über den Schlager-Contest) kann sich durchaus vorstellen, dass es die S!sters in Isarel (sic) in die Endrunde schaffen. “Wir kennen erst ein gutes Dutzend Beiträge in dem Feld, das sich bisher qualifiziert hat. Da stehen wir gar nicht so schlecht da”, sagt er gegenüber DPA.

Wir können uns sogar alle absolut sicher sein, dass es das Duo “in die Endrunde schaffen” wird: Als einer der fünf größten Geldgeber bei der European Broadcasting Union (EBU) ist Deutschland seit Einführung der Halbfinale beim ESC immer automatisch für die große Finalsendung am Samstagabend qualifiziert. Irving Wolther weiß das, bei der dpa steht nichts zum Thema Halbfinalchancen — den Fehler hat sich Bild.de offenbar ganz alleine gebastelt.

Mit Dank an Tobias R. für den Hinweis!

“Sie haben es sicher bemerkt”

Bitte nicht erschrecken!

Die Seite 1 der “Hamburger Morgenpost” sieht heute so aus …

Ausriss Titelseite Hamburger Morgenpost - Noch acht Tage bis zur Kollision - Bestätigt: Asteroid trifft Erde - Wo gibt es noch die letzten Bunkerplätze? Politiker und die große Schuldfrage - Der Impact und die Finanzen: Dollar oder Gold? Wie groß ist unsere Überlebenschance?
(Hier in größerer Version.)

… die Seite 2 so …

Ausriss Hamburger Morgenpost - Ein Asteroid rast auf Mitteleuropa zu. Die neue Serie auf Sky. Acht Tage

… und die Seite 3 so:

Ausriss Hamburger Morgenpost - Wein leiser! So soll der Hamburger Rapper Famo eine Frau verhöhnt haben, die er laut Anklage gerade vergewaltigte

Da rechts am Rand steht:

Ausriss Hamburger Morgenpost - Liebe Leserinnen und Leser, heute sieht Ihre Mopo anders aus als gewohnt. Aber natürlich geht nicht demnächst die Welt unter! Sie habe es sicher bemerkt: Die komplette Seite eins ist ausnahmsweise eine Anzeige, die eigentliche Titelseite ist hier auf der dritten Seite. Mit dieser Marketing-Aktion macht der Fernsehsender Sky auf eine neue Serie aufmerksam, in der ein Asteroid auf die Erde zurast. Ihre Mopo-Redaktion

Jaja, “Sie haben es sicher bemerkt” — und weil das alles so offensichtlich ist, erklärt “Ihre MOPO-Redaktion” lieber noch mal, dass sie ihre Titelseite an Sky verscherbelt hat, und dass sich die Leserinnen und Leser nun doch nicht um “die letzten Bunkerplätze” kloppen müssen.

Schon klar, oben rechts auf Seite 1 hat sich die “Hamburger Morgenpost” mit einem kleinen “ANZEIGE” abgesichert. Dass die dazugehörige dünne, schwarze Linie aber auch den Schriftzug der Zeitung einschließt, ist mindestens befremdlich. Sky kann dort mit dem offiziellen Logo der “Mopo”-Redaktion werben.

Und wer jetzt sagt: “Naja, aber das Schriftbild sieht ja ganz anders aus als auf der echten Titelseite” — nur zum optischen Vergleich die Titelseite von gestern:

Ausriss Titelseite Hamburger Morgenpost von gestern - Die Felgen-Mafia - Organisierte Banden stehlen Räder in Sekunden. Immer mehr Fälle

Eine mögliche Erklärung für den traurigen Ausverkauf der Seite 1: Das Blatt steht mächtig unter Druck. Laut IVW ist die verkaufte Auflage der “Hamburger Morgenpost” im vergangenen Jahr um 17,2 Prozent eingebrochen. Seit 2016 sogar um 27,4 Prozent. Gut möglich also, dass im Verlag tatsächlich Weltuntergangsstimmung herrscht, auch wenn der Asteroid nur ein Werbegag ist.

Nachtrag, 16:02 Uhr: Bei “DWDL” berichtet Alexander Krei, dass neben der “Hamburger Morgenpost” auch der “Express”, die “tz” und der “Berliner Kurier” ihre Titelseiten für die Sky-Anzeige (optisch jeweils abgeändert) hergegeben haben.

Bild.de berichtet über positiven HIV-Test eines Pornodarstellers

Ein spanischer Pornodarsteller soll positiv auf HIV getestet worden sein, was in der Branche, in der der Mann tätig ist, natürlich für größere Unruhe sorgt. Von einem spanischen Onlineportal auf das angebliche Testergebnis angesprochen, sagte er:

“Ich weiß nicht woher ihr die Info habt, aber sie ist geschmacklos. Ich werde dazu nichts sagen, danke.”

Dieses Zitat bringt auch Bild.de heute in einem Artikel. Und dazu den Künstlernamen des Mannes sowie Fotos, die ihn unverpixelt zeigen. Eines davon aktuell auch auf der Startseite:

Screenshot Bild.de - Darsteller HIV-positiv getestet - Europaweiter Produktionsstopp von Sex-Filmen
(Die Unkenntlichmachung der Gesichter durch uns, die der Brüste durch Bild.de)

Ein positiver HIV-Test ist Privatsache, auch bei Pornodarstellern. Sicher müssen in einem solchen Fall Maßnahmen ergriffen werden, aber dazu gehören keine Berichte auf Boulevardstartseiten. Es ist auch nicht so, dass nun Pornodarstellerinnen gewarnt oder frühere Drehpartnerinnen aufgeklärt werden müssten — das ist bereits passiert. Die spanischen Behörden sollen Bescheid wissen und das übliche Prozedere in Gang gesetzt haben: alle Sexualpartnerinnen aus der jüngsten Zeit informieren und ihnen Termine für HIV-Tests vermitteln.

Die differenzierte Abschiebe-Debatte in “Bild” – wenn es um Deutsche geht

Bei kaum einem Thema ist die “Bild”-Redaktion so leidenschaftlich wie bei der Abschiebung von Gefährdern, Terrorverdächtigen und Terroristen aus Deutschland in deren jeweilige Herkunftsländer. Wobei, genauer: Vor allem bei Problemen bei diesen Abschiebungen wird sie richtig energisch.

Ausriss Bild-Titelseite - Warum darf so einer bleiben? Schiebt den Bin-Laden-Leibwächter jetzt endlich ab
(Alle Unkenntlichmachungen in diesem Beitrag durch uns.)

… allerdings, das nur am Rande, ist nie endgültig bewiesen worden, dass Sami A. tatsächlich Leibwächter von Osama bin Laden war.

Oder bei diesen Fällen:

Ausriss Bild-Titelseite - Nach Bin Ladens Leibwächter der nächste Abschiebe-Skandal um einen Terroristen - Und wir werden sie einfach nicht los

Screenshot Bild.de - Neuer Abschiebe-Skandal - Auch dieser Gefährder genießt Schutzstatus

Ihn haben die Behörden als Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung eingestuft — und dennoch darf er bei uns bleiben. Ein neuer Abschiebe-Skandal, der wütend macht! (…)

Der Vorwurf gegen ihn: Er soll ISIS-Mitglied sein.

Screenshot Bild.de - Obwohl sie ausreisepflichtig sind - NRW kann 16 Dschihadisten nicht abschieben
Ausriss Bild-Zeitung - Und diese Gefährder sind immer noch hier!

Es müssen aber gar nicht unbedingt Gefährder oder (mögliche) Terroristen sein — es reichen kriminelle Ausländer. Klappen deren Abschiebungen aus Deutschland nicht, wird die “Bild”-Redaktion sogar zur Aktivisten-Truppe:

Screenshot Bild.de - Unterschreiben sie hier die Bild-Petition - Merkel soll Abschiebung zur Chefsache machen! Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, erklären Sie Abschiebungen von ausreisepflichtigen Kriminellen jetzt zur Chefsache

Eines der wichtigsten Probleme sind die Abschiebungen von ausreisepflichtigen Kriminellen. Das Problem: Jedes Bundesland handhabt die Abschiebung unterschiedlich – während einige Länder die Lage im Griff haben, scheinen andere überfordert.

Deshalb fordert BILD: Das muss Chefsache im Kanzleramt werden!

Wenn Sie das auch wollen: Schreiben Sie eine E-Mail an BILD ([email protected]) mit Ihrem Namen und Ihrer Adresse.

BILD wird Ihre Botschaften im Kanzleramt überreichen. Und Druck machen.

… was ja übersetzt so viel heißt wie: Schiebt die endlich ab!

Wenn dieses Vorhaben dann an den Herkunftsländern scheitert, weil diese nicht wollen oder die Vorgänge verzögern, sind sie bei “Bild” genervt, beleidigt oder sauer:

Screenshot Bild.de - Innere Unsicherheit - Kein Pass, keine Abschiebung

Bis zu 1000 deutsche Bundeswehr-Soldaten sind in Mali stationiert.

Sie helfen wie selbstverständlich, das afrikanische Land zu sichern. Will Deutschland aber Asylbewerber in ihre malinesische Heimat abschieben, stellt sich das Land quer, dauert eine Abschiebung Monate!

(Nur nebenbei: Es heißt “malische Heimat”.)

Ein anderer Fall:

Ausriss Bild-Zeitung - Der Asylantrag von Mortaza D. wurde bereits 2010 abgelehnt - Afghanistan schickt Verbrecher zurück nach Deutshcland

Einmal Kabul — und zurück!

Afghanistan hat einen Straftäter, der aus Deutschland abgeschoben wurde, wieder zurückgeschickt.

Screenshot Bild.de - Kommentar - Afghanistan und Abschiebungen

Es mag eine Ausnahme sein, dass Afghanistan einen Verbrecher nach Deutschland zurückschickt, der schon nach Kabul abgeschoben worden ist.

Keine Ausnahme ist, dass sich das Land am Hindukusch regelmäßig bei Abschiebungen querstellt.

Nun sitzen derzeit in Nord-Syrien und im Irak mehrere Dutzend Deutsche, die sich einst dem sogenannten “Islamischen Staat” angeschlossen haben, in Gefängnissen. Und bei Bild.de ist es plötzlich nicht mehr so glasklar, dass ein Herkunftsland Terroristen oder Terrorverdächtige oder Gefährder oder kriminelle Ausländer zurücknehmen muss. Stattdessen soll erstmal diskutiert werden:

Screenshot Bild.de - Zurückholen oder dort lassen? Was tun mit deutschen ISIS-Mitgliedern?

Die “Bild”-Leserinnen und -Leser, die bei Facebook jede abgebrochene Abschiebung aus Deutschland mit “Raus mit denen” oder “Ab in den nächsten Flieger” kommentieren, sehen die Sache auf einmal auch etwas anders: Die Umfrage am Ende des Bild.de-Artikels “Sollen wir die deutschen ISIS-Mitglieder zurückholen?” beantworten über 70 Prozent mit: “Nein, sie dürften unter keinen Umständen zurück”.

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