Stille Selbstabschaffung, Das Geld war wichtiger, Wem gehört das Spiel?

1. Die stille Selbstabschaffung
(journalist.de, Martin Andree & Stephan Weichert)
Die Medienwissenschaftler Martin Andree und Stephan Weichert appellieren an Journalistinnen und Journalisten, der schleichenden Verlagerung der öffentlichen Kommunikation Richtung der Kontrolle durch marktbeherrschende Tech-Konzerne entgegenzutreten. Die Autoren formulieren fünf Handlungsschritte für die Branche: die Gefährdung der eigenen Infrastruktur selbst zum Medienthema zu machen, Reichweiten wieder auf eigenen Kanälen aufzubauen, den Regulierungsdruck für faire Wettbewerbsbedingungen zu verstärken, medienübergreifende Allianzen zu schmieden und den Einsatz für die institutionellen Voraussetzungen der Pressefreiheit als journalistisches Selbstverständnis zu begreifen.

2. Meta kauft sich frei
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck kritisiert den Vergleich der US-Bundesstaaten in der Auseinandersetzung mit dem Facebook- und Instagram-Mutterkonzern Meta bezüglich der zahlreichen Versäumnisse beim Jugendschutz: “Es wäre eine historische Chance gewesen, mit weltweiter Signalwirkung. Es hätte das Leben junger Menschen nachhaltig verbessern können, auch über die nächsten fünf bis zehn Jahre hinaus. Aber, und hier zeigt sich die unrühmliche Gemeinsamkeit von Klägern und Beklagtem: Das Geld war wichtiger.”

3. 56 Empfehlungen und trotzdem eine Lücke
(belltower.news, Charlotte Lohmann)
Die Expertenkommission “Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt” habe mit 56 Handlungsempfehlungen eine Abkehr von verengten Verbotsdebatten vorgelegt, indem sie den Schutz und die Befähigung junger Menschen in den Mittelpunkt stelle und Plattformen stärker in die Pflicht nehme. In ihrem Kommentar argumentiert Charlotte Lohmann, dass dem Bericht eine entscheidende Dimension fehle: die aufsuchende pädagogische Präsenz. Als “Empfehlung 57” empfiehlt sie daher eine dauerhaft finanzierte Offensive für “Digital Streetwork”.

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4. Schlechte Zeiten für Lokaljournalismus
(verdi.de, David Bieber)
Die Mediengruppe DuMont schließe im Zuge des digitalen Umbaus beim “Kölner Stadt-Anzeiger” (“KStA”) die Rheinische Redaktionsgemeinschaft zum 30. September, wodurch 57 Vollzeitstellen wegfallen würden. Demgegenüber stünden 30 neu zu schaffende Digitalstellen. Gewerkschaften kritisieren den Schritt als schweren Schlag für den regionalen Journalismus und vermuten Einsparungsabsichten. Die “KStA”-Chefs würden die Neuaufstellung mit sinkenden Printauflagen sowie der verstärkten Automatisierung von Produktionsschritten mithilfe von KI begründen.

5. Creator Economics: Was Meta, Snapchat, TikTok & YouTube zahlen
(dwdl.de, Simon Pycha)
Simon Pycha analysiert die zunehmend restriktiven Monetarisierungsmodelle großer Plattformen wie Facebook, TikTok, Snapchat und YouTube. Ab Februar 2027 verdopple YouTube die Zugangshürden für sein Partnerprogramm drastisch auf 8.000 Wiedergabestunden beziehungsweise 20 Millionen Shorts-Views, was kleineren Kanälen den Zugang zu Werbeerlösen massiv erschwere. Die offengelegten Einnahmen des Vollzeit-Creators Paul Bunne verdeutlichten zudem, dass sinkende Klickvergütungen und undurchsichtige Abrechnungskriterien die reinen Plattformhonorare schrumpfen lassen.

6. Wem gehört das Spiel?
(taz.de, Martin Seng)
Rund zweieinhalb Monate vor dem geplanten Erscheinen des Videospiels “Grand Theft Auto VI” werde die Marketingstrategie von Computerspiele-Entwickler Rockstar Games durch massive Vorab-Leaks durchkreuzt. Eine anonyme Quelle mit dem Pseudonym “Cyberleek” veröffentliche seit Mitte August fast täglich Spielszenen aus einer offenbar spielbaren Entwicklerversion und verbinde dies mit Kritik an digitalen Monopolen, dem Ende physischer Datenträger sowie der berüchtigten Arbeitskultur bei Rockstar. Allerdings entpuppe sich der aktivistische Coup zunehmend als eigennütziges Projekt.