1. Wege in den wehrhaften Journalismus
(taz.de, Nadia Zaboura)
Medienkritikerin Nadia Zaboura wirft deutschen Leitmedien eine Mitschuld am Erfolg des Rechtspopulismus vor, da diese fälschlicherweise an einem überholten Ideal von “Neutralität und Objektivität” festhalten würden. Der Journalismus müsse sich wieder als machtkritische und humanistische Infrastruktur verstehen. Zaboura fordert eine Abkehr vom “Journalism-as-usual”. In Zeiten der demokratischen Bedrohung müsse Journalismus zwingend antifaschistisch sein, um nicht in die Selbstabschaffung zu steuern.
2. Linke Aktivisten rechtfertigen Gewalt gegen Medienvertreter
(t-online.de)
Nach dem AfD-Bundesparteitag in Erfurt am vergangenen Wochenende ziehe das linke Bündnis “Widersetzen” eine positive Bilanz der Protest- und Blockadeaktionen, an denen sich laut Polizei bis zu 31.000 Menschen beteiligt hätten. Heftige Kritik gebe es jedoch am Vorgehen gegen Berichterstatter von Rechtsaußen: Die Polizei ermittle wegen Übergriffen von Demonstranten auf Vertreter der Plattform “Apollo News” und der “Jungen Freiheit”. Das antifaschistische Bündnis rechtfertigte die Vorfälle mit der Aussage, “Faschisten mit einem Presseausweis” seien bei ihren Aktionen nicht willkommen.
3. Ein Preis mit hohem Preis
(verdi.de, Matthias Meisner)
Die schwerkranke Hörfunkfeature-Autorin Marie von Kuck sei bei der Verleihung des renommierten Leipziger Medienpreises (Axel-Eggebrecht-Preis) für ihr Lebenswerk mit einer aufrüttelnden Dankesrede an die Öffentlichkeit getreten. Die Auszeichnung würdige zwar ihr investigatives Schaffen zu sozialer Ungerechtigkeit und Menschenrechten, lege aber gleichzeitig ein systemisches Problem offen: Trotz zahlreicher Preise habe von Kuck den Großteil ihres Berufslebens kaum von ihren aufwendigen Recherchen leben können und sei auf Grundsicherung angewiesen.
4. RBB-Intendantin stellt sich vor Dieter Nuhr: “Satire genießt einen sehr weiten Schutz”
(tagesspiegel.de, Claudia Reinhard)
Trotz anhaltender öffentlicher Empörung und etlichen Programmbeschwerden habe RBB-Intendantin Ulrike Demmer redaktionelle Konsequenzen wegen eines Femizid-Witzes in der Sendung “Nuhr XXL” abgelehnt. Der Comedian Dieter Nuhr hatte bezüglich 300 bis 350 Femiziden pro Jahr formuliert: “Zur Sicherheit wäre es vielleicht besser, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr einfach erstmal kennenlernt”, was Kritikern zufolge eine Täter-Opfer-Umkehr impliziere. Demmer habe vor dem Rundfunkrat betont, dass der öffentlich-rechtliche Sender die Kritik zwar ernst nehme, Satire jedoch einen sehr weiten verfassungsrechtlichen Schutz durch die Kunstfreiheit genieße.
5. Afrikas Journalistinnen kämpfen mit Belästigung und ungleichen Strukturen
(de.ejo-online.eu, Enock Sithole)
Trotz zahlreicher Absolventinnen von Journalismusstudiengängen würden in afrikanischen Ländern nur wenige Frauen langfristig im Journalismus bleiben oder in Führungspositionen aufsteigen. Ein strukturelles “Talentleck” führe dazu, dass junge Journalistinnen die Redaktionen nach wenigen Jahren wieder verlassen. Als Hauptgründe gälten sexuelle Belästigung, ungleiche Beförderungssysteme sowie Cyberbelästigung und Doxing. Zudem würden prekäre Verträge und mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf den Verbleib erschweren.
6. Nach viel Kritik: WDR rückt vom Namen “1Live Street” ab
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der WDR rücke nach starker öffentlicher Kritik von der geplanten Umbenennung seiner jungen, international ausgerichteten Radiowelle “Cosmo” in “1Live Street” ab. Hörerschaft und Verbände hatten bemängelt, dass der Zusatz “Street” migrantische Lebensrealitäten klischeehaft reduziere und mit Marginalisierung sowie sozialer Benachteiligung verknüpft sei. Der öffentlich-rechtliche Sender habe den Fehler eingeräumt und angekündigt, einen neuen Namen unter Einbeziehung von Publikum und Belegschaft zu finden.
