ARD-Selbstfesselung, Unstatistik, Radio Facebook

1. Algorithmen sind kein Gegenmittel
(faz.net, Adrian Lobe)
Algorithmen seien kein Mittel gegen Fake-News, sondern die Ursache des Problems, so FAZ-Autor Adrian Lobe: „Erst durch die Automatisierung der Nachrichtenlese und damit verbundenen Erosion der Gatekeeper-Funktion sind die Schleusen geöffnet worden, durch die nun Unmengen an Falschnachrichten an die Oberfläche gespült werden.“ Wer Fake-News jedoch verbanne, ohne zu begründen, was falsch ist und warum, sei nicht der Wahrheit verpflichtet, sondern mache sich zum Erfüllungsgehilfen eines autoritären Regimes.

2. Wie sieht die Online-Zukunft der ARD aus?
(ndr.de, Daniel Bouhs)
Wenn es nach den Verlagen geht, soll sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk möglichst auf seine audiovisuellen Inhalte konzentrieren und von allem Geschriebenen fernhalten. Daniel Bouhs berichtet von Verhandlungen zwischen Verlegerseite und ARD, die befürchten lassen, dass sich der Sender bald selbst Handschellen anlegt. In einer Art Selbstverpflichtung soll zugesichert werden, dass auf den Startseiten der Internet-Angebote maximal ein Drittel Text gezeigt wird.

3. Big Data knackt Ihre Psyche
(rwi-essen.de, Katharina Schüller)
Mit der „Unstatistik des Monats“ werden regelmäßig jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen überprüft. In der aktuellen Ausgabe beschäftigt sich Gastautorin Katharina Schüller mit der unlängst aufgestellten Behauptung, dass ein Facebook-Algorithmus Donald Trump zum Wahlsieg verholfen habe. Schüllers ernüchterndes Fazit: „Selbst wenn alle Daten korrekt wären, ist der Algorithmus kaum mehr als eine Formalisierung von Alltags-Klischees.“

4. Die Türkei zensiert im Netz und auf der Straße
(dasnetz.online, Hauke Gierow)
Hauke Gierow berichtet über die besorgniserregende Einschränkung der Internetfreiheit in der Türkei. Alle Zeichen würden in die gleiche Richtung deuten: Mehr autoritäre Eingriffe, mehr Kontrolle und mehr Menschenrechtsverletzungen. In vielen Aspekten würde sich die Türkei an China orientieren, die ihren Bürgern mit vielen technischen Einschränkungen das Leben im Netz schwer mache. Nun sei abzuwarten, wie die internationale Gemeinschaft auf die Eingriffe reagiere und ob sich Unternehmen von dem Land abwenden würden.

5. War #KeinGeldFürRechts ein unzulässiger Boykottaufruf?
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Ein Mitarbeiter der Werbeagentur Scholz & Friends hatte auf seinem privat geführten Blog die Aktion #KeinGeldFürRechts ins Leben gerufen: Werbetreibende sollten überprüfen, ob sie auf bestimmten rechten Websites/Portalen Werbung geschaltet haben und ob das wirklich im Sinne ihres Unternehmens ist. Der darauf folgende Shitstorm war gewaltig und hatte auch persönliche Konsequenzen: Der Werber kündigte sein Arbeitsverhältnis und zog sich vorerst zurück.
Rechtsanwalt Thomas Stadler prüft in seinem Blog nun, ob es sich bei der Aktion um einen unzulässigen Boykott-Aufruf gehandelt habe.

6. Warum Facebooks neue Funktion #LiveAudio eine große Chance ist
(marckrueger.tumblr.com)
Anfang 2017 will Facebook eine neue Funktion namens „Live Audio“ starten und nach und nach für alle Nutzer freischalten. Rundfunkspezialist Marc Krüger über mögliche Gewinner und Verlierer: „Die neue Live-Funktion von Facebook ist also eine gute Nachricht für alle Audio-Liebhaber, natürlich für Radio-Sender, Podcaster, Autoren, Musiker, Verlage. Sie ist außerdem eine große Chance für Audio-Inhalte, die jahrelang und konstant als das nächste große Ding galten – und doch eine hoffnungsvolle Nische geblieben sind. Durch Facebook bekommen sie in den kommenden Monaten ganz sicher neue Aufmerksamkeit, die sie nutzen können und sollten. Eine schlechte Nachricht ist Facebooks neue Audio-Liebe dagegen für Plattformen wie Soundcloud und auch ein bisschen für Podcast-Platzhirsche wie iTunes oder Streaming-Dienste wie Spotify.“