Medienversagen, Mafia, Wakaliwood

1. Die US-Wahl, die Medien und ihre Vorhersagen (Links im Text)
(diverse)
In der Wahl von Donald Trump zum künftigen Präsidenten der USA sehen viele auch ein Versagen der Journalisten und ihrer Vorhersagen. Sascha Lobo schreibt in seiner Kolumne bei „Spiegel Online“ vom Scheitern der Medien und Meinungsforscher „an den Mechanismen moderner Meinungsbildung“ („Wir müssen aus unseren Fehlern lernen. Sonst ist Trump unser kleinstes Problem“). Bei persoenlich.com sagt Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, Trump sei der „grosse Profiteur einer veränderten Medienwelt“ („‚Trump hat von einer veränderten Medienwelt profitiert'“). Christian Jakubetz schreibt in seinem Blog von einer „bitteren Lektion“ für „Journalisten, Medien und Social-Media-Enthusiasten“ („Eine Ohrfeige namens Trump“). Die Wahl von Donald Trump zeige, „wie sehr sich die Bürger von den klassischen Medien abgewandt haben — und andersherum“, so Julian Dörr bei sueddeutsche.de („Trump und „Breitbart“ triumphieren über das Establishment“). Joshua Benton analysiert bei „NiemanLab“, dass sowohl Journalisten als auch Facebook dazu beitrügen, dass sich die Gesellschaft in „two self-contained, never-overlapping sets of information“ bewege („The forces that drove this election’s media failure are likely to get worse“). Rasmus Kleis Nielsen denkt auf seiner Website darüber nach, was die Wahl für die Sozialwissenschaften bedeuten könnte („‚A desk is a dangerous place from which to view the world.‘ Social science and the 2016 elections“). Danah Boyd sagt klipp und klar „I blame the media“ und kritisiert fehlende Selbstreflexion der Medien sowie ein mangelndes Verständnis der eigenen Schwächen („Reality check: I blame the media.“). Jim Rutenberg und James Poniewozik fragen in der „New York Times“, ob sich die Medien von dieser Wahl wieder erholen können („Can the Media Recover From This Election?“). Und Margaret Sullivan wirft den Journalisten in der „Washington Post“ vor, dass sie nicht richtig hingehört und hingeschaut hätten („The media didn’t want to believe Trump could win. So they looked the other way.“).

2. War das Volksverhetzung?
(faz.net, Michael Hanfeld)
Der Auftritt einer vollverschleierten Konvertitin in der Talkrunde von Anne Will am vergangenen Sonntag hat jetzt auch rechtliche Folgen — eine Rechtsanwältin aus Neuruppin soll Strafanzeige gestellt haben, „‚wegen aller in Frage kommenden Straftaten'“, schreibt Michael Handfeld. In einer Stellungnahme verteidigt „Anne Will“-Redaktionsleiter Andreas Schneider die Einladung der Frau: „Um das ganze Spektrum der Problematik abzubilden, die im Tatort [lief im Vorfeld der Sendung] angespielt wurde, war es Absicht der Redaktion, auch eine radikalisierte Person in die Gesprächsrunde zu laden.“

3. „Dort verkehren auch Politiker“
(taz.de, Ambros Waibel)
Gestern Abend lief beim „MDR“ Ludwig Kendzias Reportage „Revier der Paten — Mafia in Mitteldeutschland“ (Video, 29:45 Minuten). Im Interview mit der „taz“ erklärt er, warum es schon rein rechtlich schwierig ist, über die Mafia zu berichten: „In Italien ist die nachgewiesene Zugehörigkeit zur Mafia strafbar. Das ist bei uns nicht so und macht es für Journalisten enorm schwierig, identifizierend zu berichten. Wir müssen uns aufs Allgemeine zurückziehen.“

4. O-Töne herstellen? Geht jetzt!
(radio-machen.de, Sandra Müller)
„Adobe“, die Firma, die auch Photoshop entwickelt hat, hat vor einigen Tagen Voco vorgestellt (Video, 7:20 Minuten). Damit kann man — kurz gesagt — am Computer durch die Eingabe oder das Löschen von Wörtern Sprachaufnahmen so verändern, dass ganz neue Aussagen entstehen. Sandra Müller warnt vor dieser „perfekten Audio-Manipulationsmaschine“.

5. Journalisten nicht ins Asylverfahren treiben
(reporter-ohne-grenzen.de)
Nachdem Michael Roth, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, in einem Interview mit der „Welt“ verfolgten türkischen Journalisten Asyl in Deutschland in Aussicht gestellt hatte, kritisieren die „Reporter ohne Grenzen“, dass Roths Angebot an den Bedürfnissen der Betroffenen vorbeigehe: „Die weitaus meisten der türkischen Medienschaffenden, die sich mit der Bitte um Zuflucht in Deutschland an Reporter ohne Grenzen wenden, wollen weder politisches Asyl noch dauerhaft im Ausland bleiben. Ihnen geht es vielmehr um vorübergehende Zuflucht, bis sich die politische Situation in der Türkei beruhigt hat — und vor allem darum, ihre journalistische Arbeit fortzusetzen. Würden sie politisches Asyl beantragen, könnten sie jedoch während eines Verfahrens von ungewisser Dauer nur sehr schwer eine Arbeit aufnehmen und wären in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt.“

6. Wakaliwood: Actionfilme aus Ugandas Slum
(ndr.de, Bastian Berbner, Video, 12:04 Minuten)
Isaac Nabwana braucht gerade mal ein Budget von 160 Dollar, um einen ganzen Spielfilm zu drehen. Nabwana ist Kameramann, Regisseur und die zentrale Person von Wakaliwood, Ugandas Film-Hotspot in Wakaliga. Bastian Berbner war im Slum in der Nähe der Hauptstadt Kampala dabei, als mit Hilfe von Kunstblut in Kondomen und Maschinengewehren aus Abwasserrohren ein neuer Actionfilm im typischen Wakaliwood-Stil entstanden ist.