Boulevard-Beißhemmung, Widerstands-Ikonen, Artefiziell

1. Beißhemmung auf dem Boulevard
(sueddeutsche.de, Hans Leyendecker)
Hans Leyendecker schreibt über die „Beißhemmung auf dem Boulevard“. Immer häufiger würden sich Prominente gegen falsche Berichte wehren. Er führt dies u.a. auf die gewachsene Zahl von Medienanwälten zurück, von denen er einige auch zu Wort kommen lässt. Da es mit Facebook und Co. eigene Vertriebskanäle zur Selbstvermarktung gäbe, würden die Stars generell seltener mit dem Boulevard zusammenarbeiten. Zudem werde bei Falschberichterstattung häufiger und schneller vor den Pressekammern geklagt. Leyendecker schließt mit einer absurden Geschichte: „Als im Frühjahr Das Goldene Blatt eine Geschichte über den klagefreudigen Grönemeyer machen wollte, erkannten Leser nur sein Foto und konnten die Überschrift lesen: „Mit 60 am Ziel seiner Träume“. Der Rest war Blindtext – wirre Buchstabenreihen. Ohne Sinn. Immerhin: Gegen diesen Text konnte der Sänger nicht klagen.“

2. Wie Steinbach auf die Recherche zu ihrem berüchtigten Tweet reagierte
(onlinejournalismus.de, Fiete Stegers)
Die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach hat vor einiger Zeit einen umstrittenen Tweet verbreitet, der ein blondes Kind inmitten dunkelhäutiger Kinder zeigte. Die Intention war, auf die angeblichen Gefahren einer „Überfremdung“ aufmerksam zu machen. Der Journalist Fiete Stegers hat sich seinerzeit für die Mediensendung „ZAPP“ auf die Suche nach dem Ursprung des Bilds gemacht und nach einiger Detektivarbeit die Quelle ermittelt. Das Bild wurde in einem indischen Kinderheim von den australischen Eltern des abgebildeten blonden Jungen aufgenommen und geistert seitdem durchs Netz. Sowohl Eltern als auch Kinderheim hatten keine Zustimmung zur Veröffentlichung des Bilds gegeben und äußerten sich empört wegen der politisch motivierten Nutzung. Stegers fasst die Reaktionen von Steinbach zusammen, die im Wesentlichen aus Abwiegeln, Ausreden und Ablenken bestehen.

3. Beisst es oder will es nur spielen?
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Mehr als 1,6 Milliarden Menschen sind bei Facebook (Stand März 2016). Damit ist das Unternehmen nicht nur das größte Social-Media-Netzwerk, sondern zusammen mit Google auch der mächtigste Vermittler und Verteiler von Medieninhalten. Adrian Lobe erklärt in seinem Artikel, wie sich dieser Umstand auf Medienhäuser und Medienkonsum auswirkt. Und weist daraufhin, welche Verantwortung das Unternehmen mit seinem Newsfeed-Algorithmus hat: „Facebook ist mehr als eine «personalisierte Zeitung», zu der sie Mark Zuckerberg ausstaffieren will, sondern bereits heute ein globaler Kiosk, von dem man erwartet, dass er ein Stück weit die Pluralität des Meinungsspektrums abbildet. Ohne den geringsten Content zu produzieren, avanciert Facebook zum größten Medienakteur der Welt. Daher ist es nur billig, dass den Internetkonzern gewisse Pflichten treffen. Dazu gehört auch, die Modifizierung der Newsfeed-Algorithmen, die einer redaktionellen Entscheidung kommen, transparent zu machen.“

4. Journalisten bei Protesten festgenommen
(reporter-ohne-grenzen.de)
In Zusammenhang mit den Protesten gegen Polizeigewalt in den USA wurden mehrere Journalisten festgenommen. Bei „Reporter ohne Grenzen“ ist man besorgt und kommentiert den Vorgang wie folgt: „Die USA sind zu Recht stolz auf die traditionell starke Stellung der Pressefreiheit in ihrer Rechtsordnung. Es ist unwürdig, wenn dort Journalisten festgenommen werden, nur weil sie über Proteste gegen Polizeigewalt berichten!“ Die USA stünden auf der jährlich herausgegebenen Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 41 von 180 Staaten, was vor allem an NSA-Überwachung, Whistleblower-Verfolgung und dem Umgang des Präsidentschaftsbewerbers Trump mit Medien liege.

5. Ikonen des Widerstands
(taz.de, Katrin Gottschalk)
Immer wieder erlangen Bilder Berühmtheit, auf denen sich Frauen der Staatsgewalt entgegenstellen. Katrin Gottschalk von der „taz“ zeigt einige berühmte Beispiele und beschreibt ihre Wirkung beim Betrachter: „Im Prinzip denken wir Frauen noch immer als wehrlos und schwach. Sie bleiben damit passive Objekte und werden nicht zu handelnden Subjekten – obwohl sie sich hier entgegenstellen. Gleichzeitig dichten wir ihnen moralische Überlegenheit an. So lösen Frauen wie Evans, Asplund und Sungur Mitleid und Bewunderung zugleich aus. Die Bilder bewegen sich zwischen Widersprüchen, die aufgrund spezifischer Geschlechterbilder fortdauern. Und schließlich sind die Frauen auf den Fotografien auch schöne Unnahbare, eine sexuelle Fantasie. Eine Projektion.“

6. Nicht die feine Arte
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Der TV-Sender „Arte“ hat dabei zugesehen, wie sich Leute auf eine fiktive Stellenausschreibung einer Arte-Sendung beworben haben. Wohl mit dem Hintergedanken, die Bewerbervideos später in der Arte-Reihe „Summer of Scandals“ auszustrahlen. Man ist etwas ratlos ob dieser seltsamen Aktion und auch Boris Rosenkranz, der bei Arte nachgehakt hat, kann ob der Motivlage nur mutmaßen: „Und, wer weiß: Vielleicht war es genau so vom Sender angelegt. Eine Fake-Ausschreibung bringen, sie als Fake auflösen, den Zorn dokumentieren – und damit zeigen, wie man so etwas herstellt: einen Skandal im „Summer of Scandals““