Faktenzoom, News-Traumata, Medien-Trump

1. Faktenzoom
(faktenzoom.de)
Zwölf angehende Journalistinnen und Journalisten der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft haben ein tolles journalistisches Projekt auf die Beine gestellt: „Faktenzoom“. Der Journalistennachwuchs hat dazu über mehrere Wochen die beliebtesten Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen geschaut und die Aussagen der teilnehmenden Politiker auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft. Aus Transparenzgründen haben die Projektmacher eine Google-Tabelle mit allen Aussagen aller Politiker und der jeweiligen Bewertung verlinkt. Die Rangliste im negativen Sinn führt übrigens Frauke Petry (AfD) an: Nahezu ein Drittel ihrer Behauptungen mussten die Faktenzoomer beanstanden, gut 15 Prozent seien komplett falsch gewesen.

2. Journalismus: Seriöse Stimme in Social Media
(kurier.at, Marco Weise & Georg Leyrer)
„GEN Summit 2016“ nennt sich die große, internationale Medienkonferenz, die vom 15. bis zum 17. Juni in Wien stattfindet. Im Vorfeld hat sich der österreichische „Kurier“ mit einem der Teilnehmer unterhalten: Jim Roberts, dem ehemaligen Journalist der New York Times und Chefredakteur von Mashable. Natürlich ging es um die Zukunft des Journalismus und der findet nach Roberts auf dem Handy statt. „Qualitätsjournalismus muss sich mehr an die technischen Gegebenheiten, an die Geräte anpassen, auf denen die Menschen Nachrichten konsumieren. Denn wenige werden bereit sein, einen Artikel mit 3000 Wörtern auf dem Smartphone zu lesen.“

3. ARD und ZDF suchen einen Prügelknaben
(faz.net, Michael Hanfeld)
Bei der Euro 2016 kommen die von den Fernsehsendern gezeigten Livebilder direkt vom Veranstalter, dem europäischen Fußballverband Uefa. Und der will nur die schönen Seiten zeigen und lässt alles weg, was stören könnte wie z.B. prügelnde Hooligans. Nun haben ARD und ZDF bei der Uefa Beschwerde gegen diese Praxis eingelegt. Die Klage sei scheinheilig, so Michael Hanfeld von der „Faz“: Mit einem Riesentross angereist, sollten die Sender sich selbst zu helfen wissen.

4. Neue psychische und ethische Anforderungen an Nachrichtenjournalisten
(de.ejo-online.eu, Stefan Frerichs)
Dr. Stefan Frerichs (Online- und Social-Media-Redakteur bei „ARD.de“) berichtet von den Anforderungen an Nachrichtenredaktionen und Redakteuren bei ungewöhnlichen Ereignislagen wie Anschlägen oder Katastrophen. Diese lägen nicht nur in der quantitativen, sondern auch in der qualitativen Mehrbelastung. Außerdem könne der direkte, ungefilterte Zufluss von schockierenden Fotos und Videos für Nachrichtenjournalisten eine psychische Belastung bedeuten, auf die sie nicht ausreichend vorbereitet seien. Frerichs legt eine Liste zur Trauma-Vorbeugung vor und führt die entscheidenden Fragen zum Thema „Bildethik“ auf.

5. Klickt extrem gut? Die Medien und die Populisten
(krautreporter.de, Christian Fahrenbach)
Der in New York arbeitende Christian Fahrenbach beobachtet einen veränderten Umgang der amerikanischen Medien mit Donald Trump. Dieser hätte in der Vergangenheit wie kein Zweiter die Anforderungen des modernen Medienbetriebs bedient. („Er ist zugänglich und verfügbar, bietet eine Underdog-Geschichte und hat jahrelang extrem viel über das System gelernt. Der Mann tut zwar, als könnte er die Medien nicht leiden, aber er ist dauerverfügbar und gibt morgens bereits ein halbes Dutzend Telefoninterviews für die Morgenshows im Fernsehen – für Journalisten ist das extrem bequem.“) Bislang habe zwischen ihm und den Medien ein „Ausgewogenheits-Nichtangriffspakt“ bestanden, doch seit ein paar Wochen sei alles anders und Medien würden zunehmend kritisch berichten und hinterfragen.

6. Was machen Journalisten, die kuratieren?
(journalist.de, Svenja Siegert)
Der „journalist“ beschäftigt sich in seiner neuesten Ausgabe mit dem Kuratieren von Nachrichten und stellt einige bestehende Angebote, aber auch neue journalistische Startups vor. In der Onlineausgabe kann man lesen, was drei Kuratoren über ihre Arbeit sagen: der „Managing Editor“ bei Blendle Deutschland, der „Head of Editorial“ bei Springers News-App Upday und der „Head of Curation“ beim Start-up Niuws. (Interner Hinweis an meine BILDblog-Vorgesetzten: Ich will auch so einen schicken Titel!!! Vielleicht „Chief Media Curating Officer“? Oder ist was mit „Director“ drin?)