Zeitversetzt, Ortsversetzt, Schlafversetzt

1. Live ist live? Nicht beim WDR!
(fair-radio.net, Sandra Müller)
„Fair Radio“ berichtet über eine neue Praxis bei Radionachrichten: Seit dem 4. Juni strahle der WDR die Nachrichten in seinen Programmen 2, 3, 4 und 5 nicht live, sondern zeitversetzt (neudeutsch: Time Shift) aus, erwecke jedoch nach wie vor den Eindruck, man sende live. „Fair Radio“ ahnt die Beweggründe, das Vorgehen des WDRs bleibe jedoch rätselhaft und problematisch: Nirgendwo könne man seine Glaubwürdigkeit schneller verspielen als bei den Nachrichten.

2. Wird spreadpress die eierlegende Wollmilchsau für Journalisten?
(get.torial.com, Lars Sobiraj)
Das Startup „spreadpress“ will sich von JournalistInnen kostenlos Beiträge anliefern lassen bzw. berechnet für die Mitgliedschaft als „Premium Publisher“ sogar Geld. Geld, das in umgekehrter Richtung erst fließen soll, wenn genügend Klicks generiert werden und Werbeeinnahmen entstehen. Das Journalistennetzwerk „torial“ hat sich mit dem Unternehmensgründer unterhalten und u.a. gefragt, wie man ohne Redaktionsleiter die Qualität sicherstellen wolle.

3. Das Ende der Leidenschaft
(kameramann.de, Stefan Nowak)
Nach 20 Jahren als Kameramann kehrt Stefan Nowak der Branche den Rücken zu. Ehrlich und schonungslos berichtet er von Werdegang und Arbeitsbedingungen und kommt zum Schluss: „So billig wie in Deutschland wird sonst nirgendwo produziert; Fernsehteams in Frankreich und Großbritannien bekommen doppelt, in Skandinavien dreimal soviel für ihre Arbeit; deutsche Teams arbeiten in Polen, weil sie billiger sind als die polnischen Kollegen. Das tut mir immer noch leid für die anständigen Kollegen – aber ich hab’s jetzt hinter mir, ich bin zufrieden und ohne Bitterkeit ‚raus aus dem Rat-Race. Und das tut gut.“

4. WWM“-Promispecial: Wo Scheitern unerwünscht ist
(dwdl.de, Alexander Krei)
Wenn Promis bei „Wer wird Millionär?“ antreten, hielte sich das Risiko einer Blamage für sie in argen Grenzen, so Alexander Krei. Der Verdacht liege nahe, dass frühe falsche Antworten von Sender und Moderator nicht gewollt seien und daher auf verschiedene Weise nachgeholfen werde. „Nun will ich mich gewiss nicht in Verschwörungstheorien verstricken und zwangsläufig in jeder Ausgabe einen oder gar mehrere Promis scheitern sehen. Und gerade weil für einen guten Zweck gespielt wird, ist es natürlich richtig, RTL so gut es geht zu schröpfen. Das geht jedoch nach all den Jahren leider zunehmend auf Kosten der Spannung.“

5. Der Fabrikant
(taz.de, Christian Jakob)
Im indischen Delhi werkeln 400 Grafiker, Layouter und Texter im Dreischichtbetrieb an europäischen, asiatischen, amerikanischen und australischen Druckerzeugnissen. Und das sind nicht nur Kataloge oder Werbeflyer, wie „taz“-Reporter Christian Jakob berichtet. Nein, hier werden nahezu in Echtzeit komplette Tageszeitungen zu Dumpingpreisen produziert. Ein spannender Ausflug ins ferne Indien, das für seine Medienkunden dank Glasfaseranschluss nur um die Ecke liegt.

6. Hypnotisiert von RTL
(uebermedien.de, Video, 0,39 Minuten)
„Übermedien“ hat am Wochenende bei RTL „Schau mir in die Augen – Promis unter Hypnose“ geschaut und ist dabei… Ach, sehen Sie selbst. Ich bin zu müde, um weiterzuschreiben.