Datenhehlerei, Sputniknews, heulende Kinder

1. Datenhehlerei? Das ist ein absoluter Gummiparagraf!
(journalist.de, Richard Gutjahr)
Nach der Sommerpause berät der Bundestag über einen Gesetzesentwurf zur Datenhehlerei. Der Rechtsanwalt und Blogger Udo Vetter nennt das Vorhaben einen „absoluten Gummiparagrafen“. Dem geplanten Gesetz nach „wäre Beckedahl eben kein Journalist und damit […], genau wie der Whistleblower selbst, ein Straftäter.“ Zwei weitere Interviews von Richard Gutjahr zur Netzpolitik-Affäre und dem vermeintlichen Landesverrat: mit Markus Beckedahl und Andre Meister und mit dem Grünen-Politiker Konstantin von Notz.

2. Türkische Polizei durchsucht regierungskritischen Medienkonzern
(dw.com)
In der Türkei durchsuchten gestern Polizisten die Zentrale der „Koza-Ipek-Holding“, die Privatwohnungen der Eigentümerfamilie sowie eine zum regierungskritischen Medienkonzern gehörende Universität. Ob die Polizeiaktion eine Reaktion auf einen Artikel der Zeitschrift „Bugün“ war, in dem das Blatt über angebliche Waffenlieferungen der Türkei an die Terrormiliz „Islamischer Staat“ berichtet hatte, ist noch nicht klar.

3. NZZ a.S. schürt falsche Hoffnung und falsche Angst
(infosperber.ch, Urs P. Gasche)
Die „NZZ am Sonntag“ verbreitete auf ihrer vergangenen Titelseite eine gute Nachricht: Fortschritte in der Medizin ließen Krebspatienten so viele Jahre länger leben, dass die Zahl der Menschen mit einer Krebsdiagnose in kurzer Zeit um die Hälfte gestiegen sei. Für Urs P. Gasche ist das Quatsch: „Das wäre eine gute Nachricht. Es trifft aber eher die schlechte Nachricht zu, dass die Früherkennung vor allem von Prostata- und Brustkrebs enorm viele Frauen und Männer ‚krebskrank‘ macht, die früher — ohne Früherkennung — ihr Leben lang nie etwas von diesen Tumoren gespürt hätten.“ Daneben sollen laut Gasche demografsiche Aspekte eine Rolle spielen und nicht, wie von der „NZZ am Sonntag“ behauptet, medizinische Fortschritte.

4. Beleidigungen, Hetze, Verschwörungstheorien: Warum News-Seiten ihre Kommentarfunktion abschaffen sollten
(t3n.de, Martin Weigert)
Martin Weigert, lange Zeit eigentlich ein Verteidiger der Kommentarsektionen, plädiert nun dafür, diese (zumindest bei reichweitenstarken Leitmedien) abzuschaffen: „Mir erschließt es sich nicht, wer aus den vielen hässlichen Kommentardebatten einen Nutzen ziehen soll. Ich kenne niemanden, der aus purem Bedürfnis nach ergänzenden Informationen die Kommentare unter Artikeln zu Feminismus, Flüchtlingskrise, Nahost- oder Russland-Ukraine-Konflikt liest.“ Ein Problem sei außerdem, „dass Hater sich mit ihren Online-Kommentaren gegenseitig in dem Irrtum bestätigen, eine mehrheitsfähige Meinung zu besitzen. Das erhöht ihr Selbstbewusstsein, sorgt für Gruppendynamik und verschärft den Tonfall.“

5. Liniengrüße aus Moskau
(sueddeutsche.de, Julian Hans)
Derzeit erreichen deutsche Radioredaktionen Mails mit einem interessanten Angebot, schreibt Julian Hans: „Sender in der ganzen Bundesrepublik erhielten in den vergangenen Wochen eine E-Mail, deren Absender sich als Nikolaj Kutscherow von der Agentur Sputniknews vorstellt. […] Dazu folgt ein Angebot: ‚Wir sind daran interessiert, bei Ihnen eine Sendezeit von 1-2 Stunden pro Tag bzw. einige Nachrichtenblöcke von jeweils 20 Minuten zur Ausstrahlung unserer Inhalte auf Deutsch in Ihrem Radiosender zu erwerben‘.“ Sputniknews gehöre, genauso wie RT (früher „Russia Today“), zur Medienholding „Rossija Segodnja“. Die suche nun offenbar neue Wege, ihre „‚alternativen Nachrichteninhalte zum Weltgeschehen'“ zu verbreiten.

6. TV station takes ‚Curious George‘ off the air and kids just won’t stop crying
(mashable.com, Ariel Bogle, englisch)
In Australien hat ABC die Kindersendung „Curious George“ (deutsch: „Coco, der neugierige Affe“) aus dem Programm genommen – und erntet nun viele Protestkommentare empörter Eltern und verheulter Kinder.