Trotteln, Sarrazin, Bücherverbrennung

1. „Es gibt schon schöne Trotteln“
(facebook.com, Armin Wolf)
Am Ende eines Beitrags der ORF-Nachrichtensendung „ZiB2“ war ein Facebook-Posting über Flüchtlinge zu lesen: „An die Wand stellen und einen Kopfschuss verpassen“. Moderator Armin Wolf kommentierte das mit den Worten: „Da graust einer Sau“ und „Es gibt schon Trotteln“. Das veranlasste einen Zuschauer zu einer Beschwerdemail an den Publikumsrat, auf die Armin Wolf nun antwortet: „Würde ich es noch einmal sagen? Nein. Ich würde nicht ’schöne Trotteln‘ sondern ‚Es gibt schon feste Trotteln‘ sagen. ‚Schöne‘ war tatsächlich unpassend.“

2. „Die Eskalation war teilweise inszeniert“
(ostpol.de, Sonja Volkmann-Schluck)
Marco Risovic war als Fotograf an der griechisch-mazedonischen Grenze, als die Regierung dort vergangene Woche den Übergang für Flüchtlinge blockierte. Im Interview spricht er über die Arbeit vor Ort und die Inszenierung von Bildern. Denn dass danach vor allem Fotos von Polizisten zu sehen waren, die mit Tränengas und Blendgranaten auf Flüchtlinge losgehen, war seiner Ansicht nach „von mazedonischer Seite beabsichtigt“.

3. Sarrazins Erbe wirkt weiter
(mediendienst-integration.de, Daniel Bax)
Vor fünf Jahren warnte Thilo Sarrazin schlagzeilenträchtig und begleitet von einem enormen Medienecho vor der Selbstabschaffung Deutschlands. Der „taz“-Journalist Daniel Bax sieht das Buch und die folgende Debatte als Zäsur, die „deutlich gemacht [habe], dass es auch in Deutschland das Potential für eine rechtspopulistische Partei jenseits der Union gibt“ und der AfD und „Pegida“ den Weg geebnet habe. Sarrazin selbst habe mittlerweile an Popularität verloren, seine Thesen seien jedoch salonfähiger als je zuvor.

4. Wie eine Bücherverbrennung erfunden wurde
(wibkeschmidt.com, Wibke Schmidt)
In einer „Provinzbücherei im Schwarzwald“ wurden vor einem Monat 3200 Bücher aussortiert — aus Sicht der „Fachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen“ ein „übliches Vorgehen“, schreibt Wibke Schmidt. Daher wundert sie sich, dass Roland Tichy in seinem Blog die Aktualisierungsaktion in Bad Dürrheim in eine neu aufgelegte Bücherverbrennung umdichtet: „Aus der Aussortierung alter Bücher in einer Gemeindebibliothek eine von höchsten staatlichen Stellen gesteuerte rot-grüne Umerziehungsaktion zu machen — darauf muss man erst mal kommen.“

5. Dramatisches Drama
(udostiehl.wordpress.com, Udo Stiehl)
„Bis zu 50 Flüchtlinge in Schlepper-LKW erstickt“ – diese Schlagzeile tauchte gestern in etlichen Medien auf. Udo Stiehl fragt sich, warum so viele Journalisten „die Verlockung [verspüren], eine ohnehin schreckliche Story sofort zu dramatisieren“. Korrekter wäre es gewesen, sich an der Angabe des Ermittlers auf der Pressekonferenz zu orientieren, der von „mindestens 20 Todesopfern“ sprach. Wenn man bei Todesmeldungen „mindestens“ durch „bis zu“ ersetze, „würden Spekulation und Dramatisierung wohl bald zum Standard von Schlagzeilen erhoben“. (Inzwischen hat das österreichische Innenministerium bekanntgegeben, dass in dem LKW mehr als 70 Tote gefunden wurden.)

6. Neues aus der Bildmontage-Bastelstube: Basteln mit Tieren
(noemix.twoday.net)