Lausitzer Rundschau, Theo van Gogh, Apple-Keynote-Liveticker

1. „Content essen Seele auf“
(siegstyle.de, Alf Frommer)
„Was läuft eigentlich gerade falsch im Journalismus?“ Alf Frommer antwortet: „Viele Marken verkaufen gerade ihre Seele an den Content: gut ist, was beliebt ist und Klicks generiert. (…) Durch Zusammenlegung von Redaktionen spart man eben nicht nur Kosten, sondern schrumpft auch seine eigene Wiedererkennbarkeit. Wenn aber alles eine Soße ist, warum soll ich das noch am Kiosk kaufen oder im Internet dafür bezahlen? Da werden Marken kaputt gespart und ein Image zerstört.“

2. „Journalismus unter Verdacht“
(faz.net, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier erkennt eine zunehmende Kritik am etablierten Journalismus: „So wie aus Politikverdrossenheit bei vielen Menschen Politikverachtung geworden ist, ist aus Journalismusverdrossenheit Journalismusverachtung geworden – und Journalistenverachtung. (…) Viele der seriösen Medien scheinen noch nicht zu ahnen, wie groß die Erosion des Vertrauens in ihre Arbeit ist und dass dieses Vertrauen die Grundlage für alles ist.“

3. „Warum ich mich ohne schlechtes Gewissen von Apple einladen lasse“
(nzz.ch, Henning Steier)
Henning Steier reagiert auf den Artikel „Der Apfel fällt nicht weit vom Bann“ (krautreporter.de, Richard Gutjahr): „Bei jeder Apple-Veranstaltung frage ich mich, wie die vielen Live-Ticker zu erklären sind, die mindestens 30 Minuten vor der Apple-Keynote beginnen und mit Banalitäten wie ‚Coldplay säuseln aus den Boxen‘ gefüllt werden. Die Antwort der Kollegen ist ebenso einfach wie scheinheilig: Die Leser verlangen das. Ich bin nicht sicher, ob sie ungefilterte Verlautbarungen schätzen. Auffällig ist in jedem Fall, dass bei den meisten Publikumsmedien nur Apple einen Live-Ticker bekommt – obwohl doch etwa Google und Facebook für die meisten Nutzer mindestens genauso wichtig sind und ebenfalls diverse Veranstaltungen pro Jahr abhalten.“

4. „Der stumme Schrei“
(welt.de, Dirk Schümer)
Dirk Schümer erinnert an den vor zehn Jahren auf offener Straße ermordeten Theo van Gogh, „mittelmäßiger Filmregisseur“, „williger Talkshowpöbler und rüder Zeitungskolumnist“: „Mit dem Mord war die Epoche der tabufreien Debatten im Leser- und Plaudervolk der Niederlande schlagartig vorbei. ‚Gnade! Wir können doch drüber reden!‘, waren van Goghs letzte Worte an seinen Killer, und sie beschreiben messerscharf den Abgrund, der sich auftut.“

5. „Angst ist keine Option“
(taz.de, Anne Fromm)
Anne Fromm besucht die Redaktion der „Lausitzer Rundschau“ in Spremberg, die gegen Schmierereien und Drohungen ankämpft. „Er wäre einfach, jetzt zu denken: die braune Lausitz, mit all diesen ‚Idioten‘. Aber Wappler ist sich sicher: Wenn andere Journalisten vor ihrer Haustür genau gucken würden, würden sie ähnliche Geschichten finden. Die Nazi-Krawalle in Köln am vergangenen Wochenende, SS-Siggi in Dortmund, der NSU in Jena.“

6. „20 Jahre ‚Extra‘ – Wir ‚gratulieren'“
(medienkritisch.ch, Stephan Stulz)
Stephan Stulz schaut sich die Jubiläumsausgabe des RTL-Boulevardmagazins „Extra“ an: „Immerhin bringt mich ein Statement von Moderator Kena Amoa zum Schmunzeln: ‚Naja, es wirkte halt immer so, als suchte man irgendeinen journalistischen Grund, Menschen nackt zu zeigen.‘ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.“