Blanke Bigotterie

Eigentlich wollten wir die Geschichte ja ignorieren, aber ein paar kurze Gedanken müssen wir doch noch loswerden. Denn eins ist mal klar: Dieser „Nacktfoto-Skandal“ war für die Leute von „Bild“ so ziemlich das Oberaffentittengeilste seit der Sache mit Kates Hintern. Mindestens.

Aber kein Wunder. Allein die Schlagworte: Promis! Nacktfotos! Hacker! FBI! Nacktfotos! NACKTFOTOS! Da kann der Hormonhaushalt schon mal durcheinandergeraten. Erst recht in der „Bild“-Redaktion, wo ja schon der unscharfe Schnappschuss einer versehentlich entblößten Promi-Brustwarze reicht, um einen medialen Orgasmus auszulösen:




Das Besondere an dem aktuellen Fall ist aber, dass die Fotos auf illegale Weise beschafft wurden. Blöd für „Bild“. Denn einerseits will Kai Diekmann die Zeitung als eine Art moralische Instanz etablieren, darum kann sie die Fotos nicht abdrucken und muss sogar irgendwie so tun, als fände sie das alles ganz, ganz schlimm. Andererseits: NACKTFOTOS!! VON PROMIS!!

Also macht „Bild“ einfach beides: sich darüber empören und sich daran aufgeilen.

Es sei „DIE Schock-Nachricht“ gewesen, heißt es dann, denn die Fotos der Promis seien „hochprivat“ und es sei „verwerflich“ und „nicht schön“, sie anzuschauen, weil sie „NIE für die Öffentlichkeit geknipst wurden“. Gleichzeitig verlinkt Bild.de auf genau die Portale, bei denen die Fotos aufgetaucht waren.

Kurz nach Beginn des Skandals kam dann auch gleich …

Genüsslich beschreibt Bild.de den Inhalt der Fotos („Auf dem Bett streckt […] ihre Brüste der Kamera entgegen, spreizt die Beine. Man sieht ALLES.“) und verlinkt erneut auf ein Twitter-Profil, wo einige der Bilder zu sehen waren.

An anderer Stelle heißt es dann wieder: „Zum Glück lassen sich die Fotos derzeit kaum noch aufspüren“. Jaja, „zum Glück“. Oder die Leser werden dazu aufgefordert, „im Sinne der Promis“ und im Sinne der „eigenen Datensicherheit“ gar nicht erst nach den Fotos zu suchen.

Diese Ambivalenz — schlimm aber geil — zieht sich im Grunde durch die gesamte (und natürlich: höchstausführliche) Berichterstattung. Dabei fallen auch Sätze, die man eigentlich ausdrucken und überall in der „Bild“-Redaktion aufhängen müsste. Zum Beispiel:

Wer sich an privaten Daten zu schaffen macht, ist ein Dieb und macht sich strafbar. So einfach ist das!

Ja, „Bild“, so einfach ist das. Wir werden dich gerne daran erinnern, wenn DU mal wieder Fotos zeigst, die NIE für die Öffentlichkeit geknipst wurden.

Mit Dank auch an Benjamin S. und Martin S.