Pro-Russen, Separatisten, Milchsubventionen

1. „Unsere Ukraine-Berichterstattung“
(blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
Kai Gniffke erklärt die Berichterstattung der „Tagesschau“ zur Lage in der Ukraine: „Aus den einstmals bösen Armee-Schlägern vom Maidan sind nun die legitimen Truppen geworden, die die Ostukraine vor dem Zugriff durch prorussische Separatisten und möglicherweise russischem Militär schützen wollen. Da kommen einige Kollegen argumentativ ganz schön in die Bredouille.“

2. „Die nützliche Erfindung der ‚Pro-Russen'“
(heise.de/tp, Stefan Korinth)
Stefan Korinth analysiert die von den Medien geschaffene Gruppe der „Pro-Russen“: „Hiesige Medien berichten aber auch über friedliche Regierungsgegner im Osten und Süden der Ukraine so, als wenn diese dort Fremdkörper oder Ausländer wären. Aus zahllosen Berichten trieft es: verblendete Sowjetnostalgiker, leichtgläubige Propaganda-Opfer, Putin hörig, grundlos hysterisch. Die Ängste, Anliegen und politischen Vorstellungen dieser Ukrainer sind damit nicht mehr legitim. ‚Moskau-nah‘, ‚pro-russisch‘, ‚kreml-treu‘ – wer gegen die neue Regierung ist, muss in vielen deutschen Journalistenaugen für Putin und den Zerfall der Ukraine sein.“

3. „‚Du bist ein beschissener Agent! Das ist kein Lösegeld, sondern dein Beitrag zu unserem Krieg!'“
(maidantranslations.com, Pavel Kanygin)
Pavel Kanygin, Journalist bei der russischen Zeitung Nowaja Gaseta, wird in einer Pizzeria von Männern verhaftet, die ihm vorhalten, sie als Separatisten bezeichnet zu haben. Siehe dazu auch „Ukraine: Berichten unter Lebensgefahr“ (swp.de, Stefan Scholl).

4. „‚Speziale Libero‘: Die Meinungsfreiheit der anderen“
(publikative.org, Andrej Reisin)
Andrej Reisin kritisiert einen Text von Birgit Schönau in der „Süddeutschen Zeitung“: „In der ‚Süddeutschen Zeitung‘ fordert eine Journalistin die Einschränkung der Meinungsfreiheit anderer. Garniert wird das Ganze mit vollkommen unbelegten (und unhaltbaren) Spekulationen und Geraune über Mafia und Camorra und ein ‚internationales Netz so genannter Ultràs‘. Die These von den in deutsche Kurven geschmuggelte Spruchbänder der Camorra ist derartig aus der Luft gegriffen, dass einem kaum Gegen-‚Argumente‘ einfallen mögen – schließlich wird ja nicht mal versucht jenseits wilder Assoziationsketten auch nur den geringsten handfesteren Hinweis vorzutragen.“

5. „Goldener Bremsklotz 2014 an das Bundesamt für Landwirtschaft“
(investigativ.ch)
Investigativ.ch zeichnet das Bundesamt für Landwirtschaft mit dem „Goldenen Bremsklotz“ aus. Für „eine Liste von Empfängern von Milchsubventionen“ verlangte das Amt von der Zeitschrift „Beobachter“ rund 225 000 Euro. „Schließlich, so das Amt, gebe es 2500 Subventionsempfänger, die alle ein Recht hätten, zum Begehren des Beobachters angehört zu werden. Bei einer Stunde Aufwand pro Subventionsempfänger und hundert Franken Stundenansatz mache das eine Viertelmillion; dazu kämen 25.000 Franken Porto.“

6. „Wenn einer über den eigenen Chef schreibt“
(medienblog.blog.nzz.ch, Rainer Stadler)
Rainer Stadler fragt: „Wirkt es nicht etwas bizarr, wenn sich Journalisten auf anonyme Quellen im Haus berufen, in dem sie selber arbeiten? Ein Journalist hat selbstverständlich den intimsten Blick auf Arbeitsorganismen, denen er selber angehört. Aber hat er dann noch die nötige Distanz, darüber unvoreingenommen zu berichten?“