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Irrer ist menschlich

Sie wollen auf die Schnelle eine Million Dollar verdienen? Gut. Dann brauchen Sie jetzt zwei Dinge: einen E-Mail-Account und Ihr Mathebuch aus der neunten Klasse.

Bereit? Na dann los:Wer ist der Irre, der für die Lösung dieser Mathe-Aufgabe 1 Mio $ zahlt? - Wenn Ax + By = Cz ist und A, B, C, x und z positive ganze Zahlen sind, dann haben A, B, und C einen gemeinsamen Faktor. Stimmt das? - Washington - Er heißt Andrew Bale, lebt in den USA und hat ein Vermögen von 8 Milliarden Dollar. Bale vergibt ein Preisgeld für die Lösung dieser mathematischen Vermutung, die er selbst eufgestellt hat. Wer das Ergebnis kennt, schickt eine Mail: bealprize@ams.org.

Das dürfte mit ein bisschen Grübelei auf jeden Fall machbar sein. Lassen Sie sich ruhig Zeit. Und wenn Sie so weit sind: Mail rausjagen, abwarten, Kontoauszug überprüfen. Vielleicht dauert’s ein paar Tage, aber schon bald werden Sie um eine Million Dollar reicher sein. Herzlichen Glückwunsch!

Kleiner Scherz. Ganz so einfach, wie „Bild“ das alles schildert, ist es natürlich nicht.

Zunächst einmal: Der gute Mann heißt Beal, nicht Bale. Und er ist kein Irrer, sondern Unternehmer. 1997* veröffentlichte er die „Beal-Vermutung“ und lobte einen Preis aus für denjenigen, der einen Beweis oder einen Gegenbeweis dafür liefern kann.

Im Original lautet die Vermutung so:

If Ax +By = Cz, where A, B, C, x, y and z are positive integers and x, y and z are all greater than 2, then A, B and C must have a common prime factor.

Dummerweise hat „Bild“ die Aufgabe falsch abgeschrieben und aus A hoch x kurzerhand A mal x gemacht — was die Aufgabe dann doch ein wenig ändert. Außerdem vergisst das Blatt zu erwähnen, dass x, y und z größer als 2 sein müssen.

Und es reicht auch nicht, einfach nur eine Mail zu schreiben, wenn man glaubt, „das Ergebnis“ gefunden zu haben. In der Regel muss ein Beweis zunächst in einer angesehenen Fachzeitschrift veröffentlicht werden, bevor sich das „Beal Prize Committee“ der Sache annimmt.

Sie können das Mathebuch also wieder wegpacken.

Mit Dank an Torben Z., Markus W. und Martin B.

Nachtrag/*Korrektur, 16. Juni: Einige Leser haben uns darauf hingewiesen, dass „Bild“ außerdem unterschlägt, dass es sich bei dem gemeinsamen Faktor um einen Primfaktor handeln muss. Die „Beal-Vermutung“ wurde im Übrigen nicht im Jahr 1997 aufgestellt, sondern schon im Jahr 1993. Vier Jahre später wurde dann erstmals ein Preisgeld ausgelobt.