Leichen, Facebook, Volkserziehung

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. „Leichen auf Seite eins“
(journalist.de, Simon P. Balzert)
Simon P. Balzert hat im Zuge seiner Diplomarbeit einen Redaktionsleitfaden zum Umgang mit Gewaltfotos entwickelt und 20 Regeln aufgestellt.

2. „Weltmarktführer im Büßen“
(cargo-film.de, Ekkehard Knörer)
Ekkehard Knörer sieht den ZDF-Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ als „ein von jeder inneren ästhetischen Spannung befreites Volkserziehungsunternehmen“: „Man kann eigentlich jede Szene, jeden Satz, jedes Wort so erklären, dass es nur um dies eine ging – ein fiktionalisiertes Geschichtsbuch für die Oberstufe Wort für Wort zu verfilmen. Das macht die Sache natürlich handlich. Aus dem Off wird zur Orientierung 1:1-Text vorgetragen. Und die Szenen sind Bild für Bild ausschließlich Illustration. Das hat mit Didaktik alles und mit Kunst nichts zu tun.“

3. „Typisch deutsche Sprachverwirrung“
(fastvoice.net, Wolfgang Messer)
Die Aussprachedatenbank (ADB) der ARD mit 320.000 Einträgen hilft Sprechern bei der Aussprache von Begriffen. Trotzdem gibt es oft nicht nur eine Lösung: „Äußerst vielfältig präsentiert sich die afghanische Hauptstadt Kabul. Für sie bietet die ADB drei Aussprachevarianten: ‚‘Kah-bul‘ (gemäßigte Eindeutschung), ‚Ka-’bul‘ oder ‚Ka-’bəl‘. Nummer zwei und drei sollen die afghanische Sprechweise nachahmen, wobei andere Quellen in der Landessprache Dari eher von ‚‘Koh-bull‘ ausgehen.“

4. „Ehemalige Arbeitgeber und andere Katastrophen“
(lars-sobiraj.de)
Journalist Lars Sobiraj schreibt über ein Unternehmen, für das er als freier Mitarbeiter tätig war: „4 von 5 Wochenarbeitstagen soll ich aufwenden und kriege 70 zu versteuernde Euro, wobei für den Auftraggeber wahrscheinlich keinerlei Reisekosten entstanden sind. (…) In den wenigen Monaten meiner Mitarbeit wurde für mich mit jeder Woche offensichtlicher, dass Autoren für diese Firma nichts weiter als austauschbare menschliche Schreibmaschinen sind. Blogbeiträge sollen so wenig wie möglich kosten, die Qualität ist dabei nachrangig.“

5. „Nochmal: ‚Dein‘ Facebook gehört dir nicht!“
(kerstin-hoffmann.de)
Kerstin Hoffmann erinnert daran, dass Facebook ein Anbieter mit einer kommerziellen Ausrichtung ist, kein Wohltätigkeitsverein. „Natürlich ist Facebook keine Alternative zu einem eigenen Blog, auf dem man selbst das Hausrecht hat. Sondern allenfalls eine Ergänzung.“

6. „Handyfoto statt Erste Hilfe – Einsatzkräfte kritisieren Gaffer“
(derwesten.de, Pirkko Gohlke)