Nicht alles, was hitler ist, ist verboten (2)

Man kann kaum den Fernseher einschalten, ohne wenigstens auf einem Sender Schwarz-Weiß-Bilder von Fackelaufmärschen, Feldzügen und Konzentrationslagern zu sehen. Adolf Hitler dürfte im Jahr 2012 mehr Air Time haben als 1940 im staatlichen Rundfunk. Das bedeutet aber nicht, dass die Menschen bestens über den Nationalsozialismus informiert sind. Nicht einmal Journalisten sind es.

stern.de berichtete gestern auf seiner „Investigativ“-Seite darüber, „wie Rechtsextremisten mit Android-Apps und coolen QR-Codes (sic!) auf junge Technik-Fans zielen“:

Aus dem „Google Play“-Store für Smartphones und Tablet-Computer mit dem populären Android-Betriebssystem fischten die BKA-Experten einige Apps, „bei denen ein rechtsgerichteter Hintergrund nahe liegt“: Da lässt sich zum Beispiel der Menühintergrund mit „Nazi Zombies“ dekorieren, das Handy weckt seinen Besitzer auf Wunsch mit einer Hitler-Rede oder die indizierte Hetzschrift „Mein Kampf“ lässt sich als E-Book auf englisch, russisch oder spanisch herunterladen.

Auch, wenn manche Journalisten es nicht glauben wollen: „Mein Kampf“ ist in Deutschland weder „verboten“ noch „indiziert“.

Da Adolf Hitler bis zuletzt in München gemeldet war, ging sein Vermögen nach seinem Tod am 30. April 1945 an den Freistaat Bayern über – inklusive des Urheberrechts an “Mein Kampf”. Das bayerische Finanzministerium hat sich einer neuen Drucklegung des Textes bisher verweigert. Dieses Urheberrecht läuft am 31. Dezember 2015 aus, am Ende des 70. Jahres nach Hitlers Tod, danach ist das Buch gemeinfrei. Es gibt aber Pläne der bayerischen Landesregierung, das Werk dann in einer kommentierten Ausgabe als Schulbuch auf den Markt zu bringen.

Mit Dank an Sascha.

Nachtrag, 12.50 Uhr: stern.de hat den Fehler transparent im Artikel und auf Twitter korrigiert: