Beurlaubt wegen KI, Berichten über Terror, “Verschlossene Auster”

1. Ex-“Tagesspiegel”-Chefredakteur wegen KI-Nutzung beurlaubt
(taz.de)
Der “Tagesspiegel” habe seinen früheren Chefredakteur und Herausgeber Stephan-Andreas Casdorff mit sofortiger Wirkung von dessen Aufgaben entbunden. Casdorff habe mehrfach Meinungsartikel mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz verfasst und dies nicht kenntlich gemacht. KI sei zwar auch für die Redaktion ein Werkzeug, dürfe aber nicht den Kern der Arbeit übernehmen. Casdorff habe einen “Riesenfehler” eingeräumt und um Entschuldigung gebeten.

2. Fortschritt entsteht in kleinen Schritten
(journalist.de, Martin Dowideit)
In der Serie “Mein Blick auf den Journalismus” beschreibt Martin Dowideit, stellvertretender Chefredakteur und Digitalchef der “Wirtschaftswoche”, wie KI dem Blatt zum 100-jährigen Bestehen helfe, jung zu bleiben. Sinnvoll sei die Technik vor allem für neue digitale Erzählformen, das Automatisieren alltäglicher Prozesse und die Analyse großer Datenmengen. Worauf Dowideit ausdrücklich hinweist: “Was wir nicht tun: unsere Texte von ChatGPT oder Claude schreiben lassen.”

3. Montage
(netzpolitik.org, Bianca Kastl)
Bianca Kast vergleicht Googles neuen KI-Modus mit der Filmmontage der 1920er und dem Kuleschow-Effekt. Statt der zehn blauen Links extrahiere die KI-Suche fremde Inhalte und halte Nutzerinnen und Nutzer im Google-Kosmos: “Ähnlich wie in Propagandafilmen wird heute daran geforscht, wie sich Werbebotschaften gut in KI-Suchen integrieren lassen. Mit Blick auf Google stellt sich die Frage, ob es da nicht einen harten Schnitt braucht.”

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4. Pressefreiheit ist keine Weltmeisterschaft
(verdi.de, Lars Hansen)
Lars Hansen kommentiert Deutschlands Abrutschen in der “Rangliste der Pressefreiheit” von Reporter ohne Grenzen, wo die Situation in Deutschland nur noch als “zufriedenstellend” statt als “gut” gelte. Früher sei Deutschland im Ranking gefallen, weil andere Länder sich verbessert hätten; inzwischen verschlechtere sich die Lage im Land tatsächlich. Dieses Abrutschen sei ein Alarmsignal für die Demokratie.

5. Was richten Medien mit reißerischen Berichten über Terror und Amok an?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 20:59 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast “Holger ruft an” spricht Holger Klein mit dem Medienpsychologen Benedikt Till über das Versagen vieler Medien bei der Berichterstattung über Terror und Amokläufe. Till habe mit der Kommunikationswissenschaftlerin Brigitte Naderer über drei Jahre mehr als 1.900 deutsche und österreichische Artikel zu Attentaten zwischen 2016 und 2020 ausgewertet. Sein Fazit: Medien erzählten zu oft “die Geschichte des Täters” und machten so Werbung für dessen Sache.

6. Verschlossene Auster 2026 geht an Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner
(netzwerkrecherche.org)
Das Netzwerk Recherche (NR) verleiht regelmäßig einen Negativpreis für den “Informationsblockierer des Jahres”, die “Verschlossene Auster”. Diesjähriger Preisträger ist Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner. Anlass sei die Einschränkung des Berliner Informationsfreiheitsgesetzes durch die Koalition aus CDU und SPD. Für Journalistinnen und Journalisten bedeute die Gesetzesänderung aus NR-Sicht einen klaren Rückschritt, weil statt einer Einzelfallprüfung nun pauschale Ablehnungen drohen würden.