„Bild“ auf Zitate-Jagd

Das ist eine ganz schön heftige Aussage, die „Bild“-Reporter Celal Çakar „Verkäufer Johan“ auf der Messe „Jagd & Hund“ entlockt haben soll:

Am Stand von „HHK Safaris“ treffen die BILD-Reporter auf Berater Johan. Er macht ein Angebot für 18 Tage Safari in Simbabwe für 54 700 Dollar (knapp 50 000 Euro). Der Abschuss von Tieren kann dazu gebucht werden: Giraffe rund 2700 Euro, Zebra 1300 Euro, Löwe 36 400 Euro.

Braucht man einen Jagdschein?

Verkäufer Johan: „Du musst halt schießen können und bezahlen. Wir fahren bei Leoparden auf 30 Meter ran, schießen dem Tier erst in die Beine, du kannst es dann erlegen.“

Dieses Zitat passte auch bestens in die Geschichte, die Çakar und dessen Kollegin Christina Drechsler von der Jagdmesse in Dortmund mitgebracht hatten:

Ausriss Bild-Zeitung - Die perverse Preisliste der Tierkiller

Beim Deutschen Jagdverband haben sie sich über die Aussage von „Verkäufer Johan“ ziemlich gewundert: „Als ich das Zitat gesehen habe, ist mir die Kinnlade auf den Tisch gefallen“, sagt uns Stephan Wunderlich, der beim Verband für die Auslandsjagd und den internationalen Artenschutz zuständig ist. Daher hat er bei Johan Bezuidenhout nachgefragt, ob er das, was in „Bild“ und bei Bild.de steht, wirklich gesagt hat. Bezuidenhout antwortete, er habe so etwas nie gesagt. Der Reporter, mit dem er gesprochen hat, habe ihm die Worte im Mund umgedreht: „He put totally wrong information in the newspaper.“

Die Aussage, so wie sie in „Bild“ steht, passe auch schon inhaltlich nicht, sagt Stephan Wunderlich: Niemand werde mit einem Auto an Leoparden herangefahren. „Die 30 Meter sind die Distanz beim Ansitz auf Leoparden.“

Wunderlichs Verband hat zu dem Zitat im „Bild“-Artikel eine Pressemitteilung herausgegeben:

Der Deutsche Jagdverband (DJV) und der Internationale Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC) in Deutschland haben zwischenzeitlich den anerkannten Berufsjäger mit den Vorwürfen konfrontiert. Dieser ist schockiert: „Es stimmt, dass ich mich mit einem Journalisten der BILD unterhalten habe. Aber diese Behauptung ist eine Lüge. Der Journalist hat mich bewusst falsch zitiert. Sonst hätte er keine Story.“ Für den tatsächlichen Wortlaut des geführten Interviews gibt es Zeugen. Demnach habe Johan Bezuidenhout auf Englisch gesagt, dass nach einem schlechten Treffer, etwa auf dem Vorderlauf, immer eine Nachsuche durchgeführt wird und diese erläutert. Dieses Vorgehen ist auch in Deutschland aus Tierschutzgründen Pflicht.

„Nicht mal, wenn jemand nicht so gut Englisch spricht, darf so ein Zitat daraus entstehen“, sagt Stephan Wunderlich: „Das ist rufschädigend.“

Die „Bild“-Geschichte wurde international von anderen Medien aufgegriffen, etwa in der Schweiz vom „Blick“ und in England von der „Sun“.

Wir haben bei „Bild“ nachgefragt, ob die Redaktion dabei bleibt, dass das veröffentlichte Zitat von Johan Bezuidenhout so gefallen ist. Sprecher Christian Senft antwortete: „ja.“

Mit Dank an Robert für den Hinweis!