Streit um Wedel-Recherche, Triggern bei Twitter, Speck-Show

1. Angriff auf Redaktionsgeheimnis ist inakzeptabel
(djv.de, Sebastian Huld)
Der Deutsche Journalisten-Verband spricht sich gegen einen Gesetzentwurf des Innenministeriums aus, der das Redaktionsgeheimnis gefährden soll: „Das bekannt gewordene Gesetzesvorhaben des Bundesinnenministeriums würde dem Verfassungsschutz das heimliche digitale Ausspähen von Redaktionen, Journalisten und ihren Quellen erheblich erleichtern. Ausgerechnet zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes den Verfassungsschutz zur Bespitzelung von Journalisten ermächtigen zu wollen, ist ein unsäglicher Vorgang.“

2. Die ultimative Speck-Show
(juramama.de, Nina Katrin Straßner)
„Horrorbauch“, „Schenkelschande“, „Speckshow“, „Bauchblamage“, „Zellulitedrama“ und „Reiterhosen“ … Die Bloggerin „Juramama“ hat die Nase voll von Bodyshaming und Gewichtsdiskriminierung in den Medien: „Wir lassen völlig ungerührt unsere Kinder, unsere Töchter und Söhne, an Zeitschriftenregalen vorbeigehen und sie im Zweifel für 1,90€ eine frauenverachtende Scheisse im Magazinformat kaufen, dass ich mich frage: Haben wir eigentlich noch alle Latten am Zaun?“

3. Streit um die Wedel-Recherche
(lto.de, Pia Lorenz & Markus Sehl)
Im Januar 2018 erschien in der Wochenzeitung „Die Zeit“ ein Artikel, in dem Regisseur Dieter Wedel sexuelle Belästigung und andere Straftaten erheblichen Ausmaßes vorgeworfen wurden. Hauptbelastungszeugin war die Schauspielerin Jany Tempel, die sich nun von der „Zeit“ hintergangen und im Stich gelassen fühlt. Die Redaktion habe ihr zugesagt, Anwaltskosten zu übernehmen, die ihr durch die Berichterstattung entständen. Zusagen, an die sie sich nicht halte. Die „Zeit“ sieht die Sache anders. Nun klagt Tempels Anwalt seine eigenen Anwaltskosten ein.
Weiterer Lesetipp: Jany Tempel hat sich mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit gewendet: „Wie viele Beispiele brauchen wir noch, bis wir eine echte Wende erreichen? Was ich momentan erlebe, ist im Grunde eine Wiederholung von genau der Problematik, die mich so lange schweigen ließ. Hätte ich #Metoo ignorieren sollen und weiter schweigen? Wäre sehr viel bequemer gewesen. Es geht nicht um Sex. Es geht um Sexismus und Gewalt. Es geht um Macht. Sexueller Missbrauch ist Machtmissbrauch.“

4. Wegen einer Recherche: Twitter hat unseren Redaktionsaccount seit zwei Wochen gesperrt
(metronaut.de, John F. Nebel)
Das Autorenblog „Metronaut“ wollte in einem Selbstversuch ausprobieren, wie leicht Twitter Konten sperrt und hat dazu einen Honeypot-Tweet verfasst. Twitters Moderationsmaschine sprang augenblicklich an: Der Kurznachrichtendienst hat den Redaktionsaccount der Metronauten stillgelegt und verlangt die Löschung des Tweets. Beschwerden dagegen seien versandet: „Seitdem haben wir außer einer automatisierten Antwort nichts mehr von Twitter gehört. Der Account ist weg und die Beschwerde irgendwo im Nirvana eines unsäglichen, willkürlichen Prozesses gelandet, bei dem die Kunden nicht wissen, was passiert, wie es weitergeht, wo eigentlich das Problem liegt. Es ist höchste Zeit, dass der Gesetzgeber Plattformen wie Twitter & Co. zu einem Beschwerdemanagement verpflichtet, das diesen Namen auch verdient.“

5. Axel Springer bestätigt Gespräche mit US-Investor
(spiegel.de)
Der US-Investor KKR will beim Axel-Springer-Konzern einsteigen. Angeblich will das Unternehmen allen Aktionären mit Ausnahme von Friede Springer und Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner ihre Anteile abkaufen. Laut „Bloomberg“ stehe nach der Übernahme eventuell der Rückzug von der Börse an.

6. Der Kabarettist Dirk Stermann über Unterhaltung: Mach nichts, was die anderen schon machen
(meisterstunde.de, Peter Wagner)
Dirk Stermann moderiert zusammen mit seinem Kollegen Christoph Grissemann die ORF-Late-Night-Show „Willkommen Österreich“. In einem längeren Interview erzählt Stermann auf angenehm lakonisch-bescheidene Art davon, wie die Zusammenarbeit mit seinem Kollegen klappt, wie es zu der Sendung gekommen ist und welche Fehlschläge es zu überwinden galt.