Posts Tagged ‘Schleichwerbung in BILD’

Zöllner nehmen Klitschko tolle Markenuhr weg!

Box-Weltmeister Vitali Klitschko scheint gestern am Frankfurter Flughafen vom Zoll überprüft worden zu sein — und das, obwohl er den Leuten sofort gesagt hat: „Jungs, ich bin kein Schmuggler!“ Die Beamten behielten vorläufig eine Uhr und eine Tasche. Klitschko findet das: „Unmöglich!“

Keine große Sache? Haben Sie ’ne Ahnung:

Aber, keine Sorge, Sie müssen das nicht alles lesen. Wir haben die aus „Bild“-Sicht offenbar zentralen Punkte der Geschichte hier noch einmal übersichtlich zusammengestellt:

Der Schweizer Uhrenhersteller IWC ist ein guter, alter Bekannter im, äh, redaktionellen Teil von „Bild“ und gehört zufällig zur gleichen Unternehmensgruppe wie Montblanc.

Mit Dank an Stefan K., Christian H., Marko B. und David K.!

Post von Diekmann

„Bild“ hatte ja jüngst — sichtlich widerwillig, aber gehorsam — eine Rüge des Presserats abgedruckt. Grund für die „Bild“-Rüge war laut Presserat Schleichwerbung für Aldi.

Und das Fachblatt „kress report“ berichtet nun von einem Brief, den „Bild“-Chef Kai Diekmann offenbar an den Presserat geschickt hat, weil „Bild“ die Aldi-Rüge „nicht nachvollziehen“ könne. Weiter heiße es in Diekmanns Brief:

Nach Vorstellung des Presserates darf nicht über Preise und Bezugsquellen eines neuen Produktes berichtet werden. Sie ziehen die Grenze des Zulässigen schon bei Angabe von Telefonnummer und Internetadresse. Jede deutsche Publikation wäre danach künftig gezwungen, den Service-Charakter ihrer Berichterstattung radikal zu beschneiden.

Beigefügt sei dem Brief an den Presserat (der angeblich kein Alleingang Diekmanns sei, sondern von vielen deutschen Chefredakteuren unterstützt werde) ein „Ordner mit 100 Seiten aus 100 aktuellen Zeitungen und Zeitschriften“. Ob „Fahrradzubehör in der ‚Süddeutschen‘, Motorradanzüge in der ‚FAZ‘, (…) die neue ICE-Strecke Frankfurt-Paris in der ‚FR‘, Osterdeko in ‚BamS‘ oder die neue H&M-Edelmarke Cos in ‚Bild‘ selbst“ — alle Artikel enthielten ebenfalls konkrete Angaben zu Anbietern, Preisen, Bestellrufnummern oder Online-URLs. Laut „kress“ hat „Bild“ zwar ausdrücklich darauf verzichtet, alle Artikel als Beschwerde einzureichen, bittet den Presserat aber um Prüfung der „eingereichten Einzelfälle“ und darum, die eigenen Standards „den aktuellen Leserbedürfnissen sowie einer modernen Wirtschaftsberichterstattung anzupassen“.

Beim Presserat, heißt es, begrüße man die „transparente Diskussion“ und verspreche, sich mit dem „interessanten Material, das unsere Spruchpraxis kritisch begleitet“, eingehend zu befassen.

Knallhart recherchiert (4)

„Bild“ hat heute eine Rüge durch den Presserat wegen Schleichwerbung abgedruckt — obwohl sie sie nach wie vor „nicht nachvollziehen“ kann.

Die Zeitung hatte am 4. Januar über die neuen Reise-Angebote von Aldi berichtet, detailliert Preise und Bestellmöglichkeiten genannt und behauptet:

Ab morgen gibt’s beim Lebensmittel-Discounter ALDI auch Urlaub! BILD hat die besten Angebote jetzt schon recherchiert.

Die „besten Angebote“ waren dabei sämtliche Angebote, und die „Recherche“ bestand mutmaßlich daraus, sie aus einer für den kommenden Tag gebuchten Aldi-Anzeige abzuschreiben. Über die Tatsache, dass Aldi Billigreisen anbieten wird, hatte „Bild“ übrigens bereits Ende 2006 zweimal berichtet und zwei Tage nach der gerügten Meldung anhand falscher Zahlen gejubelt: „Deutschland fliegt auf ALDI-Urlaub“. (Dies ist nicht Bestandteil der Rüge.)

Gegen die Entscheidung des Presserates hatte „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann heftig protestiert, und im Blatt heute ist die Erwiderung von „Bild“ länger als die Rüge selbst (siehe Ausriss). „Bild“ bleibt dabei:

Wir glauben, dass BILD-Leser sich für diese Informationen interessieren und dass es zur Aufgabe einer Zeitung gehört, darüber zu berichten.

Übrigens: In der vergangenen Woche wurde durch Recherchen der „Lebensmittelzeitung“ bekannt, dass Aldi seine „Preisgarantie“ aus dem vergangenen Herbst aufgegeben hat, die Preise von rund 200 Produkten einzufrieren („Bild“ berichtete). Darüber berichteten in den vergangenen Tagen u.a. „Spiegel Online“, „Welt“, manager-magazin.de, „Hamburger Abendblatt“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und „Berliner Zeitung“ sowie die Nachrichtenagenturen AFP und ddp.

„Bild“-Leser dagegen scheinen sich für diese Art von Informationen nach Ansicht der „Bild“-Zeitung nicht zu interessieren. Wir konnten keinen noch so kleinen Hinweis auf die Aldi-Preiserhöhungen in der „Bild“-Zeitung entdecken.

Aus dem Newsletter Nr. 12 des Deutschen Presserates

Die Rechtsabteilung der [„Bild“-]Zeitung weist den Vorwurf zurück, dem großen Anzeigenkunden [Aldi] sei eine Gefälligkeit erwiesen worden. Für den Artikel habe es einen publizistischen Anlass gegeben. Erstmals sei ein Discounter ins Reisegeschäft eingestiegen; alle Medien hätten darüber berichtet.

Und noch etwas: Nach Angaben des Presserates (siehe rechts) begründete die Rechtsabteilung von „Bild“ die Zulässigkeit des freundlichen Aldi-Werbe-Berichts ihm gegenüber damit, dass es für den Artikel einen publizistischen Anlass gegeben habe: Erstmals sei ein Discounter ins Reisegeschäft eingestiegen. Das ist falsch, und „Bild“ weiß es. Am 14. Dezember 2006 schrieb das Blatt:

Nachdem die Supermarktkette „Lidl“ am 6. Dezember mit einem Online-Reisebüro gestartet ist, zieht der Marktführer nach: Ab dem 5.1.2007 können Sie auch bei „Aldi“ Urlaub buchen!

Danke auch an Antonio und Sylvio!

Mit Gillette in Blieswoods Seele blicken

Jeden Montag veröffentlicht Norbert Körzdörfer, offizieller Berater von Kai Diekmann, unter seinem Pseudonym „Blieswood“ in der „Bild“-Zeitung „Lebensregeln“. Darin fordert er zum Beispiel auf, „Ja zum Hunger“ zu sagen oder „Nein zur Sommer-Melancholie“.

Nicht immer wird offensichtlich, was ihn dazu bringt, bestimmte Ratschläge zu erteilen. Aber manchmal kann man es sich denken.

Hinein ins Schleichwerbe-Vergnügen!

Michael Quandt ist keiner von diesen Bild.de-Mitarbeitern, die Verkaufstexte für die Werbekunden schreiben, die dann manchmal als Anzeige markiert werden und manchmal nicht. Nein, Michael Quandt ist Ressortleiter Reise der „Bild am Sonntag“. Nach den Ethikregeln, die bei der Axel-Springer-AG angeblich gelten, dürfte er sich, wenn er über den Heide-Park Soltau schreiben will, von dem Freizeitpark nicht einmal das Hotel bezahlen lassen. Da sind die ganz streng bei Springer.

Außer natürlich, wenn der Heide-Park einfach mal ein paar Freitickets locker macht, die die „Bild am Sonntag“ unter ihren Lesern verlosen kann. Dann schreibt Herr Quandt exakt die gleiche Sorte PR-Text, die sonst die Mitarbeiter in der Werbeabteilung von Bild.de verfassen.

Vergangenen Sonntag jubelte Quandt:


Mit 850.000 Quadratmetern ist der Heide-Park der größte Freizeitpark Norddeutschlands. Und bietet Großen und Kleinen Spaß und Spannung. Beispiele? Bitte sehr!

Schon die Allerkleinsten fühlen sich zum Beispiel in der Seepferdchenbucht mit Spielplatz und Schatzsuche wohl.

(…) Dann ab zum dritten Tip, zu „Colossos“, der weltweit größten Holzachterbahn. Während der 145 Sekunden langen Fahrt geht’s aus 60 Meter Höhe mit 120 km/h fast senkrecht in die Tiefe. Waaahnsinn!

Heute zelebriert Quandt ein großes Jubiläum: den 35. Geburtstag des berühmten Holiday-Parks in Hassloch:

Nicht verpassen sollten Sie die im Jahr 2005 zum vierten Mal hintereinander als weltbeste Achterbahn ausgezeichnete „Expedition GeForce“! (…) Eine Mischung aus Schwerkraft und Schweben — Adrenalin pur! (…)

Und für die ganz Kleinen? Da wartet Maskottchen Holly mit seiner Freundin Dolly in „Holly’s Kinderland“. (…) — da kommt keine Langeweile auf.

Auf je über 100 Zeilen findet sich kein distanziertes Wort über den Park. Die Rätselfragen, die die Leser beantworten müssen, um einen mehrtägigen Aufenthalt dort zu gewinnen, beziehen sich auch auf die tollen Attraktionen. Und für die, die nicht gewinnen, informieren Kästen darüber, was der Besuch sonst kostet, wann geöffnet ist und wo man anrufen kann.

Keine Frage: Längst wird in fast allen Medien bei einem Gewinnspiel der Preis ausführlich (und werblich) vorgestellt. Dass im Gewand eines seitenfüllenden redaktionellen Artikels aber ein ganzes Preisausschreiben zur Werbefläche wird, die auch noch der Ressortleiter selbst füllt — das ist schon eine besondere Spezialität von „Bild am Sonntag“.

Über den beiden gekauften „BamS“-Geschichten steht übrigens nicht „Anzeige“, sondern:

Nachtrag, 11. Juli. Und wenn man wie „BamS“-Ressortleiter Quandt einfach PR-Texte umschreibt, statt selbst zu recherchieren, merkt man natürlich auch nicht, dass die Behauptung des Heide-Parks, der „Colossos“ sei die höchste Holzachterbahn der Welt, gar nicht stimmt.

„Na, wie wär’s mal mit nem Buch?“

Wir müssen noch mal kurz auf diese merkwürdige In-&-Out-Geschichte zurückkommen.

OUT: Völlig sinnentleert und obergelangweilt Löcher in die Wand starren. Na, wie wär

Dass „Bild“ plötzlich dringend vor dem Nichtstun warnte und zum Lesen aufforderte, ist nämlich nicht mehr ganz so abwegig, wenn man weiß, von wem das empfohlene Buch stammt. Die Herausgeberin heißt Ulla Bohn, und bis vor einem Jahr stand sie noch im Impressum der „Bild“-Zeitung: als Kulturchefin.

Danke an Christian M.!

Billiger geht’s nicht

So wie rechts sah gestern die Titelseite der „Bild“-Zeitung aus. In ihrem Aufmacherartikel warb sie für ein Angebot des einschlägig bekannten Discounters Lidl: Man solle in eine der „über 2600 Lidl-Filialen“ gehen und einen Coupon aus der „Bild“-Zeitung an der Kasse abgeben, dann werde man für 99 Cent einen Six-Pack „köstliches Grafenwalder Premium-Pils“, „eine große Tüte knackige Erdnuß-Flips“ und eine Deutschland-Fahne bekommen.

Die Tageszeitung „taz“ stellte daraufhin eine naheliegende Frage: Muss man über eine solche Anzeige nicht „Anzeige“ schreiben? Sie bekam unterschiedliche Antworten:

Volker Nickel, Geschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft, sagte, ja, das Wort „Anzeige“ fehle.

Carel Mohn, Sprecher des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, sagte, Springer verstoße zur Gewinnmaximierung bewusst gegen das Gesetz — das sei ein „besonders krasser Fall von unlauterer Werbung“.

Tobias Fröhlich, Sprecher der „Bild“-Zeitung, sagte, hier werde gegen gar nichts verstoßen — das sei „eine Aktion der Zeitung für ihre Leser mit einem Partner und als solche klar erkennbar“.

Nur als was die Aktion klar erkennbar sei, als Werbung, als redaktioneller Beitrag oder als lustige Mischform, scheint der „Bild“-Sprecher der „taz“ nicht gesagt zu haben.

Danke an Franz T. und viele andere!

Nachtrag, 27.7.2006: Der Presserat teilt die Einschätzung der Verbraucherzentralen und der Werbewirtschaft nicht. Wie man in einer Pressemitteilung der Axel Springer AG nachlesen kann, hat der Presserat „drei Beschwerden gegen BILD als offensichtlich unbegründet zurückgewiesen“. In der uns vorliegenden Begründung heißt es, mit der der Lidl/“Bild“-Aktion werde der „Grundsatz der klaren Trennung von Werbung und Redaktion nicht verletzt“. Laut Presserat handelt es sich vielmehr um zulässiges „Eigenmarketing“.

Mit Dank an Tobias F. für den Hinweis.

„Bild“-Artikel sind Anzeigen

Ist es vorstellbar, dass sich Unternehmen ganze Artikel in der „Bild“-Zeitung kaufen können? Schwerlich, oder?

Die „Bild“-Zeitung sah in dem Film „Da Vinci Code“, der von der Kritik sonst heftig verrissen wurde, „die Kino-Sensation des Jahres“. Das könnte daran liegen, dass „Bild“-Autor Norbert Körzdörfer der Film einfach gefiel. Oder daran, dass er „als einziger Reporter weltweit“ die „Hollywood-Legende Tom Hanks“ „exklusiv in Los Angeles“ treffen durfte. Oder daran, dass die „Bild“-Zeitung von der Produktionsfirma Sony für die Lobeshymmne bezahlt wurde.

Insgesamt drei Artikel hat Körzdörfer, laut Impressum „Berater des Chefredakteurs“, in der „Bild“-Zeitung über den Film geschrieben. Am 12. und 13. April 2006 erschienen zwei jeweils fast ganzseitige Artikel über das Treffen mit Tom Hanks. Am 18. Mai 2006 brachte „Bild“ eine Filmkritik unter Körzdörfers Pseudonym „Blieswood“.

Abgesehen von der positiven Bewertung und der mangelnden Distanz, die aber so etwas wie ein Markenzeichen Körzdörfers ist, deutete für „Bild“-Leser nichts darauf hin, dass es sich hier um Texte handeln könnte, für die die Produktionsfirma Geld gezahlt hat.

Anders bei Bild.de. Das „Bild“-Interview, das Körzdörfer geführt hat, ist hier unter einer Adresse veröffentlicht, die bei Bild.de normalerweise für „Partner“ (im Klartext: Werbekunden) reserviert ist und Sony als Auftraggeber nennt:

Das könnte man noch für ein Versehen halten. Aber nur, bis man die Ressortseite „Kino & TV“ von Bild.de besucht hat. Dort gibt es einen als „Anzeige“ gekennzeichneten Teaser für ein „Da Vinci Code“-Special (siehe Ausriss rechts, Hervorhebung von uns).

Der Teaser führt zu einer Bild.de-Seite, die komplett als Sony-Anzeige gekennzeichnet ist und den Copyright-Hinweis „© 2006 CTMG, Inc.“ trägt. Hier sind nicht nur Videoclips und Werbespiele zum Film verlinkt — sondern auch das Interview Körzdörfers und seine Filmkritik. Und alle sind pauschal und eindeutig als Werbung ausgewiesen:

Ist es also vorstellbar, dass sich Unternehmen ganze Artikel in der „Bild“-Zeitung kaufen können?

(Danke an Franzi für die Inspiration!)

Was „Bild“ die Renten-Kampagne bringt

Und warum macht „Bild“ überhaupt eine Kampagne gegen die gesetzliche Rentenversicherung, lügt, übertreibt, verbreitet Panik und verrechnet sich? Das ARD-Magazin „Monitor“ glaubt, um private Rentenversicherungen zu verkaufen. Bild.T-Online bietet gemeinsam mit der Allianz seit September 2005 die „Volks-Rente“ an und bewirbt sie mit Sprüchen wie: „Rente sich, wer kann!“ 80.000 Verträge wurden nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr abgeschlossen. Das Angebot wird auch aktuell auf Bild.de beworben, allerdings nicht mehr unter dem Namen „Volks-Rente“, sondern als „RiesterRente“.

Eine gemeinsame Volks-Aktion von Allianz und Bild.T-OnlineDie „Bild“-Zeitung sagte gegenüber „Monitor“, dass man nie im redaktionellen Teil für dieses Angebot geworben habe. Das mag man im Hinblick auf die aktuelle Renten-Kampagne anders sehen. Die Aussage steht zudem im Widerspruch zu einer internen Vertreter-Information der Allianz, die „Monitor“ präsentierte:

Die Informationen zur VolksRente werden in zwei Formen aufbereitet - als Anzeige und als redaktionelle Artikel

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die berufliche Vorgeschichte des Wirtschaftschefs der „Bild“-Zeitung, Oliver Santen, der auch selbst über die „Schrumpf-Rente“ schreibt. Santen war bis Mai 2004 Pressesprecher der Allianz.

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