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Lafer, Neda, Das Medium

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “TV-Koch Lafer setzt eigene Werbepartner in ZDF-Sendung offensiv in Szene”
(spiegel.de)
Der “Spiegel” sichtet 20 Folgen der ZDF-Sendung “Lafer! Lichter! Lecker!” und glaubt zu erkennen, dass Johann Lafer seine Werbepartner massiv in Szene setzt. “Lafer sagte gegenüber dem SPIEGEL, er nehme manche Produkte aus Überzeugung mit in die Sendung. Es handle sich dabei um sein gewohntes Küchenumfeld.”

2. Interview mit Neda Soltani
(taz.de, Carolin Pirich)
Ein Gespräch mit Neda Soltani, die von den Medien mit Neda Agha-Soltan verwechselt wurde. “Auf dem Video, das bei YouTube von Nedas Tod zu sehen war, hörte man jemanden ihren Namen rufen, undeutlich. Jemand suchte dann im Internet danach und stieß bei Facebook auf mein Profil, kopierte und verschickte es. So ging es um die Welt. Dann benutzten es Journalisten.”

3. “Gefällst du mir, gefall ich dir”
(tagesspiegel.de, Miriam Meckel)
Miriam Meckel denkt über Freundschaften bei Facebook nach.

4. “Gericht erlaubt Kritik an dubiosem Call-TV”
(stefan-niggemeier.de)
Das Hamburger Landgericht weist eine Klage der Firma Mass Response gegen den Call-TV-Kritiker Marc Doehler in allen Punkten zurück.

5. “Das Medium”
(fern-gesehen.com, Video, 24:31 Minuten)
Lars Golenia fragt sich, warum “Das Medium” (RTL) den 1987 verstorbenen Uwe Barschel nicht gefragt hat, wer ihn umgebracht habe. Er müsste es doch wissen. Video-Direktlink (blip.tv).

6. “Tagesschau – Westerwelle tritt zurück”
(youtube.com, Video, 1:36 Minuten)
Eine Falschmeldung, die “in keinsterweise Homosexuelle verunglimpfen” soll.

Gute Aussicht

Es ist ein bemerkenswertes Selbstverständnis, das Bild.de da an den Tag legt:

Was so viele Menschen in aller Welt begeistert, muss natürlich auch auf BILD.de zu sehen sein…

Gemeint ist damit: Wenn ein Video bei YouTube “bereits mehr als 3,5 Millionen Mal” (im Sinne von: mehr als 7 Millionen Mal) angeschaut wurde, kann Bild.de es auch schon mal klauen, zwei Mal hintereinanderschneiden, mit Musik und Off-Kommentar unterlegen und nochmal selbst hochladen. Der Arbeitsaufwand dürfte sich dank der Einnahmen aus dem vorgeschalteten Werbeclip rechnen. Aber das ist ja alles nichts Neues.

Konkret geht es um dieses Video hier:

Bild.de erklärt dazu:

Bei einem Spiel zur Stadt-Meisterschaft liegt die Driscoll Middle School schon fast aussichtslos 0:6 hinten.

Wenn man sich sonst eher mit Sportarten wie Fußball oder Handball beschäftigt, bei denen die Tore gezählt werden, sieht so ein 0:6 natürlich “fast aussichtslos” aus. Im American Football allerdings kann man unterschiedlich viele Punkte erzielen. Durch einen Touchdown beispielsweise sechs, weswegen das Spiel in diesem Moment mindestens ausgeglichen war.

Mit Dank an Gabriel T., Lothar Z., Manuel L., J.L., Johannes B. und Matthias H.

Nachtrag, 12. November: Bild.de hat die Formulierung “fast aussichtslos” aus dem Artikel entfernt.

Die mit den virtuellen Wölfen tanzen

538 Personen empfehlen auf Bild.de diese Story:

Screenshot Bild.de

Was mag es gewesen sein, das die Bild.de-Leser so begeistert hat? Der URL nach …

http://www.bild.de/BILD/news/2010/10/16/video-wolfsrudel-jagt/polizisten-russland-verkehrs-kontrolle.html

… muss es etwas mit Russland, Wölfen, Polizisten und einer Verkehrskontrolle zu tun gehabt haben. Also vermutlich etwa das, was allen kritischen Kommentaren zum Trotz seit dem 15. Oktober auf Blick.ch zu lesen ist:

Screenshot Blick.ch

Screenshot Blick.ch

Dass das über eine Million mal angesehene Video weniger die Wirklichkeit als vielmehr die technischen Fähigkeiten von Viralvideoproduzenten aufzeigt, haben nicht nur aufmerksame YouTube-Nutzer aufgezeigt, sondern auch die Produzenten des Videos selbst.

So sind auf dem YouTube-Kanal der Kampagne für eine Wodka-Marke die insgesamt fünf Viralvideos, das Making-Of-Video und der finale Werbespot zu sehen.

Erpressung, Sport Bild, Quellenangaben

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Erpressung im Boulevard-Journalismus”
(ndr.de, Video, 9:05 Minuten)
“Zapp” berichtet vom Prozess gegen einen wegen Nötigung zu einer Geldstrafe verurteilten Ex-“Bild”-Journalisten. “Pressefreiheit darf nicht zur Erpressungsfreiheit werden”, sagte Kläger Ottfried Fischer nach der Verhandlung. Vor der Anklage, 2009, bewertete er in der Talkshow “Beckmann” seine Beziehung zu “Bild” so: “Wir haben ein gutes Handling miteinander.”

2. “Kampf der Leserintelligenz”
(el-futbol.de, Sidan)
Sidan liest “Sport Bild”: “Die Zeitung schnappt irgendwelche Tatsachen auf und dreht sie sich so hin, dass sich das, was passiert ist, so spektakulär oder skandalös wie möglich anhört. Den dabei entstehenden Kollateralschaden, dass dem Leser Artikel aufgetischt werden, die nicht mehr so ganz der Wahrheit entsprechen, muss man dabei halt in Kauf nehmen.”

3. “Die RTL-Siedlung”
(fernsehkritik.tv, Fernsehkritiker)
“Am 21. Oktober liefen nachmittags, wie sonst auch, die Dokusoaps ‘Verdachtsfälle’ und ‘Familien im Brennpunkt’ hintereinander – und auch geographisch betrachtet spielten sie sich nah beieinander ab.”

4. Interview mit Hans Ulrich Gumbrecht
(welt.de, Mara Delius)
Hans Ulrich Gumbrecht vermisst die Lernbereitschaft in deutschen Talkshows: “Das sind Sendungen, die dreißig Stunden laufen könnten, ohne dass sich irgendeine Position verschiebt oder verändert.”

5. “Geschenkpapier III: Altpapier Des Jahres”
(evangelisch.de, Sascha Lobo)
Zum zehnten Geburtstag der Rubrik “Altpapier” gratuliert nach Rüdiger Dingemann und Hans-Jürgen Jakobs auch Sascha Lobo mit einem “Geschenkpapier”. Er fragt sich, was die Quellenangabe “Deutscher Twittereintrag” zu bedeuten hat. “Das entspricht der Medienpraxis, bei irgendwelchen im Fernsehen gezeigten Amateuraufnahmen ‘Quelle: Youtube’ einzublenden oder gleich zu schreiben: ‘Quelle: Internet’. ‘Qualität’ kommt vielleicht nicht von ‘Quelle’, sollte es aber. Oder man ist wenigstens konsequent und schreibt bei den Zeitungszitaten ‘Quelle: Papier’.”

6. “Merkels Stalker ein Türke”
(blog.pantoffelpunk.de)

Eine Neuerung für die Cats

Das Musical Cats wird bald wieder in Hamburg aufgeführt und was dazu im Online-Auftritt des “Hamburger Abendblatts” zu lesen ist, klingt nach einer Sensation:

Eine der Neuerungen des Welterfolgs, der seine Deutschland-Premiere 1986 in Hamburg feierte und hier 14 Jahre lang im Operettenhaus lief: Es wird auf deutsch gesungen.

Na endlich! Oder auch nicht: Die deutschsprachige Erstaufführung von Cats fand schon 1983 in Wien statt. Und auch als das Musical von 1986 bis 2001 in Hamburg aufgeführt wurde, sang man auf Deutsch (Video).

Dass es sich dabei um eine Neuerung handelt, wo doch nicht nur Cats, sondern alle großen Musicals von Andrew Lloyd Webber in Deutschland seit eh und je auf Deutsch gesungen werden, hat das “Hamburger Abendblatt” übrigens auch schon in einem Artikel im April dieses Jahres behauptet.

Mit Dank an Martin W.

Neues aus der Frankheimer Eckschau

Man muss ja wirklich nicht jeden kleinen Fehler korrigieren, aber bei einem Artikel im Online-Auftritt der “Frankfurter Rundschau” über den derzeit erfolgreichen Offensivspieler Didier Ya Konan von Hannover 96 gilt heute mal die Devise “Kleinvieh macht auch Mist”.

Da steht zum Beispiel über das Samstagsspiel von Hannover gegen Köln:

(…) das kurz darauffolgende zweite [Tor], ein wuchtiger Kopfball aus kurzer Entfernung nach einer Ecke, sagte dann doch ein bisschen mehr aus über den Spieler Didier Ya Konan

Nach einer Ecke fiel jedoch keines der drei Tore (Endstand 2:1). Sein zweites Tor erzielte Ya Konan im Zuge eines Konters — per Kopfball zwar, aber nach einer regulären Flanke (Video).

Über Ya Konans frühere Stationen heißt es:

Ya Konan, der über ASEC Mimoses (2004 bis 2006), Rosenheim Trondheim (2007 bis 2008) zu Hannover 96 kam, harmoniert auch bestens mit dem im August geholten Mohammed Abdellaoue.

Die Vereine, für die Ya Konan früher gespielt hat, heißen jedoch ASEC Mimosas und Rosenborg Trondheim (liegt in Norwegen, nicht in Bayern).

Ya Konan ist nach Ansicht des Autors übrigens sogar so erfolgreich, dass für andere namhafte Spieler kein Platz mehr bleibt:

Und von Mike Forsell, Mike Handke oder Jan Schlaudraff spricht an der Leine kein Mensch mehr.

Bei zwei der drei ist es allerdings auch kein Wunder, dass niemand über sie redet: Denn “Mike Forsell” heißt mit Vornamen Mikael und mit Nachnamen Forssell, während “Mike Handke” zwar wenigstens Mike, nicht aber Handke, sondern Hanke heißt.

Mit Dank an Daniel B.

Nachtrag, 19.42 Uhr: Jetzt sind alle Fehler korrigiert. Nur Mikael Forssell wartet noch ungeduldig auf das zweite “s” in seinem Nachnamen.

Nachtrag, 22.37 Uhr: “s” ist da!

Nachtrag, 26. Oktober: BILDblog-Leser Johannes H. und yannick haben sich an der Fehlersuche beteiligt und uns darauf hingewiesen, dass Ya Konan nicht nur von 2007 bis 2008, sondern bis August 2009 für Rosenborg Trondheim spielte.

Wagenburgmentalität, Clownkostüm, Putin

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Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die Glatten und die Netten”
(tagesspiegel.de, Bernd Gäbler)
Bernd Gäbler sieht in den TV-Moderatoren Jörg Pilawa, Markus Lanz oder Sven Lorig Repräsentanten eines Fernsehens, bei dem alles “leicht verträglich sein, lieb und possierlich” sein muss. “Wellness für die Seele will dieses Massenfernsehen sein, das Personal ist entsprechend serviceorientiert.” Für “wortmächtig argumentierende Intellektuelle” sei dagegen nur der “Talkshow-Polarisierer-Stammplatz” da. “So wird der kluge Außenseiter ins Clownskostüm gesteckt”.

2. “Aufklärung statt Medienhype”
(dradio.de, Daniel Goeßmann)
Auf der Suche nach dem politischen Journalismus in Deutschland befragt Daniel Goeßmann unter anderem Journalisten von “Welt”, “taz”, “Tagesspiegel” und “Stern”: “Die Branche des politischen Journalismus ist verunsichert, wirkt ratlos. Ein Teil der Journalisten reagiert darauf mit einer Mischung aus Selbstkasteiung und Schadensbegrenzung.”

3. “Putin auf PR-Tour”
(mediathek.daserste.de, Video, 7:48 Minuten)
Begleitet vom russischen Fernsehen fährt Wladimir Putin mit einem gelben Lada an die Grenzen Sibiriens. Wie ein vom Straßenrand gefilmtes Amateurvideo (ab 4 Minuten) zeigt, wird er dabei von einer langen Reihe ausländischer Fahrzeuge begleitet. Originalvideo auf russisch (youtube.com, 2:44 Minuten).

4. “Die Öffnung der Öffentlichkeit”
(nzz.ch, Hans Geser)
Hans Geser erkennt eine “Wagenburgmentalität” bei renommierten Zeitungen. “Der Weg dahin scheint dadurch versperrt, dass sich die traditionellen Eliten dem Online-Diskurs bis anhin fast völlig verweigern, weil sie – was bei Journalisten besonders augenfällig wird – in einem Medium, das alle User zu gleichrangigen Lieferanten von Text-Voten degradiert, keine Möglichkeiten zur Wahrung einer herausgehobenen Podestposition mehr sehen.” Siehe dazu auch diesen Kommentar von Peter Hogenkamp, Leiter Digitale Medien der “NZZ”.

5. “How to be an Old School Journalist”
(holykaw.alltop.com, Video, 10:39 Minuten, englisch)
Ein undatiertes Video zeigt, wie Journalismus in den USA einmal war: “News reporting is a young man’s job. For the reporter must have stamina and endurance to withstand the strain of long and strenuous hours of work.”

6. “Bricht das Internet 1997 zusammen?”
(zeit.de, Ludwig Siegele, 1996)

heute  

Von Gewalt gegen die Polizei und Polizeigewalt

Die Bundesregierung hat gestern einen Gesetzentwurf beschlossen, durch den Polizeibeamte und andere Einsatzkräfte besser vor gewalttätigen Angriffen geschützt werden soll. Unter anderem soll schon der bloße Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte mit drei statt bisher zwei Jahren Gefängnis geahndet werden können.

Zur Illustration zeigte die “heute”-Sendung des ZDF diverses Archivmaterial, das Angriffe auf die Polizei zeigen sollte. Während der Sprecher von Leuten sprach, “die sich gegen das Abführen oder einen Polizeigriff wehren”, waren diese Bilder zu sehen:

Die gezeigten Aufnahmen haben eine gewisse Berühmtheit erlangt. Und tatsächlich wurde dem Mann im blauen T-Shirt vorgeworfen, bei der Demonstration “Freiheit statt Angst” in Berlin vor einem Jahr Polizisten gestört und Widerstand geleistet haben.

Zur Illustration des Themas eignen sich die Aufnahmen dennoch denkbar schlecht. Die Ermittlungen gegen den Mann wurden nämlich eingestellt. Stattdessen wurde gegen zwei Polizisten ermittelt, die ihn zusammengeschlagen haben sollen.

Mit Dank an Johannes Z.!

Der Flug des Homer S.

Für die Folge vom 10. Oktober baten die Macher der TV-Serie “Die Simpsons” den Künstler Banksy, den üblichen Vorspann nach eigenen Vorstellungen umzugestalten. Die gleichentags von banksyfilm auf YouTube hochgeladene Alternativversion wurde bereits millionenfach angesehen.

Das Onlineangebot der Zeitung “B.Z.” band das Video in einen Artikel ein und schrieb dazu:

Spätestens, als Homer in der Garage dem Wagen seiner Frau nicht ausweichen kann und durch die Tür gestoßen wird, ist klar: Hier ist etwas anders.

Eben nicht. Obwohl in der Banksy-Alternativversion vieles anders ist, fliegt Homer auch in der Originalversion durch die Tür. Jedenfalls seit der Episode “Take my Life, Please” von Februar 2009. Mit der Umstellung auf HDTV wurde ein neuer Vorspann produziert, der seitdem jede Episode einleitet.

Vergleich zwischen alter und neuer Version:

Simpsons Opening Comparison Old vs New

Alternativversion von Banksy:

Simpsons

Mit Dank an Holger S.

Wenn das der Netzer wüsste

Der eine oder andere mag es schon gehört haben: Das gestrige EM-Qualifikationsspiel zwischen Italien und Serbien wurde wegen anhaltender Krawalle durch serbische Hooligans vorzeitig abgebrochen.

Daraus lernen wir zwei wichtige Dinge. Erstens: Hooligans schaden immer ihrer eigenen Mannschaft — das Spiel wird wohl gegen Serbien gewertet. Und zweitens: Fotogalerien auf Bild.de werden nach dem beschriftet, was der zuständige Mitarbeiter auf den ersten Blick auf der Aufnahme zu sehen glaubt:

Ein Serbien-Hool schneidet das Tornetz ab

Was der “Serbien-Hool” da auf dem fünften Bild der Klickstrecke tatsächlich abschneidet, ist allerdings nicht das Tornetz auf dem Spielfeld, sondern lediglich das Netz, das über der Absperrung des Zuschauerblocks gespannt ist, auf der der Mann rittlings sitzt. Es soll verhindern, dass Gegenstände aufs Spielfeld geworfen werden.

Das erkennt man auch klar auf dem neunten Bild derselben Fotogalerie, das poetischerweise mit “So sehen vermummte Idioten aus” beschriftet ist (oder zwischen 0:25 und 0:30 auf YouTube).

Mit Dank an Marco, Marcel Sch. und Björn C.

Nachtrag, 10.45 Uhr: Bild.de hat das “Tornetz” zum “Sicherheitsnetz” umdeklariert.

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