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B.Z.  

Träumt weiter!

Wir entschuldigen uns an dieser Stelle schon mal für den Ohrwurm, den Sie gleich für den Rest des Tages haben werden, aber da müssen wir jetzt gemeinsam durch!

Das Lied “Summer Of ’69” ist eines der bekanntesten Werke des kanadischen Rockmusikers Bryan Adams — und war gestern der “Song des Tages” der Berliner Boulevardzeitung “B.Z.” und des Berliner “Spreeradios”:

Song des Tages: "Summer of

Nun ist es so, dass Adams im Sommer 1969 tatsächlich erst neun Jahre alt war. Adams selbst erklärte daher vor einigen Jahren auch, dass diese “69” da im Titel eine sexuelle Anspielung sei.

Doch das Wort “sex” taucht im Songtext gar nicht auf. Adams singt “I got my first real six string”, womit ein “Sechssaiter”, also eine (mutmaßlich elektrische) Gitarre gemeint ist.

Ein Trost für die Leute von der “B.Z.” ist vielleicht, dass sie nicht die Einzigen sind, mit denen bei diesem Song die (schmutzige) Phantasie durchgegangen ist, wie Bryan Adams vor zwei Jahren erzählte:

I had someone in Spain ask me once why I wrote the first line “I had my first real sex dream”… I had to laugh.

Mit Dank an Rayko M.

Stoibers Problem-Mär

Edmund Stoiber hat sich außerhalb Bayerns vor allem mit zwei Aktionen ins kollektive Gedächtnis eingebrannt: Dem Versuch, die Vorzüge einer Transrapidstrecke zwischen Hauptbahnhof und Flughafen in München zu erläutern, und dem Versuch, im Jahr 2002 Bundeskanzler zu werden. Beobachter sind sich immer noch uneins, was ihm gründlicher misslungen ist.

Anlässlich seines gestrigen 70. Geburtstags waren die bestimmenden Themen in den medialen Huldigungen Stoibers entsprechend seine “gestammelten Werke” und jener verhängnisvolle Abend, als er sich schon als strahlender Wahlsieger feiern ließ und später “ein Glas Champagner öffnen” wollte.

“Focus Online”:

Wohl kein Kanzlerkandidat scheiterte so knapp wie Edmund Stoiber. 0,01 Prozent, rund 6000 Stimmen, fehlten ihm am Wahlabend des 22. September 2002 zur Mehrheit, als er sich nach ersten Hochrechnungen bereits zum Sieger erklärt hatte, dann aber doch Gerhard Schröder Kanzler blieb.

“Rheinische Post”:

Ob als Regierungschef in München, als CSU-Chef (1999–2007), ob als 2002 an 6000 Stimmen gescheiterter Kanzlerkandidat der Union: Stoiber spielte immer mit höchstem Einsatz – ein Rackerer auf dem Platz mit bayerischer Kapitänsbinde.

“Bild München”:

Das herausragende Ergebnis war auch ein Trost für die wohl schwerste Niederlage im politischen Leben Stoibers, die er nur ein Jahr zuvor erlitten hatte: gegen Gerhard Schröder (SPD) im Kampf um das Bundeskanzleramt. Mit nahezu lächerlichen 6000 Wähler-Stimmen Unterschied…

“Bild”:

Er war das Gesicht der CSU, der erfolgreichste Ministerpräsident Deutschlands, und mit gut 6000 Stimmen mehr wäre er 2002 auch Kanzler geworden: Heute feiert Edmund Stoiber seinen 70. Geburtstag!

Das Gerücht, dass Stoiber nur rund 6.000 Stimmen gefehlt hätten, um Kanzler zu werden, hält sich seit Jahren hartnäckig in den Medien.

Und tatsächlich hatte die SPD bei der Bundestagswahl 2002 nur “nahezu lächerliche” 6.027 Zweitstimmen mehr erhalten als CDU und CSU zusammen — und doch ist unwahrscheinlich, dass Stoiber Kanzler geworden wäre, wenn er damals nur 6.028 Stimmen mehr bekommen hätte: Die Grünen, die damals mit der SPD die Regierungskoalition stellten, hatten nämlich gleichzeitig 571.540 Stimmen mehr erhalten als Stoibers Wunschkoalitionspartner FDP.

Stoibers Union ist denkbar knapp der SPD unterlegen; aber die Kanzlerschaft hat er deutlich verpasst.

Mit Dank an Tilman Sch.

Super Nanny, Alessio Rastani, Eugen Russ

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Kommen jetzt die Dumm-Wörter?”
(translationspotting.blogspot.com, Torsten Gaitzsch)
Torsten Gaitzsch denkt über von “Bild” verwendete Komposita nach, die aus einem Adjektiv und einem Substantiv bestehen: “Herzlos-Vermieter, Billig-Mini, Gemein-Wurf, Nackt-Ukrainerinnen, Brutal-Attacke, Peinlich-Auftritt, Schrill-Outfit”.

2. “Ich bin ein Opfer der Super Nanny”
(fernsehkritik.tv, Video, 15 Minuten)
Zwei Teilnehmerinnen der RTL-Sendung “Die Super Nanny” berichten über ihre Eindrücke von den (2008 ausgestrahlten) Aufnahmen.

3. “TV-Sender nutzt Spielszenen, um Hubschrauber-Abschuss zu dokumentieren”
(de.ign.com)
In der Dokumentation “Exposure: Gaddafi and the IRA” wurden Spielszenen aus einem Computerspiel verwendet: “In der Dokumentation wurde dabei der Eindruck erweckt, als ob es sich um reale Aufnahmen handeln würde, die einen Angriff der irisch-republikanischen Organisation IRA zeigt.” Siehe dazu auch guardian.co.uk.

4. “Wie ein Freizeit-Börsianer die BBC narrte”
(spiegel.de, Carsten Volkery)
Ein BBC-Interview mit Alessio Rastani (youtube.com, 3:29 Minuten) erregt eine breite Aufmerksamkeit. “Inzwischen sieht es so aus, als sei der ‘BBC-Trader’, wie er im Netz genannt wird, einfach ein aggressiver Selbstvermarkter.” Siehe dazu auch telegraph.co.uk, forbes.com und das Statement der BBC.

5. “Sido versus ‘Krone’: Rapper schaltet Anwälte ein”
(diepresse.com)
Sido will gegen einen Artikel in der “Kronen Zeitung” vorgehen und gibt sich bereits siegessicher (Tweet vom 25. September). “Aus dem ORF kommt die Bestätigung: Sido hat zur Klärung der Angelegenheit und zur Richtigstellung der erhobenen Vorwürfe bereits seine Anwälte eingeschaltet.”

6. “Mehr mobile Nutzung”
(derstandard.at)
Die vermehrte mobile Mediennutzung werde ein Opfer fordern, sagt Printverleger Eugen Russ: “Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass in zwei Jahren das Web ziemlich tot ist, spätestens in drei Jahren.”

Der arabische Frühling als arabischer Herbst

Ein syrischer Fernsehsender hat am Dienstag Bilder gezeigt, die den Sohn Muamar al-Gaddafis, Saif al-Islam, zeigen sollen. Die Aufnahmen entstanden am 20. September und zeigen den Gaddafi-Sohn bei einer Kundgebung mit Gefolgsleuten, teilte der Sender Arrai TV mit. Saif al-Islam rief die Menge zum Widerstand auf und forderte die Einnahme der Hauptstadt Tripolis. Er war nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten, nachdem die Truppen der Übergangsregierung im August die libysche Hauptstadt eingenommen hatten. Eine Überprüfung der Bilder war zunächst nicht möglich.

Soweit der Off-Sprecher eines Videos, das die Nachrichtenagentur Reuters verbreitet hat, und das unter anderem auf “Spiegel Online” zu finden ist.

Arrai TV ist nicht unbedingt die seriöseste Quelle, weswegen in der Tat Vorsicht geboten ist.

Und wenn Saif al-Islam al-Gaddafi am 20. September nicht gerade in der gleichen Bekleidung die exakt gleichen Bewegungen ausgeführt haben sollte wie im Februar, dann haben Arrai TV und Reuters keine “neuen” Bilder gezeigt, sondern alte aus einer neuen Perspektive — wie unsere Gegenüberstellung beweist:

Mit Dank an Thomas.

Michael Jeannée, Papstbesuch, Hongkong

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Schluss mit der arroganten Scheiße!”
(taz.de, Isolde Charim)
Isolde Charim bespricht einen Auftritt (Video, 7:55 Minuten) in der Sendung “Die große Chance” auf ORF1, dem ersten öffentlich-rechtlichen Kanal in Österreich. Beteiligt sind Michael Jeannée, “eine österreichische Version von Franz Josef Wagner”, als Begleiter eines Motorengeräusch-Imitators und Sido als Juror.

2. “Bischof unter Verdacht”
(mittelbayerische.de, Christine Schröpf)
“Spiegel Online” meint, Bischof Gerhard Ludwig Müller im Restaurant “Grill Royal” gesehen zu haben, während dieser an der Papstmesse im Berliner Olympiastadion weilte. “Spiegel-Online hatte den Regensburger Oberhirten mit einem anderen bayerischen Kirchenmann verwechselt: Prälat Wilhelm Imkamp, Direktor der Wallfahrtsstätte Maria Vesperbild, der – grob betrachtet – ansatzweise eine Ähnlichkeit besitzt. Der Fehler ist inzwischen auf der Spiegel-Homepage korrigiert.”

3. “Prädikat: ‘Besonders peinlich!'”
(giordano-bruno-stiftung.de)
Die Giordano-Bruno-Stiftung hält Medienberichte zum Papstbesuch in Deutschland für unkritisch: “Im Fernsehen, im Radio, in den Printmedien wurden regelrechte Jubelarien auf den Papst angestimmt. Unterschiede zwischen Boulevard-Journalismus und Feuilleton verschwanden zunehmend – nicht nur die BILD feierte ‘ihren’ Papst, auch die ‘seriöse’ FAZ stimmte fröhlich in den frommen Jubelchor ein.”

4. “Das Transmitter-Problem”
(freitag.de, 2. September 2011)
Drei Wissenschaftler schreiben darüber, was die Medien aus ihren Forschungen machen: “Haben Sie schon davon gehört, dass die verheerenden Ausschreitungen in England durch eine chemische Mangelerscheinung im Gehirn verursacht wurden? Und dass wir bald in der Lage sein werden, ein solches Verhalten mit einem Nasenspray zu behandeln? Im Verlauf der vergangenen drei Wochen konnten Millionen von Menschen auf mindestens drei Kontinenten derartige Geschichten aus der Presse erfahren. Sie sind komplett erfunden.”

5. “Schweizer Online-Portal baut 24-Stunden-Redaktion auf”
(tagesspiegel.de, Sonja Pohlmann)
Sonja Pohlmann stellt das Büro von 20min.ch in Hongkong vor.

6. “Günther meets Angie oder: Boulevard trifft Politik”
(heise.de, Rudolf Maresch)
Rudolf Maresch rezensiert den Besuch von Angela Merkel bei Günther Jauch (Video, 61 Minuten). Siehe dazu auch jacobjung.wordpress.com, nachdenkseiten.de oder welt.de.

Tripolis, Mathe-Nachhilfe, Zentralbanken

6 vor 9

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1. “Die Verleger leisten einen unternehmerischen Offenbarungseid”
(leistungsschutzrecht.info, Philip Banse)
“Die Verleger wollen für ihre Unternehmen ein bedingungsloses Grundeinkommen”, sagt Mario Sixtus über das geplante Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Siehe dazu auch eine Antwort von Christoph Keese auf presseschauder.de.

2. “Mit Helm und Schutzweste”
(berlinonline.de, Thomas Schmid)
Thomas Schmid berichtet aus Tripolis, dass nur zwei Hotels offen stehen. “Beide hatten kein fließendes Wasser, keine Klimaanlage, kein Zimmerservice, kein Restaurant und verlangten um die 200 Euro pro Nacht. Viele Journalisten schliefen zu zweit in einem Bett, manche sogar zu dritt.”

3. “Das langweiligste Interview des Jahres”
(evangelisch.de, Christian Bartels)
Christian Bartels entdeckt “das langweiligste Interview des Jahres” – ein Gespräch mit Ulrich Wilhelm, dem Intendanten des “Bayerischen Rundfunks”, in der “Zeit”: “Dieses Interview hätte der Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo jedem Interviewer um die Ohren gehauen und es dann um 90 bis 100 Prozent gekürzt, wenn er es nicht selbst geführt hätte.”

4. “Die vierte Gewalt ist nicht mehr die Presse”
(infosperber.ch, Christian Müller)
“Sie sind eher zu Durchlauferhitzern professioneller Polit-PR und von Lobby-Informationen geworden”, schreibt Christian Müller über die “quotengeilen” Medien. Nicht sie, sondern die Zentralbanken seien heute die vierte Gewalt.

5. “Daumen hoch für Khan”
(zeit.de, Christoph Gurk)
Mathe-Nachhilfe ist unbeliebt? Nicht auf YouTube.

6. “Zwischen Sorgenkind und Superkrüppel”
(raul.de, Raúl Aguayo-Krauthausen)
Raúl Aguayo-Krauthausen schreibt auf, wie Menschen auf ihn reagieren: “Viele Menschen bemühen sich im Umgang mit Menschen mit Behinderung, nichts falsch zu machen und wirken manchmal etwas hilflos und verkrampft. Als überkompensatorisches Verhalten dient mitunter übertriebene Freundlichkeit, Fröhlichkeit und Bewunderung. Erfolge, die ich zu verzeichnen hatte, wurden stets übergebührlich hervorgehoben und übertrieben gelobt.”

Perry Rhodan, NATO, Berlin Neukölln

6 vor 9

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1. “Der Journalismus und die Verbreitung im Netz”
(moritzhomann.de)
Moritz Homann macht sich Gedanken darüber, “wie einfach es ist, mit einem relativ inhaltsleeren Artikel, für den vermutlich keinerlei Recherche nötig war, beträchtliche Reichweite zu erzielen” – “diese Vorgehensweise belohnt Autoren, die aus einer Laune heraus einen übertriebenen, tendenziösen Text schreiben und bestraft Autoren, die recherchieren, telefonieren, vor Ort sind und gute Texte schreiben.”

2. “Zeit Online Artikel verägert Rhodan-Fans”
(space-view.de, David Meiländer)
Der Titel eines zeit.de-Artikels zum 50. Jubiläum der Perry-Rhodan-Hefte wurde von “Der Ersatz-Hitler aus dem All” auf “Der Weltraum als Modelleisenbahnkeller” geändert, nachdem sich Leser darüber beschwert hatten.

3. “Libyen-Berichterstattung der ARD-Tagesschau peinlich NATO-hörig”
(kriegsberichterstattung.com, Maximus)
Maximus kritisiert bei der Libyen-Berichterstattung der ARD-Tagesschau und anderer deutschen Medien eine Einseitigkeit zugunsten der NATO: “So gut wie nie ist in der Kriegsberichterstattung die Rede von NATO-Opfern, von den Tausenden Opfern, die durch die schweren Waffen starben, die entgegen der UNO-Auflage den Rebellen geliefert wurden.”

4. “Philipp Lahm und die Heuchler”
(faz-community.faz.net, Jürgen Kaube)
Jürgen Kaube thematisiert, wie wenig Redefreiheit Fußballprofis haben: “Sogar über ehemalige Trainer soll der Spieler nichts sagen dürfen, nicht einmal all das Freundliche, was Lahm über Louis van Gaal zu Protokoll gegeben hat. Wenn er es doch tut, muss er sich Beschreibungen wie ‘Selbstdarstellungsdrang des kleinen Mannes’ gefallen lassen.”

5. “Online-Kommentare unter Kontrolle”
(taz.de, Reinhard Wolff)
Online-Portale schwedischer Zeitungen verschärfen die Regeln für Leserkommentare. So geht “Expressen” von einer nachträglichen zu einer Vorab-Moderation der Kommentare über: “Vor allem viele rassistische Kommentare seien durch das bisherige System gerutscht, publiziert und oft erst nach Stunden entdeckt und gelöscht worden. Nun werde nichts mehr Online landen, was die Redaktion nicht auch verantworten könne.”

6. “Neues Integrationsproblem”
(youtube.com, Video, 6:06 Minuten)
Der Zentralrat der Sinti und Roma lobt den Bericht von “Report Mainz” über Familien aus Rumänien und Bulgarien in Berlin Neukölln und fordert mehr Integration (swr.de, sintiundroma.de).

Meteor, Mailbox, Lobo

6 vor 9

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1. “Meteoritenhoax auf Spiegel Online”
(scilogs.de, Jan Hattenbach)
“Spiegel Online” berichtet über ein “spektakuläres Naturschauspiel” am Himmel und kommt zum Schluß: “Es handelt sich offenbar um einen abstürzenden Meteoriten.” Jan Hattenbach sieht das anders: “Da hat wohl jemand in Peru einen Kondensstreifen für einen Meteor (nicht Meteorit) gehalten. Man ersetze ‘Peru’ durch ‘China’ und ‘Kondensstreifen’ durch ‘Sack Reis’, und erhalte ungefähr den Nachrichtenwert dieser Meldung.” Auf den Nachrichtenportalen sueddeutsche.de, faz.net, welt.de und focus.de ist nach wie vor ein Video zu sehen, in dem es heisst: “Dieser mutmaßliche Meteorit steuert geradewegs auf Peru zu.”

2. “Der Inzest-Opa und die Journalisten-Richter-Henker-Meute”
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Hans Kirchmeyr erinnert daran, dass gegen einen in Österreich wegen Inzestverdacht festgenommenen Mann kein Gerichtsurteil, noch nicht mal eine offizielle Anklage vorliegt.

3. “‘Gooool!’ aus zweiter Hand”
(sueddeutsche.de, Javier Càceres)
Spanische Radioreporter erhalten im Fußballstadion keine kostenfreie Akkreditierungen mehr.

4. “Making of…”
(cab-log.blogspot.com, Klaus)
Taxifahrer Klaus beobachtet ein Foto-Shooting für die extragroße “Bild”: “Der Kollege schlug dann schließlich ein Honorar von 5 Euro raus. Die Kollegin bekam große Augen: ‘Ich habe nichts gekriegt.'”

5. “How to hack like a News of the World reporter”
(reuters.com, Video, englisch)
Kevin Mitnick erklärt, wie man eine Handy-Mailbox abhört. Und wie man sich dagegen schützt: “You go into your voicemail options and you enable to prompt for a password always.”

6. “Lobo, der Wolf vom Zentralplatz”
(rhein-zeitung.de, Hartmut Wagner)
Lobo trinkt vor allem Bier und Boonekamp, verzichtet auf eine Wohnung, die ihm zusteht, erhält monatlich 370 Euro Grundsicherung, ohne damit ein moralisches Problem zu haben und setzt sich mit einem Becher an die Straße, wenn das nicht ausreicht (Artikel als PDF-Datei, Kommentar des Chefredakteurs).

Selbsttötung, Solarbäume, Bauer sucht Frau

6 vor 9

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1. “Loblied des Links”
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo lobt den Link: “Der Link verheisst Vernetzung, Zugänglichkeit, Offenheit. Ein Link gibt dem Nutzer auch die Möglichkeit, die Seite zu verlassen; im Link steckt deshalb die Freiheit des Netzes. (…) Verlinkung ist digitales Leben, der Rest ist Konsum.”

2. “Dreifach-Suizid: Fragwürdige Details”
(ndr.de, Video, 4:32 Minuten)
“Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen und die Schilderung näherer Begleitumstände”, heisst es in Richtlinie 8.5 des Pressekodex. “Zapp” berichtet über einen aktuellen Fall aus Niedersachsen: “Selbsttötungen haben als solche in der Presse nichts verloren. Das sollten Journalisten wissen, spätestens seit Robert Enke. Von daher war es unverantwortlich, was sich letzte Woche in vielen Medien abspielte.”

3. “Bauernopfer”
(sueddeutsche.de, Frederik Obermaier)
Frederik Obermaier berichtet aus dem oberbayerischen Aiglsham, dem Wohnort des durch die Doku-Soap “Bauer sucht Frau” bekannt gewordenen Bauers Josef und seiner Frau Narumol. “An einem einzigen Wochenende, so erzählen einige Dorfbewohner hier, fahren so viele Autos durch den 60-Einwohner-Weiler wie vor Bauer sucht Frau nicht mal in einem Monat.”

4. “Von Solarbäumen, Fibonacci-Folgen und unbelehrbaren Schreiberlingen”
(intern.de)
“13-Jährigem gelingt Durchbruch in Solarenergiegewinnung”, meldete beispielsweise Gizmodo.de vor wenigen Tagen. Intern.de schreibt auf, was sich ereignete, nachdem ein Blogger daran öffentlich zweifelte.

5. “Wenn Gerüchte Fakten schaffen”
(dw-world.de, Video, 4:09 Minuten)
Detlef Saitner liest keine Zeitungen mehr: “Er liest lieber im Netz, bei den Crash-Propheten. Deren Klickraten haben sich seit 2008 fast verdreifacht.”

6. “Der Lottogewinner Erwin Lindemann”
(youtube.com, Video, 3:41 Minuten)
“Wie kann man einen ‘Brennpunkt’ zum WM-Aus für Michael Ballack machen aber keinen zum Abschied von einer Legende, die so lustig war wie sonst kein Deutscher und so deutsch wie sonst kein Lustiger?”, fragt Imre Grimm auf haz.de.

“In Loriots unverwechselbarem Tonfall”

Die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” hat sich dafür entschieden, mit diesem Bild des verstorbenen Humoristen Loriot zu gedenken:

Er läuft nicht mehr

Es entstammt dem Trickfilm “Auf der Rennbahn”, den Loriot 1970 zu einer alten Tonaufnahme gezeichnet hatte.

Und damit kommen wir zu einem kleinen Problem: Auch wenn die Bilder von Loriot sind, so sind die Stimmen die von Franz Otto Krüger und Wilhelm Bendow, letzterer hat den Sketch auch geschrieben.

Dieses Randwissen hilft einem vielleicht irgendwann mal bei der Beantwortung der 500.000-Euro-Frage bei “Wer wird Millionär?” — und es hätte einige Nachrufer vor Fehlern bewahrt:

n-tv.de:

Er rettete den Ruf des deutschen Humors. Seine Schöpfungen: “Ja, wo laufen sie denn?” und “Früher war mehr Lametta” kennt jeder.

“Zeit Online”:

Mit seinen Sketchen prägte Loriot nicht zuletzt die deutsche Umgangssprache. Sentenzen wie “Ein Klavier, ein Klavier”, “Ich schreie dich nicht an!”, “Die Ente bleibt draußen!”, “Ja, wo laufen Sie denn?” oder “Sagen Sie jetzt nichts” sind längst in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen.

“taz”:

Loriot hingegen sollte sich mit seinen gezeichneten oder gespielten Sketchen tief ins kulturelle Gedächtnis der Deutschen einschreiben. Man denke nur an Erwin Lindemann, “seit 66 Jahren Rentner”, die Akademiker Kloebner und Müller-Lüdenscheid in ihrer Badewanne (“Herr Doktor Kloebner, ich leite eines der bedeutendsten Unternehmen der Schwerindustrie und bin Ihnen in meiner Badewanne keine Rechenschaft schuldig”), man denke an Zitate wie “Ja, wo laufen sie denn?”, “Früher war mehr Lametta”, “Morgen bringe ich sie um!” oder Hamanns konsterniertes “Ach was!”

news.de:

Jahr für Jahr fällt in unzähligen weihnachtlich geschmückten Haushalten der Satz “Früher war mehr Lametta!”. Geprägt hat ihn Loriot, während der Weihnachtsfeier bei Hoppenstedts. Auch Formulierungen wie “Das Bild hängt schief”, “Ein Klavier, ein Klavier!”, “Ach was?!” und “Ja wo laufen sie denn?” haben Einzug in den alltäglichen Sprachgebrauch gehalten.

“Focus Online”:

Zu seinen berühmtesten Szenen gehört zweifellos der Sketch mit der Nudel im Gesicht eines Restaurantbesuchers und dem Zitat “Sagen Sie jetzt nichts, Fräulein Hildegard”. Auch viele andere Redewendungen aus seinen Szenen wurden zu geflügelten Worten, etwa “Ein Klavier, ein Klavier”, “Wo laufen sie denn?” oder “Früher war mehr Lametta”.

dpa:

Und Sprüche aus Loriot-Sketchen wie “Hildegard, warum sagen Sie denn nichts?” oder “Wo laufen sie denn?”, “Früher war mehr Lametta” und das knappe und doch alles umfassende “Ach was!?” sind längst zu geflügelten Worten in der deutschen Umgangssprache geworden.

“Financial Times Deutschland”:

Um es vorwegzunehmen: Loriot war ein Ausnahmekünstler, ein genialer Kopf- und Baucharbeiter, dessen Humor quer durch alle Gesellschaftsschichten ging. Vielleicht war er sogar der wichtigste Humorist, den Deutschland bislang hervorgebracht hat – und der uns geflügelte Worte schenkte wie “Wo laufen Sie denn?”, “Im Herbst eröffnet der Papst mit meiner Tochter eine Herrenbutike in Wuppertal” oder “Früher war mehr Lametta”.

Das Pferd Den Vogel abgeschossen hat aber “Der Freitag”, der unter der Überschrift “Ja wo laufen Sie denn?” behauptet:

Einige seiner Sketche wurden zu Klassikern des deutschen Humors, etwa jener mit der Nudel, auf deren unstatthafte Existenz die Tischdame mit allerlei unauffälligen Andeutungen vergeblich hinweist, oder “Auf der Rennbahn” mit dem immer wieder zitierten Spruch “Ja wo laufen sie denn?” in Loriots unverwechselbarem Tonfall.

Mit Dank an M. Sch. und Stefan K.

Nachtrag, 15.05 Uhr: “Der Freitag” hat den Absatz geändert:

Einige seiner Sketche wurden zu Klassikern des deutschen Humors, etwa jener mit der Nudel, auf deren unstatthafte Existenz die Tischdame mit allerlei unauffälligen Andeutungen vergeblich hinweist, oder auch der Zeichentrickfilm zu Wilhelm Bendows “Auf der Rennbahn” mit dem immer wieder zitierten Spruch “Ja wo laufen sie denn?”.

Autor Thomas Rothschild schreibt in den Kommentaren:

Sie haben Recht. Ich fühle mich beschämt. Das hätte auch in der Eile eines Nachrufs nicht passieren dürfen. Danke jedenfalls für die Korrektur.

Die dpa hatte ihren Fehler sogar schon gestern Nachmittag korrigiert, bei zahlreichen OnlineMedien steht aber immer noch die ursprüngliche, fehlerhafte Version.

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