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Fakten schaffen ohne Waffen

Weil sich die Anschläge vom 11. September 2001 am kommenden Samstag Sonntag zum zehnten Mal jähren, hat “Bild” den Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich befragt, wie es eigentlich so aussieht mit der Gefahr von Terroranschlägen in Deutschland.

BILD: Wie viele Islamisten und Gefährder mit Terror-Ausbildung gibt es hier bei uns?

Friedrich: Wir haben fast 1000 Personen, die man als mögliche islamistische Terroristen bezeichnen könnte. Davon wiederum sind 128 Gefährder, also Personen, bei denen Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass sie erhebliche Straftaten begehen könnten, das schließt auch einen Anschlag mit ein. Ungefähr 20 dieser Gefährder waren zudem eindeutig in einem Terrorcamp zur Ausbildung. Wir wissen also, wer die Leute sind und die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern tauschen ständig Informationen aus und stimmen die notwendigen Maßnahmen aufeinander ab.

“Fast 1000 Personen, die man als mögliche islamistische Terroristen bezeichnen könnte” — aber wer würde das schon tun? Also: Wer, außer “Bild”?

Innenminister Friedrich in BILD-Interview: In Deutschland leben 1000 islamistische Terroristen!

Mit Dank an DerPhi.

Nachtrag, 18.20 Uhr: “Spiegel Online” hat die “fast 1000 Personen” des Ministers und die “1000 Terroristen” von “Bild” mal ein bisschen unter die Lupe genommen:

Meteor, Mailbox, Lobo

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Meteoritenhoax auf Spiegel Online”
(scilogs.de, Jan Hattenbach)
“Spiegel Online” berichtet über ein “spektakuläres Naturschauspiel” am Himmel und kommt zum Schluß: “Es handelt sich offenbar um einen abstürzenden Meteoriten.” Jan Hattenbach sieht das anders: “Da hat wohl jemand in Peru einen Kondensstreifen für einen Meteor (nicht Meteorit) gehalten. Man ersetze ‘Peru’ durch ‘China’ und ‘Kondensstreifen’ durch ‘Sack Reis’, und erhalte ungefähr den Nachrichtenwert dieser Meldung.” Auf den Nachrichtenportalen sueddeutsche.de, faz.net, welt.de und focus.de ist nach wie vor ein Video zu sehen, in dem es heisst: “Dieser mutmaßliche Meteorit steuert geradewegs auf Peru zu.”

2. “Der Inzest-Opa und die Journalisten-Richter-Henker-Meute”
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Hans Kirchmeyr erinnert daran, dass gegen einen in Österreich wegen Inzestverdacht festgenommenen Mann kein Gerichtsurteil, noch nicht mal eine offizielle Anklage vorliegt.

3. “‘Gooool!’ aus zweiter Hand”
(sueddeutsche.de, Javier Càceres)
Spanische Radioreporter erhalten im Fußballstadion keine kostenfreie Akkreditierungen mehr.

4. “Making of…”
(cab-log.blogspot.com, Klaus)
Taxifahrer Klaus beobachtet ein Foto-Shooting für die extragroße “Bild”: “Der Kollege schlug dann schließlich ein Honorar von 5 Euro raus. Die Kollegin bekam große Augen: ‘Ich habe nichts gekriegt.'”

5. “How to hack like a News of the World reporter”
(reuters.com, Video, englisch)
Kevin Mitnick erklärt, wie man eine Handy-Mailbox abhört. Und wie man sich dagegen schützt: “You go into your voicemail options and you enable to prompt for a password always.”

6. “Lobo, der Wolf vom Zentralplatz”
(rhein-zeitung.de, Hartmut Wagner)
Lobo trinkt vor allem Bier und Boonekamp, verzichtet auf eine Wohnung, die ihm zusteht, erhält monatlich 370 Euro Grundsicherung, ohne damit ein moralisches Problem zu haben und setzt sich mit einem Becher an die Straße, wenn das nicht ausreicht (Artikel als PDF-Datei, Kommentar des Chefredakteurs).

Bulle, Apple, Füllstoff

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Mein Bulle”
(lawblog.de, Udo Vetter)
Ein Polizist wird vom Amtsgericht Mannheim zu einer Geldstrafe verurteilt, “wegen der Verhaftung einer Bundestagskandidatin, die so inszeniert war, dass die Journalistin eine exklusive Schlagzeile bekam.” Die Schlagzeile lautete 2009 auf Bild.de: “Hier wird eine Bundestags-Kandidatin verhaftet”.

2. “Die Selbstvergewisserungs-Maschine Bild”
(meedia.de, Christian Meier)
Christian Meier liest gelangweilt die am Samstag in Übergröße erschienene “Bild”: “Die Mega-Bild ist auch mega-langweilig. Sie gibt sich als Huldigung an große Deutsche und deutsche Marken (Werbekunden, hereinspaziert) und endet als Einschlafhilfe.”

3. “Live by the BILD, die by the BILD”
(sportmedienblog.de)
Fußball: Das Sportmedienblog befasst sich mit der “Führungsspieler-Debatte” und der Aufregung über das Buch von Philipp Lahm: “Seine Aussagen wurden aus dem Zusammenhang gerissen? Verkürzt dargestellt? Ach was! So arbeitet BILD nunmal.” Siehe dazu auch nennenswertes.de, das sich Aussagen von Mario Gomez im ZDF-Sportstudio widmet.

4. “traurige BILDfälschung”
(die-anmerkung.blogspot.com)
Bezugnehmend auf diese Analyse eines Fotos von Steve Jobs fragt “Die Anmerkung”, ob Bild.de eine Fotofälschung verbreitet.

5. “Artikel Fanatismus”
(343max.de, Max Winde)
Max Winde über Blogger und Twitterer, die jeden unverzüglich steinigen, der es wagt, ‘der Blog’ zu sagen. “Ganz im Ernst: Wie wollen wir jemals zu einer Gesellschaft gelangen, die jeden seine Kultur, Religion, Sexualität, Weltanschauung frei ausleben lässt, wenn wir es nicht mal schaffen solche Nebensächlichkeiten zu akzeptieren oder wenigstens zu ignorieren?”

6. “Lorem ipsum dolor sit amet (Hajos Apple-Bashing)”
(rpzine.de)
In sozialen Netzwerken hat der “Spiegel Online”-Artikel “Abrechnung eines Ex-Fans – Apple, es reicht!” von Hajo Schumacher für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Texts for Robots kürzt den Text “um den Füllstoff”.

RTL, Die Alm, Jörg Thadeusz

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Zu schön, um wahr zu sein”
(golem.de, Jörg Thoma)
Wie mehrere Medienberichte, zum Beispiel dieser RTL-Beitrag, nahelegen, soll ein 18-jähriger Berufsschüler ein neues Betriebssystem entwickelt haben, das Mac und Windows vereint. Jörg Thoma besucht ihn in der Küche eines Reihenhauses in Lünen, in dem er mit seinen Eltern wohnt.

2. “RTL-Beitrag macht sich über gamescom-Besucher lustig”
(de.ign.com)
Ein RTL-“Explosiv”-Beitrag berichtet über Besucher der Spielemesse Gamescom und zementiert Vorurteile: “Die Tatsache, dass inzwischen bereits jeder dritte Deutsche spielt (und somit mehr Bundesbürger spielen als RTL schauen), scheint sich noch nicht in die Redaktionsräume herumgesprochen zu haben.”

3. “Satiren sind langweilig”
(planet-interview.de, Maren Schuster und Martin Paul)
In Deutschland gebe es “einen starken, linken Mainstream”, ausserdem gelte “Streit als etwas Schlechtes”, sagt Jörg Thadeusz im Gespräch mit Maren Schuster und Martin Paul. “Immer dann wenn Journalisten keine Fragen mehr stellen, weil sie meinen alles zu wissen, können Sie den Journalismus scheitern sehen.”

4. “Pro Sieben und der Pannenstadl”
(faz-community.faz.net, Peer Schader)
Ein Brand bei ProSiebenSat.1 legt “Die Alm” flach. “Pro Sieben scheint es darauf anzulegen, sich mit der ‘Alm’ möglichst umfassend zu blamieren. Einerseits, indem man Tag für Tag eine billige Kopie des RTL-Dschungelcamps ins Programm hebt anstatt sich eine eigene Herangehensweise für seine Trash-Adaption zu überlegen. Und andererseits, indem nicht mal das einwandfrei klappt.”

5. “TV-Journalist bezweifelt Aussagekraft vieler Filme und Bilder aus Libyen”
(dradio.de, Britta Bürger)
Britta Bürger spricht mit dem Berliner Büroleiter von Al Jazeera, Akhsam Suliman: “Wenn man in einer Situation ist wie in Tripolis – historisches Ereignis, kleine Kämpfe, Panzer marschieren oder irgendwelche anderen Fahrzeuge marschieren in die Stadt und man stellt sich davor und macht einen Aufsager und erzählt Informationen -, denkt man gar nicht darüber nach in dem Moment, was für einen Quatsch man erzählt hatte. Weil es reicht schon, dass der Panzer im Hintergrund läuft, dass ein paar Schüsse zu hören sind, und schon ist der Zuschauer wirklich gefesselt an das Fernsehen und schon ist der Nachrichtenchef, ist der Intendant, ist der Chefredakteur begeistert von dem einen Journalisten und beklagt sich nicht mehr, warum man solche Bilder und solche Situationen nicht hat.”

6. “Higgs mit Schluckauf”
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.com, Thomas)
“Spiegel Online” schreibt seit über zehn Jahren über das “Teilchen Gottes”. “Und ich freue mich schon darauf, 2063 im Altersheim zu lesen: Forscher sind jetzt aber wirklich sowas von unglaublich dicht vor der Entdeckung des Higgs-Bosons!”

Das Verschwinden der Superpille

Als flüchtiger Leser könnte man glauben, Fehler würden auf “Spiegel Online” immer vorbildlich transparent korrigiert. Der Eindruck täuscht.

Heute Vormittag erschien dort ein kurzer Artikel mit der Überschrift:

Arznei-Überdosis
Superpillen treibt Gesundheitskosten in die Höhe

(Aus “Superpillen” ist inzwischen “Supermedizin” geworden, nachdem Kommentatoren im “Spiegel Online”-Forum angemerkt hatten, dass die meisten Präparate, um die es geht, gar nicht in Pillenform verabreicht werden.)

Der Versuch, das komplexe Thema auf wenigen Zeilen zu behandeln, ist, gelinde gesagt, ambitioniert. Ein aktueller Anlass für das Stück ist nicht erkennbar — außer, dass es irgendwie zur Titelgeschichte “Überdosis Medizin” des gedruckten “Spiegel” passt.

Ausführlich behandelt wurde das Problem der extrem teuren Spezialpräparate, die auf neuartige Weise die Ursachen von Krankheiten behandeln sollen, aber schon in einer großen “Spiegel”-Geschichte im Mai 2010. Darin findet sich der Satz:

Nur ein einziges der neuen Präparate — das Medikament Glivec gegen chronische myeloische Leukämie — hat die Behandlung der Krankheit wirklich revolutioniert.

Das ist insofern bemerkenswert, als “Spiegel Online” sich in seinem reduzierten Neuaufguss der Geschichte ausgerechnet Glivec als ein Beispiel dafür herausgegriffen hat, dass die neuen, teuren Präparate ihre “Überlegenheit gegenüber herkömmlichen Medikamenten noch gar nicht bewiesen” hätten:

Sie haben futuristische Namen wie Glivec oder Humira. Darin klingt ein Versprechen mit: Es gibt Hoffnung. Deine Krankheit kann behandelt werden. Auch wenn sie noch so schwer oder selten ist. Auch dann noch, wenn konventionelle Arzneien versagen.

Glivec oder Humira gehören zu den sogenannten Spezialpräparaten. (…)

Das klingt wie ein Segen. Doch viele Experten begreifen es als Fluch. Denn die Spezialpräparate erhöhen die Kosten im Gesundheitssystem massiv. Bereits jetzt – obwohl ihre Überlegenheit gegenüber herkömmlichen Medikamenten noch gar nicht bewiesen ist.

Im “Spiegel Online”-Forum kritisierten mehrere Leser, dass Glivec wirklich kein gutes Beispiel für die zweifelhafte Wirksamkeit solcher Präparate sei. Offenbar sah man das dann auch in der Redaktion ein. Irgendwann am Nachmittag hat “Spiegel Online” den Namen Glivec aus dem Artikel gestrichen und durch Avastin ersetzt.

Ohne jeden Hinweis, irgendeine Erklärung, Transparenz.

Nachtrag, 18.45 Uhr. Na sowas. Plötzlich geht’s:

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde als Beispiel für Spezialpräparate, deren Nutzen umstritten ist, unter anderem Glivec genannt. Glivec war allerdings herkömmlichen Therapien überlegen. Wir haben daher ein anderes Beispiel gewählt. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Mit Dank an Martin S.!

Elends-Scouts, Krisenticker, Plünderer

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Öffnen Sie dieser Frau nie die Tür!”
(spiegel.de, Christian Buß und Daniela Zinser)
Christian Buß und Daniela Zinser warnen vor sieben Frauen, den “skrupellosesten Voyeurismusmaschinen”, den “Elends-Scouts des deutschen Fernsehens”: Vera Int-Veen, Sabina Hankel-Hirtz, Britt Hagedorn, Helena Fürst, Tine Wittler, Julia Leischik und Frauke Ludowig.

2. “+++ Panik bleibt aus +++”
(freitag.de, Katrin Schuster)
Der Krisenticker bei “Spiegel Online”: “Bereits am Sonntagabend raunte die Seite von der Angst vor einem schwarzen Montag – um dann von morgens 8 Uhr bis abends 19 Uhr live dabei zu sein. Prophezeiungen wollen schließlich erfüllt werden, im Notfall von den Journalisten selbst, die eifrig weiter tickerten, obwohl die große Katastrophe einfach nicht stattfinden wollte.”

3. “Medienhype und selektive Wahrnehmung: Was wurde aus dem ‘mysteriösen’ Vogelsterben?”
(scienceblogs.de/astrodicticum-simplex, Florian Freistetter)
Medien greifen völlig normale Einzelereignisse aus einer ganzen Reihe ebenso normaler Ereignisse heraus und hypen sie zu einem dramatischen und geheimnisvollen Sonderfall. “Haben die Medien sich dafür entschieden, dass tote Vögel ‘mysteriös’ zu sein haben, dann ist für eine gewisse Zeit jedes tote Tier eine Nachricht wert. Keine objektive Einschätzung sondern selektive Wahrnehmung bestimmt dann die Themenauswahl.”

4. “n-tv bedient sich in England wie die Plünderer”
(weblog.wanhoff.de, Thomas Wanhoff)
Thomas Wanhoff fragt sich, ob n-tv.de für die in eine Bildergalerie aufgenommenen, auf (bezahlten?) Fotografien beruhenden Kunstwerke von photoshoplooter.tumblr.com etwas bezahlt.

5. “Das Überschriften-Dilemma”
(netzwertig.com, Martin Weigert)
Ein Blogbeitrag von Falk Hedemann bringt Martin Weigert dazu, über Twitterer nachzudenken, die gar nicht lesen, was sie weiterempfehlen: “Sein überspitztes Fazit: Twitter ist tot, zerstört von Usern, welche nicht (mehr) in der Lage sind, Texte mit mehr als 140 Zeichen zu lesen, und welche die Qualität eines Artikels anhand dessen bei Twitter herumgeschickter Überschrift beurteilen.”

6. “Medienberufe: Der Redakteur”
(youtube.com, Video, 1:40 Minuten, 2. August 2011)

Gestatten, Presse-Pisser

Man kann Walter M. Straten von “Bild” gar nicht oft genug zitieren — zumindest was seine Aussagen gegenüber der “Süddeutschen Zeitung” kurz nach dem Selbstmord von Robert Enke angehen:

“Wir werden wohl mit extremen Noten etwas vorsichtiger sein”, sagt der stellvertretende Bild-Sportchef. Man werde sich einmal mehr überlegen, “ob der Spieler, der eine klare Torchance vergeben hat, oder der Torwart, der den Ball hat durchflutschen lassen, eine Sechs bekommt oder eine Fünf reicht”.

So bewertete “Bild” gestern die Leistung von Bayer Leverkusen beim FSV Mainz 05:

Weil die prägenden Bilder des ersten Bundesliga-Spieltags die Aussetzer einiger Torhüter waren, titelte “Spiegel Online”:

Fußball-Bundesliga: Gestatten, Torwart-Trottel

Autor Christian Paul schwafelte unter anderem über Manuel Neuer:

Eine Erklärung für seinen Patzer gegen Mönchengladbach hatte Bayerns Torwart Manuel Neuer schnell gefunden. Er habe durch ein Handspiel außerhalb des Strafraums keine Rote Karte riskieren wollen, sagte der 25-Jährige zu der Szene aus der 62. Minute, die der Borussia den Siegtreffer in München ermöglichte. Äußerlich souverän parierte der mindestens 18 Millionen Euro teure Zugang die Fragen nach seinem missglückten ersten Bundesliga-Spiel für den Rekordmeister.

Bloß nicht darüber reden, wie unglücklich sein Fehlgriff am Strafraumrand aussah, den der Belgier Igor de Camargo per Kopf ausnutzte. Bloß nicht einräumen, wie sehr die Münchner die 0:1-Heimniederlage gegen den Außenseiter schmerzt.

(Dass Paul die Bayern gegen Borussia Mönchengladbach als “hoch überlegen” bezeichnet, wirft ganz nebenbei auch noch die Frage auf, ob er das Spiel überhaupt gesehen hat.)

Inzwischen hat “Spiegel Online” die Überschrift zu “Gestatten, Torwart-Tollpatsch” geändert. Ein Glück, dass es so viele Worte mit “T” gibt!

Mit Dank an Torsten B., C.W. und V.

Solidarität, Fischerdorf, Akte 20.11

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Zeitungsstreik: Solidarität? Wieso, weshalb, warum?”
(pushthebutton.de, Hardy Prothmann)
Hardy Prothmann listet die Verdienste während seiner Karriere als freier Journalist auf und fragt sich, warum er sich solidarisch zeigen soll mit den festangestellten, derzeit streikenden Kollegen: “Ich werfe den meisten von ihnen Kumpanei, Mittäterschaft, Honorar-Dumping, Untertanentum, Eitelkeit, Überheblichkeit, Weltentrücktheit und Respektlosigkeit vor.”

2. “Am längeren Hebel der Empörungsmaschine”
(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Gestern verlinkten wir an dieser Stelle einen Text von Christoph Schwennicke, der sich über die rituelle Empörung von Politikern nach besonderen Ereignissen beklagte. “Elf Stunden später stellte sich heraus: Auch bei ‘Spiegel Online’ haben sie so eine Empörungsmaschine — und Christoph Schwennicke hat offensichtlich Zugang zu ihr.” Siehe dazu auch “Nachgefragt: So denken die Bürger über Geißlers Goebbels-Zitat” (der-postillon.com, Satire).

3. “Die Welt ist ein Fischerdorf”
(muel.ch, Samuel Burri)
Samuel Burri vergleicht zwei Korrespondenentexte über ein afrikanisches Dorf. In beiden wird die gleiche Szenerie beschrieben. Auf Anfrage schreibt einer der Autoren: “Der Einstieg war eigentlich länger aber wurde, wie das ganze Stück, stärker gekürzt. Und ja, der Text des Kollegen war mir bekannt und Teil meiner Notizen.”

4. “Deutsche Sender? Nein, danke”
(tagesspiegel.de, Andreas Maisch)
“Die in Deutschland lebenden Türken sehen und hören überwiegend türkischsprachige Medien.”

5. “… die sprechen alle Deutsch”
(ad-sinistram.blogspot.com, Roberto J. De Lapuente)
Roberto J. De Lapuente macht sich Gedanken über Deutsche, die in Spanien deutschsprachige Ärzte konsultieren, “Bild” nicht. “Diesem doppelmoralischen Dilemma entkäme man jetzt nur, wenn man öffentlich dazu aufrufen würde, dass verrentnerte Deutsche, die ihr Domizil ins Ausland verlegt haben, gefälligst die Heimatsprache zu büffeln haben – das alles im Sinne der Integration und des Respekts gegenüber den Gastgebern.”

6. “iPad-Rückgabe wegen blockierter BILD-Webseite”
(ifun.de)
In der Sat.1-Sendung “Akte 20.11” (ab 3:50 Minuten) wird ein iPad der Verkaufsstelle zurückgegeben, weil es die Website Bild.de nicht kostenfrei aufrufen kann.

Camerons Dias

Der britische Premierminister David Cameron war in den letzten Wochen so häufig im Zusammenhang mit dem Medienunternehmer Rupert Murdoch in den Schlagzeilen, dass man fast annehmen könne, Cameron selbst mache das sprichwörtliche “Was mit Medien”.

Zumindest schreibt “Spiegel Online” über den neuesten “Harry Potter”-Film:

Bis an die Spitze der ewigen Kinokassen-Charts ist es aber noch ein weiter Weg: Dort steht David Camerons “Avatar” – das Fantasy-Epos brachte 2,78 Milliarden Dollar ein.

Diese Verwechslung könnte James Cameron ärgern — wenn ein milliardenschwerer Oscar-Preisträger nicht mutmaßlich besseres zu tun hätte, als sich über die Verwechslung einer deutschen Nachrichtenseite zu ärgern.

Doch diese Verwechslung ist “leider kein Einzelfall”, wie es Bob Dylan Eduard Zimmermann ausdrücken würde:

“Spiegel Online”, 23. Dezember 2009:

Zum 3D-Kino – gerade mit David Camerons “Avatar” prominent im Kino vertreten – lässt der Berlinale-Chef aber eine eher skeptische Haltung erkennen:

“Welt Online”, 4. Januar 2010:

Die “New York Times” bat David Cameron, der gerade die erste Dollar-Millarde an den Kinokassen weltweit für “Avatar” feiert, um Stellungnahme.

“Bild am Sonntag”, 17. Januar 2010:

Regisseurin Kathryn Bigelow brachte das Kunststück fertig, mit ihrem Kriegsdrama “The Hurt Locker” den Favoriten “Avatar” zu schlagen. Und damit ihren Exmann David Cameron. Er räumte “nur” sieben Nebenpreise ab. “Bester Regisseur” – der Preis gehört jetzt Kathryn Bigelow.

“Berliner Kurier”, 7. März 2010:

Wird David Cameron, der schon mit “Titanic” rekordmäßig abräumte, mit seinem neuen Film “Avatar” den Regie-Oscar einheimsen?

“Handelsblatt”, 9. März 2010:

Ursprünglich war erwartet worden, dass der bisher erfolgreichste Film “Avatar” bei der diesjährigen Oscar-Verleihung groß abräumt. Davon hätten auch die Filmtheater profitieren können. Denn das 3-D-Spektakel des Erfolgsregisseurs David Cameron läuft noch immer in den Kinos.

bbc.co.uk, 23. April 2010:

Director David Cameron, Avatar actress Michelle Rodriguez and Heroes star Hayden Panettiere spoke to reporters about the cause and why they thought Avatar was such a success.

ap, 19. August 2010:

David Camerons 3D-Film “Avatar” spielte etwa 158 Millionen Euro ein.

“Hamburger Abendblatt”, 27. Januar 2011:

Kein Wunder, befindet sich die Filmindustrie zurzeit in einer “Storykrise”, was sogar absolute Topshots wie David Cameron (“Avatar”) selbstkritisch anmerken.

bbc.co.uk, 1. Juli 2011:

No 3D movie since has matched the buzz generated by David Cameron’s Avatar

Mit Dank an Torben.

Nachtrag, 13.55 Uhr: Dass es auch anders herum geht, beweist die “Financial Times Deutschland”:

Mit dem Finanzminister gerät ein weiteres Mitglied der Regierung von Premier James Cameron ins Zwielicht, dessen Kabinett bereits seit Monaten in der Öffentlichkeit scharf kritisiert wird.

Mit Dank an Dan.

2. Nachtrag/Korrektur: In einer früheren Version des Artikels hatten wir den aktuellen Fehler der Nachrichtenagentur dapd zugeschrieben. Offensichtlich hat “Spiegel Online” den Fehler aber selbst in eine Meldung eingebaut, die ansonsten auf einer dapd-Meldung beruhte.

Sie sind der Meinung, das war Doppelspitze

Die Deutsche Bank bekommt eine sogenannte Doppelspitze: Anshu Jain und Jürgen Fitschen werden im Mai 2012 einfach beide Vorstandsvorsitzende.

“Spiegel Online” fand das gestern Abend bemerkenswert:

Zum ersten Mal wird damit das größte deutsche Geldinstitut ab dem kommenden Jahr von einem Duo geführt.

Das war falsch: Nach dem Rückzug des legendären Vorstandsprechers Hermann Josef Abs 1967 waren Doppelspitzen bei der Deutschen Bank für mehr als 20 Jahre quasi die Regel. Das wussten sie bei “Spiegel Online” offenbar nicht, aber ein Leser wusste es und kommentierte es.

Und was machte “Spiegel Online”? Ersetzte den oben zitierten Satz unauffällig durch diesen:

Damit wird das größte deutsche Geldinstitut ab dem kommenden Jahr von einem Duo geführt.

Mit Dank an Nils.

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