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1. “Geheime Pressekonferenz im ‘Dortmunder Kreis'” (blog.telefacts.tv, Thomas Schweres)
Die Einladung zu einer Pressekonferenz der Polizei Dortmund geht exklusiv an einen “Dortmunder Kreis”. Der Leiter der Pressestelle, Wolfgang Wieland, sagt Thomas Schweres warum: “Wenn ich die Sache per Pressemitteilung rausgegeben hätte, müsste ich gleich eine Schul-Aula mieten und die Straße für Übertragungswagen sperren lassen.”
2. “Medienpolitik während der WM” (taz.de, J. Kopp & M. Völker)
Interviews mit Spielerinnen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft werden “nach Steinzeitmethoden” autorisiert. “Das gesprochene Wort wird hier nicht nur nicht respektiert, sondern verfälscht.” (…) “Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und etliche Manager von Spielerinnen waren der Meinung, man könne der Öffentlichkeit ein bestimmtes Bild oktroyieren, die Presse führen und bevormunden.”
4. “Vorgestellt: Top-Themen 2011” (derblindefleck.de)
Die Initiative Nachrichtenaufklärung gibt “die Rangliste der wichtigsten von den Medien vernachlässigten Themen und Nachrichten im Jahr 2011” bekannt. Mit dabei ist die “Bankenrettung ohne wirksame parlamentarische Kontrolle”, der “Doping im Fußball” oder der “Nocebo-Effekt”: “Schon das Wissen über Nebenwirkungen von Medikamenten und über Krankheitsverläufe kann Symptome auslösen.”
5. “Wulff mimt Urlaubsidylle für ZDF-Sommerinterview” (welt.de)
Bundespräsident Christian Wulff fliegt für ein “Sommerinterview” mit dem ZDF kurzfrisitig nach Norderney. Noch ist er aber gar nicht im Urlaub: “Tatsächlich verbringt der Bundespräsident mit seiner Frau Bettina und den Kindern den Sommer auf der Ostfriesischen Insel – allerdings erst in ein paar Wochen.”
6. “SpOn-Politiker-Fotos” (fuckyeahsponpolitikerfotos.tumblr.com)
Fotos von Politikern auf “Spiegel Online”.
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1. “Über das Spektakuläre an ‘Spiegel online'” (titanic-magazin.de, Stefan Gärtner)
Stefan Gärtner denkt über “Spiegel Online” und seine Auswirkungen nach: “Anders als Springers Kettenhund nicht im Schmuddeleck angepflockt, hat ‘Spon’ mit demselben Crossover aus Sex, Crime und Politik (‘Türkischer Wahlkampf: Sexvideos und Größenwahn’) paradigmatisch werden können: Nichts hat der allgemeinen Sensationitis und Boulevardisierung im Preßbereich so den Boden bereitet wie die Kopplung des Nimbus vom ewigen Nachrichtenmagazin ans sexy Atemlose des Netzmediums.”
2. “Die fabelhaften Springer-Boys” (wolfgangmichal.de)
Wolfgang Michal schreibt über Mitarbeiter des Axel-Springer-Verlags: Mathias Döpfner, Kai Diekmann, Christoph Keese, Thomas Schmid und Manfred Hart.
3. “Der neue Medienjournalismus” (funkkorrespondenz.kim-info.de)
Die Funkkorrespondenz wundert sich über die ausserordentliche Produktivität von Alexander Krei auf dwdl.de und erkennt in ihm “einen Medienjournalisten neuen Typs”. Der Besprochene antwortet: “All das ist schnell (und, soweit ich das beurteilen kann, auch sauber) vermeldet. Den sich daraus möglicherweise ergebenden (versteckten) Vorwurf, die Qualität bleibe dabei möglicherweise auf der Strecke, müssen natürlich andere beurteilen.”
4. “Ein neuer Typus von Web-Journalisten” (2axbecker.blogspot.com, Alexander Becker)
Alexander Becker nimmt die Diskussion auf: “Das fast schon selbstverständliche Aggregieren der Leistungen anderer Medien in Form von eigenen Meldungen, wie es Redaktion wie DWDL, genauso wie MEEDIA.de und viele andere Web-Portale betreiben, ist eine Reaktion auf die noch recht junge Blogger-Kultur. Denn der ihr innewohnenden Anspruch alle Nachrichten möglichst schnell und direkt bloggen zu wollen, haben sich vor allem kleine Fach-Redaktionen – wie selbstverständlich – zu eigenen gemacht.”
5. “Oliver Kalkofe: Kein Mitleid für 9live” (rockbär.de, Sebastian Pertsch) Oliver Kalkofe im ausführlichen Interview. Zur Einstellung des TV-Senders 9Live sagt er: “Das war ein Auswuchs des modernen Fernsehens, was ganz deutlich gezeigt hat, wie in Deutschland momentan gedacht wird: Du machst etwas, das billig ist und was Kohle bringt. Das ist Betrug – wir können es nicht schön reden.”
6. “FOCUS killt Künast-Interview” (gruene-bundestag.de, Michael Schroeren)
Die Grünen ärgern sich über den “Focus”: “Ein abgestimmtes Interview, das ohne nachvollziehbare Begründung aus dem Heft geworfen wird: Das ist mehr als ein starkes Stück, das ist ein beispielloser Affront.”
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1. “Spiel, Spaß, Spannung, ‘Spiegel Online'” (stefan-niggemeier.de)
“Spiegel Online” wünscht sich von den Ereignissen, dass sie spannend sind. “Vielleicht hätten sie beim ZDF, sobald sie ahnten, dass die Intendanten-Wahl so glatt über die Bühne gehen würde, wenigstens das Fernsehballett einladen können oder gefährliche Tiere oder Lady Gaga, und zwar am besten ohne Anlass, damit ‘Spiegel Online’ aufgeregt ‘Überraschung bei der Intendantenwahl’ titeln könnte.”
2. “Ihr könnt nach Hause fahr’n” (11freunde.de, Dominik Drutschmann)
Auf Antrag werden die anwesenden Journalisten von der Jahreshauptversammlung des Fußballvereins Schalke 04 ausgeschlossen. Bleiben darf nur, wer Mitglied des Vereins ist.
3. “Print Bam Bino für die Kunden von morgen” (welt.de, Marc Reichwein)
Mit Titeln wie “Dein Spiegel”, “Geolino” oder “mare Ahoi” betreiben Printverlage eine Aktivinvestition in die Lese-Sozialisiation von Kindern. “Wer eine ganze Kindheit & Jugend weitgehend printmedienabstinent war, wird sich den regelmäßigen Konsum von Zeitungen und Zeitschriften wohl auch als Erwachsener kaum noch angewöhnen.”
4. “Der letzte Dreck” (dradio.de, Ariadne von Schirach)
Ariadne von Schirach entdeckt in den 780 Seiten von “Blödmaschinen. Die Fabrikation der Stupidität” von Markus Metz und Georg Seeßlen “brillante Analyse, polemische Anklage und undifferenziertes Geraune”. “Die obszöne Totalität einer blödmaschinenenvermittelten Wirklichkeit führt bei Metz und Seeßlen zu einem ebenfalls obszönen Exzess an Kritik.”
5. “Jon Stewart Eviscerates Fox News On Fox News” (gothamist.com, Video, 24:11 Minuten, englisch)
Jon Stewart zu Besuch bei Chris Wallace von “Fox News Sunday”. Sie sprechen über das Fox-News-Motto “Fair & Balanced”, über die Agenda von Medien, über die Aufmerksamkeit im Fall Anthony Weiner.
6. “Das griechische Volk ist unschuldig” (zeit.de, Zacharias Zacharakis)
Griechenland: Zacharias Zacharakis stellt fest, dass nicht die einfachen Leute, sondern die Elite für die Schuldenkrise verantwortlich ist. “Die Griechen fühlen sich betrogen von den Eliten des Landes, die am stärksten von dem weitverbreiteten System der Korruption profitiert haben. Ganz am Ende dieser Nahrungskette standen immer die einfachen Leute, die für Arztbesuche, für Behördengänge, dafür, dass ihre Angelegenheiten überhaupt erledigt wurden, in das korrupte System einzahlen mussten, auch wenn es sich oft um geringe Beträge handelte. Profitiert haben davon Beamte, Ärzte, Notare, Anwälte, die dieses Geld nahmen und davon Ferienhäuser und Autos kauften.”
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1. “Die nützliche Falschmeldung vom Euro-Austritt” (zeit.de, Yanis Varoufakis)
Yanis Varoufakis schreibt in seinem Blog mehrere Texte zum “Spiegel”-Artikel “Griechenland erwägt Austritt aus der Euro-Zone”. Marcus Gatzke übersetzt den neusten: “Der in der deutschen Politik bestens vernetzte Spiegel wollte zusammen mit bestimmten Kreisen in der deutschen Regierung – vor allem des Bundesfinanzministeriums – ein Signal an das Kanzleramt und den griechischen Ministerpräsidenten senden.”
2. “Das Vorabendgrauen zum Eurovision Song Contest” (faz-community.faz.net/blogs/fernsehblog, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier schaut “ein Programm voller Verzweiflung und zum Verzweifeln”, nämlich die “Show für Deutschland” auf ARD, in der Frank Elstner die deutsche Kandidatin für den ESC 2011, Lena Meyer-Landrut, befragt. Ausschnitte daraus auf YouTube (Video, 2:31 Minuten).
3. “Abschreibejournalismus kommt in Mode” (theeuropean.de, Martin Eiermann)
Martin Eiermann fragt, wie viel “New York Times” in “Spiegel Online” steckt: “Der Bericht, dass 600 Hunde in Afghanistan und dem Irak im Einsatz sind? Die Neuanschaffung von vier Kampfwesten für die Vierbeiner? Die interne Einschätzung des Militärs, welche Hunderassen besonders geeignet für den Kampf gegen Mann und Maus seien? Alles in der New York Times nachzulesen und akkurat im SPIEGEL zitiert. Google Translate hätte es besser nicht machen können.”
4. “Die Geschichte vom traurigen Dinosaurier” (journalist.de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg präsentiert die Patientenakte der “Frankfurter Rundschau”: “Die Zahl der Abonnements ist in nur fünf Jahren um fast ein Drittel eingebrochen, auch der Einzelverkauf bröckelt. Im Zehnjahresvergleich sehen diese Werte noch dramatischer aus: Mehr als 40 Prozent beträgt der Verlust beim Abo, der Einzelverkauf hat sich mehr als halbiert.”
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1. “Doch keine ‘Matrix’-Fortsetzung” (spiegel.de, twi)
“Spiegel Online” gibt zu, ein Gerücht der Website “Ain’t it cool News”, die “Matrix”-Filmreihe würde in zwei Teilen fortgesetzt, weiterverbreitet zu haben: “Die Meldung ging um den Globus – auch SPIEGEL ONLINE berichtete. Bloß: Sie ist eine Ente.”
2. “Alle besoffen bei der Bundeswehr!” (rockbär.de, Sebastian Pertsch)
Sebastian Pertsch fragt sich, warum “Spiegel Online” einen Artikel über Mutproben in der Bundeswehr zur Topmeldung macht: “Die zahlreichen ‘Mutproben’, die der Spiegel in seinem Artikel aufführt, sind allesamt keine Neuigkeiten, auch wenn dies der Artikel auf der medialen Nr. 1 suggerierte. Es sind schlimme Einzelfälle, die regelmäßig in den Wehrberichten auftauchen.”
4. Interview mit Christoph Lütgert (meedia.de, Christine Lübbers) Christoph Lütgert hält die rechtlichen Aktivitäten von Carsten Maschmeyer für Einschüchterungsversuche und findet, dass er sich “nicht unbotmäßig verhalten habe”. “Maschmeyer ist eine Person der Zeitgeschichte. Da geht es nicht an, dass man das nicht darstellen kann, nur weil er sagt, dass er uns nicht antwortet. Ich finde, er ist der Öffentlichkeit Rechenschaft schuldig.”
5. “Die Lust am Lager” (katrinschuster.de)
“Die zweifellos erfolgreichste räumliche Ordnung des aktuellen Fernsehens” sei das Lager, schreibt Katrin Schuster, ganz gleich, ob man den jeweiligen Raum nun als “Bandhouse”, “Dschungelcamp” oder “Model-WG” tituliere. Dieses “‘Ist schon okay, wenn ihr das guckt, das tue ich doch auch’ der Journalisten, das sich mittlerweile als Umgang mit solchen Sendungen durchgesetzt” habe, kann sie nicht mehr hören. “Denn gerade Zynismus scheint mir in diesen Fällen keine angemessene Haltung, und ein Journalist, der solche Äußerungen ernst meint, hat imho seinen Beruf komplett verfehlt.”
6. “Schade, Deutschland, ich bin weg” (taz.de, Cigdem Akyol)
“Deutschland ist längst kein Einwanderungsland mehr, sondern Auswanderungsland. Vor allem die Qualifizierten gehen – Deutsche wie andernorts Geborene -, die weniger Qualifizierten bleiben.”
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1. “Spiegel Online, abgesoffen” (freischreiber.de)
Die Freischreiber fragen sich, warum neben einer offensichtlich redaktionell erarbeiteten Meldung im Wirtschaftsressort von Spiegel.de, in der es um eine Unterwasserleitung von ABB geht, der Button “powered by ABB” steht.
2. “Fall Polanski: Warten, frieren und sich im Rampenlicht aufwärmen für den grossen Tag” (binz-krisenblog.blogspot.com, Roland Binz)
Falls Sie sich fragen, was Journalisten gerade tun – sie sitzen in Gstaad und warten in der Kälte auf einen vielleicht bald mal erscheinenden Chaletbesitzer: “Seit mehr als einer Woche belagern Journalisten aus aller Welt das Umfeld des Anwesens von Roman Polanski, der in Auslieferungshaft sitzt und nun vorerst in den Hausarrest verschoben werden soll.”
3. “Mit Macht auf Sendung” (freitag.de, Walter van Rossum)
Walter van Rossum kritisiert die Rudelbildung von Journalisten. “Wer die Routinen medialer Betriebe ein wenig aus der Nähe kennt, weiß, dass Konformismus die sicherste Währung ist: Rudelbildung bietet den größten Schutz.”
4. “Post von den ‘Interview People'” (interviewsfuehren.wordpress.com, Christian Thiele)
Christian Thiele hat Post erhalten von den “Interview People” aus Freising: “Auf gut Deutsch würde ich sagen: Die übersetzen und verhäkseln und vermanschen und verpanschen Interviews aus deutschen Medien und verticken sie ins Ausland. Und andersherum.”
6. “Trollforschung aktuell” (saschalobo.com)
Sascha Lobo wird spätabends überraschend von Trollen heimgesucht. Seine Analyse: “Es handelt es sich bei den meisten Trollereien um eine Fortsetzung des Klingelstreichs mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts.”
“Wir wollen die Berichterstattung im Panorama-Ressort verstärken und originärer machen”, sagte 2006 der damalige “Spiegel Online”-Chefredakteur Matthias Müller von Blumencron der “taz”. Anlass des Interviews war Blumencrons Entscheidung, die “Bild”-Unterhaltungschefin Patricia Dreyer zur Leiterin des “Panorama”-Ressorts zu machen.
Blumencron ist inzwischen Co-Chef des großen “Spiegel”, Dreyer hält im “Panorama” gemeinsam mit boulevarderprobtenKollegen aber weiterhin die Zügel in der Hand.
Blumencrons Entscheidung hat “Spiegel Online” verändert. “Panorama” ist inzwischen einer der wichtigsten Bestandteile der Plattform. Nur das “Politik”-Ressort beschäftigt mehr feste Redakteure, auf der Startseite kommen die bunten Nachrichten als erstes nach den Hauptmeldungen. In der Woche vom 4. Juni bis zum 10. Juni kamen genau 101 der 630 deutschsprachigen Meldungen auf Spiegel Online aus dem “Panorama”-Ressort, knapp 16 Prozent.
Originär allerdings ist “Panorama” keineswegs: In der ganzen Woche veröffentlichten die sieben Redakteure gerade einmal 4 Online-Artikel, die grundlegend neu waren: Über eine vermisste Studentin, ein Bericht von einem Gerichtsverfahren, eine Reportage über Zwangsehe und eine Serie von Liebhabern der alten deutschen Währung. Titel: “Ich mag die Mark“.
Knapp 96 % der veröffentlichten Artikel in der vergangenen Woche hingegen waren Protokolle von Pressekonferenzen, Zweitverwertungen ausländischer Boulevard-Nachrichten, oder – zum großen Teil – umgeschriebene Agenturmeldungen. Vier Meldungen stammen aus dem Print-“Spiegel”.
Und welche Themen behandelte “Panorama” vom 4. bis 10. Juni?
Mord, Totschlag & Amoklauf: 28 Artikel,
darunter “Der Unbekannte im Müllsack“
Im Interview mit dem “Standard” sagte SpOn-Chefredakteur Rüdiger Ditz vor einigen Monaten, die Unterschiede zwischen “Spiegel Online” und Bild.de seien ähnlich groß wie zwischen Print-“Bild” und Print-“Spiegel”. Das Verhältnis beschrieb er folgendermaßen:
1. Buhrufe für Weimer bei Buchmesse-Eröffnung (tagesschau.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sei bei seiner Eröffnungsrede auf der Leipziger Buchmesse vom Publikum lautstark ausgebuht, sein Auftritt von massiven Protesten vor dem Gebäude begleitet worden. Grund dafür sei sein umstrittener Ausschluss dreier linker Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis aufgrund geheimer Erkenntnisse des Verfassungsschutzes. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels habe gewarnt, die Branche lasse sich durch solche politischen Interventionen weder einschüchtern noch spalten.
2. Abstreiten, angreifen, ablenken (taz.de, Timm Kühn)
Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU) drohe dem “Tagesspiegel” mit einer Klage, nachdem die Redaktion gravierende Widersprüche bei Wegners Krisenmanagement während eines großen Stromausfalls nach einem Brandanschlag aufgedeckt habe (beim “Tagesspiegel” nur mit Abo lesbar). Wegner habe seinen umstrittenen Ausflug auf den Tennisplatz zunächst mit vielen intensiven Telefonaten am Vormittag gerechtfertigt, was die vom “Tagesspiegel” per Klage erstrittenen Dokumente der Senatskanzlei jedoch widerlegt hätten. “taz”-Redakteur Timm Kühn hält die Klageandrohung für ein gezieltes, populistisches Ablenkungsmanöver.
3. Wer auftaucht, ist von Interesse (lto.de, Felix W. Zimmermann)
Das Landgericht Frankfurt am Main habe einen Unterlassungsantrag der deutschen Unternehmerin Nicole Junkermann abgewiesen und damit entschieden, dass Medien des Axel-Springer-Verlags rechtmäßig über Junkermanns Kontakte zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein berichten durften. Felix W. Zimmermann kommentiert: “Nicht jede private Kommunikation mit Epstein ist von überwiegendem öffentlichem Interesse – fraglos aber jene, die zeigt, wie Personen in Epsteins Netzwerk seine Taten relativieren, verharmlosen oder unterstützen und Einblicke in Strukturen, Mechanismen und Verantwortlichkeiten eines solchen Machtgefüges ermöglicht.”
Weiterer Lesetipp: Gericht weist Lilly Beckers Klage gegen Springer-Verlag ab: “Lilly Becker warf »Bild«-Unterhaltungschefin Tanja May Vertragsbruch vor und zog vor Gericht. Nun wurde Ihre Forderung nach einer Vertragsstrafe abgelehnt.” (spiegel.de)
4. “Wir erklären, warum Medien die Fehler machen, die sie machen” (dfjv.de, Gunter Becker)
Gunter Becker hat sich mit Alexander Graf unterhalten, dem Chefredakteur und Geschäftsführer des Medienmagazins “Übermedien”. Anlass des Gesprächs ist das zehnjährige Bestehen des Onlinemagazins. Graf erklärt im Gespräch die grundlegende Philosophie von “Übermedien”: Man verstehe sich nicht als reines Branchenblatt für Medienschaffende, sondern wolle in erster Linie dem normalen Publikum erklären, wie Medien funktionieren und warum dort regelmäßig Fehler passieren.
Weiterer Lesetipp: Bei “turi2” hat Björn Czieslik mit Frederik von Castell, dem Chefredakteur des “medium magazins”, über die umfassende strategische Neuausrichtung des Fachblatts gesprochen. Die Publikation wandle sich zum Digitalmedium: “Als ich 2024 beim ‘medium magazin’ losgelegt habe, wussten wir auch alle: Wir wollen viel mehr sein. Es passt nicht mehr zu den Wünschen unserer Abonnentinnen und Abonnenten, zu unserem Anspruch als Redaktion, alle zwei, drei Monate zu erscheinen.” (turi2.de)
5. POP: Sechs europäische Organisationen bündeln Kräfte gegen Desinformation (correctiv.org)
Sechs europäische Organisationen, darunter die Redaktion von “Correctiv”, hätten das EU-finanzierte Projekt “POP” ins Leben gerufen, um die Medienkompetenz in ländlichen Regionen sowie bei älteren Menschen in Deutschland, Italien, Kroatien und Spanien gezielt zu stärken. Hintergrund sei die wachsende Gefahr durch Desinformation und KI-Fakes. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, plane die Initiative ab dem Frühjahr 2027 in europaweit 20 ländlichen Regionen zweitägige Pop-Up-Events.
6. Der größte Scam Deutschlands (den alle ignorieren) (youtube.com, Mats Schönauer, Video: 27:24 Minuten)
Mats Schönauer hat sich einer bemerkenswert großen Herausforderung gestellt: “Seit Jahrzehnten verdienen sie Milliarden damit, die Privatsphäre von Menschen zu verletzen und gutgläubige Leserinnen zu betrügen: die bunten Blätter der Klatschpresse. Ich habe ALLE Titelseiten der deutschen Yellow Press eines ganzen Jahres analysiert – 5.000 Schlagzeilen über 830 Prominente.”
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.
7. Reuters enthüllt Banksys Identität (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:33 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die “Enttarnung” des Künstlers Banksy durch eine Reuters-Recherche: “Die Frage ist doch: Was genau gewinnt irgendjemand, wenn er den bürgerlichen Namen von Banksy kennt? Versteht man dann seine Kunst besser? Nein. Wird die Welt informierter? Nein. Das Einzige, was passiert: Ein Mann, der mächtige Leute kritisiert – Diktatoren, Kriegstreiber, Konzerne -, dieser Mann ist jetzt identifizierbar.”
1. Weimer trennt sich vorläufig von Verlagsanteilen (tagesschau.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gebe seine Anteile an der Weimer Media Group (WMG) für die Dauer seiner Amtszeit treuhänderisch ab und verzichte auf Gewinnausschüttungen. Hintergrund sind Berichte über den von der WMG veranstalteten Ludwig-Erhard-Gipfel, bei dem zahlende Teilnehmer womöglich Einfluss auf politische Entscheidungsträger erhalten könnten, was Weimer zurückgewiesen habe. Die bayerische Staatsregierung prüfe zudem, ob die staatliche Förderung der Veranstaltung fortgesetzt werden soll.
Weiterer Lesetipp: Ehefrau von Weimer lehnt plötzlich Verfassungsorden ab: “In die Affäre um Kulturstaatsminister Wolfram Weimer kommt Bewegung. Nun tritt auch seine Co-Gesellschafterin, seine Ehefrau Christiane Goetz-Weimer, von einer bedeutenden Auszeichnung zurück.” (t-online.de, Daniel Mützel & Carsten Janz & Annika Leister)
2. Brandenburg macht Weg für Reform von ARD und ZDF frei (dwdl.de, Alexander Krei)
Wie Alexander Krei bei “DWDL” berichtet, habe Brandenburg als letztes Bundesland dem Reformstaatsvertrag für ARD, ZDF und Deutschlandradio zugestimmt. Die Reform, die zum 1. Dezember in Kraft treten soll, sehe die Einstellung mehrerer Spartensender, die Reduzierung der Hörfunkwellen, eine Beschränkung von öffentlich-rechtlichen Textangeboten im Internet und eine Deckelung der Sportrechtekosten vor. Zudem sollen die Anstalten stärker zusammenarbeiten, eine gemeinsame digitale Plattform aufbauen und Kooperationen mit privaten Anbietern eingehen.
3. Was plant die EU-Kommission bei KI und Datenschutz? (netzpolitik.org, Ingo Dachwitz & Daniel Leisegang)
Ingo Dachwitz und Daniel Leisegang haben ein Erklärstück mit den wichtigsten Fragen und Antworten zum “Digitalen-Omnibus“-Gesetzespaket der EU-Kommission verfasst. Entlang zentraler Fragen (KI-Verordnung, DSGVO-Lockerungen, Cookies/Präferenzsignale, Gerätezugriffe, Betroffenenrechte) fassen sie die Positionen von Politik, Industrie und Zivilgesellschaft zusammen und erklären das weitere Gesetzgebungsverfahren.
4. dju mahnt Polizei zu Zurückhaltung: Schutzbereich der Pressefreiheit gilt auch für Wohnungen und journalistische Kommunikationsmittel (dju.verdi.de)
Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi begrüßt den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zur Durchsuchung bei einem Mitarbeiter von Radio Dreyeckland als wichtige Klarstellung zum Schutzbereich der Rundfunk- und Pressefreiheit. Der Schutz gelte nicht nur für Redaktionsräume, sondern auch für Homeoffice und dienstlich genutzte Geräte wie Laptops und Handys, auf denen Recherchen und Quellenkontakte stattfinden. Staatsanwaltschaften und Polizei müssten dies zwingend berücksichtigen, um wichtige Grundsätze wie den Quellenschutz und das Redaktionsgeheimnis nicht zu gefährden.
5. Mit KI gegen Femizide? (blaetter.de, Sonja Peteranderl)
Sonja Peteranderl zeigt, wie KI-gestützte Risikoanalysen und elektronische Fußfesseln Gewalt gegen Frauen früher erkennbar machen sollen, und veranschaulicht am Beispiel Spaniens sowohl Chancen als auch gravierende Fehlbewertungen. In Deutschland gebe es einen Flickenteppich aus uneinheitlichen Risikotools, Plänen für präventive Fußfesseln und dem neuen Gewalthilfegesetz. Nötig seien klare Standards, unabhängige Kontrollen und ein umfassender gesellschaftlicher Wandel.
6. Instagram, der gruselige Spiegel (taz.de, Eva Fischer)
Eva Fischer beschreibt, wie der Instagram-Algorithmus ihren Alltag, ihre Interessen und sogar ihre Beziehungsphasen erstaunlich genau erkennt und damit oft mehr über sie zu wissen scheint als Freundinnen und Freunde. Sie sieht die Schattenseiten wie Dopaminsucht, Schlafmangel und Echokammern, empfindet die App aber trotzdem als “mein persönliches Guilty Pleasure”: “Ja, das ist gruselig. Aber es ist auch irgendwie schön.”
1. Liebe Kolleginnen und Kollegen vom SPIEGEL. Was ist da passiert? (facebook.com, Lutz Jäkel)
Fotojournalist Lutz Jäkel wirft dem “Spiegel” vor, in einem Interview mit der syrischen Politikerin Hind Kabawat drei gravierende Fehler gemacht zu haben: die Anzahl der Todesopfer bei einem Anschlag stark herunterzuspielen, die Zahl getöteter alawitischer Zivilisten zu gering anzugeben und fälschlich zu behaupten, ein syrischer Übergangspräsident habe dem IS angehört. Zudem kritisiert Jäkel eine klischeehafte Illustration sowie die Verharmlosung der Assad-Diktatur als bloßes “Unrecht”.
In einem Update lobt Jäkel, dass die “Spiegel”-Redaktion die Fehler online korrigiert und am Ende des Artikels darauf hingewiesen habe. Er zeigt sich aber weiter irritiert, dass solche groben Fehler trotz redaktioneller Kontrolle passieren konnten.
2. Red ist russisch (taz.de)
Die Bundesregierung habe auf “taz”-Anfrage bestätigt, dass hinter der Berliner Medienplattform “Red” der russische Staat stehe und diese zur gezielten Spaltung der Gesellschaft in Deutschland nutze. “Red” gebe sich als unabhängig aus, sei laut Auswärtigem Amt jedoch personell und finanziell mit dem russischen Propagandasender “RT” verflochten.
3. Wie hunderte entdeckte Fehler in der Wikipedia ihre Glaubwürdigkeit stärken (netzpolitik.org, Leonhard Dobusch)
Leonhard Dobusch lobt eine KI-gestützte Recherche der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” (nur mit Abo lesbar), die zahlreiche Fehler in Wikipedia-Artikeln aufgedeckt hat, als konstruktiven Beitrag zur Qualitätsverbesserung der Online-Enzyklopädie. Die Wikipedia-Community habe die Hinweise prompt aufgegriffen und Korrekturen eingeleitet. Fehler zu finden und zu beheben sei nicht nur unvermeidlich, sondern ein zentraler Beleg für die Glaubwürdigkeit der Plattform.
4. EU-Kommission muss handeln (djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert von der EU-Kommission entschlossenes Handeln gegen Ungarn, nachdem Journalisten der regierungskritischen Zeitung “Magyar Hang” vom ungarischen Geheimdienst verhört und offenbar an einen Lügendetektor angeschlossen worden seien. Der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster spricht von einem Einschüchterungsversuch, der europäischen Grundwerten widerspreche. Brüssel dürfe das Vorgehen nicht dulden.
5. “Die traditionellen Intermediäre sind personell ausgezehrt” (npj.news)
In dieser Ausgabe von “3 Fragen – 3 Antworten” erklärt Kommunikationswissenschaftler Otfried Jarren, wie gemeinwohlorientierter Journalismus zur Stärkung lokaler Demokratie beitragen kann. Er betont, dass Lokaljournalismus sich stärker an partizipativen Formaten orientieren und mit vielfältigen gesellschaftlichen Gruppen vernetzen müsse, um relevant zu bleiben. Für die Zukunft fordert er neue Allianzen zwischen Kommunen, Zivilgesellschaft und Non-Profit-Medien.
6. Burda bringt selbst entwickelte KI-Plattform auf den Markt (dwdl.de, Timo Niemeier)
Timo Niemeier berichtet, dass der Burda-Verlag seine eigene KI-Plattform “Aissist” ab sofort auch externen Unternehmen als lizenzierbare Software anbiete. Die Plattform kombiniere Dienste wie OpenAI, DeepL und Anthropic und solle etwa bei Textbearbeitung, Übersetzungen, Transkriptionen und Bildgenerierung helfen. Besonders interessant sei “Aissist” für Medienhäuser, da sie auch ganze Geschäftsprozesse automatisieren könne.