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Hopfen und Malz

Als man im Jahr 2001 beim Axel Springer Verlag die “Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika” in die Arbeitsverträge aufgenommen hat, hat man offenbar eines versäumt. Nämlich, den Redakteuren bei “Bild” ein wenig politisches Allgemeinwissen über die USA zu vermitteln. Wir wollen das heute gerne nachholen:

In den USA gibt es zwei dominierende politische Parteien, die Demokraten und die Republikaner. William Jefferson Blythe Clinton war Präsidentschaftskandidat der Demokraten. George Walker Bush (Sie wissen schon, der amtierende Präsident der USA) ist quasi von Haus aus Republikaner und der leibliche Sohn von Clintons Vorgänger, George Herbert Walker Bush.

Was also stimmt im “Bild”-Text zum heutigen “Gewinner des Tages” nicht — abgesehen davon, dass Clinton bereits am 16. Juni in David Lettermans “Lateshow” das “enthüllte”, was ihn für “Bild” nun, einen knappen Monat später, zum Gewinner des “Tages” macht? (Zur Vereinfachung haben wir die fragliche Passage optisch hervorgehoben):

Insofern, liebe Presseagentur AP, vergessen Sie doch unsere Bitte von gestern einfach. Es hat ja offenbar doch keinen Sinn. Es sei denn, man hält es schon für einen Fortschritt, dass Bild.de den Fehler nachträglich und klammheimlich berichtigt hat.

Falsche Falschmeldungsmeldung

Falschmeldungen gibt es natürlich nicht nur in “Bild”. Auch im “Spiegel” stand vor knapp drei Wochen eine “fehlerhafte Meldung”. Und im Anschluss daran wurde andernorts eifrig spekuliert und/oder dementiert, wie es dazu kommen konnte, dass der “Spiegel” ein geplantes Treffen prominenter Medienleute, Künstler und Schriftsteller im Kanzleramt vermeldet hatte, zu dem die genannten Personen offenbar z.T. noch gar nicht eingeladen waren. Klaus Staeck etwa sagte als einer der Betroffenen zur “taz”:

“Das ist für mich Schmierenjournalismus allerschlimmster Güte, wie ich ihn vom ‘Spiegel’ nie erwartet hätte, von der ‘Bild’-Zeitung schon.”

Nun ja. Aber auch “Bild” und Bild.de berichteten in der Rubrik “Berlin vertraulich”. Dort hieß es am 23. Juni zu der “vorzeitig publik” gewordenen Einladung:

“Im Kanzleramt wird nach dem Schuldigen gesucht.”

Anschließend zitierte “Bild” den Journalisten Heiko Gebhardt (laut “Bild” ein “Schröder-Freund” und “einer der Verdächtigen”) mit den Worten:

“Ich war’s nicht. Hab’ gar keine Zeit, muss hier ein Blatt machen.”

Mit anderen Worten: Nach der “Bild”-Lektüre hätte man den Eindruck haben können, Gebhardt würde insbesondere vom Kanzleramt verdächtigt, die Information über das vom Kanzleramt geplante Treffen an den “Spiegel” lanciert zu haben. Und sah es nicht auch ganz so aus, als habe die “Bild”-Zeitung Gebhardt auf einen solchen Verdacht angesprochen und Gebhardt sich wie zitiert geäußert?

Aber so war’s wohl nicht. Im Anschluss an eine Gegendarstellung Gebhardts heißt es (bislang nur auf Bild.de, nicht in “Bild”) in einer “Richtigstellung” der Redaktion:

“Der erweckte Eindruck, Herr Gebhardt würde insbesondere vom Kanzleramt verdächtigt, die Information über ein vom Kanzleramt geplantes Treffen an den Spiegel lanciert zu haben, ist falsch. Herr Gebhardt wurde auf einen solchen Verdacht von uns auch nicht angesprochen. entsprechen hat sich Herr Gebhardt auch nicht wie zitiert geäußert.”
(Hervorhebungen von uns, Tippfehler nicht.)

Nachtrag, 14.7.2005:
Inzwischen wurde auch der Fehler in der Richtigstellung richtiggestellt.

Sie sind hübsch und

Was haben Melanie W. und Anna-Lena Grönefeld gemeinsam? Eigentlich: fast nichts. Aber eben nur fast.

Melanie W. sitzt wegen Kokainschmuggels in Brasilien im Gefängnis und hat kürzlich an der merkwürdigen Wahl zur “Miss Knast” teilgenommen. “Bild” druckte deswegen reihenweise “erotische” Fotos der 21-jährigen Berlinerin, dem “schönen Knast-Mädchen”, und berichtete:

“Brasiliens ‘Miss Knast’ ist eine Deutsche.”

Aber das stimmt nicht (wie “Bild” ja selbst weiß und schreibt: Melanie W. hat bei der Miss-Wahl in Brasilien den zweiten Platz belegt, ist also quasi “Miss Vize-Knast” [siehe “B.Z.”]).

Anna-Lena Grönefeld wiederum hat nicht nur ein “süßes Lächeln” und eine “lockere Art”, sondern auch “schlanke Beine” und einen “blonden Pferdeschwanz, der auf dem Platz hin- und herfliegt”. Ach ja: Außerdem kann die 20-Jährige gar nicht übel Tennis spielen.

“Bild” schreibt:

“Sie ist hübsch und schaffte es bis ins Wimbledon-Finale. (…) Beim Tennis-Klassiker von Wimbledon hat’s unsere Anna-Lena Grönefeld bis ins Finale geschafft! An der Seite von Martina Navratilova unterlag Anna erst im Endspiel gegen das Weltklasse-Duo Kusnezowa/Mauresmo mit 4:6, 4:6.”

Auch das ist falsch (wie zum Beispiel die “Welt am Sonntag” und dpa berichten): Grönefeld und Navratilova sind nämlich bereits im Halbfinale gegen Amelie Mauresmo und Swetlana Kusnetzowa ausgeschieden, die im Finale wiederum gegen Cara Black und Liezel Huber verloren.

Aber wer interessiert sich schon für Fakten, wenn es bloß darum geht, Fotos von gut aussehenden jungen Frauen abzudrucken? “Bild” jedenfalls nicht.

Dank für die sachdienlichen Hinweise an Sascha und Marius M.-F.

Pietätvoll

Heute Heute Heute Heute Heute Heute Heute? Am heutigen Mittwoch jedenfalls zeigt “Bild” das Foto vom Grab einer 2003 verstorbenen (und von “Bild” pietätvoll als “Gertrud Z.” anonymisierten) Frau, deren Leichnam jetzt offenbar von der Polizei exhumiert und obduziert werden muss, weil “Gertrud Z.” möglicherweise einem Mord zum Opfer fiel. Das “Bild”-Foto von Grab und Grabstein sieht so aus:

Ach ja: Der schwarze Balken überm Familiennamen von “Gertrud Z.” stammt nicht von “Bild”, sondern wurde von uns nachträglich hinzugefügt.

Mit Dank an Marian S. für Hinweis und Scan.

Nachtrag, 25.9.2005:
Den Ort, an dem sich das Grab befindet, haben wir nachträglich ebenfalls mit einem schwarzen Balken unkenntlich gemacht.

Deutschlands dümmste…

Heute steht in verschiedenen “Bild”-Ausgaben ein Artikel der folgendermaßen überschrieben ist:

Und tatsächlich wurde die 8e der Oppenheim-Oberschule in Berlin Charlottenburg aufgelöst, weil von 22 Schülern 15 sitzen blieben. Von einem dieser Schüler zeigt “Bild” ein Foto, auf dem der Junge mehr oder weniger unkenntlich gemacht wurde. “Bild” nennt ihn “Ronny” mit dem Hinweis, dass der “Name geändert” wurde. Das ist ja auch nett. Wenn man nur Sechsen im Zeugnis hat, will man schließlich nicht auch noch seinen Namen in der Zeitung lesen.

Dumm nur, dass man bei “Bild” dafür gesorgt hat, dass “Ronny” sein Zeugnis geradewegs in die Kamera hält. Und oben auf diesem Zeugnis steht gut lesbar “Ronnys” echter vollständiger Name. (Etwas besser ist das übrigens in der “Bild” Berlin/Brandenburg gelöst. Dort wurde der volle Name auf dem Zeugnis geschwärzt, und der echte Vorname steht im Text.)

Nun wird die “Bild”-Berichterstattung über “Ronny” zwar wahrscheinlich (oder: hoffentlich) keine unangenehmen Folgen für ihn haben. Aber “Bild” verfährt auch in anderen Fällen so schlampig. Am 16. Juni beispielsweise, stand dieser Artikel über eine angebliche “Behörden-Schande” in “Bild”. Dazu druckte das Blatt “das herzlose Schreiben der Arbeitsagentur” ab. Darauf wurde zwar der Name der Empfängerin unleserlich gemacht — der Nachnamen des Sachbearbeiters oder der Sachbearbeiterin allerdings, der ließ sich mit wenig Mühe entziffern. Übrigens samt Telefon- und Faxnummer der zuständigen Behörde. Und das ist nun wirklich dumm.

Mit Dank an Alain K. und auch für den Scan an Stefan L.

Xishuangbanna und Engesohde

Anlässlich des 70. Geburtstags von “Monopoly” lüftet “Bild” insgesamt “10 echte Monopoly-Geheimnisse”.

Geheimnis Nr. 4 lautet:

“Wußten Sie..?
…daß insgesamt über 200 Millionen Exemplare verkauft worden sind (…)? Die Fläche aller Spielbretter aneinandergelegt ergibt eine Fläche größer als Asien. (…)”

Und wir müssen gestehen, das wussten wir nicht – was aber möglicherweise daran liegt, dass es nicht stimmt: Denn laut “Bild” ist dieses Asien dann entweder nicht größer als Bühlerzell, Bendorf (genauer gesagt, Bendorf und die VG Vallendar) oder das Ganlan Becken von Xishuangbanna, oder ein einzelnes Monopolyspielbrett ist ungefähr so groß wie der Stadtfriedhof Engesohde.

Mit Dank an Sebastian P. und Elmar G. fürs Vorrechnen.
 
Nachtrag, 13:00 (mit Dank an Joachim K. und Andreas G.):
Dass “Bild” den falschen Asien-Vergleich womöglich ungeprüft von einer Monopoly-Werbewebsite abgeschrieben haben könnte, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil.

Nachtrag, 15:30 (mit Dank an Lukas S. und Daniel D.):
Der Asien-Vergleichsbeauftragte von “Bild” hat seinen Dienst angetreten und das falsche “Geheimnis” geändert. Jetzt heißt es bei Bild.de:

“Wußten Sie..?
…daß insgesamt mehr als 250 Millionen Exemplare verkauft worden sind? Alle Spielbretter aneinandergelegt ergeben eine Strecke, die dreimal länger als der Umfang der Erde ist (250 Millionen Stück x 0,50 Meter Spielfeldbreite = 125 Millionen Meter oder 125.000 Kilometer. Das ist mehr als dreimal soviel wie der Erdumfang von 40.076,592 Kilometern).”

PS: Schade nur, dass der Asien-Vergleichbeauftragte nicht zufälligerweise auch Papst-Experte ist. Denn dann hätte er bestimmt auch an dieser Meldung was korrigiert, oder?

Nachtrag, 16:17 (mit Dank an Stefan B.):
Ach ja: Und dass das “Monopoly-Geheimnis” Nr. 8 so stimmt, darf offenbar ebenfalls bezweifelt werden.

Nachtrag, 16:44:
Jetzt hat auch der Papst-Beauftragte von “Bild” seinen Dienst angetreten und diese Papst-Sache geändert.

  

Post ohne Ende!

Vorerst zum letzten Mal: Einsendungen aus unserer Aktion “Macht Reklame für BILDblog!” Danke an alle! Jetzt sind wir dran…


Eingesandt von Peter B.


Eingesandt von Malcolm B.


Eingesandt von Malcolm B.


Eingesandt von Isabelle B.


Eingesandt von Christoph S.


Eingesandt von Christoph S.


Eingesandt von Jan B.


Eingesandt von Jonathan W.


Eingesandt von Jonathan W.


Eingesandt von Maik.


Eingesandt von André K.


Eingesandt von Kai N.


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Eingesandt von Timo I.


Eingesandt von Timo F.


Eingesandt von Markus.


Eingesandt von Danijela D.


Eingesandt von Felix S.


Eingesandt von Daniel D.


Eingesandt von Daniel D.


Eingesandt von Daniel D.


Eingesandt von Cord-C. B.


Eingesandt von Mademoiselle A.


Eingesandt von Peter B.


Eingesandt von Daniel S.


Eingesandt von Christian H.


Eingesandt von Annabell P.


Eingesandt von Annabell P.


Eingesandt von Annabell P.


Eingesandt von Michael V.

 

Noch eine Woche mit “Bild”…

“Wenn alle mitmachen, werden die nächsten vier Jahre ganz sicher so erfolgreich wie die vergangenen vier Jahre.”
(“Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann am 1.11.2004)

Es ist noch nicht so lange her, da hatte man ja noch rückblickend denken können, zwei Einstweilige Verfügungen gegen “Bild” sowie die Veröffentlichung von zwei Gegendarstellungen und allerhand schlechte Presse in einer einzigen Woche seien vielleicht ein bisschen viel gewesen.

Jetzt, eine Woche später, wissen wir’s besser. Denn hinzugekommen sind inzwischen: eine Unterlassungserklärung (nach der “Bild” künftig nicht mehr, wie geschehen, angebliche Fotos aus der Krankenakte von Gregor Gysi veröffentlichen wird), eine große Gegendarstellung (wonach, wie “Bild” selbst eingesteht, ein Bericht über Claudia Roth “jeglicher Grundlage” entbehrte) sowie weitere zwei Gegendarstellungen (in denen der NDR falsche Berichte zum Eurovision Song Contest richtig stellt).

Ach ja, in der “Süddeutschen Zeitung” stand am Samstag zudem eine Art Ausblick in die Zukunft. Dort nämlich hieß es:

“Die 24. Zivilkammer des Landgerichts Hamburg erließ am Donnerstag auf Antrag von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt eine einstweilige Verfügung, der zufolge das Blatt einen Bericht über Beförderungen im Berliner Ministerium auf der Titelseite über dem Bruch, also in der oberen Hälfte, gegendarstellen soll.”

Bastelstunde (Wahlkampf III)

“Hartz IV-Empfänger bekommen zuviel Geld”

Mit dieser brisanten Überschrift versucht Bild.de heute eine “These” des Berliner SPD-Politikers Thilo Sarrazin zusammenzufassen. Der Internet-Ableger der “Bild”-Zeitung beruft sich dabei auf die heutige Ausgabe ihrer Berliner Schwesterzeitung “B.Z.”, die anlässlich einer am Montag gehaltenen Rede “vor 170 Wirtschaftsbossen” über Sarrazin berichtet.

Wie in der “B.Z.” zitiert Bild.de den SPD-Mann zunächst so:

“Wie jeder weiß, liegt der Marktlohn für ungelernte Tätigkeiten in Berlin gegenwärtig bei 4 bis 5 Euro.”

Anschließend aber heißt es in der “B.Z.”:

“Ein Hartz-IV-Empfänger müßte nach der Logik des Arbeitsmarktes aber darunter liegen, so Sarrazin.”
(Hervorhebung von uns.)

Bei Bild.de jedoch steht:

“Nach Meinung des Politikers müßte ein Hartz-IV-Empfänger darunter liegen.”

Das ist ein Unterschied. Aber noch nicht alles. Denn abgesehen davon, das Bild.de in die Meldung (mit den Worten “Sarrazin weiter:”) noch ein weiteres Zitat montiert, das der Politiker zwar am selben Tag aber an anderem Ort (laut “B.Z.” nämlich “im Senat”) gesagt hat, folgt in der Online-Version von “Bild” ein dritter O-Ton Sarrazins. Er lautet:

“Das geht los mit dem Auto. Das muß weg, das muß kleiner werden. Es geht weiter mit den Wohnungen. Die muß sich auch ein bißchen verkleinern. Und beim Essen gibt es weniger Wurst.”

Und, ja: Auch das hat Sarrazin gesagt – allerdings nicht vor den “Wirtschaftsbossen”, nicht im Senat, nicht am Montag. Das Zitat stammt auch nicht aus der “B.Z.”, zumindest nicht aus der von heute. Gesagt hat Sarrazin das vielmehr in einer TV-Talkshow des damaligen SFB vom 11.11.2002. Außerdem ging es damals, vor zweieinhalb Jahren, überhaupt nicht um Hartz IV, wie man beispielsweise in der “B.Z.” vom 13.11.2002 nachlesen kann — im Hause “Bild” aber nicht.

Mit Dank an Ron für die Anregung.

Symbolfoto X

“Bild” versteht es nicht: Planeten außerhalb unseres Sonnensystems lassen sich nicht nur außerordentlich schwer nachweisen, sie lassen sich auch noch schlechter fotografieren. Erstens, weil sie ziemlich weit entfernt sind, und zweitens werden sie von einem sonnenähnlichen Stern, den sie umkreisen, überstrahlt. Deshalb gibt es auch keine wirklich guten Bilder von ihnen. (Es gibt überhaupt erst ein bestätigtes Foto eines extrasolaren Planeten).

“Bild” allerdings hat auf Seite eins der heutigen Ausgabe und online ein gestochen scharfes “Foto” eines “Cousins unserer Erde” (siehe obigen Ausriss) — das, anders als “Bild” im Text behauptet, gar kein Foto ist, sondern eine künstlerische Darstellung des erdähnlichen Planeten Gliese 876 d.

Auf einem Foto (sofern es möglich wäre, eins zu machen) sähe Gliese 876 d wahrscheinlich ungefähr so aus — vielleicht aber auch ganz anders und bestimmt nicht so schön rund:


Darstellung von BILDblog

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Jan W.

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