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KI-Material im “heute journal”, Altersbeschränkungen, TV-Quote

1. Mit dem Zweiten … sieht man KI-Videos
(taz.de, Martin Seng)
Das ZDF habe im “heute journal” in einem Bericht über Abschiebungen in den USA ungekennzeichnetes KI-Videomaterial verwendet, was einen schweren Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht darstelle. Nachdem der Sender zunächst von einem technischen Versehen gesprochen habe, sei die entsprechende Sendung zwischenzeitlich gelöscht und der Fehler von der Chefredaktion eingeräumt worden. Martin Seng schreibt dazu in der “taz”: “Der ÖRR muss Seriosität und Faktentreue bieten, verletzt in diesem Fall aber seine eigenen Standards. Noch dazu bedienen solche Fehler das trumpsche Narrativ der Fake News und schädigen das Vertrauen in den Journalismus allgemein.”
Nachtrag: ZDF entschuldigt sich im ‘heute journal’ bei Zuschauern: “‘Dieser Beitrag entsprach nicht unseren hohen Standards’: Die stellvertretende ZDF-Chefredakteurin hat sich im ‘heute journal’ an das Publikum gewandt. Hintergrund war ein ‘Doppelfehler’ des Senders.” (spiegel.de)

2. Auch Unionspolitiker für Social-Media-Beschränkung
(tagesschau.de)
Nach einem Vorstoß der SPD würden nun auch führende Unionspolitiker wie NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Fraktionschef Jens Spahn strengere Altersbeschränkungen für Soziale Medien fordern, um die psychische Gesundheit junger Menschen besser zu schützen. Trotz der grundsätzlichen Einigkeit in der schwarz-roten Koalition wolle die Bundesregierung einem Sprecher zufolge zunächst die Ergebnisse einer Expertenkommission im September abwarten, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen werde.

3. Kampf um Mei­nungs­f­rei­heit darf nicht am Geld schei­tern
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Felix W. Zimmermann kritisiert, dass die enormen Prozesskosten im deutschen Äußerungsrecht faktisch die Meinungsfreiheit einschränken würden. Oft könnten sich nur wohlhabende Personen oder große Medienhäuser die juristische Gegenwehr gegen Abmahnungen leisten. Ursächlich seien vor allem schematisch zu hoch angesetzte Streitwerte durch die Gerichte sowie die Praxis, Ansprüche wie Unterlassung und Gegendarstellung separat abzurechnen. Dieses Vorgehen treibe das Kostenrisiko selbst bei Bagatellfällen in die Höhe.

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4. Kann die AfD den MDR abschalten?
(flurfunk-dresden.de)
Im “Politik-Podcast” des MDR Sachsen sei analysiert worden, ob die AfD im Falle einer Regierungsbeteiligung den öffentlich-rechtlichen Sender tatsächlich abschalten könnte. Die befragten Experten hätten klargestellt, dass aufgrund einer zweijährigen Kündigungsfrist keine sofortige Schließung möglich sei. Juristen hätten zudem betont, dass der Staat verfassungsrechtlich zur Gewährleistung einer unabhängigen Grundversorgung verpflichtet sei. Die vagen AfD-Pläne für einen steuerfinanzierten “Grundfunk” seien rechtlich kaum haltbar.

5. Erschreckende Zahlen: Journalismus zwischen Burnout und Berufung
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 29:37 Minuten)
Alexander Matzkeit diskutiert in seinem Podcast “Läuft” mit der Medienwissenschaftlerin Anna von Garmissen über die prekären Arbeitsbedingungen im Journalismus, die zunehmend zu einer Flucht aus dem Beruf führen würden. Basierend auf aktuellen Studien stellen sie fest, dass über die Hälfte der Befragten ein erhöhtes Risiko für Burnout und Depressionen aufweise.

6. Plausibel oder problematisch: Stößt die TV-Quote an ihre Grenzen?
(dwdl.de, Alexander Krei)
Alexander Krei thematisiert die anhaltende Ratlosigkeit der TV-Branche über massive Quoteneinbrüche bei Kindersendern im Januar. Er wertet die Vorfälle als Warnschuss, der eine offene Debatte über die Belastbarkeit der TV-Quoten in Zeiten fragmentierter Mediennutzung unumgänglich mache.

Medien im Trump-Fieber?, Palantir vs. “Republik”, Ofarim-Plattform RTL

1. Medien im Trump-Fieber?
(deutschlandfunk.de, Sascha Wandhöfer, Audio: 49:51 Minuten)
“Jeden Morgen neue Nachrichten aus den USA. Das nervt viele Hörerinnen und Hörer. Und sie finden: Oft sind Berichte zu oberflächlich, geben Lügen des US-Präsidenten zu unkritisch weiter. Sind die Medien im Trump-Fieber?” Über diese Frage diskutieren beim Deutschlandfunk Rieke Havertz von der “Zeit”, ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen und Medienjournalist Klaus Raab.

2. Überwachungskonzern Palantir verklagt die “Republik”
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Markus Reuter schreibt, dass der US-Überwachungskonzern Palantir gerichtlich gegen das Schweizer Magazin “Republik” vorgehe. Das Unternehmen wolle eine Gegendarstellung zu einer Recherche erzwingen, die Sicherheitsrisiken und die Ablehnung der Software durch die Schweizer Armee thematisiert habe. “Republik” habe aufgedeckt, dass das Schweizer Militär eine Zusammenarbeit wegen der Gefahr eines nicht verhinderbaren Datenabflusses an US-Geheimdienste ausgeschlossen habe.

3. Muss man für ein Volontariat beim ZDF bereits Influencer sein?
(dwdl.de, Simon Pycha)
Wie Simon Pycha berichtet, habe das ZDF mit der Abfrage von Follower-Zahlen im Bewerbungsverfahren für Volontariate eine hitzige Debatte ausgelöst. Kritiker würden befürchten, dass journalistische Kompetenz zunehmend durch bloße Selbstdarstellung und Reichweite ersetzt werden. Von Seiten des öffentlich-rechtlichen Senders heiße es zur Verteidigung, die Follower-Angabe sei kein Ausschlusskriterium, sondern solle als alternativer Kompetenznachweis für Bewerberinnen und Bewerber dienen.

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4. Lesen und lesen lassen
(taz.de, Tilman Baumgärtel)
Tilman Baumgärtel beklagt in seinem Essay, dass elaborierte Kulturtexte in der heutigen Aufmerksamkeitsökonomie kaum noch Resonanz fänden, da die Reichweite von Printmedien schwinde, und Social-Media-Algorithmen differenzierte Inhalte systematisch benachteiligen würden. Debatten entstünden heute zunehmend durch virale Posts in Sozialen Netzwerken statt durch das klassische Feuilleton. Dies führe dazu, dass Autorinnen und Autoren ihre komplexen Texte nun in verkürzten Videoformaten anteasern müssen, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden.

5. News-Podcasts: Kompass für den Krisenmodus
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Laut einer aktuellen Audio-Studie von Seven.One seien News-Podcasts im Jahr 2025 zum meistgehörten Genre im deutschsprachigen Raum avanciert und hätten mit knapp 40 Millionen Downloads sogar Comedy und True Crime überholt. Dieser Zuwachs werde maßgeblich durch das permanente gesellschaftliche Krisenklima getrieben. Internationale Studien würden diesen Trend bestätigen.

6. Wieso hat RTL Gil Ofarim so leicht davonkommen lassen?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 21:46 Minuten)
TV-Kritikerin Anja Rützel äußert im “Übermedien”-Podcast ihr Entsetzen darüber, dass Gil Ofarim jüngst das RTL-Dschungelcamp gewonnen habe, obwohl er zuvor durch falsche Antisemitismus-Vorwürfe gegen einen Hotelmitarbeiter in einen Skandal verwickelt gewesen sei. Rützel wirft dem Sender vor, Ofarim eine Plattform für Unwahrheiten geboten zu haben, ohne diese in der Sendung selbst einzuordnen.

7. Wenn im Journalismus Sprache versagt
(oe1.orf.at, Rosanna Atzara & Stefan Kappacher, Audio: 30 Minuten)
Zusätzlicher Link, da mit eigener Beteiligung: Beim österreichischen Medienmagazin “Doublecheck” (Ö1) geht es um die unreflektierte Übernahme von Euphemismen und Verschleierungen durch Medien. Insbesondere bei der Berichterstattung über Femizide würden Fachleute wie Corinna Milborn neben dem “6-vor-9”-Kurator eine voyeuristische Täterperspektive bemängeln: “Stellen Sie sich vor, jeden Tag würde ein Banker von einem Kunden erschossen, weil der sein Geld verloren hat. Würden wir das ‘Finanzstreit’ nennen? Oder ‘Bankentragödie’?”

“Volksverpetzer” gegen Musk, TikTok-Deal, Medienmacht der Milliardäre

1. Volksverpetzer gegen Musk & X – das passierte vor Gericht!
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Vor dem Landgericht Frankfurt wurde die erste mündliche Verhandlung im Verfahren “Volksverpetzer” gegen X/Twitter geführt. Dabei ging es um die Verpflichtung zur konsequenten Löschung rechtswidriger Fake-Accounts und Inhalte. X argumentiere, dies gefährde den Plattformbetrieb. Umstritten sei insbesondere, ob das eigene Meldeformular genügt und welche Pflichten sich aus dem NetzDG und dem DSA ergeben. Das für Ende Oktober erwartete Urteil könne wegweisend für Haftung und Meldeprozesse großer Plattformen in Deutschland werden, berichtet der “Volksverpetzer” in eigener Sache.

2. Trumps TikTok-Deal ist ein Geschenk an ihn selbst
(netzpolitik.org, Chris Köver)
Chris Köver kommentiert die Absicht von US-Präsident Donald Trump, TikTok in die Hände ihm nahestehender Milliardäre zu legen, die dadurch Zugriff auf App, Daten und Algorithmus erhalten würden. Das Ergebnis sei eine stärkere politische Einflussnahme und wachsende Medienkonzentration: “Für die in den USA einst so hochgehaltene Meinungsfreiheit und die Medienvielfalt verheißt das nichts Gutes. Der TikTok-Deal ist damit vor allem ein Geschenk von Trump an sich selbst.”

3. Frankreich: Die Medienmacht der rechten Milliardäre
(ardaudiothek.de, Linus Lüring, Audio: 24:17 Minuten)
“Wie verändern Milliardäre mit strategischen Übernahmen und Einfluss das Meinungsklima in Frankreich? Warum sind französische Mediengesetze hilflos gegenüber den Medienmonopolen? Welche Folgen hat die rechte Medienallianz für die Präsidentschaftswahl 2027?” Darüber spricht Linus Lüring mit der Korrespondentin Julia Borutta, die für die ARD aus Paris berichtet.

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4. Gefährliche Persönlichkeitsrechte
(taz.de, Bernhard Clasen)
Wie Bernhard Clasen in der “taz” berichtet, stoße ein ukrainische Gesetzesvorhaben zur Stärkung von Persönlichkeitsrechten auf breite Kritik, weil es weitreichende Gegendarstellungs- und Löschrechte inklusive De-Indexierung durch Suchmaschinen vorsehe. Besonders heikel seien Passagen, die Berichte ohne rechtskräftiges Urteil faktisch untersagen und das Schadenersatzrecht für “moralische Schäden” ausweiten könnten.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 249
(netzwerkrecherche.org, Greta Linde)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe beginnt mit einigen Worten von Christina Elmer, die erklärt, warum Datenrettung und ein überlegter KI-Einsatz für die Recherche immer wichtiger werden. Darüber hinaus gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

6. Ein Synchronsprecher wird durch KI ersetzt – und kämpft nun gegen Armut
(youtube.com, Poliana Baumgarten, Video: 10:21 Minuten)
In einem Videobeitrag der “Zeit” warnt der Krefelder Synchronsprecher Christoph Walter, dass KI-Stimmen seine Arbeit verdrängen und dabei sogar unerlaubte Stimmklone nutzen könnten. Er schildert starken Existenzdruck und kritisiert die Entmenschlichung durch große Tech-Konzerne sowie die ethischen Risiken entlang der KI-Produktion. Der Film zeigt auch Walters ehrenamtliches Engagement bei der Verteilung überschüssiger Lebensmittel.

Grimme-Nominierung, Zweifelhafter Ordensträger, US-Visavergabe

1. Ich habe das #GrimmeInstitut gebeten, meine Nominierung für den #GrimmeOnlineAward zurückzunehmen.
(facebook.con, Fabian Goldmann, Video: 9:40 Minuten)
Fabian Goldmann lehnt seine Nominierung für den Grimme Online Award ab. In einem sehenswerten Videostatement kritisiert er den Umgang mit der Aktivistin Judith Scheytt, der nach fragwürdigen Antisemitismusvorwürfen der Donnepp Media Award, verliehen von den “Freunden des Adolf-Grimme-Preises”, aberkannt wurde. Dies sei offenbar unter dem Druck eines Vereins und mit Hilfe eines unseriösen, KI-gestützten Gutachtens geschehen. Da das Grimme-Institut sich trotz vielfacher Verbindungen zu den Entscheidern nicht klar davon distanziere, wolle Goldmann nicht als Alibi für ein System dienen, das kritische Stimmen diffamiere statt schütze.

2. Pölzers “Bunte”: Wie wenig von den vielen Artikeln über Bastian Schweinsteiger noch übrig ist
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Boris Rosenkranz kritisiert, dass die Zeitschrift “Bunte” unter Chefredakteur Robert Pölzer wiederholt unzulässige und teils erfundene Geschichten über die Trennung von Bastian Schweinsteiger und Ana Ivanović veröffentlicht habe. Mehrere Geschichten mussten nachträglich geschwärzt oder mit einer Gegendarstellung versehen werden, da sie die Persönlichkeitsrechte der beiden Prominenten verletzten. Rosenkranz fragt, ob Pölzers publizistisches Verhalten mit der jüngst vorgenommenen Würdigung durch den Bayerischen Verdienstorden vereinbar ist.

3. Visavergabe als Druckmittel gegen Medien
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) warnt, dass die US-Regierung die Gültigkeit der Visa für ausländische Journalistinnen und Journalisten künftig stark verkürzen wolle. Diese Hürde könnte gezielt gegen kritische Medien eingesetzt werden. RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus appelliert “an alle deutschen Medienhäuser, sich von solchen Plänen nicht einschüchtern zu lassen. Wir brauchen objektive und faktenbasierte Berichterstattung über das, was in den USA passiert!”

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4. Wird es den Medien zu heiß?
(journalist.de, Anna Scheld)
Um den Klimajournalismus in Deutschland stehe es schlecht, findet Anna Scheld. Obwohl die Klimakrise eskaliere, fänden entsprechende Themen in vielen Redaktionen kaum noch statt. Fachleute wie Jürgen Döschner und Gesa Steeger würden dafür plädieren, Klima nicht als isoliertes Ressortthema zu behandeln, sondern ressortübergreifend mitzudenken. Das Netzwerk Klimajournalismus wolle künftig nicht nur gute Beispiele auszeichnen, sondern auch gezielte Desinformationskampagnen sichtbar machen.

5. Diese Gamechanger prägen gerade die Medienbranche
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Petra Schwegler beschreibt den aktuellen, grundlegenden Wandel in der deutschen Medienbranche: Verlage würden verstärkt auf Künstliche Intelligenz setzen, Streamingdienste wie RTL+ und Joyn könnten durch Allianzen ihre Marktposition stärken, und neue Formate verbänden Technik mit gesellschaftlicher Verantwortung: “Hyperpersonalisierte Medien passen Texte, Videos und Podcasts in Echtzeit daran an, was sich die jeweiligen Nutzer:innen wünschen. AR-gestützte Kurzreportagen bringen Nachrichten direkt ins Wohnzimmer und schaffen beim Publikum völlig neue Erfahrungen.”

6. Verbraucherzentrale warnt vor Fakeprofilen Prominenter und Politiker
(spiegel.de)
Die Verbraucherzentrale Hessen warne vor einer Zunahme von Fake-Profilen auf Social Media, mit denen Betrüger vorgeben, bekannte Persönlichkeiten zu sein, um in Chats zu angeblichen Geldanlagen einzuladen. Sie würden dafür zunehmend auch die Namen von weniger prominente Personen wie die von Lokalpolitikern verwenden. Die Verbraucherzentrale empfehle, auf Warnsignale wie seltsame Profilnamen, unrealistische Versprechen und ungewöhnlich schnelle Antworten zu achten.

Kunstkritik und Hundekot, Reichelt muss nachliefern, Väterrechtler

1. Dürfen Medien Leute, die Nazi-Parolen singen, an den Pranger stellen?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 28:40 Minuten)
Seit einigen Tagen kursieren im Internet Videoaufnahmen von feiernden, jungen Menschen auf Sylt, die fremdenfeindliche Parolen skandieren und teilweise einen verkappten Hitlergruß zeigen. Diese Aufnahmen oder Teile davon wurden in Medien vielfach unverpixelt gezeigt, so dass die Identität der Beteiligten und deren persönlicher Hintergrund ermittelt und publiziert werden konnte. Holger Klein hat den Juristen Felix Damm gefragt: “Ist das in Ordnung? Dürfen Medien Menschen, die so eine Parole öffentlich skandieren, dann auch öffentlich vorführen? Wo verlaufen die Grenzen? Und können die Betroffenen womöglich Persönlichkeitsrechte geltend machen, also juristisch gegen Medien vorgehen?” Damm hält einen großen Teil der Veröffentlichungen für “gravierend rechtsverletzend”.

2. Reichelt verdonnert: Gericht fordert nach Lüge neues Video
(t-online.de, Lars Wienand)
Der ehemalige “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt hat falsche Behauptungen über die Seenotrettungsorganisation Mission Lifeline verbreitet und muss nun auf Anordnung des Berliner Kammergerichts ein Richtigstellungsvideo auf seinem Kanal veröffentlichen. Das Gericht habe ein Zwangsgeld in Höhe von 5.000 Euro verhängt, weil Reichelt eine frühere gerichtliche Entscheidung missachtet habe, und drohe mit weiteren Strafen, falls er nicht nachbessert. Lars Wienand kommentiert bei t-online.de: “Das sture Verhalten von Julian Reichelt trägt dazu bei, dass die Vorgaben für Gegendarstellungen bei YouTube-Videos klarer werden.”

3. Wie “Stern” auf Väterrechtler-Propaganda hereinfiel
(volksverpetzer.de, Matthias Meisner)
Beim “Volksverpetzer” kritisiert Matthias Meisner eine Titelgeschichte des “Stern” über Trennungskinder. Der Beitrag stelle einseitig die Perspektive von Väterrechtlern dar, insbesondere durch den Psychologen Stefan Rücker, der den umstrittenen Begriff der “Eltern-Kind-Entfremdung” propagiere. Der “Stern”-Artikel überbetone die negativen Folgen von Trennungen und ignoriere den Gewaltaspekt, was zu einer verzerrten Darstellung beitrage.

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4. Immer mehr Internetsperren weltweit
(netzpolitik.org, Nora Nemitz)
Wie Nora Nemitz bei netzpolitik.org berichtet, zeigt der “KeepItOn”-Bericht (PDF), dass es im Jahr 2023 weltweit mindestens 283 Internetsperren in 39 Ländern gab, oft während Konflikten oder politischer Instabilität. Die meisten Sperrungen habe es – zum sechsten Mal in Folge – in Indien gegeben. Marginalisierte Gruppen wie die LGBTQ+-Gemeinschaft seien besonders betroffen, da die Sperren oft auf ihre Kommunikationsplattformen abzielen.

5. Wie uns Russland in die Netzwerke funkt
(zeit.de, Pauline Schinkels)
Pauline Schinkels berichtet von russischen Desinformationskampagnen in Sozialen Netzwerken. Dort würden gefälschte Inhalte verbreitet, die seriösen deutschen Medien ähneln. In der sogenannten “Doppelgänger-Kampagne” seien beispielsweise gefälschte Tweets und Artikel prominent genutzt worden, um Verwirrung zu stiften und Misstrauen zu säen. Es sei zu befürchten, dass diese Aktionen insbesondere im Wahljahr 2024 darauf abzielen, politische Wahlen in Deutschland und Europa zu beeinflussen.

6. Wie das Kunstsystem sich das Kunsturteil vom Hals schafft
(faz.net, Johannes Franzen)
Johannes Franzen schreibt in der “FAZ” über den Fall des Choreografen Marco Goecke, der eine Ballettkritikerin mit Hundekot attackiert hatte und anderthalb Jahre später zum Ballettdirektor in Basel ernannt wurde. Der Fall mache den Statusverlust der Kritik deutlich, so Franzen: “Der Skandal fällt in eine Zeit, in der professionelle Kritik an vielen Fronten geschwächt dasteht. Kulturjournalistische Formate werden eingespart. Die wirtschaftliche Infrastruktur, die das professionelle Schreiben über Kunst und Kultur möglich macht, schrumpft zusammen. Die Reaktion auf den Fall Goecke kann vor diesem Hintergrund auch als höhnische Geste des Triumphs eines Milieus gedeutet werden, das davon überzeugt ist, die professionelle Kritik nicht mehr zu brauchen.

7. Die CDU und ihre Online-Umfrage zum Verbrennungsmotor
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:00 Minuten)
Als siebter und zusätzlicher Link, weil in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator eine abgebrochene Online-Umfrage der CDU zum Verbrennungsmotor: “Digitale Beteiligung kann nur funktionieren, wenn die Verantwortlichen mit der nötigen Sorgfalt und Kompetenz vorgehen. Ich sag’s mal so: Die CDU hat hier gleich mehrfach versagt.”

Kontroversen um “Berliner Zeitung”, NDR vs Reichelt, TikTok und KI-Inhalte

1. Berichterstattung der “Berliner Zeitung” sorgt für Kontroversen
(deutschlandfunk.de, Michael Meyer, Audio: 6:39 Minuten)
Die “Berliner Zeitung” hat seit der Übernahme im Jahr 2019 durch den Softwareunternehmer Holger Friedrich für allerhand Kontroversen gesorgt. In letzter Zeit gab es zum Beispiel einen Zwist mit dem ebenfalls in Berlin ansässigen “Tagesspiegel” um ein Interview mit dem Pink-Floyd-Sänger Roger Waters (Vorwürfe des “Tagesspiegel”: Geschöntes Interview der “Berliner Zeitung”, Entgegnung der “Berliner Zeitung”: So verzerrt der Tagesspiegel die Wahrheit). Michael Meyer hat mit dem Chefredakteur der “Berliner Zeitung” Tomasz Kurianowicz, Medienjournalist Steffen Grimberg und Verleger Holger Friedrich gesprochen.

2. Über Rechtsextreme reden – aber wie?
(verdi.de)
Der Artikel des medienpolitischen Verdi-Magazins “M” fasst die Handlungsempfehlungen von Pia Lamberty und Maheba Goedeke Tort in deren Publikation “Über Rechtsextreme reden? Empfehlungen für die mediale Berichterstattung” (PDF) zusammen. Die Autorinnen fordern klare redaktionelle Leitlinien im Umgang mit Rechtsextremismus, um rechtsextreme Ideologien erkennen und Desinformation widerlegen zu können. Medien sollten rechtsextremen Akteuren keine Plattform bieten. Zudem betonen Lamberty und Goedeke Tort die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Berichterstattung, die auch die Betroffenen in den Blick nimmt.

3. “Reschke Fernsehen”: NDR gewinnt gegen Julian Reichelt vor Gericht
(presseportal.de)
Wie der NDR in einer Pressemitteilung in eigener Sache bekannt gibt, habe der öffentlich-rechtliche Sender im Streit um eine Gegendarstellung mit Julian Reichelt vor dem Oberlandesgericht Hamburg Recht bekommen. Die NDR-Sendung “Reschke Fernsehen” müsse eine Gegendarstellung des ehemaligen “Bild”-Chefredakteurs nicht ausstrahlen, da sie nicht den gesetzlichen Anforderungen entspreche. Die Entscheidung sei rechtskräftig und unanfechtbar.

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4. Bedenken in Brüssel: journalistischer Umgang mit Desinformationen im Vorfeld der Europawahl
(de.ejo-online.eu, Torben Kassler)
Torben Kassler beschäftigt sich in seinem Beitrag mit dem journalistischen Umgang mit Desinformation im Vorfeld der Europawahlen. Er analysiert eine Studie, die zeige, wie EU-Korrespondenten in Brüssel ihre Fähigkeiten zur Bekämpfung von Desinformation einschätzen, und wie die Medienbranche durch wirtschaftlichen Druck und mangelnde Verifikationsressourcen gefährdet ist. Kassler kommentiert: “Der Ausblick, den die in den Studien beschriebenen Entwicklungen und Effekte bieten, ist kein rosiger. Ein Abebben der Desinformationskrise ist nicht abzusehen, es hat sich vielmehr gezeigt, dass diese sich seit der Europawahl 2019 verstärkt hat.”

5. TikTok will externe KI-Inhalte künftig kennzeichnen
(zeit.de)
TikTok plane die Kennzeichnung von externen Inhalten, die mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurden: “KI bietet unglaubliche kreative Möglichkeiten, kann aber die Betrachter verwirren oder in die Irre führen, wenn sie nicht wissen, dass der Inhalt mit KI generiert wurde”, so das Unternehmen. Das Verfahren solle auch auf reine Audiobeiträge ausgeweitet werden. Zudem wolle man Inhalte, die auf TikTok erstellt wurden, mit sogenannten Content-Credentials versehen.

6. EU-Kommission verwarnt X wegen eingesparter Inhalte-Moderation
(spiegel.de)
Die EU-Kommission habe die Social-Media-Plattform X, ehemals Twitter, wegen mangelhafter Inhalte-Moderation verwarnt. Die Kommission verlange detaillierte Informationen über die Ressourcen des Unternehmens zur Bekämpfung von Desinformation und illegalen Inhalten. Es sei zu befürchten, dass der Stellenabbau in diesem Bereich Auswirkungen auf Wahlprozesse und den Schutz von Grundrechten haben könnte. X/Twitter habe neun Tage Zeit, um auf die Vorwürfe zu reagieren.

Waters Entgleisungen, Reichelts Lüge, Prinzessin Kates Foto

1. Die verheimlichten Entgleisungen des Roger Waters
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
In einem Interview der “Berliner Zeitung” mit dem Pink-Floyd-Mitbegründer Roger Waters seien dessen Äußerungen zu Israel, in denen er das Existenzrecht Israels in Frage stellt und den Staat mit Nazi-Deutschland vergleicht, offenbar vor der Veröffentlichung kommentarlos gestrichen worden. Dies verfälsche das Interview und vermittle einen falschen Eindruck von Waters. Sebastian Leber kritisiert dieses Vorgehen und stellt die journalistischen Standards der Zeitung in Frage.

2. “Ich bin total dagegen, eine Revolution zu starten”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Im Interview mit “DWDL” spricht “Tagesschau”-Chef Marcus Bornheim über die Herausforderungen und Entwicklungen im Nachrichtensegment. Dabei geht es unter anderem um den Ausbau des Nachrichtenkanals “Tagesschau24”, den Wert der Quote, den Unterschied zwischen dem Onlinekanal und der traditionellen “Tagesschau” um 20 Uhr sowie um die Frage, ob auch die “Tagesschau” sparen muss.

3. Reichelt verbreitete Lüge – Gericht verhängt Zwangsgeld
(t-online.de, Lars Wienand)
“Zwangsvollstreckungsverfahren gegen Julian Reichelt: Ein Beschluss soll den ‘Nius’-Chef dazu bringen, dass er nach falscher Berichterstattung eine Gerichtsentscheidung tatsächlich befolgt.” Bei t-online.de erklärt Lars Wienand, wie umständlich es für die Seenotretter der Mission Lifeline ist, eine gerichtlich angeordnete Gegendarstellung gegen Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt durchzusetzen.

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4. Nichts geht ohne den Mäzen
(taz.de, Christiane Mitatselis)
Christiane Mitatselis berichtet in der “taz” über den Hauptsponsor der Eishockeymannschaft Kölner Haie, den wegen der Finanzierung des rechtslastigen Krawallportals “Nius” in die Kritik geratenen Unternehmer Frank Gotthardt. Es habe besorgte Stimmen aus der Fanszene gegeben, auch einen offenen Brief. Die Haie hätten jedoch betont, dass der Verein weiterhin für Vielfalt und gegen Diskriminierung jeglicher Art stehe. Es werde “keine Marketingmaßnahmen von Nius bei den Kölner Haien geben.”
Anmerkung des “6-vor-9”-Kurators zum verlinkten “taz”-Artikel: “Nius” als “Infoportal” zu bezeichnen, halte ich für, nun ja, euphemistisch. Und wie die Autorin angesichts Gotthardts Engagement für “Nius” auf den Satz “Ein Rechtspopulist ist Gotthardt sicher nicht” kommt, erschließt sich mir ebenfalls nicht.

5. Reflexhafte Gehässigkeiten
(digitale-resilienz.org, Stephan Weichert)
Der Medienwissenschaftler Stephan Weichert thematisiert die mitunter negativen Dynamiken in der Medienbranche, wie sie sich zuletzt im Fall Alexandra Föderl-Schmid gezeigt hätten. Die vorschnelle Kommunikation von Medienschaffenden auf Social-Media-Plattformen führe zu berufsethischen Problemen und trage zur Polarisierung der Gesellschaft bei: “Wir haben es im Digitalen mit unkontrollierbaren Pranger-Mechanismen zu tun, die an öffentliche Verleumdungskampagnen erinnern. Journalist:innen sollten schon aus diesem Grund stets eine professionelle Verantwortungsethik beherzigen.”

6. Kates Verschlimmbesserung
(spiegel.de, Video: 1:18 Minuten)
“Wie viele Amateurfotografen experimentiere auch ich gelegentlich mit der Bildbearbeitung. Ich möchte mich für die Verwirrung entschuldigen, die das Familienfoto, das wir gestern geteilt haben, verursacht hat.” So lautet das Statement von Prinzessin Kate, nachdem bei einem veröffentlichten Bild gleich mehrere optische Ungereimtheiten aufgefallen waren. Weitere Informationen dazu unter: Das war keine königliche Bildbearbeitung (spiegel.de, Matthias Kremp).

Reichelt verliert, Verleger fordern, Angst vor der Abschiebung

1. Seenotretter bringt Reichelt ins Schwimmen
(t-online.de, Lars Wienand)
Der geschasste “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt hat nach Feststellung des Landgerichts Berlin in seinem Youtube-Format “Achtung, Reichelt!” die Unwahrheit über den Seenotretter Axel Steier verbreitet. Reichelt müsse die entsprechende Sequenz aus einem Video entfernen und eine Gegendarstellung veröffentlichen, die mindestens so lange in seinem Youtube-Kanal zu sehen sein müsse wie die falsche Behauptung. Zuvor sei bereits Jan Böhmermann erfolgreich gegen Reichelt vorgegangen.

2. Verleger fordern Regeln im Umgang mit KI
(persoenlich.com)
Der Verlegerverband Schweizer Medien (VSM) fordert Regeln für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) in den Medien: “Der VSM fordert von den KI-Betreibern und ihren Anwendungen die Berücksichtigung des Geistigen Eigentums, Fairness in Markt und Wettbewerb, Transparenz über die Verwendung von Inhalten, Qualität und Integrität der Inhalte, Sicherheit und Verantwortung sowie Kooperationen zwischen KI-Betreibern und Medien.”
Hörtipp in eigener Sache: Der “6-vor-9”-Kurator hat bei radioeins den “AI Act” der EU kommentiert: “Die Unternehmen möchten viel Freiraum und wenig Regulierung. Sie haben erreicht, dass Deutschland, Frankreich und Italien eine Art freiwillige Selbstkontrolle ins Gesetz geschrieben haben, was ungefähr so ist, als wenn man den Autoherstellern erlauben würde, die Verkehrsregeln zu bestimmen.” (radioeins.de, Audio: 4:21 Minuten)

3. HR-Redaktionsausschuss sieht journalistische Qualität in Gefahr
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie “DWDL” berichtet, befürchtet der Redaktionsausschuss des Hessischen Rundfunks (HR) eine Verschlechterung der journalistischen Qualität des öffentlich-rechtlichen Senders. Die Kritik richte sich vor allem gegen die geplante Umstrukturierung bei der sogenannten “Hessen-Unit”, die nach Ansicht des Ausschusses zu Lasten der inhaltlichen Vielfalt und Tiefe gehen könnte. Der HR selbst sehe die Sache naturgemäß etwas anders: Der Redaktionsausschuss gehe in seiner Darstellung von “teilweise unrichtigen oder in falschem Kontext stehenden Sachverhalten aus”.

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4. Angst vor der Abschiebung
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen (ROG) sorgt sich um die nach Pakistan geflüchteten afghanischen Journalistinnen und Journalisten und kritisiert das Verhalten der deutschen Regierung: “Die Situation ist absurd: Die Bundesregierung bestellt erst alle Personen nach Pakistan, die im Rahmen des Bundesaufnahmeprogramms eine neue, sehr zeitaufwendige Sicherheitsprüfung durchlaufen müssen. Dann ist sie aber offenbar nicht in der Lage, die Sicherheit dieser Personen vor Ort zu garantieren”, so ROG-Geschäftsführer Christian Mihr: “Unter den Betroffenen sind zahlreiche gefährdete Journalistinnen und Journalisten. Was können wir ihnen sagen, was sollen wir ihnen raten, wenn sie sich verzweifelt an uns wenden und um Hilfe bitten?”

5. MDR: “Debatte” um die Funkhäuser in Halle und Dresden
(flurfunk-dresden.de)
Der Artikel von “Flurfunk Dresden” beschäftigt sich mit der aktuellen Debatte, ob und welche Funkhäuser der MDR im Zuge von Sparmaßnahmen schließen werde, und spricht in diesem Zusammenhang von einer Scheindebatte: “Um es vorwegzunehmen: Nein, der MDR kann keinen Standort einfach so schließen. Dafür müssten erst die drei beteiligten Bundesländer den Staatsvertrag entsprechend ändern.”

6. 🤭
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
“WAS DARF ICH HEUTE NOCH SAGEN?” brüllt der “Stern” diese Woche in Großbuchstaben vom Cover. Für Boris Rosenkranz ein willkommener Anlass, sich einmal umzuschauen, wo überall diese Frage (oft mit ähnlicher Halte-den-Mund-zu-Bebilderung) schon aufgetaucht ist.

Beck und Maaßen, Prinz Harry und DJ Ötzi, Kampf um die Deutungshoheit

1. Der Beck-Verlag trennt sich von Maaßen
(faz.net, Patrick Bahners)
Wie die “FAZ” berichtet, hat Hans-Georg Maaßen seinen Vertrag als Mitautor des im Verlag C. H. Beck erscheinenden Kommentars zum Grundgesetz gekündigt. Der frühere Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz sei damit der Kündigung des Vertrags durch den Verlag zuvorgekommen. Dem vorausgegangen war eine längere, auch andernorts ausgetragene Kontroverse um den CDU-Rechtsaußen (siehe etwa hier und hier).

2. Eine “Top-Spionin” wehrt sich
(sueddeutsche.de, Wolfgang Janisch)
Im Oktober 2013 erschien in der “Welt” ein Artikel über “Die Stasi-Frau an Gysis Seite”, die in dem Beitrag als “Top-Spionin in der DDR” bezeichnet und mit dem Verschwinden des SED-Parteivermögens in Verbindung gebracht wurde. Dagegen setzte sich die von der Berichterstattung betroffene Frau juristisch zur Wehr und erwirkte eine Gegendarstellung. Zu Recht, wie nun der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte befand.

3. Lützerath: Kampf um die Deutungshoheit
(ndr.de, Zapp, Video: 9:35 Minuten)
Das Medienmagazin “Zapp” hat sich mit der Berichterstattung über die Proteste in Lützerath beschäftigt: Wie befangen sind Journalistinnen und Journalisten, und aus welcher Perspektive berichten sie? Wie kann trotz der starken Emotionalisierung eine professionelle Distanz gelingen? Aber auch: Wo bleibt die Auseinandersetzung mit den eigentlichen Inhalten?

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4. Journalismus im Metaversum – erste Projekte im dreidimensionalen Internet
(fachjournalist.de, Gunter Becker)
Beim “Fachjournalist” beschreibt Gunter Becker die ersten journalistischen Einsatzszenarien in Mark Zuckerbergs dreidimensionalem Internet “Metaverse”, nennt Praxisbeispiele und klärt Begrifflichkeiten. Zudem beschäftigt er sich mit den Fragen, wie das Thema weiter an Fahrt aufnehmen könnte, welche Maßnahmen nötig wären, um den Einsatz neuer Technologien für Redaktionen attraktiver zu machen, und verweist auf einen neuen Ausbildungsberuf sowie auf mögliche Förderungen.

5. Facebook könnte Trump-Sperre bald aufheben
(spiegel.de)
Wie beim “Spiegel” zu lesen ist, will Meta, der Mutterkonzern hinter den Plattformen Facebook und Instagram, “rasch” über die Aufhebung der Sperren des früheren US-Präsidenten Donald Trump entscheiden. Es zeichne sich ab, dass Trump in beiden Netzwerken wieder zugelassen werde.

6. Prinz Harry steht nicht auf DJ Ötzi – Wie ein Gerücht entstand
(mimikama.org, Ralf Nowotny)
Mehrere österreichische Medien behaupteten fälschlicherweise, Prinz Harry habe sich in seiner Biographie als Fan von DJ Ötzi geoutet. Sie waren anscheinend auf eine Quatschmeldung der Instagramseite “galerie.arschgeweih” hereingefallen.

“Bild” sinnentstellend, Bedrohte BBC, Werbung im Zwielicht

1. Presserat: Bild-Schlagzeile zu Klimaschutz und Arbeitsplätzen war sinnentstellend
(riffreporter.de, Daniela Becker)
Im September haben wir hier im BILDblog über die verzerrte Wiedergabe eines Interviews mit dem Gewerkschaftschef Jörg Hofmann berichtet (“Bild”-Verzerrung kostet richtige Klimaschutz-Aussage), in der die “Bild”-Redaktion eine Aussage Hofmanns nahezu ins Gegenteil verkehrt hatte. Nun hat der Presserat “Bild” dafür eine Rüge erteilt. Daniela Becker von den “RiffReportern” ordnet den Vorgang ein, erklärt die Hintergründe und weist darauf hin, dass der gerügte Beitrag bei Bild.de bis heute unverändert online stehe – ohne dass dort die Entscheidung des Presserats auch nur mit einer Silbe erwähnt werde.

2. BBC soll ab 2027 keine Gebühren mehr fordern dürfen
(zeit.de)
Die britische Regierung will laut Medienberichten die Gebührenfinanzierung der BBC abschaffen. Sie plane in einem ersten Schritt, die BBC-Finanzen für zwei Jahre einzufrieren und das bisherige Finanzierungsmodell anschließend ganz zu beenden. Der Sender solle sich künftig durch Abos und eine Teilprivatisierung finanzieren. Die BBC und andere Kritiker der geplanten Maßnahme sehen die Qualität des Programms bedroht und befürchten als Folge einen großen Personalabbau.

3. Hedwig Bollhagen trägt Breitbart
(taz.de, Steffen Grimberg)
Viele Unternehmen sind sich gar nicht im Klaren darüber, dass ihre onine geschaltete Werbung dank automatisierter Prozesse auch auf fragwürdigen Websites ausgespielt wird – darunter rechtsradikale Seiten voller Hass, Verschwörung und Desinformation. Die Initiative “Stop. ­Funding. Hate. Now!” macht die Firmen regelmäßig auf das Problem aufmerksam und führt Buch über die betreffenden Medien.

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4. Was ist Hassrede?
(sebastianmeineck.wordpress.com)
Wenn von “Hassrede” gesprochen wird, ist nicht immer das Gleiche gemeint. Ein genauer Blick auf das Wort und dessen Bedeutungen könne helfen, die gemeinten Probleme besser zu verstehen, findet der Journalist Sebastian Meineck: “Wer von Hassrede spricht und dabei ganz sicher auch auf Diskriminierung aufmerksam machen möchte, muss das wohl dazu sagen – ansonsten könnte das durch den inzwischen diffundierten Begriff von Hassrede übersehen werden.”

5. Erfolg für Verleger Holger Friedrich: Die Zeit muss Gegendarstellung drucken
(kress.de, Markus Wiegand)
Holger Friedrich, Eigner des Berliner Verlags (unter anderem “Berliner Zeitung”), ist gerichtlich gegen die “Zeit” vorgegangen. Diese hatte im November über die Stimmung beim Berliner Verlag berichtet und sich zur dortigen wirtschaftlichen Situation geäußert. Mit zwei seiner ursprünglich vier Gegendarstellungspunkten sei Friedrich erfolgreich gewesen, berichtet kress.de. Das gerichtliche Nachspiel sei damit noch nicht beendet.

6. Selbstironie zum Geburtstag: Wie die “Apotheken Umschau” sich als “Rentner-Bravo” feiert
(rnd.de, Imre Grimm)
Die “Apotheken Umschau”, Deutschlands reichweitenstärkstes Gesundheitsmagazin, wird scherzhaft oft als “Rentner-Bravo” bezeichnet. Zum 66. Geburtstag des Hefts hat sich die Redaktion einen besonderen Spaß erlaubt: Auf zehn Seiten gibt es Medizinthemen in “Rentner-Bravo”-Optik. Imre Grimm hat sich das Experiment im Rahmen einer kleinen Stilkritik angeschaut.

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