Suchergebnisse für ‘fußball’

Charlie Hebdo, Petarden, Bushido

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Charlie Hebdo: Brandsatz gegen Satire”
(ndr.de, Video, 5:38 Minuten)
Ein Besuch in der Redaktion der Satirezeitschrift “Charlie Hebdo”, die nach einem Brandanschlag bei der Zeitung “Libération” Asyl gefunden hat. “Allein die katholische Kirche hat 14 Prozesse gegen die Zeitung geführt – alle hat sie verloren.”

2. “Gefühle als Vorwand”
(jungle-world.com, Frederik Stjernfelt)
Frederik Stjernfelt schreibt über die Rezeption des Brandanschlags: “Das niederträchtige Argument, ein Brandanschlag sei nicht weniger verwerflich als einige, wenn auch etwas geschmacklose Witze, entstammt einer Haltung, die sich unter vielen westlichen Intellektuellen und Kommentatoren in den vergangenen Jahren verbreitet hat, nämlich aus dem Verständnis für die vermeintlich ‘verletzten Gefühle der Muslime'”.

3. “Die ‘Petarden-Trottel’-Kampagne – ein Fall für den Presserat?”
(philippe-wampfler.com)
Beim Fußballspiel Lazio Rom gegen den FC Zürich explodiert einem mitgereisten Anhänger der Zürcher eine Petarde in der Hand. “Doch das hindert Benny Epstein nicht daran, den Mann an den Pranger zu stellen, Photos von ihm zu publizieren und seinen Arbeitgeber und seine Eltern zu belästigen”.

4. “Mediale Hysterie hat deutlich zugenommen”
(meedia.de, Alexander Becker)
Ein Interview mit Rainer Schäfer über den Druck von Journalisten auf Fußballer. “Es ist naiv zu glauben, dass eine Art Selbstverpflichtung der Medien funktionieren könnte. Es wäre aber schon viel erreicht, wenn alle ein wenig Druck aus der Berichterstattung nehmen könnten, wenn Kritik weniger polemisch und diskreditierend geäußert würde.”

5. “All die ganzen Schlageraffen dürfen da singen”
(juliane-wiedemeier.de)
Wie oft die RBB-Abendschau über ein kommerzielles Musical berichtet.

6. “Hass und Diskriminierung: Was Burda für preiswürdig hält”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Bushido soll heute Abend den Medienpreis Bambi in der Kategorie Integration erhalten (Begründungen der Jury). “Geehrt wird der Bushido, dessen Marketingstrategie für den Moment die Rolle des ‘good guy’ vorsieht.”

Page Impressions, Altkleider, Wetten, dass…?

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Eine Frage der Einstellung”
(fernsehlexikon.de, Michael Reufsteck)
Michael Reufsteck denkt nach über ein Thema, das deutsche Medienjournalisten derzeit mehr als alles andere interessiert: Die Regelung der Nachfolge von Thomas Gottschalk bei “Wetten, dass…?”.

2. “Die Sackgasse Page Impression und ihre Folgen für den Journalismus”
(blogs.tageswoche.ch, David Bauer)
“Sogenannte Klickmonitoren haben in den meisten Onlineredaktionen Einzug gehalten und zeigen den Journalisten in Echtzeit an, welche Geschichten gut ‘performen’ und welche nicht: Sie zeichnen ein Zerrbild dessen, was die Leute interessiert, und liefern den Medienmachern falsche Anreize. Wer es auf Page Impressions anlegt, muss nur erreichen, dass seine Leser auf die Anrisse klicken. Leser klickt, Werbung lädt, Kasse klingelt.”

3. “Des Kaisers neue Kleider”
(dynamofanz-grug.de)
Fußball: Ein Fan von Dynamo Dresden fragt: “Wieso halten sich 15 Festnahmen zwei Wochen lang in den Nachrichten, während man von 90 Festnahmen bei anderen Spielen noch nicht einmal etwas zu hören bekommt?”

4. “New York, Tag 9”
(hermsfarm.de)
Eine Aufzeichnung von “The Daily Show” in New York: “Jon Stewart ist erstaunlich klein, er geht mir schätzungsweise bis zum 3. Rippenbogen und sein Jackett ist länger als seine Beine. Immer diese kleinen Fernsehmenschen. Dafür ist er tatsächlich so überdreht und lustig wie man es von ihm vermutet. Als wäre er ein Wrestler, nur eben etwas kleiner und im Jackett.”

5. “Media Reacts To Conan’s Same-Sex Wedding News”
(youtube.com, Video, 2:52 Minuten)
Wie US-TV-Sender die Ankündigung einer Hochzeit in der Late-Night-Talkshow “Conan” aufnehmen (“to push the envelope”: “bis an die Grenze gehen”).

6. “Die Altkleider-Lüge”
(ndr.de, Video, 28:55 Minuten)
Kleiderspenden aus Deutschland bedrohen die Textilindustrie in Tansania: “Längst haben die Altkleiderspenden aus den Industrieländern den größtmöglichen Schaden in Tansania angerichtet.” Siehe dazu auch “Das Kilo für 1,20 Dollar” (zeit.de, Michael Höft).

Hypo Real Estate, Mely Kiyak, Schäferhund

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Wen kümmern 50 Milliarden Euro?”
(stern.de/blogs, Hans-Martin Tillack)
Hans-Martin Tillack liefert Hintergründe, wie über Geldbeträge der verstaatlichten Bank Hypo Real Estate informiert wird und wie Journalisten diese Informationen aufnehmen und verarbeiten. Siehe dazu auch “Verrechnet – Milliarden und die HRE” (ndr.de, Video, 5:30 Minuten).

2. “Ui, Mely Kiyak!”
(titanic-magazin.de)
“Titanic” antwortet auf eine Kolumne von Mely Kiyak in der “Frankfurter Rundschau”, in der sie Mitglieder der Piratenpartei als “eine Ansammlung von zotteligen Typen” beschreibt. Sie schrieb damals: “Schwammige Figuren, ungesunder Teint, hässlich, mein Gott, da ist ja nix dabei! Man roch die vermieften T-Shirts regelrecht. Kein Wunder, dass keine Mädchen bei denen mitmachen. Ich verstehe jetzt auch, warum die Piraten keinen Wahlkampf mit Fotos veranstalteten – das Auge wählt schließlich mit.”

3. “Polizistenmord: Wie der Bayerische Rundfunk auf den Hund kam”
(augsburger-allgemeine.de, sbo)
Br.de illustriert eine Nachricht mit einem bearbeiteten dpa-Bild. Nebel wurde “durch ein diffuses Sonnenlicht ersetzt”, ein Schäferhund mitten in eine Gruppe von Bereitschaftspolizisten montiert. “Der Bayerische Rundfunk erklärt den Vorfall mir gegenüber mit einer internen Panne. Bei der Bildmontage handle es sich um eine Titelgrafik aus der Rundschau-Sendung im BR-Fernsehen.”

4. “Niveaulosigkeit”
(nullsummenspiel.tumblr.com, Pascal Paukner)
Pascal Paukner ärgert sich, wie Chris Köver in der Zeitschrift “Zeit Campus” über Jürgen Habermas beschreibt.

5. “Wir waren beim Fußball – und haben es überlebt”
(schwatzgelb.de, Sascha und Arne)
“Wer den Fußball komplett befrieden will, muss ihn seine Brisanz berauben – und damit auch all dem, was seine Faszination begründet”, schreiben Sascha und Arne in einem langen Artikel über Fußball und Gewalt. “Wenn sich Fangruppierungen auch abseits der Spiele bekriegen und jungen Fans auf dem Schulweg oder am Bahnhof aufgelauert wird, und wenn Täter in der Gruppe den unterlegenen Opfern die Fanutensilien rauben, dann ist das zweifelsohne bedenklich – seltsamerweise interessieren sich aber weder Polizei, noch Vereine, noch Medienvertreter für diese Ereignisse. Vielleicht sind sie einfach nicht spektakulär und medienwirksam genug?”

6. “Eine Frage des Geschmacks”
(karolinakuszyk.blogspot.com)
Karolina Kuszyk fragt ihre Freundinnen: “Was für Weisheiten haben euch eure Mütter mit auf den Weg gegeben?”

Schachbrett, Tyrannen, Bekennerschreiben

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Wie wir mit Bekennerschreiben umgehen”
(blogs.taz.de/hausblog, Magda Schneider, Kai von Appen und Peter Müller)
Wie die “taz Hamburg” mit “sogenannten Bekennungen” umgeht. “In der Redaktion herrschte Einigkeit darüber, dass wir uns nicht zu Hilfspolizisten machen lassen wollten. Denn ein Bekennerschreiben, das meist nicht von den Akteuren selbst stammt, hat rechtlich die gleiche Qualität wie von Informanten zugespieltes Material – es unterliegt dem Redaktionsgeheimnis. Deshalb schafften wir uns einen fiktiven Redaktionskater an, der noch bei laufender Produktion die Briefe verspeiste – was wir auch in der Zeitung mitteilten. Das verschonte uns sicherlich von vielen unangenehmen Hausbesuchen.”

2. “Lieber gut kopiert als …”
(oldenburger-lokalteil.de)
Der “Oldenburger Lokalteil” lädt ein zum Spiel “Welches ist die Pressemitteilung, welches der Zeitungsartikel?”. “Wenn Sie die Lösung haben, schicken Sie sie einfach an die Nordwest-Zeitung bzw. an das Delmenhorster Kreisblatt.”

3. “Die Inszenierung des Tyrannen-Todes”
(visdp.de)
“V.i.S.d.P.” spricht mit Historiker Thomas Großbölting über die Inszenierung der Tode von Benito Mussolini, Saddam Hussein, Osama bin Laden und Muammar al-Gaddafi: “Wenn man es gegenüber den Leserinnen und Lesern plausibel machen kann, dass die Wirklichkeit komplexer ist, als wir es uns in den Medienhypes und Bildikonen vorsetzen lassen, dann entsteht aus meiner Sicht wirklich guter Journalismus.”

4. “Strahlende Äpfel und giftige Birnen”
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.com, Thomas)
“Fukushima war schlimmer als Tschernobyl” ist der Titel eines Artikels auf focus.de. “Anlaß zu dieser Meldung ist ein Bericht, wonach eventuell in Japan bis zu zweieinhalb Mal so viel radioaktive Edelgasisotope von Xenon und Krypton frei wurden als bei der Katastrophe von Tschernobyl.”

5. “Sogenannter Journalismus: Wie erzähle ich Fußballrandale?”
(publikative.org, Nicole Selmer)
Nicole Selmer macht sich Gedanken über die Berichterstattung zum Pokalspiel Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden.

6. “Komik statt Symbolik”
(stern.de, Florian Güßgen)
Wie Rainer Grünberg auf abendblatt.de zuerst bemerkt hat, ist das Schachbrett auf dem Titelbild des Buchs “Zug um Zug” von Helmut Schmidt und Peer Steinbrück falsch aufgestellt. Siehe dazu auch “Die Guttenbergs spielen nur mit weißen Figuren” (welt.de, Benjamin von Stuckrad-Barre, 21. Oktober 2010).

Hypo Real Estate, Hans Sarpei, Heimat

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Verschlossene Türen: Intransparenz bei Bad Bank”
(ndr.de, Video, 6:46 Minuten)
Die 2009 verstaatlichte Bankenholding Hypo Real Estate gibt der Öffentlichkeit kaum oder nur sehr eingeschränkt Auskunft. “Die Bad Bank – für ihre Kontrolleure wie für die Öffentlichkeit eine Black Box”.

2. “Befremden über ägyptisches TV-Interview mit Shalit”
(nzz.ch, Kristina Bergmann)
Der freigelassene israelische Soldat Gilad Shalit wird von Shahira Amin für das ägyptische Fernsehen interviewt. “Wegen ihrer erstaunlichen Fragen und der zwielichtigen Umstände fragten sich viele, ob Shalit das Interview freiwillig gegeben hatte.” Siehe dazu auch jpost.com (“The reporter is seated beside an Egyptian flag – as if she were not the interviewer but an Egyptian government interviewee. Schalit, by contrast, sits next to a houseplant”) oder derstandard.at.

3. “Das ‘Blick’-Girl vom Salon nebenan”
(20min.ch, A. Mustedanagic)
A. Mustedanagic spricht mit einer Frau, die von “Blick” bei der Wahl des “Girl des Jahres” als “kaufmännische Angestellte aus Birsfelden” angepriesen wird. Sie arbeitet aber auch in einem Erotikclub in Zürich.

4. “Angst, Hass, Titten, Hans!”
(schalkefan.de)
Fußballer Hans Sarpei macht Werbung für “Bild” (1/2). “Er sah die Möglichkeit, durch scheinbar harmlose und scheinbar ironische Werbespots ein Honorar für zwei von ihm ausgewählte soziale Projekte zu generieren. Dass er soziale Projekte unterstützt ehrt ihn. Das macht die Sache – für mich – jedoch nicht besser. Denn am Ende steht Werbung für ein Medium, das ich nicht beworben sehen möchte.”

5. “Sie haben mich gehackt!”
(taz.de, Steffi Dobmeier)
Steffi Dobmeier hat eines Morgens keinen Zugang mehr auf ihr E-Mail- und ihr Facebook-Konto. Ein Protokoll.

6. “Meine Heimat Internet”
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo erinnert sich an seine Ankunft in der “Heimat Internet”: “Da waren Menschen, direkt hinter meinem Bildschirm. Und sie waren mir näher als die meisten in der Offline-Welt. Wo ich zuvor nur auf Medien und Datenbanken von Unternehmen gestoßen war, gab es Leute, die meinen Humor teilten, die diskutierten, die mich liebevoll und weniger liebevoll beschimpften – Menschen, die mich wirklich interessierten.”

Tatort, Arne Friedrich, Natascha Sagorski

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Gab nie ein Österreich-Interview zu meinem Buch”
(kurier.at)
Eine Journalistin von “Österreich” ruft Hugo Portisch an und fragt nach einem Interview. Obwohl dieser ablehnt, erscheint die kurze Plauderei als Interview. Siehe dazu auch “Ein Interview ist ein Interview!” (diepresse.com, Thomas Kramar)

2. “Im Angesicht des Todes”
(uni-muenster.de)
Stephan Völlmicke untersucht in seiner Doktorarbeit die Darstellung des Todes in der Krimiserie “Tatort”: “Im Verlauf der untersuchten 40 Jahre hat sich die Bebilderung des Todes deutlich verändert. Die Todesdarstellungen sind heute so intensiv und direkt wie nie zuvor.”

3. “Unsere Kunden erwarten, dass wir ein Convenience-Produkt liefern”
(persoenlich.com, Edith Hollenstein)
Die Meldungen der inzwischen einzigen Schweizer Nachrichtenagentur SDA “werden häufig 1:1 von Onlineportalen übernommen und auch in den Printausgaben gedruckt.” Ein Interview mit dem Chefredakteur Bernard Maissen.

4. “Die Medien zum Feind”
(zeit.de, Steffen Dobbert)
Fußballer Arne Friedrich und die Medien. “Nach der WM in Deutschland bemerkte er, wie die veröffentlichte Meinung sich von der vieler Menschen unterscheidet. Während der WM machten ihn die Medien für einige Gegentore in der Vorrunde verantwortlich. Dabei hatte er nur, wie vom Trainer verlangt, nicht auf Abseits gespielt.”

5. “Baron Münchhausens Ururenkelin oder nur die nervigste Tratschtante, auch modisch gesehen?”
(horstson.de)
Horston schreibt über Natascha Sagorski: “Wenn man es in das Allerheiligste eines TV-Senders geschafft hat und drinnen ist, rafft man dann alles an Schnipseln zusammen, das es an elektronischen und gedruckten Fakes und aus der Luft gegriffenen Erfindungen und unbewiesenen Gerüchten über Prominente gibt, weil man von der Weiterverwertung solcher Meldungen, die eigentlich gar keine sind, lebt oder sich dann einfach mehr leisten kann, so man nebenbei auch noch einen richtigen Beruf erlernt hat und dem auch tätig nachgeht.”

6. “E-Book meldet sich, wenn’s im Text spannend wird”
(welt.de, Hans Zippert)

Immer das gleiche Lied

Das ist aber blöd gelaufen:

Rainer Calmund, Ex-Fußballmanager und Berufs-Promi hat ein Buch geschrieben mit dem Titel “Eine Kalorie kommt selten allein”. In diesem Buch macht Calmund auf Seite 52 eine merkwürdige Feststellung.

“Intoniert wurde 1954 im Wankdorf-Station in Bern übrigens die erste Strophe des Deutschlandliedes, die ich auch heute noch bei Länder-Spielen voll mitsinge.”

Das Online-Special zur Frankfurter Buchmesse vom Hessischen Rundfunk hat diesen “dicken Fehler” bemerkt und schrieb dazu:

Die erste Strophe des Deutschlandliedes zu singen, ist ein Tabu, weil diese Strophe eng mit den Nazis und dem Dritten Reich verbunden wird.

Das ist jetzt erst mal nur verkürzt und noch nicht falsch. Aber der Artikel ist ja lang genug.

So stand im Vorspann:

Gerne singe er die erste Strophe des Deutschlandliedes lauthals mit, steht da zu lesen. Dumm nur, dass dieser Text auf dem Index steht.

Und weiter hinten:

Und leider gibt es auch heute noch Fußballfans, besonders im rechtsradikalen Millieu, die gerne mal diese erste Strophe des Deutschland-Liedes singen, obwohl das verboten ist.

Beides ist Unfug. Die erste Strophe des Deutschlandlieds war nie und ist nicht verboten. Es gilt nur in weiten Teilen der Bevölkerung als unschicklich, diese Strophe zu intonieren. (Aber das wussten Sie natürlich längst.)

hr-online.de hat die Behauptung, die erste Strophe stehe auf dem Index, irgendwann unauffällig aus dem Text getilgt (und bei dieser Gelegenheit die Schreibweise von Calmunds Vornamen korrigiert), bleibt aber weiter bei der Darstellung, sie sei “verboten”.

Mit Dank an Krischn.

Nachtrag, 16.30 Uhr: Offenbar schon vor Veröffentlichung dieses Blogeintrags hatte hr-online.de den letzten Fehler korrigiert:

Und leider gibt es auch heute noch Fußballfans, besonders im rechtsradikalen Millieu, die gerne mal diese erste Strophe des Deutschland-Liedes singen, um zu provozieren.

Alternativmedizin, Neon, Steve Jobs

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Wie sich Die Presse mit Homöopathie blamiert”
(scienceblogs.de, Ulrich Berger)
Ulrich Berger befasst sich mit dem Artikel “Was die Homöopathie kann – oder auch nicht”. “Die Presse hält die Leser von Artikeln zur Alternativmedizin offenbar für geistig beschränkt – eine Tendenz, die man übrigens auch in anderen Medien beobachten kann.”

2. “Serbisches TV mit falschem Nobelpreisträger”
(kurier.at)
“Eine der echten Internetpräsenz des Nobelpreis-Komitees ähnelnde Seite” bringt mehrere serbische Medien dazu, nicht Tomas Tranströmer, sondern Dobrica Ćosić als Träger des diesjährigen Literaturnobelpreises zu vermelden.

3. “Wie war nochmal die Frage?”
(griepentrog.org, Hannes Griepentrog)
Hannes Griepentrog liest im “Tübinger Wochenblatt” eine Umfrage zum Papst-Besuch: “Die Frage ist so offen, dass man alles und nichts darauf antworten kann. Um das zu kanalisieren, gibt es daher verschiedene Antwortvorgaben, die jeweils unterschiedliche Unterstellungen beinhalten.”

4. “Hölle! Hölle! Hölle! Klaut NEON wirklich Themen?”
(christoph-koch.net)
Christoph Koch schreibt zur Nominierung von “Neon” zum “Freischreiber”-“Hölle”-Preis. “Mal ehrlich: Das hätte man sich bei den Freischreibern früher überlegen müssen, bevor man so scharf schießt.” Siehe dazu auch: “Wie die Nominierungen für den Himmel-und-Hölle-Preis zustande gekommen sind” (freischreiber.de).

5. “Falschmeldung in der BZ”
(herthabsc.de)
Werner Gegenbauer, Präsident des Fußballvereins Hertha BSC Berlin: “Der Inhalt dieses Artikels entbehrt jeder Wahrheit. Wir haben uns in der beschriebenen Präsidiumssitzung nicht über die Genehmigung eventueller Neuverpflichtungen unterhalten.”

Hinweis, 13:00 Uhr: Der Beitrag auf herthabsc.de ist inzwischen nicht mehr verfügbar. Auf unsere Anfrage, warum dem so ist, antwortete die Pressestelle: “Natürlich stehen wir noch zu der Aussage. Aber der Artikel stand gestern in der Zeitung. Wir haben gestern darauf reagiert. Nicht mehr und nicht weniger.”

6. “Weltverbesserer für wenige”
(spiegel.de, Stefan Kuzmany)
Was bedeutet es, “den Geschäftsmann Steve Jobs zu einer Art religiöser Figur zu stilisieren, als größten praktischen Philosophen seiner Zeit?”, fragt Stefan Kuzmany. “Was sagt es aus, Jobs ernsthaft und so wie auch in der Apple-Eigenwerbung als einen zu bezeichnen, der die Welt zu einem besseren Ort gemacht hat? Es sagt viel über die Menschen, die das tun.”

Buschmann, Ratgeber-Tante, Wolfsburg

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Studien verstehen – Statistiken im Journalismus”
(ndr.de, Video, 5:32 Minuten)
Studien werden von Medien gerne aufgegriffen, da ja, wenn schon genau untersucht wurde, nicht mehr genau recherchiert werden muss. In der kürzlich herumgereichten Studie zur Internetabhängigkeit (PDF-Datei) ist die von vielen Medien verbreitete Zahl der 560.000 internetsüchtigen Deutschen übrigens nirgends zu lesen – die taucht erst in der Pressemitteilung der Drogenbeauftragten auf.

2. “Aus der Sicht unserer Leser”
(zeit.de, Sebastian Horn)
Sebastian Horn blickt zurück auf hundert erschienene Leserartikel.

3. “Telegen sei der Buschmann, fröhlich und bunt”
(philibuster.de, Marko Pfingsttag)
Marko Pfingsttag befasst sich mit dem Afrikabild im Fernsehen: “So hat und hätte man ihn gerne, den Schwarzen: lebens- und farbenfroh, weswegen er sich ganz hervorragend im Bildermedium Fernsehen macht, gerade in einem bierdimpfelig-wohlfühligen Unterhaltungsformat wie ‘Schwiegertochter gesucht’, wo ein jedes sein dazugehöriges Adjektiv trägt, wo das Happa stets ‘herzhaft’ und Brandenburg ‘beschaulich’ ist, und wo die Teilnehmer wahlweise zum ‘Brillenträger’ oder zur ‘Keksverpackerin’ reduziert werden.”

4. “Journalismus oder Hetzjagd?”
(nachrichten.at, Peter Grubmüller)
Der neue Trainer der Fußballnationalmannschaft Österreichs, Marcel Koller, wird von den Medien frostig empfangen. Im Interview versucht Sport- und Medienwissenschafter Minas Dimitriou, Gründe dafür zu finden. Siehe dazu auch den Leitartikel von Gerald Mandlbauer.

5. “Kein Politikjournalist – und stolz drauf!”
(anitagrasse.com)
Kollegen lächeln spöttisch, “sobald sie erfahren, dass ich die Senioren-Seiten schreibe und die Ratgeber-Tante der Zeitung bin”, bemerkt Anita Grasse. “Das macht mich wütend, denn handwerklich unterscheidet sich meine Arbeit nicht von der eines Politikjournalisten.”

6. “Wolfsburg erwartet den 100. ICE, der nicht anhält”
(welt.de, Hans Zippert)
“In Wolfsburg laufen die Vorbereitungen für die größten Feierlichkeiten, die die Stadt je erlebt hat. In Kürze erwartet man dort den 100. ICE, der nicht in Wolfsburg anhält.”

Bild, Sky  

Riesendruckerzeugnisse

Seit Ralf Rangnick vergangene Woche wegen eines Erschöpfungssyndroms überraschend vom Amt des Cheftrainers bei Schalke 04 zurückgetreten ist, haben hierzulande 82 Millionen potentielle Bundestrainer eine Schnellumschulung zum Psychologen absolviert.

So wurde auch am Sonntag auf dem Bezahlsender Sky in der Fußballtalkshow “Sky90” über Rangnick und das Thema Burnout diskutiert. Zu Gast war unter anderem der heutige Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld, der nach der völlig vergeigten EM 2004 heißer Kandidat für den Posten des deutschen Bundestrainers gewesen war — “Bild” hatte damals unter der Überschrift “Es geht um die Zukunft des deutschen Fußballs: Herr Hitzfeld, unterschreiben Sie hier” sogar einen symbolischen “Arbeitsvertrag” abgedruckt. Doch Hitzfeld sagte ab, weil er sich nach sechs Jahren beim FC Bayern München “ausgebrannt und verbraucht” fühlte.

Bei Sky erinnerte sich Hitzfeld gestern so an jene Zeit:

Es war ein immenser Druck 2004. Ich wurde entlassen bei Bayern München und danach eine Woche später ruft Franz Beckenbauer wieder an, nicht in Funktion von Bayern München, sondern als Funktionär vom DFB und sagte: “Jetzt wirst du unser Bundestrainer” und da sag ich “Das kann ich nicht machen, weil ich bin ausgelaugt und ich brauche eine Pause”. Er hat da wenig Verständnis gehabt und sagt “das ist kein so stressiger Job wie Bundesliga-Trainer oder Bayern München-Trainer. Das kannst du doch machen!” Aber ich habe gesagt, ich kann das nicht und das war sicherlich auch eine schwierige Entscheidung, weil die BILD-Zeitung hatte zu der Zeit auch Riesendruck aufgesetzt und gesagt “Ottmar, mach des!” – haben sogar eine Schlagzeile und mich auch von außen unter sehr viel Druck gesetzt. Und ich glaube das war für mich auch eine schwierige und mutige Entscheidung Deutschland abzusagen.

(Zitiert nach “Alles außer Sport”.)

Sky fand diese Aussagen so bemerkenswert, dass der Sender sie anschließend im Wortlaut in einer Pressemitteilung weiterverbreitete.

Also, fast im Wortlaut:

“2004 war ein immenser Druck. Ich wurde beim FC Bayern entlassen und eine Woche später rief Franz Beckenbauer an in Funktion vom DFB und sagte,: ‘Du wirst jetzt unser Bundestrainer.’ Da sagte ich, ich kann das nicht machen, ich bin ausgelaugt und ich brauche eine Pause. Dafür hatte er wenig Verständnis und sagte, es ist kein so stressiger Job wie Bundesliga-, bzw. Bayern-Trainer – das kannst du doch machen. Es war eine sehr schwierige Phase, weil auch die Medien einen riesigen Druck aufgebaut haben. Ich glaube, das war für mich damals eine schwierige aber mutige Entscheidung, Deutschland abzusagen. Ich habe mich zurückgezogen und über ein Jahr gebraucht, um zu regenerieren, um wieder richtigen Appetit zu haben und um mich wieder am Leben zu erfreuen.”

(Hervorhebung von uns.)

Via “Alles außer Sport”, mit Dank an Stefan M.

Blättern:  1 ... 69 70 71 ... 108