Suchergebnisse für ‘anonym’

Erfolgreiche Einstellung, Mitarbeiter des Monats, ORF-“Liebesg’schichten”

1. Einstellung der Print-Ausgabe: “taz” verliert nur wenig Abos
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Fünf Monate nach der Einstellung ihrer werktäglichen Printausgabe ziehe die überregionale Tageszeitung “taz” eine überraschend positive Bilanz. Entgegen internen Erwartungen hätten fast 90 Prozent der bisherigen Abonnentinnen und Abonnenten den Wechsel zur reinen Digitalausgabe mitgemacht. Wie der Verlag berichte, nutze ein Großteil der Leserschaft nun ein Kombi-Abo aus digitaler Werktagsausgabe und der weiterhin gedruckten Wochenendausgabe “wochentaz”.

2. Weimer beschert “Buchladen Rote Straße” den umsatzstärksten März
(hna.de, Heidi Niemann)
Der Göttinger Buchladen Rote Straße verzeichne nach seinem umstrittenen Ausschluss vom Deutschen Buchhandlungspreis durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eine beispiellose Solidarisierungswelle. Aus ironischer Dankbarkeit für den umsatzstärksten März seit der Gründung im Jahr 1972 habe das linke Kollektiv Weimer kurzerhand per Plakat zum “Mitarbeiter des Monats” gekürt.

3. Liebesg’schichten und ORF-Sachen
(profil.at, Anna Thalhammer)
Nach dem Rücktritt des ORF-Chefs Roland Weißmann wolle die ORF-Interims-Generaldirektorin Ingrid Thurnher Licht ins Dunkel der “Liebesg’schichten” beim österreichischen Sender bringen. Dazu habe sie ein Formular ins Intranet gestellt. Laut Anna Thalhammer, Chefredakteurin und Herausgeberin von “Profil”, sei Thurnher die ideale Person für diese Aufgabe: “Sie stand kurz vor der Pension, hat nichts zu verlieren, genießt einen tadellosen, parteifreien Ruf. Sie kann schonungslos aufklären und aufräumen. Ingrid, I feel you. Wir Frauen müssen eben ran, wenn die mächtigen Kerle es verbockt haben.”

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4. Jugend­mi­nis­terin Prien for­dert sch­nelle EU-Regu­lie­rung
(lto.de)
Bildungs- und Jugendministerin Karin Prien fordere eine rasche europäische Regulierung, um den Zugang von Kindern und Jugendlichen zu Sozialen Netzwerken altersgerecht zu beschränken. Sollte die EU hierbei nicht schnell genug handeln, behalte sie sich einen nationalen Alleingang Deutschlands vor. Eine technische Umsetzung der Zugangskontrollen stelle laut Prien heutzutage keine große Hürde mehr dar, da beispielsweise Künstliche Intelligenz das Alter der Nutzerinnen und Nutzer anhand typischer Verhaltensweisen unkompliziert einschätzen könne, ohne die grundsätzliche Anonymität im Internet aufzugeben.
Siehe dazu auch die Berichterstattung von netzpolitik.org: So schwach argumentiert die Familienministerin (netzpolitik.org, Sebastian Meineck).

5. ROG: Mit Minecraft für Pressefreiheit
(verdi.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) warne vor einem zunehmend feindseligen Klima gegen unabhängige Medien in den USA. Die Regierung unter Donald Trump erschwere dort gezielt den Zugang zu Informationen, schließe Medien selektiv aus und begünstige so eine gefährliche Selbstzensur. Um diesen Repressionen kreativ entgegenzuwirken, habe ROG in dem Computerspiel Minecraft nun einen speziellen “USA-Raum” innerhalb ihrer “Uncensored Library” eröffnet. Dort würden unter anderem gelöschte Regierungswebseiten, die Praktiken der Medienaufsichtsbehörde sowie andere unterdrückte Beiträge gezeigt.

6. Es werden weitere Fehler passieren
(taz.de, Steffen Grimberg)
Der Vorfall um die unbemerkten KI-Bilder im “heute journal” werde derzeit von der internen Revision geprüft. Wie ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten vor dem Fernsehrat betont habe, benötige der öffentlich-rechtliche Sender dringend eine offenere Fehlerkultur sowie deutlich schärfere Abnahmeregeln und Frühwarnsysteme. Künftig müsse bei jedem gesendeten Frame die genaue Herkunft zweifelsfrei geklärt sein. Diese Vorgabe würde in den Redaktionen angesichts enormen Zeitdrucks und rasanter KI-Entwicklungen jedoch auch praktische Sorgen auslösen.

Richter als Hasskommentierer?, Presserat-Rüge, Social-Media-Verbot

1. Anonym verurteilt
(taz.de, Laurenz Schreiner)
Die “taz” berichtet, dass Indizien darauf hindeuten würden, dass ein hochrangiger Richter hinter einem Account stecken könnte, der seit Jahren Frauen und queere Menschen im Internet mit Hasskommentaren überziehe. Laurenz Schreiner ist der Sache in einer lesenswerten Recherche nachgegangen. Er habe dazu auch die betreffende Person angefragt, die davon nichts wissen wolle. Eine Folge habe es dennoch gegeben: “Nach Eingang der taz-Anfrage an Neuhäuser wurden zahlreiche der beanstandeten Kommentare des Accounts gelöscht. Der Anwalt weist darauf hin, dass daraus keine Rückschlüsse auf die Identität des Nutzers gezogen werden dürften.”

2. Presserat-Rüge: Irreführende Berichterstattung der WELT über NGOs
(lobbycontrol.de, Christina Deckwirth & Nina Katzemich)
Der Deutsche Presserat habe die “Welt” wegen einer irreführenden Artikelserie über Nichtregierungsorganisationen öffentlich gerügt. Die Redaktion habe fälschlicherweise behauptet, dass Umweltverbände durch geheime Verträge von der EU-Kommission für Lobbyarbeit bezahlt würden. LobbyControl begrüßt diese Entscheidung des Presserats als wichtiges Signal gegen gezielte Diffamierungskampagnen und für die Einhaltung journalistischer Sorgfaltspflichten.

3. Putins tote Soldaten: Reporter enthüllen die Bilanz des Krieges
(ndr.de, Roman Schell, Video: 15:38 Minuten)
“Zapp”-Reporter Roman Schell geht der Frage nach, wie hoch die russischen Verluste im Krieg gegen die Ukraine tatsächlich sind, und wie Medienschaffende für Transparenz sorgen. Da der Kreml die offiziellen Zahlen geheim halte, würden Journalistinnen und Journalisten versuchen, die Daten selbst zu rekonstruieren. Sie würden dafür öffentlich zugängliche Quellen wie lokale Todesanzeigen, Nachrufe und Beiträge in Sozialen Medien nutzen. Diese Arbeit sei für sie sehr gefährlich, da sie dadurch in Russland als “Auslandsagenten” gälten und meist aus dem Exil operieren müssten.

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4. Social-Media-Verbot ist nicht die beste Lösung
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Eine Umfrage unter 875 Eltern und Kindern habe ergeben, dass eine Mehrheit Soziale Medien lieber einschränken als komplett verbieten wolle. Zwar fänden viele Eltern ein gesetzliches Verbot für Personen unter 16-Jahren prinzipiell gut, allerdings lehne der Nachwuchs dies mehrheitlich ab. Die beliebteste Lösung sei für beide Gruppen daher nicht ein Komplettverbot, sondern eine technische Einschränkung von Funktionen. Einig seien sich fast alle Befragten, dass der Staat hier nicht allein entscheiden solle, sondern die Eltern weiterhin die Hauptverantwortung tragen müssten.
Weiterer Lesetipp: Fast fünf Millionen Konten von australischen Jugendlichen im ersten Monat gesperrt: “Seit Australiens Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige greifen TikTok, Instagram und andere Techkonzerne hart durch: Innerhalb eines Monats wurden 4,7 Millionen Jugendkonten gesperrt – weit mehr als zuvor erwartet.” (spiegel.de)

5. Algo­rithmen regu­lieren statt Mei­nungen bestrafen
(lto.de, Carl Christian Müller)
Rechtsanwalt Carl Christian Müller argumentiert in seinem Gastbeitrag für “Legal Tribune Online”, dass die Debatte um Daniel Günthers missverstandenes “Ja” in der Talksendung von Markus Lanz den Blick auf die eigentlich relevanten rechtlichen Instrumente verstelle. Zivilrechtliche Schritte gegen bewusste Falschbehauptungen sogenannter alternativer Medien seien keineswegs Zensur, sondern rechtsstaatliche Normalität und für demokratische Institutionen sogar geboten. Die massenhafte strafrechtliche Verfolgung einzelner Social-Media-Posts sieht Müller hingegen kritisch. Diese wirke oft unverhältnismäßig und verstärke ungewollt Opfernarrative.

6. Mutter von Elon Musks Kind verklagt seine Firma wegen gefälschter Nacktbilder
(spiegel.de)
Die Autorin Ashley St. Clair, Mutter eines Kindes von Elon Musk, verklage dessen Unternehmen xAI, weil das KI-Tool “Grok” ohne Zustimmung sexuelle Deepfakes von ihr erstellt und auf der Plattform X veröffentlicht habe, teilweise auf Basis von Kinderfotos. Nachdem St. Clair diesen Missbrauch öffentlich kritisiert hatte, soll X als Vergeltungsmaßnahme ihren Premium-Status entzogen und ihr Konto demonetarisiert haben.

Ringen um Spartenkanäle, Heiße Luft aus der Krone, Grok und X

1. Was bleibt, was geht? Wie ARD & ZDF um ihre Spartenkanäle ringen
(dwdl.de, Alexander Krei)
Nach dem Inkrafttreten des Reformstaatsvertrags müssten ARD und ZDF die Anzahl ihrer Spartenkanäle in den Bereichen Information und Unterhaltung drastisch reduzieren. Dies führe hinter den Kulissen zu einem komplexen Ringen um die künftige Aufteilung. Der Kinderkanal KiKa sei bestandsgeschützt, aber Angebote wie One, ZDFneo, Phoenix und ZDFinfo könnten künftig gebündelt werden. Der ARD-Vorsitzende Florian Hager habe eine Einigung für das erste Halbjahr 2026 in Aussicht gestellt, damit die Reform fristgerecht zum Januar 2027 umgesetzt werden könne.

2. Heiße Luft aus der Kronen Zeitung: Das Kern-Comeback ist wieder da
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Bei “Kobuk” berichtet Andrea Gutschi über eine von der “Kronen Zeitung” initiierte Debatte um ein angebliches Polit-Comeback von Christian Kern als SPÖ-Chef, die auf dünner Faktenlage und einer Umfrage mit fiktiven Szenarien basiere. Kern selbst und wichtige Parteiflügel würden die Gerüchte dementieren oder zurückhaltend reagieren. Medien wie die “Krone”, “Heute” und “Oe24” würden das Thema jedoch durch ständige Spekulationen und Kommentare am Köcheln halten.

3. Übermedien wird 10!
(uebermedien.de)
Die “Übermedien”-Redaktion feiert das zehnjährige Bestehen des Portals und blickt auf die Entwicklung vom Projekt der Gründer Stefan Niggemeier und Boris Rosenkranz zu einer etablierten Marke für unabhängige Medienkritik zurück. Das werbefreie Angebot finanziere sich ausschließlich über seine Abonnentinnen und Abonnenten und habe mittlerweile rund 3.300 Beiträge veröffentlicht. Anlässlich des Geburtstags wirbt die Redaktion mit einem speziellen Jubiläumsangebot, um den Fortbestand des kritischen Journalismus zu sichern.

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4. Regierungswechsel ohne Pressefreiheit
(verdi.de, Knut Henkel)
Nach Einschätzung der Journalistin Ronna Rísquez habe sich die Lage für Journalistinnen und Journalisten in Venezuela auch unter der Interimsregierung nicht verbessert, weshalb sie aus Angst vor Repressionen oft nur noch anonym berichten würden. Experten würden davon ausgehen, dass die neue Führung zwar wirtschaftliche Zugeständnisse an die USA mache, die autoritären Strukturen im Inneren jedoch beibehalte.

5. Wie Regierungen gegen Grok und X vorgehen
(netzpolitik.org, Laura Jaruszewski)
Laura Jaruszewski berichtet über die weltweiten Reaktionen auf die Flut sexualisierter Deepfakes durch den Chatbot Grok auf der Plattform X. Länder wie Indonesien und Malaysia hätten Grok bereits gesperrt, andere Staaten würden noch prüfen. Die EU-Kommission erwäge derweil Maßnahmen auf Grundlage des Digital Services Act. Ein Eilverfahren gelte als wahrscheinlichste Option.

6. Alle reden vom Wetter
(taz,de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg thematisiert in der “taz” die aktuelle Dominanz der Wetterberichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Diese beschere den Sendern hohe Einschaltquoten, obwohl die Politik die Programmmenge kritisiere. Grimberg sieht in den Wetterextremen jedoch einen wichtigen Anlass, den Klimawandel stärker in den Fokus der Berichterstattung zu rücken. Er plädiert daher dafür, Formate wie “Klima vor 8” endlich umzusetzen.

BBC wehrt sich gegen Trump, Falsche KI-Tiere, Schabowskis Zettel

1. BBC wehrt sich gegen Trumps Milliardenklage
(spiegel.de)
Donald Trump habe in Florida Klage gegen die BBC eingereicht. Der US-Präsident fordere 10 Milliarden US-Dollar von dem öffentlich-rechtlichen Sender, der sich dagegen wehre. Trump werfe der BBC vor, ihn in einer Dokumentation durch einen fehlerhaften Zusammenschnitt seiner Rede vom 6. Januar 2021, also vor dem Sturm auf das Kapitol, diffamiert zu haben. Obwohl der britische Sender den Schnittfehler eingeräumt und um Entschuldigung gebeten habe, sieht er keine rechtliche Grundlage für Trumps Klage.

2. Falschmeldungen schüren Ängste vor Muslimen
(tagesschau.de, Lena Maurer)
In Sozialen Medien würden sich aktuell massenhaft Falschinformationen über angebliche Vorfälle auf deutschen Weihnachtsmärkten verbreiten, berichtet Lena Maurer im ARD-“Faktenfinder”. Ziel dieser Beiträge sei es offenbar, gezielt Stimmung gegen Muslime und Migration zu machen. Videos von friedlichen, angemeldeten Demonstrationen zum Jahrestag des Sturzes des syrischen Assad-Regimes würden dabei fälschlich als Erstürmung von Weihnachtsmärkten dargestellt, aus dem Kontext gerissene Aufnahmen mit erfundenen Behauptungen verbreitet und KI-generierte Bilder zur Stimmungsmache genutzt.

3. Lüneburger Gericht: Rundfunkbeitrag ist rechtens – Kritik an Böhmermann kein Grund zur Befreiung
(landeszeitung.de)
Das Verwaltungsgericht (VG) Lüneburg habe mehrere Klagen sogenannter “Beitragsblocker” gegen den Rundfunkbeitrag abgewiesen. Diese hätten mit Hilfe von Musterformularen aus dem Internet argumentiert, die Öffentlich-Rechtlichen würden durch einseitige Berichterstattung etwa zum Krieg in der Ukraine oder zur Corona-Pandemie ihren Auftrag verfehlen. Das VG sei allerdings der aktuellen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts gefolgt, wonach die Beitragspflicht erst dann verfassungswidrig sei, wenn das Gesamtprogramm über längere Zeit die gebotene Vielfalt “gröblich verfehlt”. Eine pauschale Kritik an einzelnen Sendungen oder Beiträgen reiche nicht aus. Laut einer Gerichtssprecherin seien bei der Kammer über 100 weitere ähnlich gelagerte Verfahren anhängig.

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4. Streit um den Schabowski-Zettel: Stiftung muss Verkäufer nennen
(rsw.beck.de)
Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Nordrhein-Westfalen habe entschieden, dass das Bonner Haus der Geschichte offenlegen müsse, von wem es den historischen Schabowski-Zettel für 25.000 Euro erworben hat. Geklagt hatte ein Chefreporter der “Bild”-Zeitung. Es gehe um jenen Sprechzettel, mit dem Politbüro-Mitglied Günter Schabowski am 9. November 1989 die neue DDR-Reiseregelung verkündet und mit seiner Äußerung “sofort, unverzüglich” zumindest indirekt die Maueröffnung ausgelöst habe. Das Haus der Geschichte habe dem Verkäufer des Zettels Anonymität zugesichert. Laut OVG überwiege allerdings das verfassungsrechtliche Informationsinteresse der Presse das Vertraulichkeitsinteresse des Verkäufers.

5. Klima vor acht verpasst Spendenziel und will trotzdem ins Erste
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der Verein “Klima vor acht” habe seine Spendenaktion beendet, allerdings statt der angepeilten 250.000 Euro nur rund 135.000 Euro einsammeln können. Mit dem Geld wolle er sich ins Werberahmenprogramm des Ersten einkaufen, um kurz vor der “Tagesschau” einen Spot zum Thema Klima und die Berichterstattung darüber zu platzieren. Allerdings bleibe unklar, ob dieser die Vorgaben des Medienstaatsvertrags für Wirtschaftswerbung erfüllen werde.

6. “Man vertraut der KI schon zu sehr”
(pr-journal.de)
Im Interview mit dem “PR-Journal” warnt Florian Amrhein, Pressesprecher der Heinz Sielmann Stiftung, davor, dass KI-generierte Tierbilder zunehmend professionelle Bilddatenbanken und Soziale Medien fluten würden und dabei oft biologisch falsch seien. So würden sie etwa eine falsche Anzahl an Gliedmaßen oder unrealistische Körperproportionen zeigen. Amrhein zitiert Tierfilmer Sielmann: “Künstliche Darstellungen fördern Unwissen. Heinz Sielmann hat einmal gesagt: Nur was man kennt, schützt man auch. Wenn dieser Bezug fehlt, fehlt auch das Verständnis und damit langfristig der gesellschaftliche Wille, Natur zu bewahren.”

Gekaufte Zugänge?, Klöckners Schlagseite, Fabulierende Maschinen

1. Geld für gezielte Beeinflussung von Politikern?
(tagesspiegel.de)
Die bayerische Staatsregierung überprüfe die staatliche Förderung des “Ludwig-Erhard-Gipfels”, nachdem Vorwürfe über käufliche politische Einflussnahme rund um die Veranstaltung am Tegernsee laut geworden seien. Medienberichten zufolge biete die veranstaltende Agentur des heutigen Kulturstaatsministers Wolfram Weimer Unternehmen gegen Geld exklusiven Zugang zu Spitzenpolitikerinnen und -politikern an. Weimers Sprecher betone, dass der Minister keine operativen Tätigkeiten mehr ausübe. Dennoch stehe die Frage im Raum, ob die Veranstaltung weiterhin mit Steuergeldern unterstützt werden soll.

2. Klöckner klickt rechts
(correctiv.org, Sebastian Haupt & Stella Hesch & Annika Joeres & Isabel Knippel)
Eine Analyse von “Correctiv” zeige, dass Bundestagspräsidentin Julia Klöckner auf ihren Social-Media-Kanälen systematisch Inhalte rechtspopulistischer Akteure und Medien wie “Nius” oder dem “ÖRR-Blog” verbreite. Klöckner nutze ihre Reichweite strategisch, um neben harmlosen Hundefotos Stimmung gegen die Grünen sowie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu machen und Narrative des rechten Randes zu normalisieren.

3. Hanois Justiz verklagt in Berlin lebenden Chefredakteur
(taz.de, Alexandra Wagner)
Vietnams Justiz klage den in Berlin unter Polizeischutz stehenden Journalisten Trung Khoa Lê an, da dieser laut dem vietnamesischen Ministerium für öffentliche Sicherheit durch sein Medium “Thoibao” die sozialistische Ordnung untergrabe. Der Chefredakteur des regierungskritischen, in Berlin beheimateten Onlinemediums vermute hinter dem Vorgehen politische Rache. Er habe einst die Verwicklung des heutigen KP-Chefs in die Entführung des ehemaligen vietnamesischen Politikers und Managers Trịnh Xuân Thanh im Jahr 2017 aufgedeckt.

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4. An vorderster Front, hinter den Kulissen: Was machen Fixer?
(de.ejo-online.eu, Oleksandra Yaroshenko)
Oleksandra Yaroshenko erklärt in ihrem Artikel die unverzichtbare Rolle von sogenannten Fixern, die als lokale Expertinnen und Experten im Ukraine-Krieg maßgeblich entscheiden, welche Informationen und Bilder das internationale Publikum erreichen. Diese Helfer seien keine neutralen Übersetzer, sondern subjektive “Gatekeeper”, deren persönliche Betroffenheit und kulturelle Kompetenz die Berichterstattung forme. Dennoch würden sie oft ohne ausreichenden Schutz oder Versicherung arbeiten und trotz lebensgefährlicher Risiken meist unsichtbar bleiben.

5. Freiheit im Netz nimmt beständig ab
(netzpolitik.org, Paula Clamor)
Der aktuelle “Freedom-on-the-Net”-Report (PDF) der Organisation Freedom House stelle fest, dass die globale Internetfreiheit zum 15. Mal in Folge abnehme. Auch Deutschland verliere Punkte. Politische Aktionen gegen Netzkritik, rechtsextreme Einschüchterungen und russische Cyberangriffe nähmen zu. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, plädiere Freedom House für unabhängigen zivilgesellschaftlichen Aktivismus, lehne jedoch Maßnahmen zur Einschränkung der Anonymität wie Altersverifikationen ab.

6. Tödliche K.I. – Über fabulierende Maschinen und fabulierende Menschen
(54books.de, Joanna Nowotny)
Joanna Nowotny warnt in ihrem Beitrag vor der Gefahr durch KI-Chatbots, da diese die Wahnvorstellungen psychisch labiler Nutzerinnen und Nutzer unkritisch bestätigen und so Tragödien wie Suizide begünstigen könnten. Nach Ansicht der Autorin verstärken die Maschinen durch das Vermischen von Fakten und Fiktion sowie emotionale Bindungsstrategien bestehende psychische Krisen massiv. Da für Tech-Konzerne der Fokus vorrangig auf Profit und Nutzerbindung liege, würden wirksame Schutzmaßnahmen fehlen.
(Solltest Du Suizid-Gedanken haben, dann gibt es Menschen, die Dir helfen können, aus dieser Krise herauszufinden. Eine erste schnelle und unkomplizierte Hilfe bekommst Du etwa bei der “TelefonSeelsorge”, die Du kostenlos per Mail, Chat oder Telefon (0800 – 111 0 111 und 0800 – 111 0 222) erreichen kannst.)

Rechte Buchmesse, Grundrechte-Kahlschlag, Protest gegen Entlassung

1. Ein Besuch auf der rechten Buchmesse
(belltower.news, Jan Tölva)
Jan Tölva berichtet über die rechte Buchmesse “Seitenwechsel” in Halle, die Tausende Besucherinnen und Besucher angezogen und ein breites Spektrum extrem rechter Verlage und Akteure versammelt habe. Die Bandbreite habe von der Neuen Rechten (“Antaios”) und der “Identitären Bewegung” über das “Compact”-Magazin bis hin zu geschichtsrevisionistischen Verlagen gereicht. Tölva wertet die Messe als wichtigen Vernetzungserfolg für die Szene, auch wenn sie gesamtgesellschaftlich eine Randerscheinung bleibe.

2. Max Schrems kritisiert Grundrechte-Kahlschlag
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Ingo Dachwitz schreibt bei netzpolitik.org über die scharfe Kritik des Datenschutzexperten Max Schrems an einer überraschenden DSGVO-Reform der EU-Kommission, die er als “Grundrechte-Kahlschlag” bezeichnet. Laut Schrems würfen die Pläne “40 Jahre europäische Grundrechtsdoktrin über den Haufen”. Er kritisiere das überhastete Vorgehen als “Trumpsche Gesetzgebungspraktiken” und mache die deutsche Bundesregierung mitverantwortlich, die zuvor weitreichende Einschnitte bei der DSGVO angeregt habe.

3. Italien: Protest gegen Entlassung von EU-Korrespondent
(verdi.de)
Der italienische EU-Korrespondent Gabriele Nunziati sei von seiner Nachrichtenagentur Agenzia Nova entlassen worden, nachdem er bei einer EU-Pressekonferenz eine kritische Frage gestellt habe. Nunziati habe gefragt, ob Israel für den Wiederaufbau des Gazastreifens aufkommen solle, ähnlich wie es von Russland für die Ukraine erwartet werde. Sowohl italienische als auch internationale Journalistenverbände hätten die Entlassung scharf verurteilt und sie eine “eklatante Missachtung der Grundprinzipien der Pressefreiheit” genannt.

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4. Fragwürdiges Antenne-Kärnten-Interview mit Missbrauchsopfer
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi kritisiert ein Interview von Antenne Kärnten mit einem ehemaligen SOS-Kinderdorf-Kind, das sich freiwillig beim Sender gemeldet habe, um über seine Missbrauchserfahrungen zu sprechen. Die Redakteurin habe einfühlsam gewirkt, durch bohrende Detailfragen jedoch die Gefahr einer Retraumatisierung des Opfers in Kauf genommen. Die Anonymisierung sei schlampig gewesen, die Stimme nicht verfremdet worden und die Journalistin habe am Ende versehentlich den echten Vornamen des Betroffenen genannt.

5. Geschlechtergerechte Sprache: Wie deutsche überregionale Tageszeitungen nicht-binäre Personen darstellen
(de.ejo-online.eu, Allegra Knobloch)
Allegra Knobloch stellt eine Bachelorarbeit vor, die untersucht hat, wie überregionale Tageszeitungen aus Deutschland über nicht-binäre Personen berichten. Die quantitative Inhaltsanalyse von 61 Artikeln aus “taz”, “SZ”, “Welt”, “FAZ” und “Bild” habe ergeben, dass die Betroffenen trotz bekannter Wünsche in über der Hälfte der Beiträge (52 Prozent) fälschlicherweise mit männlichen oder weiblichen Bezeichnungen versehen worden seien. Die Untersuchung zeige außerdem, dass konservative Medien mehr als doppelt so oft misgendern wie progressive Medien.

6. Fake-KI-News über Basel: Die Spur führt zu einer Fitness-Kette aus Grossbritannien
(fairmedia.ch, Jeremias Schulthess)
Eine Recherche von “Fairmedia” und “Prime News” hat sich mit der Website basel-zeitung.com beschäftigt. Dabei handele es sich um ein KI-gestütztes “Fake-News”-Portal, das Artikel von seriösen Medien kopiere und Falschinformationen sowie erfundene Autoren veröffentliche. Obwohl die Seite kein Impressum angebe, würden alle Spuren auf eine internationale Fitness-Kette aus Großbritannien deuten. Ein Marketing-Professor vermute dahinter eine “Performance-Marketing-Kampagne”.

Giftschränke der Bundesregierung, Minister in Bedrängnis, “Das crazy”

1. Die Giftschränke der Bundesregierung
(abgeordnetenwatch.de, Martin Reyher)
Laut “Abgeordnetenwatch” habe die Bundesregierung in mehreren Fällen versucht, brisante Unterlagen etwa zu Nord Stream 2 oder Lobbykontakten zu BMW und Porsche zunächst zurückzuhalten oder gar nicht erst als “amtlich” zu registrieren. Martin Reyher zeigt auf, dass solche Dokumente häufig erst nach öffentlichem Druck oder Klagen auftauchen. Diese Praxis unterlaufe das Informationsfreiheitsgesetz und erschwere es Journalistinnen und Journalisten, Regierungshandeln kritisch zu hinterfragen. Wenn staatliche Stellen gezielt Informationen zurückhalten, sei unabhängige Recherche kaum noch möglich.

2. Staatsminister in Bedrängnis – Weidel schaltet Anwälte ein
(t-online.de, Annika Leister)
AfD-Chefin Alice Weidel habe Anwälte eingeschaltet, weil das Onlinemagazin “The European” sie zwischen 2017 und 2021 als Autorin von Texten aufführte, obwohl sie dafür weder geschrieben noch ihre Erlaubnis gegeben habe. “The European” gehöre zur Weimer Media Group, die von Wolfram Weimer gegründet wurde, der heute Kulturstaatsminister unter Kanzler Friedrich Merz ist und als dessen Vertrauter gilt. Die Plattform weise die Vorwürfe zurück und behaupte, es habe sich um “dokumentarische Publikation von Politikerreden” gehandelt. t-online.de-Hauptstadtreporterin Annika Leister kommentiert dies wie folgt: “So mit Reden in gehäufter Zahl, Pressemitteilungen und anderen Äußerungen von Politikern zu verfahren, war allerdings in der seriösen Medienlandschaft nie Usus.”

3. Chatbots fressen Klicks und Quellen auf
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Laut Tomas Rudl verdrängen KI-gestützte Suchmaschinen wie die Google-KI zunehmend den klassischen Zugang zu Informationen und verringern damit den Traffic für journalistische Quellen drastisch. Studien würden zeigen, dass Nutzerinnen und Nutzer seltener auf verlinkte Quellen klicken. Das gefährde die Wirtschaftlichkeit von Medienhäusern und schränke die Vielfalt im Netz ein. Gleichzeitig gewännen Inhalte von Akteuren mit politischen oder wirtschaftlichen Interessen an Einfluss.

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4. Medienkrise in Österreich: Wer wird noch Korruption aufdecken?
(profil.at, Franziska Schwarz)
Der österreichische Journalismus stecke in einer tiefen Krise. Stellenabbau, sinkende Reichweiten und schlecht gesteuerte Förderungen hätten zu einem historischen Tiefstand bei den Beschäftigten geführt. Ursachen seien wegbrechende Werbeeinnahmen, eine Abo-Müdigkeit, der Aufstieg KI-gestützter Suchsysteme und eine Förderpolitik, die an der Realität vorbeigehe.

5. Medienethiker warnt vor Propaganda in alternativen Medien
(fr.de, Florian Leclerc)
Der Wiener Medienethiker Luis Paulitsch habe auf der Frankfurter Buchmesse vor der wachsenden Wirkung alternativer Medien gewarnt, die oft nicht journalistischen Standards folgen und gezielt Propaganda verbreiten würden. Er nennt Beispiele von rechts wie “Tichys Einblick”, “Compact” oder “Nius”, aber auch linke Formate wie “Konkret”, und betont, der Begriff “alternativ” sei politisch nicht eindeutig. Am Fall der verhinderten Wahl der Verfassungsrichterin Frauke Brosius-Gersdorf zeige sich, wie stark solche Medien Debatten beeinflussen können. Paulitsch fordert Politik und Zivilgesellschaft auf, bei Förderung und Kommunikation klar zwischen seriösem Journalismus und Stimmungsmache zu unterscheiden.

6. »Das crazy« ist Jugendwort des Jahres
(spiegel.de)
“Das crazy” ist zum Jugendwort des Jahres 2025 gewählt worden. Die Floskel, die genutzt werde, wenn man sprachlos sei oder keine echte Antwort geben wolle, habe sich knapp gegen “goonen” und “checkst du” durchgesetzt. Bei der anonymen Onlinewahl seien angeblich rund zwei Millionen Stimmen von 11- bis 20-Jährigen abgegeben worden. Seit 2020 dürfe ausschließlich diese Altersgruppe über das Jugendwort abstimmen (“Wir müssen uns darauf verlassen, dass die Teilnehmenden ihr Alter wahrheitsgemäß angeben”, so eine Sprecherin der von einem Verlag betriebenen Aktion).

Eklat um Donnepp Media Award, Kein selbstschießendes Auto, Privatsache

1. Donnepp Media Award wegen Antisemitismusvorwürfen aberkannt
(epd.de)
Im vergangenen Januar wurden die vom “Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises” gestifteten Donnepp Media Awards verliehen. Ein Preis ging an die Abiturientin Judith Scheytt, die sich unter anderem kritisch mit der deutschen Nahost-Berichterstattung beschäftigt. Nun sei Scheytt der Preis aberkannt worden. Ihr werde vorgeworfen, die Hamas-Rhetorik auszublenden und Israel pauschal Kriegsverbrechen vorzuwerfen. Scheytt hat dem auf Instagram widersprochen. Es sei “nicht die Aufgabe von Medienkritik, Verständnis für militärische Operationen zu zeigen.” Teile der Jury seien deutlich gegen die Aberkennung der Preises gewesen. Und auch die für ihren Medienjournalismus ausgezeichnete Mit-Preisträgerin Annika Schneider ist spürbar entsetzt: “Die Vereinsvertreter haben sich offensichtlich mit ihrer Arbeit und ihren Themen nicht ausreichend auseinandergesetzt, weder vor noch nach der Preisverleihung. Sonst hätten sie gewusst, dass die Auszeichnung Kritiker auf den Plan rufen wird – und sich dafür besser gewappnet. Sonst hätten sie verstanden, dass ihr Einknicken genau die Schieflage beweist, die Judith Scheytt immer wieder kritisiert.” Mit bemerkenswerter Konsequenz gibt Schneider nun ihren eigenen Preis zurück: “Ich möchte mich nicht für ‘guten Medienjournalismus’ auszeichnen lassen von einem Verein, der dessen Prinzipien selbst nicht einhält.” Sie werde Statue und Urkunde zurücksenden und die erhaltenen 5.000 Euro zurücküberweisen.

2. Nein, in China gibt es keine selbstschießenden Polizeiautos
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Medienberichte über selbstschießende Polizeiautos in China würden auf einer Fehlinformation beruhen, berichtet Hans Kirchmeyr bei “Kobuk”. Ein falsch übersetzter chinesischer Bericht habe ein Kamerasystem mit einem “Schießgerät” verwechselt, das sich bei genauerer Prüfung lediglich als Notruf- und Überwachungstechnik entpuppt habe. Die Falschmeldung habe sich ausschließlich im deutschsprachigen Raum verbreitet, ausgelöst durch ein irreführendes Video des Contentanbieters “KameraOne”.

3. X sieht kein Problem, wenn Nutzer SA-Parole verwenden
(t-online.de, Lars Wienand)
Elon Musks Plattform X weigere sich weiterhin, deutschen Behörden Nutzerdaten herauszugeben, selbst in strafrechtlich relevanten Fällen wie der Nutzung von NS-Parolen. Die Staatsanwaltschaft ermittele deshalb inzwischen gegen mehrere X-Manager wegen möglicher Strafvereitelung. Die Social-Media-Plattform berufe sich auf angebliche Verstöße gegen Europarecht und fordere, dass deutsche Ermittler stattdessen den langwierigen Weg über US-Rechtshilfeabkommen gehen sollen.

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4. Rechtspopulist soll nach Beleidigung von taz-Reporter zahlen
(taz.de)
Wie die “taz” berichtet, muss der rechtspopulistische YouTuber Anthony Lee 100 Euro zahlen, um einer Anklage wegen Beleidigung zu entgehen. In mehreren Videos habe Lee den “taz”-Redakteur Jost Maurin massiv beschimpft, darunter mit Ausdrücken wie “Arsch” und “Idiot”. Die Staatsanwaltschaft sehe darin einen strafbaren Angriff auf die Menschenwürde. Maurin werte die Entscheidung als Signal gegen rechte Demagogie.

5. RTL Group will für Sky-Übernahme vier Mio. Aktien zurückkaufen
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Die RTL Group plane, bis zu vier Millionen eigene Aktien zurückzukaufen, um eine “variable Kaufpreis-Komponente” für die Übernahme von Sky Deutschland abzusichern. Diese Komponente hänge vom künftigen Kurs der RTL-Aktie ab und könne bis zu 377 Millionen Euro betragen. Bertelsmann, Hauptaktionär der RTL Group, wolle dabei die Hälfte der angestrebten Aktien beisteuern.

6. Auch eine Promi-Hoch­zeit ist Pri­vat­sache
(lto.de, Hasso Suliak)
Der Bundesgerichtshof habe entschieden, dass Medien wie die “Bild”-Zeitung nicht identifizierend über nichtprominente Ehepartner von Prominenten berichten dürfen. Im konkreten Fall hatte der Ehemann von Ex-Model Nadja Auermann erfolgreich auf Anonymitätsschutz geklagt. Die Berichterstattung über seine Hochzeit mit Auermann habe seine Privatsphäre verletzt. Laut “Legal Tribune Online” stärke das Urteil den Persönlichkeitsschutz von Privatpersonen und dürfte künftige Promi-Berichterstattung in ähnlichen Fällen deutlich einschränken.

Rechte Influencerinnen, “Streiflicht”, “Schlacht um Wahrheit”

1. Rechte Influencerinnen im Netz
(verdi.de, Lars Lubienetzki)
Lars Lubienetzki beschreibt, wie rechte Influencerinnen traditionelle Rollenbilder mit rechtskonservativer Ideologie verknüpfen und diese geschickt über ästhetische Social-Media-Inhalte verbreiten. Durch ihr scheinbar harmloses Auftreten würden sie weniger radikal wirken, könnten so jedoch effektiv rassistische, antifeministische und queerfeindliche Botschaften platzieren.

2. Oberverwaltungsgericht stoppt Warnhinweise in Stadtbücherei Münster
(spiegel.de)
Das Oberverwaltungsgericht Münster habe entschieden, dass ein sogenannter Einordnungshinweis der örtlichen Stadtbücherei zu zwei Büchern rechtswidrig sei und entfernt werden müsse. Die Bücherei hatte die beiden Werke mit einer Art Warnung versehen: “Dies ist ein Werk mit umstrittenem Inhalt. Dieses Exemplar wird aufgrund der Zensur-, Meinungs- und Informationsfreiheit zur Verfügung gestellt.” Eines der Bücher soll die bemannte Mondlandung und den Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki infrage stellen. Der Hinweis habe die Meinungsfreiheit und das Persönlichkeitsrecht des Autors, der sich dagegen juristisch gewehrt hat, verletzt, da er eine negative Wertung darstelle und potenzielle Leserinnen und Leser abschrecken könne. Bibliotheken dürften zwar Bücher auswählen, aber keine derartigen Hinweise anbringen.

3. Warum die Zeitungskolumne im Netz zum Problemfall wird
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier widmet sich in seiner Kolumne der Frage, welchen Platz traditionsreiche Zeitungsformate wie das “Streiflicht” der “Süddeutschen Zeitung” im digitalen Zeitalter noch haben. Er beschreibt die besondere Qualität der anonymen, ironisch-assoziativen Glosse und beklagt, dass sie online weder hervorgehoben noch in ihrer Wirkung verständlich präsentiert werde. Durch die entkontextualisierte Darstellung im Netz verliere das “Streiflicht” seine Wirkung: “Das Internet atomisiert alles, beraubt es seines Kontextes.”

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4. “Wir stehen vor einem Dilemma”
(taz.de, Katrin Gottschalk)
Zum 30. Jubiläum der “taz” im Internet sprechen Magdalena Hess und Markus Beckedahl über die Entwicklung des Internets und seine heutigen Herausforderungen. Hess, Klimaaktivistin und Mit­initiatorin der Kampagne #ReclaimTikTok, berichtet von ihrem aktivistischen Einsatz auf Social-Media-Plattformen und ruft zu mehr Sichtbarkeit progressiver Inhalte auf. Beckedahl, Gründer von netzpolitik.org sowie des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie, kritisiert die zunehmende Machtkonzentration großer Tech-Konzerne und fordert dezentrale, offene Alternativen. Beide plädieren für mehr politische Regulierung, digitale Bildung und Nutzerbeteiligung.

5. “Schlacht um Wahrheit”: Stimmen der Demokratie müssen aufrüsten
(dwdl.de, Torsten Zarges)
Beim Global Media Forum der Deutschen Welle haben internationale Medienvertreterinnen und -vertreter über zunehmende Bedrohungen für den Auslandsjournalismus diskutiert. Torsten Zarges fasst die wichtigsten Themen zusammen: den Finanzierungsstopp für US-Auslandsmedien wie Radio Free Europe, die wachsende Medienmacht autoritärer Staaten sowie die Notwendigkeit engerer Kooperationen freier Medien.

6. USA sollen TikTok-Klon bekommen
(netzpolitik.org, Karoline Tanck)
Nach Recherchen des US-Magazins “The Information” plane TikTok eine separate App nur für den US-Markt, um einem Verbot zuvorzukommen. Hintergrund sei der politische Druck durch Donald Trump, der TikTok wegen Sicherheitsbedenken zu einem Verkauf des US-Geschäfts dränge. Die intern nur als “M2” bezeichnete App soll ab dem 5. September 2025 als Download verfügbar sein.

Erfundene Merz-Zitate, X ist ein rechtsfreier Raum, Weltbühne wankt

1. KI-Fake-News: Radio Monster erfindet Merz-Zitate
(msn.com, Jochen Zenthöfer)
Jochen Zenthöfer berichtet, dass das Onlineradio “Radio Monster” bei der Erstellung von Nachrichten Künstliche Intelligenz eingesetzt habe, die falsche Informationen über und erfundene Zitate von Bundeskanzler Friedrich Merz verbreitet habe. So seien angebliche Aussagen von Merz zu Plagiatsvorwürfen erfunden worden. Auf Nachfrage der “FAZ” habe die Betreiberin von “Radio Monster” geantwortet, sie wolle “mit Blick auf unsere geschäftlichen Interessen von einer öffentlichen Darlegung absehen.”

2. X ist ein rechtsfreier Raum
(arminwolf.at)
Der österreichische Journalist und Moderator Armin Wolf berichtet, dass es auf X (früher Twitter) praktisch unmöglich sei, gegen anonyme Hasspostings juristisch vorzugehen, da die Plattform kaum mit Behörden zusammenarbeite und bestehende Gesetze zu schwach seien. Trotz umfassender juristischer Bemühungen sei es ihm nicht gelungen, die Löschung eindeutig strafbarer Postings oder die Herausgabe von Nutzerdaten zu erreichen. Wolfs Fazit: “Es ist mir unbegreiflich, dass noch irgendein anständiger Mensch dieses Medium nützt.”

3. Die Weltbühne wankt
(taz.de, Andreas Speit)
Die von Verleger Holger Friedrich neuaufgelegte “Weltbühne” stehe wegen Antisemitismus-Vorwürfen und einer Nähe zur Neuen Rechten in der Kritik. Friedrich habe den Publizisten Thomas Fasbender trotz dessen rechter Verbindungen als Co-Herausgeber engagiert. Als Reaktion darauf habe die Redaktion des antifaschistischen Magazins “Der Rechte Rand” ihre Zusammenarbeit mit einer Druckerei aufgekündigt, die mit Friedrich kooperiere.

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4. Journalistische Standards und neue Themen: Wie sich Telepolis neu aufstellt
(telepolis.de, Philipp Hahnenberg)
Das Onlinemagazin “Telepolis” habe sich laut eigener Angabe unter Chefredakteur Harald Neuber journalistisch neu aufstellt und dabei klare Standards, neue Themenbereiche und eine Trennung von alten, problematischen Inhalten eingeführt. Rund 70.000 alte Artikel seien vorübergehend offline genommen worden, würden aber bald archiviert und getrennt vom aktuellen Angebot zurückkehren.

5. Rügen für Berichte über Messerangriff von Aschaffenburg
(presserat.de)
Der Deutsche Presserat hat sich mit insgesamt 141 Beschwerden über Medienberichte befasst. Mehrere Beschwerden betrafen dabei die “Bild”-Medien, denen Verstöße gegen journalistische Standards, etwa dem Opferschutz oder dem Wahrhaftigkeitsgebot sowie der Sorgfaltspflicht, vorgeworfen wurden. Insgesamt habe der Presserat 28 öffentliche Rügen, 26 Missbilligungen und 33 Hinweise verteilt.

6. Newsletter Netzwerk Recherche 246 vom 27.06.2025
(netzwerkrecherche.org, Greta Linde)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche (NR). Die aktuelle Ausgabe beginnt mit einem Dank des ehemaliges Vorstandsmitglieds Martin Kaul und einem Rückblick auf die diesjährige NR-Jahreskonferenz in Hamburg. Außerdem gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

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