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Andreas Englisch verwählt sich bei Nummer sicher

Andreas Englisch ist „BILD-Vatikan-Sonder-Korrespondent“. Und seine aktuelle „Bild“-Kolumne vom vergangenen Samstag beginnt geheimnistuerisch geheimnisvoll:

Ich weiß, dass auf dem Schreibtisch des Papstes, der zurzeit in der Wohnung im Cathedral House des Kardinals von Sydney steht, ein Zettel mit folgender Telefonnummer liegt: Sie beginnt mit den Ziffern 02645… Mehr kann ich nicht verraten.

Es ist die Telefonnummer von Steffie B. (81), Kusine von Papst Benedikt XVI. (…) Sie lebte bis zum Jahr 1956 in Weilheim in Oberbayern, dann emigrierte sie nach Cooma bei Canberra in Australien. Ich habe diese Nummer schon einmal angerufen.

„Ja, mei“, sagt sie. „Nach so langer Zeit ruft mich ein deutscher Journalist an. Ich kann es gar nicht glauben“, sagt sie auf Deutsch (…).

Und fünf Absätze später schreibt Englisch:

"Ein kleines Problem gibt es allerdings: Die katholisch erzogene Steffie Brzakovic schloss sich in den 70er-Jahren den Zeugen Jehovas an."

Doch abgesehen davon, dass man sich fragt, was daran eigentlich ein „Problem“ sein soll, ist es nicht das einzige. Denn vor und nach diesem Absatz nennt Englisch die Papstkusine bloß „Steffie B.“. Und wenn man also annimmt, dass Englisch die Frau hat anonymisieren wollen, ist es ihm nicht nur nicht gelungen — es ist zudem auch überflüssig:

Dass Steffie B. Steffie Brzakovic heißt, ist schließlich kein Geheimnis. Bereits 2005 berichtete die „Canberra Times“ über sie* und – was die Überraschung der Kusine über Englischs Anruf ein wenig irritierend wirken lässt – am vergangenen Donnerstag (also zwei Tage vor Erscheinen der Englisch-Kolumne) auch die italienische Zeitung „Il Giornale“, was anschließend weltweit und u.a. durch eine dpa-Meldung weiterverbreitet wurde.

*) Die „Canberra Times“ berichtete damals übrigens (wie jetzt auch „Il Giornale“ und dpa, nicht aber „Bild“), dass der Papst die Kusine schon mal angerufen hat. Kein Wunder also, dass er ihre Nummer kennt. Und wenn nicht: „Il Giornale“ nennt nicht nur Brzakovics Namen, sondern auch Straße und Hausnummer. Der Rest steht im Telefonbuch.

Mit Dank auch an Falk F. für seinen Hinweis.

Andreas Englisch ist leicht zu verwirbeln

Andreas Englisch ist bekanntlich „BILD-Vatikan-Korrespondent“ und stellte am vergangenen Samstag diese bedeutungsschwangere Frage:

"Ermordeten Nazis den behinderten Cousin von Papst Benedikt?"
Vatikan – Bringt ein US-Historiker ein trauriges Geheimnis aus der Familiengeschichte unseres Papstes Benedikt XVI. (81) ans Licht? (…) Vom Vatikan war gestern keine Stellungnahme zu bekommen.

Keine Frage!


„Ein US-Historiker bringt ein trauriges Geheimnis aus der Familiengeschichte unseres Papstes Benedikt XVI. (81) ans Licht. Die Nazis haben 1941 einen Cousin Benedikts verschleppt und ermordet.

Enthüllt hat das der angesehene US-Historiker Brennan Purcell von der Universität De Sales (Pennsylvania) in seinem Buch „Benedikt von Bayern – ein intimes Porträt des Papstes“ (nur in den USA erschienen).

Auch der Vatikan bestätigt diese Geschichte. Georg Gänswein, Privatsekretär des Papstes, erklärte gegenüber BILD die Richtigkeit des traurigen Familien-Geheimnisses.“
(Quelle: Bild.de)

Und weil der Privatsekretär des Papstes die Sache nachträglich doch noch „gegenüber BILD“ bestätigte, findet sich inzwischen auch eine (nachträglich um ein paar Fragezeichen, „solls“ und Zweifel bereinigte) Fassung von Englischs Artikel bei Bild.de (siehe Kasten).

Sonderlich schwer dürfte es dem Vatikan jedoch nicht gefallen sein, „die Richtigkeit des traurigen Familien-Geheimnisses“ zu bestätigen. Im Gegenteil: Der Fidesdienst des Vatikan hatte vor zweieinhalb Jahren schon beiläufig vermeldet, dass Papst Benedikt XVI. am 28. November 1996, damals noch als Kardinal, auf einer vom Päpstlichen Rat organisierten internationalen Konferenz eine Rede gehalten habe.

Dabei erzählte er den Anwesenden vom Fall seines jüngeren Cousins, den das Nazi-Regime 1941 getötet habe, weil er am Down-Syndrom erkrankt war.

Und für Leute, die diesen Fidesdienst nicht kennen, steht „das traurige Familien-Geheimnis“ („Bild“), das jetzt angeblich „enthüllt“ wurde, seit April 2006 (und bis heute) auch bei Wikipedia.

P.S.: Anders als beim letzten Mal erhielten wir auf eine Anfrage bei Englisch bislang nicht nur keine ausführliche und falsche Antwort, sondern gar keine.

Die Kolumne von seinem Andreas Englisch

Auch „BILD-Vatikan-Sonder-Korrespondent“ Andreas Englisch muss ja Woche für Woche seine Bild.de-Kolumne „Die Woche von unserem Papst“ [heißt wirklich so]* mit irgendetwas füllen. Aktuell unter anderem mit folgender Sensation Neuigkeit:

Erstmals in der Amtszeit Benedikt XVI. ändert der Vatikan eine Zeremonie, um den Papst zu schonen. Die traditionelle Prozession zu Fuß an Fronleichnam von der päpstlichen Bischofskirche San Giovanni in Laterano zur Hauptmarienkirche Santa Maria Maggiore entfällt. Der Papst wird im Auto gefahren.
(Hervorhebung von uns.)

Das mit dem Auto stimmt. Aber wie’s aussieht, hat der Papst-Beauftragte Englisch zumindest in den vergangenen Jahren die Fronleichnamsprozession einfach mal geschwänzt. Sonst wüsste er doch, dass Benedikt XVI. auch schon 2007 „im Auto“ fuhr. Und 2006. Und 2005. So wie schon 2004, 2003, 2002, 2001 usw. sein Vorgänger Johannes Paul II. Und so, wie nicht zuletzt Radio Vatikan vorab verlautbaren ließ:

Auch bei der diesjährigen Fronleichnamsprozession mit Papst Benedikt XVI. vom Lateran zur Basilika Santa Maria Maggiore wird Benedikt auf einem großen Pick-Up transportiert.
(Hervorhebung von uns.)

Mit Dank an Volker K. und unseren Vatikan-Sonder-Korrespondenten Ulf.

*) Nachtrag, 28.5.2008: Bild.de hat die Kolumne umbenannt in „Die Woche von Papst Benedikt XVI.“ und bei der Gelegenheit auch den Namen des Kolumnisten berichtigt. An(d)reas Englischs vermeintliche „im Auto“-Neuigkeit hingegen wird unkorrigiert weiterverbreitet.

Andreas Türck, Empörungsdebatten, Merlin

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. „‚Ich werde das Geschrei nie vergessen'“
(einestages.spiegel.de, Christian Gödecke und Danny Kringiel)
Andreas Türck erinnert sich, wie die Nachmittags-Talkshows der 1990er-Jahre produziert wurden: „Pro Tag wurden in Hamburg drei Sendungen aufgezeichnet, an drei Tagen hintereinander in der Woche. Auf dem Gelände standen drei Studios nebeneinander, in dem einen produzierte Schwartzkopff TV ‚Sonja‘, im nächsten ‚Pilawa‘ und im dritten meine Sendung – das Ganze mit einer einzigen Regie, das ging zack, zack! Irgendwann musste man nur noch das Thema wissen, der Rest wiederholte sich.“

2. „Empörungsdebatten – ein Höchstmass an Aufmerksamkeit bei geringstem Einsatz in der Sache“
(nzz.ch, Miriam Meckel)
Miriam Meckel analysiert einige kürzlich in den deutschen Medien geführte Debatten: „Aufmerksamkeit ist die neue Währung der Empörungskultur. Sie entsteht im Tausch von Reiz gegen Reaktion.“ Patrick Breitenbach ergänzt: „Nicht die Bürger im Netz sind nun die großen Lautsprecher, es sind in der Regel weiterhin die etablierten, reichweitenstarken Medien“ (blog.karlshochschule.de). Siehe dazu auch die Shitstorm-Skala (feinheit.ch).

3. „Die ganze Wahrheit über das Nowitzki-Interview“
(david-nienhaus.de)
David Nienhaus muss sich bei einem Telefoninterview im Konferenzmodus mit Dirk Nowitzki die Fragen der „Bunte“ anhören.

4. „Nicht so ein fauler Zauber wie BILD: MERLIN war Springers bestes Blatt (zum 100sten)“
(blog.dummy-magazin.de)
Die Redaktion von „Dummy“ liest „Merlin“, eine esoterische Zeitschrift aus dem Axel-Springer-Verlag von 1948: „Leider ging MERLIN nach nur drei Ausgaben den Weg alles Irdischen.“

5. „The Daily Mail and Everything After“
(marawilsonwritesstuff.com, englisch)
US-Schauspielerin Mara Wilson macht Bekanntschaft mit der Arbeitsweise der britischen „Daily Mail“: „I had read articles in the Daily Mail before, so I knew what to expect: something cheap and sensationalist. What I did not expect was an article composed almost entirely of out-of-context quotes from my blog. There were no citations and there was no link to the original post on my site.“

6. „Nach ständigen Nazi-Vergleichen: Piratenpartei resettet Mitglieder und behebt Fehler im Parteiprogramm“
(eine-zeitung.net, Satire)

Der Papst kommt am Freitag (oder gar nicht)

Der März geht zuende, und außer dem Frühling müsste längst der Papst vor der Tür stehen. Vor einem Jahr, am 4. April 2008, hatte „Bild“ seine Ankunft für diesen April avisiert, groß auf der Seite 1 (außerhalb Berlins natürlich mit „Deutschland“ statt der Hauptstadt in der Schlagzeile):

Die Grundlage für den Artikel war bei genauerem Hinsehen dünn: Dieter Althaus, der Ministerpräsident von Thüringen, hatte den Papst am Tag zuvor bei einer Privataudienz eingeladen und der Papst hat anscheinend nicht sofort Nein gesagt.

Aber „nach BILD-Informationen“ stand nicht nur der voraussichtliche Reisetermin fest (April 2009); die Zeitung wusste aus „gut informierten Kreisen des Vatikans“ (also nicht von Andreas Englisch) unter anderem auch,

  • dass der Papst ein Wochenende bleiben möchte,
  • dass er „an einem Freitagabend auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel landen wird“,
  • dass er „in der Vatikanbotschaft neben der St. Johannes-Basilika an der Lilienthalstraße (Neukölln) übernachten wird“,
  • dass er am Sonntag „in Heiligenstadt Station machen will“,
  • dass es vermutlich „auf dem Gelände vor Burg Scharfenstein einen feierlichen Gottesdienst mit Zehntausenden Gläubigen“ geben wird
  • und dass er am Sonntagnachmittag „nach Erfurt fliegt“ und „den Domberg besucht“.

All das wusste „Bild“ damals schon über den Papst-Besuch, nur das winzige Detail, dass der Papst womöglich gar nicht kommt, jedenfalls nicht 2009, das wollte „Bild“ nicht wissen.

Dabei hatten unter anderem das Bistum Erfurt und der Vatikan schon am Vortag die Vorabmeldung von Bild.de dementiert und bestritten, dass ein Besuch feststehe. Die „Süddeutsche“ schrieb einen Tag später, die Spekulationen von „Bild“ und thüringischen Medien „dürften bislang eher den Vorstellungen der hoffnungsfrohen Deutschen entsprechen als denen des Vatikans“.

Inzwischen sieht es so aus, als ob der Papst eventuell 2010 Deutschland besuchen könnte. Vielleicht macht er ja „Bild“ sogar eine Freude und kommt an einem Freitag und bleibt bis Sonntag.

„… der Mann, der mal Georg Ratzinger war“

Andreas Englisch ist nicht nur „BILD-Vatikan-Sonder-Korrespondent“, manche halten ihn sogar für einen der „am besten informierten Journalisten im Vatikanstaat“. (Andere nicht.)

Aktuell hat Englisch dem Papst „Neujahrsgrüße der BILD-Redaktion“ überbracht – und schreibt über Benedikt XVI.:

"Wie sehr, denke ich, hat sich der Mann, der einmal Georg Ratzinger war, doch geändert! Er weiß inzwischen bis ins Detail, was wie wann zu tun ist. Wie scheu stellte sich Benedikt noch zu Beginn seiner Amtszeit vor die Fotografen - schüchtern, fast ungelenk. Jetzt beherrscht Benedikt die Situation, sicher und ruhig."

Georg Ratzinger. Is‘ klar.

Mit Dank an Tom S. für den Hinweis.

Nachtrag, 25.1.2009: Ach, nee… Jetzt, wo Bild.de die Kolumne eines der „am besten informierten Journalisten im Vatikanstaat“ nachgebessert hat, fällt’s uns auch wieder ein: Der heißt ja Joseph!

Kurz korrigiert (480)

Peter Heinlein, der „Bild“-Medienkolumnist, der sich mit Medien ungefähr so gut auskennt wie Andreas Englisch mit dem Vatikan, schreibt aktuell nicht nur darüber, was der ehemalige „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust über seine Nachfolger sagt. Bemerkenswert findet Heinlein vor allem, wo Aust es sagt:

Auch dem öffentlich-rechtlichen Medienmagazin Zapp vom NDR, dem er, wie viele andere auch, Zeit seines Amtslebens beim Spiegel die kalte Schulter gezeigt hatte, stand Aust nun zu Werbezwecken ausführlich Rede und Antwort.

Nö.

Aust hat auch jetzt nicht mit „Zapp“ gesprochen und nannte die Sendung in dem Gespräch, auf das sich Heinlein bezieht, „diese merkwürdige Sendung“. „Zapp“ zeigte nur Ausschnitte aus dem Interview, das Aust dem NDR-Vorabendmagazin „DAS!“ gab, und hatte darauf in der Anmoderation auch unmissverständlich hingewiesen.

Und wer die verpasst hatte, konnte es zur Not an den drei Buchstaben zwischen Aust und der Moderatorin erkennen:

Mit Dank an Thomas P.!

Urbi et Orbi?

Es hat natürlich eine gewisse Tragik, dass die Untersuchung der französischen Wissenschaftler über die Resistenz mancher Menschen gegen das HI-Virus ausgerechnet einen Zusammenhang mit der Ausbreitung des Römischen Reiches herstellte, wodurch das Thema quasi zwangsläufig in den Zuständkeitsbereich des Vatikan-Korrespondenten der „Bild“-Zeitung fiel, obwohl Wissen und -schaft eigentlich nicht dessen Spezialitäten sind.

So aber durfte oder musste Andreas Englisch sich der faszinierenden These annehmen, dass die Römer dafür sorgten, dass in Südeuropa weniger Menschen als in Nordeuropa eine Genvariante haben, die dafür sorgt, dass sie gegen Infektionen mit HIV relativ resistent sind. Die unterschiedliche Verbreitung dieser Genvariante in Europe weist verblüffende Ähnlichkeiten mit der Ausbreitung des Römischen Reiches aus. Eric Faure von der Universität der Provence in Marseille erklärt das laut „New Scientist“ damit, dass die Römer in die von ihnen eroberten Regionen Moskitos mit Krankheitserregern brachten, für die besonders die Menschen anfällig waren, die eine Genvariante trugen, die heute gegen das HI-Virus schützt. Diese Menschen seien in den Bereichen, in die die Römer kamen, deshalb teilweise ausgestorben.

Bei Andreas Englisch liest sich das so:

Die Soldaten brachten Tiere mit sich, Lebensmittel und Krankheiten. Diese Krankheiten sorgten dafür, dass die Leute unter römischer Herrschaft andere Gene besitzen als die unabhängiger Regionen.

Die römischen Legionen, die durch das Gebiet des heutigen Deutschlands zogen, nahmen daher unseren Vorfahren die Chance das Schutzschild zu entwickeln.

Das ist, mit ein bisschen Mühe, wenigstens noch viertelrichtig. Grotesk ist aber der erste Satz, den Englisch für seinen Einstieg in das Thema gewählt hat:

Die Ausbreitung des römischen Imperiums und die Karte der Aids-Erkrankungen sind sehr ähnlich (…).

Nein. Bis nach Zentral- und Südafrika, Russland, Zentralamerika und Asien sind die Römer nicht gekommen.

Mit Dank an Uwe S.!

Allgemein  

Radio Vatikan stellt „Bild“-Vatikanexperten bloß

Der Journalist Andreas Englisch arbeitet seit 1987 als Korrespondent im Vatikan. (…) Auch seit der Wahl des deutschen Papstes Benedikt XVI. gehört er dank seiner exzellenten Verbindungen zu den am besten informierten Journalisten im Vatikanstaat.
(Randomhouse.de über Andreas Englisch)

Englisch ist jedoch nicht nur einer der „am besten informierten Journalisten im Vatikanstaat“, sondern auch „Vatikan-Experte“ der „Bild“-Zeitung. Für „Bild“ schreibt er seit Jahren über den Papst und eine Kolumne, die „Der Papst + ich“, „Die Woche von unserem Papst“ oder auch „Mein Leben mit dem Papst“ heißt.

Und kürzlich behauptete er im Anschluss an die diesjährige Fronleichnamsprozession in Rom, Benedikt XVI. sei dort „erstmals“ im Auto gefahren worden.

Wir hielten das für Unsinn und berichteten.

Englisch für Fortgeschrittene:

„(…) Besonders leid tat mir der Papst, als er vor kurzem am Altar unter der Last der Gewänder stolperte. Und als er während der Fronleichnamsprozession erstmals auf einem Lkw vor der Hostie, dem Allerheiligsten, kniend von der Lateranbasilika zur Marienkirche Santa Maria Maggiore gefahren wurde. Mit den ungeheuer schweren Kleidern, die wieder liturgische Gewänder von Papst Benedikt XV. waren, hätte er kaum zu Fuß der Prozession folgen können. (…)“
(Quelle: „Bild“-München)

Nachdem Englisch jedoch unlängst dasselbe noch einmal in der „Bild“-München behauptet hatte (siehe Kasten), haben wir bei ihm nachgefragt, wie er denn — trotz eindeutiger Beweislage — auf diese abwegige „erstmals“-Behauptung komme. Wir erhielten eine ausführliche und deutliche Antwort:

Wenn Sie sich die Fotos der Corpus Domini Prozessionen der vergangenen Jahre anzusehen, werden Sie merken, dass Sie unrecht haben.

Noch nie wurde ein Papst auf einem Lkw vor einer Hostie kniend von der Lateransbasilika nach Santa Maria Maggiore gebracht. Dass dies jedes Jahr üblich sei, wie Sie behaupten, ist schlicht falsch. Wie Sie aber auch jedem guten Fotoarchiv entnehmen können, gab es eine solche Fahrt bisher nicht. Bisher wurde die Hostie zu Fuß in einer Monstranz vor dem Papst her getragen. Der Vatikan beschloss in diesem Jahr zum ersten Mal, einen Lkw einzusetzen, auf dem der Papst, kniend vor der Hostie, gefahren wurde, weil Benedikt XVI. die ungeheuer schweren liturgischen Gewänder von seinem Vorgänger Papst Benedikt XV. angelegt worden waren. Richtig ist, dass der Papst in den vergangenen Jahren nicht die komplette Strecke zu Fuß ging, sondern für ein Teilstück das Papamobil benutzte, aber wie gesagt noch nie den in diesem Jahr erstmals eingesetzten Lkw und noch nie kniend vor der Hostie. Wie in „Bild“-München völlig korrekt dargestellt, gab es eine solche Überfahrt eines Papstes auf einem Lkw von der Lateransbasilika zur Kirche Santa Maria Maggiore in der Kirchengeschichte bisher nicht.

„Unrecht“, „schlicht falsch“, „bisher nicht“, „noch nie“? Deutlich kürzer, aber nicht weniger deutlich ist die Antwort von Radio Vatikan auf unsere Bitte um ein Statement zu den Ausführungen des „Vatikan-Korrespondenten“ der „Bild“-Zeitung. Der Leiter der deutschsprachigen Radio-Vatikan-Redaktion, Pater Eberhard von Gemmingen, schreibt uns:

Seit Jahren knien die Päpste vor dem Allerheiligsten auf einem Autodeck bei der Prozession vom Lateran nach Maria Maggiore. Herr Englisch liefert leider wiederholt Fehlmeldungen. Das tut mir leid.

Watchbloggen für Anfänger

Andreas Englisch, „Vatikan-Korrespondent“ der „Bild“-Zeitung, hat sich heute mal als RTL-Watch-Blogger versucht. Fünf „Fehler“ meint er, in dem gestern ausgestrahlten Thriller „Das Papst-Attentat“ entdeckt zu haben. Einige davon sind merkwürdige Spitzfindigkeiten und Korinthen (wir wissen gar nicht, woher er das hat). Aber überhaupt scheinen „Bild“-Mitarbeiter eher nicht die idealen Voraussetzungen mitzubringen, um über die Fehler von anderen zu schreiben. Bei Englisch entsteht teilweise ein kaum noch entwirrbares Fehlergewirr:

Im Film heißt es, in Sagres (Spanien) sei 1917 Kindern das Papst-Attentat prophezeit worden. In Wirklichkeit soll die Muttergottes nicht in Spanien, sondern 1927 in Fatima (Portugal) der Ordensfrau Suor Lucia erschienen sein und den Anschlag angekündigt haben.

Sagres liegt nicht in Spanien, sondern in Portugal, auch im Film. Und im Film heißt es nicht, 1917 sei dort das Papst-Attentat prophezeit worden, sondern 1927. Dafür ereignete sich die angebliche Marienerscheinung in der Wirklichkeit nicht 1927, sondern 1917. Kurz gesagt: Ja, das Drehbuch des Films verlegte Ort und Zeitpunkt, aber Englisch beschreibt weder die Fiktion, noch die Realität richtig.

Englisch korrigiert weiter das Drehbuch:

Der Vatikan schickt den Italiener Andrea Conti (Jean-Yves Berteloot) als Sicherheitschef nach Köln. Er ist geweihter Priester und bei der Schweizergarde. Unmöglich! Nur ein Kommandant der Schweizer Armee kann Sicherheitschef der Garde werden, kein Italiener.

Mag sein, nur: Die Filmfigur des Andrea Conti ist gar kein Italiener. Das ist deutlich zu hören, weil er mit französischem Akzent spricht. Und: Er ist Schweizer.

Stellt sich die Frage, ob Englisch den Film überhaupt gesehen hat. Schlimmer wär’s eigentlich, wenn die Antwort Ja lautete.

Mit Dank an F.S. und Sascha.

Nachtrag, 18.30 Uhr: Dem „Wortvogel“ sind noch andere unerklärliche, äh: „Fehler“ in dem Spielfilm aufgefallen, die „Bild“-Fachmann Englisch unerklärlicherweise nicht aufgefallen sind, zum Beispiel dieser: „Der Papst im Film ist gar nicht Benedikt XVI, sondern Clemens Paul I — und den gibt es überhaupt nicht!“

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