Suchergebnisse für ‘LINK’

B.Z., Ines Pohl, Brennpunkt

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “‘B.Z.’ bringt Prozess zum Platzen”
(taz.de, Plutonia Plarre)
Der Prozess um den Todesfall Jonny K. vor dem Landgericht Berlin: “‘Berlins mutigster Schöffe spricht’ – die B.Z.-Schlagzeile sprang Richter Schweckendieck am Montagmorgen in der S-Bahn an. ‘Weil ein Laienrichter das sagte, was alle dachten, droht das Verfahren zu platzen’, heißt es im Text. Genau das ist nun passiert: weil das Springer-Blatt kräftig nachgeholfen hat.”

2. “‘Das ist unsere Antwort auf die Krise'”
(journalist.de, Hans Hoff)
Ein ausführliches Interview mit taz-Chefredakeurin Ines Pohl: “Wir setzen uns immer wieder auch mit den eigenen Rollenbildern auseinander und zwar nicht verhaftet im grünen Muff der 80er. Wir sind schon sehr kritisch auch mit dem, woher wir kommen. Manche sagen, wir sind zu wenig links. Das sehe ich anders.”

3. “Raubüberfälle: Dramatische Panikmache der Krone”
(kobuk.at, Yilmaz Gülüm)
Eine Überprüfung der “Kronen-Zeitung”-Titelschlagzeile “Dramatischer Anstieg der Raubüberfälle”.

4. “Where are we now?”
(kreuzer-leipzig.de, Juliane Streich)
Juliane Streich stellt fest, dass sie über westdeutsche Themen besser Bescheid weiß als über ostdeutsche: “Löblich, dass es Die Zeit inzwischen auch als Ost-Ausgabe gibt. Doch liegt dahinter ein bezeichnendes Problem: Unser Postbote steckt uns manchmal statt der SZ versehentlich die FAZ in den Briefkasten, weil er beide nicht kennt, wie er selbst einmal erklärte. Denn hier abonniert kaum einer die überregionalen großen Zeitungen der alten Republik, was daran liegen könnte, dass sie die neuen Bundesländer hauptsächlich in Artikeln über Neonazis oder Hartz IV thematisieren. Dann doch lieber die SuperIllu oder MDR. Die von hier. Aber Berichte über die Befindlichkeiten von Achim Menzel, Kati Witt und Manfred Krug können es ja nun nicht gewesen sein.”

5. “‘Schlimmer als erwartet’: Wie der ‘Brennpunkt’ Katastrophen-Rhetorik zelebriert”
(ulmen.tv, Peer Schader)
Der ARD-“Brennpunkt” mit Sigmund Gottlieb zum Hochwasser: “Es ist ja richtig: Das Hochwasser richtet großen Schaden an. Darüber sollte das Fernsehen berichten. Im Gegensatz zu den besonnen agierenden Helfern, die derzeit in den Beiträgen porträtiert werden, wirken Journalisten mit übertriebener Sensationsrhetorik, die genüsslich das Wort ‘Katastrophengebiet’ betonen und sich mit Höchststandmeldungen übertrumpfen, aber besonders fehl am Platze. Erst recht in einem Sender, der so sehr die eigene Nachrichtenkompetenz vor sich herträgt.”

6. “Hochwassergebiete halten Flut besorgt dreinblickender Politiker nicht mehr lange stand”
(der-postillon.com)

Panther-Parolen

Die Leute von “Bild” mögen die Leute von Blockupy offenbar nicht besonders. Zumindest gibt sich das Blatt seit Tagen redlich Mühe, die Protest-Bewegung in Verruf zu bringen. Nachdem “Bild” mit kräftiger Unterstützung des hessischen Verkehrsministers zunächst versucht hatte, dem linkspolitischen Bündnis irgendeinen Nazi-Skandal anzuhängen (BILDblog berichtete), legt Bild.de jetzt nach.

In einem Text über die “Blockupy-Sitzenbleiber” (hihi) fassen die Reporter zusammen, was am vergangenen Freitag in der Frankfurter Innenstadt passiert ist. Der Artikel endet so:

Und die Flughafen-Protestler trollen sich wieder Richtung Bahnhof. Mit der Parole: “Heute ist nicht alle Tage…” Der Paulchen-Panther-Spruch, den die Nazi-Mörder vom NSU für ihr widerliches Bekenner-Video nutzten …

Das ist um so viele Ecken gedacht, dass das Kreuz Haken schlägt.

Mit Dank an Teresa M.

Bild, Sonntagszeitung, Schlaraffenland

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “‘Bild’ warnt vor Homo-‘Propaganda’ an Schulen”
(queer.de, dk)
Eine von Bild.de zitierte “Expertin” glaubt, dass Jugendliche durch die Thematisierung von Homosexualität “in die Homosexualität” getrieben werden können.

2. “Mit ‘Bild’ in einem Boot”
(faz.net, Stefan Niggemeier)
Die Bezahlstrategie des Axel-Springer-Verlags, die Nähe des Kaders zu Politikern und die Berichterstattung der anderen Medien: “Nun erscheint Döpfner in der Berichterstattung in der Rolle des Heilsbringers für den Journalismus, die vor Jahren Apple-Gründer Steve Jobs hatte.”

3. “Alles nur Fake?”
(journalist.de, Matthias Daniel)
“Journalist”-Chefredakteur Matthias Daniel prüft ein Foto, das auf der Titelseite der Mai-Ausgabe seiner Zeitschrift abgedruckt war: “Der direkten Frage, ob die Rebellen für Manzano posieren, weicht der Fotograf aus. Aber er sagt, dass zahlreiche Rebellen keine geschulten Militärs seien. Er habe Filmaufnahmen von Kampfsituationen in Syrien gedreht, auf denen Rebellen schießen wollten – und dann feststellten, dass ihre Waffe noch gesichert war. So erklärt Manzano auch die unprofessionelle Handhaltung des Rebellen. Manche wüssten schlicht nicht, wie man eine solche Waffe richtig bedient.”

4. “Ich will keinen Medientrailerpark, ich will ein mediales Schlaraffenland”
(journelle.de)
Journelle listet auf, was sie nicht findet im Journalismus: “Theoretisch könnten mir die ‘alten’ Medien immer mehr egal werden, schließlich finde ich genug Substition in Blogs, internationalen Online-Medien und dank meiner diversen Timelines, die immer wieder feine Sachen heranspülen. Praktisch bin ich aber traurig, dass es nicht noch mehr Angebote gibt und dass so viele Medienschaffende nicht die Chancen am Schopfe packen, die sich gerade ergeben.”

5. “Was ist ein Interview?”
(bundesplatz.blog.nzz.ch, René Zeller)
Die “Sonntagszeitung” lässt sich vier Fragen von der Kommunikationsabteilung des Schweizer Finanzdepartements beantworten. Auf der Titelseite verkauft sie diese als Interview mit Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf.

6. “#nichtschlechtstaunte”
(nichtschlechtstaunte.tumblr.com)

Heavy Metal, @KaiDiekmann, Doosh

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Kai Diekmann’s lousy tweets”
(onlinejournalismus.de, Fiete Stegers)
Eine Analyse der bisherigen Tweets von @KaiDiekmann, dem Twitter-Konto des “Bild”-Chefredakteurs: “Diekmanns Tweets waren also weder besonders informativ, noch scharfzüngig oder unterhaltsam, sondern eher eine Mischung aus Linkschleuder kombiniert mit Selbstbeweihräucherung im Stil einer schlechten Facebook-Page (wie sie außer Hardcore-Fans wirklich niemanden interessieren kann).”

2. “Kompass: Wie der Heavy Metal in den Leitmedien abschneidet”
(powermetal.de, Stephan Voigtländer)
In einem langen Beitrag schaut sich Stephan Voigtländer die Berichterstattung verschiedener Massenmedien über Heavy Metal an: “Die Stereotypen sind Lautstärke, Lärm, Bier, Drogenkonsum (wenn auch keine harten), aber auch Freigeisterei und Unangepasstheit der Metal-Hörer (dies immer auch mit einer gewissen Bewunderung oder Anerkennung für ‘deren’ Lockerheit oder ich-mach-worauf-ich-Bock-hab-Mentalität verbunden). Und natürlich Wacken. Immer und überall.”

3. “Empört euch nicht!”
(tagesanzeiger.ch, Guido Kalberer)
Guido Kalberer schreibt wider die schnelle, kontextlose Empörung: “Wer mit Recherchen belegt oder – schlimmer noch – widerlegt, was andere tags zuvor vermutet haben, kommt immer zu spät. Die Karawane der Meinungsmacher und Mitmacher ist längst weitergezogen und zeigt keinerlei Interesse mehr.”

4. “Chicago Sun-Times cuts entire photography staff”
(chicagobusiness.com, Lynne Marek, englisch)
Die US-Tageszeitung “Chicago Sun-Times” entlässt alle Fotografen, “will ask the papers’ reporters to provide more photography and video for their stories”.

5. “Gehört Stefan Raabs ‘Doosh’-Duschkopf in den ‘SPIEGEL’?”
(tobiasgillen.de)
Die “Spiegel”-Vorabmeldung “TV-Entertainer Stefan Raab bringt selbst entwickelten Duschkopf in den Handel”: “Passiert denn sonst nichts, außer dass ein TV-Entertainer ein Produkt entwickelt, auf das er beim Grillen mit Freunden gekommen ist?”

6. “Mette, Mette, Fahrradkette”
(topfvollgold.de, Mats Schoenauer)
Medienkritik in der Zeitschrift “Freizeit total”.

Peter Frankenfeld, Servicejournalismus, DDR

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “jakob augstein hat das verkaufen verlernt”
(wirres.net, Felix Schwenzel)
Felix Schwenzel bemerkt, dass Leute im Internet sehr wohl Geld ausgeben und das nicht etwa “verlernt” haben, wie Jakob Augstein glaubt: “das problem sind die verlage die für einzelartikel im online-einzelverkauf meinen mehrere euro abrufen zu können, die selten faire und niedrigschwellige abo-pakete anbieten und oft die gleichen absurden kündigungsfristen und abo-bedingungen anbieten wie bei ihren print-pendants.”

2. “Wie? So.”
(theeuropean.de, Stefan Gärtner)
Stefan Gärtner über die “permanente Gängelung durch die freie Servicepresse”: “Journalismus, wie er ist, zielt auf Einverständnis, und indem er dem Publikum die Fragen unterschiebt, die es für seine ureigenen halten soll, oder Antworten gibt auf solche, die nie gestellt worden sind, sorgt er dafür, dass die Fähigkeit, Fragen überhaupt noch zu formulieren, verloren geht.”

3. “Ja, wir schreiben vor!”
(cicero.de, Petra Sorge)
Petra Sorge bekennt: “Ja, so läuft es: Journalisten schreiben ihre Berichte vor.”

4. “Die vierte Machtlosigkeit”
(blogs.faz.net/wost, Katrin Rönicke)
Journalismus in der DDR: “Journalisten hatten in der DDR vor allem die Aufgabe, Weiterleiter der Weisungen der Partei zu sein.”

5. “Entertainer von der rauen Berliner Sorte”
(dradio.de, Beatrix Novy)
Beatrix Novy erinnert an den heute vor 100 Jahren geborenen Peter Frankenfeld. Siehe dazu seine Wetteransage von 1973 (youtube.com, Video, 2:45 Minuten).

6. “Updates to the Newspeak Dictionary, 2013”
(mcsweeneys.net, Michael Levy, englisch)
Neue Wörter für neue Situationen.

Woolwich, Warren Buffett, Konformität

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Medien verbreiten Mörder-Video”
(ndr.de, Video, 5 Minuten)
Pro und Contra zur Veröffentlichung des Amateurvideos nach dem Mordanschlag im Londoner Stadtteil Woolwich. Siehe dazu auch “Blut garantiert Öffentlichkeit” (cicero.de, Alexander Kissler).

2. “Schluss mit kostenlos”
(freitag.de, Jakob Augstein)
“Freitag”-Verleger Jakob Augstein wünscht dem neuen Bezahlmodell von “Bild” im Netz Erfolg. “Wenn Journalismus eine Zukunft haben soll, muss der Leser zahlen. Aber der Leser hat im Netz das Zahlen für Inhalte verlernt.”

3. “Prof. Norbert Bolz über ein ‘echt attraktives Angebot’ der BILD-Zeitung”
(carta.info, Peter Ruhenstroth-Bauer)
Auch Medienwissenschaftler Norbert Bolz lobt “das echt attraktive Angebot”, das “viele Interessenten finden” wird. “Prof. Norbert Bolz ist für die Macher der Springer-Medien kein Fremder: Mal wird er dort als ‘Medienwissenschaftler’, mal als ‘profiliertester Kenner der Medienwissenschaft’ dann wieder als ‘Medienphilosoph’ apostrophiert. Im ARD-Beitrag urteilte er jedoch über die BILD-Online-Bezahlschranke nicht als BILD-Autor, als Referent im ‘Salon’ des Axel Springer Verlags oder als ‘Welt’-Interviewpartner. Hier wurde der unabhängige Medienwissenschaftler befragt.”

4. “Der Einfluss der Eliten auf deutsche Journalisten und Medien”
(ruhrbarone.de, Michael Voregger)
Michael Voregger befragt Uwe Krüger zu seiner Doktorarbeit über die Nähe von Journalisten zur Elite: “Je näher sie den Machthabern und Entscheidern kommen, desto weiter entfernen sie sich von Kritik und Kontrolle. Die Nähe ist meist erkauft mit Konformität.”

5. “Since Twitter hasn’t built a correction feature, here are 3 things journalists can do instead”
(poynter.org, Craig Silverman, englisch)
Craig Silverman glaubt nicht mehr daran, dass Twitter eine Korrekturfunktion bauen wird: “We should instead focus our energies on three areas that will help address the core issue at hand: the spread of misinformation on social networks.”

6. “Warrens Warnung”
(medienspiegel.ch, Edgar Schuler)
80 Zeitungen besitzt Investor Warren Buffett inzwischen teilweise oder ganz. “Die Hoffnung, die Warren Buffett der gedruckten Zeitung scheinbar verleiht, kann man also durchaus auch als Warnung sehen: Nur zum Schnäppchenpreis lohnt die Investition in eine Zeitung. Und auch dann wohl höchstens vorübergehend.”

Bild  

“Endlösungs”-Parolen

Lange keinen Nazi-Skandal mehr gehabt?

“Bild” hat da was für Sie:

Blockupy wirbt mit NS-Ausdruck

Der “Skandal um Blockupy!” sieht dabei angeblich so aus:

Das linke Kapitalismus-Kritikbündnis bedient sich rechter “Endlösungs”-Parolen, nennt unseren Flughafen einen Ort der “Deportation”, wo Menschen nach “Nationalität und Verwertbarkeit sortiert” werden. Verkehrsminister Florian Rentsch ist entsetzt.

Sie wollen aufrütteln und sind dabei übers Ziel hinausgeschossen: Ja, am Flughafen werden viele illegal ins Land Eingereiste und eingeschleuste Wirtschaftsflüchtlinge von den Behörden wieder in ihre Heimatländer zurückgeflogen.

Doch Blockupy vergleicht das rechtsstaatliche Abschieben der Illegalen mit der Deportation von Millionen Juden durch die Nationalsozialisten in Konzentrationslager während des Holocausts.

Tatsächlich bezeichnet die Blockupy-Bewegung auf ihrer Website Frankfurt als “zentrale[n] Knotenpunkt des rassistischen Grenz- und Abschieberegimes der EU”, doch daran scheint sich “Bild” gar nicht zu stören.

Konkret geht es um ein Wort, das in der Aktionsbeschreibung selbst gar nicht vorkommt, sondern nur auf den Plakaten zu lesen ist:

Hessens Verkehrsminister Florian Rentsch (38, FDP), der auch Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft ist: “Man kann sich dafür nur schämen, dass der Begriff ‘Deportation’ so geschichtsvergessen verwendet wird. Dass sich die Linken der Ausdrucksweise des NS-Regimes bedienen, ist ein Skandal.”

Nun ist es nicht so, dass der Begriff “Deportation” ausschließlich von Vertretern des NS-Regimes und von Linken verwendet wird: Auch Medien wie die “Welt”, das “Handelsblatt” oder die DPA verwenden ihn synonym zu “Abschiebung”, was auch der Duden vorschlägt.

Zum anderen bedeutet “deportation” im Englischen schlicht “Abschiebung”, die auf dem Plakat enthaltene Formulierung “Blockupy deportation airport” könnte man also mit etwas weniger bösem Willen auch schlicht als international gehaltene Aufforderung verstehen, einen “Abschiebeflughafen” zu besetzen.

Wir haben deshalb beim Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung nachgefragt, ob Minister Florian Rentsch eigentlich um den Kontext gewusst habe, in dem das Wort “Deportation” bzw. “deportation” steht.

Die Antwort des Sprechers Marco Krause fiel wie folgt aus:

Die Verwendung des Wortes “Deportation” wird in diesem Kontext nicht weniger verantwortungslos dadurch, dass zwei englische Wörter auf dem Plakat stehen. Hier sollten offensichtlich Assoziationen geweckt werden, die entschieden zurückgewiesen werden müssen. Die Plakatmacher haben das sensible Wort offenbar bewusst gewählt, um einseitig Stimmung zu machen. Dies ist geschmacklos gegenüber den Opfern und geschichtsvergessen. Eine Entschuldigung und die Entfernung der Plakate ist das Mindeste, was von den Verantwortlichen verlangt werden kann.

Unsere Frage, ob sich Herr Rentsch vor dem Hintergrund, dass es hier offensichtlich um den englischen Begriff ging, erneut so äußern würde, erschien der Pressestelle als “Suggestivfrage”, schließlich sei es nicht offensichtlich, dass es hier um einen englischen Begriff ging. Herr Rentsch halte die Kritik zu dem Plakat aufrecht, denn das Plakat “spricht leider für sich und spielt mit dem Begriff ‘Deportation’ im Gesamtkontext völlig verantwortungslos”.

Die Verwendung des Begriffs “Deportation” in anderen Medien würde der Minister aber nicht kritisieren, weil diese Medien “anders als das Plakat den Begriff ‘Deportation’ im Gesamtkontext nicht verantwortungslos verwenden”.

Die Antwort des Pressesprechers schließt mit einem bemerkenswerten Satz:

Ich gehe davon aus, dass Sie diese Anfrage parallel an die BILD-Zeitung richten und stelle daher unsere Antworten auf Ihre Anfrage auch der BILD als Quelle des Artikels zur Verfügung.

Mit Dank an Marcus, Martin und Egal.

GNTM, Eins­like, NZZ-Paywall

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. ” Brust raus, Bauch rein, Hirn aus”
(haz.de, Imre Grimm)
Imre Grimm schreibt über “Germany’s Next Topmodel”: “Stellen wir uns kurz vor, es gäbe eine Fernsehshow, die Jungs erklärt, wie Männer zu sein haben. Vorne steht zum Beispiel Ralf Moeller und schreit: ‘Breitbeinig! Geh’ breitbeinig!’, und die jungen Kandidaten gehen so breitbeinig, als wären sie eben auf einer texanischen Ranch vom Pferd gestiegen.”

2. “Bei der Wahrheit bleiben”
(spiegel.de/spiegel/spiegelblog, Sven Becker)
Sven Becker antwortet auf den Blogeintrag von Sexarbeiterin Carmen: “Auf viele Leser muss der Eintrag so wirken, als ob ich die Wahrheit gebogen hätte, um an eine bessere Geschichte zu kommen. Das weise ich zurück.”

3. “Der SPIEGEL und die hohe Kunst des Tendenzjournalismus”
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Auch Thomas Stadler widmet sich der “Spiegel”-Titelgeschichte über Prostitution: “Eine seriöse Berichterstattung hätte vielmehr darauf hinweisen müssen, dass der Gesetzgeber die Regelungen zur Zwangsprostitution 2005 deutlich verschärft hat. Es kann also wahrlich keine Rede davon sein, dass der Staat Frauenhandel und Prostitution fördert. Das Gegenteil ist vielmehr richtig. Der Gesetzgeber hat die Regelungen zu Zwangsprostitution und Frauenhandel deutlich verschärft.”

4. “Die andere Parallelgesellschaft”
(taz.de, Daniel Bax)
“Zwischen 1 und 3 Prozent liegt, je nach Schätzung, der Anteil von Journalisten mit Migrationshintergrund in deutschen Medien”, schreibt Daniel Bax. “Dass bei der ‘Zeit’ heute mehr migrantische Journalisten arbeiten als früher, dient nicht nur der Imagepolitur. Es habe die Atmosphäre im Haus deutlich verändert, glaubt Redaktionschef Ulrich, die internen Diskussionen verliefen nun anders.” Siehe dazu auch ein Interview mit Sheila Mysorekar.

5. “Eine Zahl zieht Kreise”
(medienwoche.ch, Nick Lüthi)
“Schweizer lehnen Paywalls ab”, schreibt Wuv.de zu kursierenden Abozahlen der NZZ-Paywall: “Die apodiktische Aussage zur Zahlungsbereitschaft im Netz fusst auf einer einzigen Zahl und auf einer abenteuerlichen Interpretation derselben. Dumm nur, dass die knackige Schlagzeile mit der Realität nichts zu tun hat.”

6. “Ein Jugendfilter für die ARD”
(stefan-niggemeier.de)
Nach fünf Jahren Entwicklungsarbeit präsentiert die ARD den Mediathek-Bestandteil Einslike: “Der Gedanke, dass die­ses unsor­tierte Pro­gramm­ge­röll als ‘Eins­like’ eine Anlauf­stelle für das furcht­bar ver­misste junge Publi­kum der ARD wer­den könnte: Ich würde ihn welt­fremd nen­nen.”

WordPress, Sexarbeit, Béla Réthy

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Wenn, dann schreibt über meine politische Arbeit…”
(courtisane.de)
Sexarbeiterin Carmen trifft sich mit einem “Spiegel”-Reporter. Nach Erscheinen des Artikels notiert sie ihre Sicht.

2. “Angelina Jolie, Brustkrebs und ein Berichterstattungs-Tsunami”
(medien-doktor.de, Marcus Anhäuser)
Die Flut von Berichten zur Brustoperation von Angelina Jolie: “Die Frage ist naiv, aber wäre es vorstellbar gewesen, wenn es statt seitenweiser Berichterstattung über mehrere Tage (vom 14. Mai bis zum 23. Mai mit einem Stern-Titelbild) nur eine 20 Zeilen-Kurzmeldung auf den Promiseiten dieser Welt gegeben hätte? (…) Eher vereinzelt wird darauf verwiesen, das der chirurgische Eingriff Probleme bereiten kann (ein Aspekt, den auch Jolie nicht anspricht), und so gut wie gar nicht wird deutlich gemacht, dass auch nach der Amputation nach wie vor die Möglichkeit besteht, an Brustkrebs zu erkranken.”

3. “Wie ein kleines Blogsystem die Medienwelt auf den Kopf stellte”
(netzwertig.com, Jürgen Vielmeier)
Jürgen Vielmeier würdigt die Blogsoftware WordPress, gegründet vom damals 19-jährigen Matt Mullenweg. “Einfache Leute konnten plötzlich Medien machen, und sie taten es, zu Tausenden.”

4. “Kurier: Immer näher dran”
(ankommen.nordbayerischer-kurier.de, Joachim Braun)
Joachim Braun, Chefredakteur des “Nordbayerischen Kuriers”, trifft zwei Leser seiner Zeitung.

5. “Béla Réthy, sagen Sie jetzt nichts!”
(joca.me)
Der TV-Live-Kommentar des Champions-League-Finales zwischen Dortmund und Bayern in der Abschrift von Jörgen Camrath (PDF-Datei).

6. “Astrophysiker entdeckt gigantisches schwarzes Loch da, wo eigentlich sein Sexleben sein sollte”
(salaminews.at)

Blog-Marketing, Terrorbotschaften, E-Bikes

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die @Welt, wie es ihr gefällt”
(mediensalat.info, Ralf Marder)
Ein Artikel auf Welt.de verwechselt, welchem Sportler (Lindsey Vonn, Roger Federer, Rafael Nadal) was gefällt auf Facebook.

2. “Das London-Video in der Tagesschau”
(blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
Kai Gniffke erklärt in fünf Punkten, warum die ARD-Tagesschau “eine kurze Sequenz” aus dem mit einem Mobiltelfon aufgenommenen Video zeigte, das in Folge des Mordanschlags in London am 22. Mai 2013 aufgezeichnet wurde.

3. “Zu Diensten, Herr Mörder”
(medienblog.blog.nzz.ch, Rainer Stadler)
Rainer Stadler schreibt zum gleichen Video: “Laut Berichten sollen sie die Passanten aufgefordert haben, die Kameras zu zücken. Für die Terroristen ging die Rechnung auf. Sie haben sich innert Kürze die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit verschafft und ihrer Terrorbotschaft mit radikalen Bildern eine hohe Durchschlagskraft verschafft. Die Tat zehrt von der Propaganda, der Verbreitung von Angst und Schrecken. Zahlreiche Medien dienten ihnen als rückgratlose Gehilfen.”

4. “Teuflisches Angebot”
(zuspieler.de, Sebastian Wenzel)
Via die Blog-Marketing-Agentur Hallimash sucht der Verlag Franckh-Kosmos Blogger, die gegen Geld ein Gesellschaftsspiel besprechen. “Wer im Internet nach ‘Dice Devils’ und ‘Hallimash’ sucht, findet schnell Blogs, die bei der Aktion mitgemacht haben. Wir haben auf diesem Weg zwölf Seiten entdeckt, die über das Spiel berichtet haben. Darunter sind vor allem Blogger, die sonst eher nicht über Spiele berichten.”

5. “Todesfalle E-Bike”
(porcupine.ch, Iwan Schenker)
Ein Bericht über eine Vervierfachung der tödlichen Unfälle mit E-Bikes in der Schweiz (von 2 auf 8): “Fakt ist, dass bei einer korrekten Betrachtung der Zahlen und insbesondere unter Berücksichtigung aller relevanten Zahlen aus statistischer Sicht kein signifikanter Anstieg der Anzahl E-Bike-Unfälle nachgewiesen werden kann, weder mit noch ohne Todesopfer.”

6. “Die Berichterstattung der Rösler-Reise – ein Armutszeugnis”
(handelsblatt.com, Video, 1:58 Minuten)
Jessica Springfeld findet die Berichterstattung über die Silicon-Valley-Reise von Wirtschaftsminister Philipp Rösler “lächerlich” und “ein Armutszeugnis”: “Es sind keine peinlichen Möchtegern-Fotos, die uns erreichen. Röslers lockere Art wirkt authentisch, eher entspannt. Und die mitgeflogenen Startup-Gründer bestätigen: Die Reise war ein voller Erfolg.”

Blättern:  1 ... 126 127 128 ... 290