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Die wundersame Welt der Presseselbstkontrolle

(Hervorhebungen in den Zitaten von uns.)

Am 9. Juli 2006 schrieben wir folgenden Brief an den Presserat:

Beschwerde gegen “Bild am Sonntag” vom 2. Juli 2006, Seite 50: “Hinein ins Vergnügen!” und 9. Juli 2006, Seite 56: “Feiern Sie Geburtstag im Holiday Park!” wegen Verstoß gegen Ziffer 7.

Sehr geehrte Damen und Herren,

in den beiden oben genannten Ausgaben bringt die “Bild am Sonntag” unter der Rubrik “Service” jeweils ein einseitiges “Reiserätsel”. Die Artikel sind aufgemacht wie redaktionelle Beiträge und auch im Inhaltsverzeichnis entsprechend angekündigt, geschrieben sind sie von Michael Quandt, laut Impressum Ressortleiter Reise der “Bild am Sonntag”. Es handelt sich aber um rein werbliche Veröffentlichungen. Am 2. Juli preist die “Bild am Sonntag” den Heide Park Soltau an, am 9. Juli den Holiday Park Hassloch — “zwei der schönsten Freizeitparks Deutschlands”. Zu beiden Zielen können Leser Reisen gewinnen.

(…) Die Werbung beschränkt sich nicht auf die Vorstellung des Preises, sondern die ganze Seite, das eigentliche Rätsel inklusive, dient ausschließlich dazu, die beiden Freizeitparks anzupreisen. Die beiden Haupttexte (deren Aufmachung sich in nichts von einem redaktionellen Artikel unterscheidet) stellen ausführlich, undistanziert und im Tonfall einer Werbebeilage die Attraktionen der Parks vor.

(…) Die beiden gesamten Seiten dienen ausschließlich der Bewerbung der beiden Parks, sind aber nicht in irgendeiner Form als Anzeigen oder bezahlte Inhalte ausgewiesen. Damit verstoßen sie systematisch gegen Ziffer 7 des Pressekodex, in der es heißt:

“Verleger und Redakteure (…) achten auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken.”

Wir bitten Sie daher, die “Bild am Sonntag” für diese Artikel zu rügen.

Mit freundlichen Grüßen (…)

 
Mit Datum vom 16. August 2006 antwortete uns der Presserat:

Ihre Beschwerde vom 09.07.2006
./. BILD AM SONNTAG

Sehr geehrter Herr Niggemeier,

ich komme zurück auf Ihre o. g. Eingabe. Diese habe ich mit dem Vorsitzenden des zuständigen Beschwerdeausschusses, Herrn Manfred Protze, besprochen. Wir sind gemeinsam zu der Auffassung gelangt, dass es sich bei den Beiträgen “Hinein ins Vergnügen!” in der Zeitung BILD AM SONNTAG vom 02.07.2006 und “Feiern Sie Geburtstag im Holiday Park!” in der BILD AM SONNTAG vom 09.07.2006, jeweils veröffentlicht auf der Service-Seite mit ausführlichem Hinweis einmal auf den Heide-Park Soltau und das andere mal auf den Holiday Park in Hassloch, nicht um redaktionelle Beiträge handelt.

Sie stellen aus unserer Sicht vielmehr eindeutig werbliche Veröffentlichungen dar, die als solche auch für den Leser unzweideutig erkennbar sind.

Den mit Ihrer Beschwerde monierten Verstoß gegen Ziffer 7 des Pressekodex konnte der Presserat daher nicht erkennen. Ihre Beschwerde ist demzufolge offensichtlich unbegründet.

Mit freundlichen Grüßen

(Lutz Tillmanns)
Geschäftsführer

 
Am 24. August 2006 schrieben wir erneut:

Ihr Schreiben vom 16. August 2006 / Meine Beschwerde vom 9. Juli 2006

Sehr geehrter Herr Tillmanns,

vielen Dank für Ihre Antwort auf meine Beschwerde. (…)

Leider lassen Sie in Ihrer Antwort offen, woran der Leser den werblichen Charakter dieser Veröffentlichungen erkennen können soll. Sie verzichten völlig auf eine Erklärung, wie Sie zu dieser Einschätzung kommen.

Die beiden Reiserätsel, deren “werblicher Charakter” angeblich offensichtlich ist

  • sind im Inhaltsverzeichnis wie redaktionelle Beiträge angekündigt: Das “Reiserätsel” erscheint hier gleichberechtigt als “Rubrik” zwischen dem redaktionellen Ressort “Reise” und dem redaktionellen Ressort “Gesundheit”.
  • unterscheiden sich in der Aufmachung in keiner Weise von redaktionellen “Bild am Sonntag”-Artikeln: Sie verwenden für Überschriften, Artikel, Bildtexte und Autorenzeilen exakt die selben Schriftarten.
  • sind nicht als “Anzeigen”, “Werbung” oder “Promotion” gekennzeichnet, sondern als “Service”. Diesen gleichen Rubrikentitel “Service” tragen auch redaktionelle “Bild am Sonntag”-Artikel wie Gesundheitsratgeber, Essenstips, der “BamS-Familienrat” und der Autotest.
  • sind geschrieben von Michael Quandt, der im Impressum als Leiter des Reiseressorts der “Bild am Sonntag” ausgewiesen wird. Der Leser hat also allen Grund zur Annahme, dass es sich bei Texten, die von einem leitenden Redakteur der “Bild am Sonntag” geschrieben werden, auch um redaktionelle Texte handelt.

All diese Indizien erwecken beim Leser den Eindruck, dass es sich bei den Texten um redaktionelle Artikel handelt. Woran kann er Ihrer Meinung nach “eindeutig” und “unzweideutig” erkennen, dass das Gegenteil der Fall ist?

Anders als der Presserat hält auch die “BamS” diese Texte nicht für werbliche Veröffentlichungen. Ich habe die Zeitung um eine Stellungnahme gebeten, ob es sich bei den Preisrätseln um Werbung oder Redaktion handele. Die Antwort, die ich heute telefonisch bekam, war eindeutig: Es handele sich beim Reiserätsel um redaktionelle Berichterstattung. Werbliche Inhalte seien in der “Bild am Sonntag” als solche gekennzeichnet oder klar erkennbar, beides sei hier nicht der Fall. Es handele sich auch nicht um “redaktionell gestaltete Anzeigen” oder “Advertorials”. Angesprochen auf den undistanzierten, euphorischen Ton in den Artikeln, sagte mir der Sprecher, auch Reisereporter könnten mal begeistert sein, und wiederholte: Es handele sich nicht um Werbung, nicht um Anzeigen.

Wenn die “Bild am Sonntag” der Meinung ist, es handele sich bei ihren “Reiserätseln” um redaktionelle Beiträge, und die Artikel so präsentiert, dass auch der Leser diesen Eindruck haben muss, wie kann dann der Presserat zu dem Urteil kommen, es handele sich “eindeutig” und “unzweideutig” um werbliche Veröffentlichungen?

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir Ihr Urteil erläutern könnten und möchte Sie bitten, meine Beschwerde noch einmal zu prüfen. Die Tatsache, dass ein und derselbe Text nach Ansicht der Zeitung selbst eindeutig einen redaktionellen Beitrag darstellt und nach Ansicht des Presserates eindeutig einen werblichen Beitrag, deutet meiner Meinung nach klar darauf hin, dass das Trennungsgebot nicht erfüllt ist. (…)

Mit freundlichen Grüßen

 
Das war, wie gesagt, am 24. August 2006. Wir haben seitdem in dieser Sache nichts mehr vom Presserat gehört.

Und wie ist Ihr Eindruck?

Vor einer Woche hatte “Bild” den ehemalige Finanzminister Hans Eichel als “Gier-Eichel” bezeichnet und berichtet, er wolle “7000 Euro mehr Pension!” Eichel hatte dieser Darstellung umgehend in einer Pressemitteilung widersprochen und “Bild” “presserechtliche Schritte” angedroht. Einen Tag darauf verklärte “Bild” dann ihren Fehler als “Riesen-Wirbel” (wir berichteten) und bemühte sich am darauffolgenden Samstag noch einmal, “das Chaos um die Minister-Pensionen” zu erklären. “Bild” schrieb:

Schuld an dem Pensions-Chaos sind die komplizierten Gesetze in Deutschland!

Heute nun kommt Eichel selbst zu Wort und “erklärt im BILD-Interview seine Klagen auf höhere Versorgung”:

"Herr Eichel, warum wollen Sie mehr Pension haben?"

Presserechtliche Schritte hat “Bild” jetzt nicht mehr zu befürchten. In einer Pressemitteilung, die Eichel heute herausgegeben hat, heißt es nämlich unter der Überschrift “Bild bedauert und zahlt”:

Bild hat auch die Anwaltskosten übernommen, die Eichel im Zusammenhang mit dieser Auseinandersetzung entstanden sind.

“Bild” hat also eingesehen, dass sie mit ihrer Berichterstattung über die “7000 Euro mehr Pension” voll daneben lag. Allerdings traut “Bild” sich offenbar trotzdem nicht, das auch ihren Lesern mitzuteilen. “Bild” leitet das heutige Eichel-Interview nämlich so ein:

BILD bedauert, dass durch den Bericht ein falscher Eindruck entstehen konnte und sprach über die Pensionsklagen mit Hans Eichel.

Für Eichel mag das damit erledigt sein. Unsinn ist es aber trotzdem. Der falsche Eindruck “konnte” nicht entstehen, er musste entstehen:

"Eichel will 7000 Euro mehr Pension!"

Kurz korrigiert (302)

Anthony Hopkins: Ehefrau dachte, er wollte sie fressenUnd wenn man, wie die Mitarbeiter der Bild.de-Rubrik “Internet-Klatsch”, ohnehin den ganzen Tag aus kleinen Dingen große Geschichten macht, wird aus einer “kurzen Beziehung” zwischen Martha Stewart und Anthony Hopkins auf der Homepage schnell mal eine Ehe.

Danke an Katrin S., Alexander B., Marco S. und Jörg F.!

Nachtrag, 19.40 Uhr. Aus der “Ehefrau” wurde inzwischen die “Freundin”.

6 vor 9

Diese Macht ist mit uns
(Tagesspiegel Online, Jo Groebel)
Wenn Medien digital werden – was bedeutet das für die Nutzer? Sieben Thesen zur gemeinsamen Zukunft von Mensch und Maschine.

Wo Diekmann Kapitän ist
(jungle-world, Thomas Blum)
Nichts gegen Orgien, solange kein Bild-Reporter dabei fotografiert. Gerhard Henschels kluge Kritik des größten Boulevardblatts Europas.
(Bezieht sich auf das Buch “Gossenreport. Betriebsgeheimnisse der Bild-Zeitung“)

Zeit über Gebühr verbringen
(Neues Deutschland, Rainer Braun)
Das Fernsehjahr 2006 nähert sich dem Ende – was hat es gebracht?

Unsittlich? Aber immer!
(FR online, Tilman P. Gangloff)
Die hunderste Ausgabe des deutschen MAD erscheint.

Frequenzauktion: Der Hammer ist gefallen – Kommentar
(Readers Edition, Georg Erber)
Die Auktion für die 3,5 GHz – die so genannten WiMax-Frequenzen – ist zu Ende.

«Vieles deutet auf eine Katastrophe hin»
(Weltwoche.ch, Mathias Plüss)
Sie fürchten um den Schiefen Turm von Pisa, prognostizieren den Super-Gau oder auch bloss die Wanderung ihrer Seele: Wie Frauen die Zukunft sehen.
(Die Weltwoche hat zu Weihnachten wieder eine “Interview-Sonderausgabe” gemacht.)

  

Eins, zwei, drei, ganz Deutschland

Kennen Sie Frank Ficker? Oder die Zahnarzthelferin Stefanie K.? Doch, doch: Die kennen Sie! Garantiert! “Bild” hat in diesem Jahr darüber berichtet, dass Sie über Ficker gelacht und die Zahnarzthelferin bedauert haben. Aber lesen Sie selbst:

5. Januar 2006:"Ganz Deutschland" diskutierte” über ein ZDF-Interview mit der befreiten “Irak-Geisel”Susanne Osthoff, das “Bild” übrigens “seltsam” fand.

7. Januar 2006: In einem ostanatolischen “Geflügel-Dorf” starben mehrere Kinder, über die “Bild” zuvor berichtet hatte, “an Vogelgrippe”. Das “schockt ganz Deutschland

26. Januar 2006: Kaum vom Vogelgrippe-Schock erholt, “schockt” die Nasa mit einer neuen Klima-Studie. Allerdings nicht etwa ganz Deutschland, sondern nur, “während ganz Deutschland über die Bibberkälte der letzten Tage spricht”.

27. Januar 2006: Ganz Deutschland diskutiert” wieder. Diesmal: Ob es für ausländische Kinder eine Deutschpflicht auf dem Schulhof geben soll.

3. Februar 2006: Ganz Deutschland diskutiert über die Rente mit 67.”

18. Februar 2006: “Die Entführung der Gymnasiastin Stephanie (13) erschüttert ganz Deutschland.”

18. Februar 2006: Nachdem “ganz Deutschland” über Susanne Osthoffs ZDF-Interview diskutiert hatte, reist sie wieder in den Irak. “Diese Nachricht macht ganz Deutschland fassungslos.”

21. Februar 2006: Ganz Deutschland spricht über die wilden Lebenserinnerungen von Top-Schauspiel-Star Heiner Lauterbach”, aus denen “Bild” Auszüge vorabdruckt.

1. März 2006: In Greifswald verurteilt “Deutschlands gerechtester Richter” einen jungen Mann wegen fahrlässiger Tötung zu vier Jahren Gefängnis, und “sein Urteil sorgt in ganz Deutschland für Anerkennung.”

4. März 2006: Weil “Bild” berichtet, dass ein Minister seine Ehefrau bei einem Stop mit dem Dienstwagen an einer Autobahn-Raststätte “vergessen” hatte, “lacht heute ganz Deutschland…” Zwei Tage später “spricht die vergessene Ministergattin”, abermals zwei Tage später “wird Versöhnung gefeiert”.

24. März 2006: Ganz Deutschland diskutiert” — diesmal über die gar nicht so leichte Frage: “Soll das Kindergeld gekürzt und sollen dafür Kindergärten gebührenfrei werden, um Deutschland familienfreundlicher zu machen?”

6. Juni 2006: Nachdem “Bild” mehrere Tage lang fälschlicherweise behauptet hatte, Hape Kerkeling glaube, er habe schon mal gelebt, “diskutiert ganz Deutschland das Thema Wiedergeburt”.

19. Juni 2006: Ganz Deutschland bedauert Stefanie K. (21), die schöne Zahnarzthelferin aus Berlin.” Warum, haben wir vergessen. Denn “Bild” zeigte zur Aufmunterung die schönsten “erotischen Fotos der Zahnarzthelferin (Oberweite 80 D)”.

27. Juli 2006: “Bild” hat mal wieder irgendwelche Lohn-Listen abgedruckt — und, siehe da: “Ganz Deutschland diskutiert, wer bekommt wieviel Geld für seine Arbeit.”

19. August 2006: Und wer taucht denn da hinter den dicken Mauern seines Ministeriums in der Berliner Wilhelmstraße ab? Der “Urlaub-Weg-Minister” natürlich, “der ganz Deutschland gegen sich aufgebracht hat”.

28. August 2006: Ganz Deutschland diskutiert über die Renten” — immer noch.

29. September: Ganz Deutschland diskutiert die Absetzung der Mozart-Oper ‘Idomeneo’ in Berlin.”

17. Oktober 2006: Ganz Deutschland diskutiert über ein neues, brutales Wort: ‘UNTERSCHICHT!'”

21. Oktober 2006: “Bild” kündigt den Vorabdruck von Gerhard Schröders Memoiren an und schreibt: “Über dieses Buch wird ganz Deutschland diskutieren!”

24. Oktober 2006: Vollzug! Na, fast: “Es ist das politische Buch, über das ganz Deutschland spricht”.

30. Oktober 2006: Offenbar gibt’s für ganz Deutschland gerade nichts zu diskutieren. Aber “Bild” erinnert an Frank Ficker, denn “ganz Deutschland lachte vor knapp einem Jahr über den Mann mit dem komischen Namen.”

31. Oktober 2006: Noch nicht genug gelacht? “Bild” hat noch einen: Überfällt ein Mann eine Videothek. Zieht der Angestellte eine Reizgaspistole und schießt. Und was macht der Mann? “Er rennt aus dem Laden, stolpert, fällt hin, rappelt sich hoch, Geldmünzen fallen aus seiner Jacke. Jetzt fahndet die Polizei nach ihm.” Klarer Fall: “Über diesen Räuber lacht ganz Deutschland!”

1. November 2006: Im Hirschgrund bei Oberlungwitz wird ein weißes Reh entdeckt, (“Bild” berichtete), und “ganz Deutschland hat sich in Rehweißchen verliebt”.

1. Dezember 2006: Ganz Deutschland diskutiert die Rente mit 67.”

8. Dezember 2006: Ganz Deutschland diskutiert” über ein paar Fotos von Günter Verheugen, obwohl ganz Deutschland die Verheugen-Fotos gar nicht kennt.

Gestern: Für ganz Deutschland hat die Aufregung um “Sozial-Punk” Henrico Frank offenbar nicht gelangt. Aber immerhin war die “Bild”-Meinungsforschungsredaktion offenbar nicht untätig, denn:

Millionen Deutsche fragen sich: Wieso kriegt so einer überhaupt noch Stütze vom Staat?”

6 vor 9

Der Boxer und der Papst
(Berliner Zeitung, Klaudia Wick)
Die zwölf Menschen des Fernsehjahres 2006.

SpiegelOnline und die Netzeitung erzählen recht unterschiedliche Geschichten über Henrico Frank:
Henrico, das Beck-Gespenst
(Spiegel Online, Björn Hengst und Carsten Volkery)
SPD-Chef Beck hat acht Jobs für den arbeitslosen Henrico Frank gefunden. Doch der zeigt sich nicht dankbar, sondern schwingt sich zum Anwalt aller Arbeitslosen auf. Wird der Hartz-IV-Empfänger zum Schreckgespenst für den rheinland-pfälzischen Regierungschef?
Wiesbaden droht Rasiertem mit ALG-II-Kürzung
(Netzeitung)
Mitarbeiter von SPD-Chef Beck haben dem arbeitslosen Frank acht Stellenangebote überbracht. Die Staatskanzlei erklärte den Fall damit für erledigt. Das Sozialamt ermahnte den berühmten Erwerbslosen indes.
Fest steht, wenn man das Foto bei SpOn sieht: Das Waschen und Rasieren hat nicht lange vorgehalten.

60 Jahre “Der Spiegel” – ein Gründungsmitglied erzählt
(Deutschlandfunk, Brigitte Baetz)
Leo Brawand ist der letzte lebende Gründungsredakteur des Nachrichtenmagazins “Der Spiegel”, das in vierzehn Tagen seinen 60. Geburtstag feiern wird.

Hausfrauen ohne Werbepausen
(Der Tagesspiegel, Wilfried Urbe)
Von “24” zu “Stalingrad”: Der DVD-Verkauf wird für TV-Produzenten immer wichtiger.

Im neuen Kleid
(sueddeutsche.de, Hans-Jürgen Jakobs)
Das Re-Design eines der führenden Nachrichten-Portale im deutschsprachigen Netz ist Auftakt einer breiten redaktionellen Offensive. sueddeutsche.de wird von nun an stärker als bisher mit der Redaktion der Süddeutschen Zeitung zusammenarbeiten.
sueddeutsche.de ist neu – und hat wie Spiegel Online auch die linke Navigationsleiste abgeschafft.

Veranwortung der Medien bei der Suizid-Berichterstattung
(Chefredaktor-Blog, Ueli Haldimann)
“20 Minuten” und der “Tagesanzeiger” berichten ausführlich über Suizide, mit Nennung der geeigneten Orte.

Das beste Sauerland der Welt

Man könnte denken, dass jemand, der Artikel geschrieben hat wie “Lesbe (taubstumm) sticht Lesbe (taubstumm) nieder”, “Waldmensch metzelt Spaziergänger nieder” oder “Armer Mann mit Dauererektion: Droht jetzt sogar eine Amputation?” — dass so jemand schwer zu erschüttern ist. Aber so abgebrüht ist “Bild”-Reporter Sven Kuschel nicht. Die Meldung, dass vier nordrhein-westfälische Zweckverbände an einer Fusion arbeiten, hat ihn elektrisiert. In gewaltiger Größe verkündete er gestern in “Bild”-Westfalen diese frohe Botschaft:

Geheimer Politiker-Plan: Unser Sauerland wird Super-Nationalpark

Ein Wort für dieses Gebilde hat Kuschel auch schon gefunden: “Sauerstone”. In Anspielung auf den “weltberühmten Yellowstone-Nationalpark in den USA”, der auch nur knapp dreimal so groß sei wie der “Super-Nationalpark”, der da im Sauerland entstehe.

Blöd nur, dass im Sauerland gar kein Nationalpark entsteht, nicht mal ein Normal-Nationalpark. Entstehen könnte bestenfalls ein großer Naturpark — immerhin taucht dieses entscheidende Wort im “Bild”-Text auch mehrmals auf. Im Gegensatz zu den gesetzlich streng geschützten Nationalparks, Gebieten von “besonderer Eigenart”, in denen sich die Natur möglichst ungestört entwickeln soll, geht es bei Naturparks vor allem um Landschaften, die sich für Erholung und Tourismus eignen und entsprechend gepflegt, entwickelt und vermarktet werden sollen.

Wie wenig spektakulär der geplante Zusammenschluss von vier bestehenden Naturparks ist, ahnt man, wenn Theo Melcher, der Kreisdirektor von Olpe, in “Bild” sagt, es gehe um einen Abbau von Bürokratie und schnellere Planung und Umsetzung von Projekten. Wie auf diese Weise das Sauerland “zu einem der grünsten Punkte Deutschlands” wird, bleibt das Geheimnis von “Bild”-Mann Sven Kuschel.

Apropos: Der “Geheimplan”, den “Bild” da aufgetan hat, ist so geheim, dass Kreisdirektor Melcher ihn sechs Tage vor dem “Bild”-Bericht bereits gegenüber dem WDR bestätigt hat. Und zehn Tage vor dem “Bild”-Bericht bereits das Süderländer Tageblatt von einer Sitzung des Zweckverbandes Naturpark Ebbegebirge berichtete, auf der der Plan diskutiert und begrüßt wurde. Und diese Sitzung 23 Tage vor dem “Bild”-Bericht bereits von der “Siegener Zeitung” unter der Überschrift “Zweckverband spricht über Zusammenlegung” angekündigt wurde.

Aber, hey, die Sache mit Yellowstone und dem Super-Nationalpark hat “Bild” natürlich exklusiv.

Vielen Dank an Jörg W. für den sachdienlichen Hinweis!

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