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Bilder, die wütend machen

Bei Bild.de sind sie – wieder mal – entsetzt:

Es sind Bilder, die traurig machen – und zugleich wütend: Südafrikas Nationalheld Nelson Mandela (94), ein hilflos wirkender alter Mann mit Decke auf dem Schoß, der ins Leere starrt. Neben ihm Südafrikas Präsident Jacob Zuma (71), der sich lachend mit dem Friedensnobelpreisträger filmen und fotografieren ließ.

Es geht um Bilder, die “wirken, als konnte sich der greise Mandela gar nicht gegen den Besuch wehren” und auf denen er “alles andere als zufrieden” aussieht.

Und die Redaktion gerät regelrecht in Rage: Obwohl bekannt sei, dass Mandela ein Augenleiden hat, habe sein Enkel “ein Blitzlichtgewitter über seinen Großvater ergehen” lassen:

Nelson Mandela kniff dabei die Augen zusammen und verzog den Mund. Millionen Südafrikaner sahen dem Besuch der Politiker im Staatsfernsehen zu. Der 94 Jahre alte Mandela konnte dabei offenbar nicht mal mehr den Kopf zur Seite wenden, um Zuma anzublicken.

Nicht nur Bild.de findet das alles furchtbar:

“Nach allem, was der Mann für uns getan hat, behandeln wir ihn auf diese Weise. Wie ein Tier im Zoo. Wir sollten uns schämen”, twitterte der südafrikanische User Brent Lindque. Ein weiterer Kommentator meint, kein alter Mensch verdiene einen solchen Auftritt.

Zwar kommen auch Mandelas Partei ANC und ein “unabhängiger Kommentator” zu Wort (“Vor dem Video wollten wir alle sehen, wie es Madiba geht. Aber sein Gesundheitszustand hat uns in schreiende Babys verwandelt, die nicht mehr wissen, was sie wollen.”), aber im Grunde lässt Bild.de keinen Zweifel daran, dass es dieses Video nicht geben sollte.

Oder, präziser: DIESES Video!

ERSCHÜTTERNDE AUFNAHMEN: Empörung über DIESES Mandela-Video

Mehr als eine Minute des Videos zeigt Bild.de — unkommentiert und nach 20 Sekunden sogar ganz ohne Ton.

Mit Dank an Sebastian D.

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“Bild” holt alles für sich raus

Seit Beginn der Woche hat “Bild” neue Werbegesichter. Unter anderem ein schwer verletztes dreijähriges Mädchen aus dem syrischen Aleppo wirbt jetzt für die Zeitung.

Oder, wie “Bild” es selbst formuliert:

Das Bild, mit dem BILD aufrütteln will!

Andere Motive der neuen Kampagne aus dem Hause Jung von Matt zeigen etwa eine Frau mit Gesichtsschleier und die Aktivistinnen von “Pussy Riot”. Der Slogan lautet jedes Mal: “Wir haben 500 Reporter und ein einziges Versprechen: Wir holen alles für Sie raus.”

Wir finden: Wer über “Bild” spricht, darf vor allem einen dieser 500 Reporter nicht vergessen: Paul Ronzheimer, Träger des Herbert Quandt Medien-Preises und der Mann, der “den Pleite-Griechen die Drachmen zurück” gegeben hat.

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“Bild” kennt den Weg

Vor knapp einer Woche hat eine Spaziergängerin in Berlin eine Babyleiche gefunden.

Gestern wurden die Eltern des Säuglings festgenommen. Sie stehen unter Verdacht, das Kind getötet zu haben.

Die Berliner “Bild”-Ausgabe berichtet heute so über die Festnahme:Totes Baby von Hellersdorf - Die Eltern leben nur 200 Meter vom Fundort entfernt

Der Autor beschreibt, in welche Stadtteil die Eltern wohnen, er nennt die Straße samt Hausnummer sowie den Namen des Naturschutzgebietes, das direkt in der Nähe liegt. Außerdem zeigt “Bild” ein Foto von dem Haus und erklärt, in welchem Stock die Wohnung der Eltern liegt.

Für alle, die danach immer noch nicht wissen, wie sie zur Wohnung der mutmaßlichen Täter gelangen, liefert “Bild” auch gleich noch eine Karte mit:
[Eine Karte, auf der sowohl der Fundort der Babyleiche als auch der Wohnort der Eltern eingezeichnet sind]

(Unkenntlichmachungen von uns.)

Das ist Service-Journalismus. So weiß der Mob wenigstens, wo er lang muss.

Mit Dank an Björn S.

Nachtrag, 17.25 Uhr: Wir haben die Karte vorsichtshalber noch ein bisschen unkenntlicher gemacht.

“Spiegel”: Bild.de sieht doppelt

Beim “Spiegel” stehen womöglich bald wichtige Personalentscheidungen an, wie Bild.de gestern Abend unter Berufung auf seriösere Quellen berichtet:

“Der Spiegel” will sich von seinen beiden Chefredakteuren Georg Mascolo (48) und Mathias Müller von Blumencron (52) trennen. Das berichten übereinstimmend die WELT und das Hamburger Abendblatt .

Gleich zwei Quellen, so gründlich sind sie im Hause “Bild” selten! Und es sind sogar beide verlinkt.

Der Text bei der “Welt” (Axel Springer AG) ist von Kai-Hinrich Renner und beginnt so:

Dass es womöglich keine so fürchterlich gute Idee war, Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron zu gleichberechtigten Chefredakteuren des “Spiegels” zu machen, hätte der Geschäftsführung und den Gesellschaftern des Nachrichtenmagazins eigentlich schon im Februar 2011 auffallen können. Damals entschloss man sich, den beiden, die – vornehm ausgedrückt – nicht gerade beste Freunde sind, unterschiedliche Zuständigkeitsbereiche zuzuteilen.

Der Text beim “Hamburger Abendblatt” (Axel Springer AG) ist von Kai-Hinrich Renner und beginnt so:

Dass es womöglich keine so fürchterlich gute Idee war, Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron zu gleichberechtigten Chefredakteuren des “Spiegels” zu machen, hätte der Geschäftsführung und den Gesellschaftern des Nachrichtenmagazins eigentlich schon im Februar 2011 auffallen können. Damals entschloss man sich, den beiden, die – vornehm ausgedrückt – nicht gerade beste Freunde sind, unterschiedliche Zuständigkeitsbereiche zuzuteilen.

Dass “Welt” und “Abendblatt” “übereinstimmend” berichten, ist also keine wirkliche Überraschung. Es ist der gleiche Text.

Mit Dank an Franca.

“Bild” lässt Merkel keine Privatsphäre

Am Mittag veröffentlichte die Deutsche Presse Agentur (dpa) eine Meldung, wonach Bundeskanzlerin Angela Merkel “verärgert” sei über Fotos von ihr und ihrer Familie, die während ihres Oster-Urlaubs in Italien entstanden seien:

Alle Fotos seien ohne ihr Wissen entstanden und ohne ihre Billigung veröffentlicht worden, sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter am Mittwoch in Berlin. “Das sind alles Fotos, die aus irgendwelchen Verstecken heraus gemacht worden sind (…) Sie können sich vorstellen, dass es nicht immer entspannt ist, wenn man irgendwo Urlaub macht und das Gefühl hat, aus jeder Ecke lugt ein Objektiv hervor.” Es sei bekannt, dass die Kanzlerin keine große Neigung zur Pose habe. Merkel war sowohl mit den Kindern und Enkelkindern ihres Mannes Joachim Sauer beim Wandern als auch im Badeanzug beim Schwimmen gezeigt worden.

Nachlesen können Sie das etwa bei “Spiegel Online”, “RP Online”, “Focus Online”, stern.de und im “Westen” (wo die Redaktion die erstaunliche Transferleistung erbracht hat, die Meldung mit einem der besagten Paparazzi-Fotos zu bebildern).

Nicht nachlesen können werden Sie das vermutlich auf Bild.de und in der morgigen “Bild”. Was natürlich mit der heutigen “Bild” zusammenhängen könnte:

Kanzlerin privat: Merkels geheimes Familien-Leben
(Kindergesichter im Original verpixelt, vollständige Anonymisierung von uns.)

Im Badeanzug zeigt “Bild” die Kanzlerin zwar nicht, aber auf der Seite 2 sind weitere fünf Fotos von Angela Merkel, die “wir” “so entspannt” “noch nie gesehen” haben:

SIE ist die meistfotografierte Frau Deutschlands.

Wenn SIE im Dienst ist. So gut wie nie gibt es dagegen Fotos, Berichte aus dem Privaten, aus Angela Merkels Familienleben.

Dabei hat sie eines. Sie zeigt es nur nicht gern her – wie ein gut gehütetes Geheimnis.

Wie gemein von ihr.

“Bild” kämpft für ihn

Man könnte fast den Eindruck bekommen, als sei Holger Bloehte dem Politiker Martin Korol noch was schuldig. Denn seit Tagen springt der “Bild”-Reporter mit erstaunlicher Hartnäckigkeit für den Bremer SPD-Mann in die Bresche.

Für Unmut hatte Martin Korol zuvor mit diversen Aussagen gesorgt, die er auf seiner Homepage veröffentlicht und in denen er unter anderem massiv gegen die Roma-Zuwanderer in Bremen gewettert hatte. Korol habe der Partei mit diesen diskriminierenden Äußerungen “schweren Schaden” zugefügt, sagt der Landesvorstand, der mittlerweile ein Parteiordnungsverfahren gegen den Genossen beantragt hat. Doch trotz aller Kritik an Korol – Holger Bloehte hält zu ihm.

Wie wir vor ein paar Tagen berichtet haben, versuchte der “Bild”-Mann bereits, in einem Artikel einige von Korols umstrittenen Äußerungen mit einer Kriminalstatistik indirekt zu untermauern. In dem Artikel wurde diese Statistik jedoch dermaßen falsch interpretiert, dass sich selbst der Vorsitzende der “Bürger in Wut”, auf dessen angeblichen Aussagen diese verzerrte Darstellung beruhte, im Nachhinein von dem “Bild”-Artikel distanzierte.

Aber wie gesagt: Holger Bloehte ist hartnäckig. Anfang der verganenen Woche widmete die Bremer “Bild”-Ausgabe dem SPD-Mann Martin Korol erneut einen großen Artikel:
Dr. Korol wehrt sich gegen drohenden Parteiausschluss - Ich lasse mich nicht unterkriegen

Nun also der Kämpfer. “Dr. Korol wehrt sich”.

Gezeichnet wird das Bild eines “altgedienten Genossen”, dem seine undankbare Partei nach all den Jahren plötzlich den Rücken kehrt. Aus Gründen, die wohl weder Korol noch Verteidiger Bloehte so richtig nachvollziehen können. Oder wollen.

Schon der erste Satz lautet:

“Ich war 45 Jahre in der SPD und will es auch bleiben.”

Peng. Damit sollte klar sein, wohin die Reise geht.

Der Bürgerschaftsabgeordnete Dr. Martin Korol (68) soll über ein Ordnungsverfahren aus der Partei fliegen, weil er auf seiner Internetseite vor dem Ansturm krimineller Roma-Flüchtlinge warnte.

Korol zu BILD: “Ich lasse mich nicht unterkriegen und werde kämpfen.”

Bloehte schaffte es tatsächlich, es so klingen zu lassen, als hätte Korol etwas getan, wofür man ihm eigentlich dankbar sein müsste. Bloehte schreibt weiter:

[SPD-Landesgeschäftsführer Roland Pahl] sagte: “Es gibt Grenzen der freien Meinungsäußerung. Dr. Korol hat mit seinen Äußerungen unserer Partei großen Schaden zugefügt.” Im sozialdemokratisch regierten Duisburg gibt es bereits massive Kriminalitäts-Probleme mit Roma-Einwanderern aus Bulgarien und Rumänien. Dort warnen SPD-Politiker vor einer Gefahr für den sozialen Frieden.

Doch das will Pahl für Korol nicht gelten lassen:”Es ist doch etwas ganz anderes, wenn so vor sozialen Problemen gewarnt wird.”

Doch hat Korol etwas anderes getan?

Ob Korol etwas anderes getan hat? Nun, da “Bild” selbst diesen Vergleich bemüht: Im Sachstandsbericht der Stadt Duisburg (PDF) hieß es im Januar:

Weit über den Stadtteil Rheinhausen-Bergheim hinausgehend hat die Zuwanderung von Menschen aus Südost-Europa hohe Wellen geschlagen. Besonders im Umfeld des sogenannten “Problemhauses”, aber auch an anderen Stellen ist der soziale Frieden nachhaltig gestört.

(Das “Problemhaus” ist ein Hochhaus, in dem schätzungsweise 300 bulgarisch– und rumänischstämmige Menschen wohnen und in dessen Umfeld es immer wieder zu Konflikten kommt.)

Diese Sätze, diese Warnung vor sozialen Problemen vergleicht Holger Bloehte nun also mit dem, was Martin Korol getan hat. Er schreibt:

Doch hat Korol etwas anderes getan?

In seinem Roma-Bericht heißt es unter anderem: “Gewiss, hier lohnt der Kampf um jedes Kind und um jeden Erwachsenen. Aber dafür sind wir Bremer kaum gerüstet.”

Das ist alles. Mehr erfährt der Leser nicht von den umstrittenen Äußerungen Korols. Das, worum es also eigentlich geht — der Anlass für den ganzen Streit um Korol und letztlich auch dafür, dass dieser “Bild”-Artikel überhaupt geschrieben wurde — wird auf zwei Sätze reduziert.

Wer die Diskussion um den SPD-Politiker bisher nicht mitbekommen hat, muss aufgrund der Art der Berichterstattung davon ausgehen, dass Martin Korol im Grunde gar nichts Schlimmes gesagt hat. Für all jene wollen wir mal kurz ein bisschen von dem zitieren, was Korol so alles in die Welt gesetzt hat — und was “Bild”-Autor Holger Bloehte seither zu verharmlosen versucht.

Korol hatte zum Beispiel geschrieben:

Es muss erstaunen, dass eine so hoch entwickelte Stadt wie Bremen ihre Liebe zu Roma und Sinti entdeckt, die, sozial und intellektuell, noch im Mittelalter leben, in einer uralten patriarchalischen Gesellschaft. (…) Es ist ein Patriarchat, dessen Männer keine Hemmungen haben, die Kinder zum Anschaffen statt zur Schule zu schicken, ihren Frauen die Zähne auszuschlagen und sich selber Stahlzähne zu gönnen. Viele der jungen Männer schmelzen sich mit Klebstoffdünsten das Gehirn weg.

Allein diese Passage (die Bloehte in einem älteren Artikel noch zitiert und die Korol in ähnlicher Form auch schonmal persönlich in “Bild” zum Besten gegeben hatte) sollte ganz gut veranschaulichen, in welche Richtung das ging, was Martin Korol so von sich gegeben hat.

Auf seiner Homepage beklagte er außerdem den “Massenmord der Abtreibungen” und bedauerte den Niedergang des Patriarchats (“Männer 60+ wie ich sind die letzten Vertreter eines untergehenden Herrschergeschlechtes”). Nun übernähmen “zunehmend Frauen und Immigranten die Macht im Lande”. Er kritisierte den “Wahn der sog. ‘Selbstverwirklichung der Frau'” und bezweifelte, dass es in Deutschland “einen ernst zu nehmenden Antimuslimismus und Rassismus” gebe.

Solche Dinge hat Martin Korol verbreitet. Einige davon hat er inzwischen relativiert, seine Seite wird derzeit komplett überarbeitet. Dennoch dürfte klar sein, dass Korol durchaus “etwas anderes getan” hat, als bloß vor sozialen Problemen oder “vor dem Ansturm krimineller Roma-Flüchtlinge” zu warnen. Das sieht auch seine Partei weiterhin so, deren Landesvorstand am Mittwoch mitteilte, “alle Rechte aus der Mitgliedschaft Martin Korols in der SPD für zunächst längstens drei Monate” auf Eis zu legen. Außerdem wurde ein Parteiordnungsverfahren beantragt:

Zahlreiche Äußerungen, die Martin Korol in den auf seiner Homepage veröffentlichten Texten getätigt hat, verstoßen auf Grund ihres diskriminierenden Charakters in erheblicher Weise gegen die Grundsätze der SPD. Dies gilt insbesondere für die massive Herabsetzung der Bevölkerungsgruppe der Sinti und Roma. Ein erheblicher Verstoß gegen die Grundsätze der SPD ist auch in den frauenfeindlichen Äußerungen Martin Korols zu sehen.

Martin Korol setzt sich mit seinen Auffassungen in Widerspruch zu Werten und Positionen, die für die SPD von grundsätzlicher und identitätsstiftender Bedeutung sind und wird dennoch, insbesondere auf Grund seiner Stellung als Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft, in der Öffentlichkeit als Repräsentant der SPD wahrgenommen. Dies machte es für den Landesvorstand erforderlich, die genannten Maßnahmen zu ergreifen.

Korol aber lässt sich, wie wir dank “Bild” wissen, “nicht unterkriegen”. Holger Bloehte auch nicht.

Am Samstag erschien der nächste Korol-Artikel, diesmal groß auf Seite 3 der Bremer “Bild”-Ausgabe:
Graffiti-Anschlag gegen SPD-Politiker Korol - Unbekannte sprühten auf sein Wohnhaus: "Korol du Rassisten Schwein"

An der roten Backsteinwand prangt in lila Großbuchstaben “KOROL DU RASSISTENSCHWEIN!” Chaoten haben das Haus des in Ungnade gefallenen SPD-Abgeordneten Dr.Martin Korol (68) in der Nacht beschmiert.

Diese “Hetzparole” an der Hauswand des Politikers sei der vorläufige “Höhepunkt in dem Skandal um seine öffentliche Kritik gegen kriminelle Roma-Einwanderer”, schreibt Bloethe. Und lässt Korols Aussagen dabei erneut viel harmloser wirken, als sie tatsächlich sind. Außerdem nutzt Bloehte den “Graffiti-Anschlag”, um der Diskussion unauffällig eine ganz andere Stoßrichtung zu geben:

Auch SPD-Fraktionsgeschäftsführer Frank Pietrzok (48) war geschockt, als er [von der “Hetzparole” auf der Hauswand] erfuhr: “Das hat niemand in der Partei gewollt.”

Allerdings sind Korols SPD-Genossen während der letzten Bürgerschaftssitzung mit ihrem geächteten Fraktionskollegen nicht gerade zimperlich umgegangen.

Und zack! – steht im Fokus nicht mehr das, was Korol getan hat, sondern das, was seine Parteifreunde ihm antun. Denn die Genossen, so schreibt Bloehte, die hätten den “pensionierten Lehrer” während der Sitzung gemieden “wie eine ansteckende Krankheit”:

Im Plenarsaal wurde ihm von Parteifreunden provokativ der Rücken zugekehrt. Niemand sprach mit ihm. In der Lobby der Bürgerschaft war er an der Kaffeetafel seiner Parteifreunde unerwünscht. Der Bremerhavener Abgeordnete Frank Schildt (51) entzog ihm sogar das “Du”, nannte in einer internen Sitzung die Zusammenarbeit mit Korol “unerträglich”.

Oder anders gesagt:

Dr. Martin Korol wird von seinen Parteifreunden gemobbt

Dies ist also der nächste – irgendwie vorhersehbare, aber in seiner Unverfrorenheit doch erstaunliche – Schritt der Bloehte’schen Berichterstattung über Martin Korol: Der Politiker wechselt endgültig in die Rolle des Opfers. Der altgediente Genosse, gemobbt von den eigenen Parteifreunden. Und obendrein Leidtragender einer fiesen “Hetzbotschaft”.

Auf Bild.de sah das Ganze dann so aus:[Das Foto zeigt Martin Korol vor der beschmierten Hauswand. Die Beschriftung lautet:] Dr. Martin Korol wird von seinen Parteifreunden gemobbt

Übrigens kommt Holger Bloehte erst ganz am Ende des Artikels und in äußerster Knappheit darauf zu sprechen, warum Korol überhaupt erst “in Ungnade gefallen” ist, er “gemobbt” und “geächtet” wird, man ihm den Rücken zukehrt und das “Du” entzieht. Und warum gegen ihn sogar ein Parteiausschlussverfahren läuft:

Weil er auf seiner Internetseite behauptete, dass Roma-Väter ihre Kinder zum Anschaffen und Stehlen statt zur Schule schicken.

Ach ja. Darum.

Der Artikel endet mit einem Zitat von – tja.

Korol: “Es ist nicht schön, wie mit mir umgegangen wird. Ich fühle mich wie ein Aussätziger.”

Ein Aussätziger, von dem sich alle abwenden. Alle, bis auf einen.

Mit Dank an den Hinweisgeber.

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“Bild” verwahrt sich gegen Leverkusen-Kritik

Gestern hatten wir berichtet, dass sich Bayer 04 Leverkusen und Trainer Sami Hyypiä gegen Berichterstattung von “Bild” verwahren, wonach ein Bruch zwischen Hyypiä und seinem Trainerkollegen Sascha Lewandowski bevorstehe.

Timm Detering, bei “Bild” für Bayer Leverkusen zuständig, schreibt heute ungerührt weiter den baldigen Bruch herbei und erwähnt die Mitteilung des Vereins mit keinem Wort. Das hat allerdings hat Walter M. Straten übernommen, Chef des Sportressorts von “Bild”.

In seinem Kommentar lehnt sich Straten mindestens so weit aus dem Fenster, wie es Leverkusen gestern getan hatte, und bezichtigt den Verein und vor allem Sami Hyypiä der Lüge:

Die Leverkusener Bosse Holzhäuser und Völler antworteten gestern auf der Homepage mit einem Dementi: Alles falsch, das habe Hyypiä nie so gesagt! Und dann faseln sie noch von einer “Kampagne”.

Was für ein Quatsch! Hiermit dementieren wir das Dementi.

Hyypiä will von seinen eigenen Aussagen nichts mehr wissen. Und Leverkusen versucht, das Trainer-Pärchen über die Saison zu retten.

Sind falsche Dementis da der richtige Weg? Vielleicht sollten die Leverkusener es mit der Wahrheit probieren…

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Leverkusen verwahrt sich gegen “Bild”-Bericht

In der Politik, der Wirtschaft, vor allem aber im Sport ist es gerne so, dass ein Medium eine anstehende Personalentscheidung vermeldet, die dann von den Betroffenen dementiert wird — und am Ende liegt das Verhältnis, wer recht hatte, ziemlich genau bei 50:50.

Seit längerem will die Kölner Sportredaktion von “Bild” beobachtet haben, dass es bei Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä, dem Trainer-Duo von Bayer 04, nicht rund läuft.

Am Montag schrieb “Bild”:

Hyypiäs Trainer-Partner lässt es nämlich mit Aussagen über das Trainer-Modell in einem ZDF-Beitrag im Bayer-Gebälk krachen: “Es ist schon schwierig, das Tag für Tag zu leben. Kurzfristig ist es sicherlich eine sehr gute Entscheidung. Mittel- und langfristig macht es bestimmte Sachen auch schwieriger.”

• BILD hat es schon seit Monaten beobachtet: Es war auffällig, wie sich Lewandowski rund ums Spiel und an der Seitenlinie in den Vordergrund schob.

• Jetzt die Bestätigung für die Bilder und Worte der letzten Wochen: Lewandowski passt seine Rolle nicht, er nimmt sich wichtiger als er ist.

Gestern brachte “Bild” die gleichen Zitate in der Bundesausgabe einfach noch mal:

Da haben sich zwei auseinander trainiert…

Es kriselt bei Leverkusens Trainer-Duo. Sascha Lewandowski (41) stellte im ZDF-Sportstudio die Doppel-Lösung mit Sami Hyypiä (39) in Frage: “Es ist schon schwierig, das Tag für Tag zu leben.” Ist im Sommer Schluss?

Heute nun vermeldete “Bild” in der Kölner Regionalausgabe, die “Pärchen-Krise bei Leverkusen” spitze sich zu:

SAMI HYYPIÄ: "Ohne Lewandowski wäre einiges leichter"

Laut “Bild”-Reporter Timm Detering “scheint” es, dass es “schon jetzt zum Bruch kommt”:

Gestern, 12.54 Uhr: Nach dem Training stapft Lewandowski durch den Hintereingang in die Kabine.

Ganz anders Hyypiä!

Der Finne spricht mit BILD über seine Zukunft in Leverkusen, sagt ganz offensiv: “Vielleicht werde ich es hier irgendwann alleine machen!”

Er erklärt: “Dass diese Konstellation nicht einfach für uns beide ist, habe ich ja schon mehrfach gesagt. Zurzeit muss ich alles erst mit Sascha absprechen.”

Dann wird er deutlich: “Wenn ich das dann nicht mehr müsste, würde das natürlich einiges leichter machen. Dann könnte ich die Entscheidungen alleine treffen.”

Starke Worte – zumal Hyypiä und Lewandowski (beide Vertrag bis 2015) offiziell gleichberechtigt arbeiten.

Trennt sich das Bayer-Pärchen im Sommer?

Bayer 04 Leverkusen sah sich nach eigener Aussage “genötigt”, der “Bild”-Darstellung in einer Pressemitteilung ungewohnt deutlich zu widersprechen: In der von Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und Sportdirektor Rudi Völler unterzeichneten Mitteilung heißt es, die von “Bild” “transportierte vermeintliche Absicht”, Hyypiä strebe eine Trennung von Lewandowski an, entbehre “jeglicher Grundlage”:

Deutlicher noch, sie entspricht nicht der Wahrheit!

Die in der Überschrift mehr als latent transportierte vermeintliche Absicht Hyypiäs entspricht möglicherweise dem Wunschdenken der Bildzeitung – die Berichterstattung des Blattes über Sascha Lewandowski in den vergangenen Wochen und Monaten lässt diesen Schluss zu. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass die Formulierung schlichtweg nicht von Sami Hyypiä stammt – wie in dem Artikel suggeriert. Hyypiä zu der ihm unterstellten Aussage: “Das ist nicht die Wahrheit, das habe ich definitiv nicht gesagt.”

Sami Hyypiä selbst und Bayer 04 Leverkusen verwahren sich gegen die heutige Berichterstattung der Bildzeitung. Der dargestellte bevorstehende “Bruch” zwischen Hyypiä und Sascha Lewandowski ist ein Fantasieprodukt des Autors. Aus Sicht des Vereins ist der Artikel die offensichtliche Zuspitzung einer Kampagne gegen Sascha Lewandowski, die in dieser Form nicht mehr hinnehmbar ist.

Dass in der professionellen Zusammenarbeit gleichberechtigter Personen immer auch Kompromisse vonnöten sind, um erfolgreich zu sein – dies und nichts anderes haben sowohl Sami Hyypiä als auch Sascha Lewandowski zum Ausdruck gebracht. Und zwar bereits mehrfach in den vergangenen Monaten, in Interviews mit diversen Medien und nicht erst im Rahmen von Hyypiäs Auftritt im Aktuellen Sportstudio des ZDF am vergangenen Wochenende, an dem die Bildzeitung dieser Tage nun Anstoß nimmt.

Im Sommer wissen wir vielleicht mehr.

Wobei sich “Bild” vermutlich nur an ihre Prognosen erinnern wird, wenn es in Leverkusen tatsächlich zum “Bruch” kommen sollte.

Mit Dank an Martin, Langzeitgedächtnis, Flo L., Marc W., Frank B., Eliano und Marco.

“Bild” darf “Bachelor”-Tochter nicht zeigen

Der Rechtsanwalt Jan Kralitschka, zur Zeit als “Bachelor” in der gleichnamigen RTL-Castingshow zu sehen, hat eine weitere einstweilige Verfügung gegen die “Bild”-Gruppe erwirkt: Die erste ging gegen die gedruckte “Bild”-Zeitung, die zweite jetzt gegen Bild.de.

Am 7. Februar hatte “Bild” in der Kölner Regionalausgabe ein Foto gedruckt, das Kralitschka, eine Frau und ein Kleinkind zeigte:

BILD enthüllt das letzte Geheimnis des Bachelors: Model Ann-Kristin (33) aus Bonn ist die Mutter der Tochter (3) des TV-Junggesellen.

Wir sehen ein Foto aus dem Jahr 2011. Jan posiert mit seiner Ex und dem Töchterchen (damals ein Jahr alt) für eine Kampagne der Hotelkette Barceló. Kopf an Kopf lächeln beide in die Kamera, die Kleine sitzt mit einer Muschel in der Hand fröhlich auf Mamas Schoß. Aber kurz nach dem Shooting zerbrach die Beziehung.

Kralitschka und das Model Ann Kristin Brücker zogen vor Gericht, weil sie nicht wollten, dass “Bild” das Foto der gemeinsamen Tochter zeigt. Das Landgericht Köln untersagte die Verbreitung des Kinderfotos am 12. Februar per Einstweiliger Verfügung.

Die vorherige Verwendung des Fotos in einer Werbung sei kein Grund für “Bild”, das Foto zu drucken, da in der Werbung weder der Name des Kindes genannt worden noch ersichtlich gewesen sein, dass es sich bei den abgebildeten Personen um eine richtige Familie handle. Erst “Bild” habe das Kind als Tochter der beiden für jedermann erkennbar gemacht, woran allerdings kein berechtigtes öffentliches Interesse bestanden habe. Deswegen sei die Verbreitung des Fotos rechtswidrig, wie die Rechtsanwälte der Kläger vergangene Woche in einer Pressemitteilung berichteten.

Bild.de verpixelte das Gesicht des Mädchens daraufhin grob, so dass die Haare und ein Ohr noch zu sehen waren. Den Eltern reichte dies nicht: In einer zweiten Einstweiligen Verfügung entschied das Landgericht Köln, dass diese Form der Anonymisierung nicht ausreiche und Bild.de auch das derart bearbeitete Foto nicht mehr zeigen darf.

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