Suchergebnisse für ‘BILD’

medienlese – der Wochenrückblick

Während der Telekom im Zuge der Spitzelaffäre zurzeit das illegale Ausspähen von Mitarbeitern, Aufsichtsräten, Journalisten und Politikern vorgeworfen wird, geht die Branche auf Distanz.

Jakob Augstein hat die Ost-West-Wochenzeitung Freitag gekauft und will ihr “zu größerer Öffentlichkeit verhelfen” (FAZ). Zurzeit erstellen 12 Redakteure den Freitag, die Auflage liegt bei 12.000 Exemplaren.

Read On…

Allgemein  

Anonyme Anonymisierungsgestörte

Die Frau Dr. Carla Thiele, Sexualtherapeutin und Internistin, die seit einigen Wochen bei “Bild am Sonntag” eine “Sex-Sprechstunde” anbietet, scheint eine Nette zu sein. Wenn ihr ein Zwanzigjähriger schreibt und um Hilfe bei seinen Erektionsstörungen bittet, dann gibt sie nicht nur gute Tipps, sondern ist auch so aufmerksam, in ihrer Antwort seinen Namen abzukürzen — muss ja nicht der ganze Betrieb und die Nachbarschaft wissen von seinem Problem.

Noch größer wäre unsere Bewunderung für Dr. Carla Thiele natürlich, wenn sie es irgendwie schaffen könnte, der “Bild am Sonntag” beizubringen, den vollen Vor- und Zunamen dann nicht unmittelbar darüber im Anschreiben zu veröffentlichen:

Aber an wen wendet man sich bei Anonymisierungsstörungen?

Mit Dank an Felix!

6 vor 9

Kapitulation in der Senioren-Ecke
(Kölner Stadt-Anzeiger, Sibylle Quenett)
“Stimmt es, dass ARD und ZDF, alimentiert mit jährlich rund acht Milliarden Euro, ‘Spartensender für Senioren’ geworden sind? Müssen damit die unter Jüngeren weitaus erfolgreicheren Privatsender nicht ihren Anteil an der Grundversorgung mit Nachrichten ausbauen?” Schon fantasiert RTL von der öffentlichen Finanzierung der Nachrichten …

Vom Journalismus zum News-Marketing
(Medienheft, Roman Berger)
“Im harten Medienbusiness der USA kämpft der seriöse Journalismus ums Überleben. Auf der Strecke bleibt die politische Information – der Sauerstoff für die Demokratie.” Ist das Non-Profit-Projekt “Pro Publica”, das mit Millionen-Budget gemeinnützig investigativ recherchieren will, die Alternative?

Keine Gnade bei “Big Brother”
(Jungle World, Elke Wittich und Boris Mayer)
In der aktuellen “Big Brother”-Staffel machen zwei Teilnehmer miteinander rum und belügen Verwandte – obwohl die “Beweise” längst auf YouTube stehen. Den sollte mal jemand Bescheid stoßen, denken sich die Autoren. Aber die Produktionsfirma kennt keine Gnade. Die Jungle World auch nicht, weder mit Endemol noch mit den beiden Düpierten.

Gysi beißt Journalisten (Video)
(NDR, Zapp)
“‘Gemeine Rufschädigung, miese Medienkampagne’: Der gewiefte Anwalt klagt gegen unliebsame Berichte, gegen Redaktionen, die behaupten, er sei IM gewesen.”

“Get to the point and get out of the way”
(The News & Observer, J. Peder Zane)
Bitterböse: Ein Artikel aus der New York Times wird von einem anonymen Editor nach Strich und Faden auseinander genommen.

Rockstars nach der Show fotografiert
(78s.ch, David Bauer)
“?The Moment After The Show? heisst die Bilderserie des Basler Fotografen Matthias Willi mit rund 50 Aufnahmen von Künstlern direkt nach einem Auftritt. (…) Vom 4. – 8. Juni werden die Bilder an der ?Ping Pong Basel?, einer Nebenveranstaltung zur Kunstmesse Art Basel, erneut ausgestellt.”

Von wegen “nicht zu verwechseln”

Bild.de schreibt unter der Überschrift “Hier verpasst Mercedes dem SLC den letzten Schliff” über den “neuen Supersportwagen von Mercedes”:

Gut zu erkennen ist das feste Kunststoff-Dach des Flügeltürers. Der SLC, nicht zu verwechseln mit dem Mercedes-Flügeltürer Gullwing, wird nicht vor 2010 auf den Markt kommen.
Link nicht von uns

Doch der “Flügeltürer”, von dem Bild.de behauptet, er werde “wohl SLC” heißen, wird, soweit man weiß, kein “Flügeltürer” sein, nicht SLC, sondern “SL 65 AMG Black Series” heißen und voraussichtlich Ende 2008 auf den Markt kommen.

Und die Bild.de-Warnung, ihn nicht mit dem “Mercedes-Flügeltürer Gullwing” zu verwechseln, ist durchaus angebracht. Denn der wird möglicherweise SLC heißen, tatsächlich ein “Flügeltürer” sein und im Jahr 2010 auf den Markt kommen.

Das kann man übrigens auch auf Bild.de nachlesen.

Mit Dank an Stefan W. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 30.5.2008: Der KFZ-Sachverständige von Bild.de hat inzwischen das erste “Flügeltürer” aus dem Text gestrichen. Aber das muss wohl stilistische Gründe haben, denn der Rest ist unverändert.

Jetzt XVIII

Auf die “Bild”-Zeitung ist Verlass:

So steht’s in einem Text über Dima Bilan, den Sieger des diesjährigen Eurovision Song Contest. Und wie so oft, wenn die “Bild”-Zeitung schreibt, “jetzt” sei irgendwas irgendwo aufgetaucht, stimmt das (fast möchte man schreiben: natürlich) mal wieder nicht.

Die Bilder tauchen zurzeit allenfalls wieder vermehrt im Internet auf, "Fotos: INTERNET"so dass jetzt auch “Bild” davon Wind bekommen hat und sie abdruckt – übrigens mit einer lustigen Quellenangabe (siehe Ausriss). Denn spätestens nachdem Dima Bilan im Jahr 2006 beim Grand Prix teilnahm (und Zweiter wurde)… naja, Sie wissen schon

Mit Dank an Stephan B. und Stefan F. für den Hinweis.

Der sächsische NPD-Eklat-Eklat

Im Sächsischen Landtag wurde heute Stanislaw Tillich (CDU) zum Ministerpräsidenten gewählt — und auch Bild.de berichtet:

Sein Kontrahent Johannes Müller von der NPD erhielt 11 Stimmen – drei mehr als seine Fraktion Sitze hat.

Diese drei Stimmen sorgen gerade in vielen Medien für voreilige Aufgeregtheit.

Bei Bild.de sorgen sie vor allem für eine Falschmeldung:

"Soviel ist sicher: Der NPD-Politiker erhielt drei Stimmen aus den Fraktionen von CDU, SPD, FDP, Linken oder den Grünen!"

Was man bei Bild.de offenbar übersehen hat: Im Sächsischen Landtag sitzen auch vier fraktionslose, ehemalige NPD-Mitglieder, von denen nach Aussage des Landtagssprechers drei ihre Stimme abgegeben haben.

Soviel ist sicher: Was Bild.de gerade für sicher hält, ist es nicht.

Mit Dank auch an Michael Z. und Thomas W.

Nachtrag, 13.16 Uhr: Während sich “Spiegel Online” inzwischen bei den Lesern für eigene Voreiligkeit entschuldigt hat, kommt man bei der “taz” leider zu einem ähnlich falschen Fazit wie Bild.de: “Das heißt: Er wurde er von mindestens drei Abgeordneten einer demokratischen Partei gewählt”, heißt es auf taz.de.

Nachtrag, 14.36 Uhr: Mittlerweise haben viele Nachrichtenseiten ihre Berichte “entschärft” oder wie taz.de klammheimlich komplett umgeschrieben (Nachtrag, 14.56 Uhr: und sich nachträglich immerhin auch eine Entschuldigung für “den Fehler” abgerungen), während Bild.de unbeirrt bei seiner (falschen) Darstellung bleibt.

Nachtrag, 16.22 Uhr: Später als so ziemlich alle anderen hat nun auch Bild.de den Artikel nachgebessert — bzw. (ähnlich wie z.B. taz.de) komplett neu geschrieben und enteklarisiert, aber (anders als z.B. “Spiegel Online”, taz.de und stern.de) ohne auch nur ansatzweise auf die frühere, falsche Darstellung hinzuweisen. Unter der Überschrift “Ein Sorbe regiert Sachsen” heißt es an der Stelle, an der zuvor die “Soviel ist sicher”-Formulierung stand, nun:

Außer acht NPD-Mitgliedern sind jedoch noch vier weitere ehemalige NPD-Fraktionsmitglieder als fraktionslose Abgeordnete im Landtag vertreten.

Der Verdacht, es könnten Mitglieder der CDU, SPD, FDP, Linken oder Grünen dem NPD-Kandidat ihre Stimme gegeben haben, wurde vollständig aus dem Text getilgt.

6 vor 9

Die Reise nach Japan – warum die Kanzlerin ohne Journalisten fliegt
(Tagesspiegel, M. Ehrenberg und K. Sagatz)
“Mythos Kanzlermaschine – wer hat sich bei Dienstreisen der deutschen Regierungschefs nicht schon über diese Bilder abends in den ?Tagesthemen? gewundert: Angela Merkel oder früher Gerhard Schröder locker mit Journalisten über dies und das plaudernd. Was wird da verraten? Wer darf da eigentlich rein? Sind das immer dieselben Journalisten? Und: Müssen die ihren Flug selber bezahlen?”

Die Top 100 der umsatzstärksten Medienunternehmen in Großbritannien (.pdf)
(guardian.co.uk, Studie von OC&C)
Der “Media Top 100 Index” bezieht auch Agenturen ein, auf Platz 1 findet sich darum die Werbeholding WPP. Erläuterungen zum Ranking in diesem Artikel.

Bikinimäuse außer Sicht
(taz.de, Jenni Zylka)
“Des überfälligsten Themas unter der Sonne nehmen sich nicht ARD und ZDF an, mit ihren stets stolz ausgestellten Dokumentarfilm-Sendeplätzen, nicht die ThemenabendspezialistInnen von Arte. Sondern das DSF” – Doku über Homophobie im Fußball.

New York Times API Coming
(readwriteweb.com, Josh Catone)
Die New York Times stößt die Tore weit auf: Sie wird eine Programmierschnittstelle (API) für ihre Inhalte anbieten, so dass Dritte Rezensionen, Restaurantkritiken und andere Daten für eigene Angebote verwenden können – außerhalb der NYT-Website.

Belgian Newspapers To Google: Pay Us $77M For Indexing Our News
(paidcontent.org, Rafat Ali)
Schon wieder? Bis zu 77 Mio. Dollar fordert der belgische Verlegerverband Copiepresse von Google als Entschädigung dafür, dass in der Google-Suche und bei Google News Inhalte der Zeitungen ohne Erlaubnis veröffentlicht werden.

Sag zum Abschied leise ?Werbung?
(werbeblogger.de, Patrick Breitenbach)
“Ich bin jetzt an einem Punkt, wo mich die Werbung so dermaßen langweilt, dass ich nicht länger gewillt bin darüber zu publizieren. […] Mich interessieren schlechte Spots, doofe PR-Anschreiben und sonstiger Werbemüll einfach nicht mehr. Ich gehe den gleichen Schritt, den Millionen von anderen Menschen auch gehen: Scheuklappen auf und durch.” – Werbeblogger Patrick Breitenbach hört auf.

Die Kolumne von seinem Andreas Englisch

Auch “BILD-Vatikan-Sonder-Korrespondent” Andreas Englisch muss ja Woche für Woche seine Bild.de-Kolumne “Die Woche von unserem Papst” [heißt wirklich so]* mit irgendetwas füllen. Aktuell unter anderem mit folgender Sensation Neuigkeit:

Erstmals in der Amtszeit Benedikt XVI. ändert der Vatikan eine Zeremonie, um den Papst zu schonen. Die traditionelle Prozession zu Fuß an Fronleichnam von der päpstlichen Bischofskirche San Giovanni in Laterano zur Hauptmarienkirche Santa Maria Maggiore entfällt. Der Papst wird im Auto gefahren.
(Hervorhebung von uns.)

Das mit dem Auto stimmt. Aber wie’s aussieht, hat der Papst-Beauftragte Englisch zumindest in den vergangenen Jahren die Fronleichnamsprozession einfach mal geschwänzt. Sonst wüsste er doch, dass Benedikt XVI. auch schon 2007 “im Auto” fuhr. Und 2006. Und 2005. So wie schon 2004, 2003, 2002, 2001 usw. sein Vorgänger Johannes Paul II. Und so, wie nicht zuletzt Radio Vatikan vorab verlautbaren ließ:

Auch bei der diesjährigen Fronleichnamsprozession mit Papst Benedikt XVI. vom Lateran zur Basilika Santa Maria Maggiore wird Benedikt auf einem großen Pick-Up transportiert.
(Hervorhebung von uns.)

Mit Dank an Volker K. und unseren Vatikan-Sonder-Korrespondenten Ulf.

*) Nachtrag, 28.5.2008: Bild.de hat die Kolumne umbenannt in “Die Woche von Papst Benedikt XVI.” und bei der Gelegenheit auch den Namen des Kolumnisten berichtigt. An(d)reas Englischs vermeintliche “im Auto”-Neuigkeit hingegen wird unkorrigiert weiterverbreitet.

6 vor 9

Globale Bildsprache aus Asien
(Frankfurter Rundschau, Christian Schlüter)
“Die Vielfalt der chinesischen Comic-Szene wird mittlerweile auch von den Behörden geduldet, was nicht nur daran liegt, dass sie noch recht klein und deswegen ungefährlich ist: Mit einiger staatlicher Unterstützung orientiert sich die Manhua-Produktion längst an den internationalen Märkten.”

Promi-Blogger Perez Hilton: 66 lobende Worte über Stefanie Heinzmann (Bild Keystone/Chris Weeks)Blogger lobt Stefanie, Blick bejubelt Blogger
(Blick Online, Christian Bischoff)
Promi-Blogger Perez Hilton schreibt 66 lobende Worte über Stefanie Heinzmann – und bei Blick Online wird daraus eine Jubelmeldung mit 206 Wörtern. Screenshot, Zitat – nur das mit dem Link hat wieder mal nicht geklappt, deswegen hier: “Sing Out Loud, Sister!”

Eurozentriker müssen sich warm anziehen
(Perlentaucher, Christoph Mayerl)
“Die Gefechte um die Meinungshoheit über Tibet zeigen es: das Internet hat die Medienlandschaft nicht unbedingt demokratischer gemacht. Es gilt das Gesetz der großen Zahl.” Aufgewacht, es gibt mehr als eine Wahrheit.

Angst vor Lokalnachrichten in Google Earth
(Financial Times Deutschland, Björn Maatz)
“Eine akute Gefahr sehen Zeitungsverleger bislang zwar nicht, sind sich aber des Einflusses von Google bewusst: ‘Unter Umständen muss neu darüber nachgedacht werden, ob Google News weiterhin von fremden Inhalten, insbesondere von Zeitungswebsites, profitieren darf’, sagte ein Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV).” Das mit dem Internet haben sie immer noch nicht verstanden, profitieren von Google-News-Zitaten und fürchten doch den Content-Klau.

Schwenzel und das knarzende Ungetüm
(wirres.net, Felix Schwenzel)
“mir fiel auf, wie sehr sich meine lese-erwartungen beim lesen von zeitungen denen beim lesen im internet angepasst haben. ich erwarte persönliche stellungnahme, eine klar zu erkennende subjektive, aber auch ehrliche, haltung zum objekt der berichterstattung ? und fachkompetenz.”

Gegen Content-Klau vorgehen
(Online Journalism Review, Robert Niles)
“Do-it-yourself copyright protection online: If others are stealing your content online, there are simple ways that you can find them, and then shut them down. Here’s how.” Hoffentlich versucht der BDZV jetzt nicht, gegen jedes Zitat im Internet vorzugehen …

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