Bei der Berichterstattung über Unglücksfälle, Straftaten, Ermittlungs- und Gerichtsverfahren (…) veröffentlicht die Presse in der Regel keine Informationen in Wort und Bild, die eine Identifizierung von Opfern und Tätern ermöglichen würden. (…) Immer ist zwischen dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit und dem Persönlichkeitsrecht des Betroffenen abzuwägen. Sensationsbedürfnisse allein können ein Informationsinteresse der Öffentlichkeit nicht begründen. (Richtlinie 8.1 des Pressekodex)
Zwar könnte man sich bei “Bild” fragen, ob beispielsweise in Fällen, wo eine Mutter ihr Neugeborenes tötet, eine Ausnahme von dieser “Regel” greife (obgleich das Verhältnis von Ausnahme zu Regel bei “Bild” ohnehin eigentümlich ist). Aber der Presserat hat “Bild” die Antwort bereits gegeben: Nein und nochmals nein. Trotzdem zeigt “Bild” regelmäßig Fotos von Frauen, die ihre Kinder getötet haben oder dessen verdächtigt werden (wir berichteten hier und hier).
Auch heute wieder.
Eine 23-Jährige hat offenbar ihr Neugeborenes in der Badewanne ertränkt und versuchte später sich das Leben zu nehmen. Jetzt steht sie vor Gericht. Der “Tagesspiegel” schreibt:
Die junge Frau (…) will von den Fotografen nicht abgelichtet werden. (…) Kopf und Oberkörper versteckt sie unter einer Kapuzenjacke, die sie erst ablegt, als die Fotografen den Saal verlassen.
“Bild” zeigt ein Foto von ihr, auf dem sie gerade besagte Kapuzenjacke anhebt (siehe Ausriss). Nicht einmal einer der bei “Bild” so beliebten kleinen schwarzen Alibi-Balken verdeckt die Augen der jungen Frau.
Bild.de indes zeigte dasselbe Foto verpixelt – allerdings nur im Text. Auf der Bild.de-Startseite war das unverfremdete Foto der Frau geraume Zeit in einem großen Teaser zu sehen.
Ein Versehen? Offenbar schon.
Inzwischen nämlich ist das Foto der 23-Jährigen auch im Text bei Bild.de nicht mehr verpixelt. Und den Teaser von der Startseite können Bild.de-Leser in einer etwas kleineren Version auf der “News”-Seite begaffen:
Das ist immerhin genau so konsequent wie rücksichtslos.
vorgestern schrieben Sie mal wieder eine Ihrer “Hieb- und stichfest”-Kolumnen, und ich glaube, ich bin offenbar nach wie vor nicht fremdenfeindlich betrunken genug dafür.
Wenn ich Sie richtig verstanden habe, geht’s Ihnen darum, den Bild.de-Lesern mitzuteilen, dass Sie dann lieber doch nicht an einer Diskussionsveranstaltung teilnehmen wollen. Nun ja, sowas kommt vor.
Soweit ich weiß (und wie Sie wissen, ist ja auch BILDblog als Mitdiskutant zu der Veranstaltung eingeladen), soll dabei “vor allem der Frage nachgegangen werden, ob und wie deutsche und türkische Medien die hiesige Integrationsdebatte beeinflussen”. Aber das schreiben nicht Sie (Sie nennen es schlicht “eine Fachdiskussion zum Thema Islam”), sondern das schreibt das Bundesinnenministerium (BMI), das die heutige Fachkonferenz zum Thema “Medienverantwortung” ausrichtet.
Nun habe ich grundsätzlich große Sympathie für Menschen, die bei Themen, von denen sie nichts verstehen, lieber einfach mal die Klappe halten.
Aber als Mitglied der “Bild”-Chefredaktion haben Sie angeblich natürlich einen anderen Grund für Ihre kurzfristige Absage: den (immerhin bereits seit Anfang Mai bekannten) Titel der Veranstaltung:
“Medien in Deutschland: Integrationshemmnis oder Chance?”
Beziehungsweise:
“Sensationslust und Meinungsmache? Die Rolle und Verantwortung der Medien im Integrationsprozess”
Für Sie sind das “verquere Etikettierungen”, weil Medien doch bitte schön “der Integration von Ausländern so wenig verpflichtet [sind] wie der Förderung des Bäckerhandwerks oder der Verbreitung von Badehauben” und Sie sich nicht für die “Förderung der BMI-Vision vom multikulturellen Volksheim” einspannen lassen wollen. Abgesehen davon, dass das eigentlich niemand von Ihnen verlangt hat, sehe ich persönlich zwar Ihr Problem nicht ganz, wo doch Ihr Chef, “Bild”-Chef Kai Diekmann, vor wenigen Monaten erst in einem (in der türkischen Zeitung “Hürriyet” veröffentlichten) offenen Brief die “Bild”-Berichterstattung ausdrücklich “auch im Namen der überwiegend türkischen Bevölkerung in Deutschland” verstanden wissen wollte. Das hätten Sie doch auswendig lernen können.
Aus der Kolumne:
“(…) Berichte über gewaltkriminelle Jugoslawen oder Russland-Deutsche, über Messerattacken arabischer Jugendgangs, über Schutzgelderpressung und ‘Abziehereien’ im Migrantenmilieu fördern nicht unbedingt den Glauben an das Himmelreich eines binnenpluralistischen Vielvölkerstaats. (…) Kein Mensch klaren Sinnes würde fragen, welche Integrationsbeiträge die Rechtsprechung liefert oder welche die Polizei – auch wenn Zyniker meinen, dass einige Staatsanwälte und Richter ihre Aufgabe tatsächlich weniger in Rechtswahrung und Strafverfolgung sehen, als in der Assimilation des Heimatlandes an die Umgangsformen der Gäste. (…)” (Hervorhebung von uns.)
Sie aber haben wegen “verquerer Etikettierungen” lieber abgesagt und eine Bild.de-Kolumne vollgeschrieben. Was immerhin insofern praktisch ist, als Ihnen so die Entgeisterung eines Gegenübers erspart bleibt, wenn ausgerechnet Sie als Mitglied der “Bild”-Chefredaktion sich auf eine Aussage des Bundesinnenministers berufen, wonach die Medien “dem Postulat der objektiven Berichterstattung verpflichtet” seien. Oder wie man’s in Ihrer Zeitung formuliert:
Der deutsche Steuerzahler blecht dafür, dass brutale Ausländer in Deutschland sicher leben können, muss aber damit rechnen, von ihnen verprügelt zu werden! (“Bild” vom 14.1.2008)
Er ist Iraker, hat in Deutschland vergeblich Asyl beantragt. Einen Führerschein hat er nicht. Was er hatte, war ein dicker 5er BMW, mit dem er Motorradfahrer Dominik N. (verstorben 25) totfuhr. Und einen Richter, der ihn laufen ließ. (“Bild” vom 22.4.2008)
Immerhin haben Sie Ihre Veranstaltungstitelexegese so schön aufgeschrieben (siehe Kasten), dass wenigstens die Islamphobiker im Lande sie verstehen gerne weiterverbreiten.
Mit Gruß & auf ein andermal
Ihre Clarissa
P.S. Ganz unter uns, Herr Fest: Muss ich befürchten, dass wir und Sie (wie ein ums andere Mal in der Vergangenheit) uns auch in Zukunft bei Diskussionsveranstaltungen nicht begegnen? Bislang waren’s ja Sie und Ihre “Bild”-Kollegen, denen meist plötzlich irgendwas dazwischen kam. Doch diejenigen Veranstaltungen zum Thema Ausländer, bei denen Ihnen, wie es scheint, der Titel besser gefallen dürfte, sind nicht unser Ding.
Der Fall Stefan Aust (cicero.de, Erich Wiedemann)
Nach den Dementis (siehe 6 vor 9 von gestern) nun das Interview mit dem ehemaligen Spiegel-Chefredakteur. Stefan Aust: “Wie Leute, mit denen ich gut zusammengearbeitet hatte, von heute auf morgen illoyal wurden, wie sie sich anderen vor die Füße warfen oder wie sie sich duckten, um in Demut einen neuen Machthaber zu erwarten. Das ist schon eine interessante Erfahrung.”
Mit Thomas Bernhard auf NZZ-Rallye (umblaetterer.de, Maruccio) Thomas Bernhard reist im offenen Wagen 350 Kilometer quer durch Bayern und Österreich, um eine Neue Zürcher Zeitung zu bekommen. Er kriegt aber keine.
Nazi-Hymne am Schweizer Fernsehen (blick.ch, Lukas Rüttimann)
“Da verschlugs nicht nur den Gehörlosen die Sprache: Beim Match Deutschland – Österreich auf SF?2 lief die Nazi-Hymne!”
“Heute bin ich zufrieden, wenn die meinen Namen richtig schreiben” (persoenlich.com, David Vonplon)
“In Deutschland ist Franz Josef Wagner mit seiner Kolumne ‘Post von Wagner’ in der ‘Bild’-Zeitung längst Kult. Die direkte Ansprache wählt auch Helmut-Maria Glogger, Altmeister der Regenbogenpresse, in seiner neuen, täglichen Kolumne ‘Mail an…’ im ‘Blick am Abend’. Ob es ihm gelingt, hierzulande einen ähnlichen Status zu erlangen, wie seinem deutschen Kollegen?”
Ein dummer Patzer (medienschelte.at, Daniel) Österreich ist sich ziemlich unsicher, ob das Tor von Michael Ballack haltbar war oder nicht: “Sah schlecht aus” einerseits, “da gab es rein gar nichts zu halten” andererseits.
Es sind schockierende Zahlen, die Bild.de hinter diesem blutroten Teaser bereit hält. Es geht im Text um die Erhebungen von “Map Report” zu den Neuzugängen an Renten wegen Berufsunfähigkeit und wegen Todes im Jahr 2006.
Erschreckend, dass da laut Bild.de beispielsweise rund “52 Prozent” der Dachdecker eine Erwerbsunfähigkeitsrente “wegen eines Berufsunfalls” erhielten. Noch viel erschreckender:
Knapp 20 Prozent der Schlachter erlitten während der Arbeit einen tödlichen Unfall, bei den Krankenpflegern sind es zwölf Prozent.
Und bei den Küstern wären es demnach 18 Prozent!? Werden die reihenweise von Schweinehälften und Bettpfannen erschlagen oder fallen vom Glockenturm?
Auf Nachfrage bei “Map Report” beruhigt man uns, dass die Zahlen zur Berufsunfähigkeitsrente nichts über die Zahl der Arbeitsunfälle aussagen, sondern nur darüber, ob jemand berufsunfähig geworden ist. Aus welchen Gründen auch immer. (Tatsächlich betrage der Anteil der Arbeitsunfälle an der Berufsunfähigkeit insgesamt nur drei Prozent).
Und Renten wegen Todes werden gezahlt, wenn, nun ja, wenn die Menschen sterben. Warum auch immer.
Das ist auch so, dass ich rein gar nicht mehr vorkomme: je lauter ich gegen die schreie, umso weniger komme ich da vor, was sehr, sehr gut ist. (Charlotte Roche über ihr Verhältnis zu “Bild” im BILDblog-Video-Interview)
Seit dem Frühjahr dieses Jahres berichten “Bild” und insbesondere Bild.de wieder vermehrt über Charlotte Roche. Das ist wahrscheinlich gar kein Wunder, weil Roche einen Bestseller namens “Feuchtgebiete” geschrieben hat, in dem es auch um Sex und Körperausscheidungen geht. Es lassen sich also hervorragend Artikel über Roche schreiben, in denen beispielsweise das Wort “Porno” inder Überschrift vorkommt. Und auch wenn man bei Bild.de eigentlich findet “minimales Niveau, maximaler Erfolg”, kommt keiner der “Feuchtgebiete”-Artikel ohne Link zum Onlineshop von Bild.de aus, wo man das Buch kaufen kann.
Aber auch “Bild” kam nicht an Roche vorbei, inszenierte einen (offenbar einseitig erklärten) “Zickenkrieg” zwischen Roche und Lady Bitch Ray und schlich sich zu “Schamlos-Charlotte” in eine Lesung des “Schmuddel-Romans”.
Kürzlich waren Charlotte Roche und ihr Buch mal wieder Thema in der Hamburger Lokalausgabe von “Bild”:
“Radikal, drastisch und ebenso zart. Ich erinnere mich nicht, ein Debüt-Manuskript in der Hand gehabt zu haben, so sicher, so mutig und so voller Gegenwart wie dieses.” (Roger Willemsen im Klappentext zu “Feuchtgebiete”)
Leser von “Feuchtgebiete” wird das überraschen, hatte Willemsen doch einen lobenden Klappentext für das Buch formuliert (siehe Kasten). Das ahnt auch “Bild”:
Dass Willemsen sich über Roche, mit der er befreundet ist, so mokiert, verwundert.
Trotzdem schreibt die Zeitung kurz vorher:
Doch jetzt putzt er Charlotte Roche (30) runter, stänkert gegen ihr Skandal-Buch “Feuchtgebiete”. Es sei “mit Abstand das ekelerregendste Buch”, das er kenne, sagte Willemsen dem Magazin “Zeit Campus”.
Nun sind diese fünf Wörter richtig aus “Zeit Campus” abgeschrieben. Allerdings stehen sie in einem Kontext, der die Behauptung, Willemsen “putze” Roche und ihr Buch “runter” in einem etwas anderen Licht erscheinen lässt:
Sie sind mit Charlotte Roche befreundet. Ihr Buch “Feuchtgebiete” haben Sie schon gelesen, als es noch ein Manuskript war.
Es ist mit Abstand das ekelerregendste Buch, das ich kenne. Aber in dieser Metapher der Hygiene steckt einiges: Ordnung, Entfernung von Lebensspuren, Verdrängung. Charlotte ist auf einen der letzten Bereiche zugelaufen, in denen es eine Form von gesellschaftlichem Konsens gibt. Und ihr fällt auf: Da ist ein Bereich von Erfahrung, in dem wir beengt und normiert werden.
Klingt nicht nur anders, sondern auch kompliziert. Und auf alle Fälle nicht wie etwas, das die Bezeichnung “Autoren-Zoff” verdient hätte.
Roger Willemsen äußerte sich auf unsere Anfrage dann auch wie folgt:
Dass nun die notorische Animosität, die Charlotte zurecht gegen “Bild” hegt, dazu führt, dass ich gegen Charlotte in Stellung gebracht werden soll, das könnte man infam nennen, wenn es das Wort verdiente. Ich habe das Manuskript der “Feuchtgebiete” früh gelesen, finde das Buch erstaunlich, habe mich für seine Publikation eingesetzt, mit Charlotte lange darüber gesprochen und soll jetzt abrücken? Den Gefallen tue ich “Bild” nicht, finde aber die teilweise spießige Reaktion bezeichnend.
Ekel ist kein literarisches Urteil, sondern verrät eher, dass da noch etwas war, das empören konnte.
Normalerweise ist Alfred Draxler ja Vize-Chefredakteur und Ober-Sportchef von “Bild”. In dieser Funktion zeichnete er in letzter Zeit für Artikel verantwortlich, die Titel trugen wie “Isst Uli Hoeneß künftig Scampi?”, “0:4 – Die Bayern-Schande. Wir sind schlecht, so schlecht, so schlecht!” oder “Richtet sich Schalke heute selbst hin?” Sport eben.
Am 7. Juni begegnete Draxler “Bild”-Lesern indes in etwas ungewohnter Umgebung. Er war einer der Autoren eines Textes über die Talkshow Anne Will. Der Artikel wurde bereits auf der Titelseite mit der Schlagzeile angekündigt: “Sieg für Pflüger: Anne Will muss sich entschuldigen”. Darin wurde dem Berliner Oppositionsführer Friedbert Pflüger, der zuvor in “Bild” die Absetzung von Anne Will gefordert hatte, viel Platz eingeräumt. Draxler schrieb:
Was für eine Blamage für Anne Will (42)! Und welch ein Erfolg für den Berliner CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger (53)! (…) Hintergrund: Berlins CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger hatte die Ablösung von Anne Will gefordert und war presserechtlich gegen sie vorgegangen – mit Erfolg!
Was also hatte der “Bild”-Sportchef Draxler plötzlich im Bereich Politik und Medien zu suchen?
Das NDR-Medienmagazin “ZAPP” hat eine mögliche Erklärung, die sich den “Bild”-Artikeln, in denen Pflüger eine so große Rolle spielt, ganz und gar nicht entnehmen lässt: Draxlers Ehefrau Martina Krogmann sitzt nicht nur für die CDU im Deutschen Bundestag, sie ist auch die Patentante von Friedbert Pflügers Sohn.
Vergangenen Freitag hatten wir berichtet, dass dem Lied “Lasse redn” von “Die Ärzte” in einer Version, wie sie bei Antenne Bayern zu hören war, eine “Bild”-kritische Passage fehlte. Inzwischen hat Antenne Bayern unsere Frage, warum der betreffende Teil herausgeschnitten wurde, beantwortet. Damit, dass die Axel Springer AG an Antenne Bayern beteiligt sei, habe das nichts zu tun:
Wir von ANTENNE BAYERN legen höchsten Wert darauf, dass unsere Nachrichten immer zur vollen und halben Stunde zuverlässig im Programm laufen, andererseits wollen wir nicht, dass die Songs der Künstler abrupt abreißen oder brutal ausgeblendet werden. Deshalb gibt es verschiedene Versionen eines Songs, die je nach Bedarf vom Moderator eingesetzt werden können. (…) Aber selbstverständlich spielen wir auch die volle Version in Bayerns bestem Musikmix!
Tatsächlich erreichten uns einige E-Mails von BILDblog-Lesern, die “Lasse redn” heute auf Antenne Bayern gehört haben – inklusive der betreffenden Strophe.
“Die Ärzte” indes sind trotzdem nicht eben erfreut über die von Antenne Bayern gewählte Kürzung. Das Management teilte uns auf Anfrage mit:
Die Entfernung dieser Kernzeilen des Textes sieht die Band als eine Sinn entstellende Verstümmelung des Songs an.
Willkommen zu einer neuenFolge von: “Dinge, die wir über Angelina Jolie schon wussten, leider vergessen haben und deshalb nochmal enthüllen”. Wie immer mit Bild.de:
In dem zehnzeiligen Artikel, der mit einer 27-teiligen Bildergalerie aufgemotzt wurde, steht unter anderem:
Die schöne Frau an der Seite von Schauspieler Brad Pitt steht auf harte Nummern, enthüllt jetzt: “Mit meinem ersten Freund habe ich im Bett mit Messern gekämpft.” Pikant: Laut Femalefirst.co.uk war Angelina zum Zeitpunkt der gefährlichen Sex-Spiele erst 14 Jahre alt.
Auch wenn Femalefirst ebenfalls von einer “Enthüllung” spricht: bei “Bild” hätte man die Nummer mit den Messern kennen können. Zum Beispiel aus dem eigenen Archiv. Im Dezember 2005 schrieb “Bild” etwa:
Jenny Shimizu enthüllt auch, daß Angelina und sie bizarre Sexspiele lieben. Jenny: “Angelina sammelte Messer und begeisterte mich rasch für ihre Kollektion. Wir spielten gerne mit ‘Butterfly’-Messern herum. Die Wunden an unseren Armen zeugen davon.”
Offen spricht die Superschöne von Hollywood darüber, dass sie mit 14 entjungfert wurde und damals schon Sadomaso liebte: “Ich habe mich selbst verletzt, um einen Schmerz zu spüren. Darum habe ich meine Partner dazu ermutigt, gewalttätig zu sein. Ich habe eine Narbe an meiner Halsader die zeigt, wie gefährlich das war.” Oft habe sie gebeten, “mich zu schneiden oder ich schnitt ihn”.
Vor einer Woche hatte die “Bild”-Zeitung einen vermeintlichen “Sex-Skandal” um Gina-Lisa Lohfink aufgedeckt. Im Internet würden “pikante Aufnahmen” der Kandidatin von “Germany’s Next Topmodel” kursieren, von denen “Bild” einige abdruckte und schrieb:
Fotos und Filme, die das Model beim Sex mit ihrem Ex zeigen. Sie ist mal nackt, mal trägt sie Lack und Leder, befriedigt ihren Freund mit dem Mund!
Die “PC Welt” warnte kurz darauf vor einem “Trittbrettfahrer”, der den “Hype” um das Video dazu ausnutze, einen Computer-Virus zu verbreiten. Außerdem wunderte sich das Magazin, dass außer “Bild” bisher noch niemand das Video gefunden zu haben schien und mutmaßte, die “Bild”-Geschichte solle womöglich nur dafür sorgen, “dass der Name von Gina-Lisa wieder in den Medien landet.”
Heute berichtet “Bild” wieder groß über Gina-Lisa:
An Verehrern dürfte es Gina-Lisa nach ihren sexy Auftritten in der “Topmodel”-Show eigentlich nicht mangeln. Doch den Richtigen fürs Herz hat sie offenbar immer noch nicht gefunden. Oder warum sollte Gina-Lisa sonst im Internet einen Mann suchen? (…)
Jetzt startet Gina-Lisa einen neuen Versuch in Sachen Liebe. Und stellt an ihren möglichen Partner hohe Ansprüche: (…) (Hervorhebung von uns)
Doch Gina-Lisa sucht offenbar gar keinen Mann im Internet. Jedenfalls nicht “jetzt” auf der “Flirtseite”, aus der “Bild” zitiert und von der sie einen Screenshot abdruckt. Zwar ist Gina-Lisa offenbar seit April 2007 Mitglied dort. Aber ihr letzter Besuch auf der Seite datiert vom 10. Juni 2007 (siehe Ausriss).
“Focus Online”:
Am besten wäre es aber, Frau Lohfink suchte den Traummann über ein Fernsehauswahlverfahren. “Gina-Lisa´s Next Toplover” würde sich als Titel anbieten. Oder: “Gina-Lisa sucht den Superlover.”
Und sonst? Auch bei “Focus Online” ist man schon auf den Gedanken gekommen, dass es sich bei den “Bild”-Geschichten über Gina-Lisa um ein mehr oder weniger inszeniertes “Paris-Hilton-Programm” handeln könnte. Trotzdem verbreitet “Focus Online” auch die heutige “Bild”-Geschichte überaus detailliert weiter, verpackt sie aber, anders als andereMedien, wieder als Boulevard-Kritik. Dass “Frau Lohfink”, “das verhinderte Topmodel”, schon seit einem Jahr nicht mehr in der Flirtbörse vorbei geschaut hat, ist “Focus Online” jedoch, genau wie anderenMedien, entgangen.
Mit Dank an Manu B., Max M. und Christian W. für den Hinweis.
Schwächen im Bildaufbau (faz.net, Peter Körte)
“‘Tactical Cam’, ‘Ingoal Cam’, Hubschrauber über den Arenen: Mit einem beispiellosen technischen Aufwand versucht das Fernsehen, jeden Zentimeter der Europameisterschaft abzubilden. Trotz Bildersturms aus allen Lagen kommt es jedoch oft den entscheidenden Schritt zu spät.”
«Sie sehen selber» oder wozu Kommentatoren? (tagesanzeiger.ch, Dario Venutti)
“Die Fussball-Kommentatoren im Schweizer Fernsehen haben sich von Experten entmündigen lassen und beschränken ihre Aufgabe darauf, Emotionen zu managen. Eine Kritik.”
Warum Jürgen Klopp der beste Kritiker ist (welt.de, Peter Stützer)
“Fußballtrainer Jürgen Klopp hat gerade einen sehr guten Lauf. Dank seiner Natürlichkeit, Authentizität und seiner fundierten Kritiken überzeugt er als Kommentator bei der EM. Dank seiner unkomplizierten Art kommt er bei dem Publikum gut an. Das zeigen nun auch die Quoten beim ZDF.”
“Fotografie an sich ist mir egal” (flaremag.de, Olivia Kühni und David Bauer)
World Press Photo Award-Gewinner Tim Hetherington im Interview: “Fotografie ist einfach. Man nimmt sich eine Kamera und zieht los.”
“Wir waren wie Kinder” (tagesspiegel.de, Thomas Eckert und Joachim Huber)
Alt-68er Henryk M. Broder erzählt von früher. Wie es war bei den St. Pauli Nachrichten: “Unsere Arbeit bestand im Wesentlichen daraus, Geschichten ab- und umzuschreiben, die im Schweizer ‘Blick’ erschienen waren. Am liebsten Tiergeschichten, die wir ein bisschen aufhübschten. Außerdem habe ich das gemacht, was ich bis heute am liebsten mache: über mich selbst schreiben. Mein Chef war Stefan Aust, auch damals schon ein guter Blattmacher, begabt und autoritär.”
Ringier, de Weck und Zensur (readyourlips.blogspot.com)
“Lips” fragt sich, warum auffällige Äusserlichkeiten von Verlegern und Journalisten nie Thema sind in den Medien.