Suchergebnisse für ‘BILD’

Facebook-Falle, Silicon-Valley-Duell, “Hochwatergate”

1. Märtyrer für die einen, Mörder für die anderen
(tagesspiegel.de, Lissy Kaufmann)
Bei der Berichterstattung in den Konfliktgebieten Westjordanland und Gaza gibt es verschiedene Wahrheiten. Die israelische Journalistin Lissy Kaufmann berichtet von der schwierigen Lage in der Region. “Journalisten sind immer Teil des Konflikts zwischen Palästinensern und Israelis in den besetzten Gebieten.”

2. Die Facebook-Falle
(de.ejo-online.eu, Thomas Schmidt)
Facebook kontrolliert maßgebliche Strukturen, Ressourcen und Kanäle der öffentlichen Meinungsbildung, sagt Kommunikationswissenschaftler Thomas Schmidt. Es fehle an Transparenz darüber, wie Grundregeln definiert werden und welche Verzerrungen dadurch entstehen könnten. Facebook verstärke die selektive Wahrnehmung (“Filterblase”). Das Netzwerk verweigere journalistische Verantwortlichkeit und verstecke sich hinter der trügerischen Neutralität der Algorithmen. Damit müsse man sich auseinandersetzen: In der Wissenschaft und im öffentlichen Diskurs.

3. No Varoufake!
(freitag.de, Sebastian Puschner)
Die griechische Medienlandschaft gilt als verkrustet und aussichtslos. 20 Prozent arbeitslose und 30 Prozent unbezahlte Journalisten, monatelange Wartezeiten auf Honorare, Selbstzensur, so beschreibt das Medienprojekt “Athens Live” selbst die derzeitige Situation. Und dennoch will “Athens Live” den Start wagen. Beim Crowdfunding sind zwar nur 23.000 statt der angestrebten 60.000 Euro angekommen, aber man gibt sich wild entschlossen. Auftrieb gab dem 13-köpfigen Team außerdem das vielbeachtete Interview mit dem griechischen Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis.

4. Geld vs. Geld
(sueddeutsche.de, Viola Schenz)
Die “Süddeutsche Zeitung” berichtet von einem besonders schillernden Medienfall. Der Rechtsstreit zwischen dem früheren US-Wrestler Hulk Hogan und dem Klatsch-Blog Gawker arte in ein Duell zwischen Silicon-Valley-Milliardären aus: ebay-Gründer vs. Paypal-Gründer.

5. Faulheit kostet Menschenleben
(wetterkanal.kachelmannwetter.com, Jörg Kachelmann)
Jörg Kachelmann kritisiert die Öffentlich-Rechtlichen: Man hätte die Naturkatastrophe mit den durch Regenfälle und Hochwasser bedingten Flutwellen ignoriert. Tote hätten vermieden werden können. Kachelmann begründet seine Kritik, aber es ist viel Wut und Polemik im Spiel. Die ARD hat die Kritik nach einem Bericht des “Spiegel” zurückgewiesen.

6. Diese Sache, die die AfD und Donald Trump gemeinsam haben, wird Dich überraschen
(lampiongarten.wordpress.com, Sebastian Baumer)
Sebastian Baumer fragt sich, warum so häufig über “AfD” und “Trump” berichtet werde. Er glaubt, der Sache auf den Grund gekommen zu sein: “Die AfD und Donald Trump haben eine Sache ganz definitiv gemeinsam: Dich. Dass Du diese beiden Themen zuverlässig klickst und andere Themen nicht. Du bist als begieriger Leser und Weiterverbreiter von Artikeln über die AfD und Donald Trump das wichtigste verbindende Element. Wahrscheinlich hilfst Du damit diesen Leuten auch, auf jeden Fall aber sorgst Du mit Deiner Aufmerksamkeit dafür, dass fortlaufend weiter über sie berichtet wird.”

Facebook, Festnahmen, Fernsehwerbung

1. Über die Gefahren des Lobbyismus
(de.ejo-online.eu, Anna Carina Zappe)
Die “Süddeutsche Zeitung”, die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” und “Welt” würden es tun. Die “Zeit” und das Magazin “Capital” auch: Mit Lobbyorganisationen kooperieren, um die Verlagskassen aufzubessern. Eine Studie hat nun den Einfluss dieser Zusammenarbeit auf die journalistische Arbeit untersucht. Das Ergebnis: Nur 7 der 20 untersuchten Verlage würden im Event-Geschäft mit Lobbyverbänden zusammenarbeiten, jedoch alle der großen Leitmedien, die als Mitveranstalter oder Sponsor agieren.

2. Zu dick für Facebook
(taz.de, Jana Lapper)
Jana Lapper von der “Taz” berichtet von einem Vorgang, der den Schluss nahelegt, dass Bilder dicker Frauen auf Facebook unerwünscht sind. So wurde das Bild eines Plus-Size-Models gelöscht, weil sich Nutzer_innen “schlechtfühlen oder zum Abnehmen getrieben werden könnten”. Die Pointe: Bei dem Bild handelte sich um die Botschaft an Frauen, ihren Körper positiv wahrzunehmen, auch wenn er nicht dem Mainstream-Schönheitsideal entspricht.

3. Automatisierter Hass im Netz
(faz.net, Oliver Georgi)
Immer mehr “Social Bots” greifen mit Hetzkommentaren in die Leserdebatten der sozialen Netzwerke ein und lenken die Diskussionen im Auftrag obskurer Auftraggeber in eine bestimmte Richtung, so “FAZ”-Autor Oliver Georgi. Ganze Nutzerprofile würden von Computerprogrammen angelegt und mit Menschlichkeit und damit zugleich mit Glaubwürdigkeit erfüllt. Die Manipulation der Online-Welt hätte auch Folgen für die Offline-Welt.

4. Pressefotografen außer Gefecht
(kontextwochenzeitung.de, Oliver Stenzel)
Beim AfD-Bundesparteitag in Leinfelden-Echterdingen sind mehrere Fotojournalisten von der Polizei bis zu 12 Stunden festgesetzt worden, obwohl sie sich, nach ihren Angaben, mit Presseausweisen eindeutig als Journalisten ausgewiesen hatten und auch später immer wieder darauf hinwiesen. Für “Reporter ohne Grenzen” ist der Vorgang “beispiellos”. Der Autor des Beitrags hat mit einem der Pressefotografen gesprochen, der den Vorfall aus seiner Sicht schildert und von der Überforderung der Polizei berichtet.

5. Gar nicht mal so neu: Leistungsschutzrecht in historischer Linie
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
“Netzpolitik” macht auf eine vergleichende Studie der University of British Columbia und der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover aufmerksam, in der die strategischen Abwehrmechanismen etablierter Medien gegen „neue“ Medien untersucht wurden. Auffällig dabei: Die konzertierte Lobbyarbeit deutscher Medienunternehmen für das sogenannte „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“ weise erhebliche Ähnlichkeiten mit einem Fall auf, der beinahe 100 Jahre zurückliegt.

6. EU-Kommission erlaubt deutlich mehr Fernsehwerbung
(golem.de)
Die EU-Kommission will Fernsehsendern längere und häufigere Werbung in der Hauptsendezeit gestatten: Alle 20 Minuten statt wie bislang alle 30 Minuten sollen die Sender das Programm für Werbung unterbrechen dürfen. Weitere Sonderregelungen sollen für noch mehr TV-Werbung sorgen. “Flexibilisierung” wird das dann genannt. Wem das nicht gefalle, könne ja “abschalten, umschalten, durchzappen oder auf Video-on-Demand-Angebote übergehen”, so EU-Kommissar Günther Oettinger.

Mongolei, Katholiken, Hitler

1. Rundfunk genießt das höchste Vertrauen
(de.ejo-online.eu, Marlis Prinzing)
Der internationale Verbund von Rundfunkanstalten EBU (European Broadcasting Union) hat den Bericht “Trust in Media 2016” veröffentlicht. Als Grundlage diente das aktuelle “Eurobarometer”, für das in EU-Mitgliedsländern und Beitrittsinteressierten jeweils rund tausend Menschen gefragt wurden, welchen Medien sie vertrauen. Kurz zusammengefasst: Der Rundfunk genießt in allen 33 Ländern das höchste Vertrauen.

2. Ich war so frei: Journalistentraining in der Mongolei
(journalisten-training.de, Bernd Oswald)
Bernd Oswalds Leben als “selbständiger Journalistentrainer” wird zuweilen von kleinen, aber auch großen Abenteuern unterbrochen. So fragte ihn die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unlängst an, ob er Lust auf ein Journalistentraining in der Mongolei hätte. Oswald hatte und reiste nach Ulan Bator, um dort drei Gruppen mongolischer Journalisten jeweils drei Tage lang zu Do’s and Dont’s im digitalen Journalismus zu coachen. Im Artikel berichtet er darüber, was er in der Mongolei über Medien und Politik gelernt hat und warum die mongolischen Journalisten seine bislang dankbarsten Seminarteilnehmer waren.

3. Detektivarbeit hinter den Kulissen der tagesschau
(Michael Wegener, blog.tagesschau.de)
Michael Wegener gewährt einen Blick hinter die Kulissen der Tagesschau und zeigt, welch Detektivarbeit teilweise nötig ist, um eine Meldung zu verifizieren. Als Beispiel dienen die Anschläge in den syrischen Küstenstädten Jableh und Tartus, bei denen mehr als hundert Menschen starben. Die ersten Berichte darüber kamen nicht als Agenturmeldung, sondern über Twitter. Also musste man Material und Veröffentlicher unter die Lupe zu nehmen, um die Meldung zu verifizieren.

4. Katholiken.taz am 25. Mai: Muss das sein?
(blogs.taz.de, Philipp Gessler & Jan Feddersen)
Zum 100. Katholikentag in Leipzig bringt die taz eine vierseitige Sonderbeilage, die „katholiken.taz“. Muss das sein, fragen die “taz”-Redakteure Philipp Gessler und Jan Feddersen und kommen, wenig überraschend, zu dem Schluss: “Wir finden schon.” Am Ende des Rechtfertigungsbeitrags wird es fast pastoral: “Und, ja: Ist diese Katholiken.taz nicht allzu männlich? Fehlt es nicht an Weiblichem? Wir empfinden: Alles ist, alles sei in uns, das Männliche wie das Weibliche und alles dazwischen.”

5. Österreich-Wahl: Live-Ticker gesucht
(ndr.de, Matthias Stelte)
Matthias Stelte wundert sich: Zur wichtigen und hochspannenden österreichischen Bundespräsidentenwahl hätte es auf keiner deutschen Medienseite einen Liveticker gegeben. Dabei würde man sonst mit derartigen Tickerangeboten nicht geizen, ob Oscar-Verleihung, Eurovision Song Contest, Oktoberfest, Apple-Event, Obama-Besuch oder Wetter-Extrem. Zu all diesen Themen hätte es bereits Live-Ticker gegeben, nur die Wahlberichterstattung der Alpenrepublik habe man vernachlässigt. Die Folge sei ein Ansturm auf österreichische Medienseiten gewesen, der die Server teilweise zum Ausstieg gezwungen hätte.

6. Neues vom Bildbetextungs-Beauftragten
(noemix.twoday.net, Michael Nöhrig)
HITLER! Na, hat geklappt, ich habe Ihre ganze Aufmerksamkeit, oder? Den Trick kennen auch andere, wie die große Hitler-in-den-Medien-Revue bei “nömix” beweist. Erfahren Sie alles über Adolf Hitlers Mikropenis und warum der arme Mann in Brasilien gemobbt wird.

Adblock-Krieg, Gerichts-Satire, Talkshow-Blindflug

1. OLG Köln: Schlechte Karten für Adblock Plus
(heise.de, Torsten Kleinz)
Durch Adblocker gehen den Medienhäusern riesige Werbeeinnahmen verloren. Kein Wunder, dass man sich da wehrt, auch mit juristischen Mitteln. Nachdem Werbeblocker “Adblock Plus” bislang fünf Prozesse für sich entscheiden konnte, zeichnet sich im Berufungsverfahren vor dem OLG Köln eine Niederlage ab. Ein Verbot des Werbeblockers steht im Raum. Und Schadensersatz. Doch Köln wird aller Voraussicht nach nur eine Zwischenstation sein. Zur endgültigen Klärung wird man sich wohl vor dem Bundesgerichtshof wiedersehen.

2. Journalismus aus der Vogelperspektive
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Das Geschäft mit Drohnen boomt wie nie zuvor und auch im Journalismus werden immer öfter kamerabewehrte Drohnen als fliegende Beobachter eingesetzt, ob bei Sportveranstaltungen oder zur Recherche und Verifizierung. Doch der Einsatz ist im journalistischen Umfeld nicht frei von Problemen. Es geht im Wesentlichen um Sicherheitsaspekte und Persönlichkeitsrechte. Lobe erzählt, wie es die Kollegen des BBC machen und kommt angesichts der Gesamtproblematik zum Schluss: “Es ist ein schmaler Grat.”

3. Böhmermann – Satire geht weiter
(diekolumnisten.de, Heinrich Schmitz)
Heinrich Schmitz ist nicht nur Kolumnist, sondern auch Strafverteidiger. In einer Mischung aus beiden Funktionen arbeitet er die umstrittene Entscheidung des Landgerichts Hamburg in der Causa Böhmermann auf. “Die Frage sei erlaubt, ob die Pressestelle des OLG Hamburg auf ihrer Homepage eine eigene Satirerubrik unterhält. Sie macht in ihrer Mitteilung über die Entscheidung des Landgerichts Hamburg nämlich ziemlich genau dasselbe wie Jan Böhmermann. Sie erklärt – genau wie dieser – dass das in Rahmen der Böhmermann-Performance vorgetragene Schmähgedicht ein Schmähgedicht ist. Dazu hätte es nun keines Gerichtes bedurft. Das wussten wir schon.”

4. Lohnt sich die “Frankfurter Allgemeine Woche”?
(dwdl.de, Nora Jakob)
Seit einigen Wochen gibt es die “Frankfurter Allgemeine Woche”. DWDL-Autorin Nora Jakob wagt sich an eine Zwischenbilanz. Richtig festlegen will sie sich nach der kurzen Zeit noch nicht, findet aber trotz einiger Kritikpunkte überwiegend positive Worte für das wöchentlich erscheinende Heft.

5. radioeins Medienmagazin PodCast
(radioeins.de, Jörg Wagner, Audio 1:39:19)
In der aktuellen Ausgabe des radioeins-Medienmagazins mit Jörg Wagner ist Medienanwalt Prof. Dr. Christian Schertz zu Besuch. In der kurzweiligen Sendung, die auch zum Download bereitsteht, geht es um die Themen: Schmähgedicht / Junge Konkurrenz für “heute Show” und “Extra 3” / rbb intern: Ist Autorisierung = Zensur? / Ein Jahr im ZDF: heute+ und “#rpten: @heuteplus oder wie wir Journalisten lernen, den Shitstorm zu lieben”.

6. Wie man eine Talkshow bespricht, ohne sie gucken zu müssen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Sascha Lobo ist bei Maybrit Illner zu Besuch und Bild.de berichtet darüber. Sie ahnen, was dabei herauskommt… (Sascha Lobo hat auf Facebook eine Art einordnende Gegendarstellung veröffentlicht). Vollends aberwitzig wird es, wenn nun noch “Focus Online” und ein Autor der “Huffington Post” mit Morbus Guttenberg dazukommen, der augenscheinlich Fernsehsendungen bespricht, ohne sie gesehen zu haben. Stefan Niggemeier dröselt den Fall auf.

Rechtsausleger, Vergesslichkeit, Sakrilegebatterie

1. Wie reaktionär hätten Sie’s denn gerne?
(carta.info, Philip Sarasin)
Der Historiker Philip Sarasin von der Universität Zürich beschäftigt sich mit der traditionsreichen Schweizer Tageszeitung “NZZ”. Seine Analyse: “In letzter Zeit musste man zur Kenntnis nehmen, dass die NZZ sich kaum mehr gegen politische und intellektuelle Strömungen weit rechts im politischen Spektrum abgrenzen mag. Der Ton wird rauer, die Fronten härter. NZZ-Autor Heribert Seifert mimt derweil das liberale Mediengewissen”. Die “NZZ” müsse sich fragen lassen, ob sie zum Sprachrohr von Positionen werden wolle, die bislang als rechtsextrem galten.

2. Springer und die Türkei
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
“Einst wollte Springer groß in den türkischen Medienmarkt einsteigen. Was ist daraus geworden? Und was hat das mit Döpfners Kampfansage gegen Erdogan und Diekmanns Engagement bei “Hürriyet” zu tun?”, fragt sich “RND”-Medienkolumnistin Ulrike Simon. Der aktuelle Quartalsbericht werfe weitere Fragen nach Springers Türkei-Strategie auf.

3. Google kämpft mit Frankreich um Privatsphäre
(faz.net, Jonas Jansen)
Die französische Datenschutzbehörde “CNIL” besteht im Rahmen des “Recht auf Vergessenwerden” darauf, dass Google monierte Suchergebnisse nicht nur in der EU, sondern weltweit löscht. Google wehrt sich mit einer Klage und argumentiert damit, dass ein Land keine Gesetze für andere Länder schaffen dürfe. Jonas Jansen von der “FAZ” berichtet über den derzeitigen Stand des Konflikts und liefert einige interessante Zahlen über die Entwicklung der Löschanfragen.

4. Journalisten, warum denkt Ihr nicht an Eure Nutzer?
(vocer.org, Lina Timm)
Die Meinungen gehen auseinander, was Journalisten können müssen. Die einen sehen den Journalisten ausschließlich als “Vertreter der schreibenden Zunft”. Andere erwarten den medialen Tausendsassa, der nicht nur schreiben, sondern auch programmieren, filmen und schneiden kann. Lina Timm macht sich Gedanken über das wandelnde Berufsbild und plädiert für Offenheit gegenüber den Möglichkeiten der Technik. Aber nicht um jeden Preis: “Technologie umarmen, statt vor ihr wegzulaufen. Dafür muss jetzt kein Journalist coden lernen. Das ist völliger Quatsch, dann müsste ja auch jeder Coder, der im Newsroom arbeitet, lernen, Geschichten zu erzählen. Aber wir müssen uns verständigen können.”

5. Darf man investigativen Journalismus kritisieren oder ist das ein Sakrileg?
(wolfgangmichal.de)
Wolfgang Michal stellt die rhetorische Frage, ob es nicht mehr erlaubt sei, investigativen Journalismus zu kritisieren. Anlass sind ihm die sogenannten “Panama Papers”. Kollegen, die es wagen, die Fleißarbeit der SZ und die, wie er findet, pompöse Inszenierung des eingesandten Materials etwas tiefer zu hängen, würden ausgegrenzt oder zu Feinden erklärt werden. Michal macht bei der Kritik an der Art und Weise des Umgangs mit den Panama Papers vier zentrale Punkte auf. Sie betreffen die Quelle, das Material, die Auswertung und das internationale Journalisten-Konsortium.

6. Dieses ganze spannende Leben auf DIN A5
(uebermedien.de, Peter Breuer)
Werbetexter und geistreiches Vorbild ganzer Twitter-Generationen Peter Breuer geht für “Übermedien” gelegentlich zum Bahnhofskiosk und zieht irgendeine beliebige Zeitschrift aus dem Regal. Als Besprechungsobjekt! Seine Rezension von “Reportagen” ist jetzt auch für Nicht-Abonnenten frei lesbar. PS: Breuer ist sehr angetan von dem Magazin mit den langen Lesestücken.

Krawalljournalismus, Klimawechsel, Kremlnews

1. Hetzer, Idioten und Dumpfbacken
(nzz.ch, Heribert Seifert)
Kommunikative Rüpelei hat längst ihren Platz in den traditionellen Medien gefunden, findet Heribert Seifert. Dem Wutbürger im Internet trete in manchen Leitmedien ein Wutjournalismus gegenüber, der Schimpfen, Weghören und Kommunikationsverweigerung zu Tugenden erklärt. Seifert listet einige Fälle auf, bei denen etablierte Medien seiner Meinung nach unangemessen berichten und mit “Kampfvokabeln” operieren würden: “Es herrscht die Stimmung eines Kulturkriegs, der wenig Raum für vernünftige politische Debatte kennt.”

2. Wie der “Guardian” zum Anwalt der Klimabewegung wurde
(tagesspiegel.de, Dagmar Dehmer)
Der britische „Guardian“ betreibt seit März 2015 eine Klimakampagne und hat damit zwei seiner eigenen Geldgeber unter Druck gesetzt. Die beiden größten Gesundheitsstiftungen der Welt, die Gates-Stiftung und der Wellcome-Trust, würden nämlich nicht nur die Berichterstattung des Medienhauses zu Entwicklungsthemen mitfinanzieren, sondern seien Investoren bei Firmen der Kohle-, Öl- und Gasindustrie. Nach anfänglichem Widerstand hätte sich die Bill- und Melinda-Gates-Stiftung nun leise von umfangreichen Investitionen in der Ölindustrie verabschiedet.

3. Ex-Mann, Ausländer, Okkultisten: Wer alles verdächtigt wurde
(derbund.ch, Thomas Knellwolf)
In den Monaten zwischen dem Familienmord im schweizerischen Rupperswil und seiner Aufklärung ergingen sich Medien, Experten und Politiker in wilden Spekulationen über den Täter. Man hätte sich regelrecht mit Mutmaßungen überboten und wenig Rücksicht auf die Angehörigen der Opfer genommen, so der “Bund”. Selbst Kriminalisten hätten sich an dem Geunke und Geraune beteiligt. Lesenswert dazu auch der persönliche Beitrag Rambojournalisten in Town, der mit dem Schweizer Boulevardjournalismus hart ins Gericht geht.

4. Unverhohlene Drohung: NPD-nahe Seite stellt Fotos und Namen von Journalisten online
(endstation-rechts.de, Oliver Cruzcampo)
Nach NPD-Demos in Schwerin und Demmin wurden laut “Endstation Rechts” von einer NPD-nahen Facebook-Seite Fotos der anwesenden Journalisten und deren Namen veröffentlicht. Nur kurz zuvor hätte Fraktionschef Udo Pastörs in seiner Rede von „Journaille-Schmierern“ und „Schweinejournalismus“ gesprochen. Dies zeige Wirkung: “Immer weniger Journalisten sind bereit, von solchen Auftritten zu berichten”, so ein Mitarbeiter eines Beratungsvereins für Betroffene rechter Gewalt.

5. Reality statt Life
(Jarina Kajafa, taz.de)
Letzte Woche machte das Bild die Runde, mit dem die russische Botschaft eine Militärmeldung illustrierte und das sich als Screenshot aus dem Spiel „Command & Conquer” entpuppte. Im Mai blühe die russische Lügenindustrie anscheinend besonders prächtig, findet Jarina Kajafa von der “taz”: Belege und Veteranen würden gefakt, Statisten für die Paraden gekauft und Meldungen verzerrt.

6. Rechte Talkshowgäste: Wie Pyromanen in der Streichholzfabrik
(spiegel.de, Georg Diez)
“Die Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen befördern den gesellschaftlichen Rechtsrutsch”, lautet die Kernbotschaft von “Spiegel”-Kolumnist Georg Diez. Es sei Zeit für eine neue Diskurs-Republik: “Die deutsche Talkshow-Republik ist, wie die reale auch, dem Proporz und dem Konsens verpflichtet – aber dieses Modell ist in Lähmung erstarrt und vor allem an seiner eigenen Existenz und an seinem eigenen Überleben interessiert.”

Facebook-Auswahl, “Stern”-Wehmut, Journalisten-Marken

1. Facebook news selection is in hands of editors not algorithms, documents show
(theguardian.com, Sam Thielman, englisch)
Anfang der Woche veröffentliche “Gizmodo” eine Recherche, die Facebook vorwarf, bei der Auswahl der “Trending Topics” bewusst konservative Quellen zu unterdrücken. Das Dementi folgte umgehend, doch die Diskussion riss seitdem nicht ab. Kluge Journalisten schrieben kluge Essays über die gesellschaftliche und journalistische Verantwortung des Sozialen Netzwerks, in der Sache stand aber weiter die Aussage von Facebook gegen die Aussage von ehemaligen Angestellten. Jetzt hat der “Guardian” Dokumente geleakt, die erstmals einen Einblick in die Blackbox Facebook geben und zeigen, nach welche Kriterien dort Nachrichten gewichtet werden. Die prompte Reaktion von Facebook kann man wiederum bei “The Next Web” nachlesen.

2. Werberat kritisiert Missbrauch der Flüchtlingsdebatte sowie Seximus
(horizont.net, Jessica Becker)
Als Bundesjustizminister Heiko Maas sagte, er wolle sexistische Werbung verbieten lassen, war der Aufschrei groß. Die Rügen des deutschen Werberats — genauer gesagt: die gerügten Objekte — zeigen, warum das vielleicht doch eine ganz gute Idee sein könnte. Ungewöhnlich: Neben drei Motiven, die Frauen auf ihre Sexualität reduzieren, traf es auch ein Unternehmen wegen “männerherabwürdigender” Werbung.

3. “Stern”: Abschied mit Wehmut
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Das Berliner Büro des “Stern” zieht um: Raus aus dem Spreepalais mit Dachterrasse, rein in ein neues Gebäude in der Friedrichstraße. Ulrike Simon besucht die Abschiedsfeier — und sieht ein Ereignis mit Symbolcharakter: “Der Umzug ist nicht nur ein Umzug. Er ist das äußere Zeichen für das, was die ‘Stern’-Leute innerlich umtreibt. Es ist der Bedeutungsverlust, sowohl der des Magazins als auch der eigene, und es ist die Befürchtung, dass das mit den Anzeigen und der Auflage nicht besser wird, dass das immer so weitergeht.”

4. Meinungsbildung: Fernsehen vorne, Internet holt auf
(dwdl.de, Alexander Krei)
Das Fernsehen deutlich vor dem Internet, der Zeitung und dem Radio, Zeitschriften unter ferner liefen. In dieser Reihenfolge tragen Medien zur Meinungsbildung der Deutschen bei. Das behauptet jedenfalls eine Studie der Landesmedienanstalten. Während die Bedeutung von Printmedien stetig abnimmt, bleibt den Verlagen zumindest ein kleiner Trost: “Bezogen auf die Gesamtbevölkerung liegen Web-Angebote von Zeitungen auf dem ersten Platz der informierenden Mediennutzung im Internet, gefolgt von E-Mail-Portalen (12,8 Prozent) und Web-Angeboten von Zeitschriften (11,8 Prozent). Sie alle landen noch vor Facebook, das auf 10,8 Prozent kommt.”

5. Zukunft der Journalistenausbildung: Lernen, wie der Markt tickt
(vocer.org, Julian Heck)
“Journalisten müssen zur Marke werden.” Es soll Journalisten geben, die bei diesem Satz nur noch genervt mit den Augen rollen. Julian Heck gehört offensichtlich nicht dazu — und erklärt, warum Berufsanfängern seiner Meinung nach nicht nur journalistisches Handwerk, sondern auch Unternehmertum vermittelt werden sollte.

6. Du wirst nicht glauben, wie einfach Clickbaitern das Handwerk gelegt werden kann
(jetzt.de)
Zugegeben: Die Idee ist nicht neu, Twitter-Accounts wie @SavedYouAClick machen sich seit langem über reißerische Teaser lustig und fassen den großspurig angekündigten Inhalt mit wenigen Worten zusammen. Trotzdem ist es eine gute Nachricht, dass mit “Stop Clickbait” jetzt auch eine Facebook-Seite zeigt, wie armselig und absurd das Prinzip von “Heftig” und Co. ist. Vielleicht gibt das zumindest ein paar vermeintlich seriösen Medien zu denken, ob ein bisschen weniger Aufgeregtheit nicht manchmal mehr wäre.

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