Suchergebnisse für ‘BILD’

Lügt das Bild?

Niemandem kann man mehr trauen heutzutage – nicht mal der Werbung. Das hat „Bild“ herausgefundenen und schreibt auf Seite 7 der Berlin-Ausgabe:

Platzeck wirbt mit falschem Lehrer …für bessere Bildung

Wie das? Nun, auf Wahlwerbeplakaten mit dem Slogan “Gemeinsam für bessere Bildung” ist Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck inmitten von Kindern zu sehen in einem Raum, der aussieht wie ein Klassenzimmer, im Hintergrund steht ein Mann. Doch, so „Bild“:

Auf dem Plakat ist nichts, wie es scheint.

Der Mann ist nämlich gar kein Lehrer, sondern Arbeitsrichter und seit 1982 in der SPD, wie „Bild“ enthüllt. Und:

Auch lernen die Kinder nicht in der Karl-Förster-Schule, in der das Bild entstand.

Und es gibt noch ein anderes Werbeplakat. Der Slogan lautet “Gemeinsam für mehr Arbeit”, und Platzeck scheint sich hier in einem Handwerksbetrieb zu befinden. Rechts von ihm steht ein Mann in einem blauen Kittel, schräg hinter ihm zwei Jugendliche, das Mädchen trägt eine Latzhose. „Bild“ hat wieder nachgefragt und fand heraus:

„Meister“ und „Azubis“ arbeiten hier nicht.

Außerdem soll der Betrieb, in dem das Foto entstand, in den letzten drei Jahren 40 Arbeitsplätze abgebaut haben (von wie vielen steht leider nicht in “Bild”). Diese Enthüllungen geben natürlich zu denken. Wenn schon in der Werbung der Schein trügt, wo dann noch?

“Bild” wirkt!

Am Donnerstag war Anke Engelke “Gewinnerin des Tages” in “Bild”. Erstens weil Thomas Gottschalk sie “in höchsten Tönen” gelobt habe (was er schon früher öffentlich getan hatte). Und zweitens:

Seitdem sie donnerstags schon um 22.15 Uhr mit ihrer Talkshow kommt, steigen auch die Quoten. BILD meint: Heute einfach mal bei Anke reinschauen.

Vor dieser Meldung war “Anke Late Night” ein einziges Mal donnerstags schon um 22.15 Uhr gelaufen. Diese Sendung hatte einen mäßigen Zielgruppen-Marktanteil von 9,2 Prozent. Mit dem Rückenwind der “Bild”-Empfehlung brach er am Abend der “Gewinner”-Meldung auf 7,1 Prozent ein. Insgesamt schalteten 260.000 Zuschauer weniger als in der Woche vorher ein.

Fernsehen wird durch “Bild” erst schön

Das Schöne an einer Zeitung, die Dinge früher weiß als andere, ist ja, dass man seltener böse Überraschungen erlebt im Leben.

“Bild” wusste schon am Donnerstag, dass Pro Sieben “Die Alm” verlängert: Senderchef Jocic “verriet” der Zeitung: “Weil der Erfolg so groß ist und so viele Zuschauer bei uns angerufen haben, hängen wir noch eine Woche dran.

Bis ins “Bild”-Fernsehprogramm vom Montag hatte sich das allerdings noch nicht herumgesprochen.

Beste Bilder

Ob das, was “Bild” da online unter dem Titel “Ken Park – die besten Filmbilder” anzubieten hat, tatsächlich die besten Filmbilder aus “Ken Park” sind, sei hier mal dahingestellt. Oder hier. Und überhaupt: Sagte man zum allererstbesten Filmbild der fünfteiligen Bild.de-Bilderschau bislang nicht schlicht Filmplakat?

“Bild”-hübsch

Leser schreiben in “Bild”. Am Donnerstag Annelie Münster, Berlin:

Zu: Schöne Braut von Terror-Bombe zerfetzt
Das ist schrecklich und unverzeihbar. Aber muss eine 19 Jahre alte bildhübsche Frau Soldatin sein?

Genau. Gibt es nicht genug unansehnliche Über-30-Jährige, die man in den Krieg schicken könnte?

Machen Abgeordnete Geld mit Social Media?, Wayback Machine, ORF-Krise

1. Machen Abgeordnete ihre Social Media Aktivitäten zu Geld?
(abgeordnetenwatch.de, Tania Röttger)
Eine Recherche von “Abgeordnetenwatch” geht der Frage nach, ob Bundestagsabgeordnete ihre Social-Media-Aktivitäten zu Geld machen. Anlass ist unter anderem der Fall des AfD-Abgeordneten Stephan Brandner, der laut “Redaktionsnetzwerk Deutschland” (nur mit Abo lesbar) seit 2024 rund 15.000 Euro mit Werbung auf YouTube eingenommen haben soll, ohne dass diese Zahlungen bislang in seinen veröffentlichten Nebeneinkünften aufgetaucht seien.

2. Despentes, Beigbeder und Bernard-Henri Lévy verlassen Verlag aus Protest gegen Rechtsaußen-Investor
(spiegel.de)
In Frankreich hätten 115 Autorinnen und Autoren angekündigt, den Grasset-Verlag, einen der bedeutendsten Literaturverlage des Landes, aus Protest gegen den Einfluss des rechtskonservativen Investors Vincent Bolloré zu verlassen. Auslöser sei die Entlassung des langjährigen Verlagschefs Olivier Nora, hinter der die Unterzeichner Bollorés Einfluss vermuten. Sie sprächen von einem Angriff auf die verlegerische Unabhängigkeit.

3. Würde eine Klage wie in den USA auch in Deut­sch­land funk­tio­nieren?
(lto.de, Carl Christian Müller)
Carl Christian Müller spielt durch, ob eine Klage gegen süchtig machendes Social-Media-Design wie in den USA auch in Deutschland Erfolg haben könnte. Sein Fazit: Ganz ausgeschlossen sei das nicht, aber die Hürden lägen hier deutlich höher und die möglichen Schmerzensgelder viel niedriger. Anders als in den USA fehle es im deutschen Recht an weitreichenden Offenlegungspflichten. Zudem müsse die Kausalität zwischen Plattformdesign und psychischen Schäden sehr genau bewiesen werden.

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4. KI und Geschichte
(taz.de, Johannes Drosdowski)
Einige Medienhäuser würden das Internet Archive und dessen Wayback Machine aus Angst vor KI-Nutzung aussperren. Die Wayback Machine archiviere seit 1996 Websites und sei wichtig, auch um gelöschte Inhalte nachvollziehbar zu machen. Gerade in Zeiten politisch motivierter Löschungen diene sie dem Erhalt öffentlicher Wahrheit und journalistischer Recherche. Mehr als 100 Journalistinnen und Journalisten hätten deshalb die Bedeutung des Archivs für das journalistische Erbe hervorgehoben.

5. Krise und kein Ende: Der ORF steht vor einem Scherbenhaufen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der österreichische ORF stecke nach dem überraschenden Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann in einer tiefen Krise. Weißmann bestreite die gegen ihn erhobenen Vorwürfe sexueller Belästigung und wolle juristisch gegen seine Kündigung vorgehen. Zugleich wachse der Druck auf die Spitze des Stiftungsrats: Der Redaktionsausschuss des öffentlich-rechtlichen Senders habe mehreren Mitgliedern das Misstrauen ausgesprochen. Die Affäre verschärfe damit auch die Debatte über die seit Jahren geforderte Entpolitisierung der ORF-Aufsichtsgremien.

6. Die besten Comics des Quartals: Alison Bechdels USA-Satire “Kaputt” führt Kritikerauswahl an
(tagesspiegel.de, Lars von Törne)
Lars von Törne stellt die aktuelle Auswahl der besten Comic-Neuerscheinungen des Quartals vor, die von 30 deutschsprachigen Kritikerinnen und Kritikern zusammengestellt wurde. Der Beitrag gibt einen Überblick über die zehn favorisierten Titel und ordnet sie kurz ein. Vertreten sind sehr unterschiedliche Formen und Themen, von Graphic Novels und Sachcomics über Manga bis hin zu Klassikern und Kindercomics.

Wahrheit in Gefahr, Polizeiliche Kriminalstatistik, Sampling geht klar

1. Wenn der Begriff Wahrheit zerstört wird
(taz.de, Patrick Gensing)
Patrick Gensing warnt in seinem Essay, “Fake News” könnten im öffentlichen Diskurs gegenüber überprüfbaren Fakten zunehmend die Oberhand gewinnen. Er argumentiert, dass Desinformation längst kein Randproblem mehr sei, sondern ein strukturelles Merkmal digitaler Öffentlichkeit. Plattformen würden Empörung, Tempo und Zuspitzung belohnen. Nötig seien nicht nur Korrekturen einzelner Falschmeldungen, sondern ein politischer und publizistischer Angriff auf die Macht der Plattformen.

2. Was die Polizeiliche Kriminalstatistik aussagt – und was nicht
(correctiv.org, Sara Pichireddu)
Sara Pichireddu erklärt, dass die Polizeiliche Kriminalstatistik nur begrenzt aussage, wie sich Kriminalität in Deutschland tatsächlich entwickele. Die Statistik erfasse polizeilich registrierte Fälle und Tatverdächtige, nicht aber gerichtliche Schuldfeststellungen. Viele Deutungen seien deshalb irreführend. So lasse die Statistik keine belastbaren Aussagen darüber zu, ob etwa mehr Menschen kriminell würden, oder ob Migranten krimineller seien.

3. Sampling geht klar
(netzpolitik.org, Denis Glismann)
Der Europäische Gerichtshof habe im Fall “Metall auf Metall” das Recht auf Sampling und Remix gestärkt. Demnach könne die Übernahme geschützter Werkteile als erlaubtes Pastiche gelten. Eine bloße Nachahmung ohne eine künstlerische Auseinandersetzung reiche jedoch nicht aus. Damit gehe der seit 27 Jahren geführte Streit zwischen der Band Kraftwerk und dem Musikproduzenten Moses Pelham in die letzte Runde. Nun müsse der Bundesgerichtshof entscheiden, ob das Sample in Sabrina Setlurs Song “Nur mir” diese Voraussetzungen erfüllt.

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4. Fünf Fakten zu Fracking (die Medien immer wieder falsch darstellen)
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi widerspricht mehreren verbreiteten Darstellungen von Fracking in österreichischen Medien. Demnach seien Aussagen über eine mögliche Gasversorgung für 30 Jahre auf veraltete Schätzungen gestützt und heute wissenschaftlich nicht haltbar. Auch ein angeblich ökologisch unbedenkliches Frackingverfahren beseitige nicht die Risiken wie etwa die Methanemissionen, den hohen Wasserverbrauch und belastetes Lagerstättenwasser.

5. “Einen Politiker zu Fall zu bringen sehe ich nicht als unsere Aufgabe”
(dfjv.de, Gunter Becker)
Im Interview beschreibt Bernhard Pötter das Newsletter-Medienhaus “Table.Media” als Modell für vertieften Fachjournalismus. Beim “Climate.Table” etwa arbeite ein größeres Team deutlich spezialisierter und enger mit anderen Fachredaktionen zusammen als in klassischen Redaktionen. Ziel sei “Deep Journalism” für Entscheiderinnen und Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und NGOs.

6. Austria First: Der rechte Dudelfunk
(verdi.de, Till Schmidt)
Till Schmidt beschreibt den österreichischen Radiosender “Austria First” als Teil einer gezielten Medienstrategie der FPÖ. Der Webradiosender verbreite parteinahe Inhalte in einem freundlichen, journalistisch wirkenden Format. Beobachter sähen darin den Ausbau einer medialen Parallelwelt. Anders als in weiteren FPÖ-Medien trete die Parteipropaganda hier jedoch weniger schrill auf, sie werde stattdessen mit Popmusik und Unterhaltung verbunden.

7. Überall “Entlastung”: Wenn ein Regierungswort zur Nachricht wird
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:47 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins beschäftigt sich der “6-vor-9”-Kurator mit dem Wort “Entlastung”, einer Regierungsvokabel, die oft von Medien übernommen werde: “‘Entlasten’ spart den Konjunktiv, es spart die Einschränkung, das Möglicherweise. Es klingt nach einer fertigen Nachricht. Und genau das macht es so verführerisch.”

Klage gestoppt, Angst liest sich gut, Umstrittene Mitgliedschaft

1. Trump-Klage gegen “Wall Street Journal” vorerst gestoppt
(taz.de)
Ein US-Bundesrichter habe Donald Trumps Verleumdungsklage gegen das “Wall Street Journal” (“WSJ”) vorerst gestoppt. Der US-Präsident habe nicht ausreichend belegt, dass die Redaktion böswillig falsche Behauptungen veröffentlicht habe. Hintergrund sei ein Bericht des “WSJ”, laut dem Trump 2003 Jeffrey Epstein einen anzüglichen Geburtstagsbrief geschrieben haben soll. Trump wolle nach Angaben seiner Anwälte weiter gegen die Berichterstattung vorgehen.

2. Bei der geplanten BR-Reform braut sich ein Streit zusammen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie Timo Niemeier bei “DWDL” berichtet, plane Bayern eine weitreichende Reform des Bayerischen Rundfunkgesetzes. Vorgesehen seien unter anderem eine feste Informationsquote von 60 Prozent im BR-Fernsehen, strengere Regeln für Faktenchecks, mehr Kompetenzen für den Rundfunkrat sowie neue Transparenzvorgaben. Kritiker sähen darin mögliche Eingriffe in die Rundfunkfreiheit und in die Programmgestaltung. Vor allem der Bayerische Journalisten-Verband äußere deutliche Bedenken.

3. Angst liest sich gut – Wie österreichische Printzeitungen über Geflüchtete berichten
(kobuk.at, Emilija Ilić)
Eine Analyse von Artikeln der österreichischen Medien “Presse” und “Kronen Zeitung” zeige deutliche Unterschiede in der Darstellung von Geflüchteten je nach Herkunft. Ukrainische Geflüchtete würden meist im Zusammenhang mit Schutz, Arbeit und gelungener Integration erscheinen. Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan oder Tschetschenien würden dagegen deutlich häufiger mit Kriminalität, Überforderung und Integrationsproblemen verbunden. Emilija Ilićs Fazit: “So entsteht ein verzerrtes Bild. Nicht unbedingt, weil einzelne Artikel falsch wären oder Tatsachen verdreht werden, sondern weil sie immer wieder dasselbe erzählen. Und genau das beeinflusst, wem Zugehörigkeit und Würde selbstverständlich zugeschrieben werden.”

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4. BPK: Umstrittene Mitgliedschaft
(verdi.de, Matthias Meisner)
Die Bundespressekonferenz stehe wegen der Aufnahme von Vertretern sogenannter Parallelmedien in der Kritik. Inzwischen seien dort unter anderem Journalistinnen und Journalisten von “Nius”, “Kontrafunk”, “Epoch Times” und anderen umstrittenen Medien vertreten oder zugelassen. Kritiker sähen darin eine Normalisierung von Akteuren, die etablierten Journalismus gezielt diskreditieren und teils verschwörungsideologische oder rechtspopulistische Positionen verbreiten.

5. Tägliche Dosis: Was die Suchtdebatte für Soziale Medien bedeutet
(flurfunk-dresden.de, Christopher Brinkmann)
Christopher Brinkmann beschreibt in seinem Gastbeitrag, wie sich die Debatte über Soziale Medien verändere. Lange habe exzessive Nutzung als Ausdruck mangelnder Selbstkontrolle gegolten. Nun rücke das Design der Plattformen in den Fokus. Auslöser sei ein Urteil in den USA, das Meta und Google wegen suchtfördernder Mechanismen zu Zahlungen verurteilt habe. Gemeint seien etwa Endlos-Scrollen, automatische Wiedergaben und algorithmische Empfehlungen. Brinkmann spricht von einem möglichen “Big Tobacco Moment” für Soziale Medien.

6. Moneypenny
(freischreiber.de)
Im Newsletter der “Freischreiber” geht es ums liebe Geld: Freie Journalistinnen und Journalisten sollten Honorare konsequent verhandeln, weil die Bezahlung oft zu niedrig sei. Ein Beitrag der “Berliner Zeitung” bestätige aus Sicht der “Freischreiber”, dass schlechte Honorare Qualität gefährden und erfahrene Freie aus dem Journalismus drängen. Außerdem geht es in dem Newsletter um die umstrittene Aktivrente für Selbstständige, bessere Regeln beim Mutterschutz und die Frage, wie sich soziale Absicherung im Alter garantieren lässt.

Orbáns Niederlage und die Medien, Google greift ein, Kunstfonds-Jury

1. “Propaganda ist nicht allmächtig”
(faz.net, Christian-Zsolt Varga)
Nach der Wahlniederlage Viktor Orbáns äußert sich der Medienanalyst Gábor Polyák im Interview hoffnungsvoll über eine Rückkehr zu rechtsstaatlichen Medienstrukturen in Ungarn. Dank der erzielten Zweidrittelmehrheit könne die neue Regierung das System der Staatspropaganda sowie das Medienkonglomerat KESMA durch kartellrechtliche Maßnahmen und Neuregulierung effektiv abbauen: “Aber man darf auch keine Illusionen erzeugen. Man kann nicht einfach morgen 500 KESMA-Medien wegnehmen. Dafür sind die Eigentümerstrukturen, die grundrechtlichen Fragen und die über Jahre verfestigten Verhältnisse zu komplex. Aber man kann die Auswirkungen dieser Machtkonzentration auf den Medienmarkt sehr wohl relativ schnell begrenzen und das System wieder in eine normalere Richtung bewegen.”

2. Was bedeutet Orbáns Niederlage für die Medien in Ungarn?
(mdr.de, Klaus Raab)
Klaus Raab analysiert die Berichterstattung deutscher Medien zur Abwahl Viktor Orbáns. Diese sei in weiten Teilen überschaubar bis verzerrend ausgefallen: Das öffentlich-rechtliche Fernsehen habe am Wahlabend zugunsten von Unterhaltungsformaten auf Sondersendungen verzichtet. Onlineportale wie Bild.de hätten teils mit irreführenden Methoden gearbeitet, indem sie alte Umfragen als aktuelle Wahlergebnisse haben wirken lassen.

3. Jetzt auch Werbechef des ORF nach Vorwürfen beurlaubt
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Nach dem Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann sei nun auch ORF-Werbechef Oliver Böhm beurlaubt worden, da gegen ihn Vorwürfe im Raum stünden. Der öffentlich-rechtliche Sender habe eine umfassende Compliance-Untersuchung eingeleitet, wobei Details zu den konkreten Anschuldigungen bislang nicht öffentlich bekannt seien. Die Personalie gelte als hochsensibel, da Böhm für einen Großteil der Werbeeinnahmen verantwortlich zeichne und laut Berichten zu den bestbezahlten Managern des österreichischen Senders gehöre.

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4. Rundfunk soll stillstehen
(taz.de)
Die Gewerkschaft Verdi habe die Hamburger Beschäftigten des NDR für Dienstag zu einem Warnstreik aufgerufen, der bis Mittwochfrüh um 1:30 Uhr andauern solle. Verdi fordere für die rund 5.000 Angestellten und freien Mitarbeitenden eine Gehalts- und Honorarsteigerung von 7 Prozent, mindestens aber 300 Euro pro Monat. Der öffentlich-rechtliche Sender habe bisher lediglich eine stufenweise Erhöhung ab 1,23 Prozent angeboten.

5. Google lässt KI automatisiert Überschriften umformulieren – RSF warnt vor Angriff auf redaktionelle Freiheit
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert Google auf, ein aktuelles Experiment einzustellen, bei dem KI-Tools eigenständig redaktionelle Überschriften von journalistischen Artikeln in den Suchergebnissen umschreiben. Laut RSF stelle dieses Vorgehen einen massiven Eingriff in die redaktionelle Unabhängigkeit und die Glaubwürdigkeit des Journalismus dar. Google habe den Test bestätigt und begründe die Praxis damit, Inhalte für Nutzerinnen und Nutzer “besser zugänglich” machen zu wollen.

6. Kunstfonds-Jury wirft Wolfram Weimer »Einschüchterungsversuch« vor
(spiegel.de, Ulrike Knöfel)
Jurymitglieder der Stiftung Kunstfonds hätten in einer “scharfen Stellungnahme” gegen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer protestiert, dem sie eine Gefährdung der Kunstfreiheit und der unabhängigen Kulturförderung vorwürfen. Hintergrund sei Weimers Anforderung, Listen mit Namen sämtlicher Jurorinnen und Juroren zu übermitteln. Dies werde als massiver Einschüchterungsversuch gewertet. Die Unterzeichnenden würden davor warnen, dass eine solche politische Instrumentalisierung von Kunst demokratische Strukturen beschädige und bereits jetzt zu einer vorauseilenden Zurückhaltung bei Förderanträgen führe.

Neue Betroffenheit, Enttäuschte Liebe, Richter vs. Pentagon

1. Neue Betroffenheit
(journalist.de, Anne Hünninghaus & Kathi Preppner)
Redaktionen würden verstärkt Journalistinnen und Journalisten suchen, die sich mit Sicherheitspolitik, Bundeswehr und Rüstungsindustrie auskennen. Gute Berichterstattung über Krieg und Krisen müsse sachlich einordnen, Begriffe erklären und Desinformation erkennen. Zugleich müssten die Interessen von Staat, Militär und Industrie kritisch voneinander unterschieden werden. Im Text von Anne Hünninghaus und Kathi Preppner schildern mehrere Medienschaffende, dass das öffentliche Interesse an diesen Themen und die eigene Betroffenheit deutlich zugenommen hätten.

2. Richter verbietet Pentagon das Aussperren von Journalisten
(spiegel.de)
Ein US-Richter habe dem Pentagon untersagt, die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten weiter einzuschränken, und die Wiederherstellung des freien Pressezugangs angeordnet. Das Gericht sehe in den neuen Pentagon-Regeln den Versuch, eine frühere richterliche Entscheidung zu umgehen. Hintergrund sei ein länger andauernder Konflikt über Pressefreiheit und Zugang zwischen dem US-Verteidigungsministerium unter Pete Hegseth und verschiedenen Medien.

3. Öffentlich-rechtliche Medien vor dem Großinquisitor
(taz.de, Rudolf Balmer)
Rudolf Balmer schildert, wie ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss zur Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Medien in Frankreich zunehmend zu einem politischen Tribunal gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) geworden sei. Vor allem der rechtsnationale Kommissionssprecher habe die Anhörungen mit aggressiven und teils fehlerhaften Vorwürfen geprägt. Dem französischen ÖRR würden im Fall eines rechten Machtgewinns tiefgreifende Einschnitte bis hin zur Privatisierung drohen.

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4. So krass werdet ihr von NIUS und BILD manipuliert
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 36:44 Minuten)
“Bild” und “Nius” hätten mit einer erfundenen Geschichte über angeblich shoppen gehende Afghanen gezielt Wut auf Geflüchtete geschürt und damit rechtsextreme Narrative bedient. Mats Schönauer wirft beiden Redaktionen vor, solche Geschichten nicht nur ungeprüft oder bewusst verzerrt weiterzuverbreiten, sondern Korrekturen später zu verschleppen oder ganz zu unterlassen.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

5. Fact-Checking: Zwischen Effizienz und Kontrolle
(de.ejo-online.eu, Susanne Fengler)
Fact-Checking-Organisationen würden zunehmend Künstliche Intelligenz einsetzten, etwa beim Monitoring, bei der Recherche, in der Produktion und bei der Verbreitung von Korrekturen. In der Praxis zeige sich jedoch eine deutliche Skepsis hinsichtlich der Grenzen solcher Systeme. Ein zentrales Ergebnis einer Analyse sei, dass KI beim Fact-Checking nicht als eigenständiger Akteur verstanden werde, sondern ausschließlich als unterstützendes Werkzeug unter menschlicher Aufsicht.

6. Das Radio zwischen enttäuschter Liebe und neuem Aufbruch
(deutschlandfunk.de, Mathias Greffrath, Audio: 39:33 Minuten)
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, besonders das Radio, befinde sich in einer tiefen Legitimations- und Formkrise, findet Mathias Greffrath in seinem Audioessay. Viele Wellen würden auf ihn routiniert, belanglos und vom Quotendruck entkernt wirken, während Podcasts, Plattformen und Algorithmen die Öffentlichkeit fragmentieren würden. Radio solle weniger beschallen und stärker Räume schaffen, in denen Menschen tatsächlich miteinander ins Gespräch kommen. Es brauche mehr physische Präsenz außerhalb der Funkhäuser, neue gemeinwohlorientierte Funktionen und ein Auftritt jenseits bloßer Marktlogik.

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