Suchergebnisse für ‘BILD’

Bild.de “informiert” weiter

Aufgabe: Erkennen Sie, welche der folgenden Überschriften auf der Startseite von Bild.de von einem Unternehmen bezahlt worden ist.

Erkannt? Nein, es ist nicht das Kästchen mit der roten Zeile “Neue Microsoft-Software”, nein, nein. (Schauen Sie selbst: Dahinter verbirgt sich doch nur ein sehr begeisterter Text über eine neue Microsoft-Software, oder?) Aber wie wär’s mit dem Kästchen rechts, dem mit “TV-Star Thomas Koschwitz”?

Nun ja. Gut möglich jedenfalls, dass einem dieses Spiel jetzt irgendwie bekannt vorkommt, weshalb es auch nicht verwundert, dass der zum Koschwitz-Kästchen gehörige, vermeintliche “Artikel” groß und deutlich (genauer gesagt, nicht groß und deutlich, sondern klein und hochkant, unten rechts am Bildrand) mit dem Wort “Anzeige” gekennzeichnet ist…

Und dass Bild.de die Überschrift auf der Startseite mittlerweile geändert hat (siehe Ausriss rechts), macht die Sache mit der verbotenen Vermischung von Werbung und übrigen Inhalten auch nicht besser. Nein, womöglich ist dem Startseiten-Verantwortlichen von Bild.de bloß aufgefallen, dass “TV-Star Thomas Koschwitz” gar nicht mehr im Fernsehen ist.

Nachtrag, 21:25:
Womöglich ist es inzwischen auch dem “Job & Geld”-Verantwortlichen von Bild.de aufgefallen, dass der Koschwitz derzeit kein “TV-Star” mehr ist. Jedenfalls wirbt bei Bild.de jetzt Koschwitz’ Kollege und “TV-Moderator” Percy Hoven für “Deutschlands einfachsten Kredit”. Eine gute Alternative: Schließlich moderiert auch Hoven seit Jahresanfang wie Koschwitz keine einzige TV-Sendung mehr, weshalb wahrscheinlich morgen schon Fritz Egner, übermorgen Max Schauzer und nächste Woche Margarethe Schreinemakers als “TV-Moderatoren” oder “-Stars” für den Bild.de-Kredit werben.

Bild.de “informiert” über Tsunami-Hilfe

Aufgabe: Erkennen Sie, welche der folgenden Überschriften im “Nachrichten”-Ressort von bild.de von einem Unternehmen bezahlt worden ist.

Erkannt? Es ist das Kästchen rechts, mit der roten Zeile “Nach der Todesflut”. Ja, war nicht so leicht.

Nun ist es eigentlich nicht Aufgabe von journalistischen Angeboten im Internet, aus der Frage, was redaktionelle Teile sind und was Werbung, knifflige Quizfragen zu machen. Genau genommen, ist das sogar verboten. Der Mediendienste-Staatsvertrag sagt konkret:

Werbung muss als solche klar erkennbar und vom übrigen Inhalt der Angebote eindeutig getrennt sein.

Peter Würtenberger, bis Ende 2004 Vorstandsvorsitzender von Bild.T-Online.de, meint allerdings, dass bild.de sich daran nicht halten muss:

“Im Internet findet eine stärkere Vermischung zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten statt.” (…) Da tue sich ein Boulevardblatt leichter als der Spiegel.

Und wenn man auf die scheinbare Überschrift klickt, steht über dem “Artikel”, auf den man kommt und der exakt so aussieht, wie ein redaktioneller Beitrag bei bild.de, ja auch groß und deutlich: “Anzeige”. Oder genauer, nicht groß und deutlich, sondern so:

(Ganz links oben neben den Tsunami-Opfern.)

Vielleicht muss man nun hoffen, dass sich die Menschen von den erstaunlichen Werbepraktiken von WorldVision und den skandalösen Werbeformen bei bild.de nicht davon abhalten lassen, für einen guten Zweck zu spenden und für eine Hilfsorganisation, an deren Seriosität sonst eigentlich kein Zweifel besteht.

Lachen mit “Bild”

“Pamplona – Eine portugiesische Familie türmte bei einem Picknick bei Pamplona (Spanien) trockenes Holz auf, zündete es an. Fleischspieße sollten gegrillt werden. Die Familienmitglieder suchten weiteres Holz, ließen die Oma (93) auf einem Klappstuhl am Feuer sitzen. Die alte Dame kippte mit dem Stuhl um, fiel in die Flammen und verbrannte.”

So steht es in einer kleinen Meldung irgendwo auf der letzten Seite der heutigen “Bild” — und zwar unter der Überschrift:
Großmutter aus Versehen gegrillt
 
 
Nachtrag, 8.1.05:
In der spanischen Lokalpresse liest sich die Geschichte übrigens etwas anders als in “Bild” — ganz anders sogar: Von “Fleischspießen” oder “Picknick” ist darin nämlich nicht die Rede. Zusammengefasst heißt es dort, dass es sich bei der Toten um eine obdachlose, alte Frau handelte, die sich auf einem Parkplatz am Rande einer portugiesischen Siedlung in Alsasua bei Pamplona (Spanien) zwischen einem Abschleppwagen und einem Wohnmobil eine Art Lager eingerichtet hatte, wo sie sich offenbar in Decken gehüllt an einem in einer Blechtonne entzündeten Feuer wärmte, wobei die Decken in Brand gerieten, die Frau verbrannte. Und wenn selbst in einer gerade mal 3 x 9 Zentimeter großen “Bild”-Meldung schon dermaßen wenig stimmt, dann…

…will man diesen Satz lieber gar nicht zu Ende denken.

Mit Dank an Christiane L., Jens S., Sonja Z. und Gisela für Links und Übersetzung.

“Bild” erklärt uns den Formularkrieg

SPD und Grüne planen ein Gesetz, das den Energieversorgern vorschreibt, in den Stromrechnungen an die Verbraucher genau aufzulisten, wie der Strom erzeugt wurde und wieviel Schadstoffe dabei entstanden. Der Kunde kann das dann lesen oder lassen; er kann sich informierter für oder gegen Atomkraft oder erneuerbare Energien entscheiden oder das alles ignorieren. Man kann das für sinnvoll halten oder für Quatsch, aber man kann eigentlich nicht tun, was “Bild”-Kommentator Hugo Müller-Vogg getan hat. Der schreibt zu diesem Thema heute:

Stoppt den Bürokratie-Wahn!
Von der Wiege bis zur Bahre – Formulare, Formulare. Nirgendwo sonst wird soviel Papier sinnlos bedruckt und beschrieben wie bei uns in Deutschland. (…)
Wenn der Staat uns Bürgern unbedingt den Formularkrieg erklären will, dann sollten wir uns wehren. Und gegebenenfalls zurückschlagen, indem wir jeden amtlichen Bescheid an unsere Abgeordneten schicken.

Hmmm. Nur: Es geht hier nicht um Formulare. Ein “Formular” ist laut “Wörterbuch der deutschen Sprache”:

Blatt oder Blätter mit vorgedruckten Fragen zum Ausfüllen, dient dem schnellen Erfassen und Auswerten schriftlicher Mitteilungen

Entweder ist Müller-Vogg so dumm, dass er den Unterschied zwischen einem Formular und einer Rechnung nicht kennt. Oder er kennt den Unterschied, vermischt aber bewusst zwei Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, um die rot-grüne Bundesregierung angreifen zu können, und verkauft seine Leser für dumm.

Wie “Bild” zitiert

Welche Wertungen fallen der “Bild”-Zeitung zu dem Tanzstück “Hannelore Kohl” von Johann Kresnik ein, das am Freitag in Bonn Premiere hatte?

Geschmacklos
Sumpf der Gefühle
Halbwahrheiten
skandalöse Lügen
das intellektuelle Niveau von Nacktfilmchen
eklig
Theater als Toilette für Gefühle

Schlimm also. Ganz, ganz schlimm. Und andere scheinen das genauso zu sehen. “Bild” zitiert die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung”:

“Kresnik ist ein Choreograph, der unterstellt statt untersucht, der Konflikte behauptet statt austrägt. Für die inneren Nöte der Hannelore Kohl interessiert er sich nicht: So bleibt die Figur ein willfähriges Demonstrationsmittel seiner Besserwisserei.”

Keine Frage, dem FAS-Kritiker hat es auch nicht gefallen. Aber der Kernsatz seines Artikels ist dieser:

Der einzige Skandal dieser Aufführung ist ihre Harmlosigkeit.

Den zitiert “Bild” nicht.

Bericht aus “Bild”

Auf Seite 148 erscheint in der morgigen Ausgabe des Magazins “Focus” ein Interview. Darin steht offenbar, dass die ZDF-Show von Johannes B. Kerner demnächst u.U. zur selben Sendezeit ausgestrahlt werden könnte wie die ARD-Show von Sabine Christiansen. Zumindest hat der “Focus” das so bereits am Samstagmorgen in einer entsprechenden Vorabmeldung formuliert.

Und nachdem die Nachrichtenagenturen die Vorabmeldung aufgegriffen und weiterverbreitet haben, steht sie heute auch in der “BamS”. Als Titelgeschichte. Und mir der riesigen Schlagzeile: “TV-KRIEG!” Doch während andere Zeitungen und Nachrichtenseiten die Kerner/Christansen-Meldung bloß rüberkopiert und veröffentlich haben, hat man sich in der “BamS” die Mühe gemacht, sie mit einem Gottschalk-O-Ton aus der “Bild” vom vergangenen Donnerstag, einem kleinen Johannes B. Kerner-Interview und einem richtig exklusiven O-Ton von ARD-Programmdirektor Günter Struve anzureichern (siehe auch Bild.de).

Immerhin zwei Absätze aber (von “Das ZDF droht…” bis “… zu plazieren”) sind auch in der “BamS” quasi identisch mit dem ursprünglichen Agentur-Wortlaut. Warum auch nicht? Warum allerdings ausgerechnet in diesen Abschnitt fälschlicherweise vom “Bericht aus Bonn” die Rede ist (den doch bekanntermaßen bereits am 16.04.1999 der “Bericht aus Berlin” abgelöst hat), wird – anders als eine sinnlose Frage an Johannes B. Kerner (“Werden Sie wie Christiansen auch einen Hundesalon aufmachen?”) – wohl auf immer unbeantwortet bleiben.

Mit Dank an wirres.net für den Hinweis.

neu  

Bild.de macht krank

Bild.de meldet:
Andy Bell: Ich habe AIDS
Als Quelle für diese Aussage des Erasure-Sängers Andy Bell nennt Bild.de im Anschluss Andy Bells “Stellungnahme auf der Erasure-Website”.

In Andy Bells Stellungnahme auf der Erasure-Website heißt es:

“Being H.I.V. does not mean that you have a.i.d.s.”

Kurzum: Andy Bell, der 1998 von seiner HIV-Infektion erfuhr, verweist ausdrücklich auf die Tatsache, dass HIV-positiv zu sein, nicht bedeutet, dass man AIDS hat — und Bild.de verweist anschließend ausdrücklich auf Andy Bells Aussage, behauptet aber trotzdem das Gegenteil? Ja.
 
Mit Dank an Alexander H. und Lutz K. für den Hinweis.

Nachtrag, zwei Stunden später:
Wie uns wirres.net soeben mitteilt, hat Bild.de die falsche Überschrift mittlerweile in “Andy Bell: Ich bin HIV-positiv” berichtigt.

Nachtrag, 17.12.04:
(Für alle, die oben im Text auf den Bild.de-Link geklickt haben und daraufhin von Bild.de informiert wurden, dass die “Seite nicht verfügbar” sei)
Es handelt sich bei der zunächst verlinkten Bild.de-Adresse www.bild.t-online.de/…/erasure_saenger_aids.html nicht um einen Fehler unsererseits. Nein, Bild.de hat mittlerweile nicht nur die Überschrift, sondern sogar die Veröffentlichungsadresse in www.bild.t-online.de/…/erasure_saenger_hiv.html berichtigt.

Text/Bild.de-Schere

Noch kurz zu dieser “Porno-Ralle”-Geschichte:
Dass Ralf Schumacher am Sonntag während des RTL-Jahresrückblicks “Menschen, Bilder, Emotionen” die “Bild”-Zeitung in Bezug auf angebliche Äußerungen seiner Frau Cora nebenbei fälschlicher Berichterstattung bezichtigte (wie am Dienstag auch die “Berliner Zeitung” berichtete) — geschenkt. Inzwischen haben sich ja alle wieder lieb, war Schumacher sogar zu Gast in Stefan Raabs ProSieben-Show “TV Total” (wie am Dienstag, naja, auch “Bild” berichtete), weshalb diese Kleinigkeit, dass am Ende der großen Versöhnung (anders als “Bild” fälschlicherweise behauptete) keine “Geldscheine vom Studio-Himmel regneten”, auch nicht weiter erwähnenswert wäre, wenn nicht Bild.de sogar selbst den Beweis dafür liefern würde, dass das mit den Geldscheinen nicht stimmt

Nachtrag, 16.12.04:
Inzwischen wurde bei Bild.de wurde das Wort “Geldscheine” nachträglich in “Gold-Schnipsel” verbessert.

“Bild” entwürdigt und verletzt

Aus einer heute veröffentlichten Pressemitteilung des Deutschen Presserats (Hervorhebungen von uns):

“(…) Öffentlich gerügt wurde die Berichterstattung der ‘Bild’-Zeitung über die Schauspielerin Sibel Kekilli. Die Zeitung hatte nach der Verleihung des Goldenen Bären mehrfach über die Vergangenheit der Schauspielerin berichtet, die vor ihrer Rolle in dem ausgezeichneten Film ‘Gegen Die Wand’ in Pornofilmen mitgespielt hat. Natürlich kann über die Vergangenheit einer Schauspielerin berichtet werden. Dabei ist aber zu beachten, dass in der Berichterstattung die Persönlichkeit der Betroffenen nicht mit den Rollen, die sie gespielt hat, identifiziert wird. Der Beschwerdeausschuss ist der Überzeugung, dass die Berichterstattung über Sibel Kekilli insbesondere durch die Kombination von Text und Bild diese Grenze deutlich überschreitet. Solche Berichterstattung entwürdigt nach Meinung des Ausschusses die Betroffene und verletzt damit die in Ziffer 1 des Pressekodex geforderte Wahrung der Menschenwürde:

Ziffer 1:
Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.

Das öffentliche Interesse deckt eine Form der Berichterstattung nicht, in der die Persönlichkeit der Betroffenen auf das reduziert wird, was man über diese in den Klappentexten von Pornofilmkassetten lesen kann.”

PS: Laut Pressekodex (Ziffer 16) entspricht es ” fairer Berichterstattung, vom Deutschen Presserat öffentlich ausgesprochene Rügen abzudrucken, insbesondere in den betroffenen Publikationsorganen.” In der Richtlinie zu Ziffer 16 heißt es außerem: “Für das betroffene Publikationsorgan gilt: Der Leser muss erfahren, welcher Sachverhalt der gerügten Veröffentlichung zugrunde lag und welcher publizistische Grundsatz dadurch verletzt wurde.”

(Weitere Texte zum Thema: “Bild” verletzt Menschenwürde, “Bild” versteht Rüge nicht, Sensation: “Bild” druckt Kekilli-Rüge, Presserat: Mehr Rüge muss nicht sein.)

Rätsel um Bild.de

Kürzlich war unter der Adresse www.bild.t-online.de folgende Überschrift zu lesen:

Bundeswehr: Szenen wie in Abu Ghraib

Heute steht unter der gleichen Adresse zum gleichen Sachverhalt was anderes, nämlich dies hier:

Wer vorschnell die Kaserne in Coesfeld mit dem Foltergefängnis Abu Ghraib gleichsetzt, der will nur eines: den guten Ruf der Bundeswehr beschädigen.

Na, das ist ja außerordentlich merkwürdig. Oder doch nicht? Wer nämlich weiß, dass der erste Text in “Bild am Sonntag” stand, während der zweite ein Kommentar aus “Bild” ist, und wer außerdem weiß, dass “BamS” und “Bild” zwar denselben Herausgeber (nämlich “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann) aber verschiedene, voneinander unabhängige Chefredakteure und Redaktionen haben, der findet’s nur noch ein bisschen merkwürdig und fragt sich vielleicht auch, warum man auf der “multimedialen Erweiterung von BILD” (früher: “multimediale Erweiterung der Marke BILD”) überhaupt nichts über diese gar nicht mal so unwichtigen Zusammenhänge erfährt.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Gunther S.

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