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Gericht zwingt “Bild”, die Wahrheit zu schreiben

Die Europäische Kommission hat recht. Die Redaktion

schreibt “Bild” heute unter eine Gegendarstellung, in der die EU-Kommission dementiert, dass sie die Übersetzung von Dokumenten ins Deutsche gestoppt habe. Das ist bemerkenswert. Nicht nur, weil die “Bild”-Zeitung vor einem Monat noch das Gegenteil behaupt hatte. Sondern vor allem, weil die “Bild”-Zeitung erheblichen Aufwand betrieben hat, um zu verhindern, dass sie diese Gegendarstellung veröffentlichen muss.

Gegendarstellung

“Bild” hat’s nicht gewusst

NICHT MAL DER KANZLER HAT’S GEWUSST!

So beginnt der Text zum heutigen Seite-1-Aufmacher in “Bild”.

Und so sieht der entsprechende Artikel auf Seite zwei aus:

Im Text selbst steht’s auch noch mal:

Nicht einmal der Kanzler war vorher eingeweiht.

Und bei Bild.de steht schon den ganzen Tag genau das Gleiche.

Das Gegenteil steht da allerdings auch — im Nachrichtenticker, einem kleinen Laufband am unteren Bildschirmrand:

Wenn man da drauf klickt, gelangt man zu diesem Text:

Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vorab über seinen am Dienstag erklärten Verzicht auf Parteiämter bei den Grünen informiert. Beide hätten sich am Montag zu einem einstündigen Gespräch im Kanzleramt getroffen, erklärte Regierungssprecher Béla Anda jetzt in Berlin. An dem Gespräch hätten nur Fischer und Schröder teilgenommen. Anda betonte, daß sich der Verzicht Fischers nur auf Parteiämter beschränke und nicht etwa Regierungsämter einschließe.

Dass Anda damit anders lautende Medienberichte dementierte, steht da zwar nicht, aber hier zum Beispiel.

Mit Dank an Peter K. und Boris S. für die Hinweise.
 
Nachtrag, 22.9., 1.10 Uhr:
Mittlerweile ist die oben zitierte Ticker-Meldung nicht mehr online.

Nachtrag, 22.9.2005, 10:03:
Dafür, dass der Kanzler schon vorab informiert war, sprechen auch seine Äußerungen in der von ARD und ZDF am Wahlabend ausgestrahlten “Berliner Runde”. Wie beispielsweise die “Welt” am Dienstag dokumentierte, hatte Schröder bereits da von “den Nachfolgern von Herrn Fischer” gesprochen.

“Bild” fragt, Politiker antworten (Wahlkampf IX)

Darum ist eine Große Koalition Gift für Deutschland

Wen hat die “Bild”-Zeitung gefragt, um sich ihre seit Wochen wiederholten Warnungen vor einer Großen Koalition bestätigen zu lassen? “Große alte Männer”, “deren Wort Gewicht hat”, “eine Art Ältestenrat in Deutschland”. Ach ja, und alle drei sind Ehrenvorsitzende der FDP.

Noch überraschender als deren Urteil über eine Große Koalition ist nur diese Aussage, die “Bild” bemerkenswert genug fand, um aus ihr am Montag dieser Woche eine Seite-1-Schlagzeile zu machen:

Friedrich Merz & Christian Wulff: Merkel wird eine exzellente Kanzlerin!

“Bild”-Redakteur aus Sommerloch geborgen

Erinnert sich noch jemand an diese “Bild”-Falschmeldung, in der es hieß: “EU schafft Deutsch ab”? Dazu gibt es nämlich jetzt eine neue Pressemitteilung der “Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland”. Darin heißt es u.a.:

“Die Europäische Kommission freut sich, dass sie bei der Bergung des für den Artikel verantwortlichen Redakteurs aus dem Sommerloch helfen konnte.”

Der Rest der Mitteilung ist weniger witzig. “Bild” hat nämlich die Angewohnheit, die eigenen Falschmeldungen nicht nur nicht zu korrigieren, sondern sich auch zu weigern, Gegendarstellungen der Betroffenen zu drucken. Selbst als die EU-Kommission am 25. August eine einstweilige Verfügung erwirkte, die “Bild” zum Abdruck der Gegendarstellung verpflichtete, gab die Zeitung noch nicht auf und legte Widerspruch ein. Heute nun hat das Landgericht Berlin diesen Widerspruch abgewiesen.

In der “F.A.Z.” sagte “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann, er drucke absurde Gegendarstellungen gerne, “weil sie zeigen, wie hier das Recht der Gegendarstellung im Kern mißbraucht wird.” Wir lernen: Weniger absurde Gegendarstellungen druckt er offenbar nicht so gerne.

“Bild”: Wir drucken gerne Gegendarstellungen

Aus einem langen Interview der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” mit “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann…

…über die politische Ausrichtung von “Bild”:

Diekmann: Wir sind weder Sprachrohr noch Erfüllungsgehilfe von Opposition oder Regierung.

… über den Schutz der Privatsphäre bei “Bild”:

Diekmann: Wer sein Privatleben privat lebt, bleibt privat. (…) Wer nicht selbst das Spiel eröffnet, muß auch nicht mitspielen.

… über Gegendarstellungen in “Bild”:

Diekmann: Viele Gegendarstellungen sind heute ein Mittel darbender Juristen, finanziell über die Runden zu kommen. (…) Und ich drucke sie sogar gerne, weil sie zeigen, wie hier das Recht der Gegendarstellung im Kern mißbraucht wird.

“Bild”-Wörterbuch III

Erb-Penner? Benz-Baby? Sekt-Anschlag? Spätestens aber, wenn “BamS”-Analytiker Stefan Hauck einen freigesprochenen TV-Moderator (der als Folge einer Vergewaltigungsklage seinen Job und seinen Ruf verlor) als “folgenlos Beschuldigten” bezeichnet, dann…

…ist es Zeit für eine Aktualisierung des BILDblog-“Bild”-Wörterbuchs.

“Bild”-Leser wissen weniger

Heute druckt “Bild” eine – kürzlich ja bereits wortgleich bei Bild.de veröffentlichte – Gegendarstellung von Alexandra Neldel. Neldel hatte nämlich einer “Bild”-Reporterin ausdrücklich erklärt, sie äußere sich nicht zu ihrem Privatleben, woraufhin “Bild” ihr einfach eine ausgedachte Äußerung in den Mund legte und abdruckte.

Bei Bild.de schrieb die Redaktion deshalb kürzlich unter Neldels Gegendarstellung den Zusatz: “Sie hat recht.”

Und man kann sich natürlich (grundsätzlich) fragen, warum “Bild” überhaupt Sachen druckt, die gar nicht stimmen. Man kann aber auch (bezogen auf Neldel) einfach nur festhalten, dass die “Bild”-Verantwortlichen nicht nur wissen, dass das, was in “Bild” stand, nicht stimmte, sondern sich auch veranlasst sahen, den Bild.de-Lesern ausdrücklich mitzuteilen, dass es nicht stimmte. Und man kann sich (anschließend) wundern, dass “Bild” offenbar glaubt, diese nicht unwichtige Information den Lesern der gedruckten “Bild” vorenthalten zu müssen: Davon jedenfalls, dass Neldel Recht hat mit ihrer Gegendarstellung, steht heute in der gedruckten “Bild” kein Wort.

Reklame für BILDblog

Die Gratispostkarten sind da! Seit gestern müsste diese BILDblog-Reklame in vielen Cafés, Restaurants und Bars im Lande zu finden sein — zum Mitnehmen, An-die-Wand-Hängen, Verschenken, Verschicken und Werben. Die Leute von CityCards haben den Siegerentwurf unseres Leserwettbewerbs freundlicherweise kostenlos für uns drucken lassen und verteilen davon annähernd 100.000 Karten im Ruhrgebiet, Rhein-Neckar-Raum und Karlsruhe, demnächst auch in Dresden und hoffentlich noch weiteren Regionen.

Und weil der Entwurf “Killermilchschnitte” von Timo F. am Ende nur zwei Stimmen vor der “Checkliste” von Karsten B. lag, haben wir uns besonders gefreut, dass uns die Firma typneun die Möglichkeit schenkte, auch aus dem Zweitplatzierten eine Gratispostkarte werden zu lassen: 2500 “freikarten” verteilt im Münchner Norden.

Wir danken ganz herzlich den Sponsoren, den vielen Lesern, die sich mit Entwürfen beteiligt haben, allen, die abgestimmt haben, und Malcolm für die graphische Unterstützung!

Nachtrag, 11. September: Auch in Bielefeld, Gütersloh und Münster gelangen in diesen Tagen 10.000 CityCards in den Umlauf.

“Bild”-Redakteur in Sommerloch gefallen

“Bild” berichtete gestern auf Seite 2 Ungeheuerliches. Beziehungsweise dies:

Die “Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland” (die kürzlich bereits einen anderen “Bild”-Bericht richtigstellen zu müssen glaubte) kommentiert die “Bild”-Meldung mit den Worten:

“Schon wieder ist ein Bildzeitungsredakteur ins Sommerloch gefallen.”

Zum Inhalt der “Bild”-Meldung heißt es dann eher schlicht:

“Das ist falsch.”
(Hervorhebung von uns.)

“Richtig” hingegen sei das “Gegenteil”.

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.
 
Nachtrag, 26.8.2005
Inzwischen gibt es eine neue Pressemitteilung der EU-Kommision. Darin heißt es:

“Das Landgericht Berlin hat (…) im Wege einer einstweiligen Verfügung BILD zu einer Gegendarstellung verpflichtet.”

Außerdem heißt es in der Pressemitteilung:

“Übrigens: BILD hätte diese Ente durch simple Recherche (Nachfrage bei der Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin oder Blick in das Amtsblatt der Europäischen Union) vermeiden können.”

Kann ich als “Bild”-Leser ein Flugzeug landen? II

Wie kommen solche haarsträubenden Geschichten wie der Crash-Kurs “Wie lande ich eine Boeing 737” in die “Bild”-Zeitung? Im konkreten Fall können wir das erklären — und eine Menge darüber lernen, wie man bei Deutschlands größter Tageszeitung arbeitet.

Als Grundlage für ihre Flug-Tipps hat die “Bild”-Zeitung einen Artikel aus der im gleichen Verlag erscheinenden Männerzeitschrift “Maxim” verwandt. Die Kollegen dort sind nicht unbedingt Experten für Luftfahrt, sondern eher für den ausgedehnten Witz. Und auch in dem Stück “Wie man(n)… ein Flugzeug landet” auf Seite 35 der September-Ausgabe fehlt es nicht an Indizien, dass es sich hier weniger um handfesten Service, als um Unterhaltung handelt.

Der erste Hinweis ist die Rubrik “Wie man(n)…”, in der es nebenbei noch darum geht, wie man eine Regierung stürzt (“Neuwahlen? Das geht doch schneller!”) und wie man schlauer wird (“Rasieren Sie sich nicht!”). Wer das übersehen hat, könnte bei einzelnen Formulierungen der “Kurzanleitung” zur Flugzeug-Landung stutzig werden. Der Text beginnt mit den Worten: “Zerren Sie den leblosen Körper aus dem Kapitänssitz (links)” und endet mit dem Satz: “Sammeln Sie die Telefonnummern der Stewardessen ein, verhelfen Sie sich zu so vielen Schnapsfläschchen wie möglich und stellen Sie sich auf umjubelte Auftritte in Talkshows ein.”

Nun ist natürlich nicht auszuschließen, dass zwischen solchen Sprüchen kleine Körner Wahrheit stecken. Und tatsächlich ist die lustige “Maxim”-Geschichte nicht halb so falsch wie die ernst gemeinte “Bild”-Geschichte. In “Maxim” heißt es zum Beispiel:

Halten Sie Ausschau nach einem Flugplatz. Finden Sie keinen, tut’s auch ein Feld oder ein gerades Stück Autobahn, das anderthalb Kilometer lang ist. Orientieren können Sie sich durch den Kompaß, den Sie an dem kleinen Flugzeug auf dem Zifferblatt erkennen. Das zeigt in die Richtung in die Sie fliegen.

Erst in der “Bild”-Version wird der Kompass zum unmittelbaren Gerade-Straßen-Suchgerät:

Ist kein Flugplatz in der Nähe, mit Hilfe des Kompasses (6) ein gerades Stück Straße (mindestens 1,5 km Länge) ansteuern.

Den Eindruck, dass Notrufe über die Frequenz 121.5 “weltweit” zu hören sind, erweckt auch nur “Bild”, nicht “Maxim”. Und die Männerzeitschrift gibt auch konkrete Hinweise, in welcher Stellung der Hebel für die Landeklappen bei welcher Geschwindigkeit sein soll — bei “Bild” heißt es dazu nur rätselhaft: “Über den Handhebel (3) die Landeklappen an die Geschwindigkeit angepaßt ausfahren.” Angepasst, soso.

Wenn man den Artikel in “Maxim” kennt, weiß man übrigens auch, warum “Bild” das falsche Cockpit zeigt, das nicht dem der bei Athen abgestürzten Maschine entspricht: “Maxim” präsentiert “die Maschine, mit der Sie wahrscheinlich in den Malle-Urlaub fliegen”.

Wir fassen zusammen: Als Quelle für einen Artikel, der Passagieren helfen soll, im Notfall ein Flugzeug zu landen, verlässt sich “Bild” auf einen lustigen Text aus einer Männerzeitschrift und verdreifacht beim Kürzen die Fehlerzahl.

Bleibt noch die Frage, woher “Bild” an anderer Stelle weiß, dass man so ein Flugzeug als Laie eigentlich gar nicht landen kann. Die Liste mit populären Film-Mythen (“Jedes Schloß kann innerhalb von Sekunden mit einer Kreditkarte oder einer Büroklammer geöffnet werden”) hat “Bild” einfach aus dem Internet abgeschrieben.

Danke an Andreas D., maq, Marcel D. und Christof W.!

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