Suchergebnisse für ‘AfD’

Nuhr Verachtung, Gespräch mit dem Rechtsfluencer, Wirbellose ARD

1. Fischers kleine Presseschau: Diesel-Depression in der FAZ und Dieter Nuhrs Hohn-Gipfel in der ARD-Themenwoche
(meedia.de, Thomas Fischer)
In seiner “kleinen Presseschau” rechnet Thomas Fischer, Bundesrichter a.D., mit der Diesel-Berichterstattung der “FAZ” und dem ARD-Satiriker Dieter Nuhr ab, für den er keine guten Worte findet: “Er verhöhnt den menschenrechtlichen Gleichheitssatz, indem er ihn in sein Gegenteil verdreht und frei erfundenen Unsinn als angeblichen “Mainstream” ausgibt, dem er sich zu widersetzen behauptet. Das Prinzip der Nuhrschen Komik ist dabei immer gleich: Von oben nach unten wird Verachtung durchgereicht. Das erreicht, bei Licht betrachtet, bestenfalls das Niveau eines Karnevalsabends im AfD-Ortsverein.”

2. Der Rechtsfluencer
(buzzfeed.com, Karsten Schmehl)
“BuzzFeedNews”-Reporter Karsten Schmehl hat sich mit einem der auffälligsten rechten Meinungsmacher in Deutschland getroffen: Der 24-jährige Henryk Stöckl treibt vor allem auf Facebook und Youtube sein Unwesen, verbreitet dort falsche Behauptungen und befeuert Hass und Hetze. Schmehl ist angesichts der Aussagen des Rechtsfluencers etwas ratlos: “Auch nach einer Stunde Gespräch fällt es nicht leicht, zu beurteilen, ob Stöckl seine Falschaussagen kalkuliert oder aus Naivität verbreitet. Es bleibt unklar, ob er die Tragweite seiner Handlungen nicht versteht oder nicht verstehen will.”

3. Kritische Begleitung – Ein Blick zurück
(apabiz.de, Caro Keller)
Was für eine Herkulesaufgabe: Über fünf Jahre hat das Team von “NSU-Watch” den NSU-Prozess regelmäßig begleitet und fleißig Protokoll geführt. Mit dem Urteil würden viele die Frage verbinden: War es das wert? War die viele Arbeit sinnvoll? Caro Keller zieht Bilanz.
Hörtipp: “NSU-Watch” gibt es auch als Podcast: “NSU-Watch: Aufklären & Einmischen” (bislang 19 Folgen).

4. Google droht mit Ende für Google News wegen Plänen für Leistungsschutzrecht
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
In Brüssel wollen EU-Verhandlungsführer Google zur Kasse bitten und eine europaweite Abgabe selbst auf kurze Textschnipsel durchsetzen. Als Antwort droht Google mit der Einstellung seines Nachrichtendienstes Google News in Europa. Keine leere Drohung: Als die spanische Regierung 2014 eine Abgabe auf Einnahmen aus Nachrichten-Aggregatorenseiten einführte, schaltete Google seinen Nachrichtendienst für Spanien einfach ab.

5. “Unser Bericht soll ein Weckruf sein”
(deutschlandfunk.de, Friedbert Meurer, Audio, 5:46 Minuten)
Der “Index on Censorship” prangert regelmäßig Fälle von Presse-Zensur in Europa an. In der von der EU-Kommission finanzierten Studie tauchen erwartungsgemäß Länder wie Ungarn und Polen auf, aber auch Finnland und Deutschland. Der Zensurbegriff müsse künftig weiter gefasst werden. Mit dem Aufkommen der sozialen Netzwerke gehe diese auch von einzelnen Personen aus.

6. Wirbellose ARD
(taz.de, Jürn Kruse)
Nachdem sich AfD und Junge Union über einen “Fuck AfD”-Aufkleber in einer Folge des Rostocker “Polizeiruf 110” aufregten, knickte die ARD ein und retuschierte den Sticker. Eine falsche Entscheidung, wie Jürn Kruse in der “taz” findet: “Diese Strategie des Einknickens vor ein paar Social-Media-UserInnen kann nicht aufgehen. Kinder merken es sich, wenn sie mit Quengeln, Jaulen und Jammern durchkommen. Und der nächste Grund zur rechten Erregung kommt bestimmt. Vielleicht wenn einem Kommissar die Schleife nicht so gebunden wird, wie es AfD und Junge Union gerne hätten.”
Weitere Leseempfehlung/Hörtipp: Der Medienrechtler Christian Schertz bei “Deutschlandfunk Kultur”: “Das ist vorauseilender Gehorsam des Senders. Es gibt keine rechtliche Pflicht, bei einer fiktionalen Erzählung wie bei einem Spielfilm solch einen Aufkleber rauszunehmen.”

Abtreibungsgegner will Pressefreiheit abtreiben, Traumata, Weidel-Spende

1. Abtreibungsgegner Yannic Hendricks hat BuzzFeed News abgemahnt, weil wir seinen Namen veröffentlicht haben
(buzzfeed.com, Juliane Loeffler)
Der Abtreibungsgegner Yannic Lukas Hendricks hat “BuzzFeed News Deutschland” abgemahnt, weil das Portal seinen Namen veröffentlicht habe. “BuzzFeed News” nimmt dies jedoch nicht hin: “Wir wehren uns gegen die Abmahnung, weil wir die Namensnennung für rechtens halten.” Juliane Loeffler erklärt die Position des Portals und zitiert aus der anwaltlichen Erwiderung auf die Abmahnung.

2. Das Trauma klopft meist sachte an
(facebook.com/carsten.stormer)
Seit vielen Jahren berichtet Carsten Stormer aus den Krisengebieten der Welt, ob als Journalist, Buchautor oder Filmemacher. Eine Tätigkeit, die körperliche Wunden und seelische Narben hinterlässt. In einem Facebook-Post schreibt Stormer auf eindrückliche und bedrückende Weise von den Erinnerungen an Krieg, Tod und grausame Gewalt, die er in einem Buch verarbeitet hat und die ihn immer wieder verfolgen: “Das Sediment dieser Geschichten lagert sich wie toxischer Schlamm in meinem Kopf ab, Schicht um Schicht.”
Siehe dazu auch: Traumatisierte Journalisten: Es gibt zu wenig Hilfe (ndr.de, Inga Mathwig, Video, 6:31 Minuten).

3. Die fixe Idee der neutralen Berichterstattung halte ich für absurd.
(planet-interview.de, Anja Reschke)
Jakob Buhre hat die NDR-Journalistin und Buch-Autorin (“Haltung zeigen”) Anja Reschke interviewt. Es geht um ihr Verständnis von Gerechtigkeit und das Bemühen um neutrale Berichterstattung, Selbstkritik, Transparenz und Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Gleichstellung innerhalb der Sender und ihre Mail-Korrespondenz mit Zuschauern.

4. Julian Reichelt still loves patriarchy
(genderequalitymedia.org)
Der Verein “Gender Equality Media” hat mit “Still <3 patriarchy" ein neues Projekt gestartet, bei dem "sexistische und patriarchale Entscheidungsträger*innen" benannt werden. "Was muss passieren, um einen Platz auf der Website zu bekommen? Ein sexistisches Bild hier, ein schiefes Wort da? Nein, wir wollen Journalist*innen nicht bloßstellen -- Fehler machen wir alle, und im besten Fall lernen wir daraus. Wir wollen die Journalist*innen zur Verantwortung ziehen, die Sexismus mit System in ihrer Arbeit einsetzen." Ganz vorne mit dabei: "Bild"-Chef Julian Reichelt. Weiterer Lesetipp: Unser Beitrag von gestern: Schülerzeitung entlockt Julian Reichelt “tiefe innere Wahrheit” mit einem Hinweis auf ein in jeder Hinsicht herausragendes Interview.

5. “Beeindruckendes Wachstum”
(faktenfinder.tagesschau.de)
Patrick Gensing vom ARD-“Faktenfinder” beschäftigt sich mit den rätselhaften Wahlkampfspenden an Alice Weidel (AfD), mit denen wahrscheinlich der Social-Media-Erfolg finanziert und die Reichweite auf Twitter und Facebook massiv ausgebaut wurde.

6. Warum Journalisten nicht vom “Gute-Kita-Gesetz” sprechen sollten (Spoiler: Weil sie damit der Ministerin einen Gefallen tun)
(stefan-fries.com)
Aus dem “Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung” hat das Bundesfamilienministerium das “Gute-Kita-Gesetz” gemacht. Stefan Fries erklärt, warum es keine gute Idee ist, wenn Medien diesen Begriff in ihrer Berichterstattung übernehmen.

Erika Fakebach, Pro und Contra Klarnamenpflicht, Debatten-Detlev

1. Steinbach wegen Twitter-Fake belangt
(faktenfinder.tagesschau.de, Karolin Schwarz)
Die ehemalige CDU-Politikerin und jetzige Vorsitzende einer AfD-nahen Stiftung Erika Steinbach nutzt begeistert Social-Media-Kanäle, um ihre Botschaften unters Volk zu bringen. Falschmeldungen, untergeschobene falsche Zitate und bösartige Empörungs-Bildchen haben es ihr besonders angetan. Nach Claudia Roth ist nun auch deren Grünen-Kollegin Renate Künast rechtlich dagegen vorgegangen. Erfolgreich: Steinbach musste eine entsprechende Erklärung abgeben, die sie verpflichtet, das Fake-Zitat nicht erneut zu verbreiten.

2. Auf kurzem Weg zum Verleger
(taz.de, Ralf Leonhard)
Auf dem österreichischen Pressemarkt gibt es Bewegung: Ein medienscheuer Selfmade-Milliardär namens René Benko hat jeweils 24 Prozent der “Krone” und des “Kurier” übernommen. Der für Österreich zuständige “taz”-Korrespondent Ralf Leonhard erklärt Hintergrund und Zusammenhänge.

3. Weniger Anonymität im Netz?
(brodnig.org)
Immer wieder gibt es Bestrebungen zur Einführung einer Klarnamenpflicht im Internet. Die Idee dahinter: Wenn sich Menschen nicht mehr hinter ihrer Anonymität verstecken können und befürchten müssen, für strafbare Äußerungen belangt zu werden, gibt es weniger Hass und Hetze. Ingrid Brodnig führt aus, warum eine solche Pflicht aus ihrer Sicht die Probleme nicht löst.

4. Philipp Kadelbach: “Ganz ehrlich, es gibt zu viele Serien”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Für “Unsere Mütter, unsere Väter” bekam er einen Emmy, nun steht für Filmregisseur Philipp Kadelbach mit der ZDFneo-Serie “Parfum” das nächste deutsche Projekt an. “DWDL” hat sich mit Kadelbach über Inszenierung, Rhythmus, Zeitgeist und die allgegenwärtige Serien-Flut unterhalten. Und natürlich über seine Arbeit an dem berühmten Süskind-Stoff.

5. Facebook kann Portale in die Bedeutungslosigkeit herunterpegeln
(sueddeutsche.de, Adrian Lobe)
Von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gibt es das Zitat, nach dem er mit dem Newsfeed “die perfekte personalisierte Zeitung für jede Person auf der Welt” schaffen wolle. In den USA sei ihm das nach einer Erhebung eines Meinungsforschungsinstituts in gewisser Hinsicht bereits recht gut gelungen. Die Allmacht des Konzerns sei riesig, schreibt Adrian Lobe. Wenn Facebook an seinen Algorithmen drehe, habe dies massiven Einfluss auf den Traffic von Nachrichtenportalen und könne diese schon mal in den wirtschaftlichen Abgrund reißen.

6. Debatten-Detlev
(titanic-magazin.de, Paula Irmschler)
“Titanic”-Autorin Paula Irmschler lässt “Debatten-Detlev” zu Wort kommen: “Frauen mit ihren Entscheidungen machen mich wahnsinnig. Ich sage nur, wie es ist. Wir geben ihnen Posten, Wahlrecht und Kolumnen, und was machen sie damit? Hysterisch rumstressen.”

Streit um Absage, Mission Wahrheit, YouTube-Paniker

1. Wir veröffentlichen: Wie sich die AfD ihre eigene Verfassungsfeindlichkeit bescheinigen lässt
(netzpolitik.org, Andre Meister & Anna Biselli)
Die AfD will verständlicherweise vermeiden, vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden. Auch weil dies Wählerstimmen kosten könnte. Die Partei hat deshalb ein Gutachten erstellen lassen. Dort gibt es 31 Handlungsempfehlungen, wie sich eine Beobachtung vermeiden ließe. Ohne zu viel zu verraten: Wenn sich die AfD an die Empfehlungen hält, könnte sich eine wohltuende Stille ausbreiten.

2. Margarete Stokowski zur Absage ihrer Lesung (28.11.2018)
(rowohlt.de, Margarete Stokowski)
Die Schriftstellerin und “Spiegel Online”-Kolumnistin Margarete Stokowski hat eine Lesung in einer Buchhandlung abgesagt, die auch Bücher von rechten und rechtsextremen Autoren zum Verkauf anbietet. Zwei Dinge stören sie: Die Normalisierung rechten Denkens und die finanziellen Gewinne für diese Autoren und Verlage. Die Buchhandlung reagierte auf die Absage mit einer öffentlichen Stellungnahme, auf die Stokowski nun ihrerseits öffentlich einsehbar reagiert hat.

3. YouTube-Stars verbreiten gerade massenhaft Panik ums ‘Ende von YouTube’
(motherboard.vice.com, Sebastian Meineck)
Wenn erfolgreiche YouTuber derzeit Videos verbreiten, in denen sie aufgeregt von der angeblich drohenden Stilllegung ihres Kanals berichten, liegt das an einem Missverständnis, das mit der angekündigten Urheberrechtsreform der EU zu tun hat. Es liegt aber auch daran, dass mit den überdrehten Panik-Videos massiv Klicks und Geld erzeugt werden. Sebastian Meineck erklärt die Sachlage und lässt verschiedene YouTuber zu Wort kommen.

4. Laudatio zur Verleihung der “Goldenen Kartoffel” 2018 an BILD-Chef Julian Reichelt
(neuemedienmacher.de, Sheila Mysorekar)
Die Verleihung des Negativpreises “Goldene Kartoffel” an “Bild”-Chef Julian Reichelt hatte für einigen Wirbel gesorgt, weil Reichelt zur Preisverleihung persönlich erschienen war und die Entgegennahme mit Hinweis auf einen angeblichen Rassismus gegen Deutsche verweigert hatte. Die Kartoffel-verleihenden “Neuen Deutschen Medienmacher” haben nun die komplette Laudatio zum Nachlesen online gestellt.

5. “Niemand kennt Hamburgs Straßen besser”
(deutschlandfunk.de, Stefan Koldehoff, Audio, 4:51 Minuten)
Das Hamburger Straßenmagazin “Hinz & Kunzt” wird 25 Jahre alt. Im “Deutschlandfunk” erzählt Chefredakteurin Birgit Müller, wie es zur Gründung des Magazins kam, welche Ziele man verfolgt und spricht über die zunehmende Verelendung auf Hamburgs Straßen.

6. Härtetest
(sueddeutsche.de, Holger Gertz)
Die Regisseurin Liz Garbus hat ein Jahr lang verschiedene Journalisten und Journalistinnen der “New York Times” bei ihrer Berichterstattung über Donald Trump begleitet. Herausgekommen ist die empfehlenswerte vierteilige Dokuserie “Mission Wahrheit – Die New York Times und Donald Trump”, die der Fernsehsender Arte heute Abend ausstrahlt.
Servicetipp: Man kann die Serie bis zum 5. Dezember 2018 auch online anschauen: Hier die Links:

Teil 1: Die ersten hundert Tage
, Teil 2: Aufschlag Trump, Teil 3: Zur Lage der Nation und Teil 4: Die Welt der Fakten.

Julian Reichelts Kartoffelsalat, Faktenfrei, Böhmermann stellt klar

1. Bild-Chef verweigert Negativpreis “Goldene Kartoffel” mit Hinweis auf Rassismus gegen Deutsche
(deutschlandfunk.de)
Die Neuen Deutschen Medienmacher haben ihren Negativpreis “Die goldene Kartoffel” an “Bild”-Boss Julian Reichelt verliehen, der es sich nicht nehmen ließ, zur Veranstaltung zu erscheinen und ein paar merkwürdige Sätze ins Mikro zu sprechen: Er lehne die Annahme der Auszeichnung ab, da diese “rassistisch” sei. 

Weiterer Lesetipp: Auf Twitter erklärt Samira El Ouassil, wo es bei Reichelts Argumentation ihrer Meinung nach hakt.

2. Faktenfreie Wut – Die Brandstifter
(diekolumnisten.de, Heinrich Schmitz)
Heinrich Schmitz beschäftigt sich in seiner aktuellen Kolumne mit dem Umgang mit der “faktenfreien Wut” der AfD: “Aber egal wie gut die Medien recherchieren, in der Auseinandersetzung mit Anhängern dieser Partei der alternativen Fakten haben sie stets die schlechteren Karten. Denn entweder behaupten diese, die offiziellen Zahlen sein vom System gefälscht oder die Medien spielten falsch. Und mit der ständigen Wiederholung von Unwahrheiten schaffen sie innerhalb ihrer Anhängerschaft eine alternative Wahrnehmung, wie man sie sonst nur bei geschlossenen Wahnsystem sehen kann. Jemandem mit einer paranoiden Psychose kannst Du auch erzählen, er sei nicht der Kalif von Bagdad, er wird es nicht glauben und Dich der üblen Lüge bezichtigen und nach dem Großwesir rufen, um Dich köpfen zu lassen.”

3. Enthüllen ist zu teuer
(taz.de, Peter Weissenburger)
Die wirtschaftliche Not der lokalen Zeitungen in den USA lässt kaum noch investigative Stories zu. Nun fangen politische Organisationen an, die traditionellen Aufgaben des Lokaljournalismus zu übernehmen. Ob das den klassischen Journalismus ersetzen kann, sei jedoch zweifelhaft, führt Peter Weissenburger in der “taz” aus.

4. Es gilt das gesprochene Wort – Zum Autorisierungswahn in deutschen Redaktionen
(welchering.de)
Peter Welchering beklagt den “Autorisierungswahn” in deutschen Redaktionen. Print-Interviews von deutschen Journalisten würden bei angelsächsischen Kollegen meist als wenig provokante und nachträglich geglättete Verlautbarungen des Gesprächspartners gelten. Welchering wünscht sich mehr Widerspenstigkeit von Redaktionen gegenüber Änderungswünschen oder Streichungen. Auch in der Journalistenausbildung herrsche der Irrglaube vor, Interviewpartner hätten ein Recht auf Autorisierung und könnten beliebige Änderungswünsche im Nachhinein rechtlich durchsetzen.

5. Die geschei­terte “Lex Soraya für jeder­mann”
(lto.de, Martin Rath)
Martin Rath schreibt bei “Legal Tribune Online” über ein spannendes Kapitel deutscher Presserechtsgeschichte: 1958 habe die Bundesregierung den Versuch unternommen, das Persönlichkeitsrecht zentral zu regeln, sei jedoch gescheitert, was ein bisschen auch an einer persischen Prinzessin gelegen habe.

6. “Unsachlich und irritierend” – Böhmermann zu Antisemitismus-Vorwurf
(weser-kurier.de, Sarah Haferkamp)
Jan Böhmermann hat sich in der aktuellen Folge seines Podcasts zu dem Antisemitismus-Vorwurf geäußert, den ein Komiker und einige Medien gegen ihn erhoben haben. Böhmermann stellt klar: “Was passiert ist, war 2010. Vier hauptberufliche Komiker haben sich 2010, vor acht Jahren, im Rahmen eines “Roasts” zu Serdar Somuncus 25. Bühnenjubiläum im FZW in Dortmund in Reaktion auf das damals frisch erschienene Buch von Tilo Sarrazin gemeinsam einen Sketch ausgedacht, gemeinsam geprobt, gemeinsam aufgeführt. Alle Beteiligten haben ihre Rollen freiwillig selbstbestimmt gespielt, in gegenseitigem Einverständnis, im Rahmen der Veranstaltung. Alle Zuschauer haben das nachvollzogen. Niemand hat von Zuhause Requisiten mitgebracht. Es wurde alles vor Ort gemeinsam geprobt und aufgeführt. Alle Beteiligten haben im Nachhinein zugestimmt, dass es auf DVD veröffentlicht wird.”

Umstrittener Waldspaziergang, Späh-Export, Unpolitisch reanimiert

1. Waldspaziergang mit Höcke – der Spiegel als Klatschmagazin
(deutschlandfunk.de, Matthias Dell)
“Deutschlandfunk”-Kolumnist Matthias Dell kritisiert den “Spiegel” für dessen jüngste Homestory mit AfD-Rechtsaußen Björn Höcke: “Spricht die Journalistin Höcke mal auf seine programmatischen Sätze an, redet der sich raus – wenig überraschend für den Leser. Für die „Spiegel“-Journalistin scheint das Ausweis ihrer Arbeit genug. Offenbar hat sie in den zurückliegenden Jahren nicht verstanden, dass die Strategie der AfD genau so funktioniert: Dem „Spiegel“ gegenüber wird anders geredet als in der Öffentlichkeit und zu den Anhängern. Auch über den „Spiegel“ übrigens. Scheint aber alles egal.”

2. Bundesregierung gegen Exportkontrolle
(reporter-ohne-grenzen.de)
Interne Verhandlungsprotokolle und Strategiepapiere der Bundesregierung beweisen, dass die Bundesregierung ein Projekt torpediert, das sie 2015 selbst angestoßen hatte: Die Reform der sogenannten Dual-Use-Verordnung, mit der die EU den Verkauf europäischer Spähsoftware an Staaten verhindern will, in denen Menschenrechte missachtet und Journalisten überwacht werden. “Reporter ohne Grenzen”-Chef Christian Mihr in einer Stellungnahme dazu: “Digitale Überwachung gefährdet die Arbeit von Journalisten auf der ganzen Welt und endet im schlimmsten Fall in Verfolgung und Folter. Es ist erschütternd, dass die Bundesregierung die Pläne der EU zugunsten von Industrieinteressen verwässern möchte.”

3. Polens Ministerpräsident sagt Medien in deutschem Besitz den Kampf an
(faz.net)
Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki stört sich an kritischen Medien. Besonders ärgern ihn polnische Medien in deutschem Besitz. Diese würden “interne Angelegenheiten Polens” beeinflussen und “die derzeitige Regierung angreifen”. Ein besonderer Dorn im Auge: Die deutsch-schweizerische Mediengruppe Ringier Axel Springer Media. Zu dem Unternehmen gehören das Wochenmagazin “Newsweek Polska”, die auflagenstarke Tageszeitung “Fakt” und das Online-Portal “Onet” — allesamt Medien, die kritisch über die Arbeit der rechtsnationalistischen Regierung berichten würden.

4. Klingeln ist zwecklos
(sueddeutsche.de, Thorsten Schmitz)
Mitten in Berlin residieren erfolgreiche Onlinemedien, die im Auftrag Russlands eine neue Art von Propaganda betreiben. Und dies recht erfolgreich: Allein der Facebookkanal “In the Now” hat mehr als 3,7 Millionen Abonnenten. Die Seite gehört zur Maffick GmbH, einem Klingelschildnachbar der Plattformen “Ruptly” und “Redfish”. Dass der russische Staat hinter diesen Onlinemedien in Berliner Bestlage steckt, würden diese mit großem Aufwand verschleiern. Dazu gehört anscheinend auch, Fragen von Journalisten abzublocken.

5. Eine Reanimation ist keine politische Demonstration
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Als ein Mitarbeiter einer Partei im Düsseldorfer Landtag mit schweren Herzproblemen zusammenbrach, retteten ihm zwei Landtagsabgeordnete mittels Herz-Druck-Massage und Mund-zu-Nase-Beatmung vermutlich das Leben. Eine schöne Geschichte, über die man unter verschiedenen Gesichtspunkten berichten könnte. So setzt sich die an der Rettung beteiligte Landtagsabgeordnete auch politisch dafür ein, dass mehr Menschen wiederbelebt werden können und will die Laienreanimation an Schulen in Nordrhein-Westfalen weiterentwickeln (PDF). Die Medien schmissen sich jedoch vor allem auf die Parteizugehörigkeit der Beteiligten. Stefan Niggemeier kommentiert: “Yüksel und Schneider verdienen jede Anerkennung, weil sie einem Menschen vermutlich das Leben gerettet haben, aber doch keine besondere Anerkennung, weil es ein AfD-Mann war. Im Gegenteil: Es entwertet ihren Einsatz, wenn man ihn nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als Besonderheit feiert. Und wenn man ihren Akt der Lebensrettung als politische Lektion für AfD-Leute interpretiert.”

6. Nach Kritik: “Spiegel”, “Stern” und “Zeit” machen Rückzieher
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Anfang der Woche kündigten die Magazine “Spiegel”, “Stern” und “Focus” sowie die Wochenzeitung “Die Zeit” an, künftig nicht mehr Auflagenzahlen für jede einzelne Ausgabe an die Kontrollorganisation IVW melden zu wollen. Um Aufwand und Geld zu sparen und weil diese Daten “keine große Rolle spielen”. Vielleicht aber auch, um sich nicht der geschäftsschädigenden Schmach schlechter Werte auszusetzen. Dagegen protestierten jedoch die Werbekunden, worauf “Spiegel”, “Stern” und “Zeit” eiligst zurückruderten.

Brasiliens Rechtsruck, Habecks “Bild”-Interview, Contenträuber

1. Bolsonaro ist Gefahr für Pressefreiheit
(reporter-ohne-grenzen.de)
Am Freitag hatte “Reporter ohne Grenzen” besorgt über die bevorstehenden Stichwahl zur Präsidentschaft in Brasilien berichtet. Favorit war der Rechtspopulist Jair Bolsonaro, dessen Wahlkampf in den vergangenen Wochen von Hassreden, Desinformation und Gewalt gegen Journalisten geprägt war. Nun ist das eingetreten, was viele befürchtet haben: Der Rechtsextremist Bolsanaro wurde zum Präsidenten gewählt.

Weiterer Lesehinweis: Brasilien rückt nach rechts (Ivo Marusczyk, tagesschau.de)


2. Sensation mit Habeck
(faz.net, Oliver Georgi)
Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck hat der “Bild”-Zeitung ein Interview gegeben, in dem er Angela Merkel dafür kritisiert, die Flüchtlingskrise zu lange unterschätzt zu haben. Daraus wurde dann die reißerische und falsche Meldung: “Wegen offener Grenzen: Grünen-Chef greift Merkel an”. Im Beitrag selbst wurde der Eindruck erweckt, unter Habeck hätten die Grünen plötzlich ihre Haltung gegenüber Merkels Flüchtlingspolitik geändert. Robert Habeck kommentierte auf seinem Facebook-Profil: “Als ich heute morgen die #Bild las, dachte ich, ich bin im falschen Film. Ich habe kritisiert, dass die Bundesregierung die Warnungen und Fluchtbewegungen über lange Zeit ignoriert hat. Das haben wir schon oft festgestellt — ist also nichts Neues. Bild stellt einen falschen Zusammenhang her.”

3. Ich bin trans und ich lasse mich nicht zum Schweigen bringen! Wie die Ärzte Zeitung versucht, Kritik zu verhindern
(nollendorfblog.de, Jonas Recker)
Mitte des Monats erschien in der Onlineausgabe der “Ärzte Zeitung” der Artikel “Im falschen Körper geboren: Ist es jetzt Mode, transgender zu sein?”. Jonas Recker hat die “Ärzte Zeitung” dafür kritisiert, seine Kommentare seien jedoch vom Social-Media-Team gelöscht worden. Recker wiederholt seine Kritik und gibt der “Ärzte Zeitung” eine Empfehlung mit auf den Weg: “Wenn Sie nicht transfeindlich genannt werden wollen, dann geben Sie doch transfeindlichen Inhalten keine Plattform.”

4. ARD und ZDF überprüfen Werbung von Linken, Grünen, FDP und CDU
(t-online.de, Jonas Mueller-Töwe)
Politischen Parteien bedienen sich bei ihrer Werbung fleißig bei den Öffentlich-Rechtlichen. Manches scheint vom Zitatrecht gedeckt zu sein, vieles könnte aber auch einen Verstoß gegen das Urheberrecht darstellen. Gelegentlich wird das fremde Material sogar nachbearbeitet und mit eigenem Logo versehen. Auf Anfrage von t-online.de gaben alle Sender an, keine Genehmigungen für die Nutzung durch die Parteien erteilt zu haben. Es drohen rechtliche Schritte.

5. Was haben sie gelacht
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Die AfD hatte zur Diskussion um “Populisten” und “Lügenpresse” geladen, und die Nachrichten-Chefs der öffentlich-rechtlichen Sender waren der Einladung nach Dresden gefolgt. Boris Rosenkranz berichtet von der Veranstaltung, bei der “Tagesschau”-Chef Kai Gniffke und ZDF-Chefredakteur Peter Frey anscheinend alles gaben, um auch nur den Ansatz von Streit zu vermeiden.

6. Die Politik der Entmenschlichung
(spiegel.de, Christian Stöcker)
Trägt US-Präsident Donald Trump eine Mitschuld daran, dass jemand in den USA Paketbomben an seine Kritiker schickt? Ja, findet “Spiegel Online”-Kolumnist Christian Stöcker und hat dabei die einschlägige Forschung auf seiner Seite.

Planierraupe Madsack, Heult doch, Warnung vor dem Erdogan

1. Penny-Markt der Publizistik
(kontextwochenzeitung.de, Willi Germund)
Auslandskorrespondent Willi Germund rechnet lesenswert mit der Medienbranche ab. Vor allem das “RedaktionsNetzwerk Deutschland” der Madsack Mediengruppe erregt seinen Zorn: “(…) anders als Funke und SWMH walzt das Redaktionsnetzwerk Deutschland wie eine Planierraupe über den deutschen Zeitungsmarkt. Mit Honorardrückerei, kalt lächelnder Ausnutzung der miserablen wirtschaftlichen Lage freier Journalisten, macht Madsack den Penny-Markt für Zeitungshäuser, die ihren publizistischen Anspruch weitgehend aufgegeben haben und in der Regionalisierung, bei Kritikern Provinzialisierung getauft, ihrer Blätter ihr Heil und ihren Profit suchen.”

2. Heult doch.
(neuemedienmacher.de)
Die “Neuen deutschen Medienmacher” sind ein bundesweiter unabhängiger Zusammenschluss von Journalistinnen und Journalisten mit und ohne Migrationsgeschichte. Man versteht sich vor allem als Ansprechpartner für das Thema “Medien in der Einwanderungsgesellschaft”. Manchem lässt dies offenkundig keine Ruhe: Die AfD-Bundestagsfraktion hat eine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, die bereits von offizieller Seite beantwortet wurde (PDF). Der Verein der Medienmacherinnen und Medienmacher antwortet der AfD jedoch auch direkt: “Liebe Leute, macht Euch mal locker. Lernt mit Widerspruch umzugehen. Das gehört in einer Demokratie eben dazu.”

3. Auswärtiges Amt verschärft Reisehinweise für die Türkei
(faz.net)
Das Auswärtige Amt hat seine Reisehinweise für die Türkei verschärft. Es warnt die Bundesbürger vor regierungskritischen Meinungsäußerungen in sozialen Medien: “Dabei können auch solche Äußerungen, die nach deutschem Rechtsverständnis von der Meinungsfreiheit gedeckt sind, Anlass zu einem Strafverfahren in der Türkei geben.”
Weiterer Lesehinweis: Für Türkeistämmige in Deutschland kann schon ein einziger Erdogan-kritischer Facebook-Post zum Problem werden. “Motherboard” hat mit den Menschen gesprochen, die das unmittelbar betrifft. Es geht um Angst, Trotz und Selbstzensur: Angst vor Erdogan: Wie sich Türkeistämmige online selbst zensieren (motherboard.vice.com, Baran Datli).

4. “Man hätte sich online stärker aufstellen müssen”
(monopol-magazin.de, Elke Buhr)
Auf Musikzeitschriften wirkt sich der Medienwandel derzeit vielleicht besonders heftig aus: Nach jahrzehntelanger Existenz verschwindet das Gratis-Musikmagazin “Intro”. Außerdem werden “Groove” und “Spex” eingestellt. Über die Gründe hat sich Elke Buhr mit dem Musikjournalisten und “Spex”-Chefredakteur Daniel Gerhardt unterhalten.

5. “Medien müssen die eigene Macht kritisch betrachten”
(horizont.at, Marlene Auer)
Im Interview mit “Horizont” spricht Barbara Hans, Chefredakteurin von “Spiegel Online”, über den Umgang mit Inhalten sowie deren Monetarisierung, die Glaubwürdigkeit von Medien und deren Macht. Die Mehrheit der deutschen Medien nütze ihre Machtposition nicht aus, um eigene oder fremde Interessen zu forcieren. Ein Blick in die USA zeige jedoch deutlich, dass Binnenpluralität keine Selbstverständlichkeit sei. Journalisten, die sich als Aktivisten sehen, hätten etwas grundsätzlich falsch verstanden.

6. Fake-Vorwurf ohne Beweise
(faktenfinder.tagesschau.de, Patrick Gensing)
Das Video gegen “Manspreading” wurde zum Viralhit: Eine junge Frau, die in der U-Bahn von St. Petersburg unterwegs ist, gießt besonders breitbeinig sitzenden Männern eine Flüssigkeit in den Schritt, bei der es sich um mit Bleichmittel versetztes Wasser handeln soll. Die Geschichte sorgte für Diskussionen und Empörung, aber auch für Fragen nach der Echtheit und einer möglichen Inszenierung. Die EU behauptete gar, das Video sei ein Fake des Kreml. ARD-“Faktenfinder” Patrick Gensing ist der Sache nachgegangen.

Umfragensorge, Dessauer Fischfilet, Informationsfreiheit

1. Marktforscher fordern mehr Sorgfalt bei Berichten über Umfragen
(horizont.net, Sabine Hedewig-Mohr)
Der “Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute” hat sich in einem offenem Brief an die Medien gewandt: “Seit einiger Zeit nehmen wir mit großer Sorge wahr, dass in Zeitungen und Zeitschriften, in Radio- und Fernsehberichten sowie in der Onlineberichterstattung Umfrageergebnisse vermehrt als repräsentativ bezeichnet werden, auch wenn diese nicht repräsentativ sind. Dies ist ein unhaltbarer Zustand.”

2. Entwicklungsministerium: Löschen statt offenlegen
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott)
Als das Entwicklungsministerium eine Anfrage nach dem Terminkalender des Ministers bekam (gemäß Informationsfreiheitsgesetz), wurde dies von der Behörde verweigert. Darauf schaltete sich die Bundesbeauftragte für Informationsfreiheit ein. Das Ministerium reagiert. Jedoch nicht, indem es den Terminkalender zur Einsichtnahme freigab, sondern indem es ihn löschte. Nun teilt die Bundesbeauftragte für Informationsfreiheit mit, sie sei mit dem Vorgehen des Ministeriums zwar nicht einverstanden, fühle sich aber nicht mehr zuständig: Da es die Daten nicht mehr gebe, sei auch das Informationsfreiheitsgesetz nicht mehr anwendbar.

3. Haltungsfragen
(journal-nrw.de, Andrea Hansen)
“Darf ich als Journalist privat auf eine Demo gegen die AfD gehen, wenn ich auch über die Partei berichte? Wie viel Haltung kann mein Artikel enthalten, wie viel davon braucht er sogar? Und was ist das überhaupt: Haltung? Was ist Meinung, und wo ist der Unterschied zwischen beiden?” Andrea Hansens Beschäftigung mit journalistischen Haltungsfragen erscheint im aktuellen Medien- und Mitgliedermagazin des Deutschen Journalisten-Verband NRW, ist aber auch online verfügbar.

4. Trolle hetzen mit rassistischen Sprüchen gegen Rap-Video der Berliner Polizei
(motherboard.vice.com, Dennis Kogel und Sebastian Meineck)
Die Berliner Polizei hat ein Musikvideo auf Youtube veröffentlicht, bei dem es um Vielfalt, Verständigung und Miteinander geht (“KBNA – Füreinander da!”). Nun überfluten rechte Trolle den Kommentarbereich mit negativen und rassistischen Aussagen und versuchen, die Kampagne zu diskreditieren. Nach “Motherboard”-Recherchen geht dies vor allem auf ein bekanntes Forum zurück, in dem die Trolle die Aktion publik machten und koordinierten.

5. Die brasilianische Lügenfabrik
(spiegel.de, Julia Jaroschewski)
Ein Fake-News-Skandal erschüttert Brasilien. Es geht um Hunderttausende gekaufte Falschnachrichten auf WhatsApp im Wahlkampf. Sowohl Linke als auch Rechte würden im brasilianischen Wahlkampf mit schmutzigen Tricks kämpfen. Und der findet zunehmend auf WhatsApp statt: Brasilien ist für den Messengerdienst weltweit einer der größten Märkte und zur wichtigsten Onlinefront im Wahlkampf geworden.

6. “Feine Sahne Fischfilet” – Theater nimmt Ausladung zurück und entschuldigt sich
(mz-web.de)
Es gibt Bewegung in der Causa “Feine Sahne Fischfilet”, zumindest an einer Stelle: Das Anhaltische Theater in Dessau hat seine Konzertabsage zurückgezogen und sich bei der Band offiziell entschuldigt: “Nach der heftigen öffentlichen Diskussion hat die Theaterleitung verstanden, dass der Diskurs über Kunst nur geführt werden kann, wenn die Kunst sich unbedingt in aller Freiheit präsentieren kann.” Währenddessen hält die Stiftung Bauhaus Dessau weiter an ihrer Absage fest.

Aufreger der Woche, Warnung vor der Höhle, “Lisas” Ungereimtheiten

1. Ich bin keine Frau, ich bin kein Mann, ich bin Journalistin
(faz.net, Michael Hanfeld & Axel Weidemann)
Die jordanische Journalistin Rana Sabbagh leitet die Organisation “Arab Reporters for Investigative Journalism” in Amman und ist gerade mit dem Raif Badawi Award ausgezeichnet worden. Die “FAZ” hat mit der mutigen Journalistin über ihre Arbeit gesprochen.

2. Von Gauland und Gabriel, Gastbeiträgen und Gehältern
(deutschlandfunk.de, Silke Burmester)
Silke Burmester kümmert sich in ihrer “Deutschlandfunk”-Kolumne gleich um drei Aufreger auf einmal: Um den Umgang der “FAZ” mit dem Gastbeitrag von AfD-Chef Alexander Gauland, der überaus gut dotierten journalistischen Tätigkeit von Ex-Bundesaußenminister Sigmar Gabriel und Frank Plasbergs interessante Vorstellungen zu finanziellen Möglichkeiten und zur Steuerehrlichkeit freier Journalistinnen und Journalisten.

3. Homöopathie-Reklame in “Lisa”: Ein “Fehler” mit Ungereimtheiten
(uebermedien.de, Hinnerk Feldwisch-Drentrup)
Das Frauenmagazin “Lisa” hat in einer Art über Homöopathie geschrieben und Werbung für zwei Produkte und deren Hersteller gemacht, dass sich der Presserat veranlasst sah, eine Rüge auszusprechen. Die “Lisa”-Chefredakteurin gibt sich zerknirscht und spricht von einem “wirklich sehr bedauerlichen Fehler”, verwickelt sich jedoch “Übermedien” gegenüber in Widersprüche.

4. ARD/ZDF-Studie: Warum der Begriff “online” inzwischen Unsinn ist
(t3n.de, Stephan Dörner)
t3n.de-Chefredakteur Stephan Dörner hat sich die aktuelle ARD/ZDF-Onlinestudie angeschaut und eine interessante Feststellung gemacht: Es werde immer noch streng zwischen online und offline unterschieden — diese Trennung habe sich im Smartphone-Zeitalter jedoch längst überlebt und zeige ein altertümliches Verständnis vom Internet. Es sei Zeit, sich vom Begriff “online” zu trennen: “Er gehört in dieselbe Mottenkiste wie die nostalgischen Gefühle, die ein Modem-Geräusch in manchen von uns auslöst. Zur aktuellen, soziologisch sauber fassbaren Kategorie eignet sich der Begriff nicht.”

5. Gut für JournalistInnen
(taz.de, Christian Rath)
Zurzeit wird der Gesetzentwurf der Bundesregierung zum “Schutz von Geschäftsgeheimnissen” diskutiert, der auch die Position von investigativen Journalistinnen und Journalisten verbessert. Die ARD kritisiert den Entwurf mit wenig überzeugenden Argumenten, wie Christian Rath in der “taz” findet.

6. Verbraucherzentrale warnt vor “Höhle der Löwen”-Produkten
(spiegel.de)
Beim Vox-Format “Die Höhle der Löwen” bekommen Menschen mit Erfindungen oder Geschäftsideen “die Chance ihres Lebens”: Sie dürfen einer Gruppe von Investoren ihre Produkte vorstellen, die sich gegebenenfalls um die Vermarktung kümmern und die Produkte in die Läden bringen. Die Verbraucherzentrale NRW hat nun vom Kauf einiger “Höhle der Löwen”-Produkte abgeraten. Die Preise seien oft zu hoch, die Qualität sei zu schlecht.

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