Suchergebnisse für ‘AfD’

Ausblick auf Katar, Geschnittene Laudatio, Lust und Leid im Theater

1. Das umstrittenste Sportereignis der Geschichte
(journalist.de, Ronny Blaschke)
Der Journalist Ronny Blaschke recherchiert häufig zu politischen Themen im Sport. Für den “journalist” hat er seine Sicht auf die im November bevorstehende Fußballweltmeisterschaft in Katar aufgeschrieben. Der Staat verhalte sich auch Medienschaffenden gegenüber äußerst restriktiv und kontrollsüchtig. Blaschke fragt sich: “Kann die WM dafür sorgen, dass Sportredaktionen hierzulande politische Fragen mehr in den Blick nehmen? Oder führt sie zu orientalistischen Klischees und einem Überlegenheitsdenken gegenüber dem Nahen Osten?”

2. Was Pressefreiheit meint und was nicht
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Joachim Huber spannt im “Tagesspiegel” einen Bogen von der “‘Spiegel’-Affäre” im Jahr 1962 bis zur Situation der Pressefreiheit in der Jetztzeit sowie zur Diskussion um das Medienbuch der Autoren Richard David Precht und Harald Welzer: “Das Buch folgt der einer Emotionalisierungskultur, so wie die AfD jedwede Empörung aufgreift. All das fällt unter Meinungsfreiheit, die eine Schwester der Pressefreiheit ist. Aber wie Bilder der AfD-Anhänger und von Welzer/Precht in der Lanz-Show provozieren sie die Gegenbilder von 1962 herauf, als eben das fundamentiert wurde, worauf AfD und Precht/Welzer mit Lust herumspringen.”

3. So viel Widerspruch
(arminwolf.at)
Auch der österreichische Journalist und Fernsehmoderator Armin Wolf hat das Buch “Die vierte Gewalt” von Precht/Welzer gelesen. Auf seinem Blog veröffentlicht Wolf eine eigentlich als Twitter-Thread geplante Rezension: “In dem Buch finden sich etliche bedenkenswerte Beobachtungen und Diagnosen und es ist sehr gut und flüssig geschrieben. Aber: Die Kernthese von den sich ‘selbstangleichenden’ Leitmedien ist schlicht unsinnig und die Argumentation voller Widersprüche.”

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4. ZDF schneidet Kritik an “AfD-Sympathisanten” aus Laudatio
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Der Pianist Igor Levit wurde am Sonntag mit dem “Opus Klassik 2022” ausgezeichnet. Die Gala wurde vom ZDF übertragen, die Laudatio auf Levit hielt der Musiker Danger Dan, der unter anderem für sein Lied “Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt” bekannt ist. Seine Laudatio endete mit einer Bemerkung über “AfD-Sympathisanten” (“Ihr seid Vollidioten”), die das ZDF anscheinend als nicht von der Kunstfreiheit gedeckt ansah und aus der Aufzeichnung herausschnitt.

5. Queer, migrantisch, Perlenkette: Wo ist das Problem?
(uebermedien.de, Olivia Samnick)
In einer Instagram-Liveschalte berichtete Atay Küçükler, ein junger Journalist der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung”, über die Landtagswahlen in Niedersachsen. Es folgten wütende Reaktionen, Beleidigungen, Hass. Gegenstand der Kommentare waren jedoch nicht inhaltliche Aspekte, es ging um Küçüklers Aussehen: Zum schwarzen Sakko trug er Perlenkette und Ringe. Olivia Samnick hat sich mit Atay Küçükler über die unangenehme Resonanz, aber auch den Zuspruch unterhalten.

6. Nichts für Feiglinge
(sueddeutsche.de, Christine Dössel)
“Ich führe mit dem Theater jetzt schon eine sehr lange Beziehung. Sie ist kinderlos geblieben und nicht unkompliziert. Oft treibt sie mich in den Wahnsinn. Aber es gibt auch nichts Besseres.” Die Theaterkritikerin Christine Dössel berichtet in der “Süddeutschen” von Freud und Leid ihrer Tätigkeit. En lesenswerter Einblick in eine journalistische Nische.

Kein “tödlicher Maskenstreit”, Meta ohne Zukunft?, Artiger Applaus

1. Es war Mord – und kein “tödlicher Maskenstreit”
(uebermedien.de, Frederik von Castell)
Manchmal werden verkürzte Überschriften dem Sachverhalt, den sie beschreiben sollen, überhaupt nicht gerecht. So geschehen bei der ursprünglichen dpa-Meldung von der “lebenslangen Haft wegen Mordes nach Maskenstreit”, die – teilweise noch stärker verkürzt – von anderen Medien übernommen wurde. Frederik von Castell ist dem Fall nachgegangen und hat immerhin erreicht, dass die Nachrichtenagentur ihre Überschrift in “Lebenslange Haft wegen Mordes für rechtsradikalen Maskenverweigerer” geändert hat.

2. Meta: keine Vision, keine Kontrolle, keine Verantwortung – keine Zukunft?
(socialmediawatchblog.de, Simon Hurtz & Martin Fehrensen)
Das aktuelle Briefing des “Social Media Watchblogs” erscheint ausnahmsweise ohne Paywall. Schwerpunkt der Ausgabe ist die Zukunft von Meta, dem Mutterkonzern von Facebook und Instagram. Für das Unternehmen werde es immer ungemütlicher: “Mit der Discovery Engine will Meta seine Empfehlungslogik neu erfinden, Influencerïnnen verlangen das gute, alte Instagram zurück, die TikTokisierung fruchtet (noch?) nicht, und der Umsatz sinkt.”

3. @KuehniKev ist ausgestiegen
(faz.net, Claudius Seidl)
Der meinungsstarke Generalsekretär der SPD Kevin Kühnert hat sich bei Twitter abgemeldet. Die Diskussionskultur dort führe zu “Fehlschlüssen und Irrtümern”, sagte Kühnert gegenüber dem “RedaktionsNetzwerk Deutschland”. In der “FAZ” kommentiert Claudius Seidl die Entscheidung Kühnerts und fragt: “Ja, es stimmt, wenn man seine eigenen Posts offen hält, steht in den Kommentaren auch dummes Zeug von Leuten, die sich nicht benehmen können. Und die man trotzdem, da hat Kühnert recht, nicht mit der Stimme des Volks verwechseln darf. Auch wenn die selbst das so sehen. Aber wer von diesem Strukturwandel der Öffentlichkeit überfordert ist, sollte nicht unbedingt in der Politik etwas werden wollen.”
Anmerkung des “6-vor-9”-Kurators: Seidl schreibt an einer Stelle: “Die Blase, die Kühnert beklagt, hat er selbst geschaffen. Die miese Diskussionskultur hat er sich selbst ins Haus geholt. Wem nämlich einer folgt, wessen Posts für ihn also sichtbar werden, entscheidet ja jeder für sich.” Das mag stimmen für die Accounts, denen man selbst folgt. Das Argument verkennt aber, dass Kühnerts eigene Tweets (wie die Tweets von allen anderen Twitter-Nutzern und -Nutzerinnen) von jedem retweetet, zitiert, kommentiert, verlinkt oder als Screenshot verbreitet werden können, sofern man nicht massenweise Accounts blockt. Das eigene Folgen ist also gar nicht notwendig, um wahrgenommen und diskutiert zu werden.

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4. Bestenfalls artiger Applaus
(taz.de, Steffen Grimberg)
Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger organisiert seine Spitze neu: Der bisherige Präsident des Verbandes Mathias Döpfner gibt sein Amt ab. Das bisherige Präsidialsystem soll durch einen Vorstand aus hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitgliedern ersetzt werden. Für Döpfners Schlussrede und als Dank für seine sechs Präsidentenjahre habe es “bestenfalls artigen Applaus” gegeben, schreibt Steffen Grimberg.

5. Aussage des Twitter-Hinweisgebers kaum hilfreich für Musk
(br.de, Marcus Schuler)
Ex-Twitter-Sicherheitschef Peiter Zatko hat vor dem Justizausschuss des US-Kongresses ausgesagt und habe dabei kein gutes Haar an seinem ehemaligen Arbeitgeber gelassen, berichtet Marcus Schuler: “Die Führungskräfte bei Twitter hätten den Profit über Sicherheitsbedenken gestellt. So hätten sie die Infiltration des Unternehmens durch ausländische Geheimdienste ignoriert und die Aufsichtsbehörden über die Datenschutzpraktiken in die Irre geführt.” Außerdem habe das Unternehmen keinen Überblick darüber gehabt, welche Mitarbeitenden zu welchen Zeitpunkten auf Nutzer- oder Unternehmensdaten zugegriffen haben.

6. Vorab­in­for­ma­tionen gibt es nur für Jour­na­listen, nicht für die AfD
(lto.de)
Das Bundesverfassungsgericht macht bestimmten Journalistinnen und Journalisten bereits am Abend vor einer Entscheidung die entsprechende Pressemitteilung zugänglich. Dagegen wandte sich die AfD und verlangte in einem Hilfsantrag, ebenfalls vorab informiert zu werden. Die Partei blieb damit jedoch erfolglos und scheiterte schon an der Klagezulässigkeit.

An den Pranger gestellt, Ethik des Verzichts, Angriff auf Fernsehteam

1. Journalisten öffentlich an den Pranger gestellt
(deutschlandfunk.de, Pia Behme & Niklas Ottersbach & Sebastian Wellendorf, Audio: 4:55 Minuten)
Der AfD-Fraktionschef in Sachsen-Anhalt, Oliver Kirchner, habe bei einer Rede auf einer Demo zwei Journalisten des MDR namentlich erwähnt und sie für ihre Berichterstattung kritisiert. Diese öffentliche Nennung werde von mehreren Seiten kritisiert. So habe sich die Landespressekonferenz Sachsen-Anhalt mit einem offenen Brief an den AfD-Politiker gewandt: “Aus unserer Sicht schüren Sie damit Wut und Hass gegen einzelne Medienvertreter und befördern vorsätzlich eine Stimmung, die nur allzu leicht in Gewalt umschlagen kann.”

2. Telegram löscht hundertfach
(tagesschau.de, Manuel Bewarder & Florian Flade & Milan Panek)
Nach Informationen von WDR und NDR aus Sicherheitskreisen hat das Bundeskriminalamt den Messengerdienst Telegram dieses Jahr in 392 Fällen aufgefordert, Inhalte zu löschen, was mehrheitlich auch erfolgt sei. Wesentlich restriktiver sei Telegram jedoch, wenn es darum geht, Namen oder Telefonnummern an die Ämter zu übermitteln. Das Unternehmen bestimme offenbar weitgehend selbst, wie es mit Anfragen deutscher Behörden umgeht.

3. Angriff auf Fernsehteam des NDR
(sueddeutsche.de, Julia Werthmann)
Ein Fernsehteam des NDR interviewte an einem Bahnübergang einen Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn, als es zu einem Eklat kam. Ein für die Sicherheit des Bahnübergangs verantwortlicher Mitarbeiter sei offenbar nicht mit dem – vorher genehmigten – Dreh einverstanden gewesen und habe gewalttätig reagiert. Die Verletzten seien im Krankenhaus behandelt worden.

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4. Alles für die Aufmerksamkeit
(woz.ch, Johannes Franzen)
Literaturwissenschaftler Johannes Franzen plädiert in der Schweizer Wochenzeitung “WOZ” für eine Medienethik des Verzichts. Das bedeute für Medien, “dass man bewusst über bestimmte Geschichten nicht berichtet, bestimmte Prozesse nicht analysiert, bestimmte Konflikte nicht kommentiert – gerade dann, wenn die Nachfrage danach angeblich besonders hoch ist. Eine Reflexion über mögliche Kategorien des Nichtberichtens könnte helfen, die exzessive Beschleunigung der digitalen Medienöffentlichkeit abzubremsen.”

5. Die Temperaturen steigen – und der Hass nimmt zu
(spiegel.de)
Eine Studie mehrerer Forschungsinstitute, darunter das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, kommt zu dem Schluss, dass es in den Sozialen Medien bei Temperaturen über 30 Grad zu mehr Beleidigungen und Hassnachrichten kommt: “Die Ergebnisse deuteten auf Grenzen der menschlichen Anpassungsfähigkeit an extreme Temperaturen hin, schreiben die Forschenden. Der Hass im Netz wiederum wirke sich nachweislich negativ auf die psychische Gesundheit der davon Betroffenen aus.”

6. Deutscher Radiopreis 2022: Die Gewinnerinnen und Gewinner
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Der Deutsche Radiopreis ist eine Einrichtung der Hörfunkprogramme der ARD, des Deutschlandradios und der deutschen Privatradios. Der für die Hör-Branche so wichtige Preis wurde dieses Jahr zu 13. Mal vergeben. Thomas Lückerath berichtet, in welchen Bereichen sich die Favoriten durchsetzen konnten, und an welchen Stellen es Überraschungen gab.

Der erfundene Shitstorm, Brandbrief, Fiktives Göring-Eckardt-Interview

1. Der erfundene Shitstorm: Chronologie eines Medienversagens
(scompler.com, Mirko Lange)
In einem ausführlichen Beitrag samt Beweisführung hat Mirko Lange die Winnetou-Debatte der vergangenen Wochen analysiert. Lange rekonstruiert die Chronologie der Ereignisse und kommt zu dem Schluss: “Diesen Shitstorm über das Buch oder den Film gab es nie, ebenso wenig wie Forderungen nach Verboten. Beide sind vielmehr eine Erfindung findiger Journalisten und Populisten, die entweder medieninkompetent sind oder aus politischem Interesse bzw. aus wirtschaftlichem Kalkül hetzen.”

2. 72 NDR-Mitarbeiter schreiben Brandbrief an eigene Chefs
(stern.de, Markus Frenzel & Florian Schillat)
In einem dem “Stern” vorliegenden Brief distanzieren sich 72 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des NDR-Landesfunkhauses in Kiel von der eigenen Funkhausspitze und fordern “eine lückenlose und transparente Aufarbeitung aller Vorwürfe”. Dabei geht es um die Frage, ob kritische Berichterstattung zu Mitgliedern der schleswig-holsteinischen Landesregierung unterdrückt wurde.

3. Ein Heiland wird nicht kommen
(faz.net, Reinhard Borgmann)
Reinhard Borgmann kennt sich mit dem rbb bestens aus, er war von 2004 bis 2017 Redaktionsleiter des dort angesiedelten Politmagazins “Kontraste”. In einem Gastbeitrag in der “FAZ” erinnert er an die Mitschuld der Politik an den skandalösen Vorgängen beim Sender: “Von 30 Mitgliedern des Rundfunkrates sind immerhin acht ganz offiziell von den politischen Parteien in ihr Amt berufen worden. Haben die keine Verantwortung? Haben die wirklich nichts gewusst? Haben die den Dienstwagen der Intendantin nicht gesehen? Hatten die nicht den Verdacht, dass das gigantische Bauprojekt den Sender finanziell überfordert?!”

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4. So funktioniert die TikTok-Strategie der AfD
(tagesschau.de, Jan Schipmann & Linda Friese & Constantin Hofsäß & Lennart Glaser)
Recherchen des “funk”-Formats “Die da oben!” zufolge beherrscht vor allem eine politische Partei das mediale Spiel mit TikTok: die AfD. Zwar besitze die Partei selbst keinen eigenen offiziellen Account – er ist laut “Die da oben!” im Mai 2022 von TikTok gelöscht worden -, dafür sind die Partei-Institutionen und AfD-Abgeordneten auf TikTok umso präsenter: “Von den 80 Bundestagsabgeordneten der Partei ist mehr als ein Drittel mit einem eigenen Account vertreten. Im Vergleich: Bei der SPD nutzt die Plattform von den 206 Abgeordneten nicht einmal jeder zehnte.”
Dazgehöriger Gucktipp: Die TikTok-Strategie der AfD (youtube, Jan Schipmann, Video: 42:47 Minuten).

5. Eine Rede als Warnruf: Die BBC versagt als Aufklärer im Zeitalter des Populismus
(uebermedien.de, Annette Dittert)
Emily Maitlis, einst ein Star des BBC-Nachrichtenmagazins “Newsnight”, hat in einer Rede offen über den politischen Druck auf die britische öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt geredet. Annette Dittert, Leiterin des ARD-Studios in London, hat genau zugehört und findet: “Es war mehr als nur eine Rede, es war ein Befreiungsschlag, ein kathartischer Moment, nicht nur für Emily Maitlis selbst, sondern auch für all die Briten, die die akute Bedrohung der BBC durch die britische Tory-Regierung längst als Teil der Angriffe auf ihre Demokratie wahrnehmen.”

6. Fik­tives Inter­view ist Satire
(lto.de, Felix Zimmermann)
Die Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt ärgerte sich über ein fiktives Interview mit ihr, das im Onlinemagazin “Tichys Einblick” veröffentlicht wurde, wandte sich dazu ans Landgericht Hamburg und verlor. Das sei vom Ergebnis her zwar überzeugend, von der Begründung her aber fragwürdig, findet “LTO”-Chefredakteur Felix W. Zimmermann. Auch für Nicht-Juristen interessante und lehrreiche Gedanken, weil sie das Spannungsfeld von Satire und “Fake News” betreffen.

Geleakter Jones, Documenta, Schlesingers (Teil)Rückzug

1. Geleakte Textnachrichten bringen Alex Jones in Bedrängnis
(spiegel.de)
Der rechte US-Moderator und Verschwörungsvermarkter Alex Jones ist anscheinend Opfer seiner eigenen Anwälte geworden. Die haben in einer juristischen Auseinandersetzung der Gegenseite offenbar eine vollständige digitale Kopie seines Handys samt aller Nachrichten zukommen lassen. Die Informationen gäben interessante Interna über das Geschäftsmodell aus Hass und Hetze preis, stünden aber auch im Widerspruch zu vorherigen Aussagen von Jones vor Gericht.
Weiterer Lesetipp: “Urteilsspruch gegen Amerikas obersten Verschwörungsideologen: Alex Jones muss den Eltern eines der Opfer des Sandy-Hook-Massakers eine Millionenentschädigung zahlen. Weitere Strafen dürften folgen.” Alex Jones muss mindestens vier Millionen Dollar Schadensersatz zahlen (spiegel.de).

2. Documenta-Bericht beim “Spiegel”: “Jagdtrieb wie ‘Bild’, ‘Welt’ und AfD”
(meedia.de)
“Spiegel”-Redakteur Alexander Neubacher hat in einem Meinungsbeitrag die Documenta wegen des Skandals um antisemetische Bilder als “Horrorshow” bezeichnet. Bei “Meedia” antwortet Peter-Matthias Gaede, langjähriger Chef der Gruner-Zeitschrift “Geo”, mit einem offenen Brief: “Der Jagdtrieb, den ‘Bild’ und ‘Welt’ und in einer besonderen Volte sogar die AfD auf vermeintlich in allen Gremien der Documenta 15 verwurzelte Antisemiten entfalten, ist deren Sache. Wie aber auch Sie und weitere Kolleg*innen vom ‘Spiegel’, ebenso wie manche von der ‘SZ’, derart hyperventilieren, einen derartigen Furor gegenüber der gesamten Documenta 15 entwickeln, halte ich für eine Form von Erregungsjournalismus, die fassungslos machen kann.”

3. Aufklärung in München
(sueddeutsche.de, Aurelie von Blazekovic)
Der Bertelsmann-Konzern hat das Institut für Zeitgeschichte in München mit der unabhängigen Aufarbeitung der Geschichte des “Stern” und dessen Gründers Henri Nannen beauftragt. Dabei werde auch die Bildsprache des “Stern” gescannt und ausgewertet. Es gehe um die Frage, wie “Topoi, Klischees, Charakterisierungen, Perspektiven, die schon im Nationalsozialismus zur Repräsentation von Personen und Kulturen in Bildern und Texten genutzt wurden, auch nach 1945 wieder auftauchen”.

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4. Digitaler Wandel „gewinnt an Tempo“
(verdi.de, Günter Herkel)
Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger hat einen Report “Zur wirtschaftlichen Lage der deutschen Zeitungen” (PDF) herausgebracht. Günter Herkel hat sich den Bericht im Auftrag einer Journalistengewerkschaft angeschaut und fasst die seiner Meinung nach entscheidenden Erkenntnisse zusammen.

5. Resilienter Journalismus
(journalist.de)
“Wie können Medienschaffende und Mediennutzer mit dem permanenten Ausnahmezustand umgehen? Wie werden die Menschen resilienter in ihrer digitalen Mediennutzung? Und was muss getan werden, damit der Journalismus selbst robuster durch die vielfältigen Krisen kommen kann?” 40 Medienprofis beschäftigen sich im Sammelband “Resilienter Journalismus” mit den Herausforderungen des Journalismus in Zeiten des permanenten Ausnahmezustands.

6. Auch RBB-Intendantin kann Schlesinger nicht bleiben
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Die umstrittene rbb-Intendantin Patricia Schlesinger hat den ARD-Vorsitz abgegeben. Nun sei ein weiterer Schritt fällig, findet Kurt Sagatz: “Sie sollte darum ebenso wie Verwaltungsratschef Wolf-Dieter Wolf ihr Amt als RBB-Intendantin bis zum Abschluss der Untersuchungen ruhen lassen. Dieser Schritt ist ebenso unausweichlich wie ihre ARD-Entscheidung von Donnerstag.”
Weiterer Lesetipp: Der Deutsche Journalisten-Verband begrüßt die Entscheidung von rbb-Intendantin Patricia Schlesinger, von ihrem Amt als ARD-Vorsitzende zurückzutreten (djv.de).

Berichterstattung unerwünscht, Kampfansage an uns alle, Assange

1. Freie Berichterstattung unerwünscht
(taz.de, Gareth Joswig)
“Die AfD schließt unliebsame Medienvertreter aus und zeigt damit, wie ernst sie Pressefreiheit nimmt. Mit rechtextremen Medien spricht sie dagegen gern.” Gareth Joswig kritisiert in seinem Text den Umgang der Partei mit den Medien des klassisch-demokratischen Spektrums sowie ihre teilweise zu beobachtende Verschmelzung mit den sogenannten Alternativmedien.

2. Tik, Tok, Toxisch
(gutjahr.biz, Richard Gutjahr)
Als “Kampfansage an uns alle” bezeichnet Richard Gutjahr die neue inhaltliche Gewichtung bei Facebook und Instagram. Offebar in Reaktion auf die Konkurrenz durch TikTok sollen laut Gutjahr bei Facebook Freunde und Nachrichten-Inhalte von der Startseite verschwinden, und Creator-Clips sowie virale Videos stärker gewichtet werden. “Anstatt aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, hat ein Wettrüsten begonnen um die hinterhältigste Manipulation menschlicher Schwächen und die schamloseste Ausbeute unserer Sehnsüchte. Das Ziel: noch mehr App-hängigkeit, noch mehr Daten, noch mehr Profit”, kommentiert Richard Gutjahr.

3. Professorin fürs Querdenken
(jungle.world, Tom Uhlig)
“Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot vertritt inzwischen lupenreine ‘Querdenker’-Positionen und wird dessen ungeachtet von deutschen Medien hofiert. Ob zu Corona oder zur Ukraine – Guérots Meinung ist gefragt.” Tom Uhlig schreibt über die bemerkenswerte Entwicklung einer Politikwissenschaftlerin, die trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer extremen Positionen bei manchen Talk-Shows ein gern gesehener Gast ist.

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4. Medien und ihr schwieriges Verhältnis zu Assange
(deutschlandfunk.de, Bettina Schmieding, Audio: 47:03 Minuten)
Ein Deutschlandfunk-Hörer wirft deutschen Medien vor, das Schicksal des Wikileaks-Gründers Julian Assange, der in Abschiebehaft in einem britischen Hochsicherheitsgefängnis sitzt, nicht genügend thematisiert zu haben. Der Deutschlandfunk hat ihn in eine Gesprächsrunde eingeladen. Mit ihm diskutieren Bascha Mika (ehemals Chefredakteurin der “taz” und der “Frankfurter Rundschau”), Deniz Yücel (ehemals “taz”, jetzt “Welt”) und Bettina Schmieding aus der Dlf-Medienredaktion.

5. Hass im Netz – zu lange kultiviert durch Clickbait-Journalismus
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Dass sich Hass und Hetze im Internet so stark ausbreiten können, liege auch an der “verantwortungslosen Verwahrlosung von Journalismus”, kritisiert “DWDL”-Chefredaktuer Thomas Lückerath: “Dass Stimmungsmache im Netz – bis hin zur Hetze und Hass – überhaupt die große Bühne bekommen, ist über Jahre hinweg eben auch vielen Online-Redaktionen zu verdanken, deren Chefredaktionen journalistischen Anspruch durch Clickbait ersetzt haben und tausendfach Beihilfe zur Eskalation liefern.”

6. Mach nicht so ein Gesicht
(sueddeutsche.de, Christiane Lutz & Cornelius Pollmer & Johannes Korsche & Aurelie von Blazekovic & Tim Feldmann)
Für Hinweisgeber und Undercover-Reporter gibt es gute Gründe, anonym aufzutreten. Im Fernsehen werden diese Personen gerne hinter Schattenwänden versteckt, in übergroße Hoodies gesteckt oder sonstwie maskiert und verkleidet. Die “Süddeutsche” liefert einen unterhaltsamen Überblick über die kreativen Anonymisierungs-Methoden der TV-Branche.

KW 29/22: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Klaus Brinkbäumer über seinen Abgang beim “Spiegel” und seinen Weg zum MDR
(youtube.com, Aline von Drateln & Markus Trantow, Audio: 47:03 Minuten)
Der Journalist Klaus Brinkbäumer hat einen spannenden Werdegang: “Spiegel”-Chefredakteur, USA-Korrespondent und seit etwa eineinhalb Jahren Programmdirektor des MDR. Aline von Drateln und Markus Trantow haben sich mit dem vielseitigen Medien-Profi unterhalten, der mit Rieke Havertz von der “Zeit” auch einen empfehlenswerten Podcast über die USA hostet (aktuelle Ausgabe: Der Ausschuss, der für Trump alles verändern könnte (zeit.de, Audio: 58:24 Minuten)).

2. Mehr Druck, weniger Qualität?
(sueddeutsche.de, Nadia Zaboura & Nils Minkmar, Audio: 35:15 Minuten)
Kürzlich erschien eine Studie der Otto Brenner Stiftung über die Auswirkungen der Medientransformation auf Journalistinnen und Journalisten. In der neuen Folge von “quoted. der medienpodcast” diskutieren die Kommunikationswissenschaftlerin Nadia Zaboura und der “SZ”-Autor Nils Minkmar die Ergebnisse dieser Untersuchung und sprechen mit einem der Verfasser der Studie, dem Professor für Medien- und Kommunikationsmanagement Rainer Nübel.

3. Wie können Redaktionen diverser werden, Ferda Ataman?
(feeds.podcastproduzenten.de, Audio: 27:55 Minuten)
Warum sind Menschen mit Einwanderungsgeschichte oder ohne akademischen Abschluss in Redaktionen nach wie vor unterrepräsentiert? Wo liegen im Alltag die Schwierigkeiten? Und welche erfolgreichen Beispiele gibt es? Um diese und weitere damit zusammenhängende Fragen geht es im Gespräch mit Ferda Ataman, Diversity-Expertin und frisch gewählte Antidiskriminierungsbeauftragten des Bundes.

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4. Podcast pitchen mit Sophia Wetzke
(hinterdenzeilen.de, Niklas Münch & Tobias Hausdorf, Audio: 45:37 Minuten)
Bei “Hinter den Zeilen” erzählt Sophia Wetzke von ihren Erfahrungen mit dem Podcastprojekt “Greenhouse”: “Wir sprechen mit ihr über die Schwierigkeiten bei solchen Recherchen, z.B. wenn Quellen widersprüchliche Aussagen machen. Als langjährige Freie beim rbb, vor allem für radio eins, hat Sophia außerdem Einblick in die öffentlich-rechtlichen Gewerke und gibt Tipps, wie Pitches für neue Podcastformate am besten aussehen sollten.”

5. Prognosen von Extrem-Wetter und wo Onlinesucht anfängt
(wdr.de, Anja Backhaus, Audio: 37:24 Minuten)
Im WDR5-Medienmagazin “Töne, Texte, Bilder” geht es unter anderem um Prognosen von Extrem-Wetter, eine Studie zu Porno- und Online-Sucht, den neuesten technischen Fortschritten bei der Erzeugung von Bilder-Fakes, einen Tiktok-Kanal gegen Afrika-Vorurteile und den Konflikt zwischen dem reichsten Mann der Erde und Twitter.

6. AFD-Plan: Erst rumheulen, dann Medienimperium aufbauen
(zdf.de, Walulis Daily, Video: 9:50 Minuten)
AfD-Vertreter beschweren sich immer wieder, dass sie und ihre Partei in den Medien kaum vorkämen – zum Beispiel als Gäste in öffentlich-rechtlichen Talkshows. Die Walulis-Redaktion hat diese Beschwerden ernst genommen und Parteichefin Alice Weidel zu sich eingeladen, diese habe aber nicht gewollt. Weil sie zu beschäftigt ist mit dem Plan ihrer Partei, bei Medienhäusern finanziell einzusteigen?

Klimakommunikation, Distanzierung von “Konkret”, “Cards of Qatar”

1. Journalismus in der Klimakrise – Einmischen, aber richtig
(riffreporter.de, Christopher Schrader)
“Über das Klima zu kommunizieren, kann schwierig und frustrierend sein. Gerade Journalist:innen müssen dabei einige Regeln neu lernen. Zum Beispiel sollten sie überdenken, was sie mit angeblich nackten Fakten und gedankenloser Neutralität anrichten.” Zum Erscheinen des “Handbuchs zur Klimakommunikation” fasst Christopher Schrader in einer persönlichen Analyse zusammen, wie guter Klimajournalismus aussehen könnte.

2. Öffentliche Distanzierung von linkem Magazin “Konkret”
(sueddeutsche.de, Johannes Korsche)
In einer öffentlichen Erklärung haben 17 Autorinnen und Autoren angekündigt, künftig nicht mehr mit dem Magazin “Konkret” zusammenarbeiten zu wollen: “Für uns, Autorinnen und Autoren von Konkret, ist mit dem redaktionellen Kurs zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine eine rote Linie überschritten. Wir wollen und können nicht weiter in einer Zeitschrift publizieren, die sich in dieser Frage in die Nachbarschaft der AfD, des völkischen Flügels der Linkspartei oder Jürgen Elsässers Compact, von Henry Kissinger, Klaus von Dohnanyi oder den Lobbyverbänden der deutschen Industrie begibt.”

3. “Bild”: Nagelsmanns Freundin berichtet nicht mehr über Bayern
(dwdl.de, Alexander Krei)
Weil Julian Nagelsmann, Trainer des FC Bayern München, mit “Bild”-Reporterin Lena Wurzenberger verbandelt sei, werde diese nicht mehr, wie bisher, über Nagelsmanns Klub berichten. Alexander Krei kommentiert: “So nachvollziehbar der Schritt vor dem Hintergrund eines möglichen Interessenkonflikts auch sein mag, so kommt er durchaus überraschend, schließlich hatte Axel Springer im Falle der Journalistin Franca Lehfeldt noch vor wenigen Monaten anders entschieden.”

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4. Cards of Qatar
(cardsofqatar.11freunde.de)
Die im November anstehende Fußballweltmeisterschaft im autoritären arabischen Staat Katar dürfte das sportliche Medienereignis des Jahres werden, doch die Vorbereitungen zur Veranstaltung haben viel Leid und Tote gebracht. Das Fußballmagazin “11 Freunde” und das schwedische Portal “Blankspot” zeigen verstorbene Arbeitsmigranten als Sammelkarten: “Wir präsentieren die Bilder und Schicksale im Look offizieller Sammelkarten, um die Offiziellen daran zu erinnern, unter welch makabren Umständen dieses Turnier stattfindet. Die Hinterbliebenen sind damit einverstanden, sie wollen auf ihre Angehörigen und ihren Tod aufmerksam machen und hoffen darauf, nicht länger ignoriert zu werden. Die Mannschaften und die Verbände müssen diese Gesichter sehen und diese Geschichten lesen – und dann endlich handeln. Es wird allerhöchste Zeit.”

5. Immer wieder samstags
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Die Sonntagszeitungen “Welt am Sonntag” und “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” haben vor Monaten ihren Erscheinungstag auf Samstag vorgezogen. Markus Ehrenberg hat sich angeschaut, wie sich dieser Schritt auf die Blätter und deren Inhalte ausgewirkt hat.

6. BBC zahlt Entschädigung an Produzenten
(faz.net, Gina Thomas)
In Zusammenhang mit dem auf betrügerische Weise erschlichenen Diana-Interview des BBC-Reporters Martin Bashir zahlt die BBC eine Entschädigung von 50.000 Pfund an den damaligen Produzenten, der den Sender seinerzeit gewarnt hatte und daraufhin wegen angeblicher Illoyalität gefeuert wurde.

Lügen des Kreml, Peter Hahne schwurbelt, Song Contest

1. Die Lügen des Kreml
(taz.de, Inna Hartwich)
Warum glauben so viele Rus­sen und Russinnen ­die Kriegspropaganda des Kreml? Wer das verstehen will, müsse sich das dortige Mediensystem angucken, findet Inna Hartwich: “Die Gleichschaltung der Medien macht es den Menschen im Land nicht einfach, an unabhängige Informationen zu gelangen. Zumal Russlands Justiz alles dafür tut, den unabhängigen Nischenmedien den Garaus zu machen, indem sie nicht nur die Medien zum ‘ausländischen Agenten’ erklärt und ihnen dadurch die Werbekunden raubt, sondern auch einzelne Jour­na­lis­t*in­nen mit diesem ‘Etikett’ den Alltag erschwert.”

2. Jeder fünfte Deutsche glaubt Verschwörungsmythen zum Ukrainekrieg
(spiegel.de)
Eine Studie des Centers für Monitoring, Analyse und Strategie (Cemas) beschäftigt sich mit der Frage, ob und wie russische Desinformation und Verschwörungserzählungen rund um den Angriffskrieg in der breiten Bevölkerung in Deutschland wirken (Infotext: Von der Krise zum Krieg: Verschwörungserzählungen über den Angriffskrieg gegen die Ukraine in der Gesellschaft, Studie: PDF). Insgesamt stimme knapp ein Fünftel der Befragten verschwörungsideologischen Aussagen über den Krieg “eher” zu. Unter den Wählerinnen und Wählern der AfD sei die Bereitschaft, derartige Geschichten zu glauben, besonders groß.

3. Peter Hahne schwurbelt jetzt über Corona und Genderwahn
(t-online.de, Nils Kögler & Steven Sowa)
Als Moderator, Co-Leiter des Hauptstadtstudios und Verantwortlicher in der Programmdirektion bekleidete Peter Hahne über Jahrzehnte wichtige Positionen beim ZDF. Aus dem Nachrichtenmann von damals ist heute ein Meinungsmann geworden: “Der ehemalige ZDF-Moderator hat in den vergangenen Jahren eine drastische Wandlung vollzogen. Alles erinnert an Eva Herman, ehemals prominente Nachrichtensprecherin der ‘Tagesschau’, jetzt rechtspopulistische Verschwörungsideologin.” Nils Kögler und Steven Sowa haben ein Hahne-Event in einer Kleinstadt besucht und ihm beim Schimpfen zugehört.

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4. Bundeskartellamt kann Meta nun besser in die Schranken weisen
(netzpolitik.org, Alexandra Conrad)
Das Bundeskartellamt hat festgestellt, dass Facebooks Mutterkonzern Meta eine “überragende marktübergreifende Bedeutung” hat. Auf netzpolitik.org kommentiert Alexandra Conrad: “Das klingt zunächst wenig überraschend, hat aber spürbare Auswirkungen für die Wettbewerbshüter und den Konzern. Die Kartellbehörde hat so die Möglichkeit, Meta ‘wettbewerbsgefährdende Praktiken’ zu untersagen, etwa eine bevorzugte Behandlung eigener Angebote gegenüber denen von Wettbewerbern.”

5. “Karla” ist bald da
(kontextwochenzeitung.de, Anna Hunger)
Nach Plattformen wie “Rums” in Münster und “Relevanzreporter” in Nürnberg, will mit “Karla” ein weiteres unabhängiges Lokaljournalismus-Projekt an den Start gehen (vorausgesetzt, das Crowdfunding klappt). Anna Hunger erzählt, was sich die acht Gründerinnen und Gründer für das Portal für Konstanz vorgenommen haben.

6. Hat die Ukraine schon gewonnen? Zehn Antworten zum “Song Contest”
(rnd.de, Imre Grimm)
Nächstes Wochenende findet in Turin der “Eurovision Song Contest” (“ESC”) statt. Warum noch mal Italien als Austragungsort? Wird das der politischste “ESC” aller Zeiten? Welche politische Rolle hat Russland früher beim “ESC” gespielt? Und warum darf Deutschland trotz chronischer Erfolglosigkeit ins “ESC”-Finale? Imre Grimm beliefert uns mit dem notwendigen Partywissen rund um den “paneuropäischen Kindergeburtstag”.

Fragwürdige Telefonaktion, Youtube-Willkür, Künasts Sieg gegen Hetzer

1. Der WDR und die “jüdischen Wurzeln”
(uebermedien.de, Andrej Reisin)
In der WDR-Doku-Reihe “Unterwegs im Westen” fragte die Reporterin Rachel Patt “Wie jüdisch ist Deutschland?” und führte eine Telefonaktion durch, die bei einigen Zuschauerinnen und Zuschauern für heftiges Kopfschütteln sorgte. Es gibt aber noch weitere Kritikpunkte an der Sendung. Auf “Übermedien” kommentiert Andrej Reisin: “Nicht die Ergebnisse von Patts Recherche sind das Problem, sondern dass sie schlicht zu wenig recherchiert hat, dass sie nach Bauchgefühl agiert, statt simpelste Fakten wie die jüdische Einwanderungsgeschichte nach 1991 auf dem Kasten zu haben. Und kein:e Redakteur:in irgendetwas davon merkt.”

2. Schrecken mit Ende
(kontextwochenzeitung.de, Minh Schredle)
Wie an dieser Stelle vergangene Woche zu lesen war, warb die AfD in der “Frankfurter Rundschau” ganzseitig gegen die Corona-Impfpflicht. Die Verlagsverantwortlichen verteidigten die Schaltung der Anzeige zunächst als “Teil der geltenden Meinungsfreiheit”, ruderten dann jedoch zurück: Geschäftsführer Max Rempel bat um Entschuldigung und versprach, “dass es künftig keine Anzeigen der AfD mehr in der Frankfurter Rundschau geben wird”. Minh Schredle fragt sich, wie es zu dem Vorgang überhaupt kommen konnte, und ordnet den Fall ein.

3. Wider die Willkür
(sueddeutsche.de, Philipp Bovermann)
Wenn Youtube Videos oder ganze Kanäle löscht, kennen die Uploader und Betreiber häufig den Grund dafür nicht. Es gibt oft nur einen lapidaren Hinweis auf einen angeblichen Verstoß gegen die Community-Regeln. Wer sich damit nicht abfinden will, muss gegen den Großkonzern juristisch vorgehen. Die Europäische Union wolle diesen Zustand mit einem “Gesetz über digitale Dienste” beenden. Philipp Bovermann ist skeptisch: “Es sieht also so aus, als dürften die digitalen Plattformen künftig zwar nicht mehr so willkürlich wie bisher agieren, ihre souveräne Macht über die Inhalte aber behalten – auf expliziten Wunsch der EU. Das dürfte noch zu interessanten Debatten führen.”

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4. Renate Künast erringt klaren Sieg gegen Facebook-Hetzer
(spiegel.de)
Das Bundesverfassungsgericht hat der Politikerin Renate Künast im Streit über gegen sie gerichtete Beleidigungen bei Facebook in vollem Umfang recht gegeben: “Facebook dürfte damit in der Folge verpflichtet werden, weitere Daten von Nutzerinnen und Nutzern, die Renate Künast im Netz beleidigt haben, an die Grünenpolitikerin herauszugeben.”

5. Goldene Blogger 2022: weniger Blog, mehr Gold
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Anfang April wird “Deutschlands ältester Social Media-, Creator- und Influencer-Award” verliehen, der noch den Namen aus alten Zeiten trägt: “Die goldenen Blogger”. Mit-Ausrichter Thomas Knüwer ist begeistert von den Nominierten, beklagt aber den abnehmenden Textanteil.
Transparenzhinweis: Der “6-vor-9”-Kurator des BILDblogs ist Bestandteil der Nominierungsliste.

6. ABC suspendiert Whoopi Goldberg nach Holocaust-Aussagen
(dwdl.de, Alexander Krei)
Die US-amerikanische Schauspielerin Whoopi Goldberg hat in einer Talkshow, an der sie als Co-Moderatorin teilnimmt, gesagt, dass es beim Holocaust “nicht um Rasse”, sondern um “Unmenschlichkeit des Menschen gegenüber dem Menschen” gegangen sei. Trotz ihrer hintergeschobenen Entschuldigung ist sie vom TV-Sender für zwei Wochen suspendiert worden.

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