Suchergebnisse für ‘AfD’

Angriff auf Journalisten, Im permanenten Shitstorm, Straßenbahn

1. Video zeigt Angriffe auf Journalisten bei Kubitschek-Treffen
(taz.de, Jean-Philipp Baeck)
Am Rande eines Treffens des neurechten Verlegers Götz Kubitschek in Schnellroda seien Journalisten des Medienkollektivs “Recherche Nord” von Teilnehmern, darunter Vertreter der AfD-Jugend und der Identitären Bewegung, massiv bedrängt und körperlich angegriffen worden. Wie Videoaufnahmen belegen, seien die Reporter geschlagen, mit Wasser bespritzt und bestohlen worden. An den Einschüchterungsversuchen seien auch prominente Akteure wie Martin Sellner und Kubitschek selbst aktiv beteiligt gewesen. Betroffene werten das Geschehen als alarmierendes Zeichen und sagen, dass der Vorfall eine Vorahnung auf das sei, was die AfD bundesweit plane.

2. Im permanenten Shitstorm
(netzpolitik.org, Tomas Rudl & Markus Reuter)
Laut einer Datenanalyse von netzpolitik.org würden etablierte Medien wie “Tagesschau”, “Spiegel” und “Zeit” auf der Plattform X (vormals Twitter) trotz Millionen von Followerinnen und Followern kaum noch Reichweite erzielen. Stattdessen schlügen ihnen überwiegend Hass und rechte Hetze entgegen. Die Redaktionen würden ihren Verbleib damit rechtfertigen, auf X ein Gegengewicht zu Desinformation bilden zu wollen. In den Kommentarspalten würden jedoch feindselige Trolle und automatisierte Bots dominieren, während alternative Plattformen wie Bluesky inzwischen höhere Interaktionsraten ermöglichen könnten.

3. Berufsgeheimnis weiter schützen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Ein Medienbündnis, dem unter anderem der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) angehört, habe das Bundesjustizministerium aufgefordert, den Schutz journalistischer Berufsgeheimnisse auch im digitalen Raum uneingeschränkt zu wahren. Hintergrund sei ein Referentenentwurf zur IP-Adressspeicherung, der Ermittlungsbehörden einen erleichterten Zugriff auf Verkehrsdaten ermögliche und durch die etwaige Erstellung von Bewegungsprofilen den Quellenschutz gefährde. Dem Bündnis würden neben dem DJV der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger, der Medienverband der Freien Presse, der Verband Privater Medien, der Deutsche Presserat, ARD, ZDF, Deutschlandradio, Reporter ohne Grenzen und die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi angehören.

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4. Der langsame Niedergang von ProSieben
(youtube.com, Jakob Schreiber, Video: 20:34 Minuten)
In diesem Video geht es um die “wilde Business-Story hinter dem einst größten TV-Konzern Deutschlands”. Der einst mächtige TV-Konzern ProSiebenSat.1 sei durch fehlgeschlagene Investitionen in Internetfirmen und ein vernachlässigtes Fernsehprogramm in eine tiefe finanzielle Krise gerutscht. Da die wichtigen Werbeeinnahmen sänken, und der eigene Streamingdienst Joyn im Vergleich zu Netflix hohe Verluste schreibe, hätten sich Schulden in Milliardenhöhe angehäuft. Als Folge des Absturzes habe die italienische Berlusconi-Familie (Media For Europe) den Sender im Herbst 2025 übernommen und die komplette Führungsebene ausgetauscht.

5. In Frankreich und Australien: Brauchen wir ein Social-Media-Verbot?
(mdr.de)
Frankreich und Australien hätten bereits gesetzliche Verbote für die Nutzung Sozialer Medien durch Jugendliche auf den Weg gebracht. Nun werde auch in Deutschland angesichts einer Empfehlung der Leopoldina über ähnliche Schritte diskutiert. Zwar seien psychische Risiken wie Essstörungen oder depressive Verstimmungen unbestritten, doch Expertinnen und Experten wie die Medienpsychologin Johanna Degen seien skeptisch. Pauschale Verbote würden lediglich Symptome bekämpfen und könnten leicht umgangen werden. Fachleute würden stattdessen eine deutlich frühere Förderung der Medienkompetenz fordern.

6. Schriftsteller Poschenrieder fährt Straßenbahn: “Ich habe die Schnauze voll”
(fr.de, Uli Kreikebaum)
Uli Kreikebaum berichtet über den renommierten Schriftsteller Christoph Poschenrieder, der nach 15 Jahren und acht Romanen seinen Beruf aufgegeben habe, um stattdessen als Straßenbahnfahrer in München zu arbeiten. Als Grund für diesen radikalen Schritt nennt der 61-Jährige die ständige finanzielle Unsicherheit im Literaturbetrieb. Obwohl Fans und Buchhändler den Verlust bedauern würden, habe Poschenrieder seinen Frieden mit der Entscheidung gemacht. Er ziehe nun den geregelten Dienst in der Tram dem Schreiben weiterer Bücher vor.

US-Neonazi-Content, Kamera als Waffe, Zensurvorwürfe gegen TikTok

1. Die Kamera als Waffe
(taz.de, Valérie Catil)
Valérie Catil argumentiert, dass erst die Videoaufnahmen eines Augenzeugen die Tötung von Alex Pretti durch ICE-Beamte als kaltblütige Hinrichtung und die offizielle Notwehr-Darstellung der US-Regierung als Lüge entlarvt hätten. Die Handykamera fungiere in diesem Kontext als eine Form der Bewaffnung. Sie sei die einzige Möglichkeit, staatlicher Propaganda und der Verzerrung der Realität durch US-Präsident Donald Trump und dessen Behörden wirksam entgegenzutreten. Das Dokumentieren staatlicher Gewalt sei unverzichtbar.

2. US-Regierungsaccounts posten Neonazi-Content
(volksverpetzer.de, Annika Brockschmidt)
Wie Annika Brockschmidt beim “Volksverpetzer” ausführt, würden sich US-Regierungsaccounts unter der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump seit 2025 gezielt der Ästhetik und Codes rechtsextremer Online-Subkulturen bedienen. Diese Strategie ziele darauf ab, die eigene rechtsextreme Basis zu mobilisieren und politische Gegner einzuschüchtern. Etablierte Medien übersähen die oft subtilen Hinweise auf White-Supremacy-Literatur oder faschistische Computerspiel-Mods häufig. Die Normalisierung solcher Inhalte zeige, dass eine neue Generation radikalisierter Republikaner in den Institutionen Fuß gefasst habe.

3. Ökonomin Veronika Grimm wird Herausgeberin bei „The Pioneer“
(deutschlandfunk.de)
Die Ökonomin und Wirtschaftsweise Veronika Grimm werde Herausgeberin des von Gabor Steingart gegründeten Portals “The Pioneer”: “Ich hoffe, mit meinem wirtschaftspolitischen und geoökonomischen Blick neue Impulse einbringen zu können und bin sicher, dass die Zusammenarbeit auch meinen Blick auf die gesellschaftliche Debatte erweitern wird.” Die Personalie wird von “Spiegel”-Kolumnist Christian Stoecker auf Threads kritisch kommentiert: “Veronika Grimm sollte Ihren Posten im Rat der ‘Wirtschaftsweisen’ mit sofortiger Wirkung niederlegen. Schon ihre Rolle im Aufsichtsrat von Siemens Energy ist ein Interessenskonflikt, aber Herausgeberin eines Pressemediums und Beraterin der Bundesregierung, das geht wirklich nicht.”

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4. Martenstein, Mario Barth und die Armee der Amazon-Rezensenten
(kulturundkontroverse859.substack.com, Johannes Franzen)
Johannes Franzen kritisiert Kolumnisten wie Harald Martenstein, die sich als mutige Außenseiter inszenieren, in Wahrheit aber nur ein populäres Ressentiment ihres wohlhabenden Publikums bedienen, indem sie sich über geschlechtergerechte Sprache lustig machen. Es gebe eine Allianz zwischen bildungsbürgerlichem Elitismus und aggressivem Populismus, bei der sich selbsternannte Verteidiger der Freiheit paradoxerweise für staatliche Verbote des Genderns einsetzen würden. Eine regelrechte “Armee” von Internetnutzern nutze gezielt Rezensionsplattformen wie Amazon, um Bücher mit geschlechtergerechter Sprache durch schlechte Bewertungen abzustrafen.

5. Wie Eventisierung den Literaturbetrieb stresst
(tagesschau.de, Julia Hercka)
Während kleine Veranstalter oft kaum das empfohlene Mindesthonorar für Lesungen zahlen könnten, würden wenige Literatur-Stars mit Einnahmen von bis zu 50.000 Euro pro Auftritt massiv von der sogenannten “Eventisierung” des Betriebs profitieren. Kritiker würden befürchten, dass durch die hohen Honorarforderungen der Top-Verdiener die Möglichkeit zur Querfinanzierung kleinerer Veranstaltungen wegfalle und somit die kulturelle Vielfalt bedroht sei.

6. Kalifornien untersucht Zensurvorwürfe gegen TikTok USA
(spiegel.de)
Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom habe eine offizielle Untersuchung gegen die neuen US-Betreiber von TikTok eingeleitet, nachdem Berichte über blockierte Nachrichten zum Namen “Epstein” und unterdrückte Kritik an der Trump-Regierung lautgeworden seien. Zudem sorge eine Passage in den Nutzungsbedingungen für Unruhe. Demnach sammele die Plattform Daten, die Rückschlüsse auf den Einwanderungsstatus der Nutzerinnen und Nutzer zulassen.

Schicksalsjahr 2026?, Meta ignoriert Vorgaben, Schlechter Jahrgang

1. Warum 2026 zum Schicksalsjahr werden könnte
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 38:14 Minuten)
Die KI- und Technikjournalisten Marie Kilg und Moritz Metz sowie Medienwissenschaftler Stephan Weichert diskutieren darüber, ob das Jahr 2026 durch den rasanten Einzug generativer KI zu einem Schicksalsjahr für den Journalismus werden könnte. Während Kilg dafür plädiert, die Technologie aktiv und transparent zu nutzen, um nicht den Anschluss zu verlieren, warnt Metz vor einer gefährlichen Abhängigkeit von US-Tech-Konzernen und einer schwindender Medienkompetenz bei der Jugend. Weichert mahnt ethische Mindeststandards an, da durch den KI-Einsatz eine “Verantwortungsdiffusion” drohe.

2. Meta ignoriert Transparenzvorgaben
(verdi.de, Volker Nünning)
Das Schleswig-Holsteinische Oberverwaltungsgericht habe im Eilverfahren entschieden, dass der Social-Media-Konzern Meta die Transparenzvorgaben des deutschen Medienstaatsvertrags bei Facebook vorläufig umsetzen müsse. Das Gericht gewichte das öffentliche Interesse an der Offenlegung der Algorithmen höher als die wirtschaftlichen Interessen des US-Unternehmens. Da Meta die Vorgaben laut der zuständigen Medienanstalt bislang ignoriere, drohe die Behörde nun mit weiteren Maßnahmen.

3. Eckart von Hirschhausen über Gesundheit, Klima, Fake News und Kirche
(evangelische-zeitung.de, Gottfried Bohl)
Der Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen erklärt im Interview mit der “Evangelischen Zeitung”, dass Klimaschutz, Gesundheit und der Kampf gegen Desinformation eng zusammenhängen würden. Er fordert die Kirchen auf, ihren großen Einfluss und Besitz zu nutzen und als analoge Begegnungsorte gegen die Spaltung durch Soziale Medien zu wirken. Zudem warnt er vor den Gefahren durch KI-generierte Fälschungen, sogenannte Deepfakes. Diese würden nicht nur einzelne Personen, wie ihn selbst, für Betrug missbrauchen, sie untergrüben auch das Vertrauen in Medien und Demokratie.

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4. Nach Monaten der Blockade: MDR durchschlägt den gordischen Knoten
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Nach dem Scheitern des ersten Versuchs sei Boris Lochthofen nun erfolgreich zum neuen Chef der künftig zusammengelegten MDR-Programmdirektionen in Halle und Leipzig gewählt worden. Seine Aufgabe bestehe darin, bis zum Jahr 2028 Doppelstrukturen abzubauen und die getrennten Bereiche zu einer Einheit zu formen. Die Klärung der Führungsfrage komme gerade noch rechtzeitig. Der MDR stehe angesichts der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und der politischen Drohungen durch die AfD vor einem entscheidenden Jahr.
Weiterer Lesetipp: Bericht von der 232. Sitzung des MDR-Rundfunkrat (flurfunk-dresden.de, Peter Stawowy).

5. EU-Kom­mis­sion leitet wei­tere Unter­su­chung gegen X ein
(lto.de)
Die EU-Kommission habe eine Untersuchung gegen Elon Musks Plattform X eingeleitet, weil deren KI-Programm “Grok” auf Befehl von Nutzern künstliche Nacktbilder echter Personen erstellt habe. Die Behörde prüfe nun, ob das Unternehmen gegen europäische Gesetze verstoßen habe, indem es die Risiken für Frauen und Kinder vorab nicht ausreichend bewertet und verhindert habe. X habe die Bild-Funktion inzwischen zwar eingeschränkt, dem Konzern würden bei einem bestätigten Verstoß aber dennoch empfindliche Geldstrafen drohen.

6. Oscars 2026: Die besten Filme – Ein schlechter Jahrgang!
(youtube.com, Wolfgang M. Schmitt, Video: 27:54 Minuten)
Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt hat sich den Oscar-Jahrgang 2026 angeschaut. Einigermaßen enttäuscht fragt er sich: “Warum hat ‘Sinners’ 16 Nominierungen erhalten? Weshalb steht ‘Frankenstein’ überhaupt auf der Liste? Sollte man wirklich bei ‘Hamnet’ viele Tränen verdrücken?”
Weiterer Hörtipp: Bei “Medien – Cross und Quer” sprechen Michael Meyer und Christoph Borgans mit dem Kulturjournalisten und SR-Redakteur Oliver Hottong über den Filmfestival Max-Ophüls-Preis und den deutschen Filmnachwuchs: “Welche Themen treibt die neue Generation von Filmemachern um? Wie erzählen sie? Und: Was braucht der deutsche Film, um in Schwung zu kommen?” (ardaudiothek.de, Audio: 19:05 Minuten)

KW 04/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Müssen Korrespondenten in der Ukraine inzwischen darum kämpfen, im Nachrichtenchaos noch durchzudringen?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 32:38 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast spricht Holger Klein mit dem ARD-Korrespondenten Vassili Golod in Kiew: “Wie ist es inzwischen, aus dem Krieg in der Ukraine zu berichten? Und wie sehr müssen Reporter vor Ort um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit buhlen bei all den vielen Meldungen von Krisen in der ganzen Welt, die Tag für Tag kursieren?”

2. Das Ende der BILD-Zeitung
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 20:45 Minuten)
“Bild” bleibe laut Mats Schönauer trotz massiv sinkender Verkaufszahlen der gedruckten Zeitung durch ihre riesige Online-Präsenz weiterhin eines der mächtigsten und einflussreichsten Medien. Anhand zahlreicher Beispiele zeigt Schönauer, wie die “Bild”-Redaktion regelmäßig Falschmeldungen und Lügen verbreite, die Medien weltweit oft ungeprüft übernähmen.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

3. Medien, Macht und die Gewöhnung an Rechts!
(youtube.com, Wolfgang M. Schmitt & Stefan Schulz, Video: 52:36 Minuten)
Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz analysieren bei “Die Neuen Zwanziger” anhand von Podcast-Ausschnitten, wie führende Medienvertreter Friedrich Merz trotz rassistischer Äußerungen und außenpolitischer Fehltritte verharmlosen und normalisieren würden. Dabei gehe es darum, das bürgerliche Lager zu schützen. Außerdem diskutieren die beiden über die Gefahr einer schleichenden Gewöhnung an rechtspopulistische Positionen. In manchen Fällen verlören Journalistinnen und Journalisten die kritische Distanz und würden selbst offensichtliche Lügen oder gefährliche politische Annäherungen an die AfD schönreden.

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4. Verdient das ZDF einen neuen Intendanten?
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 23:34 Minuten)
Alexander Matzkeit thematisiert im Gespräch mit “FAZ”-Redakteur Michael Hanfeld die angestrebte Wiederwahl von ZDF-Intendant Norbert Himmler und die wachsende Kritik des Fernsehrats an Himmlers vager Haltung in Debatten.

5. Die Medienhölle – Episode #002
(youtube.com, Jörg Wagner, Video: 1:33:02 Stunden)
Jörg Wagner analysiert in seiner “Medienhölle” die manipulative Berichterstattung des Portals “Nius” über einen Auftritt des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther in der Talksendung von Markus Lanz und diskutiert im Anschluss mit Stefan Ruß-Mohl über ein verengtes Meinungsspektrum im Journalismus. Zudem behandelt Wagner die Hintergründe zum linearen Ende des BR-Jugendsenders Puls. Und er führt ein Interview mit dem Wetterexperten Jörg Kachelmann, der erklärt, warum er sich als KI-Avatar klonen ließ.

6. Vom Luxus zum Spendenlink – wenn Mitleid zum Geschäftsmodell wird
(youtube.com, Sashka, Video: 16:32 Minuten)
YouTuberin Sashka kritisiert Influencerinnen und Influencer, die ihren luxuriösen Lebensstil offen zur Schau stellen (“flexen”), aber bei finanziellen Engpässen oder Steuerschulden sofort nach Mitleid bei ihren Fans suchen, um Spenden oder Verkäufe zu generieren. Anhand von Beispielen zeigt sie, dass oft schlechte Planung oder Unwissenheit über Steuerthemen der Grund für die Pleiten seien, diese Fehler aber emotionalisiert als Schicksalsschlag verkauft würden.

Ein Jahr Trump, Springer braucht Schutzkodex, “Wetten, dass..?”

1. Ein Jahr Trump: Chronologie der Angriffe auf die Presse
(reporter-ohne-grenzen.de)
Anlässlich des ersten Jahrestages von Donald Trumps zweitem Amtsantritt hat Reporter ohne Grenzen eine detaillierte Chronologie veröffentlicht, die die systematischen Angriffe der US-Regierung auf die Pressefreiheit im vergangenen Jahr dokumentiert. Die Organisation verurteilt darin scharf Maßnahmen wie Finanzkürzungen bei Sendern, den Ausschluss kritischer Medien und insbesondere die jüngste FBI-Durchsuchung bei einer Reporterin der “Washington Post”.
Weiterer Lesetipp: In der “taz” zieht die Autorin Annika Brockschmidt Bilanz: “Ihr könnt uns nicht alle töten!” (taz.de)

2. “Die Rolle der konfrontativen Marktschreierin würde mir niemand abkaufen”
(journalist.de, Jan Freitag)
Im Gespräch mit Jan Freitag zieht Caren Miosga nach zwei Jahren als Gastgeberin des ARD-Sonntagstalks Bilanz. Sie erläutert ihren Umgang mit der AfD als größter Oppositionspartei und betont, dass sie Polarisierung vermeiden wolle, indem sie auf Grautöne setze, statt die Rolle einer “konfrontativen Marktschreierin” einzunehmen. Lesenswert, auch weil Freitag die richtigen, kritischen Rückfragen stellt.

3. Springer braucht Schutzkodex
(verdi.de, Danica Bensmail)
Anlässlich des Rücktritts von “Welt”-Chefredakteur Jan Philipp Burgard, offiziell wegen gesundheitlicher Gründe, bei dem Recherchen allerdings ein mögliches Fehlverhalten nahelegen würden, fordert die dju-Bundesgeschäftsführerin Danica Bensmail einen verbindlichen Schutzkodex für den Axel-Springer-Verlag. Bensmail kritisiert, dass der bloße Funktionsverlust bei weiterbestehender Betriebszugehörigkeit keine transparente Verantwortungsübernahme darstelle. Außerdem fehle es an neutralen Anlaufstellen, um die Unternehmenskultur nachhaltig zu ändern. Erst der Beitritt zu einem externen Schutzkodex mit unabhängigen Verfahren böte echten Schutz für Betroffene.

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4. Übermedien wirkt!
(uebermedien.de)
Die “Übermedien”-Redaktion legt dar, dass ihre Arbeit oft direkte Konsequenzen habe und Medien dazu bringe, Fehler zu korrigieren oder journalistische Standards zu überdenken. Recherchen aus den vergangenen zehn Jahren hätten wiederholt gravierende Fehltritte aufgedeckt, die in mehreren Fällen zu personellen Konsequenzen bis hin zu Entlassungen geführt hätten. Sender wie die ARD oder der Bayerische Rundfunk hätten auf die Kritik reagiert, indem sie fragwürdige Werbepraktiken gestoppt oder die Zusammenarbeit mit umstrittenen Protagonisten beendet hätten.

5. Wie Medienmarken mit Kurzvideos (kein) Geld verdienen
(dwdl.de, Simon Pycha)
Journalistische Unternehmen könnten im Gegensatz zu einzelnen Creatorn ihre Kurzvideos auf Plattformen wie TikTok kaum direkt monetarisieren, weshalb diese Kanäle oft reine Zuschussgeschäfte bleiben würden. Branchenvertreter würden bessere Schnittstellen zu den eigenen Paid-Content-Angeboten fordern. Aufwendig produzierte, als Werbung gekennzeichnete Reportagen seien laut “DWDL”-Autor Simon Pycha derzeit einer der wenigen funktionierenden Wege zur Refinanzierung.

6. Bill und Tom Kaulitz übernehmen “Wetten, dass …?”: Junge Gesichter für eine alte Idee
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Medienberichten zufolge sollen die Zwillinge Bill und Tom Kaulitz die Moderation von “Wetten, dass..?” übernehmen. Es handele sich um den strategischen Versuch des ZDF, das überalterte Publikum zu verjüngen. Joachim Huber zieht im “Tagesspiegel” Parallelen zwischen dem einstigen “Paradiesvogel” Thomas Gottschalk und den heute 36-jährigen Brüdern, deren aktueller Erfolg sowie Toms Ehe mit Heidi Klum internationale Prominenz versprächen. Allerdings ist Huber skeptisch, ob die selbstdarstellerischen Entertainer die nötige dienende Rolle einnehmen können, um Gäste und Wettkandidaten glänzen zu lassen.

Weihnachtsfeier mit Folgen?, Propagandaradio, Welt­wissen

1. Eine Firmen-Weihnachtsfeier – und der Abgang eines Chefredakteurs
(correctiv.org, Anette Dowideit)
Der Chefredakteur der “Welt”-Gruppe, Jan Philipp Burgard, sei offiziell aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten, doch Recherchen würden einen Zusammenhang mit einer internen Untersuchung zu seinem Verhalten auf einer Weihnachtsfeier nahelegen, bei der er einer Mitarbeiterin unangemessen nahegekommen sein soll. Anette Dowideit schreibt: “Bei Burgard gibt es eine Vorgeschichte, CORRECTIV hatte im November 2024 darüber berichtet: Bei seinem vorherigen Arbeitgeber, dem WDR, war der Journalist von seinem Posten als stellvertretender Studioleiter in Washington degradiert worden, als herauskam, dass er einer jungen Journalistin gegenüber gegen deren Willen sexuell übergriffig geworden sein soll.” Laut Medienberichten (zum Beispiel Deutschlandfunk) wehre sich Burgard gegen entsprechende Presseberichte, sein Anwalt spreche von einer Verleumdungskampagne.

2. Propagandaradio für Patrioten
(taz.de, Florian Bayer)
Mit dem Start des 24-Stunden-Radiosenders “Austria First” baue die FPÖ ihr Medienuniversum in Österreich weiter aus. So könne die Partei ihre politischen Inhalte “ungefiltert” und unter Umgehung klassischer Medien direkt verbreiten. Florian Bayer kritisiert in seinem Kommentar das Projekt als Propaganda, die sich als Journalismus tarne. Unter der Leitung des umstrittenen Publizisten Werner Reichel werde gegen “Systemmedien” gehetzt, während journalistische Standards wie ein Impressum in der App fehlen würden. Diese Entwicklung füge sich in eine “Renaissance der Parteimedien” in Österreich ein.

3. MDR-Team bei Pro-Palästina-Demo in Leipzig angegriffen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Ein Kamerateam des Mitteldeutschen Rundfunks sei am Samstag am Rande einer propalästinensischen Demonstration in Leipzig körperlich angegriffen worden. Nachdem zwei Personen die Journalisten bedrängt hätten, sei die Situation eskaliert. Die Polizei sei daraufhin eingeschritten, habe die Personalien der Beteiligten aufgenommen und dem Fernsehteam anschließend Begleitschutz gewährt.

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4. Verlegerin Goetz-Weimer wehrt sich: “Der Ludwig-Erhard-Gipfel ist nicht gefährdet”
(kress.de)
Verlegerin Christiane Goetz-Weimer verteidige den “Ludwig-Erhard-Gipfel” gegen Vorwürfe der Käuflichkeit und sehe die Veranstaltung trotz zahlreicher Absagen prominenter Politiker wie Markus Söder nicht in ihrer Existenz gefährdet. Zudem weise sie Berichte über verkauften Zugang zu Entscheidungsträgern kategorisch zurück. Die Ursache der Kritik sei eine “gezielten Diffamierung” durch die AfD, die sich gegen ihren Mann, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, richte.

5. Finger weg von Bildgeneratoren
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck rät Redaktionen dringend von der Nutzung von KI-Bildgeneratoren ab, da deren künstliche Ästhetik oft unseriös wirke und das Vertrauen der Leserschaft beschädigen könne. Er warnt vor einer gefährlichen Abhängigkeit von wenigen Tech-Konzernen, die durch die Zentralisierung der KI-Infrastruktur eine enorme Machtposition aufbauen und Urheberrechte missachten würden. Zudem thematisiert Meineck die hohen unsichtbaren Kosten der Technologie, darunter der enorme Energieverbrauch und die Ausbeutung von Arbeitskräften im Globalen Süden.

6. Welt­wissen aus der Gerichts­bi­b­lio­thek
(lto.de, Martin Rath)
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Wikipedia blickt Martin Rath zurück auf eine Zeit, in der Gerichte das Konversationslexikon “Brockhaus” als belastbare Quelle für Definitionen und Allgemeinwissen nutzten. Anhand historischer Urteile zeigt er, wie Richter den Brockhaus konsultierten, um etwa Sonnenaufgangszeiten für Tatort-Rekonstruktionen zu ermitteln oder steuerrechtliche Begriffe wie “Müllabfuhr” und “Schrott” zu klären.

Kampf um Warner, Funke sammelt Geld ein, Die Newsfluencer kommen

1. “Mir lässt Ungerechtigkeit keine Ruhe”
(journalist.de, Sonja Peteranderl)
Sonja Peteranderl spricht mit Ronen Steinke, Jurist und Redakteur der “Süddeutschen Zeitung”, über die Aushöhlung von Rechtsstaat und Pressefreiheit in den USA und die daraus resultierenden Warnsignale für die deutsche Demokratie. Nicht nur die AfD, sondern auch andere Parteien untergrüben durch populistische Debatten rechtsstaatliche Prinzipien. Abschließend erklärt Steinke, warum er den Journalismus nutzt, um juristische Herrschaftssprache zu übersetzen und Ungerechtigkeiten im System sichtbar zu machen.

2. Paramount macht feindliches Gegenangebot für Warner
(tagesschau.de)
Der Unterhaltungskonzern Paramount Skydance wolle die geplante Übernahme von Warner Bros. durch den Streaminganbieter Netflix verhindern. Das Unternehmen habe hierfür ein eigenes Angebot über rund 108 Milliarden US-Dollar vorgelegt, das auch die Kabelsparte Global Networks umfasse. Damit überbiete Paramount die Offerte von Netflix. Zusätzliche Brisanz erhalte der Wirtschaftskrimi durch Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der jedoch nur eingeschränkt neutral sei: “Paramount wurde erst vor wenigen Monaten von der Familie des als Trump-Unterstützer bekannten Software-Milliardärs Larry Ellison übernommen.”

3. “Fotografieren gilt in der Türkei als politischer Akt”
(taz.de, Derya Türkmen)
Im Interview mit der “taz” beschreibt der türkische Fotojournalist Yasin Akgül nach seiner Festnahme einen historischen Bruch: Die Führung in Ankara habe erkannt, dass Bilder eine stärkere internationale Wirkung haben als Worte. Inzwischen werde schon das bloße Fotografieren von der Regierung als politischer Akt gewertet. Der staatlich kontrollierte Presseausweis habe seine Schutzfunktion verloren und diene nun als Instrument, um unerwünschten Journalismus zu verhindern.

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4. Funke Mediengruppe sammelt 100 Millionen Euro ein
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die Funke Mediengruppe habe sich über ein Schuldscheindarlehen erstmals 100 Millionen Euro am Kapitalmarkt beschafft, um damit künftiges Wachstum zu finanzieren. Mit dem frischen Kapital wolle der Konzern nicht nur die digitale Transformation vorantreiben, er plane ausdrücklich weitere gezielte Zukäufe von Medienmarken.

5. Die Newsfluencer kommen
(verdi.de, Lars Lubinetzki)
Laut einer Untersuchung des Reuters Institute würden sogenannte Newsfluencer traditionellen Medien zunehmend Konkurrenz machen. Dabei würden hierzulande vor allem männliche und politisch eher rechts-konservative Akteure das Feld dominieren. Um in diesem Umfeld zu bestehen, empfehle die Studie klassischen Medienhäusern, eine verständlichere Sprache zu wählen, Nischenthemen zu besetzen und sich durch fundierte Recherchen qualitativ abzugrenzen oder gezielt mit Newsfluencern zu kooperieren.

6. Die Streamawards 2025!
(youtube.com, Reved, Audio: 4:32:12 Stunden)
Wer interessehalber einen Blick in die Streaming-Welt werfen will, sollte mindestens kurz in den Videomitschnitt der “Streamawards 2025” klicken. In der über viereinhalbstündigen Show wurden die Höhepunkte des vergangenen Streaming-Jahres nachgezeichnet und Auszeichnungen in vielfältigen Kategorien vergeben, von “Bester Gaming-Moment” bis hin zu “Bester Newcomer”. Dank der im Beschreibungstext angegebenen Zeitmarken kann man sich dabei gezielt auf die interessanten Themen fokussieren.

120-Millionen-Strafe gegen X, KI vs. Realität, Ende der Vielfalt?

1. EU-Kommission verhängt 120-Millionen-Euro-Strafe gegen X
(netzpolitik.org, Anna Ströbele Romero)
Die EU-Kommission habe gegen die Plattform X (vormals Twitter) eine Strafe in Höhe von 120 Millionen Euro verhängt, da das Unternehmen gegen das Gesetz über digitale Dienste verstoße. Konkret würden die irreführenden “blauen Haken”, eine unzureichende Werbedatenbank sowie der mangelhafte Datenzugang für die Forschung kritisiert. X müsse diese Mängel nun innerhalb von 90 Tagen beheben, sonst würden weitere Sanktionen drohen.
Weiterer Lesetipp: Bei digitalpolitik.de kommentiert Markus Beckedahl: “Seit der Machtübernahme durch Musk herrscht in der politisch-medialen Bubble eine absurde Situation: Politiker:innen und Journalist:innen bleiben – und erhöhen damit die Relevanz einer Plattform, die sie zugleich für gefährlich halten.”
Auf Bluesky schreibt der “6-vor-9”-Kurator: “Liebe Europäische Kommission, liebes EU-Parlament: Wie lange wollt ihr noch Content für einen Kanal liefern, dessen Eigentümer euch auflösen will und der eure Reichweite drosselt? Dieser Ort ist eine Jauchegrube. Raus da! Geht lieber dahin, wo Demokratie kein Hassobjekt ist.”

2. Freiheit verpflichtet
(taz.de, Tobias Bachmann)
In seinem Kommentar kritisiert Tobias Bachmann, dass “Bild”-Vizechefredakteur Paul Ronzheimer nach den Anfeindungen gegen ihn keine echte Selbstkritik zum Beitrag seines eigenen Blattes an der gesellschaftlichen Polarisierung geübt habe: “Halten Menschen es für illegitim, kann es sein, dass sie sich dagegen auflehnen. Das kann man skandalisieren – muss man manchmal sogar. Aber man sollte sich auch fragen, was man selbst tun kann, um die Legitimität wieder herzustellen – für sich und alle anderen: Wem die Pressefreiheit am Herzen liegt, der sollte sich an den Pressekodex halten.”

3. Das Ende der Vielfalt?
(journalist.de, Sonja Peteranderl)
Beeinflusst durch den politischen Druck in den USA und wirtschaftliche Sparzwänge würden derzeit auch deutsche Unternehmen und Medienhäuser ihre Diversity-Initiativen abbauen. Vielfalt gelte oft fälschlicherweise als verzichtbares Extra, schreibt Sonja Peteranderl. Medien verlören dadurch langfristig an Relevanz und Vertrauen beim Publikum. Trotz einzelner Fortschritte durch Quoten oder Monitoring-Tools fehle es meist an tiefgreifenden strukturellen Veränderungen.

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4. 15,5 Milliarden Euro – aber nur ein Bruchteil von den Streamern
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Um die deutsche Film- und Serienproduktion finanziell zu stärken, setze Kulturstaatsminister Wolfram Weimer statt auf eine gesetzliche Investitionspflicht für Streamingdienste auf freiwillige Selbstverpflichtungen der Branche. Die insgesamt zugesagten 15,5 Milliarden Euro bezeichne die Produktionsallianz allerdings als “Mogelpackung”. Der Großteil dieser Summe stamme von den ohnehin investierenden deutschen TV-Sendern und nicht von den eigentlich gemeinten US-Streamern.

5. Macht der Reformstaatsvertrag ARD und ZDF jetzt besser?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 28:49 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast unterhält sich Holger Klein mit dem Rundfunkexperte und ehemaligen ZDF-Verwaltungsrat Leonhard Dobusch über die Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: “Worin genau sieht er die Probleme? Welche Änderungen findet er gut? Und wie steht es im Vergleich dazu beim ORF in Österreich?”

6. KI vs Realität: Jetzt beweisen Videos wirklich nichts mehr
(youtube.com, Julia von Buddenbrook & Raja Khadour, Video: 12:42 Minuten)
Das NDR-Medienmagazin “Zapp” thematisiert die zunehmende Verbreitung von täuschend echten KI-Videos in Sozialen Netzwerken. Diese würden das Vertrauen in Bildbeweise erschüttern und Desinformation Tür und Tor öffnen. Am Beispiel des KI-Charakters “Hakim Decoded” und dessen Schöpfer Leon zeigen Julia von Buddenbrook und Raja Khadour, wie aufwendig solche Videos produziert werden und wie wichtig dabei eine transparente Kennzeichnung ist.

Kahlschlag bei RTL, Polizei behindert Presse, Wire­card-Berich­t­er­stat­tung

1. Der Deutsche Journalisten-Verband ist schockiert über die geplanten Stellenstreichungen bei RTL
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) zeigt sich “schockiert” über den geplanten Personalabbau bei RTL, der 600 Stellen betreffen soll. “Das ist eine Katastrophe für die Kolleginnen und Kollegen bei RTL und ihren Töchtern”, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster: “Es dürfte für die Redaktionen mindestens schwierig werden, das jetzige Niveau mit noch weniger Personal zu halten”.
Weiterer Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Hätte man sich die neunzig Millionen für Stefan Raab gespart, hätte man jedem dieser 600 Mitarbeiter ein Monatsgehalt von über 6.000 Euro zahlen können. Und zwar Monat für Monat. Volle zwei Jahre lang. Aber die Senderbosse wollten sich ja unbedingt den vermeintlichen König Midas gönnen. Nur dass der nichts mehr zu Gold macht, sondern alles in Rauch aufgehen lässt, was er anfasst.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:01 Minuten)
Weiterer Lesetipp: Auch beim österreichischen öffentlich-rechtlichen ORF herrsche Spardruck, doch die Auswirkungen sind vergleichsweise gering: Hier sollen lediglich 50 Jobs von 4.000 wegfallen und das auch nur über Nicht-Nachbesetzungen. (dwdl.de, Timo Niemeier)

2. Polizei behindert Presse bei Protesten in Gießen
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Bei den Protesten gegen die Gründung der AfD-Jugend in Gießen habe die Polizei die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten massiv behindert, indem sie Presseausweise ignoriert und den Zugang zu polizeilichen Maßnahmen, beispielsweise Räumungen, verwehrt habe. Betroffen gewesen seien unter anderem Reporter der “taz” sowie des Bundesverbands Freier Radios. Innerhalb der Veranstaltungshalle seien Medienschaffende durch die AfD eingeschränkt worden. Man habe deren Bewegungsfreiheit durch Wachpersonal unterbunden und den Pressebereich eingezäunt.

3. An den Online-Pranger gestellt
(taz.de, Johannes Drosdowski)
Das Weiße Haus habe auf seiner Website eine offizielle Liste eingerichtet, auf der kritische Medienschaffende wie die CBS-Chefkorrespondentin Nancy Cordes als vermeintliche “Media Offender of the Week”, also “Medientäter der Woche”, öffentlich an den Pranger gestellt würden. Cordes werde vorgeworfen, über Appelle der Demokraten an das Militär berichtet zu haben, illegale Befehle zu verweigern, was die Trump-Regierung in begleitenden Propagandavideos als aufrührerisch diffamiere. Neben dieser digitalen Hetzkampagne sehe sich die preisgekrönte Journalistin auch direkten Angriffen Donald Trumps ausgesetzt.

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4. Spiegel siegt vor BVerfG wegen Wire­card-Berich­t­er­stat­tung
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Das Bundesverfassungsgericht habe einem Beschluss des Oberlandesgerichts (OLG) München widersprochen und dem “Spiegel” in einem Rechtsstreit um die Berichterstattung über einen mutmaßlichen Wirecard-Hintermann Recht gegeben. Das Gericht habe klargestellt, dass Redaktionen bei komplexen Wirtschaftsstraftaten auch schon bei einem bloßen Anfangsverdacht identifizierend berichten dürfen. Das OLG München müsse den Fall nun neu bewerten, da es laut Bundesverfassungsgericht die Bedeutung der Meinungsfreiheit grundlegend verkannt und fälschlicherweise journalistische Rechercheergebnisse an rein strafrechtlichen Maßstäben gemessen habe.

5. “Mafia-Themen gehören in Italien zum ganz normalen journalistischen Tagesgeschäft”
(dfjv.de, Ralf Falbe)
Ralf Falbe hat mit der seit über 30 Jahren in Italien lebenden Journalistin Petra Reski gesprochen, die intensiv über die Mafia berichtet. Die italienische Mafia sei laut Reski in Deutschland längst tief verwurzelt. Deutsche Gerichte und Verlage würden die Gefahren für berichtende Journalistinnen und Journalisten oft unterschätzen oder diese im Stich lassen. In dem Interview schildert Reski auch ihre persönlichen Erfahrungen mit Drohungen und juristischen Klagen. Angesichts der prekären finanziellen Lage und einer fehlenden Rechtssicherheit rät sie Berufseinsteigern heute davon ab, sich als Freiberufler auf solch riskante Themen zu spezialisieren.

6. Wie wachsen Kinder und Jugendliche in einer mediatisierten Welt auf?
(leibniz-hbi.de, BredowCast, Audio: 42:22 Minuten)
Im “BredowCast” sprechen die Forscherinnen und Forscher Claudia Lampert, Rudolf Kammerl und Katrin Potzel über die Langzeitstudie “Connected Kids”, deren Ergebnis eine deutliche Verjüngungstendenz aufzeige, da Kinder immer früher Zugang zu Smartphones und digitalen Angeboten erhalten. Zudem konnten die Experten beobachten, dass Jugendliche bereits erste Erfahrungen mit KI-Tools wie ChatGPT sammeln und künftig vermehrt interaktives, KI-gestütztes Spielzeug in den Alltag einziehen könnte.

Gedrosseltes “Nius”, Libertarismus und Neue Rechte, Ständig überlastet

1. Ei­ne*r von vier hält Berichterstattung für ausgewogen
(taz.de)
Laut einer aktuellen Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München halte nur gut ein Viertel der Menschen in Deutschland die mediale Berichterstattung über den Nahost-Krieg für ausgewogen. 30 Prozent nähmen eine Schlagseite zugunsten Israels und lediglich neun Prozent eine Bevorzugung der palästinensischen Seite wahr. 35 Prozent der Befragten hätten sich kein Urteil zugetraut. Die Einschätzung hänge dabei stark von der eigenen Positionierung ab.

2. Reichweiten-Probleme: Wie Nius die Drosselung auf TikTok umgeht
(dwdl.de, Simon Pycha)
Nach wiederholten Sperren und einem mutmaßlichen Shadowban des Hauptaccounts setze das rechtspopulistische Portal “Nius” auf TikTok nun verstärkt auf dezentrale Personenmarken, um die Reichweitenbeschränkungen zu umgehen. Die Strategie gehe auf, da die Kanäle einzelner Hosts als sogenannte Newsfluencer deutlich höhere Abrufzahlen erzielen würden und nicht von den Sanktionen gegen die Dachmarke betroffen seien. Gleichzeitig bewege sich das Vorgehen in einer rechtlichen Grauzone.
Weiterer Lesetipp: NDR-Tochter lässt Nius wie echtes Fernsehen aussehen: “Die NDR-Tochterfirma Studio Hamburg hat Teile des Sets und Sofas für das rechtspopulistische Medium Nius gebaut. Hoppla!” (taz.de, Amira Klute)

3. Wie vernetzt sind Libertarismus und Neue Rechte?
(tagesschau.de, Karin König)
Eine aktuelle Analyse des CeMAS komme zu dem Ergebnis, dass sich auf der Plattform X signifikante ideologische und strukturelle Überschneidungen zwischen dem libertären Milieu und der extremen Rechten zeigen. Die Forscher würden davor warnen, dass libertäre Themen als harmlos wirkender Deckmantel dienen könnten, unter dem rechtsextreme Inhalte in neue Zielgruppen einsickern, etwa über Finanz-Podcasts.

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4. Ständig überlastet: So entkommen Medienprofis der Ressourcenfalle
(kress.de, Attila Albert)
Viele Medienschaffende würden unter chronischer Überlastung leiden, deren Ursachen oft in mangelnder Ressourcenausstattung, schlechter Organisation oder fehlender Abgrenzung zu finden seien. Als Gegenstrategie empfiehlt Attila Albert eine strikte Priorisierung der Kernaufgaben im Dialog mit Vorgesetzten, das Delegieren von Tätigkeiten sowie das Einkalkulieren realistischer Zeitpuffer.

5. Es gibt keine künstliche Intelligenz!
(npj.news, Stephan Weichert)
Der Medienwissenschaftler Stephan Weichert warnt vor der vom Silicon Valley propagierten Verschmelzung von Mensch und Maschine. Dabei handele es sich vor allem um ein aggressives Geschäftsmodell, das journalistische Inhalte ausbeute und durch die Verdrängung klassischer Nachrichtenquellen die Demokratie gefährde. Angesichts der wachsenden Dominanz von Algorithmen müssten Redaktionen seiner Meinung nach eine “KI-Resilienz” entwickeln.

6. “Ich wollte radikal ehrlich sein”
(uebermedien.de, Annika Schneider, Audio: 44:15 Minuten)
“Warum tun sich Redaktionen oft so schwer damit, Fehler einzuräumen? Und bei Kritik auch mal zu sagen: Sorry, das ist nicht optimal gelaufen?” Im “Übermedien”-Podcast “Nice & Nötig” unterhält sich Annika Schneider mit dem Wirtschaftsjournalisten Felix Rohrbeck über den Umgang mit Fehlern. Dabei geht es “nicht um Rechtschreibfehler oder falsche Jahreszahlen, sondern um größere Schnitzer im Journalismus: Unausgewogenheit, Voreingenommenheit, Falschinformationen – und wie ein selbstkritischer Umgang damit aussehen könnte.”

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