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Torwarttor und Taxifahrt zählen doppelt

Mario Balotelli gilt als spezieller Charakter, die Boulevardmedien in ganz Europa berichten gern über sein schwer zu zügelndes Temperament und seine exzentrischen Anwandlungen. Spätestens seit seinen zwei Toren im EM-Halbfinale gegen Deutschland steht der Italiener in Diensten von Manchester City auch bei den deutschen Medien im Fokus.

Gaga-Balotelli 2000 Euro für ein Taxi

Bild.de berichtete am Montag:

Der Stürmer von Manchester City hält offenbar nichts von elektronischen Navigationssystemen. Lieber lässt er sich die Strecke von Manchester nach London von einem Taxifahrer zeigen. Der teure Spaß soll ihn jetzt ganze 980 Euro gekostet haben. Pro Strecke! Inklusive Rückweg blätterte Balotelli also rund 2000 Euro hin.

Am Dienstag zog die gedruckte „Bild“ nach. Eine Quelle nennen beide nicht, aber es spricht vieles dafür, dass die Geschichte ursprünglich aus dem englischen „Sunday Mirror“ stammt, wo sie am Samstagabend online gegangen war.

Nur, dass der „Mirror“ von ganz anderen Zahlen schreibt:

Diesen letzten Einblick in Marios Heißsporn-Welt gewährte sein Agent Raiola in einem Interview mit einem niederländischen Magazin. […]

Ein Taxi von Manchester nach London kostet atemberaubende 400 Pfund in jede Richtung!

(Übersetzung von uns.)

400 Pfund, das sind etwa 495 Euro. Macht 980 für hin und zurück und nicht „pro Strecke!“, wie Bild.de behauptet — und anschließend etwa der „Berliner Kurier“.

Der Sportinformationsdienst (sid) war beim Abschreiben erfolgreicher und kommt auf eine Summe von „insgesamt also rund 1000 Euro“.

„RP Online“ hingegen ist das Kunststück gelungen, die Quelle zu nennen, aber die falsche Zahl:

Wie der englische Mirror berichtet, habe Balotelli dafür 980 Euro pro Richtung berappen müssen. Insgesamt also rund 2000 Euro.

Wie realistisch die ganze Geschichte überhaupt ist, steht auf einem anderen Blatt. Von dem „niederländischen Magazin“, dem Balotellis Agent davon laut „Mirror“ berichtet haben soll, fehlt nämlich bisher jede Spur.

Mit Dank an Tim.

Lena — Liebe meines Lebens

Seit Lena Meyer-Landrut bei „Unser Star für Oslo“ angetreten ist, interessieren sich die deutschen Boulevardmedien für das Privatleben der jungen Frau. Mit dem Gewinn der Castingshow und der (schließlich erfolgreichen) Teilnahme beim Eurovision Song Contest stieg das Interesse immer mehr: Reporter durchstreiften ihre Heimatstadt Hannover und fanden: nichts. RTL entdeckte im eigenen Archiv einen Ausschnitt der kurzlebigen Scripted-Reality-Soap „Helfen Sie mir“, in der Lena als Laiendarstellerin mitgespielt hatte. Private Fragen in Interviews und auf Pressekonferenzen wollte Frau Meyer-Landrut zunächst gar nicht beantworten.

Einen Grand-Prix-Sieg, eine weitere ESC-Teilnahme und zwei Alben später ist Lena Meyer-Landrut „wieder da“ — als sei sie in den letzten zweieinhalb Jahren je wirklich weg gewesen. Am 12. Oktober erscheint ihr drittes Album „Stardust“, für das sie zur Zeit die Werbetrommel rührt.

Bei der Albumpräsentation in Berlin (ähnliche Veranstaltungen hatte es zuvor schon in Köln und Hamburg gegeben) erfuhr die „B.Z.“ Erstaunliches:

Ihr Herz hat auch eine Heimat gefunden: „Ich habe mich in Köln verliebt“, so Lena zur B.Z. Nicht nur in die Stadt: „Weil da der Mensch ist, den ich liebe. Wo ich das Glück habe, dass ich ihn lieben darf.“

Da ist sie wieder, die einmalig Süße! Lena in love. Doch Details dazu kommen ihr nicht über die Schmoll-Lippen. Dafür findet sich auf Lenas linkem Oberarm eine Art Beziehungs-Botschaft. Neben der Ritterlilie prangt nun ein zweites Tattoo mit dem Schriftzug: „to love and to be loved“ (lieben und geliebt werden). Ach wie schön, ein kleiner Satellit schwebt im siebten Himmel.

Fangen wir hinten an: Das Tattoo, das „nun“ auf ihrem Oberarm prangt, war da schon vor acht Monaten, wie etwa Bild.de damals ganz aufgeregt notierte.

Und das mit der Liebe ist auch keine ganz so spektakuläre Neuerung, wie Boulevardjournalisten wüssten, wenn sie im vergangenen Oktober die ARD-Sendung „Inas Nacht“ gesehen hätten, die im August 2011 aufgezeichnet worden war:

Ina Müller: Was magst Du denn generell an Männern? Hast Du ’nen Typen Mann, wo Du sagst: „Oh, den find ich ganz toll“?
Lena Meyer-Landrut: Also, meinen Freund find ich ganz toll …
Müller: Du hast ’nen Freund?!
Meyer-Landrut: Mmmm-hhhh.
Müller: Das find ich ja toll! Da hätte ich jetzt gar nicht gefragt, weil ich dachte, das würdest Du nie erzählen.
Meyer-Landrut: Tja …
Müller: Und mit dem bist Du schon lange zusammen …
Meyer-Landrut: Joa …

Dass Frau Meyer-Landrut einen Freund hat, war damals – neben den weit verbreiteten Informationen, dass sie ihr Klo selber putze und keinen Schnaps vertrage – sogar bei einschlägigen Medien wie bunte.de, „Bild“ Hannover und stern.de nachzulesen gewesen. Aber man kann es natürlich noch mal aufschreiben und als „neue Liebe“ verkaufen, wie es beispielsweise „Express“, „RP Online“ und „Focus Online“ getan haben.

Und damit kommen wir zu dapd, nach eigener Auswertung der Realität bekanntlich Deutschland fehlerfreiste Nachrichtenagentur. Die interpretierte das Geraune der „B.Z.“ so:

Grand-Prix-Sternchen Lena Meyer-Landrut ist glücklich und verliebt. „Ich habe mich in Köln verliebt“, sagte die Sängerin der „BZ am Sonntag“. Aber nicht nur die Rheinmetropole habe das Herz der 21-Jährigen erobert, sondern auch ein Mann. „Weil da ein Mensch ist, den ich liebe. Wo ich das Glück habe, dass ich ihn lieben darf“, sagte die Sängerin.

Wer der neue Mann in ihrem Leben ist, bleibt allerdings ihr Geheimnis. Erst vor wenigen Wochen war Lena von ihrer Heimatstadt Hannover nach Köln gezogen, wo sie nun mit ihrem Freund lebt.

(Nachzulesen etwa im „Westen“.)

Dass Frau Meyer-Landrut „erst vor wenigen Wochen“ nach Köln gezogen sein soll, kommt etwa für die Menschen überraschend, die im August 2010 diese Meldung gelesen haben:

Lena Meyer-Landrut, Gewinnerin des Eurovision Song-Contest 2010 in Oslo, hat jetzt ein Appartement in Köln, damit sie nicht immer von ihrer Heimatstadt Hannover aus pendeln muss. Das sagte sie der Online-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. In Köln ist Stefan Raabs Produktionsfirma Brainpool, die Lena managt.

Wobei diese Nachricht auch mit Vorsicht zu genießen ist. Der Urheber damals nämlich: dapd.

Spätestens vor einem Jahr war Lena dann aber doch in Köln angekommen, weil sie sich für ein Studium („‚Sprachen und Kulturen Afrikas‘ und Philosophie“) an der dortigen Universität eingeschrieben hatte, was damals ebenso medial ventiliert wurde wie vor einem Monat der Umstand, dass sie besagtes Studium wieder geschmissen hatte. Aber natürlich konnte sie auch im Juni 2012 noch mal nach Köln ziehen („zu ihrem Freund“!), wenn man es denn noch mal aufschreiben konnte.

Jedenfalls hat dapd aus den Nicht-Neuigkeiten „neue Liebe, neues Tattoo“ auch noch ein Video gebaut, das irgendwelche armen Cutter aus Archivmaterial zusammenschnibbeln mussten. Mit dabei ist ein Foto mit Tattoo beim Deutschen Filmpreis (April 2012, „neues Tattoo“) und diese Aussage:

Im Oktober soll Lenas drittes Album erscheinen und eine große Tournee ist auch geplant. Der Kartenverkauf läuft Medienberichten zufolge aber eher schleppend an.

Dass sich die Karten für Lenas Tournee so schlecht verkaufen, dürfte allerdings auch daran liegen, dass man sie noch gar nicht kaufen kann: Die Tourdaten sind noch nicht bekannt gegeben, der Vorverkauf noch nicht mal angelaufen.

Insofern ist der nachfolgende Satz noch dümmer, als er es sowieso schon wäre:

Ob die Nachricht von einer neuen Liebe also nur eine PR-Masche ist, bleibt offen.

Ja, die “neue Liebe” ist eine Masche. Aber eine von desinteressierten Möchtegernjournalisten, die versuchen, sich aus bereits wieder vergessenen und deshalb für neu gehaltenen alten Tatsachen und falschen Annahmen eine Geschichte zusammenbasteln.

Bei stern.de ist das dapd-Video inzwischen wieder weg, bei „Welt Online“ aber zum Beispiel noch verfügbar — und das, obwohl es seit heute Mittag sogar eine korrigierte Fassung gibt, aus der der „schleppende“ Vorverkauf verschwunden ist.

Mit Dank auch an Lars, Peter G. und Andreas K.

Nachtrag, 16. August: sueddeutsche.de hat die zweite Fassung des dapd-Videos aus dem Netz genommen, bei „Welt Online“ läuft immer noch die erste.

Mark Zuckerberg „privat“ (2)

Stellen wir uns für einen Moment vor, junge Menschen würden durch irgendeinen Zufall in den Besitz von Privatfotos eines Mitschülers kommen und diese Bilder, die nicht für die Öffentlichkeit gedacht waren, für jeden sichtbar ins Internet stellen. Eltern wären empört, Lehrer schockiert und Journalisten würden auf die zunehmende Verrohung unter Jugendlichen verweisen und – nicht zu Unrecht – von „Cybermobbing“ sprechen.

Wenn Journalisten durch irgendeinen Zufall in den Besitz von Privatfotos eines Prominenten kommen, erscheint es ihnen völlig naheliegend, diese Bilder, die nicht für die Öffentlichkeit gedacht waren, für jeden sichtbar ins Internet stellen oder in einer Zeitung abzudrucken.

Nun hat es Facebook-Gründer Mark Zuckerberg erwischt und der Zufall war eine Sicherheitslücke auf seiner eigenen Internetplattform. Vielleicht ist es Ironie, vielleicht hätte es aber auch jeder andere Prominente sein können — Fakt ist: Medien im In- und Ausland zeigen diese Bilder.

Dass Bild.de – wie gerade berichtet – die Bilder zeigt, hat uns ehrlich gesagt kaum überrascht. Immerhin nutzt „Bild“ auch gerne schon mal geklaute Nacktfotos von Prominenten, um einen Artikel zu bebildern, der die Verurteilung der Fotodiebe zum Inhalt hat (BILDblog berichtete). Doch auch andere Medien bedienen sich bei Zuckerbergs Privatfotos — oder dem, was sie dafür halten.

„Spiegel Online“ etwa zeigt stolz diese Trophäe:

Dass die Welt einen so nicht gewollten Einblick in das Privatleben des Vorstandsvorsitzenden von Facebook erhält, liegt an einem Programmierungsfehler bei dem Online-Netzwerk selbst. Demnach war es kurze Zeit möglich, mit einem Trick fremde Bilder runterzuladen.

Doch das Foto hatte Zuckerberg selbst im März auf dem Facebook-Profil seines Hundes Beast veröffentlicht. (Wobei es etliche Journalisten vermutlich auch für realistisch hielten, dass der Hund das Bild selbst hochgeladen hat.)

„RP Online“ hat sich für diesen Aufmacher entschieden:

Private Fotos im Internet aufgetaucht: Facebook-Panne trifft Mark Zuckerberg

Auch dieses Foto steht seit März für jeden sichtbar auf Beasts Facebook-Profil.

Die „Berliner Morgenpost“ hat einen dpa-Artikel zum Thema um diesen Absatz ergänzt:

Für Mark Zuckerberg war es da schon zu spät. Einige der 800 Millionen Facebook-Mitglieder nahmen sich Zuckerbergs Profil vor. Und veröffentlichten die Funde im Netz. Zu sehen ist: Zuckerberg mit Freundin Priscilla Chan in der Küche, Zuckerberg mit Hund, Zuckerberg mit Kindern an Halloween, beim Zubereiten von Sushi, beim Empfang mit US-Präsident Barack Obama – und mit einem anscheinend toten, noch ungerupften Huhn, das der Facebook-Chef kopfüber an den Beinen Richtung Kamera hält.

morgenpost.de hat etliche Links auf die Seite gesetzt, auf denen die „gefundenen“ Zuckerberg-Fotos der Welt präsentiert wurde. Bei Hund, Halloween oder Obama hätten die Redakteure aber auch einfach auf Facebook verlinken können.

Die BBC zeigt nur neue Bilder, die tatsächlich aus privaten Alben von Mark Zuckerberg stammen — und sie hat dafür sogar um Erlaubnis gefragt:

Die BBC hat Facebook um Erlaubnis gebeten, bevor sie die Fotos von Herrn Zuckerberg veröffentlicht hat. Die Firma sagte, dass sie keine Urheberrechtsverletzungen verfolgen würde, da die Bilder jetzt gemeinfrei seien.

(Übersetzung von uns.)

Über den deutschen Onlinejournalismus lehrt diese Geschichte zwei Dinge, die beide auf ihre Weise beunruhigend sind: Erstens sind Journalisten bereit, für eine knallige Story auf alle Persönlichkeits- und Urheberrechte zu pfeifen. Und zweitens ist es offenbar naiv anzunehmen, dass Menschen, die im Internet über das Internet schreiben, das Internet auch irgendwie bedienen können.

Herr Admin und Frau Backup_user

Es gibt Meldungen, die wiederholen sich so oft, dass man versucht ist, sie einfach als Vorlage im Redaktionssystem stehen zu lassen. So haben sich die Einbrüche bei namhaften IT-Unternehmen in den letzten Monaten so gehäuft, dass es sich einfach nicht mehr lohnt neue Nachrichten zu schreiben. Man setzt einfach betroffene Firma, Anzahl der gestohlenen Datensätze und den Namen der anonymen Hacker-Gruppe ein — fertig sind Meldung und Schlagzeile.

So meldete Reuters am Montagabend:

Hacker greifen Apple an - Einige Kundendaten veröffentlicht

Dicht gefolgt von „RP Online“:

Kundendaten veröffentlicht Hacker attackieren Apple

Und schließlich berichtete auch krone.at:
Hacker stellen Daten von Apple-Kunden ins Internet

Doch die Macht der Gewohnheit war hier kein guter Ratgeber. Die vorgeblichen Kundendaten lesen sich nämlich etwas seltsam: Die veröffentlichte Liste von 27 Usernamen umfasst so merkwürdige Namen wie „admin“, „backup_user“ und „process_super“.

Tatsächlich waren auf dem Server nach dem aktuellen Informationsstand keine Daten von Apple-Kunden abgespeichert. Die Hacker haben stattdessen eine Liste interner Kennwörter der IT-Abteilung von Apple erbeutet. Das ist zwar peinlich genug für Apple und spricht nicht für die IT-Sicherheit des Unternehmens, aber „Kundendaten“, wie einige Medien schreiben, wurden bisher keine veröffentlicht.

Mit Dank an David D.

Wenn das Schwule macht!

Den Machern einer Broschüre für die Gäste des Eurovision Song Contests (ESC) in Düsseldorf ist da was ganz Blödes passiert: Wegen einer kleinen Unachtsamkeit weist das Programmheft auf einen „Aktionstag der Schwulen“ hin statt auf den tatsächlich geplanten „Aktionstag der Schulen“. Außerdem steht in der englischen Ausgabe „Wielcome to Duesseldorf“ statt „Welcome to Duesseldorf“.

Ein bisschen peinlich, ein bisschen lustig — also eigentlich eine schöne bunte Meldung. Das dachten sich wohl auch die Redakteure von „RP Online“, das wie die große Print-Schwester „Rheinische Post“ seit Monaten über jede Kleinigkeit berichtet, die entfernt mit dem ESC zu tun hat. Die fehlerhafte Broschüre war „RP Online“ gestern gleich zwei Artikel und eine Erwähnung bei Facebook wert:

RP ONLINE: Oje... Stadt muss nachbessern: Peinlicher Druckfehler in ESC-Broschüre. Die Stadt muss zwei Druckfehler in rund 100.000 Broschüren zum Song Contest korrigieren. Statt einem Aktionstag der Schulen wird dort ein Aktionstag

Beide Artikel wurden gestern Mittag wieder gelöscht, was insofern erstaunlich ist, als sie keine offensichtlichen inhaltlichen Fehler enthielten.

Herausgegeber der Broschüre ist neben der Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH der NDV Verlag, der zur Mediengruppe RP gehört. Als Redaktion ist im Impressum die Rheinland Presse Service GmbH ausgewiesen — jene Firma, die auch hinter „RP Online“ steht.

Wir haben gestern am späten Nachmittag bei „RP Online“ nachgefragt, ob es eine interne Anweisung gegeben hat, nicht über Fehler zu berichten, die im eigenen Haus passiert sind. Bisher haben wir keine Antwort erhalten.

Die nackte Wahrheit

Sila Sahin (25) schmückt den aktuellen „Playboy“-Titel. Sie ist die erste Türkin, die sich für das Männermagazin ausgezogen hat – aber nicht der erste Soap-Star.

Soweit, so falsch, Bild.de. Denn Sila Sahin ist nicht die erste Türkin im „Playboy“, sondern auf dem „Playboy“, wie „Bild“ gestern noch richtig formulierte.

Unbekleidet in der Zeitschrift abgebildet waren zum Beispiel schon die türkischstämmigen Vivien Cetin (Miss Mai 2010) und Öznur Asrav (Miss April 2008). Letztere war die erste türkischstämmige Frau, die als Playmate firmierte, aber auch nicht die erste, die überhaupt im deutschen „Playboy“ zu sehen war. Dieser Titel gebührt womöglich der Schauspielerin Lale Karci, die im März 1998 im Heft war — so ganz genau wissen das die Leute beim „Playboy“ selbst nicht mehr.

Sila Sahin ist demnach nicht „die erste Türkin im ‚Playboy'“ („RP Online“, „B.Z.“) oder „die erste Deutschtürkin […], die für das Herrenmagazin die Hüllen fallen ließ“ („Focus Online“).

Mit Dank an Erkan A.

Nachtrag, 15. April: Unser Leser Martin hat im „Playboy“ vom Januar 1987 eine Fotostrecke mit der Türkin Hülya Ejder entdeckt, die damit – bis zum Beweis des Gegenteils – die erste Türkin im Heft gewesen sein könnte.

Außerdem geht es hier natürlich ausschließlich um die deutsche Ausgabe des „Playboy“. Auf der türkischen Ausgabe, die zwischen 1986 und 1995 erschien, dürfte schon sehr viel früher eine Türkin abgebildet gewesen sein, wie unser Leser Thomas W. ganz richtig anmerkt.

Hurra, Hurra, der Wald brennt!

Im Hugo-Junkers-Gymnasium in Mönchengladbach-Rheydt kam es in der Nacht zu Montag offenbar in Folge von Brandstiftung zu einem Feuer, das das Sekretariat weitgehend zerstörte und andere Räume in Mitleidenschaft zog.

Da viele Leser nicht wissen, wie dieses Hugo-Junkers-Gymnasium so ein „Feuer“ aussieht, zeigt „RP Online“ in gleich zwei Artikeln dieses Foto:

Nach dem Brand am Hugo-Junkers-Gymnasium wird der Unterricht am Mittwoch wieder aufgenommen. Foto: AP

Dass das Foto irgendetwas mit der betroffenen Schule, mit Rheydt oder auch nur mit Deutschland zu tun hat, ist unwahrscheinlich: Der Name der Datei lautet „California_Wildfires_CABAK2014c51a39d20a6.jpg“.

Mit Dank an Kai.

Das dümmste anzunehmende Symbolfoto

Irgendjemand bei „RP Online“ muss es für eine gute und naheliegende Idee gehalten haben, einen Artikel über falsche Rechenschaftsberichte bei der rechtsextremen NPD mit diesem Foto zu bebildern:

Sympathisanten der NPD bei einer Demonstration in Duisburg.

Ein Mann mit grünen Haaren und dem Wort „Punk“ auf dem T-Shirt. Ein Plakat der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands. Die Chancen, dass es sich dabei tatsächlich um „Sympathisanten der NPD“ handelt, dürften ungefähr bei Null liegen.

Mit Dank an Hanna.

Nachtrag, 18.35 Uhr: „RP Online“ hat das Foto ausgetauscht — und die Bildunterschrift sicherheitshalber gleich mit.

Flickschusterei bei der Marsmission

Wissenschaft ist selten so spannend wie ein Hollywoodfilm. Wenn also zwei amerikanische Wissenschaftler vorschlagen, bei bemannten Marsmissionen in einer nicht mehr allzu fernen Zukunft die Astronauten auf dem roten Planeten abzusetzen und nicht mehr zur Erde zurückkehren zu lassen, weil man damit etwa 80% der Kosten einsparen könnte, ist das erst mal nur ein trockener Vorschlag.

Doch dapd hilft, diesen Vorschlag richtig einzuordnen:

„Man würde ältere Menschen schicken, um die 60 oder so“, sagt [Wissenschaftler Dirk] Schulze-Makuch. Filmfans denken hier sofort an „Space Cowboys“, ein Streifen, in dem Helden älteren Semesters unter der Führung von Bruce Willis die Erde vor der Zerstörung durch einen Asteroiden retten.

Verwirrte Filmfans vielleicht. Denn „Space Cowboys“ ist ein Film, in dem „Helden älteren Semesters“ unter Führung von Clint Eastwood ins Weltall geschickt werden, um einen aus der Bahn geratenen russischen Satelliten vom Absturz auf die Erde abzuhalten. Der „Streifen“, in dem Bruce Willis als Anführer einer Truppe von (eher mittelalten) Öl-Bohrarbeitern die Erde vor der Zerstörung durch einen Asteroiden retten soll, heißt „Armageddon“.

Gut, dass den Redakteuren verschiedener Online-Portale dieser Fehler aufgefallen ist. Schlecht, dass sie ihn dennoch nicht richtig korrigiert bekommen haben:

„Welt Online“ etwa kriegt die Besetzung richtig auf die Reihe, irrt dann aber bei der Aufgabe der tapferen Film-Astronauten:

Filmfans denken hier sofort an „Space Cowboys“, ein Streifen, in dem Donald Sutherland, Tommy Lee Jones, Clint Eastwood und James Garner die Erde vor der Zerstörung durch einen Asteroiden retten.

Ebenso die „Basler Zeitung“:

Filmfans denken hier sofort an „Space Cowboys“, ein Streifen, in dem Helden älteren Semesters unter der Führung von Clint Eastwood die Erde vor der Zerstörung durch einen Asteroiden retten.

„RP Online“ hatte ursprünglich den falschen dapd-Satz veröffentlicht, diesen dann aber im Nachhinein dahingehend korrigiert, dass jetzt Filmtitel, Hauptdarsteller und Mission zusammenpassen — aber der Bezug zu den Renter-Astronauten verloren gegangen ist:

Filmfans denken hier sofort an „Armageddon“, ein Streifen, in dem ein paar Helden unter der Führung von Bruce Willis die Erde vor der Zerstörung durch einen Asteroiden retten.

Lediglich bei der „Financial Times Deutschland“ saß offenbar ein Filmfan, der sich richtig auskannte — und gleich den Schluss des Films verrät:

Filmfans denken hier sofort an „Space Cowboys“, ein Streifen, in dem Helden älteren Semesters unter der Führung von Clint Eastwood ins Weltallt aufbrechen – allerdings um einen defekten Sateliten zu reparieren. Die „Space Cowboys“ wenden schließlich eine nukleare Katastrophe ab, ein Astronaut muss dafür allerdings sein Leben lassen.

Mit Dank an David L.

Jeder Schütze ein Treffer

Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Das sind Fragen, die uns alle bewegen. Etwas profaner ist da schon die Frage, die sich „RP Online“ am vergangenen Freitag stellte:

Wer schießt das 3000. Tor? Düsseldorf (RPO). Seit Beginn der Bundesliga am 24. August 1963 sind 2997 Tore gefallen. Der bis heute letzte erfolgreiche Schütze heißt Mario Götze von Borussia Dortmund. Wer erzielt den 3000. Treffer? Ein Hoffenheimer oder Schalkes neues Sturmdo?

3.000 Tore sollen also in den letzten 47 Jahren Bundesliga gefallen sein. Klingt erst mal nach viel, ist es aber nicht. Allein in der letzten Saison wurden 866 Tore erzielt und in der davor 894. Tatsächlich sind in der Geschichte der Bundesliga bereits über 44.000 Tore gefallen. Selbst den Lesern kam das spanisch vor:

Kommentare

Dass an der Sache irgendwas faul ist, hat dann auch „RP-Online“ im Laufe des Tages bemerkt und sich einer höchst unsportlichen Methode der Fehlerkorrektur bedient: der sang- und klanglosen Löschung. Auf dem Portal „News Aktuell“ kann man den Artikel allerdings immer noch lesen.

Aber eine Frage bleibt. Nein, nicht die, wer denn jetzt das 3.000. Tor schießt, sondern diese: Wie kommt „RP Online“ auf so einen Unfug?

Auch wenn am Anfang des Artikels „(RPO)“ steht, ist es sehr wahrscheinlich, dass hier eine Meldung des Bundesliga-Portals von t-online.de weiterverarbeitet wurde. Dort heißt es jedoch „Wer wird der 3000. Torschütze?“ und das macht den ganzen Unterschied: Wenn jeder Torschütze nur einmal gezählt wird, also auch ein Gerd Müller mit 365 Toren, dann dürfen wir uns tatsächlich schon bald auf den 3.000. Torschützen freuen. Der „RP Online“-Redakteur, der den t-online.de-Artikel als Vorbild genommen hat, hat das leider nicht verstanden – genausowenig übrigens wie derjenige, der die Bildergalerie für t-online.de mit weiteren Jubiläumsschützen erstellt hat.

Jetzt aber doch noch: Hat sich am vergangenen Wochenende jemand als 3.000. Torschütze in die Annalen der Geschichte eintragen können?

Nein. Wir haben bei der DFL nachgefragt und uns sagen lassen, dass ihrer Statistik zufolge der Kölner Taner Yalçin am Sonntag gegen den FC St. Pauli (1:0) als 2997. Torschütze getroffen hat.

Mit Dank an Frank B.

Nachtrag, 17. September: Unser Leser Fabian K. hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass ein kurzer (und korrekter) Artikel des ‚kicker‘ vom 9. September den Berichten von t-online.de und „RP Online“ zugrunde lag.

Wirklich unfassbar ist allerdings das, was unser Leser Marcus beim Sportwettanbieter bwin.com entdeckt hat. Dort konnte man heute tatsächlich darauf wetten, welcher Spieler das 3000. Bundesligator erzielt – auf ein Tor also, das bereits vor Jahrzehnten gefallen ist. „Cisse, Gekas, Altintop – sie alle können Geschichte schreiben“ heißt es da. Dabei hatten die drei noch nicht einmal die Chance der 3000. Torschütze zu werden, da sie alle schon einmal getroffen haben. Wenn das mal kein juristisches Nachspiel hat…

Nachtrag, 18. September: Und es geht munter weiter. Arne B. und Sebastian M. weisen uns darauf hin, dass in den Live-Tickern der App iLiga 3.0 und von Bild.de Maximilian Nicu als Schütze des 3000. Bundesligatores gefeiert wurde:

Da ist doch tatsächlich noch das 3000. Bundesligator und es hätte nicht zählen dürfen. Nicu steht bei Kopfballverlängerung von Cissé klar im Abseits. Er geht diagonal auf das Tor zu und passt dann überlegt nach rechts. Dort ist ROSENTHAL mitgelaufen und schiebt souverän ein.

Nein. Es war nicht das 3000. Bundesligator und Nicu kann auch nicht der 3000. Torschütze der Liga sein, da er in der vergangenen Saison bereits drei Treffer erzielte. Mal sehen, wer noch alles in die Geschichte eingeht.

Nachtrag/Korrektur, 19. September: Diesmal habe ich mich selbst anstecken lassen: Das Freiburger Tor am Freitag hat natürlich nicht Nicu, der nur die Vorlage gab, erzielt, sondern Jan Rosenthal. Dennoch wurde erst am Samstag Luiz Gustavo von TSG 1899 Hoffenheim mit seinem Treffer zum 1:0 gegen Kaiserslautern zum 3000. Torschützen erklärt. Damit sollte das Thema jetzt endgültig erledigt sein – zumindest bis in gut zehn Jahren der 4000. Torschütze gesucht wird.

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